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ArbeiterKind.de: Katja Urbatsch


Alumni Service: Frau Urbatsch, Sie wurden im Oktober 2018 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für Ihr Engagement bei Arbeiterkind.de geehrt, wozu wir Sie an dieser Stelle zunächst herzlich beglückwünschen möchten. Sie ermutigen mit Ihrer Organisation seit 2008 bundesweit Schülerinnen und Schüler aus Familien ohne Hochschulerfahrung dazu, als Erste in ihrer Familie zu studieren. Wie kam es zu dieser Idee und schließlich zu der Gründung des Internetportals Arbeiterkind.de?


Katja Urbatsch: Vielen Dank! Als ich anfing zu studieren, fühlte ich mich häufig, als wäre ich nicht am richtigen Ort und teilweise auch etwas verloren. Vor den Professoren hatte ich so eine große Ehrfurcht, dass ich mich am Anfang nur in Seminare von wissenschaftlichen Mitarbeitern traute. Als es darum ging die erste Hausarbeit zu schreiben, fragte ich eine Kommilitonin um Rat, denn ich wusste nicht wie so etwas aussehen sollte. Sie sagte daraufhin, dass ihr Vater ihr beim Schreiben ihrer Hausarbeit geholfen hätte. Ich hatte niemanden im familiären Umfeld, der mir dabei hätte helfen können. Da wurde mir plötzlich bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Studierenden, deren Eltern studiert haben, und Studierenden wie mir, deren Eltern nicht studiert haben, gibt. So kam ich auf die Idee, ein Internetportal zu gründen, das Informationen speziell für Studierenden aus Familien ohne Hochschultradition bereithält.

 

Alumni Service: Was als Webseite startete, hat sich zur größten zivilgesellschaftlichen Organisation in Deutschland zur Unterstützung von Studierenden der ersten Generation entwickelt. Haben Sie mit so viel Erfolg gerechnet, als Sie die Initiative gründeten?


 

Viele unserer Engagierten sind selbst die Ersten, die in ihrer Familie studieren oder studiert haben. Sie wissen, welche Hürden es zu meistern gilt und können in besonderer Weise auf die Probleme der Ratsuchenden eingehen."

Katja Urbatsch: Nein, vor zehn Jahren hätte ich nicht mit solch einer intensiven und langandauernden Reaktion gerechnet. Die Resonanz war überwältigend. Bereits einen Tag bevor das Portal online ging, berichtete die Frankfurter Rundschau über unser Netzwerk, nach der Freischaltung erreichten uns unglaublich viele Medienanfragen. Zahlreiche Radiohörer und Zeitungsleser meldeten sich bei uns und berichteten von ihrer eigenen Bildungsgeschichte. Innerhalb von nur 3 Jahren schlossen sich bundesweit 3000 Ehrenamtliche in 80 Städten an. Heute engagieren sich 6.000 Ehrenamtliche in 75 lokalen Gruppen. Das hätte ich mir damals selbst in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

 

Alumni Service: Gibt es persönliche Erfahrungen, die Sie besonders zur Gründung von Arbeiterkind.de motiviert haben?


Katja Urbatsch: Ich habe erst sehr spät erfahren, dass es Studienstipendien gibt und dass man von Begabtenförderwerken nicht nur finanziell unterstützt wird, sondern auch ideell. Glücklicherweise erfuhr ich rechtzeitig, dass Studierende aus meinem Institut mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ein Jahr in den USA verbrachten. Es war schon immer ein großer Traum von mir gewesen, ein oder zwei Semester in Amerika zu studieren. Für die Bewerbung brauchte ich ein „Study Proposal“, eine Art Motivationsschreiben einschließlich Studienplanung. Ich hatte keine Ahnung, wie das aussehen sollte. Ich fragte meinen Bruder um Rat, obwohl er selbst in solchen Dingen keine Erfahrung hatte. Es hat dann geklappt mit dem Stipendium und dem Auslandssemester. Mein gesamtes Wissen rund ums Thema Studium wollte ich dann nach meiner Rückkehr anderen zugänglich machen.

 

JLU: Wie genau unterstützen Sie Schüler*innen und Studierende und wie finden diese den Weg zu Ihnen?

