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ZMI-Newsletter

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ZMI-Newsletter 1/2018

Editorial

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

Dorothée de Nèvemit dem ersten Newsletter im neuen Jahr starten wir ins Sommersemester 2018. In diesem Jahr wird in vielen Kontexten an die Ereignisse von 1968 erinnert. Auch das ZMI bringt sich in diese Debatten aktiv ein. Dabei geht es uns freilich weder um eine Glorifizierung jener Jahre noch um die von Rechtspopulisten betriebene Abrechnung mit dem utopischen gesellschaftspolitischen Aufbruch einer Generation. Vielmehr wollen wir aktuelle Probleme der Politisierung, Ökonomisierung und Instrumentalisierung von Wissenschaft und Universität in zeitgeschichtlichem und aktuellem Kontext reflektieren. Unsere neue Veranstaltungsreihe startet mit einem Podiumsgespräch am 28. Mai 2018 zum Thema Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte. Auch in der Ringvorlesung des Präsidenten 68‘ Eine Revision, die Prof. Claus Leggewie, Ludwig Börne-Professor, organisiert, geht es darum, die Ereignisse von damals aus aktueller Perspektive zu reflektieren und u.a. danach zu fragen, was aus den kritischen Universitäten von damals geworden ist. Mit unserer eigenen Geschichte befasst sich übrigens das Interview mit unserer ehemaligen Geschäftsführerin Sabine Heymann, in der sie an die Gründungsphase des ZMI und die ersten Projekte, die hier bearbeitet wurden, erinnert.

Jenseits dieser Aktivitäten im Bereich der kritischen Erinnerungskultur bietet dieser Newsletter uns auch Gelegenheit, Sie über die Arbeit der vergangenen Monate zu informieren und Sie bereits heute auf unsere vielfältigen Aktivitäten der kommenden Wochen hinzuweisen. Besonders hervorheben möchten wir die Veranstaltung Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien, die im Rahmen unseres Forschungsschwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM) stattfand. Ziel dieses erfolgreichen Workshops war es, den Zusammenhang zwischen Wissensräumen und medialen Gestaltungsformen systematisch zu erläutern.

Neu gegründet wurde am ZMI die Sektion Medien und Gender, die inzwischen ihre Arbeit aufgenommen hat. Im April findet die erste öffentliche Veranstaltung der neuen Sektion statt, an der über die gesellschaftspolitische Substanz der #MeToo Kampagne diskutiert wird. Das ZMI ist seit geraumer Zeit auch eine Ideenwerkstatt für neue Formate der wissenschaftlichen Kooperation. Anfang Mai findet ein Workshop zum Thema Darstellbarkeit statt. Dabei geht es inhaltlich um die Frage, ob und wie gesellschaftliche Probleme visuell darstellbar sind. An diesem Workshop wird mit dem Tandemprinzip gearbeitet. Dieses Format hat sich für die Etablierung interdisziplinärer Perspektiven am ZMI bereits bewährt. Der am ZMI angesiedelte Forschungsverbund Antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation organisiert ebenfalls im April seine Auftakttagung. Einer der Höhepunkte dieser Veranstaltung wird sicherlich der öffentliche Gastvortrag von Prof. Dr. Klaus Tanner (Universität Heidelberg) zum Thema Traditionen deutscher Demokratiekritik sein.

Und zum Schluss noch eine herzliche Einladung: Prof. Heiner Goebbels hat zum 1. April die Georg Büchner-Seniorprofessur angetreten. Und die wird mit einer feierlichen Antrittsvorlesung gewürdigt. Prof. Dr. Heiner Goebbels: Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen, Termin: Dienstag, 10. April 2018, 18:00 Uhr c.t. im Biologischen Hörsaal, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen.

Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Arbeit des ZMI und wünschen Ihnen einen beschwingten Start ins neue Semester.

Dorothée de Nève

 

 

 

 


 

ZMI-Newsletter 1/2018

 

Editorial

 

News

Heiner Goebbels tritt Georg Büchner-Seniorprofessur an

Neue ZMI-Sektion Medien und Gender

 

Veranstaltungsankündigungen

Erste Arbeitstagung des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation

Podiumsdiskussion: #MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?

ZMI-Workshop Darstellbarkeit

Podiumsdiskussion: Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte – Auftakt der ZMI-Veranstaltungsreihe (Neue) Herausforderungen der Wissenschaft

Lehrmaterial digital? – Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

 

ZMI-Videos

Drei Fragen an Sabine Heymann

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien – Workshopbericht

Internationales Symposium Postfaktisches Erzählen?/Post-Truth Narration? mit Keynote Speech von Andreas Langenohl

Holocaust-Zeitzeugin Ruth Barnett zu Besuch an JLU und Schulen in Gießen

Erinnern ohne Zeitzeug*innen? Herausforderungen an eine deutsche Gedenkkultur – Gespräch mit Sascha Feuchert auf der Leipziger Buchmesse

Podiumsdiskussion zu geschlechtergerechter Sprache. Jutta Hergenhan spricht an der Universität Paris 13 

Primo Levi. Zeuge und Zeugnis — Vortrag von Markus Roth am Fritz Bauer Institut

Holocaustliteratur und Literaturwissenschaft. Zur Geschichte einer schwierigen Beziehung – Vortrag von Sascha Feuchert am Fritz Bauer Institut

 

In den Medien

Dorothée de Nève zu Gast bei phoenix vor Ort

Verena Schäfer-Nerlich zu Gast bei phoenix der Tag

Artikel von Markus Roth in ZEIT Geschichte erschienen

 

Neues aus den Seniorprofessuren

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Ludwig-Börne-Vorlesungen: ´68 – Eine Revision. Veranstaltungsreihe des Präsidenten in Kooperation mit Claus Leggewie

Ein Jahr Donald Trump: Claus Leggewie im Interview mit dem Deutschlandfunk

Europa zuerst!? Diskussionsveranstaltung mit Claus Leggewie und Udo Bullmann

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Auf dem Weg zum Babelfisch? Prof. Dietmar Rösler diskutiert in seiner Antrittsvorlesung als Seniorprofessor die Zukunft des Fremdsprachenlernens in den Zeiten von Big Data

Hackathon für Sprachlern-Apps. Selmin Hayircil bei Veranstaltung des Goethe-Instituts ausgezeichnet

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

„Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen“ – Zur Musikalität des Theaters. Heiner Goebbels‘ Antrittsvorlesung der Georg Büchner-Professur

 

Personalia

Henning Lobin wird Direktor des Instituts für Deutsche Sprache

Ina Daßbach wissenschaftliche Koordinatorin des Forschungsschwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM)

Jennifer Neumann verlässt das ZMI

Stellenausschreibung: Das ZMI sucht Studentische und Wissenschaftliche Hilfskräfte mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit

 

 
 

News

Heiner Goebbels tritt Georg Büchner-Seniorprofessur an

Der international renommierte und vielfach ausgezeichnete Komponist und Theatermacher Prof. Heiner Goebbels tritt am 1. April 2018 die Georg Büchner-Seniorprofessur an der JLU an. Für die nächsten drei Jahre hat Goebbels die am ZMI ansässige Professur inne. „Das ist eine tolle Auszeichnung, über die ich mich sehr freue und auf die ich stolz sein kann“, sagte Goebbels gegenüber dem JLU-Präsidium und dem Gießener Anzeiger über seine Berufung.

