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Walter Rosenthal


Prof. Dr. Rosenthal, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe! Anfang Oktober 2014 haben Sie als neuer Präsident die Leitung der Friedrich-Schiller-Universität in Jena übernommen. Wenn Sie von hier zurückblicken auf den Beginn Ihrer Studienzeit im Jahr 1974 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen: Gibt es so etwas wie einen roten Faden, der die Zeit damals mit Ihrer Gegenwart heute verbindet?


Es gab nie einen festen Plan, kein strategisches Ziel, aber immer mal wieder das Zusammentreffen von eigenem Interesse und dazu passenden Gelegenheiten.

Natürlich war das Medizinstudium in Gießen die Basis dessen, was ich bis heute gemacht habe. Einen roten Faden im Sinne eines festen Ziels aber gab es in meiner Laufbahn nicht. Ich habe erst spät begonnen, mich aufgrund meiner Erfahrungen während des Zivildienstes für die Medizin zu interessieren. Mein Berufsziel war zunächst, Klinikarzt oder niedergelassener Arzt zu werden. Dass es auch Forschung in der Medizin gibt, war mir damals kaum präsent. Erst während des Studiums in Gießen bekam ich einen Einblick in die wissenschaftliche Forschung, insbesondere am Pharmakologischen Institut. Bei der Forschung bin ich dann geblieben. Es gab aber nie einen festen Plan, kein strategisches Ziel, wenn auch immer mal wieder das Zusammentreffen von eigenem Interesse und dazu passenden Gelegenheiten. Herausgekommen ist eine sehr ungewöhnliche Medizinerkarriere.

 

 

Sie sprechen die Forschung an. Heute sind die Lebenswissenschaften in Gießen ein Forschungsschwerpunkt, in der Exzellenzinitiative war die JLU u.a. mit einem medizinischen Exzellenzcluster erfolgreich. Wie war die Situation zu Ihrer Studienzeit?


Es gab bereits damals international anerkannte und herausragende Wissenschaftler in Gießen. Gießen war zu diesem Zeitpunkt vor allem ein Mekka der Virologie. Geprägt haben mich persönlich insbesondere die Lehrenden in der Pharmakologie, nicht zuletzt Institutsleiter Ernst Habermann. Diese Wissenschaftler haben mich so beeindruckt, dass ich mich ernsthaft für die Forschung zu interessieren begann. Wichtig für die Medizin an der Gießener Universität war damals auch das neu eingerichtete Mehrzweckgebäude in der Frankfurter Straße 107. Dieses Gebäude verwirklichte ein innovatives Modell: Sechs Institute aus zwei Fachbereichen waren unter einem Dach untergebracht, d.h. sechs Institute bündelten ihre Kräfte. Eine stimulierende Umgebung! Das war meine Eintrittspforte in die Wissenschaft.

 

 

Schon während Ihrer Studienzeit nutzten Sie die Gelegenheit, internationale Erfahrungen zu sammeln, und verbrachten ein praktisches Jahr am Royal Free Hospital in London. Später waren sie mehrmals in den USA tätig. Wie wichtig waren diese Auslandsaufenthalte für Ihren Werdegang?


Ich habe die Welt mit und durch die Wissenschaft entdeckt. Dabei war Internationalität vor 35 Jahren noch etwas anderes als heute, ein Privileg, zugleich auch eine persönliche Bereicherung und eine Erweiterung des Blicks. In England habe ich die praktische Medizin gelernt, die späteren Aufenthalte in Houston ermöglichten es mir, Wissenschaft auf internationalem Top-Niveau kennenzulernen. Insgesamt hat seit damals die Vernetzung stark zugenommen, und auch die wissenschaftliche Forschung in Deutschland ist heute international sehr gut aufgestellt, damals war sie dies nur in Inseln.

 

 

Wenn Sie zurückblicken: Was ist das Wichtigste, das Sie im Studium gelernt haben? Und was ist das Wichtigste, das Sie im Studium nicht gelernt haben?


In Gießen habe ich mir die Medizin und die akademische Welt erschließen können. (...) Nirgendwo sonst habe ich eine so ausgezeichnete akademische Lehre vorgefunden.

In Gießen habe ich mir die Medizin und die akademische Welt erschließen können. Ich habe mich auch umgeschaut, Vorlesungen der Philosophie und der Theologie besuchen können. Das Studium war in diesem Sinne eine Zeit der persönlichen Prägung. Aber auch die Fachwahl, das Interesse an der Pharmakologie, habe ich der Gießener Universität und den damals lehrenden Kollegen zu verdanken. Nirgendwo sonst habe ich eine so ausgezeichnete akademische Lehre vorgefunden.

