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Stefan Hencke

 

Ein Rückblick: Sie haben einige Jahre Ihres Lebens an der JLU verbracht. Wie hat es Ihnen gefallen und was haben Sie für sich persönlich mitgenommen? 

Diese Flexibilität, das Auseinandersetzen mit Themen auch über das eigene Fachgebiet hinaus, habe ich sehr genossen und hat mich auch für meinen späteren Lebensweg stark geprägt.

Letztlich waren es mit Studium und Promotion sieben Jahre. Ich habe das Studium sehr genossen, weil Gießen eine richtige Studentenstadt ist. Soweit ich mich entsinne, waren in den 1980er Jahren, ich habe von 1984 bis 1991 hier studiert und gelebt, rund 40 % der Bevölkerung Studenten. Das prägt natürlich eine Stadt und deren Bewohner. Ich hatte Agrarwissenschaften studiert, besuchte aber auch andere Studiengänge und Vorlesungen. Diese Flexibilität, das Auseinandersetzen mit Themen auch über das eigene Fachgebiet hinaus, habe ich sehr genossen und hat mich auch für meinen späteren Lebensweg stark geprägt.

 

Herr Hencke, Sie haben in Gießen Betriebswirtschaft, Informatik und Agrarwissenschaften studiert und in Verhaltensphysiologie promoviert. Was hat Sie damals motiviert, sich für diese Kombination an der JLU zu entscheiden?

Wie gesagt, bei mir war der Schwerpunkt in der Agrarwissenschaft, aber der Besuch von  Vorlesungen in der Betriebswirtschaft oder auch in der Informatik war sehr prägend. In den 1980er Jahren war gerade die Übergangsphase von Großrechnern auf PCs und so wurde dann teilweise die Statistik beispielsweise mit SPSS bei meiner Diplomarbeit 1989 noch am Großrechner realisiert, bei meiner Doktorarbeit 1991 schon am PC. Die Kombination bei den Fächern war eher Zufall und nicht geplant. Mich hatte die Landwirtschaft schon immer interessiert, aber in Gießen bemerkte ich auch mein Interesse an anderen Fächern. Und so besuchte ich entsprechend Vorlesungen. Ich weiß allerdings nicht, ob das heute noch so möglich wäre.


Gab es während Ihrer Zeit an der JLU eine Veranstaltung, die Sie - im Nachhinein betrachtet - als besonders wertvoll für Ihren Werdegang erachten?

Eine einzige Veranstaltung nicht wirklich. Aber die Vorlesungen von meinem späteren Doktorvater, Prof. Dr. Jörg Steinbach, waren für mich schon sehr prägend. Einerseits die fundierte Vermittlung von fachlichen Informationen, zum anderen aber auch die Schärfung und den Blick für das gesamte Umfeld. Auch der Ansatz, dass ökonomische Notwendigkeiten nicht unbedingt ökologisch unvertretbar sind, sondern dass sich Ökologie und Ökonomie sehr gut ergänzen können. Er hatte damals schon den Begriff einer nachhaltig orientierten Wirtschaft in den Vorlesungen vertreten. Und heute, 30 Jahre später, ist dies immer öfter auch die Realität.


Wo waren Sie wenn Sie nicht an der Uni waren?

Wie viele andere Studenten hatte ich in einer WG zunächst in Biebertal, dann in Kirchvers gewohnt. Das bedeutet, wenn ich nicht in den Vorlesungen oder mit anderen Studenten zusammen war, war ich in der WG oder bei der Arbeit. Da wir damals beispielsweise nur Holzöfen hatten, hatten wir schlicht und einfach auch immer damit zu tun, Holz zu hacken, die Öfen zu befeuern oder auch im Winter im Wald Holz zu schlagen und zu lagern. Weiterhin musste ich mir einen Großteil des Studiums selbst verdienen. Das bedeutete, auch nahezu täglich zu jobben. Da blieb nicht mehr wirklich viel Zeit für anderes.

 

Herr Hencke, Sie blicken auf viele Jahre vielfältiger Berufserfahrung zurück. Heute sind Sie Inhaber mehrerer Unternehmen, engagieren sich in zahlreichen Institutionen im Präsidium, Bei- und Aufsichtsrat und unterrichten seit über 15 Jahren Marketing und Kommunikation an deutschen Hochschulen. Welche Vorteile sehen Sie in der Kombination Ihres wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Berufsweges?

Durch die Bandbreite der Tätigkeiten und Aufgaben hatte ich das Glück gehabt, national und international viele Menschen aus unterschiedlichen Branchen und Situationen kennenzulernen. An der Hochschule, in Verbänden und Ministerien, in der Wirtschaft. In dieser Kombination und mit diesen Erfahrungen habe ich gelernt, an Aufgaben lösungsorientiert heranzutreten. Mich interessieren nicht wirklich die Probleme, sondern die Lösungen. Ich versuche, in der Gegenwart Lösungen für die Zukunft zu gewinnen. Die von Ihnen angefragte Kombination von Lehrinhalten hat mir geholfen, diesen Weg gehen zu können.

