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Dietmar Georg

 

 

Sie haben einige Jahre Ihres Lebens an der JLU verbracht. Was haben Sie für sich persönlich mitgenommen?

Das Studium der Wirtschaftswissenschaften in Gießen (9 Semester, 1973 bis 1977/78) war für mich ein willkommener Neuanfang nach den drei schwierigen Oberstufenjahren im Freiherr-von-Stein Gymnasium in Betzdorf. Gießen war damals eine von ganz wenigen Unis, an denen man BWL und VWL in einem kombinierten Studiengang “Wirtschaftswissenschaften” mit dem Abschluss Diplom-Ökonom studieren konnte.

Ich erinnere mich gerne an die 4 ½ Jahre in Gießen. Zum ersten Mal alleine lebend, jedoch unweit der Heimat, sodass man problemlos jedes Wochenende nach Hause fahren konnte (u. a. “um die Wäsche abzugeben…”). Gießen war eine “mittlere Kleinstadt”, sodass der Schritt vom Leben auf dem Lande in die (Universitäts-)Stadt leicht zu bewältigen war.

Gießen zählte damals nicht unbedingt zu den beliebtesten Universitätsstädten. Wohl eher zufällig waren dies Städte, die alle mit “M” anfingen: Münster, Mainz, Marburg, München. Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass ich genau das richtige Studium gewählt hatte. Mein Interesse galt in erster Linie der Volkswirtschaftslehre. Die Beimischung der Betriebswirtschaftslehre war jedoch sinnvoll im Hinblick auf die späteren Berufsaussichten. 

“Schicksalsträchtig” für mich war die Berufung von Prof. Hans G. Monissen an den JLU-Lehrstuhl Geld und Kredit. Dies war im Jahr 1975. Ich habe seine erste Vorlesung in Gießen besucht und wurde sein erster „HiWi“ (Wissenschaftliche Hilfskraft). Zur Einstellung als HiWi stellte Prof. Monissen die Bedingung, dass ich das nächste Semester ausschließlich englischsprachige Fachliteratur lesen müsse. Ich habe mich daran gehalten, was mir akademisch und natürlich sprachlich viel gebracht hat. 

Prof. Monissen wurde mein Mentor und hat meine akademische und private Entwicklung wesentlich beeinflusst. Ich habe das Diplom nach dem Wintersemester 1978 mit der Note 1,8 abgeschlossen. Im Mai 1978 war ich mit 24 Jahren mit großer Sicherheit der jüngste männliche Diplomand, unter anderem, weil ich gesundheitsbedingt nicht zum damals 18-monatigen Wehrdienst eingezogen worden war. Wenn ich mich recht erinnere, war dies die beste Durchschnittsnote aller 102 Diplomanden. Den 1. Platz musste ich mir allerdings mit Dr. Harald Lührmann, dem späteren Gießener Stadtkämmerer, teilen.

Kurz vor dem Diplom im Frühjahr 1978 nahm mich Prof. Monissen, der selbst in den USA studiert hatte, zur Seite und sagte (in etwa): “Herr Georg, Sie können gerne bei mir promovieren. Eine Alternative zur Promotion wäre, dass Sie noch ein Jahr in die USA gehen und dort ihren Masterabschluss in Economics machen. Ich würde Ihnen helfen, ein Stipendium zu bekommen“

Ich habe mir dies nicht lange überlegt und mich für die zweite Option entschieden. Die JLU hatte damals ein Austauschprogramm mit der Kansas State University (KSU). Dank Prof. Monissen habe ich ein Stipendium von der KSU bekommen und dort zwei Semester VWL mit Abschluss M. A. Economcis studiert.

Im Juli 1978, am zweiten Tag meines ersten Aufenthaltes im “Lande der unbegrenzten Möglichkeiten”, habe ich meine Frau Barbara kennen gelernt. Sie ist Amerikanerin und hat damals ebenfalls an der KSU studiert. Wir sind seit November 1979 verheiratet und haben zwei erwachsene Söhne und ein Enkelkind. 2009 habe ich die US-Staatsangehörigkeit angenommen, nachdem das Bundesverwaltungsamt in Köln mir mitgeteilt hatte, dass ich die deutsche Staatsangehörigkeit trotzdem beibehalten dürfe.

 

Was verbindet Sie heute mit der JLU? Stehen Sie noch in Kontakt zu ehemaligen Kommilitonen?

Ich muss leider beide Fragen mehr oder weniger mit “Nein” beantworten. Zur ersten Frage: Ich bin in den 35 Jahren seit meinem Diplom-Abschluss im Mai 1978 nicht ein einziges Mal an die JLU zurückgekommen. Unser Treffen an meinem 59. Geburtstag im Juni 2013 war der erste Kontakt/Besuch zur JLU nach 35 Jahren. Die Gründe hierfür liegen natürlich u. a. darin, dass ich seit 1978 weit überwiegend in den USA lebe.