Heiner Goebbels arbeitet in zahlreichen preisgekrönten Hörstücken und Musiktheaterarbeiten nach Texten von Heiner Müller, Elias Canetti, Gertrude Stein u.a. mit der Musikalität und Form von gesprochener, nicht gesungener Sprache. Mit einem Verweis auf den französischen Autor und Philosophen Maurice Blanchot wird er in seiner Antrittsvorlesung versuchen, diesen eigenen künstlerischen Umgang mit dem Sprechen auf der Bühne anhand von Klang- und Videobeispielen zu umschreiben. Dabei versteht Heiner Goebbels unter 'Sprechen' nicht nur den Text, sondern auch den vielstimmigen und gleichberechtigten Einsatz aller Medien des Theaters: des Lichts, des Raums, der Musik, der Bewegungen. Die Antrittsvorlesung der Georg Büchner-Seniorprofessur mit dem Titel „Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen“ – Zur Musikalität des Theaters wird Heiner Goebbels am Dienstag, 10. April 2018, 18:00 Uhr c.t. im Biologischen Hörsaal, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen halten. Sie sind herzlich eingeladen!

Goebbels‘ Expertise wird im In- und Ausland geschätzt. Neben Veranstaltungen im Gießener Stadttheater zu „mit einem Namen aus einem alten Buch“ – Szenisches Konzert von Heiner Goebbels im Frühsommer, wird er am 21. April 2018 einen Vortrag zum Thema Experiments in Opera Today an der Columbia University, New York, halten. Zudem steht Goebbels vom 18. bis 27. Mai als Komponist und Künstler bei der diesjährigen Schloßmediale – Internationales Festival für Alte Musik, Neue Musik und Audiovisuelle Kunst in der Schweiz im Fokus. Am 6. Juni 2018 wird Prof. Goebbels die Ehrendoktorwürde der National Academy for Theatre and Film Arts in Sofia (Bulgarien) verliehen.

 

 

 

Neue ZMI-Sektion Medien und Gender

Das Direktorium des ZMI hat im Dezember 2017 die Gründung einer neuen Sektion beschlossen, die sich mit aktuellen Entwicklungen der Mediengesellschaft aus der Geschlechterperspektive befasst. Potentielle Forschungsfelder sind mediale Darstellungen und De/Konstruktionen von Geschlecht, ebenso wie Mensch/Maschine-Thematiken und Geschlechterdifferenzen bei der Herstellung und Nutzung medialer Produkte. Die Sektion wird von der wissenschaftlichen Geschäftsführerin des ZMI, Dr. Jutta Hergenhan, koordiniert. Sie startet ihre Aktivitäten mit einer Podiumsdiskussion zur #metoo-Bewegung am 23. April in der Aula der JLU, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

 

 

 


 

Veranstaltungsankündigungen

Erste Arbeitstagung des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation

Am 19. und 20. April 2018 findet die erste Tagung des am Fachbereich 03 (Sozial- und Kulturwissenschaften) der JLU gegründeten interdisziplinären Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation statt. Ziel des Forschungsverbundes ist es, Erscheinungsformen und die Artikulation antidemokratischer Haltungen in unserer Gesellschaft systematisch zu untersuchen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie antidemokratische Haltungen entstehen bzw. reproduziert werden. Der Anspruch des Forschungsverbundes ist es darüber hinaus, Interventionschancen gegen die Entstehung antidemokratischer Haltungen sowie Transformationschancen für bereits bestehende antidemokratische Haltungen aufzuzeigen. Die Arbeitstagung wird an bereits erarbeitete Ergebnisse des interdisziplinären Forschungsverbundes anschließen und die Möglichkeit für eine vertiefte Zusammenarbeit eröffnen. Im Rahmen der Tagung findet am 19. April 2018 um 19.00 Uhr (s.t.) ein öffentlicher Gastvortrag von Prof. Dr. Klaus Tanner (Universität Heidelberg) zum Thema Traditionen deutscher Demokratiekritik in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Ludwigstraße 23, 35390 Gießen) statt. Falls Sie an dieser Tagung gerne teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte bei Louisa A. Süß.

 

 

 

Podiumsdiskussion: #MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?

Mitte Oktober 2017 berichteten die New York Times und der New Yorker, dass Filmproduzent Harvey Weinstein von zahlreichen Frauen der sexuellen Belästigung, sexuellen Nötigung und/oder der Vergewaltigung beschuldigt wurde. Die Schauspielerin Alyssa Milano rief betroffene Personen dazu auf, über den Hashtag #MeToo auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen. In den darauffolgenden Tagen, Wochen und Monaten wurde der Hashtag immer häufiger von Personen, die sexuelle Belästigungen oder sexuelle Übergriffe erfahren hatten, genutzt. Die Bewegung, die in den USA begann, verbreitete sich international, so dass #MeToo in mindestens 85 verschiedenen Ländern bei Twitter benutzt wurde.

In Deutschland setzte die Debatte erst im Januar 2018 ein, als Vorwürfe gegen den deutschen Drehbuchautor und Regisseur Dieter Wedel laut wurden. In Frankreich wurde der #MeToo-Bewegung auch von Männern öffentlich Solidarität ausgesprochen, während andererseits namhafte Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve sie als eine „Kampagne der Denunziation“ kritisierten.

Um #MeToo und die von der Berufswelt der Medien ausgehende Debatte über sexualisierte Gewalt eingehender zu betrachten, veranstaltet das ZMI am Montag, 23. April 2018 um 18 Uhr in der Aula der JLU, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel #MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus? Dabei soll es um die durch die Bewegung offengelegten Missstände und damit verbundene mediale Phänomene gehen. Zudem wird es um Formen und Inhalte medial vermittelter Kritik an der Bewegung, ihre Verortung in einem breiteren feministischen Kontext und um länderspezifische Ausprägungen der #MeToo-Debatte gehen. Die Podiumsdiskussion stellt die Auftaktveranstaltung der neu gegründeten ZMI-Sektion 6 dar, welche sich mit Themen aus dem Bereich Medien und Gender befasst.

Mit dem Publikum diskutieren Prof. Dr. Greta Olson (Amerikanistik/Anglistik JLU & ZMI), PD Dr. Elisabeth Schäfer-Wünsche (Nordamerikanistik Universität Bonn), Verena Lueken (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Dr. Jutta Hergenhan (ZMI). Die Veranstaltung wird von der Zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der JLU, Dr. Nadyne Stritzke, eröffnet. Die Moderation der Veranstaltung übernimmt Dr. Birte Christ (Anglistik JLU). Sie sind herzlich eingeladen, an der Diskussion teilzunehmen. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet.

 

 

 

ZMI-Workshop Darstellbarkeit

Das Problem der bildlichen Darstellbarkeit verbindet Politik, Gesellschaft und visuelle Medien. Deutlich ist, dass Gebote von Schicklichkeit und Scham, Akte von Zensur und Bilderstreit, Behauptungen von Machbarkeit und visueller Evidenz in Konkurrenz treten und sich überkreuzen, wo es um das Darstellbare, seine Möglichkeiten und Grenzen geht. Was darf, kann, muss oder soll wie und von wem zu sehen gegeben werden? Dieses Feld auszuloten erweist sich als interkulturell schwierig und interdisziplinär herausfordernd.

Im Verlauf des zweitägigen Workshops werden ausgewählte, das Problem der Darstellbarkeit exemplifizierende Bilder (Presse- und Alltagsfotos, technische und medizinische Bildgebung, Artefakte aus sozialen Medien, handwerklich hergestellte Bilder hochkünstlerischen und populären Charakters) von unterschiedlicher disziplinärer Warte kommentiert. Das Konzept zielt auf eine mehrstimmige Beleuchtung der Darstellungsproblematik und sucht nach Schnittpunkten und Eigensinn der ins Gespräch gehenden Fachdisziplinen. Eine keynote lecture von der u.a. auf Terrorbilder spezialisierten Kunsthistorikerin Charlotte Klonk (Humboldt-Universität Berlin) ergänzt das Programm.

