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Vom Tiroler Waisenhaus zum Weltfrieden: Gesellschaftsvisionen und die Universalisierung von Kinderwohlfahrt vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1970er Jahre

Allgemeine Informationen
  • Bearbeiterin: Katharina Wolf, (Kultur-) Historikerin
  • Institut / Universität: Justus-Liebig-Universität Gießen, Historisches Institut
  • Erst- und Zweitbetreuer*innen: Prof. Dr. Katharina Stornig, Gießen; Prof. Dr. Johannes Paulmann, Mainz

  • Art des Qualifikationsprojekts: Promotion

Autorinnenkontakt

Abstract

Das kulturgeschichtliche Dissertationsprojekt interessiert sich für die ambivalente Rolle von Kinderwohlfahrt innerhalb lokaler und internationaler Machtstrukturen nach dem Zweiten Weltkrieg und fragt danach, warum und auf welche Weise sich ‚westliche‘ institutionelle Hilfe für Kinder internationalisierte. Ausgehend von deren lokalen Etablierung soll der Prozess der Internationalisierung auf sich wandelnde Begriffe von Hilfe, Kindheit und Hilfsbedürftigkeit geprüft und an spezifische Interessengruppen geknüpft werden. 

Die Untersuchung erfolgt am Beispiel des Vereinsnetzwerkes SOS-Kinderdorf, das 1949 unter dem Eindruck der unmittelbaren Nachkriegszeit zur Aufnahme von Waisen im österreichischen Tirol gegründet wurde. Als besonderes Merkmal der Organisation ist unter anderem ihre geschlechtsspezifische Strukturierung hervorzuheben: Kinder wurden von ‚Berufsmüttern‘ in eigens gebauten Dörfern betreut, deren Vorsitz ein männlicher Dorfleiter innehatte. Damit sollte den Kindern in Abgrenzung zu zeitgenössischen Heimmodellen eine ‚Familienstruktur‘ geboten werden. Ab den 1950er Jahren wurde SOS-Kinderdorf zunehmend international tätig und stellt heute ein weltweit aktives Netzwerk dar, das sich als nichtstaatliche, unabhängige und überkonfessionelle Hilfsorganisation für Kinder in Not ausweist. 

Fokussiert werden im Projekt die Etablierungsphase der 1940er und 50er Jahre in ihrem lokalen und nationalen Kontext sowie die Internationalisierung in den 1960er Jahren. Anhand dreier Fallbeispielanalysen von Kinderdorf-Niederlassungen in Südkorea (1963), Vietnam (1967) und dem Libanon (1969) sollen frühe Gründungskontexte untersucht werden, in denen jeweils die Not von Kindern als Argumentationsgrundlage für die Expansion des Vereinsnetzwerkes postuliert wurde. Das Dissertationsvorhaben kombiniert Analysen auf der Ebene des öffentlichen medialen Diskurses, auf der Ebene organisationsinterner Kommunikation der Mitarbeitenden sowie auf institutionell-struktureller Ebene und zeigt, wie das bislang noch wenig historisch betrachtete Konzept von Kinderwohlfahrt durch komplexe Motiv- und Interessenlagen von Staaten, Organisationen und Personen strukturiert wurde und demzufolge als historisches Phänomen in seinem kulturellen, sozialen und politischen Kontext zu untersuchen ist. Essentiell sollen hierbei die Identifizierung und Analyse von vermeintlich universell gültigen Vorstellungen von Familie, Kindheit und Fürsorge in Narrativen und Praktiken sein.