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Frank-Walter Steinmeier

1991 begann er eine Laufbahn in der niedersächsischen Staatskanzlei: Beginnend als Referent für Presse- und Medienrecht, anschließend als Leiter des persönlichen Büros des Ministerpräsidenten, ab 1994 als Leiter der Abteilung für Richtlinien der Politik. 1996 wurde er Staatssekretär und Leiter der Niedersächsischen Staatskanzlei. Nach den Bundestagswahlen 1998 wechselte er nach Bonn/Berlin und war zunächst Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragter für die Nachrichtendienste; ab 1999 Chef des Bundeskanzleramtes. Von 2005 bis 2009 war er Bundesminister des Auswärtigen und von 2007 bis 2009 Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland. Von Dezember 2013 bis Januar 2017 war er Bundesminister des Auswärtigen und ist seit März 2017 Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.

 


Sie haben einige Jahre Ihres Lebens an der JLU verbracht. Was haben Sie für sich persönlich mitgenommen?

Natürlich die formalen Voraussetzungen für ein berufliches Leben mit einer nicht vorauszusehenden Vielfalt möglicher Anforderungen. Aber auch die Erinnerung an gute Studienbedingungen und an ein intellektuelles Klima, das Neugier weckte am akademischen

 

Was hat Sie damals bewogen, sich für die JLU zu entscheiden?

Am Ende war es die Zuweisungsentscheidung der ZVS im September 1976. Gießen stand aber auf meiner Wunschliste oben, weil mindestens unter Eingeweihten bekannt war, dass sich hier eine „kleine“ Universität aufgemacht hatte, das juristische Studium nachhaltig zu reformieren, in Lehre zu investieren und interessante Köpfe für Gießen zu gewinnen.

 

Was verbindet Sie heute mit der JLU? Stehen Sie noch in Kontakt zu ehemaligen Kommilitonen?

Im Winter 2009/2010 habe ich in der schön restaurierten Aula die Rede zum akademischen Jahr halten dürfen. Zum verstorbenen Präsidenten der JLU Stefan Hormuth hatte ich als Außenminister enge berufliche Kontakte über den DAAD; ebenso wie ich auch mit seinem Nachfolger, Herrn Prof. Mukherjee, in regelmäßigem Austausch bin. Mit dem Kanzler der JLU, Dr. Breitbach, verbindet mich eine Freundschaft aus alten Tagen gemeinsamer Assistentenzeit. Und natürlich gibt es nach wie vor Verbindungen zu früheren Kommilitonen, vor allem zu denen, die in der Nähe geblieben sind.

 

Gibt es aus Ihrer Studienzeit eine interessante Geschichte, die Ihnen einfällt, wenn Sie an Ihre Zeit an der JLU zurückdenken?

Wirklich gern erinnere ich mich an die außergewöhnlichste Figur unter den Lehrern an deutschen Rechtsfakultäten: Helmut Ridder! In seinen Vorlesungen entfachte er ein intellektuelles Feuerwerk und schlug – beinah unabhängig vom Thema – seine Volten: Von den aktuellen Problemen des Verfassungsrechts über mittelalterliches Kirchenrecht bis zur klassischen Philosophie Athens. Vermeintliche Randthemen wurden zunächst in eckigen Klammern, dann in runden Klammern und, wenn das nicht reichte, in Fußnoten erläutert. Alles in freiem Vortrag, versteht sich! 

 

Vermissen Sie manchmal den Wissenschaftsbetrieb?

Nicht den Betrieb und manche aufgesetzte Betriebskrankheit. Aber vieles schon! Mir hat die Arbeit an der Fakultät immer viel Freude gemacht, und ich bin froh über die Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe. Viele meiner politischen Grundüberzeugungen haben sich dort gebildet, mein Blick auf Politik und Gesellschaft hat sich dort geschärft. Ich wäre nicht der, der ich bin, ohne den Freiraum und ohne die Begegnungen dieser Jahre.

 

Gab es während Ihrer Zeit an der JLU eine Veranstaltung, die Sie - im Nachhinein betrachtet - als besonders wertvoll für Ihren Werdegang erachten?

Ganz sicher war es nicht die eine Veranstaltung. Eher waren da Auftritte und Ringvorlesungen außerhalb der Ausbildungsroutine, in denen wir intellektuelle Schwergewichte der Republik von Wolfgang Abendroth bis Jürgen Habermas gehört, bestaunt und bewundert haben. Wertvoll waren mir die Freiräume, der eigenen wissenschaftlichen Neugier nachzugehen, und die Gleichzeitigkeit von Studium und politischem Engagement in- und außerhalb der Gremien der Universität. All das gab Gelegenheit zur Horizonterweiterung, auch über die eigene Disziplin hinaus.

 

Was würden Sie heute in Ihrem Studium anders machen?

Eher bin ich mir nicht sicher, ob ich mein Studium heute noch einmal genauso machen könnte. Die Studienbedingungen haben sich deutlich verändert. Das Hören in benachbarten Disziplinen, wissenschaftliche Seminare jenseits des Pflichtscheins, all das dürfte heute infolge des gewachsenen Zeitdrucks weniger üblich und möglich sein – schade!

 

Welcher universitäre Abschluss bereitet einen Menschen wohl am ehesten auf ein Leben als Berufspolitiker vor?

Leben ist das, was man nicht plant, das sich aber gleichwohl ereignet. Bei mir gab es keine gerade Linie vom Studium bis zur Politik. Dass Politik zu einem Beruf werden könnte, habe ich im Studium weder geahnt noch entschieden. Konkret wurde diese Entwicklung im Grunde auch erst fast ein Jahrzehnt nach Ende des Studiums. Juristerei ist auch keine Voraussetzung für Politik: Das zeigen viele politische von Nicht-Akademikern oder Akademikern mit anderen Abschlüssen. Trotzdem bin ich froh, dass ich auf meine juristischen Kenntnisse nicht verzichten muss, weil sie auch in Positionen mit politischer Entscheidungsverantwortung extrem nützlich sind. 

 

Besitzen Sie noch Erinnerungsstücke aus Ihrer Studienzeit? 

Vor allem natürlich Bücher, leider nur wenige Fotos. Aber einige Seminarunterlagen und Manuskripte, unterschiedliche Stadien meiner Doktorarbeit ruhen noch in Kisten im Keller.

 

Von Alumnus zu Student/in: Was raten Sie angehenden Akademikerinnen und Akademikern? 

Dem Rat derjenigen nicht zu vertrauen, die die berufliche „Nützlichkeit“ akademischer Qualifikationen in Zweifel ziehen. Am Ende ist vielleicht gar nicht der akademische Titel entscheidend. Fast wichtiger ist das intellektuelle Fundament, das man sich in der Phase eigener akademischer Anstrengungen legt. In Erinnerung an meine Assistenzen habe ich vermutlich niemals mehr in späteren Lebensphasen so umfassend gelesen wie in jenen Jahren. Und meine Erfahrung ist: Davon wird man lange zehren!

 

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