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Artikelaktionen

Bericht zur Köln-Exkursion der AG Museumskultur

Eine kleine Gruppe der AG Museumskultur (Carolin Benzing, Ina Brandt, Antje Coburger, Lutz Hengst, Moritz Jäger) unternahm am 2. und 3. Oktober eine Exkursion nach Köln, wo sie in zwei Tagen ein inhaltlich dichtes, hochinteressantes Programm und anregende Diskussionen erwarteten.

Freitag

Die erste gemeinsame Station am Freitag war das Kunstmuseum des Erzbistums Köln „Kolumba.“ Der 2007 eröffnete Neubau des Schweizer Architekten Peter Zumthor ist bereits für sich ein beeindruckender Anziehungspunkt, der das ansonsten ästhetisch wenig reizvolle Innenstadtviertel aufwertet. In der Architektur wirken die Kriegsruine der spätgotischen Kirche St. Kolumba, die Kapelle "Madonna in den Trümmern" und die archäologische Ausgrabung mit dem Neubau zusammen.

Zumthors Architektur sorgt auch im Inneren für spektakuläre Perspektiven und faszinierende Räume, in denen die Kunstwerke der äußerst heterogenen Sammlung, die vom frühen Christentum bis zur Gegenwartskunst reicht, in wechselnden Ausstellungen zusammen präsentiert werden. Nach dem Durchlaufen und der Besichtigung des Gebäudes samt Ausgrabungsstätte und Ausstellung trafen wir Frau Dr. Surmann, eine der Kuratorinnen des Hauses. Im Gespräch erfuhren wir einiges über die Sammlungsgeschichte (die in der Ausstellung selbst nicht transparent gemacht wird) sowie über das durchaus ungewöhnliche Ausstellungskonzept, welches neben der Architektur maßgeblich zur erfolgreichen Profilbildung des Kolumba beigetragen hat und noch beiträgt. Nach einem gesetzten Thema (die seit dem 14. September laufende Ausstellung trägt den Titel „Hinterlassenschaften“) werden verschiedenste Objekte aus der umfangreichen Sammlung ausgewählt und in einer einmal im Jahr wechselnden Ausstellung gezeigt. Die immer neuen Kombinationen, Anordnungen und Inszenierungen der Dinge sollten dem Betrachter ein neues und unbefangenes Sehen ermöglichen, die Kunstwerke sich gegenseitig beleben, erläuterte die Kuratorin. Über diese Intention, die Umsetzung sowie über die Entscheidung die Objekte ohne Texttafeln oder -schilder zu zeigen und dem Besucher lediglich ein kleines Heftchen mitzugeben, entstand eine angeregte und auch kritische Diskussion. Die Gruppe nahm diese Fragen zum Konzept und zur Realisation der Ausstellung des „Kolumba“ auch am folgenden Tag im gemeinsamen Gespräch mit Herrn Dr. Dörstel (Lehrbeauftragter am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn), der an einzelnen Programmpunkten der Exkursion teilnahm, nochmals auf. Das höchst eindrucksvolle Kolumba sorgte für reichlich Diskussionsstoff über grundsätzliche Fragen zum Museum und seinen „idealen“ Betrachter und wird die Gruppe sicherlich auch in Zukunft zu Reflexion wie erneuten Besuchen anregen.

Der nächste Termin führte uns zum Wahrzeichen der Stadt Köln, wo wir die Gelegenheit hatten die derzeitige Dombaumeisterin Frau Prof. Schock-Werner kennen zu lernen, die seit zehn Jahren als erste Frau dieses bis ins Mittelalter zurückzuverfolgende Amt innehat. Im Dom erläuterte sie die Geschichte der Domverglasung, die Idee, Entstehung und die technisch wie gestalterisch hochkomplexe Umsetzung des von Gerhard Richter entworfenen Fensters des Südquerhauses, dessen 11263 Glasquadrate in 72 Farben trotz trüben Wetters beeindruckend in den Kirchenraum leuchteten. Danach führte uns Frau Prof. Schock-Werner noch in den Domschatz, dessen Präsentationsform die Gruppe – im gedanklichen Hintergrund die schriftlose und sehr inszenierte Ausstellung im Kolumba – als gelungen und sehr sachgerecht empfand. Durch das Gespräch bekamen wir neben einer überwältigenden Flut an Informationen auch einen Einblick in das Fachwissen, die Charakterstärke und den Enthusiasmus der Kölner Dombaumeisterin, die uns nachhaltig beeindruckte.