VeranstalterInnen sind Prof. Claudia Hattendorff und Prof Ansgar Schnurr vom Institut für Kunstpädagogik, Prof. Sigrid Ruby vom Institut für Kunstgeschichte sowie Prof. Claus Leggewie, Ludwig-Börne-Professur der JLU.

Das vollständige Programm finden Sie hier.

 

 

 

Podiumsdiskussion: Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte – Auftakt der ZMI-Veranstaltungsreihe (Neue) Herausforderungen der Wissenschaft

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Rede von der Wissens- oder Wissenschaftsgesellschaft allerorten zu hören war. Gemeint war eine Gesellschaftsformation, in der nahezu alle relevanten Handlungsbereiche – Politik, Wirtschaft, Recht, Technik, Bildung – durch Wissenschaft dominiert werden. Hierbei bezeichnet Wissenschaft eine gesellschaftliche Institution ebenso wie verschiedene Fachdisziplinen, eine spezifische Tätigkeit der Wissensbildung ebenso wie ein Paradigma von (gesichertem, evidenz-basiertem, vertrauenswürdigem) Wissen.

Spätestens mit der Diskussion um die „postfaktische Gesellschaft“ steht Wissenschaft allerdings im Zentrum einer Reihe von Debatten, die ihre bisherige gesellschaftliche und institutionelle Funktion ebenso herausfordern wie ihr Selbstverständnis. Diesen neuen Herausforderungen der Wissenschaft widmet sich eine Veranstaltungsreihe des ZMI, die über drei Semester hinweg die Probleme der Politisierung, Ökonomisierung und Instrumentalisierung in den Blick nehmen möchte.

Den Auftakt zu der Veranstaltungsreihe bildet ein Podiumsgespräch am 28. Mai 2018 um 18 Uhr c.t. in der Aula der JLU zum Thema Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte.

Der ausgezeichnete Ort der Wissenschaft ist die Universität. Die Initiierung politischen Engagements an diesem Ort ist der Wissenschaft zunächst einmal wesensfremd. Es ist eine Sache, ein Thema unter einem wissenschaftlichen Gesichtspunkt, eine andere, sie unter einem politischen Aspekt zu betrachten. Für die Geschichte von 1968 erscheint die Politisierung der Universitäten und Studierenden aber unverzichtbar, wobei die sogenannten Studentenrevolten in den USA andere inhaltliche Schwerpunkte hatten (Rassismus, Bürgerrechte, Anti-Vietnamkrieg) als in Deutschland („Unter den Talaren...“). Im Vergleich dazu konnte in den letzten Jahren nur das Thema Studiengebühren zu Protesten und Blockaden motivieren; auch kursiert allerorten das Gerücht von den völlig unpolitischen Studierenden. Im Gegensatz dazu steht das Unbehagen gegenüber politisch (falsch?) agierenden ProfessorInnen, die Diskussionen über genderquotierte Seminarliteratur oder die politische Korrektheit der Meinungen, Themen und Fassadengestaltungen.

Das spannende Thema der Politisierung der Universität und der Wissenschaft damals und heute wird im Rahmen eines Podiumsgespräches diskutiert werden von Volker Beck (Mitglied des Bundestages 1994-2017, Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bonn), Prof. Dr. Regina Kreide (Politikwissenschaft JLU) und Prof. Dr. Arnd Pollmann (Philosophie, Alice Salomon Hochschule Berlin). Die Veranstaltung wird eröffnet von der Vizepräsidentin der JLU, Prof. Dr. Verena Dolle, und moderiert von Prof. Dr. Elif Özmen (Philosophie JLU & ZMI).

 

 

 

Lehrmaterial digital? – Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

Im Rahmen des Forschungsverbundes Educational Linguistics finden im Sommersemester 2018 drei Vorträge zum Thema Lehrmaterial digital? statt. Als Referenten werden Steffen Obeling (Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung, Düren), Frank Tscherwen und Stefan Kyas (Bildungshaus Schulbuchverlage, Braunschweig) sowie Dr. Tushar Chaudhuri (Hong Kong Baptist University) erwartet. Die Vorträge finden dienstags um 18:15 Uhr im Seminargebäude Philosophikum, Raum 202 (Alter Steinbacher Weg 44) statt.

Am 5. Juni 2018 hält Steffen Obeling seinen Vortrag zum Thema Schulmedien im digitalen Wandel ‒ Wie sollten fremdsprachliche Lehrwerke der Zukunft (nicht) aussehen?

Am 19. Juni 2018 sprechen Frank Tscherwen und Stefan Kyas zum Thema Hat das Schulbuch eine Zukunft? Die digitale Transformation aus Verlagssicht.

Am 3. Juli 2018 stellt Dr. Tushar Chaudhuri in seinem Vortrag mit dem Titel Integrated Language Learning & Social Awareness. Das ILLSA Projekt von der Idee zum Produkt das Projekt vor.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

 

 

 


 

ZMI-Videos

Drei Fragen an Sabine Heymann

Heute ist es kaum mehr vorstellbar, doch als das Zentrum für Medien und Interaktivität gegründet wurde, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Die Medienwissenschaft beschäftigte sich mit den traditionellen Medien Rundfunk und Fernsehen. Das ZMI verstand sich von Anfang an als Pionier und machte daher gleich in der Wahl seines Namens deutlich, dass es nicht nur „Medien“, sondern vor allem auch die neu entstehenden Phänomene der „Interaktivität“ erforschen würde.

Im neuen Drei Fragen an-Video resümiert die ehemalige Geschäftsführerin des ZMI, Sabine Heymann, die Zeit in der sie das ZMI prägte und von ihm geprägt wurde. Sie erzählt spannende Details aus der Gründungsphase, von großen Forschungsprojekten und von den Personen, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind.

Außerdem stellt Sabine Heymann ihr Buch Zeitgenössisches Theater in China vor, das sie zusammen mit Cao Kefey und Christoph Lepschy im Mai 2017 herausgab. Das Buch gibt erstmals einen umfassenden Einblick in die Facetten des chinesischen Theaters der Gegenwart und entstand aus langjährigen Kontakten sowie Kooperationen des ZMI mit China. Seit seinem Erscheinen im April 2017 ist das vom ZMI geförderte Buch allenthalben auf überaus positive Resonanz gestoßen. Jetzt schrieb Tim Neshitov in der Süddeutschen Zeitung in seinem Artikel Kleine Gesellschaft auf der Bühne: „Ein gutes Buch, das einem China näherbringt. Man kann es lesen, ohne eine Ahnung von China zu haben oder vom Theater. Gerade dann sollte man es vielleicht lesen.“ 

Vom Magazin des Konfuzius Institut für chinesische Sprache und Kultur (Januar/2018, S. 10) wird vor allem auf die unterschiedlichen theatralen Ausdrucksweisen hingewiesen, die in der jüngsten Vergangenheit in China entstanden sind und auf die „beachtliche Bestandsaufnahme des zeitgenössischen chinesischen Theaters“, die in diesem Buch zusammengetragen wurde.

Präsentationen des Buches werden im Frühsommer im Konfuzius Institut Frankfurt/Main und am Institut für Sinologie der LMU München stattfinden.

 

 

 

 

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien – Workshopbericht

Zur Auftaktveranstaltung Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien der Workshopreihedes ZMI-Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM) hatten Prof. Thomas Gloning und Melanie Grumt Suárez am 16. März 2018 an die JLU eingeladen. Die Veranstaltung wurde von Melanie Grumt Suárez (JLU Gießen) moderiert.