 

Katja Urbatsch: Wir informieren, ermutigen und begleiten auf dem Weg zum Studium, währenddessen und auch danach beim Berufseinstieg. Viele unserer Engagierten sind selbst die Ersten, die in ihrer Familie studieren oder studiert haben. Sie wissen, welche Hürden es zu meistern gilt und können in besonderer Weise auf die Probleme der Ratsuchenden eingehen. Vor Ort bieten unsere Engagierten offene Treffen, Sprechstunden und ein individuelles Mentoring an. Sie gehen in die Schulen und informieren SchülerInnen rund ums Thema Studium, erzählen ihre eigene Bildungsgeschichte und machen damit Mut. Neben der Webseite, die umfassende Informationen zu Studienfinanzierung und Stipendien zur Verfügung stellt, gibt es ein Infotelefon für Studieninteressierte und Eltern. Wir haben außerdem ein eigenes soziales Online-Netzwerk mit 12.000 Mitgliedern, das dem Austausch und der Vernetzung dient. Unser Angebot ist persönlich, vielfältig und niedrigschwellig.


Alumni Service: Mit nun rund 6000 ehrenamtlichen Helfer*innen in insgesamt 75 lokalen ArbeiterKind.de-Gruppen haben Sie sicherlich einen großen organisatorischen Aufwand zu bewältigen: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?


Alumni Service: Mein Arbeitsalltag als Geschäftsführerin ist in der Tat sehr vielfältig. Meine Aufgabe ist den Überblick zu behalten, über unser Engagement im gesamten Bundesgebiet und über all unsere Projekte. Ich bin für meine MitarbeiterInnen ansprechbar und suche mit Ihnen gemeinsam Lösungen für aktuelle Probleme und Herausforderungen. Mir ist es aber auch wichtig, den Kontakt zu unseren Ehrenamtlichen zu behalten, sodass ich zum Beispiel auch an vielen unserer Regionaltreffen teilnehme. Zudem reise ich viel, um in ganz Deutschland Unterstützer und Förderer zu treffen oder ArbeiterKind.de im Rahmen von Tagungen und Podiumsdiskussionen vorzustellen.

 

Alumni Service: Welche Meilensteine in der Geschichte von Arbeiterkind.de haben für Sie die größte Bedeutung?


Katja Urbatsch: Ein großer Meilenstein war, dass ich 2009 Ashoka Fellow wurde und damit in ein weltweites Netzwerk von SozialunternehmerInnen aufgenommen wurde. Das damit verbundene 3-jährige Stipendium hat mir ermöglicht, mich Vollzeit auf den Aufbau von ArbeiterKind.de zu konzentrieren. Als nächstes waren für mich sowohl die ersten als auch jede weitere hauptamtliche Mitarbeiterstelle große Meilensteine, denn dies hat uns ermöglicht, unseren Ehrenamtlichen immer bessere Rahmenbedingungen für ihr Engagement zu bieten und somit mehr SchülerInnen und StudentInnen aus nicht-akademischen Familien zu erreichen. Darüber hinaus sind unsere Geburtstage, wie der 3., der 5. oder in diesem Jahr der 10. für mich bedeutende Meilensteine.

 

 An Gießen gefällt mir, wie das Universitätsleben ein lebendiger Teil der Stadt ist und beide wunderbar miteinander zusammenarbeiten."

Alumni Service: Sie waren nach Ihrem Hochschulabschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. Was genau war dort Ihr Einsatzgebiet?


Katja Urbatsch: Ich war 2007 eine der ersten Mitarbeiterinnen, des GCSC, das im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert wurde. Verantwortlich war ich für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, das heißt ich habe zum Beispiel den Newsletter und Pressemitteilungen verfasst. Außerdem habe ich die Entwicklung eines Corporate Designs, wie zum Beispiel das Logo, und von Informationsmaterialien betreut. Gleichzeitig war ich Doktorandin am GCSC und habe mit der Arbeit an meiner Doktorarbeit begonnen.

 

Alumni Service: Was hat Ihnen persönlich an der Universitätsstadt Gießen besonders gut gefallen?


Katja Urbatsch: An Gießen gefällt mir, wie das Universitätsleben ein lebendiger Teil der Stadt ist und beide wunderbar miteinander zusammenarbeiten. Zudem gefällt mir die Bodenständigkeit der Menschen und Mischung aus altem und neuem. Es gibt eine Reihe von älteren Gebäuden, die den Krieg überstanden haben, aber die Zerstörungen des Krieges haben auch durchaus Platz für Neues und für Innovationen geschaffen. Gefallen hat mir auch das kreative Kulturleben mit vielen spannenden Veranstaltungen.

 

Alumni Service: Welchen persönlichen Rat haben Sie für Gießener Studieneinsteiger*innen?


Katja Urbatsch: Lassen Sie sich auf Gießen ein und entdecken Sie die Stadt. Sie ist spannender und schöner als man vielleicht auf den ersten Blick denkt. Zudem empfehle ich, am Samstag, den Wochenmarkt zu besuchen. Das hat mir immer sehr viel Freude gemacht.



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