 

Sie haben sich mit Ihrem eher naturwissenschaftlichen Studienhintergrund der Agrarwissenschaften und Informatik in der Kommunikationsbranche wiedergefunden. Wo finden sich, neben den betriebswirtschaftlichen Themen, noch Schnittstellen zwischen Studium und Ihrem Beruf?

Da gibt es erstaunlich viele Themen. Und genau aus diesen Schnittstellen ergeben sich viele spannende Aufgaben. So arbeiten wir beispielsweise mit mehreren Teams an unterschiedlichen Aufgabenstellungen und Branchen. Das kann beispielsweise der Bereich Pharma und Biotechnology sein oder IT und Digitalisierung, Abfallwirtschaft und Recycling, Automotive, Beauty, Lifestyle, Real Estate, Food und andere mehr. Das große Problem bei vielen naturwissenschaftlichen oder technischen Branchen ist, dass diese inhaltlich gut aufbereitet, aber kommunikativ extrem schlecht umgesetzt werden. Ein guter Maschinenbauer oder Softwareentwickler ist oftmals kein wirklich guter Kommunikator. Aber die Themen sollen ja die Zielgruppen, egal ob Kunde, Journalist oder Mitarbeiter auch erreichen. Und hier setzen wir an. Meine Teams sind inhaltlich seitens der Ausbildung exzellent aufgestellt. Die Inhalte werden verstanden und dann in sehr gute und erfolgreiche Kommunikationskampagnen umgesetzt. Als Basis dient hierbei die prozessorientierte Clusterkommunikation, eine Methode, die ich vor einigen Jahren entwickelt habe. Aber auch bei aktuellen Themen wie Digitalisierung, Newsrooms, Live-Communications etc. sind wir dabei, teilweise auch Vorreiter, um Impulse im Markt und für unsere Kunden zu setzen.

 

Wie bewerten Sie die Berufsperspektive des Marketings und der Kommunikationsarbeit für nicht einschlägig studierte BetriebswirtschaftlerInnen? Wie können zum Beispiel Studierende der Agrarwissenschaften diese Herausforderungen überwinden?

Als sehr gut. Ich bin bekannterweise auch Vizepräsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft in Berlin und muss mich daher auch im Ehrenamt mit dem Thema Berufsfeld Kommunikation und Marketing intensiv auseinandersetzen. Eine fundierte, wissenschaftliche Ausbildung ist eine exzellente Grundlage, auf der, wenn Interesse besteht, in den Bereich Kommunikation und Marketing gewechselt werden kann. Es muss aber ein Interesse an Themen wie Sprache, Digitalisierung, Strategie, Qualität, Kommunikationsfähigkeit oder auch interkulturelle Kompetenz vorhanden sein. Sonst ist diese Branche nichts für diese Person.


Wie meistern Sie die Herausforderung, Ihre vielfältigen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten zeitlich zu vereinbaren?

In der Regel mit einem priorisierten Zeitmanagement. Ich stehe normalerweise um 6.00 Uhr auf und bin zwischen 7.00 und 7.30 Uhr im Büro. Gearbeitet wird bis ca. 18.00 Uhr. Dann kommt Familie und ab 21.00 Uhr werden meistens noch 2-3 Stunden Dinge aufbereitet. Wenn ich unterwegs bin, gibt es hier natürlich Abweichungen. Als absolut feste Termine stehen bei mir Freitag um 17.00 Uhr und Sonntag 10.00 Uhr, da ich hier jeweils selbst Fußball spiele. Daran mache ich auch andere Termine und Flüge fest.

 

Abschließend: Was raten Sie Studierenden, die sich für eine Laufbahn in der Kommunikationsbranche interessieren? Welche Voraussetzungen sollten Interessierte erfüllen und welche Schlüsselkompetenzen sind gefordert?

Viele Fragen zu stellen. Zum einen lernt die Person extrem viel, zum anderen kann die fragende Person dadurch auch meistens das Gespräch leiten. Beste Voraussetzungen sind, mit der deutschen und englischen Sprache umgehen zu können, idealerweise noch mit ein bis zwei weiteren Fremdsprachen, Branchenkenntnisse, fundierte Kenntnisse im Bereich Digitalisierung, Auslandserfahrung, Praktika in unterschiedlichen Unternehmen, interkulturelle Kompetenz und ehrliches Interesse an Menschen, an Unternehmen und Marken aufweisen zu können. Dann sollte die Person auch kreative und erfolgreiche Kampagnen im Team entwickeln, die reichweitenstark und zielgruppenorientiert umgesetzt werden können. Das wäre schon einmal eine gute Basis für eine Bewerbung.

 

Das Interview wurde im Januar 2017 geführt.

 

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