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Artikelaktionen

Newsletter 4/2021

 

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Editorial

 

Liebe ZMI-Aktive,

liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

Dr. Jutta Hergenhan. Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
Jutta Hergenhan

das ZMI-Jubiläumsjahr geht zu Ende. Es hat uns viele anregende Gedanken gebracht und einige Fragen aufgeworfen, die nicht nur das ZMI noch eine Weile beschäftigen werden. Im Rahmen einer ganzen Jubiläumswoche organisierten die ZMI-Sektionen vom 1. bis 5. November 2021 Veranstaltungen zu so unterschiedlichen Themen wie „Hypervisualität und Körper“, „Norm und Normalität in der Sprache“, „Comic und Theater“, „Bilder der Pandemie“, „Dramaturgie und Widerspruch beim Drehbuchschreiben“. Die Diskussionen drehten sich um vielfältigste Fragen: Wie umgehen mit körperlichem Optimierungszwang – einfach mal Vielfalt ohne Wertung akzeptieren oder Sichtbarkeit verweigern und den Bildschirm ganz ausschalten? Warum sind Verben überbewertet und wie viele davon kann man auch weglassen? Wie sieht Theater im Zeitalter menschenähnlicher Maschinen aus und was verbindet so unterschiedliche Kunstformen wie Comic und Theater? Wie kann man das Unsichtbare in Bildern ausdrücken, z.B. ein Virus oder das Bedürfnis nach einem gewünschten Mindestabstand? Was muss man eigentlich bereuen und wofür muss man sich (nicht) entschuldigen?

Sollten Sie nicht dabei gewesen sein, laden wir Sie herzlich ein, sich die Videos auf dem ZMI-YouTube-Kanal anzuschauen.

Die ZMI-Jubiläumswoche zum 20-jährigen Bestehen des Zentrums fand digital statt. Nach einem kurzen analogen Sommer und einem hybriden Herbst sitzen wir jetzt in einem digitalen Winter fest. Zoom und Webex sind erneut die Fenster zur Welt – Resilienz und Rücksichtnahme die alten neuen Routinen. Einige mögen sich in so einer Situation nach einem geeigneten digitalen Habitus fragen. Das ZMI bietet natürlich auch hier Antworten auf Fragen, die Sie sich ansonsten vielleicht gar nicht gestellt hätten. Im Oktober 2021 erschien in der ZMI-Reihe „Interaktiva“ der Konzeptband „Digitaler Habitus“. Aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln nähern sich die Autor*innen der Veränderung literaler Praktiken und Bildungskonzepte sowie den digitalen Aspekten sozialer Ungleichheit. Es werden schwerwiegende Fragen verhandelt, etwa: Wie kann Künstliche Intelligenz nicht nur smart, sondern auch diskriminierungsfrei programmiert werden? Aber auch etwas weniger schwerwiegende: Was tun, wenn das Smartphone in die Badewanne gefallen ist und man kein Foto davon für Instagram machen kann? Der Band ist übrigens nicht nur digital, sondern auch im Printformat erhältlich.

In der großen Hoffnung, dass wir den 21. Geburtstag des ZMI im nächsten Jahr mit Ihnen in Präsenz feiern können – merken Sie sich schon einmal den 28. April 2022 vor. Wir freuen uns, Sie dann endlich auch persönlich wiederzusehen!

Bis dahin wünschen wir Ihnen schöne Feiertage, einen schwungvollen Übergang ins neue Jahr und alles Gute!

 

Ihre

Jutta Hergenhan

 

 

 

Inhalt ZMI-NEWSLETTER 4/2021

 

Editorial


News

ZMI-Jubiläumsaktivitäten

ZMI auf Instagram


Neues aus den Sektionen

Reihe „Stimmen aus der Praxis“: Gespräch mit Korinna Hennig über ihren Podcast „Das Coronavirus Update“

Call for Papers: Tagung „Emergenz vergeschlechtlichter Machtstrukturen von der Frühen Neuzeit bis heute – Praktiken, Normen, Medien“ des Forschungsnetzwerks „Geschlecht – Macht – Staat“

Veranstaltungsreihe des Forschungsverbunds Educational Lingustics zu Normensetzungen in Sprache und Schule

Workshop im Rahmen der Reihe „Schreiben für den Film: Autorinnen, Themen, Formate im zeit- und mediengeschichtlichen Kontext“


Weitere Veranstaltungsankündigungen

Veranstaltungsreihe „Winter of Games“zu Videospielen im Kontext von Hochschullehre

„Social Media für Wissenschaftler*innen“ – Praxis-Workshops und Podiumsdiskussion


Aktivitäten und Events der letzten Monate

Workshop: „Nach Corona! Lehren aus der Medienberichterstattung“

Vortrag von Claus Leggewie: „Visuelle Evidenzen – ein Mittel der Globalisierungskritik?“

HessenHub-Veranstaltungsreihe „Winter of Games“ zu Videospielen im Kontext von Hochschullehre

 

Neues aus dem DaF/DaZ Bereich

Plenarvortrag von Dietmar Rösler auf dem Congreso International de Lenguas

Dietmar Rösler auf dem Fortbildungsseminar für chinesische Deutsch-Dozent*innen des Anleitungskommitees Germanistik

Virtueller Gastvortrag von Dietmar Rösler: „Welche Rolle spielt die Grammatikvermittlung beim Lernen von Deutsch als Fremdsprache?“