Kontakte zu ehemaligen Kommilitonen habe ich relativ wenige. Eine Kommilitonin möchte ich jedoch namentlich nennen: Dr. Ruth Vierbuchen.

Wir haben beide gemeinsam 1973 am Freiherr-von-Stein Gymnasium Betzdorf Abitur gemacht, kannten uns damals jedoch nicht. Auch in Gießen, wo wir beide an der WiWi-Fakultät studiert haben, sind wir uns erst nach dem Vordiplom, wohl im Jahr 1976, wieder begegnet. Wir sind in den letzten drei Semestern dann eine sehr intensive “Pauk-Partnerschaft” eingegangen. Wir haben uns drei- bis viermal die Woche mehrere Stunden in ihrer Wohnung getroffen, um uns auf die Diplom-Prüfungen vorzubereiten. Die „Pauk-Partnerschaft“ war sehr erfolgreich und wir haben beide gemeinsam das Diplom im Frühjahr 1978 geschafft. Frau Dr. Vierbuchen ist heute Chefredakteurin des Brancheninformationsdienstes “Handelsimmobilien-Report”. Wir sind über die Jahre hinweg in Kontakt geblieben und haben uns letztmalig beim 40. Abitur-Klassentreffen im Jahr 2013 in Betzdorf getroffen.

An folgende weitere Kommilitonen kann ich mich noch – dank Ihrer Hilfe – erinnern: Werner Arnold, Burkhard Schäfer und Edwin Zulauf. Wir hatten darüber hinaus eine Skatrunde, die sich in den späten Semestern wöchentlich in einer Wirtschaft in Grossen- oder Alten-Buseck getroffen hat. Werner Arnold und Ortwin Klos gehörten zu unserer Runde. Letzterer war der beste Skatspieler und zu meinem Leidwesen nicht Wirtschaftswissenschaftler, sondern Jurist an der JLU.

Werner Arnold und Burkhard Schäfer waren darüber hinaus Mitglieder einer insgesamt vier oder fünf WiWi-Studenten umfassenden “Paukgemeinschaft”, die die Vorlesungen mitgeschnitten und anschliessend abgetippt haben. Auf diese Weise hatten wir sehr gute Unterlagen zu allen “prüfungsrelevanten” Vorlesungen.


Gibt es aus Ihrer Studienzeit eine interessante Geschichte, die Ihnen einfällt, wenn Sie an Ihre Zeit an der JLU zurückdenken?

Mir fällt da die folgende Anekdote ein: Ein befreundeter Kommilitone hatte gehörigen Zeitstress bei der Abgabe seiner Diplomarbeit. Endgültig letzter Abgabetermin war 12 Uhr mittags an einem Samstag. Zwei Tage vor Abgabeschluss, also irgendwann morgens am Donnerstag, hatte der Kommilitone noch nicht eine einzige Seite seiner Diplomarbeit vom handschriftlichen Manuskript in Maschinenschrift übertragen. Wenn ich mich recht erinnere, hatte die Diplomarbeit ca. 60-70 Seiten.

Da ich meine Diplomarbeit bereits fertiggestellt hatte, habe ich kurzentschlossen meine eigene Schreibmaschine eingepackt und bin zu meinem Freund gefahren und habe ihm geholfen, die Arbeit “zu Papier” zu bringen. Wir haben dann von Donnerstagfrüh bis Samstagmorgen ununterbrochen “getippt”, Tag und Nacht, ca. 50 Stunden ohne Unterbrechung, jedoch mit viel Kaffee.

Die Diplomarbeit ist am Samstagmorgen gegen 10 Uhr, zwei Stunden vor Abgabetermin, fertiggeworden. Zum Korrekturlesen blieb keine Zeit. Ich erinnere mich, dass ich trotz meines Schlafdefizits noch die 30 Minuten Autofahrt ins Siegerland angetreten habe, wo ich dann gegen Mittag total erschöpft eingeschlafen bin. Es ist eine meiner besten Erinnerungen an die Studienzeit.....und dies nicht nur, weil mit “Happy End” verbunden.


Vermissen Sie manchmal den Wissenschaftsbetrieb?

Ja, durchaus; allerdings erst in den letzten drei bis vier Jahren. Ich bin in den 34 Jahren seit meinem Abschied von der Uni (M.A.Economics Degree, Kansas State University, 1979) ganz in meiner beruflichen Karriere aufgegangen.