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Prof. Hans-Jürgen Bucher Foto: Ina Daßbach

Thomas Gloning (JLU/ZMI Gießen) eröffnete mit seinem Vortrag den Vormittag und stellte zunächst Grundlagen einer multimodal ausgebauten Textlinguistik vor. Anschließend erläuterte er den Zusammenhang zwischen unterschiedlich komplexen Wissensräumen und multimodalen Gestaltungsformen und Konfigurationsparametern von Zeitschriftenbeiträgen, -heften und -heftserien anhand verschiedener Zeitschriften. Im Anschluss präsentierte Dr. Daniel Pfurtscheller (Universität Innsbruck) empirische Befunde zu Gestaltungsprinzipien in populären Wissenszeitschriften. Er konstatierte zunächst, dass die Zeitschriftenforschung zurzeit noch unsystematisch sei und bislang nicht sehr intensiv betrieben werde, stellte dann seine empirisch erhobenen Zwischenergebnisse für „Heftprofile“ vor. Mit dem Medienwissenschaftler und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des ZMI, Prof. Hans-Jürgen Bucher (Universität Trier) konnte ein Experte gewonnen werden, der in seinem Beitrag einen anschaulichen medienhistorischen Rückblick auf die Entwicklung vom 19. Jahrhundert bis heute nachzeichnete und Visualisieren als Strategie der Wissenspräsentation in Zeitschriften erörterte.

Im zweiten Block wurden am Nachmittag literatur-, kultur- und editionsphilologische Fragestellungen bearbeitet. Prof. Kirsten von Hagen (JLU/ZMI Gießen) stellte in einer literatur- und kulturwissenschaftlichen Perspektive Jules Vernes Abenteuerreisen, die zunächst in der von Jean-Pierre Hetzel herausgegebenen Zeitschrift Magasin d‘éducation et de récréation erschienen sind, in den Mittelpunkt. Die Romanistikprofessorin arbeitete unter anderem eine Typologie von Figuren als Wissensquellen heraus und wies nach, dass die Reisetexte neben der Wissensvermittlung auch unterhaltende Funktion hatten.

In einen anderen Bereich der Zeitschriftenlandschaft führte Dr. Norman Ächtler (JLU/ZMI Gießen) mit philologisch-pädagogischen Zeitschriften im 19. Jahrhundert ein: Er konstatierte, dass die „Macher“ solcher Zeitschriften Schulmänner und engagierte Lehrer waren, die philologisch-pädagogische Zeitschriften benutzten, um die Ergebnisse universitärer Forschung mit den Anforderungen des Lehrens in der Schule zu vermitteln und strukturell zu koppeln.

Der virtuelle Abschluss des Tagesworkshops wurde von der Anglistin Jana Pflaeging (Universität Salzburg) mit dem Titel Science for the Masses: Intra- und intermediale Vergleiche akademischer Magazine auf dem Weg zur Populärwissenschaftlichkeit um 1900 und um 2000 gemacht. Per Skype berichtete sie über aktuelle Zwischenergebnisse aus ihrem Promotionsprojekt und erläuterte „Textsortenprofile“ in National Geographic und MIT Technology Review. Pflaeging konnte in einer anschaulichen Präsentation Textsortenemergenzen (Feature Articles) und interessante Standardisierungsprozesse nachweisen.

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Frank Waldschmidt-Dietz und Marcel Wrzesinski Foto: Dennis Kaltwasser
Frank Waldschmidt-Dietz, Florian Ruckelshausen (jeweils UB Gießen) und Marcel Wrzesinski (KULT_online) informierten mit ihrem Posterbeitrag über das digitale Open Access Journal KULT_online und die dafür verwendete Software Open Journal Systems (OJS).

Insgesamt stellte die Auftaktveranstaltung eine erfolgreiche Premiere dar, die einerseits das Desiderat von Zeitschriftenforschung in den verschiedenen Disziplinen offenlegte und andererseits zeigte, dass damit aber auch gute Grundlagen für eine Weiterführung der Forschung gelegt worden sind.

Im Laufe des Jahres ist die Publikation der vorgetragenen Beiträge und weiterer Einreichungen in der Reihe Sprache, Literatur, Kommunikation – Geschichte und Gegenwart geplant.

 

 

 

Internationales Symposium Postfaktisches Erzählen?/Post-Truth Narration? mit Keynote Speech von Andreas Langenohl

In journalistischen Diskursen, den sozialen Medien und der Populärkultur ist derzeit häufig von einem ‚postfaktischen Zeitalter‘ die Rede. Zugleich wächst die Sehnsucht nach neuen, ebenso glaubhaften wie visionären Narrativen, die wesentliche Grundlagen unseres sozialen, kulturellen und politischen Miteinanders in einer als krisenhaft empfundenen Umbruchsituation neu erzählen und die sich, so die Hoffnung, gegen die Lügengeschichten der Populisten durchsetzen können. Der strategische Einsatz bewusster Falschaussagen wird in manchen Kontexten nicht mehr prinzipiell abgelehnt, das Leugnen empirisch nachweisbarer Phänomene wie des Klimawandels erscheint ebenso unproblematisch wie das opportunistische, adressatenbezogene Ändern der eigenen Meinung, solange das Grundgerüst einer attraktiven und eingängigen Erzählung die jeweiligen Aussagen stützt. Vor diesem Hintergrund ist in jüngster Zeit eine öffentliche Debatte um die Bedeutung, die Funktion und den Nutzen des Konzepts des ‚postfaktischen Erzählens‘ selbst entstanden.

Ausgehend von der Prämisse, dass Erzählungen „beides, dem sozialen Wandel unterworfen und Medien seiner Gestaltung“ sind (A. Koschorke), hatte sich die inter- und transdisziplinäre Konferenz Postfaktisches Erzählen?, dievom 6. bis 8. Februar 2018 am Zentrum für Erzählforschung der Bergischen Universität Wuppertal stattfand, vorgenommeneinen grundlegenden Beitrag zu den aktuellen Diskussionen zu leisten. Unter Rückgriff auf Theorien, Erkenntnisse und Methoden der Erzählforschung wurde das Verhältnis des ‚Post-Faktischen‘ zum Narrativen untersucht.

Prof. Andreas Langenohl, Mitglied der ZMI-Sektion 1, hielt auf dem internationalen Symposium eine Keynote Speech mit dem Titel „Nach den Massenmedien: Zur Begründbarkeit von Normen öffentlicher Kommunikation“. In den Vorwürfen der Verbreitung von ‚Fake News‘, denen die Massenmedien derzeit ausgesetzt sind, und in deren Abwehr durch Vertreter der Massenmedien werden wir Zeugen einer Moralisierung der Massenmedien: nämlich als ‚Lügenpresse‘ oder im Gegenteil als Hüter der Wahrheit. Ihre eigentliche politische Funktion haben Massenmedien allerdings eher in der politischen Deliberation, die nicht auf Information zu reduzieren ist. Andreas Langenohl diskutierte, welche Folgen eine moralisierende Aufwertung von ‚Wahrheit‘ als eigentlichem Geschäft der Massenmedien für Prozesse der politischen Deliberation hat, die nicht in Moralität, sondern in Normativität den ihnen adäquaten Geltungstypus finden. Er skizzierte somit eine Gegenwartsdiagnose, die nicht Postfaktizität, sondern Postnormativität als Kernproblem gegenwärtiger politischer Kommunikationsprozesse ausmachte.