Laudatio von Dietmar Rösler auf Jacob- und Wilhelm-Grimm Förderpreisträger*innen 2020 und 2021

Webinar zu Aktivierung im Online-Fremdsprachenunterricht an der Universität Hradec Krávolé

Online-Tagung zu Methodischen Zugängen zur Interaktionsforschung in DaFZ

Tamara Zeyer für Wolfgang-Mittermaier-Preis 2021 vorgeschlagen

 

In den Medien

Interview mit Katrin Lehnen zur Zukunft des deutschen Zeitungsmarkts in der Gießener Allgemeinen Zeitung

 

Neues aus den Seniorprofessuren

 

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Audiobeitrag von Claus Leggewie mit Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Kultur: „Bilder aus Afghanistan. Warum Interpretationen nötig sind“

Claus Leggewie im Merkur: „Quivive. Der Kuss des Bären und die Lehren der Ungewissheit“

Claus Leggewie in der FAZ: „Vom Vergessen des Vergessens“

„Vom Dilemma der SPD“: Claus Leggewie über den Jubiläumsband der „Neuen Gesellschaft“

Claus Leggewie im Gespräch mit Sebastian Gierke: „An diesem Lächeln zerbrach sein Wahlkampf“

Claus Leggewie in der taz: „Prominente gegen Coronapolitik. Ein zweiter Versuch“

Claus Leggewie im Deutschlandfunk: „Neue umstrittene Videoaktion zur Corona Pandemie mit Volker Bruch“

Claus Leggewie in Der Standard: „Wie nachhaltig war Occupy?“

Publikation von Claus Leggewie und Ireneusz Paweł Karolewski: „Die Visegrád Connection. Eine Herausforderung für Europa“

Call for Applications: „Planetary Materials”, Planetary Scholars & Artists in Residence Program 2022-2025

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

Konferenz über Prof. Heiner Goebbels in Madrid: „Inaugural Edition of Expanded Theatricalities Chair“ im Museo Reina Sofia

Konzert für ISOE mit Heiner Goebbels im Haus am Dom

Heiner Goebbels' Kompositionen in Klaipèda, Vilnius und Hradec Krávolé

Heiner Goebbels Mitglied im Kuratorium der Binding-Kulturstiftung

„A House of Call“-Konzerte in Hamburg und München

Weiteres Presse-Echo zu „A House of Call“: „Der Geist der Avantgarde – Parteilich und offen“

Rezension zu „A House of Call. Materialausgabe“

CD-Aufnahmen mit dem Bayrischen Rundfunk

„Liberté d'action“-Aufführungen in Luxembourg und Antwerpen

Residenz im Pariser Tonstudio „La Muse en Circuit: Centre national de création musicale“

SWR-Radiosendung „Midnight Lounge“ mit Heiner Goebbels und Teodor Currentzis

 

Publikationen

Elif Özmen in der aktuellen Ausgabe der APuZ zum Thema Wissenschaftsfreiheit

Chinesische Übersetzung des Buchs „Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung“

Dietmar Rösler und Tamara Zeyer im Themenheft „DaF im virtuellen Unterrichtsraum“

Sammelband „Neue Medien – neue Formate“ ab Januar 2022 als OpenAccess


Personalia

Isabelle Otto neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Schwerpunkt Soziale Medien

Carina Müller neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche für den Forschungsschwerpunkt „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“

Sahra Rausch verlässt das ZMI

 

 

 

News


ZMI-Jubiläumsaktivitäten

Designed by Anette Feller

 

Die Aktionswoche zum 20-jährigen Jubiläum des ZMI liegt nun schon einige Wochen hinter uns. Vom 1. bis 5. November 2021 haben wir die letzten zwei Jahrzehnte Revue passieren und dabei Blicke in die Gegenwart und Zukunft ebenfalls nicht zu kurz kommen lassen. Wenn Sie nicht dabei sein konnten, schauen Sie sich gerne die Berichte und Videos der Veranstaltungen an. Der wohl wichtigste Bestandteil einer Jubiläumsfeier blieb jedoch bisher leider aus: das Zusammenkommen mit Ihnen ohne Bildschirm. Pandemiebedingt blieben die Feierlichkeiten digital. Wir möchten Sie daher schon jetzt zu einem Jubiläumsumtrunk am 28. April 2022 einladen. Wir freuen uns auf ein analoges Anstoßen und Austausch mit Musik und Snacks vor Ort.

Die Gießener Allgemeine Zeitung (GAZ) und der Gießener Anzeiger (GA) kündigten die ZMI-Jubiläumswoche vom 1. bis 5. November 2021 ebenfalls an. Den Artikel der GAZ können Sie hier nachlesen. Der Artikel des GA erschien in der Printausgabe vom 29. Oktober 2021.

In der aktuellen Ausgabe des uniforums (5/2021, S.9) finden Sie eine kurze Zusammenfassung der ZMI-Jubiläumswoche.

 

 

 

 

 

 

Beitrag der Sektion „Medien und Gender“: „Resisting Hypervisibility through Body Neutrality?

1. November 2021

 

Sektion Medien und Gender feiertWas ist „Schönheit“? Welche Bedeutung steckt darin für die Art und Weise, wie wir Körper wahrnehmen und kategorisieren? Welche Körper sind sichtbar, welche nicht? Welches Potenzial birgt das Konzept der „Body Positivity“ für mehr Gerechtigkeit? Und wo sind dessen Grenzen?