Daraufhin befasste sich die Exkursionsgruppe nach einer kurzen Pause mit einem für die AG Museumskultur ebenso neuen wie spannenden Bereich des Kunstbetriebs. In der 1986 gegründete Galerie Kewenig sprachen wir mit dem Galerieleiter Herrn Goodrow über die Galerietätigkeit, die Verbindung mit Museen sowie über den Kunstmarkt und dessen aktuelle Lage. Die durchaus als etabliert geltende Galerie Kewenig steht gerade durch den Verkauf von großen Werken international renommierter Künstler in sehr engen und guten Beziehungen zu den Museen, nicht zuletzt um sichere und stetige Einnahmen auch in Krisenzeiten abzusichern. Sie widmet sich somit zum einen internationalen Künstlern wie z.B. Marcel Broodthaers, Imi Knoebel und Bertrand Lavier, dessen derzeit in der Galerie ausgestellten Arbeiten sich spielerisch mit dem Thema Labeling und künstlerischer bzw. handwerklicher Autorschaft in Form von emaillierten Bankenlogos auseinandersetzten. Weiter vertritt die Galerie Künstler, die in ihren Kunstwerken die Geschichte, ihre Inhalte und den Umgang mit ihr umkreisen, wie u.a. Christian Boltanski sowie Vertreter der Arte Povera wie Giovanni Anselmo, Mario Merz, Giuseppe Penone sowie James Turrell. Neben diesen internationalen Künstlergrößen bemüht sich die Galerie ebenfalls um jüngere Nachwuchskünstler. Die 2003 bezogenen sehr geschichtsträchtigen Räume (während des zweiten Weltkriegs diente das Gebäude dem britischen Geheimdienst als Zentrale) eigneten sich gut für großformatige Installationen und Skulpturen ebenso wie für die Hängung von Gemälden und Photographien, erläuterte Herr Goodrow, der uns insgesamt mit seinen Ausführungen einen sehr interessanten und offenen Einblick in die Galerietätigkeit gab.

Samstag

Am Samstag begann das Exkursionsprogramm im vor wenigen Wochen gegründeten Forschungskolleg der Kölner Universität „Morphomata. Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen.“ Im Gespräch mit Frau Dr. Larissa Förster, einem von der ehemaligen GCSC-Fellow Frau Dr. Blassnigg vermittelten Kontakt, erfuhren wir über das Konzept des neuen, interdisziplinären Kollegs sowie über Frau Dr. Försters Tätigkeit als Kuratorin. Ebenfalls diskutierten wir inhaltlich über die Praxis, Umsetzung, das Selbstverständnis und die Geschichte der Form bzw. der Institution „Museum“. Hier ergaben sich interessante Anknüpfungspunkte an Diskussionen mit Gesprächspartnern der Berlin- Exkursion im Frühjahr 2009 (z.B. Prof. Fehr oder dem Institut für Museumsforschung) sowie zu unseren eigenen Dissertationsprojekten. Das gemeinsame Interesse von Frau Dr. Förster bzw. auch des Kollegs Morphomata und der AG Museumskultur an interdisziplinären und kulturwissenschaftlichen Fragen zur Theorie, Zukunft und Geschichte des Museums regte die Idee zu einer weiteren Zusammenarbeit an, die z.B. in einem gemeinsamen Forschungsworkshop münden könnte. Nach dem Gespräch fanden wir uns mit Herrn Dr. Dörstel zu einem Abschlussgespräch zusammen bevor wir zur nächsten und letzten Station der Exkursion aufbrachen, dem Museum für Ostasiatische Kunst.

Dieses 1913 als erstes Spezialmuseum seiner Art in Deutschland eröffnete Museum zeigt Kunst aus China, Korea und Japan. Den Grundstock der Bestände bildet die Japan- Sammlung des Museumsgründers Adolf Fischer, dessen Kollektion mit buddhistischer Malerei und Holzskulptur, japanischer Stellschirmmalerei, Farbholzschnitten und Lackkunst als eine der bedeutendsten innerhalb Europas gilt. Ein weiterer Schwerpunkt der Museumsbestände liegt bei den chinesischen Sakralbronzen sowie Keramik aus China, Korea und Japan. Da aus Platzgründen grundsätzlich nicht alle Bestände des Museums gezeigt werden können, wechselt die Präsentation mehrmals im Jahr. Zurzeit befand sich außerdem eine Sonderausstellung in Vorbereitung, so dass nur ein relativ kleiner Teil der Bestände und Räume zu besichtigen war. Ebenso eindrucksvoll wie die Objekte wirkte auf uns allerdings der 1977 eröffnete Museumsbau. Entworfen von Kunio Maekawa, einem Schüler Le Corbusiers gehört er zu den wichtigsten Baudenkmälern der klassischen Moderne in Köln und knüpft mit seinen strengen, klar gegliederten Kuben auch an japanische Traditionen an. Im Zentrum des Gebäudes befindet sich ein im Stil japanischer Meditationsgärten gestalteter Landschaftsgarten, der dem Museum einen wunderschönen und charakteristischen Akzent gibt.

Nach dem Besuch des Museums für Ostasiatische Kunst war das offizielle Exkursionsprogramm beendet. Die Planung, Organisation und der Erfolg dieses sehr vielfältigen und durch die Diskussion mit den hochinteressanten Fachexperten belebten Programms ist an erster Stelle dem scheidenden Leiter und Mitbegründer der AG Museumskultur Lutz Hengst zu verdanken. Die Gruppe ließ diese rundherum gelungene und inspirierende Exkursion bei einem (kulinarisch wie musikalisch sehr hybriden) Essen in der Kölner Innenstadt gemeinsam ausklingen.

Ina Brandt, 06.10.2009