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Michael Hüther

 

Sie haben einige Jahre Ihres Lebens an der JLU verbracht. Was haben Sie für sich persönlich mitgenommen?

Fundiertes Wissen, kritische Analyse, breite Perspektive. Und vor allem: meine Ehefrau!


Was verbindet Sie heute mit der JLU? Stehen Sie noch in Kontakt zu ehemaligen Kommilitonen?

Schöne Erinnerungen an eine wichtige Zeit meines Lebens. Freude über die gute Entwicklung meiner Alma Mater. Immer wieder und überraschend treffe ich in unterschiedlichen Zusammenhängen auf Mitstudenten. Mit einigen, die auch Assistenten am Gießener Fachbereich waren, gibt es einen steten Austausch, bis hin zu gemeinsamen Projekten.


Gibt es aus Ihrer Studienzeit eine interessante Geschichte, die Ihnen einfällt, wenn Sie an Ihre Zeit an der JLU zurückdenken?

Die Geschichte ist nicht spektakulär, doch sie macht klar, warum mich diese Universität gleich zu Beginn in den Bann gezogen hat. Bei einem Gespräch in der Studieneinführungswoche im SS 1982 über das Wesen von Wissenschaft wurde von einem Hochschullehrer der Politikwissenschaft die Formulierung „Wissenschaft ist methodisierter Zweifel“ eingebracht. Diese Haltung der Skepsis gegen jede Form überzogener, gar totalitärer Ansprüche prägt mich bis heute.


Sie haben an der JLU unter anderem Mittlere und Neuere Geschichte studiert. Welche Relevanz hat dieses Wissen noch für Ihre heutige Tätigkeit?

Als Ökonom ist man damit heute noch mehr in der Minderheit als vor 20 Jahren. Doch meine Erfahrung ist: Die Orientierungskraft und das Relativierungspotenzial historischen Wissens erweist sich gerade dann, wenn man einen relevanten Beitrag zur Realität leisten will. Dies war und ist – als Generalsekretär beim Sachverständigenrat, als Chefvolkswirt bei der DekaBank und als Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln – stets meine Aufgabe, und es entspricht meinem Selbstverständnis als „political economist“. Gerade in Umbrüchen und Krise erweist sich die Bedeutung historischer Analyse. Sie trägt zu Entkrampfung bei, wenn Markthektik und Marktaktualität alles zu dominieren scheinen.


Gab es während Ihrer Zeit an der JLU eine Veranstaltung, die Sie - im Nachhinein betrachtet - als besonders wertvoll für Ihren Werdegang erachten?

In der Volkswirtschaftslehre waren es die Vorlesungen von Professor Demmler zur allgemeinen VWL, die jenseits des Lehrbuchs spannende sowie aktuelle Fragen thematisierten. In der Geschichtswissenschaft möchte ich vor allem die Vorlesungen von Professor Moraw nicht missen, die mit ihrem Tiefgang stets eine herausragende Lektion waren. In der Philosophie faszinierten mich die Vorlesungen von Odo Marquard.


Was würden Sie heute in Ihrem Studium anders machen?

Mehr Auslandsaufenthalte. Ansonsten im Grundsatz wenig, denn die thematische Offenheit in zwei Fächer hat sich für mich bewährt.


Womit konnte man Sie vom Lernen abhalten?

Mit schönen Wetter und dem – wohl nicht mehr existierenden – Waldschwimmbad in Kirchvers, ersatzweise in Lollar und Lich.


Besitzen Sie noch Erinnerungsstücke aus Ihrer Studienzeit?

Skripte, einige Vorlesungsmitschriften, Lehrbücher und Füller.


Sehen Sie einen Unterschied zwischen Ihrer Studentengeneration und der heutigen?

Allein die Studienstruktur – Diplom und Magister versus Bachelor und Master mit ihren kleiner zugeschnittenen Studiengängen – machen einen erheblichen Unterschied aus, zudem haben sich die Universitäten heute mehr zur ihrer Umwelt hin geöffnet. Insofern ist es einerseits leichter, den Übergang in die berufliche Welt zu finden, andererseits geht die Chance der freieren und breiteren Wahl verloren. Das ist schade, denn: „Bildung ist kein Arsenal, Bildung ist ein Horizont“, so der Philosoph Hans Blumenberg (in Gießen 1960 – 1965).


Von Alumnus zu Student/in: Was raten Sie angehenden Akademikerinnen und Akademikern?

Anknüpfend an das Zitat von Blumenberg in der Antwort zu Frage 9: Die Vielfalt, die Offenheit, die Kritik der Universität zu nutzen. Denn Wissenschaft heißt immer wieder neu anzufangen, es ist die Absage an jede Borniertheit des Wissens und des Unwissens. „Das Wunder der Freiheit liegt in diesem Anfangen-Können beschlossen“, so Hannah Arendt (Was ist Politik?).

 

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