 Um diese und weitere Fragen ging es in der Veranstaltung „Resisting Hypervisibility through Body Neutrality?“ der Sektion „Medien und Gender“ am 1. November 2021. Ihre Gedanken legten die Sektionsmitglieder in Kurzvorträgen dar, an die sich eine Publikums-Debatte anschloss. Zu Gast war die Wiener Kulturwissenschaftlerin Dr. Elisabeth Lechner, Autorin des Buches „Riot, don´t Diet! Aufstand der widerspenstigen Körper“. Die englischsprachige Veranstaltung erfreute sich eines regen Interesses von ca. 160 digital zugeschalteten Zuhörenden.

Die neue Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI und Mitglied der Sektion „Medien und Gender“ Prof. Greta Olson eröffnete die Jubiläumswoche und führte sogleich in die Veranstaltung ein. Als Verweis auf ihre neue Position am ZMI und als Moderatorin des Abends, trug die bekennende Halloween-Liebhaberin passenderweise einen „Moderation Hat“. In Zeiten digitaler Hypervisibilität, so Olson, wären „Sichtbarkeit“ und „Sichtbarsein“ zu allumfassenden Werten geworden. Damit verbunden sei nicht zuletzt ein Bedürfnis nach permanenter Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung sowie nach Anpassung an kommerzialisierte Schönheitsideale. Gesellschaftspolitische Strömungen wie die der Body Positivity versuchten derartigen Entwicklungen entgegenzuarbeiten, indem sie ein breites Verständnis von Schönheit und einen offenen Umgang mit unterschiedlichen Körpern proklamierten. Doch auch die sozialen Zugriffe derartiger Bewegungen und Strömungen, so merkte Olson kritisch an, folgten nicht selten einem normativen Impetus, welcher wiederum mit sozialem Druck für die Subjekte verbunden sein könne.

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Die Vortragenden im digitalen Raum: Greta Olson, Elisabeth Lechner, Danae Gallo González (v.l.n.r.)

Aufgegriffen wurde dieser Gedanke von Dr. Elisabeth Lechner, die in ihrem Vortrag zunächst eine kulturwissenschaftliche Perspektive auf feministischen Aktivismus in Zeiten von Plattform-Kapitalismus darlegte. Mit Blick auf mediale Repräsentationen weiblicher Körper und deren normierender Wirkmacht argumentierte Lechner, dass Body Positivity und der Kampf gegen sämtliche Formen von Lookismus feministische Anliegen sind und sein sollten. Neben Bewegungen der Body Positivity („alle Körper sind schön“), sei vor allem die etwas jüngere Strömung der Body Neutrality („Körper sind mehr als schön“) wichtig, um normierenden Regulierungen von Schönheitsidealen etwas entgegenzusetzen. Nach einem umfassenden Überblick über die geschichtliche Entwicklung der körperpositiven Bewegung, erörterte Lechner theoretisch fundiert und immer wieder unter Verweis auf pop-kulturelle Bezüge, das diskursive Spannungsfeld von Sichtbarkeit und Verletzlichkeit in auf Body Positivity bezogenem Aktivismus. Verletzlichkeit und geteilte Erfahrungen von Trauma, so Lechner, eigneten sich einerseits als Bindeglied zur Herstellung einer Kollektivität und als mobilisierende Kraft für politische Bewegungen. Sie ließen sich andererseits aber auch „sehr gut verkaufen in der heutigen Zeit“. Konzepte der Body Positivity, so Lechners These, stünden – im Gegensatz zu Body Neutrality – damit eher vor der Gefahr kapitalistischer Vereinnahmung. Doch auch Body Neutrality allein reiche nicht aus, um die Logiken der Schönheitsindustrie und die Kommerzialisierung von Körpern zu überwinden. Neben individuellen Bemühungen, so bekräftigte Lechner abschließend, brauche es vor allem strukturelle Veränderungen und kollektiven Widerstand.

Anschließend fragte Dr. Danae Gallo González in ihrem Beitrag danach, welche Diskurse um Körper und Körperlichkeit in Kinderbüchern verbreitet werden. Hierfür widmete sie sich dem Buch „Überall Popos“ der Autorin Annika Leone und der Illustration Bettina Johansson, dessen Geschichte sie den Zuhörenden in einer lebhaften Lesung zu Gehör brachte. Die Erzählung folgt der kleinen Mila und ihren Eltern beim fröhlichen Schwimmbadbesuch. In der Umkleide mit ihrer Mutter faszinieren Mila die unterschiedlich geformten Popos, Brüste und Vulven, die sie mit Neugier betrachtet. Als eine „Feier der vielen verschiedenen Körperformen“ richtet sich das Buch gegen Body Shaming und soll Kindern (und Eltern) eine offene Haltung gegenüber (vor allem ‚weiblicher‘) Körperlichkeit vermitteln, die jedoch nicht ohne einige „Aber“ auskommt, wie Gallo González am Ende ihres Vortrags resümiert. So schließt sie mit der offenen Frage: Wie steht es um vielfältige Repräsentationen von Penissen und wie können sich Jungen in dem Buch widerfinden?

