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Sinem Özkan


Frau Özkan, Sie haben einige Jahre Ihres Lebens an der JLU verbracht. Wie kam es dazu, dass Sie sich für den Studiengang „Gesellschaft und Kulturen der Moderne“ und auch für die JLU entschieden haben?

Als ausländische Studierende hatte ich mehrere Bewerbungen geschickt, um sicher zu gehen. Von diesen fünf bis sechs Bewerbungen hatte ich, soweit ich mich erinnern kann, vier Zusagen bekommen und sofort angefangen, diese Studiengänge miteinander zu vergleichen. Alle Studiengänge waren Soziologie Master und hatten ziemlich feste Schwerpunkte. Die Kombination von unterschiedlichen Schwerpunkten und die Möglichkeit, Theorie und Praxis zusammen zu lernen, so wie es in der JLU der Fall war, war für mich sehr interessant. Aber der entscheidende Punkt war, dass es bei Gesellschaft und Kulturen der Moderne keine Seminare zur "Einführung für Soziologie I-II" gab.

 

Sie sind in der Türkei aufgewachsen und erst vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen. Was waren zunächst Chancen und Herausforderungen in Ihrem Studium?

Ich habe in der Türkei den Bachelor in Soziologie abgeschlossen. Dort hatte aber das Programm einen anderen Fokus. Bei Gesellschaft und Kulturen der Moderne konnte ich von klassischen Soziologen bis zu modernen Theorien alles lernen. Eine weitere Chance war, dass ich hier mehr über Methoden lernen und  erproben konnte. Die schwierigste Herausforderung war die Sprache. Ich hatte in neun Monaten die Sprache gelernt und die Prüfungen bestanden. Bis der Bewerbungsprozess beendet war, waren weitere Monate vorbei und das ist eine ziemlich kurze Zeit, um mit einer Fremdsprache Soziologie zu studieren. Vor allem war mir die akademische Sprache auch vom Deutschkurs nicht bekannt: die Formulierungen, Wörter, Begriffe... Eine andere Herausforderung waren meine fehlende soziologische Grundkenntnisse für das Masterstudium, die ich während meines Masterstudiums durch Bachelorseminare und Vorlesungen teilweise lernen musste.

 

Was war die prägendste Erfahrung, die Sie im Studium gemacht haben?

Die Exkursion nach Südafrika mit Dr. Rakelmann und Prof. Dr. Ahrens und den Verein an.ge.kommen mitgründen.

 

Sie haben bereits erwähnt, dass Sie vor einigen Jahren den Verein an.ge.kommen e.V. mitgegründet haben. Wie kam es dazu?

2015 erlebte die Stadt Gießen, auch durch die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung, einen ziemlich starken Zuzug von neuen Zuwanderern. Die staatlichen und kommunalen Strukturen waren nicht vorbereitet auf solch ein Ereignis, daher dauerten die Verfahren länger und die Bedingungen zum Ankommen waren nicht unbedingt optimal. Wir wollten durch bürgerschaftliches Engagement diese Lücken füllen und das Ankommen für Geflüchtete erleichtern. Die Idee hatte ich bei meinem Praktikum; da ich dort einen Rechtsanwalt aus Syrien kennengelernt hatte. Die Situation allgemein war schon in unterschiedlichen Freundeskreisen ein wichtiges Thema und viele waren bereit etwas zu initiieren. So kamen wir zu fünft zusammen und haben angefangen, eine Struktur beziehungsweise eine Plattform für ähnliche Ideen aufzubauen.


Was sehen Sie als die wichtigsten Aufgaben des Vereins an?

Der Verein versucht den neuen Zuwanderern ihr Ankommen zu erleichtern und Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen zusammen zu bringen. Das ist eine der schönsten Willkommensaktionen in der Stadt, weil der Verein durch freiwillige Arbeit funktioniert. Deswegen ist es sehr wichtig, dass der Verein weiter unterschiedliche Möglichkeiten und Plattformen für die Freiwilligen öffnet.

 

Frau Özkan, inzwischen arbeiten Sie als WIR-Fallmanagerin im Büro für Integration. Wie kann man sich diese Position vorstellen? Was sind Ihre Aufgaben und Ihre Ziele?

WIR-Fallmanagement für Geflüchtete ist eine vom Landesprogramm WIR geförderte Stelle. Das Ziel der Förderung vom WIR-Programm ist die Umsetzung einer zukunftsorientierten Integrationspolitik für Menschen mit Migrationshintergrund als gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe unter Einbeziehung von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Dabei sind wir zuständig für die Zielgruppe Geflüchtete. Wir machen systematische Bedarfsanalyse und erproben entsprechend unterschiedliche Lösungsansätze mit Akteuren zusammen.

 

Wie hat Sie das Studium an der JLU auf Ihr Berufsleben und Ihre aktuellen Aufgaben vorbereitet?

Bei meinem Studium habe ich gelernt, systematisch und analytisch zu denken sowie Bewegungen der Gesellschaft in unterschiedlichen Perspektiven zu beobachten und realisierbare Lösungsansätze zu finden. Das war die perfekte Vorbereitung für meine Tätigkeiten in meinem Berufsleben. Man kann vieles auch später lernen: neue Theorien und Studien muss man immer wieder erlernen. Das Wichtigste bei meinem Studium war und ist es, meines Erachtens, soziologisches Denken zu lernen.

 

Noch eine Frage zum Abschluss: Von Alumna zu Student/in: Was raten Sie angehenden Akademikerinnen und Akademikern?

Man hat oft die kreativste Phase des Lebens beim Studium, bei der man ohne Verbindlichkeiten oder Bürokratie frei denken und handeln kann. Mein Rat wäre daher denken, analysieren, das Netzwerk anderer freier Denker zu genießen.

 

Herzlichen Dank!


Das Interview wurde im Mai 2019 geführt.


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