 

 

 

Holocaust-Zeitzeugin Ruth Barnett zu Besuch an JLU und Schulen in Gießen

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Ruth Barnett Foto: Sandra Binnert
Seit Ursula Krechels Roman Landgericht weiß eine große Leserschaft vom schwierigen Lebensweg der Familie des jüdischen Richters Richard Kornitzer aus Berlin, von Verfolgung, Exil, schwieriger Rückkehr und der Rettung seiner beiden Kinder. Krechels Roman liegt allerdings eine reale Lebensgeschichte zugrunde: Es ist die Familiengeschichte von Ruth Barnett, die 1935 in Berlin-Charlottenburg geboren wurde und 1939 als kleines Mädchen fast in letzter Minute mit ihrem Bruder Martin im Rahmen der sogenannten Kindertransporte aus NS-Deutschland nach England entkam. In ihrem Erinnerungsbericht Nationalität: Staatenlos(Metropol 2016) erzählt sie anschaulich von ihrer schwierigen Existenz als heimat- und staatenloses Mädchen in der Fremde, von ihren Jahren in verschiebenden Heimen und Pflegefamilien. Ihre Rettung wurde zu einem prägenden Einschnitt für ihr ganzes weiteres Leben. Das kleine Mädchen, das nicht verstehen konnte, warum ihre Eltern es wegschickten, litt auch als Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Krieg unter dem Gefühl, anders und fremd zu sein.

Die eigene Leidensgeschichte, die eigene Erfahrung von Entwurzelung, Identitätsverlust aber auch Selbstbehauptung stellen jedoch für Barnett zugleich die Motivation dar, sich seit vielen Jahren als Zeitzeugin in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen zu engagieren und über den Holocaust aufzuklären; so beispielsweise auch am 7. Februar 2018 an der JLU in Gießen. Die TeilnehmerInnen des Seminares unter der Leitung von Monika Rox-Helmer und Norman Ächtler (jeweils ZMI-Sektion 2), das sich mit dem Thema der Kindertransporte beschäftigte, sowie die TeilnehmerInnen des Seminars unter der Leitung von Anika Binsch, die sich mit frühen Werken der Holocaustliteratur von 1933 bis 1949 auseinandergesetzt haben, nahmen die Chance wahr, mit Ruth Barnett ins Gespräch zu kommen. Eindrücklich machte Barnett deutlich, dass ihre Geschichte, ihr Leidensweg nicht mit der Ankunft in England beendet war, sondern vielmehr dort erst begann. Anhand ihrer eigenen Erfahrungen betonte sie wiederholt, wie wichtig es ist, eigene Vorurteile zu erkennen, zu überdenken und zu überwinden und den Menschen mit „just a little bit more kindnesss“, so Barnett, zu begegnen, denn die Mehrheit der – auch heute – geflüchteten Menschen habe nicht ohne Weiteres ihr Familien, ihr zu Hause, ihr Leben zurückgelassen. Die Studierenden diskutierten mit Ruth Barnett intensiv über Kategorien, wie etwa Nationalitäten oder Religionen, mit denen wir uns voneinander abgrenzen und welche Schwierigkeiten und Probleme entstehen, wenn sie als ‚Werkzeuge‘ der Diskriminierung oder zur Rechtfertigung von Gewalttaten benutzt werden.

Ferner besuchte Ruth Barnett am 8. und am 9. Februar 2018 SchülerInnen am Johanneum Gymnasium in Herborn sowie an der Ricarda-Huch-Schule in Gießen. Eine Schülerin des Johanneums fragte vor allem auch nach dem weiteren Lebensweg von Ruth Barnetts Bruder Martin, der im Gegensatz zu Frau Barnett zwar später mit seiner Frau wieder in Deutschland lebte, der aber Schwierigkeiten hatte, Fuß zu fassen, da sein an der Universität Cambridge erlangter Abschluss nicht anerkannt wurde. Die SchülerInnen an der Ricarda-Huch-Schule sprachen mit Barnett vor allem auch über das Schicksal der Sinti und Roma während und nach dem Holocaust, die lange darum kämpfen mussten, und teilweise leider immer noch müssen, dass ihr Leiden unter dem NS-Regime öffentlich anerkannt wird. Im Mittelpunkt aller drei Gespräche stand immer der Appell von Ruth Barnett: „I want you to think!“ Keiner müsse ihren Standpunkt einnehmen, aber alle müssten ihre Realität, ihre Vorstellungen, ihre Vorurteile sowie die Überlegungen und Entscheidungen auf politischer Ebene hinterfragen und wachsam bleiben. Nur wenn allen Geschichten Gehör verschafft werde, wenn alle Perspektiven wahrgenommen würden, so Barnett, könnten Strukturen erkannt und unterbunden werden, die ansonsten in Diskriminierung und Verfolgung enden und somit leider auch weiterhin den Weg für Genozide bereiten würden.

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Ruth Barnett im Gespräch mit Studierenden der JLU Foto: Sandra Binnert
Organisiert und begleitet wurden die Schulbesuche von Anika Binsch von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur in Absprache mit Kristine Tromdsdorf am Johanneum Gymnasium und Eckhard Pfeffer an der Ricarda-Huch-Schule.

 

 

 

 

Erinnern ohne Zeitzeug*innen? Herausforderungen an eine deutsche Gedenkkultur – Gespräch mit Sascha Feuchert auf der Leipziger Buchmesse

Am 18. März 2018 sprach die Journalistin Michaela Maria Müller auf der Leipziger Buchmesse mit Sascha Feuchert (Leiter Arbeitsstelle Holocaustliteratur/ZMI-Sektion 4), Jutta Weduwen (Geschäftsführerin Aktion Sühnezeichen), Eva Leipprand (Bundesvorsitzende VS) und Sebastian Pirling (Heyne Verlag) über die Bedeutung historischer Bildungsarbeit und Gedenkens in Zeiten wachsenden Antisemitismus. Diskutiert wurde die Notwendigkeit des Erinnerns und die Angst vor dem Vergessen in Zeiten, in denen es kaum noch ZeitzeugInnen gibt und Forderungen seitens der AfD laut werden, es möge doch bald mal Schluss sein mit dem ewigen „Schuldkult“. Die TeilnehmerInnen des Podiums waren sich einig, dass eine lebendige und vielgestaltige Erinnerungskultur notwendig ist, die jedoch gerade eben keinen Schulddiskurs (oder „Schuldkult“) darstellt, sondern einen Verantwortungsdiskurs.

 

 

 

Podiumsdiskussion zu geschlechtergerechter Sprache. Jutta Hergenhan spricht an der Universität Paris 13

„Wir werden nicht mehr lehren, dass das Maskulinum dem Femininum übergeordnet ist“, erklärten im November 2017 die 314 UnterzeichnerInnen des Manifests „Nous n’enseignerons plus que le masculin l’emporte sur le féminin“. Lehrende an Schulen, Hochschulen und Sprachschulen weigerten sich seitdem, den in den Strukturen der französischen Sprache festgeschriebenen Sexismus im Unterricht an Sprachlernende weiterzugeben. Stattdessen lehren sie ab sofort geschlechteregalitäre Grammatikregeln, wie sie vor der Etablierung des generischen Maskulinums im Französischen ohnehin gebräuchlich waren. Die UnterzeichnerInnen des Manifests argumentieren, dass es sich bei der vermeintlichen grammatischen Überlegenheit des Maskulinums gegenüber dem Femininum um eine in einem bestimmten historischen Kontext entstandene, vor allem geschlechterpolitisch motivierte Regel handelt, die geschlechtliche Gleichstellung in der heutigen Zeit in allen gesellschaftlichen Bereichen enorm erschwert, weil sie ab dem Schulalter im Unterbewusstsein jeder neuen Generation verankert wird. Die Sprachlehrenden rufen daher ihre KollegInnen aus dem gesamten französischen Sprachraum dazu auf, es ihnen gleich zu tun.

Wie zu erwarten war, blieben Gegenstimmen dazu nicht aus. Es stellte sich zudem die Frage, wann und wie es zur Dominanz des Maskulinums in der Struktur der französischen Sprache kam, wie ein Wandel der sprachlichen Gewohnheiten herbeigeführt werden kann und welcher sprachsystematischen Veränderungen es dazu bedarf.