Mit einem Auszug des Gedichts “Strangers on a Hostile Landscape” (1987) der guyanesischen Autorin Jin Meiling leitete anschließend Oliver Klaassen eine Präsentation ein, die aus queer-theoretischer Perspektive das Potenzial von „Un/Sichtbarkeit“ beleuchtete. Als performativen Akt des „Unsichtbar-machens“ verdunkelte Klaassen sogleich die eigene Webcam, weshalb fortan nur ein schwarzer Bildschirm, statt des Gesichts zu erkennen war. Mit diesem selbsterklärten, visuellen Protest verdeutlichte Klaassen zugleich die dem Vortrag inhärente Forderung nach einem weniger körperbezogenen, sondern vielmehr holistischen Verständnis von Body Neutrality. Am Beispiel der fotografischen Bilderserie „In Between Days (without you)“, von Dean Sameshina (1998) führte Klaassen aus, dass gerade in der körperlichen Unsichtbarkeit, der Absenz, ein Potential stecke, sich kommerzialisierender Marktlogiken zu entziehen. Unter Verweis auf die Ausarbeitungen des  aus Martinique stammenden Philosophen und Schriftsteller Édouard Glissant zum Begriff der Opacity stellte Klaassen heraus, dass Formen des Unsichtbar-machens immer auch (queere) Formen des Protests darstellen können, mit denen sich die Subjekte vereindeutigender Fremdzuschreibungen entziehen.  

 

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Danae Gallo González, Greta Olson, Oliver Klaassen (oben v.l.n.r.), Elisabeth Lechner, Jutta Hergenhan (unten v.l.n.r.)

 

Nachfolgend fragte Dr. Jutta Hergenhan in ihrem Beitrag nach individuellen Strategien, um körperlichen Selbstoptimierungszwängen zu entgehen und wendet sich Bourdieus Konzept des Habitus zu, demzufolge das körperliche Erscheinungsbild einer Person bedeutend durch deren soziale Positionierung geprägt ist. Zwar könnten mit Hilfe digitaler Techniken körperliche Modifikationen nach außen hin vorgenommen werden, unterschiedliche Kapitalformen (kulturell, ökonomisch, sozial) blieben dennoch bedeutsam. Im Kontext von Schönheitsidealen und Dynamiken körperlicher Selbstoptimierung spiele vor allem die Anhäufung des von Eva Illouz und Dana Kaplan identifizierten „sexuellen Kapitals“ eine wesentliche Rolle. Damit verbunden seien soziale Zwänge der Selbstpräsentation und der Arbeit am eigenen (attraktiven) Äußeren, sowie des Sammelns „sexueller Kompetenz“, die innerhalb einer Ökonomie der Sichtbarkeiten aufrechterhalten werde müsse. Von diesem Imperativ der permanenten Selbstinszenierung gebe es insofern kaum mehr Pausen und Rückzugsorte, als berufliches, privates und öffentliches Leben in der New Economy ständig ineinanderflössen und gleichzeitig digital und analog abliefen. Um derartigen körperbezogenen Marktlogiken und Erwartungen an das „unternehmerische Selbst“ zu entkommen benötige es, unter Bezug auf Ulrich Bröckling, kreativer Taktiken. Body Positivity, verstanden als selbstbestimmte, positive Einstellungen zum eigenen sowie zu anderen Körpern, sei hier eine notwendige Grundhaltung.

Eine kunsthistorische Perspektive auf das Thema lieferte Prof. Sigrid Ruby, die nach den Bedingungen unterschiedlicher Formen von Sichtbarkeit fragte. Das Konzept der Body Neutrality hob sie als Vorbedingung einer Unsichtbarkeit heraus, durch die es möglich würde, sich von kapitalistischen Marktlogiken und kommerzialisierenden Dynamiken zu befreien. Sei die „Bildwürdigkeit“ einer Person oder Sache in früheren Zeiten noch ein Zeichen von sozialem Status gewesen, so ließe sich fragen, ob heutzutage nicht gerade das „Nicht-sichtbar-sein-müssen“ ein Privileg darstelle. Wie können wir es uns leisten, nicht Unternehmer*innen unserer selbst zu sein? Aus kunsthistorischer Sicht ließe sich, so Ruby, weiterhin fragen, wie eine analytisch brauchbare Unterscheidung zwischen mediatisierten Bildern und „realen“ Körpern aussehen können, seien doch durch digitale Tools der Bildgestaltung heutzutage sehr leicht bildliche Veränderungen zu erzeugen.

 

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Greta Olson und Sigrid Ruby

 

An die Vorträge der Sektionsmitglieder schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Hervorgehoben wurde nochmals die Notwendigkeit eines holistischeren Verständnisses von Körperlichkeit, welches die in der westlichen Denktradition vorherrschende Separierung von Körper und Geist hinter sich lasse und an Stelle eines „körperlichen Aussehens“ die Wichtigkeit von „körperlichem Fühlen“ betone. Nicht zuletzt wurde nochmals die Forderung nach strukturellen Veränderungen laut. Schönheit, so hob Lechner in der Diskussion erneut hervor, sei ein Konstrukt, das mit Machthierarchien, Privilegien und Unterdrückungsmechanismen einhergehe und das es zu dekonstruieren gelte. Hierfür seien kollektiver Widerstand, eine körper-bewusste Medienpädagogik und nicht zuletzt politische Maßnahmen unerlässlich. Die anregende Diskussion wandte sich schließlich den theoretischen Traditionen zu, die Körper und Geist verschiedene Wertigkeiten zuordnen. Diese wichtige Debatte konnte nicht vertieft werden, was dem positiven Feedback, welches die Veranstaltung insgesamt erhielt, jedoch keinen Abbruch tat.

