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Viola Spamer

Studium der Biologie auf Diplom, 2001 - 2007 Position: Prebreeding Projekt Managerin, Syngenta AG

Mein Name ist Viola Spamer und ich habe von 2001-2007 Biologie auf Diplom an der JLU studiert. Direkt im Anschluss habe ich einige Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflanzenzüchtung und danach als wissenschaftliche Koordinatorin im International Giessen Graduate Centre for the Life Sciences (GGL) gearbeitet. In 2013 fing ich bei Syngenta Seeds GmbH in Bad Salzuflen als Prebreeding Project Manager in der Winterraps-Züchtung an.


Frau Spamer, Sie haben an der JLU Biologie in den Fachrichtungen Phytopathologie, Zellbiologie und Pflanzenökologie studiert. Was hat Sie zu dieser Studienrichtung bewegt?


Biologie im Allgemeinen und Pflanzen im Speziellen haben mich schon früh interessiert. Ich wollte wissen, wie Pflanzen aufgebaut sind, wie ihre Vielfältigkeit zustande kommt, wie sie sich ernähren, welche Krankheiten sie bekommen oder abwehren können und wie sich dies in den Kontext ihrer Umwelt einbinden lässt. Sowohl das große Ganze, als auch das Individuum wollte ich nicht aus dem Blick verlieren. Im Grundstudium merkte ich schnell, dass die Zoologie nicht die gleiche Leidenschaft in mir wecken konnte. Da lag es auf der Hand, dass ich nach dem Vordiplom die botanische Richtung einschlage. Die Fächerkombination aus Phytopathologie, Zellbiologie und Pflanzenökologie ermöglichte es mir, meinen Wissensdurst zu stillen und neue Fragen zu stellen. Nach wie vor finde ich die Mechanismen die hinter all dem stehen sehr faszinierend.


 Welche besonderen Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrer Zeit an der JLU?


Als Erstes muss ich an meine Kommilitonen denken. Gleich von Studienbeginn an haben wir einiges gemeinsam durchgemacht und uns gegenseitig unterstützt: in der Ersti-Woche zum Beispiel beim Zusammenstellen unserer Studienpläne und auch bei der Gießen-Rallye. Wir haben für einander Plätze in heiß begehrten Praktika ergattert. Damals ging das noch nicht vom PC aus, wir mussten im Hörsaal anwesend sein und uns in Listen eintragen. Dafür lagen die Termine schon mal parallel.

Mit Ihrem Engagement haben unsere Dozenten und Professoren dazu beigetragen, dass die fachlichen Inhalte spannend und interessant blieben.

Wir haben Protokolle und Tutorien zusammen erarbeitet, lange Tage in dunklen Hörsälen und verschiedenen Fachbibliotheken verbracht und die Nervosität vor Klausuren geteilt. Dabei haben wir unendlich viel Kaffee und Mensaessen vertilgt, aber auch viele lustige Momente erlebt, Partys gefeiert und Exkursionen besucht. Dass wir uns so auf uns und das Studium konzentrieren konnten, lag hauptsächlich an den sehr guten Dozenten und Professoren. Sie haben mit ihrem Engagement dazu beigetragen, dass die fachlichen Inhalte spannend und interessant blieben, aber auch die persönliche Note nie fehlte. Wir wurden gefordert und gefördert.


 Wie haben Sie Ihre aktuelle Stelle gefunden und wie war der Bewerbungsablauf?


Ich habe viele Online-Jobbörsen ständig durchforstet, war auf einigen Jobmessen und habe auf firmeneigenen Jobportalen mein Bewerberprofil hinterlassen. Der passende Job war lange nicht dabei. Letztendlich bin ich auf die Anzeige zu meiner derzeitigen Position in einer Jobbörse gestoßen. Um mich zu bewerben habe ich ganz klassisch meine Bewerbungsunterlagen inklusive Anschreiben zu einem digitalen Dokument zusammengefasst und mit einer kurzen E-Mail an die angegebene Adresse geschickt. Daraufhin wurde ich zu einem Telefonat eingeladen, in dem es unter anderem um den ausgeschriebenen Beruf, meine Ausbildung und die benötigten Qualifikationen ging. Im nächsten Schritt wurde ich zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Bei diesem Termin wurden Fragen aus dem vorherigen Gespräch aufgegriffen, weitere Themen besprochen und auch eine Arbeitsplatzbesichtigung fand statt. Da ich sehr begeistert von dem Team, den Ausführungen zu der Stelle und der Firma war, schrieb ich eine Email, in der ich bekräftigte die Stelle antreten zu wollen. Kurze Zeit später erhielt ich einen Anruf mit der Zusage.


 Wie kann man sich Ihren Arbeitstag vorstellen?


Syngenta gehört zu den führenden Unternehmen der Agrarbranche und arbeitet daran das Ertragspotenzial von Nutzpflanzen ständig zu verbessern. Als Prebreeder trage ich dazu bei, indem ich immer auf der Suche nach Neuem - sei es Genetik, Technologien oder Methoden - bin. Auf Konferenzen informiere ich mich daher regelmäßig über den neuesten Stand der Wissenschaft und evaluiere, was implementiert werden kann und sollte.