Was ich nicht in Gießen gelernt habe? Ich sehe keine Defizite. Was man im Studium lernen konnte, habe ich mitgenommen. Die praktische Ausbildung war vielleicht weniger gut, das habe ich dann in England ergänzen können. Die Schwächen in der klinischen Ausbildung sind aber wohl kein Spezifikum von Gießen gewesen. Insgesamt war das Studium eine sehr gute Vorbereitung auf mein Berufsleben.

 


Von der Erinnerung an die Vergangenheit noch einmal zurück in die Gegenwart: Am
16. Oktober 2014 beginnen Sie Ihre neue Tätigkeit als Präsident der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Worin sehen Sie Ihre wichtigste Aufgabe?


Die Universität Jena ist gut aufgestellt. Sie ist eine forschungsstarke Universität, die Lehre ist ausgezeichnet und die Universität ist – nach meiner Wahrnehmung - auch sehr beliebt bei den Studierenden. Dennoch gilt es natürlich die Qualität in Forschung und Lehre weiter zu steigern und dies in Zeiten, in denen die Studierendenzahlen sehr stark zugenommen haben. Dies ist eine Herausforderung für alle Universitäten. Ich werde mich an der Universität Jena sehr stark dafür einsetzen, dass es Formate gibt, die es den Studierenden gestatten, über das eigene Fach hinaus zu blicken, interdisziplinär zu arbeiten. Internationalität ist mir ebenfalls ein wichtiges Anliegen. Da ist Jena auf einem sehr guten Weg. Hier noch mehr Angebote für nicht-deutschsprachige Studierende zu entwickeln und internationale Wissenschaftler aus dem Ausland nach Jena zu holen, ist eine wichtige Aufgabe. Und schließlich geht es darum, das Potential der Universität als Motor der Wissenschafts- und Wirtschaftsregion Jena auch in Zukunft voll auszuschöpfen.

 

 

Das deutsche Universitätssystem hat sich seit den 1970er Jahren stark verändert. Was sind aus Ihrer Perspektive die großen Herausforderungen der deutschen Universitäten heute? Wo sehen Sie neue Chancen?


Beginnen wir mit den Chancen. Ich sehe in der Universität die große Chance, Interdisziplinarität zu leben. Die Fächervielfalt ist der große Unterschied zu den außeruniversitären Einrichtungen, die meist sehr spezialisiert arbeiten. Damit haben die Universitäten einen großen Gestaltungsrahmen für die Prägung von Wissenschaftsregionen in Deutschland.

Zu den Herausforderungen gehört natürlich die Frage der Finanzierung. Die Grundfinanzierung muss verbessert werden, notwendig ist eine Änderung des Grundgesetzes, damit der Bund sich in Zukunft auch langfristig an den Universitäten engagieren kann. Hier ist ja jetzt etwas Bewegung hineingekommen. Eine Herausforderung ist weiterhin, auch bei sehr hohen Studierendenzahlen eine gute Lehre bereit zu stellen und die Einheit von Forschung und Lehre nicht aufzugeben.

Die Universität muss ein Ort des Nachdenkens bleiben. Sie darf sich nicht darauf beschränken, die Employability der Studierenden zu sichern, sie muss darüber hinaus zur Entwicklung von Persönlichkeiten beitragen, die über den Zustand unserer Welt auch kritisch nachdenken.

 

 

Direkt daran anknüpfend, zuletzt eine ganz praktische Frage: Haben Sie einen Ratschlag, den Sie unseren jungen Studierenden, die heute an der JLU studieren, mit auf den Weg geben können? Wie kann man sein Studium am besten nutzen?


Ich sage das etwas provokativ, da ich die existierenden Kontexte und Bedingungen ja kenne: Mein Appell wäre, das Studium als eine einmalige Lebensphase zu begreifen. Trotz aller Herausforderungen und Zwänge bietet die Zeit des Studiums die Gelegenheit, sich umzuschauen, in andere Fächer hineinzuriechen, ins Ausland zu gehen. Man sollte das Studium als eine Zeit der Erfahrung und der Orientierung begreifen und nutzen.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Rosenthal!

 

Das Gespräch mit Prof. Dr. Walter Rosenthal führte Dr. Sven Werkmeister, ehemaliger Koordinator des Alumni Service der JLU, im August 2014.

 

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