 (Bericht: Tillmann Schorstein)


Beitrag der Sektion „Educational Linguistics“: „Normal, Normalität, Norm? Zwischen sprachlicher Vielfalt und Norm in der Schule“

2. November 2021

 

Sektion Educational Linguistics feiertAnlässlich der ZMI-Jubiläumswoche richtete die Sektion „Educational Linguistics“ am 2. November 2021 eine digitale Podiumsdiskussion zum Thema „Normal, Normalität, Norm? Zwischen sprachlicher Vielfalt und Norm in der Schule“ aus. Auf dem Podium nahmen Prof. Rosemary Tracy (Mannheim), Prof. Jan Schneider (Koblenz-Landau) und Prof. Thorsten Pohl (Köln) teil. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Jana Gamper (Sprecherin der Sektion). Die Diskussion richtete den Blick auf die Frage, wie in der Schule, wo vielfältige sprachliche Varietäten zusammenkommen, sprachliche Normen gesetzt und ausgehandelt werden. Die Diskussion wurde gerahmt von zwei Videoimpulsen: Prof. Mathilde Hennig (Gießen) zeigte auf, wo sprachliche Normen eigentlich herkommen und Prof. Helmuth Feilke (Gießen) ging auf die Frage auf, welche Normen in der Schule zu finden sind.

Die Podiumsdiskutant*innen erörterten ausgehend von den Impulsen, wie eine schriftsprachliche Norm oftmals implizit als gesetzt gilt, dabei jedoch unterschiedlichen mündlichen Varietäten des Deutschen gegenübersteht. Die Diskutant*innen machten deutlich, dass es im Kontext des Lernorts Schule nicht um eine Aufhebung von Normen gehen kann, weil diese eine gesellschaftliche wie auch wissensvermittelnde Funktionen erfülle. Jedoch müssen Schüler*innen wie auch Lehrkräfte sensibilisiert werden für kontextspezifischen Sprachgebrauch. Eine solche Explizitmachung von Erwartungen an Sprecher*innen würde dabei auch lernförderlich wirken.

Neben allgemeinen Fragen der sprachlichen Norm am Lernort Schule widmete sich die Diskussionsrunde auch dem Themenfeld der migrationsbedingten Mehrsprachigkeit. Diskutiert wurde hier, ob und wie die mehrsprachige Realität vieler Schüler*innen auch zu einer mehrsprachigen Realität von Schule und besonders Lehrkräften werden kann. Deutlich wurde hier, dass eine wertschätzende und Mehrsprachigkeit als Ressource einstufende Haltung einen Beitrag dazu leisten kann, um Mehrsprachigkeit in der Schule als Normalfall wahrzunehmen.

Die Aufnahme der Veranstaltung können Sie hier nachschauen.

 

Normal, Normalität, Norm?
Jana Gamper, Jan Georg Schneider (oben v.l.n.r.), Rosemarie Tracy, Thorsten Pohl (unten v.l.n.r.)

 

 

Beitrag der Sektion „Kunst und Medien“: „Mediale Rekonfigurationen nicht unbedingt interaktiver Medien: Comic und Theater“

2. November 2021

 

Am Abend widmete sich die Sektion „Kunst und Medien“ in einem Roundtable mit Prof. Jörn AhrensProf. Kirsten von HagenProf. Gerald Siegmund und Prof. Uwe Wirth der Frage, wie sich Vorgänge medialer Rekonfiguration mit Blick auf komplexe künstlerische Formen wie Theater und Comic beschreiben lassen. Eingeleitet wurde die von Uwe Wirth moderierte Veranstaltung durch drei Impulsreferate.

Gerald Siegmund ging der Frage nach dem Verhältnis von Bild und Text auf der Bühne nach, und zwar ausgehend von der These, dass das Theater ein „Hypermedium“ sei, das alle anderen Medien in ihren spezifischen Funktionsweisen in die Aufführungssituation integrieren kann.

Kirsten von Hagen beschäftigte sich mit einer Annäherung an die Genealogie der sequentiellen Kunst des Comics – beginnend mit Vorformen des Comics wie Kirchenfenstern und Karikaturen bis zu heutigen Formen.

Jörn Ahrens dachte in seinem Impulsvortrag grundsätzlich über die Graphikalität und die epistemische Qualität des Comics als genuin zweidimensionalem Medium nach.

Die Aufnahme der Veranstaltung können Sie hier nachschauen.

 

Mediale Rekonfigurationen nicht unbedingt interaktiver Medien: Comic und Theater
Jörn Ahrens, Uwe Wirth (oben v.l.n.r.), Gerald Siegmund, Kirsten von Hagen (unten v.l.n.r.)

 

 

Beitrag der Sektion „Macht – Medium – Gesellschaft“: „Bilder der Pandemie“

3. November 2021

 

Sektion Macht Medium Gesellschaft feiertEine allgegenwärtige Folge der Corona-Pandemie ist (auch) ihre Visualisierung: Es ist der weltweite Ausbruch der Atemwegserkrankung COVID-19, der das Bedürfnis nach solchen Bildern der Pandemie weckt, wie sie seit Anfang 2020 medial erschaffen und verbreitet werden.