Somit ist ein großer Bestandteil meiner täglichen Arbeit Projektmanagement für interne Projekte, aber auch für die Zusammenarbeit mit externen Forschungspartnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. In der praktischen Umsetzung bedeutet dies, dass ich Forschungsanträge stelle, Fördermittel einwerbe, Saatgut- und Datenaustausch koordiniere und Dokumente von der Projekt-Charter bis hin zu der Strukturierung von Arbeitspaketen ausarbeite.

In der Ausführung dieser Projekte arbeite ich sehr häufig mit Pflanzenmaterial, welches nicht an modernen Feldbedingungen angepasst ist und nicht die üblichen Merkmalskombinationen von Elitesorten trägt. Wenn man Elitesorten mit derartigen Exoten kreuzt, verliert man die Hochleistungsfähigkeit, der Ertrag und die generelle Kombinationseignung sinken. Es müssen unendlich viele Nachkommen angeschaut werden, um den gewünschten Genotyp zu finden, der die Resistenz enthält und gleichzeitig im Elitezuchtprogramm bestehen kann. Ein weiteres Ziel des Prebreedings ist die Erhöhung der genetischen Diversität im Zuchtmaterial. Moderne Hochleistungssorten sind sich genetisch sehr ähnlich, da im Selektionsprozess im Laufe der Zeit immer das Beste mit dem Besten gekreuzt wurde.

Dies gilt nicht nur in der Rapszüchtung. Prebreeding ist für alle Kulturarten wichtig und wird in allen Syngenta Züchtungsprogrammen durchgeführt.


 Welche Qualifikationen und Fähigkeiten sind für Ihre Arbeit nötig und hilfreich?


 Man sollte auf jeden Fall Organisationstalent, Stressresistenz, Verantwortungsbewusstsein und Motivation zum eigenverantwortlichen und flexiblen Arbeiten mitbringen. Ein starker Wille, täglich Neues zu lernen und dies proaktiv einzusetzen ist unbedingt von Nöten. Zudem sind in einem global operierenden Unternehmen sehr gute Englischkenntnisse und Teamwork gefragt, denn oft sitzen Kollegen, mit denen man sehr eng zusammenarbeitet, in einem anderen Land. Hierzu ist auch kulturelle Intelligenz Voraussetzung.

Als Qualifikation ist ein abgeschlossenes Studium im agrarwissenschaftlichen Bereich ideal, es gibt aber auch die Möglichkeit sich nach der Berufsausbildung einzuarbeiten oder mit Abschlüssen anderer naturwissenschaftlichen Studiengängen quer einzusteigen. Am besten ist es, wenn man Berührungspunkte zur Pflanzenzüchtung nachweisen kann.


Inwiefern hat Sie Ihr Studium auf Ihre aktuelle Position vorbereiten können?


Fast täglich werde ich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen konfrontiert, welche ich einordnen muss. Sei es bei der Literaturrecherche, oder bei Projekttreffen mit Kollaborationspartnern aus der Wissenschaft. Das Studium hat mir dazu das notwendige Grundlangen- und Hintergrundwissen und auch dessen Zusammenhänge vermittelt. Gleichzeitig habe ich gelernt mich kritisch mit fachlichen Inhalten und deren Entstehung auseinanderzusetzen. Das hilft mir heute sehr.

Neben den fachlichen Qualifikationen wurden auch meine Soft Skills geschult. Im Studium war es wichtig, sich selbst und seine Arbeit zu organisieren und Prioritäten zu setzen. Man lernt seine Talente und Grenzen besser einzuschätzen. Zudem entwickelt man im dauerhaften Umgang mit Kommilitonen, Dozenten und Professoren aus allen Schichten und Regionen, eine bessere soziale und kulturelle Intelligenz. Im Grunde gewinnt man wichtige Lebenserfahrung.


 Welchen persönlichen Rat haben Sie für Gießener Studierende zum Berufseinstieg?


Mir sagte man immer, es sei schwierig als Biologe einen Job zu bekommen, geschweige denn einen der den eigenen Vorstellungen entspricht. Lasst euch von solchen Aussagen nicht entmutigen, auch wenn es etwas dauert bis eine Zusage kommt. Es gibt so viele Möglichkeiten wie ihr euer Wissen und Können einsetzen könnt. Setzt euch ein Ziel und arbeitet darauf hin, seid nur nicht zu verbissen. Ihr solltet nicht vergessen nach links und rechts zu schauen, denn manchmal bieten sich tolle Gelegenheiten, an die man selbst nicht gedacht hat.

Fangt so früh wie möglich an zu netzwerken!

Informiert euch auf jeden Fall ausführlich über das Unternehmen und die Position auf die ihr euch bewerben möchtet. Solltet ihr euch dafür entscheiden, könnt ihr in Bewerbungsgesprächen nicht nur gut Antworten, sondern auch Rückfragen stellen. So zeigt ihr, dass ihr euch mit dem Job auseinandergesetzt habt und ihn wirklich wollt.

Und selbst, wenn es zunächst keine „richtige“ Stelle geben sollte, macht Praktika, sucht euch Nebenjobs. Damit zeigt ihr euer Engagement, und dass ihr offen Neues angeht. Am besten schaut ihr euch während des Studiums schon um. Fangt so früh wie möglich an zu netzwerken!



Wir bedanken uns für das Gespräch!

(Interview: August 2017)