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Regie führen, statt mitspielen? Weibliches Empowerment in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Allgemeine Informationen
  • Bearbeiterin: Alina Rörig
  • Institut / Universität: Philipps-Universität Marburg, Institut für Vergleichende Kulturforschung, Fachgebiet Kultur - und Sozialanthropologie
  • Erst- und Zweitbetreuer*innen: Prof. Dr. Ernst Halbmayer (Erstbetreuer),

    Dr. Stéphane Voell (Zweitbetreuer)

  • Art des Qualifikationsprojekts: Abschlussarbeit M.A. Kultur- und Sozialanthropologie
Abstract

Im Zentrum meiner Forschung soll ein zentraler Moment des menschlichen Lebens stehen: die Geburt. Sowohl für das Kind als auch für die Eltern beginnt mit der Geburt ein neuer Lebensabschnitt. In den drei Liminalphasen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett/frühes Elternsein erleben die Eltern einen Übergang in eine neue Lebensphase. Die Gestaltung dieser Übergangsphase durch die Mütter, unter besonderer Berücksichtigung der beteiligten Diskurse, Akteur*innen und Handlungen soll in dieser Arbeit erforscht werden. Im Zentrum der Betrachtungen stehen dabei die Geburt und die Zeit unmittelbar nach der Geburt (frühes Wochenbett). Geburt soll dabei auch als potentiell krisenhafter Lebensmoment betrachtet und verschiedene Inszenierungen und Abläufe von Geburten und deren Einfluss auf das Einordnen des Geburtserlebnisses in die Biografie durch die gewordenen Eltern untersucht werden.

Forschungsleitend sollen dabei die folgenden Fragestellungen sein: Welche Taktiken nutzen (werdende) Mütter, um ihre Geburten selbstbestimmt zu gestalten? Aus welchen Gründen werden diese Taktiken wie angewandt; welchen Zweck erfüllen sie? Haben die Taktiken Einfluss auf das biografische Einordnen und das subjektive Erleben der Geburt? Wirken sie (dadurch) als Empowerment? Denkbare Strategien der Ermächtigung sind beispielsweise die Wahl des Geburtsorts und der Geburtsbegleitung, die (materielle, mediale, narrative) Inszenierung des Geburtssettings, die Ritualisierung des Geburtsablaufs und das Re-Framing der Diskurse durch verändertes Sprechen über Geburt.

Die Vorannahmen, die zu diesen Forschungsfragen führen sind die folgenden: Geburten finden in kulturell geprägten Strukturen statt, die von Brigitte Jordan als Geburtssysteme bezeichnet werden (Jordan, 1993). Das Geburtssystem, das in Deutschland und in vielen anderen Ländern vorherrscht, ist geprägt von einer starken Medikalisierung und Pathologisierung der Reproduktionsvorgänge und einer Ökonomisierung der Geburtshilfe. Beide Zustände tragen - zusammen mit weiteren Faktoren wie bspw. einem einflussstarken Sicherheitsdiskurs - dazu bei, dass 98% der Schwangeren in Deutschland in Krankenhäusern gebären und kaum eine dieser Geburten ohne Interventionen abläuft. Die Kaiserschnittrate 2015 bei 32,35% liegt - im Vergleich zu 17,8% in 1995 und gegenüber einer Rate von 10-15%, die die WHO als medizinisch indiziert ansieht - (Jung 2017, S.33), sowie einer unbekannten Zahl an Vorfällen von psychischer und physischer Gewalt, die Frauen unter der Geburt und im Wochenbett erfahren. Nichts desto trotz ermächtigen sich die Frauen ihrer Geburten wieder, finden verschiedenen Taktiken der Geburtsvorbereitung und –gestaltung. Über die Frage, ob und inwieweit diese Herangehensweisen, dieses eigenmächtige Gestalten einiger Frauen als Empowerment gelesen werden kann, soll in dieser Arbeit nachgedacht werden.