Von dieser Erkenntnis nahm der Beitrag der Sektion „Macht – Medium – Gesellschaft“ zum 20-jährigen Jubiläum des ZMI seinen Ausgang. Ziel der Abendveranstaltung am dritten Tag der Jubiläumswoche war es, markante Visualisierungsformen und -formate von COVID-19 aus unterschiedlichen Fachperspektiven zu analysieren und mehrstimmig Bilanz zur wirklichkeitssetzenden Macht der Bilder in Massenmedien und sozialen Medien in Zeiten der Pandemie zu ziehen. Zu diesem Zweck sprachen Vertreter unterschiedlicher Disziplinen – der Philosophie, Soziologie, Kunstpädagogik und Kunstgeschichte – in kurzen Impulsvorträgen von „ihren“ Bildern der Pandemie.

Prof. Elif Özmen referierte zu drei Fotografien, in denen rotweiße Absperrbänder aus Kunststoff pandemiebedingt einerseits den Zugang zu einem abfahrbereiten Zug am Bahnhof versperren oder die Benutzung eines Federwipptiers auf einem Kinderspielplatz verunmöglichen, andererseits für einen selbstgebastelten Abstandhalter eingesetzt werden, der einer sich im öffentlichen Raum bewegenden Person die immerwährende Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 m garantiert. Unter dem Titel „Corona und (neue) Grenzen“ waren ihr diese Bilder Ausgangspunkt für Überlegungen zur ethischen Begründung von Grenzen und von Beschränkungen der persönlichen Freiheit in Zeiten der Pandemie.

Prof. Nicole Zillien sprach über Graphen, mit Hilfe derer die Zahl der Infizierten, die im Gesundheitssystem einer Behandlung bedürfen, und der zeitliche Verlauf der Pandemie unter der Maßgabe verschiedener Infektionsschutzmaßnahmen in ein Verhältnis gesetzt und gegen die Kapazitäten im Gesundheitswesen abgeglichen werden. In ihren „Soziologischen Überlegungen zur Wissenschaftskommunikation in der Pandemie“ fragte sie nach den Gründen, warum die suggestiven Bilder eines „Flattening the Curve“ in der Öffentlichkeit dabei ungleich stärker beachtet wurden als die Visualisierungen des konkurrierenden Denkmodells „The Hammer and the Dance“.

Prof. Ansgar Schnurr thematisierte Bilder von Querdenker-Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, in denen mitgeführte Regenbogenfahnen und hier insbesondere die PACE-Flagge der Friedensbewegung eine Rolle spielen. Unter dem Titel „Unsicherheiten im Umgang mit Uneindeutigkeit“ artikulierte er seine Ratlosigkeit, die Aneignung dieses Zeichens durch die Querdenken-Bewegung, weil kreativ, aus kunstpädagogischer Perspektive anders als positiv zu werten. Diese Ratlosigkeit ergebe sich allerdings aus der isolierten Betrachtung eines solchen Bildgebrauchs, und er folgerte daher, dass bildnerische Prozesse, die auch Bildappropriationen sein können, dann, wenn sie als Bildungsprozesse verstanden würden, durch ein Wertesystem zu rahmen seien.

Prof. Claudia Hattendorff analysierte Emanuele di Terlizzis Handyfotografie vom 18. März 2020, die den nächtlichen Transport von Corona-Toten in einem Militärkonvoi aus Bergamo zu Krematorien umliegender Städte zeigt und die übereinstimmend als Bild gewertet wird, das der Bedrohung durch COVID-19 erstmalig wirkungsvoll Ausdruck verliehen habe. Vor der Folie einer Darstellung von Infektionsschutzmaßnahmen zur Eindämmung einer Pest-Epidemie in Rom in einer Serie von Druckgraphiken aus dem Jahr 1657 deutete sie in ihrem „Wagenkolonne in der Nacht. Wie die Pandemie sichtbar wird“ betitelten Beitrag die enorme Wirkung der Fotografie des Jahres 2020 als ein Resultat ihrer resonanzreichen Inszenierung sowohl der Visibilität als auch der Invisibilität der Covid-19-Pandemie.

Bilder der Pandemie
Liza Beci, Elif Özmen, Ansgar Schnurr (oben v.l.n.r.), Nicole Zillien, Claudia Hattendorff (unten v.l.n.r.)

In der lebhaften Diskussion dieser vier Wortbeiträge zeichnete sich eine Gemeinsamkeit der vorgestellten Bilder der Pandemie deutlich ab: die große Rolle, die Momente der Unbestimmtheit, der Bedeutungsoffenheit und der Ausschnitthaftigkeit im pandemischen Bilddiskurs spielen, der in traditionellen Massenmedien und den sozialen Medien einen gewaltigen Echoraum hat.

Die Aufnahme der Veranstaltung können Sie hier nachschauen. 

 

 

Tischgespräch mit den Gründungsmitgliedern des ZMI: „Digitale Transformationen. 20 Jahre Medien und Interaktivität“

4. November 2021

 

20 Jahre ZMIAm Donnerstagabend, den 4. November 2021, stand dann das ZMI selbst im Vordergrund: Seine beiden Gründungsmitglieder und ehemaligen geschäftsführenden Direktoren, Prof. Claus Leggewie und Prof. Henning Lobin, unterhielten sich im digitalen Tischgespräch zum Thema „Digitale Transformationen. 20 Jahre Medien und Interaktivität“ mit den beiden aktuellen geschäftsführenden Direktorinnen, Prof. Katrin Lehnen und Prof. Greta Olson. Sie sprachen über Anfänge, Umbrüche und Perspektiven von „Medien“ und „Interaktion“. Diskutiert wurden unter der Moderation von Dr. Jutta Hergenhan, der Wissenschaftlichen Geschäftsführerin des ZMI, auch Cyberangriffe, Pandemien und digitale Ungleichheiten.