Die Politikwissenschaftlerin Gwenaëlle Perrier und die Soziologin Marie Loison-Leruste organisierten daher am 6. März 2018 in Zusammenarbeit mit der Frauenbeauftragten Pascale Molinier an der Universität Paris 13 auf dem Campus Villetaneuse im Norden von Paris (Saint-Denis) eine interdisziplinäre Debatte zu inklusiver Sprache. Die wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, Dr. Jutta Hergenhan, legte einführend dar, wie es im Zuge der Standardisierung des Französischen ab der ersten Hälte des 17. Jahrhunderts zu einer Maskulinisierung der Sprache kam. Sie verdeutlichte, wie sich der sprachinhärente Geschlechterdiskurs und gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse bis heute gegenseitig bedingen und festigen. Die Linguistin Maria Candea zeigte Möglichkeiten der Sprachinnovation auf, mittels derer nicht nur die in der Sprache symbolisch festgeschriebene Hierarchie zwischen weiblichem und männlichem Geschlecht, sondern binäre Geschlechtervorstellungen an sich überwunden werden können. Der Soziologe Gaël Pasquier legte dar, wie in Schulbüchern aktuell schon statt geschlechterhierarchischer Sprache innovative Schreibweisen praktiziert werden, ohne dass dadurch die Lesbarkeit oder Verständlichkeit eingeschränkt würden. Die Pariser Anwältin Mila Petkova sprach über die juristischen Möglichkeiten, Rückschläge im Bereich geschlechtergerechter Sprache abzuwehren. Eine innovative Sprachentwicklung ist ihrer Meinung nach nicht zuletzt auch durch die zunehmende Anerkennung der Dritten Option im Personenstandsrecht notwendig.

In der anschließenden Diskussion mit den Studierenden und Hochschulbeschäftigten fand ein reger Austausch zu Fragen der praktischen Anwendung geschlechtergerechter Sprache statt.

 

 

 

Primo Levi. Zeuge und Zeugnis — Vortrag von Markus Roth am Fritz Bauer Institut

Primo Levi, Chemiker aus Italien, gehört zu den bekanntesten Holocaust-Überlebenden und legte zeitlebens Zeugnis ab von seiner Zeit in Auschwitz-Monowitz. Er begann damit unmittelbar nach seiner Befreiung, sei es in offiziellen Berichten für die Alliierten oder in seinem großen Erinnerungswerk Ist das ein Mensch?, in kleineren Schriften und Essays sowie im Roman.

Markus Roth (Stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen/ ZMI-Sektion 4) beschäftigte sich in seinem Vortrag am 31. Januar 2018 am Campus Westend mit dem Zeugen Levi und seinem Zeugnis vor allem anhand kleinerer, erst jüngst auf Deutsch publizierter Texte.

 

 

 

Holocaustliteratur und Literaturwissenschaft. Zur Geschichte einer schwierigen Beziehung – Vortrag von Sascha Feuchert am Fritz Bauer Institut

Am 17. Januar 2018 hatte das Fritz Bauer Institut in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. zum Vortrag Holocaustliteratur und Literaturwissenschaft. Zur Geschichte einer schwierigen Beziehung von Sascha Feuchert (Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur / ZMI-Sektion 4) eingeladen.

Vor ungefähr 30 Jahren begann ein ausgeprägter literaturwissenschaftlicher Diskurs zur Holocaustliteratur, der unter anderem wesentlich von Überlebenden wie Susan Cernyak-Spatz angestoßen wurde. Allerdings herrschte auf Seiten der Autoren dieser Zeugnisliteratur auch große Skepsis. Sascha Feuchert beleuchtete in seinem Vortrag die Meilensteine dieser schwierigen Beziehungsgeschichte und unternahm den Versuch, die gegenwärtige Situation darzustellen.

 

 

 

 

 

In den Medien

Dorothée de Nève zu Gast bei phoenix vor Ort

Am 25. Februar 2018 gab Angela Merkel die Namen der designierten CDU Ministerinnen und Minister bekannt. Am Tag darauf fand der 30. Parteitag der CDU statt. Im Studiogespräch mit Klaus Weidmann und Mareike Bokern bei phoenix vor Ort hatte die stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI Prof. Dorothée de Nève am 25. und 26. Februar 2018 die Gelegenheit, diese aktuellen Entwicklungen zu analysieren.

 

 

 

Verena Schäfer-Nerlich zu Gast bei phoenix der Tag

Dr. Verena Schäfer-Nerlich (Projektkoordinatorin des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen) war am 23. Februar 2018 bei phoenix der Tag zu Gast und analysierte im Gespräch mit Michael Kolz den Sondergipfel der EU-27 und hier im Besonderen auch den Vorschlag von Angela Merkel den Zugang zu EU-Haushaltsgeldern an die Bereitschaft der Mitgliedsstaaten Flüchtlinge aufzunehmen zu knüpfen. Schäfer-Nerlich sieht in dem „Dreh zu einem Belohnungssystem für Staaten, die besonders viel leisten“ einen „cleveren Schachzug“ Angela Merkels. Das komplette Video können Sie hier ansehen.

 

 

 

Artikel von Markus Roth in ZEIT Geschichte erschienen

In Zeit Geschichte 1/2018 ist im Januar 2018 ein Artikel von Markus Roth (Stellvertretender Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen/ ZMI Sektion 4)erschienen. Unter dem Titel Gegen 'Asoziale' und 'Arbeitsscheue' beschreibt er darin, wie die Nationalsozialisten unter dem Deckmantel der Verbrechensbekämpfung den Begriff der Kriminalität nach Belieben ausweiteten und politisch und 'rassisch' Unerwünschte als 'Asoziale' oder 'Arbeitsscheue' verfolgten. Dazu zählten auch etwa Bettler, Landstreicher, Zuhälter, 'Zigeuner', mehrfach vorbestrafte und vorbestrafte Juden. Ab Ende 1937 konnten 'Asoziale' und 'Arbeitsscheue', ebenso wie 'Gewohnheitsverbrecher', denen man eine genetische Veranlagung zur Kriminalität unterstellte, durch den Erlass zur "vorbeugenden Verbrechensbekämpfung" nach reiner Willkür 'präventiv' inhaftiert werden.

 

 


 

 

Neues aus den Seniorprofessuren

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Ludwig-Börne-Vorlesungen: ´68 – Eine Revision. Veranstaltungsreihe des Präsidenten in Kooperation mit Claus Leggewie

1968 gilt als Jahr des Aufbruchs und des Protests. Die Jugend lehnt sich auf, es wird demonstriert und rebelliert. Soweit bekannt – soweit so gut. In der diesjährigen Ludwig Börne-Ringvorlesung mit dem Titel ’68 – Eine Revision soll es nun aber darum gehen, die Geschehnisse von 1968 in einem neuen Licht zu betrachten. Vor allem das, was nach der Revolte offen und unerfüllt geblieben ist, soll im Fokus stehen. Was ist aus der kritischen Universität geworden? Welchen Erfolg hatten die Geschlechterkämpfe? Wie pazifistisch war die Revolte, und wie weit trug der kulturelle Wandel? Diese und andere Fragen werden von vier ReferentInnen kompetent erörtert und diskutiert.

Den Auftakt zur Vorlesungsreihe bildet ein Vortrag von Jürgen Kaube, dem Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), zu Universitäten nach der Hochschulreform am 18. April 2018.