Einer meiner Aufgabenbereiche in dem von mir mitgegründeten Unternehmen “GLL Real Estate Partners GmbH” ist die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, die wir oft direkt von der Universität einstellen. Um den Kontakt zu den wichtigsten Immobilien-Universitäten zu pflegen und zu intensivieren, habe ich vor zirka vier Jahren begonnen, Gastvorträge an deutschen und amerikanischen Universitäten zu halten.

Ich werde im Juni nächsten Jahres 60 Jahre alt und erreiche damit als erster in unserem Unternehmen die  “weiche” Ruhestandsgrenze. Ich kann mir durchaus vorstellen, meine akademischen Tätigkeiten dann weiter auszudehnen.


Gab es während Ihrer Zeit an der JLU eine Veranstaltung, die Sie - im Nachhinein betrachtet - als besonders wertvoll für Ihren Werdegang erachten?

Die erstmalige Begegnung mit Prof. Monissen 1976, insbesondere seine erste Vorlesung an der JLU im Fach Geld und Kredit. Daraus hat sich eine zweijährige enge Zusammenarbeit entwickelt, die mich persönlich geformt und weitergebracht hat. Es ist ihm zu verdanken, dass ich mich Richtung USA, dem “Land der unbegrenzten Möglichkeiten”, orientiert habe, wo ich dann auch mein privates und berufliches Glück gefunden habe.

 

Was würden Sie heute in Ihrem Studium anders machen?

Die Antwort hierauf wird Sie sicherlich nicht sonderlich befriedigen: Wenn ich nochmals studieren müsste, würde ich mein gesamtes Studium in den USA, und zwar an einer sorgsam ausgesuchten Universität, absolvieren. Die Kombination “deutsches Abitur und US Studium” ist m. E. kaum zu schlagen.

 

Womit konnte man Sie vom Lernen abhalten? 

Wenn jemand Lust zum Skatspielen hatte, war ich immer sofort bereit, alle Lehrbücher liegen zu lassen...

 

Besitzen Sie noch Erinnerungsstücke aus Ihrer Studienzeit?

Außer einer Vielzahl an Fotos habe ich noch folgende Erinnerungen und Erinnerungsstücke:

Ich habe die ganzen 4,5 Jahre im dritten Stock des Hauses Fichtestrasse 7 gewohnt. Die ersten zwei Jahre betrug die Monatsmiete 110 DM (was heute bei Weitem nicht für eine einzige Übernachtung in einem Business Hotel reichen würde). Die Wohnung im dritten Stock hatte leider keine Dusche, sodass ich mir eine Jahreskarte für das städtische Hallenbad in Gießen gekauft habe, in dem ich dann zwei bis dreimal die Woche geduscht habe.

Als ich noch kein Auto hatte (die ersten zwei bis drei Semester), bin ich wohl mit dem Bus vom Aulweg in die Licher Straße gefahren. Ich erinnere mich gerne auch noch an die Faschingsfeten in der Fichtestraße bei den Mathematikern (oder waren es die Mediziner?).


Welchen Berufswunsch hatten Sie, als Sie das Studium in Gießen begonnen haben?

Ich hatte keinen konkreten Berufswunsch. Gefühlsmäßig war ich mir einigermaßen sicher, dass ich in der Privatwirtschaft unterkommen würde. Deshalb auch die BWL-“Beimischung” zum Volkswirtschaftsstudium, welches nur an wenigen deutschen Unis möglich war.

 

Von Absolvent zu Student/in: Was raten Sie angehenden Akademikerinnen und Akademikern?

Dies ist ein “weites Feld”, um mit Lessing zu sprechen…

  • Zügig studieren (Unternehmen legen hierauf großen Wert)
  • Sprachen lernen (gute bis fließende Englischkenntnisse sind unumgänglich; weitere Sprachen sehr wünschenswert)
  • Auslandsaufenthalt(e)
  • (Auslands-)Praktika

Was wir im Unternehmen aus den Bewerbungsunterlagen regelmäßig nicht erkennen können, sind die “weichen” Faktoren und Persönlichkeitsmerkmale, die – auf mittlere und lange Sicht – viel wichtiger sind als die eben genannten Faktoren.

In unserem Unternehmen stellen wir nicht nur Studentinnen und Studenten mit einer spezialisierten Immobilien-Ausbildung ein. Wir haben darüber hinaus relativ schlechte Erfahrungen mit “Überfliegern” von Elite-Universitäten gemacht. So haben wir drei Harvard-Absolventen eingestellt, von denen heute keiner mehr bei uns ist. Dies ist zugegebenermaßen ein kleines Sample, aber die Tendenz ist schon ziemlich eindeutig…

 

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