 

Screenshot ZMI Tischgespräch
Katrin Lehnen, Claus Leggewie, Jutta Hergenhan (oben v.l.n.r.), Henning Lobin, Greta Olson (unten v.l.n.r.)

 

Doch bevor es um die Gründungszeit und die Entwicklung des ZMI ging, rief Jutta Hergenhan die Geschichte des heutigen ZMI-Gebäudes in der Ludwigstraße 34 in Erinnerung. Der historische Altbau befindet sich direkt gegenüber dem Hauptgebäude der Universität und wurde ab 1928 als Kunsthistorisches Institut genutzt. Zuvor war er um einen Hörsaal-Anbau erweitert worden – den heutigen Margarete-Bieber-Saal. Von 1947 bis 1953 wurde das Gebäude zum Gießener „Amerika-Haus“. Dieses trug maßgeblich zur Neuformierung des Kulturlebens in der Stadt und der Umgebung von Gießen bei. Seit 2001 befinden sich die Räumlichkeiten des ZMI in der Ludwigstraße 34. Das Zentrum wurde am 1. April 2001 nach einem knapp dreijährigen Planungsvorlauf gegründet. Es umfasste anfangs ungefähr 50 Mitglieder aus verschiedenen Fachbereichen, die sich mit unterschiedlichen Interessensschwerpunkten mit medien- und kommunikationswissenschaftlichen Thematiken befassten. Im Mittelpunkt stand bereits damals das Thema „Interaktivität“.

Die Aufnahme der Veranstaltung können Sie hier nachschauen.

 

 

Beitrag der Sektion „Medien und Didaktik“: „‚Ich habe die Zeit gebraucht, um eine Dramaturgie für die Widersprüche zu finden‘ – Ein Gespräch mit Laila Stieler über das Drehbuchschreiben“

5. November 2021


Sektion Medien und Didaktik feiert

Zum Abschluss der Jubiläumswoche durfte das ZMI am 5. November 2021 Laila Stieler begrüßen. Die renommierte Drehbuchautorin sprach mit Prof. Carsten Gansel über die Geheimnisse und das Handwerk des Drehbuchschreibens anhand der Filme, an denen sie mitwirkte. Bekannt sind vor allem ihre Filme mit dem Regisseur Andreas Dresen: „Willenbrock“, „Stilles Land“, „Gundermann“. Laila Stieler geht es um Geschichten von Menschen, die „von der Liebe träumen oder von einem eigenen Friseursalon, die für eine bessere Welt kämpfen oder für einen Schulgarten, von Regisseur*innen, die es mit großen Träumen an kleine Theater verschlägt, oder von Polizist*innen, die für Ordnung sorgen sollen, wo kaum noch etwas zu befrieden ist“, wie Anna Kokenge in ihrem Gespräch mit Stieler für Zeitgeschichte-online resümiert.

Über zehn Jahre habe sie an dem Drehbuch zu dem Film „Gundermann“ (2018) gearbeitet und mit den Fragen „Was muss man eigentlich bereuen?“ und „Wie viel Schuld trägt so jemand?“ befasst. Der biografische Film erzählt die Geschichte des Liedermachers und Baggerfahrers Gerhard Gundermann, der als Spitzel für die Stasi tätig war. Er stellt neben seinen Ecken und Kanten auch seine Verletzlichkeit dar. Laila Stieler las u.a. über ihre Annäherung und die intensive Recherchearbeit den Abschnitt „Und dann diese Leere, diese Stille. Notiz über einen Besuch in Hoyerswerda im Jahre 2009“ aus dem Buch zum Film vor. Darin beschreibt sie eine Reise in Gundermanns Heimatstadt mit seiner Witwe Conny Gundermann.

 

Laila Stieler, Carsten Gansel, Katrin Lehnen (oben v.l.n.r.), José Fernández Perez, Monika Rox-Helmer (Mitte v.l.n.r.), Norman Ächtler, Vadim Oswalt (unten v.l.n.r.)

Laila Stieler, Carsten Gansel, Katrin Lehnen (oben v.l.n.r.), José Fernández Perez, Monika Rox-Helmer (Mitte v.l.n.r.), Norman Ächtler, Vadim Oswalt (unten v.l.n.r.)

Im Anschluss wurde die Runde für die Fragen von den Sektionsmitgliedern Prof. Katrin Lehnen, Dr. Norman Ächtler, StR. i.H. Dr. des. José Fernández Pérez, Dr. Monika Rox-Helmer, OStR i.H. und Prof. Vadim Oswalt geöffnet.

Die Aufnahme der Veranstaltung können Sie hier nachschauen.



ZMI auf Instagram


Seit Oktober 2021 unterhält das ZMI nun auch eine Online Präsenz auf der Plattform Instagram. Auf dem Account @zmi_jlu informiert Sie das Team der Öffentlichkeitsarbeit über aktuelle Neuigkeiten und Aktivitäten der Sektionen, bevorstehende Veranstaltungen, neue Publikationen und vieles mehr.