Am 2. Mai 2018 wird die Publizistin und Schriftstellerin Barbara Sichtermann in ihrem Vortrag Un/Gleich. Geschlechterkämpfe seit den 1960er Jahren auf Gleichheit und Verschiedenheit im Prozess der Emanzipation im Anschluss an die 1960er Jahre eingehen: Die Kategorien, von denen die Frauenemanzipation strukturiert wird, heißen Gleichheit und Verschiedenheit, Gleichheitspolitik und Differenzpolitik. Es sind immer beide gleichzeitig am Werk, aber der Schwerpunkt ruht mal hier, mal da. Heute haben wir es zu einer bemerkenswerten Mischung der Geschlechter im öffentlichen Raum und in den Berufen und Funktionen gebracht. Frauen gehen zu den Soldaten, und Männer sollen Väterzeit nehmen, weibliche Chefs werden immer selbstverständlicher, männliche Akzeptanz dieser Art Frauenpower wächst an. Aber nicht überall und nicht friktionslos, denn „Women's lib“, wie es früher hieß, bedeutet nicht nur, dass die Frauen einen Freifahrtschein in alle ehemals männlichen Domänen erworben haben und die Männer ihnen dort Platz machen müssen. Es bedeutet auch, dass sich gewachsene Strukturen und Verhaltensweisen in nahezu sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen – bis in die Sprache hinein – verändern oder sich gegen Veränderung sperren. Zu beobachten ist in jedem Fall, dass es eine stetige Verunsicherung gibt, wodurch der Dialog zum Thema der Geschlechterkämpfe nicht nur hochaktuell, sondern auch von essentieller Bedeutung ist.

Dr. Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler und Mitglied der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, wird am 16. Mai 2018 in Natürlich kann geschossen werden. Oder wie pazifistisch war die Revolte? Fragen zur Opfer- und Täterrolle erörtern: Die Sichtweise der meisten 68er basiert auf einer grundlegenden Unterscheidung zwischen passiver und aktiver Gewalt. Sie sehen sich vor allem als Opfer staatlicher Repression. Im Verlauf der 68er-Bewegung hatte es insbesondere zwei Akte mörderischer Gewalt gegeben: Die Erschießung des Germanistikstudenten Benno Ohnesorg am Rande einer Demonstration gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967 und ein am 11. April 1968 von einem Rechtsradikalen auf Rudi Dutschke verübtes Attentat. Angesichts der Tatsache, dass es davor und danach zu einer Vielzahl militanter Ausschreitungen kam, ist jedoch zu fragen: Wann waren die Teilnehmer der 68er-Bewegung bloß Objekte staatlicher Gewalt, wann wurden aus ihnen selbst Subjekte von Gewaltaktionen und welche Relation bestand zwischen diesen beiden Formen? Es geht vor allem darum zu hinterfragen, wie sich dieser Rollenwechsel erklären lässt. War er situationsbedingt oder ist bereits von vornherein eine bestimmte Disposition vorhanden gewesen und welche determinierenden Faktoren spielten dabei eine Rolle?

Abschließend folgt am 6. Juni 2018 ein Vortrag von Prof. Dr. Detlef Siegfried, Professor für Neuere Deutsche und Europäische Geschichte an der Universität Kopenhagen, zum Thema Break On Through. To The Other Side. 68 als Kulturrevolution.

Alle Vorträge finden mittwochs um 19.15 Uhr (19 Uhr c.t.) in der Aula im Hauptgebäude der JLU (Ludwigstraße 23) statt.

Das ZMI und die JLU laden Sie herzlich zur Teilnahme ein und freuen sich auf Ihren Besuch. 

 

 

 

Ein Jahr Donald Trump: Claus Leggewie im Interview mit dem Deutschlandfunk

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Foto: dpa/ Ron Sachs
Anlässlich des ersten vollendeten Regierungsjahres von Präsident Donald Trump zieht Börne-Professor Claus Leggewie in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Bilanz – und mahnt weiterhin zur Vorsicht im Umgang mit dem amtierenden US-Präsidenten. „Er kann sehr viel Unheil anrichten“, sagt Leggewie und vor allem in der Außenpolitik sei dies schon jetzt spürbar. Sein harsches Motto „America first“ habe zum Rückzug internationaler Kooperationspartner geführt. Seine Auseinandersetzungen mit Nordkorea und dem Iran seien zudem wahnsinnig riskant und zusätzlich belastend. Trumps innenpolitisches Regierungshandeln entlarvt Leggewie mit Bezug auf die Steuerreform als großen Bluff. Das komplette Interview, geführt mit Karin Fischer, können Sie hier nachhören.

 

 

 

Europa zuerst!? Diskussionsveranstaltung mit Claus Leggewie und Udo Bullmann
Europa zuerst?! Flyer Diskussionsveranstaltung Leggewie AStA
Copyright: AStA der JLU Gießen
Wie sieht die Zukunft Europas aus? Wird sich das Europa, das wir kennen, erhalten können? Werden wir mehr Europa erleben oder singen wir bereits den Abgesang auf die EU? Was bewirken Erneuerungsvorschläge und Ideen von PolitikerInnen, EuropaparlamentarierInnen und nicht zuletzt von den BürgerInnen?

Diesen und weiteren Fragen gingen am 19. Januar 2018 Ludwig Börne-Seniorprofessor Claus Leggewie und Europaparlamentarier Udo Bullmann in einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung des AStA der JLU Gießen im Großen Hörsaal im Zeughaus nach. Claus Leggewie vertritt in seinem kürzlich erschienenen Buch Europa zuerst! die Überzeugung von einem zukünftig basisdemokratischen, bürgernahen und sozial gerechten Europa. Udo Bullmann ist selbst überzeugter Europäer und stellvertretender Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion.

Weitere Informationen zum Diskussionsabend finden Sie hier. Einen Bericht über die Veranstaltung, der im Gießener Anzeiger erschienen ist, finden Sie hier.

 

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Auf dem Weg zum Babelfisch? Prof. Dietmar Rösler diskutiert in seiner Antrittsvorlesung als Seniorprofessor die Zukunft des Fremdsprachenlernens in den Zeiten von Big Data.

Im gut gefüllten Margarete-Bieber-Saal hießen am 24. Januar 2018 Prof. Joybrato Mukherjee, der Präsident der JLU, und Prof. Katrin Lehnen, die Geschäftsführende Direktorin des ZMI, Prof. Dietmar Rösler als Otto Behaghel-Seniorprofessur am ZMI willkommen. Das ZMI war damit nach der Antrittsvorlesung von Prof. Claus Leggewie als Ludwig Börne-Professor im Juni 2016 zum zweiten Mal Gastgeber einer derartigen Antrittsvorlesung. Mit der Etablierung von Seniorprofessuren an der JLU geht die Erwartung einher, dass diese die wissenschaftliche Aktivität der JLU erkennbar fördern, gesamtinstitutionelle Interessen der JLU wahrnehmen und auf diese Weise die öffentliche Sichtbarkeit der JLU erhöhen.

Dietmar Rösler war 1996 nach Stationen am University College Dublin, an der Freien Universität Berlin und am King’s College London an die JLU berufen worden und war dabei u.a. für Lehre und Forschung im Fach Deutsch als Fremdsprache verantwortlich. Zusammen mit Prof. Henning Lobin entwickelte er den an deutschen Universitäten einzigartigen Studiengang Sprachtechnologie und Fremdsprachendidaktik.

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Dietmar Rösler während seiner Antrittsvorlesung als Otto Behaghel-Seniorprofessor Foto: Ralph Zoth/ZMI
In seiner Vorlesung diskutierte Rösler die Konsequenzen, die sich aus dem sich ändernden Mediennutzungsverhalten der Lernenden für das Fremdsprachenlernen ergeben. Welche Rolle werden Lehrkräfte und Institutionen in Zukunft noch spielen? Wie weitgehend werden und können Selbstlernmaterial und die community der Lernenden klassische Funktionen von Lehrkräften übernehmen? Wieso scheint die öffentliche Debatte zum Thema Digitalisierung und Bildung sich hauptsächlich auf die Beschaffung von Hardware und nicht auf Investitionen in die Kompetenz von Lehrkräften zu beziehen und warum tun sich Bildungspolitiker in Deutschland so schwer mit dem Konzept ‚bring your own device‘?

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Dietmar Rösler beleuchtete in seiner Antrittsvorlesung vor zahlreichen Gästen die Zukunft des Fremdsprachenlernens Foto: Ralph Zoth/ZMI
Noch blieben viele der im Netz vorhandenen Lernsoftware-Angebote im Hinblick auf Übungsvielfalt und Ausdifferenzierung der Gegenstände zum Teil weit hinter dem Stand der fremdsprachendidaktischen Diskussion zurück, so Dietmar Rösler. Auch sei es erschreckend, dass das Potential der Individualisierung, das in den digitalen Medien steckt, oft mit einer Verabsolutierung des Alleinlernens verwechselt werde. Trotzdem solle man nicht verkennen, dass die technologische Entwicklung und die Möglichkeiten, die Big Data bieten, auch die Sprachlehrforschung und das Fremdsprachenlernen in Bildungsinstitutionen radikal verändern werden. Mit Konsequenzen für Lehrerrolle und Stundentafeln, für das Verhältnis von Alleinlernen und Lernen in der Gruppe, für das Zusammenspiel von formellem und informellem Lernen und für die Möglichkeit, mehr Lebensweltbezug in den Unterricht zu bringen. Die JLU Gießen, mit ihrer von Prof. Michael Legutke (Anglistik) angestoßenen langen Tradition der Erforschung des Fremdsprachenlernens mit digitalen Medien, sei der richtige Ort, um die kommenden radikalen Entwicklungen forschend zu begleiten und weiterzuentwickeln.

 

 

Hackathon für Sprachlern-Apps. Selmin Hayircil bei Veranstaltung des Goethe-Instituts ausgezeichnet.

Startklar?! – Aufbruch in das Sprachlehren und -lernen von morgen nannte das Goethe Institut eine Veranstaltung, die vom 21. bis 23. März 2018 in Berlin stattfand. Lehrende, Lernende und Experten setzten sich mit der Frage auseinander, wie Digital Literacy, Virtual Reality, Künstliche Intelligenz, digitale Übungsformate usw. das Fremdsprachenlernen verändern werden. Teil der Veranstaltung: Ein Hackathon, in dem ad hoc gebildete Gruppen innovative Projekte zum Lernen einer Fremdsprache mit digitalen Medien entwickelten. Ausgezeichnet wurde dabei u.a. das Konzept für die App GuckGuck – entwickelt von Selmin Hayircil (ZMI), Britta Schellens (Goethe Institut London), Ulrike Mahnke (User Experience Designerin) und Natallia Balliuk (wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Kooperationsprojekt von JLU und Universität Leipzig, das für den DAAD ein Studienmodul für die Ausbildung von Deutschlehrkräften entwickelt). Die App soll Migranten- und Flüchtlingskinder mit Spiel und Spaß beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen. Der Preis für die Gruppe: finanzielle Förderung durch das Goethe Institut, mit der in folgenden Workshops eine konkrete Umsetzung des Projekts erfolgen kann.

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Selmin Hayircil (4.v.r.) nimmt die Auszeichnung für das Konzept der Sprachlern-App GuckGuck entgegen Foto: Goethe-Institut/Bernhard Ludewig
 

 

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

„Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen“ – Zur Musikalität des Theaters. Heiner Goebbels‘ Antrittsvorlesung der Georg Büchner-Professur

Prof. Heiner Goebbels hat am 1. April 2018 die am ZMI angesiedelte Georg Büchner-Seniorprofessur angetreten. Die Antrittsvorlesung mit dem Titel „Dass es eine Sprache gibt, worin die Dinge sich weder zeigen noch verbergen“ – Zur Musikalität des Theaters wird Heiner Goebbels am Dienstag, 10. April 2018, 18:00 Uhr c.t. im Biologischen Hörsaal, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen halten. Sie sind herzlich eingeladen!

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

 


 

Personalia

Henning Lobin wird Direktor des Instituts für Deutsche Sprache

LobinDer langjährige Geschäftsführende Direktor des ZMI (2007–2016), Prof. Henning Lobin hat einen Ruf an die Universität Mannheim in Verbindung mit der Leitung des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) als Direktor erhalten. Das außeruniversitäre Institut für Deutsche Sprache, als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam getragen von Bund und Ländern, ist das Dokumentations- und Forschungszentrum des Deutschen in Mannheim, das mit seinen mehr als 200 MitarbeiterInnen Grundlagenforschung zu Grammatik, Lexik und Pragmatik des Deutschen durchführt und die größten Korpusbestände für die deutsche Sprache verwaltet. Als zentrale Instanz zu Sprachfragen ist das IDS Ansprechpartner für Politik und Öffentlichkeit und auch Sitz des Rats für deutsche Rechtschreibung, in dem VertreterInnen der sieben deutschsprachigen Länder die Normierung der deutschen Schriftsprache betreiben. Henning Lobin wird für die Leitung des IDS nach dem Jülicher Modell von seiner akademischen Tätigkeit beurlaubt und soll seine neue Funktion zum 1. August 2018 übernehmen. Das ZMI gratuliert Henning Lobin ganz herzlich und wünscht ihm viel Erfolg an seiner neuen Wirkungsstätte!

 

 

 

Ina Daßbach wissenschaftliche Koordinatorin des Forschungsschwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM)

Ina DassbachDie wissenschaftliche Koordinatorin des Forschungsschwerpunktes Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft (LBM) Dr. Vera Ermakova befindet sich derzeit in Elternzeit. Das ZMI freut sich mitzuteilen, dass Frau Ina Daßbach, M.A. vom 1. Januar bis 31. Dezember 2018 die Koordination des Schwerpunktes vertritt. Sie ist in dieser Tätigkeit auch Ansprechpartnerin für alle Belange des Schwerpunkts.

 

 

 

Jennifer Neumann verlässt das ZMI

Nachdem Jennifer Neumann (M.A.) das ZMI seit November 2017 als Wissenschaftliche Hilfskraft am Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft unterstütze und an der Ludwig Börne-Professur für Prof. Claus Leggewie tätig war, verlässt sie das ZMI nun zum 1. April 2018, da sie eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Neuere deutsche Literatur und Kulturwissenschaft bei Prof. Wirth an der JLU Gießen antritt. Das ZMI gratuliert Frau Neumann zu ihrer neuen Stelle und freut sich, dass sie dem ZMI als Mitglied der Sektion 5 verbunden bleiben wird.

 

 

 

Stellenausschreibung: Das ZMI sucht Studentische und Wissenschaftliche Hilfskräfte mit dem Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit

Das ZMI sucht zur Verstärkung seines Teams zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine studentische oder wissenschaftliche Hilfskraft mit einem Arbeitsumfang von 20-40 Stunden pro Monat und eine wissenschaftliche Hilfskraft mit einem Arbeitsumfang von 82 Stunden pro Monat. Zu den Aufgabenbereichen der beiden Stellen zählen unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit, Pflege der Website, Veranstaltungsorganisation und Recherchetätigkeiten. Für die Stelle der studentischen Hilfskraft ist zudem eine Mitarbeit am Forschungsschwerpunkt LBM vorgesehen. Der Bewerbungsschluss ist der 15. bzw. der 22. April 2018. Wir freuen uns auf Ihre Bewerbungen!