 

Neues aus den Sektionen

 

Reihe „Stimmen aus der Praxis“: Gespräch mit Korinna Hennig über ihren Podcast „Das Coronavirus Update“

 

Poster Korinna Hennig

Auch in diesem Semester führen die Sektion „Medien und Geschichte“ und das Studienfach Fachjournalistik Geschichte ihre Veranstaltungsreihe „Stimmen aus der Praxis“ fort: Korinna Hennig, Leiterin der Wissenschaftsredaktion des NDR, berichtet am 16. Dezember 2021 von der Entwicklung des Podcasts „Coronavirus Update“ mit Christian Drosten. Die Veranstaltung beginnt um 18:15 Uhr und findet digital statt.

Die Pandemie hat es möglich gemacht: Seit Ende Februar 2020 gibt es mittlerweile mehr als 100 Folgen eines Podcast, der sich die Zeit nimmt, die es braucht, um komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte zu erläutern und zugleich verständlich zu machen, wie Wissenschaft und die in Frage stehenden Spezialdisziplinen arbeiten und funktionieren. Dass ein Millionenpublikum diesem Podcast folgt und so erheblich besser (informiert) durch die Pandemie kommt, liegt nicht nur an den Virolog*innen, Christian Drosten und Sandra Ciesek, die vorzüglich erklären können. Einen wesentlichen Anteil am Erfolg haben auch Korinna Hennig und ihre Kollegin, die diese Gespräche führen, näher nachfragen, nochmal zusammenfassen und dem Publikum vermitteln, dass es möglich ist und sogar ein intellektuelles Vergnügen sein kann, verstehen zu lernen, was einem vor zwei Jahren noch weitgehend unbekannt war. Wie kann anspruchsvoller Wissenschaftsjournalismus gelingen und was steht ihm im journalistischen Alltag so oft entgegen? Korinna Hennig wird uns ihre Sicht auf den Podcast präsentieren und sich von uns befragen lassen, was es für eine ansprechende Gesprächsführung braucht und wie sie Brücken zum Publikum baut.

Korinna Hennig hat Germanistik, Geschichte und Journalistik in Bamberg, Salamanca und Hamburg studiert und ihr Handwerk im Privatradio gelernt. Seit 2002 arbeitet sie für den NDR; zunächst als Reporterin und frei Redakteurin in der Politikredaktion, dann als Kulturredakteurin mit Schwerpunk Literatur und Theater. Mittlerweile ist sie Wissenschaftsredakteurin und moderiert seit 21 Monaten den Podcast „Das Coronavirus Update“ mit Christian Drosten und Sandra Ciesek. Außerdem hat sie den Wissenschaftspodcast „Synapsen“ konzipiert, den sie bis heute redaktionell betreut.

 

 

Call for Papers: Tagung „Emergenz vergeschlechtlichter Machtstrukturen von der Frühen Neuzeit bis heute – Praktiken, Normen, Medien“ des Forschungsnetzwerks „Geschlecht – Macht – Staat“

 

Vom 23. bis 25. November 2022 findet die englischsprachige Tagung „Emergenz vergeschlechtlichter Machtstrukturen von der Frühen Neuzeit bis heute – Praktiken, Normen, Medien“ des Forschungsnetzwerks „Geschlecht – Macht – Staat“ an der Philipps-Universität Marburg statt. Proposals können bis zum 15. Januar 2022 eingereicht werden. Hier finden sie den vollständigen englischsprachigen Call.

Ziel der Tagung ist es, Formationen vergeschlechtlichter Macht von der Frühen Neuzeit bis heute interdisziplinär zu untersuchen. Im Mittelpunkt stehen dabei deren Verschiebungen, Verwerfungen und Rekursionen mit Blick auf die wechselseitig verwobenen Ebenen von Medialisierungen, Normbildungsprozessen und sozialen Praktiken. Gefragt wird nach der Korrelation von Transformation und Wandel sowie nach Traditionsbildungen und historisierenden Narrativen zur Legitimation vergeschlechtlichter Machtverhältnisse einschließlich der Legitimierung staatlicher Macht über naturalisierende Geschlechterdiskurse.

Veranstaltet wird die Tagung vom interdisziplinäres Forschungsnetzwerk „Geschlecht – Macht – Staat“. Es besteht aus Forscher*innen der Philipps-Universität Marburg (UMR), der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropa-Forschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft (Marburg) sowie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in Kooperation mit dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung (UMR) und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (JLU, Sektion „Medien und Gender“). Veranstaltungsort ist die Philipps-Universität Marburg.

Seit dem späten 15. Jahrhundert lassen sich im Kontext der beginnenden Staatsbildungsprozesse diskursive und soziale Praktiken sowie mediale Inszenierungen von Macht, Herrschaft und Geschlecht beobachten, die auf eine spezifische Verfestigung und Ausweitung hierarchischer Geschlechterordnungen zielen. Bis heute greifen Legitimationsstrategien dabei vorwiegend auf eine historische Traditionsbildung zurück, deren Wirkmächtigkeit sich angeblich in der longue durée zeige. Bei diesem Fokus auf Kontinuität geraten historische Brüche sowie Umdeutungen früherer historischer Praktiken in medialen Repräsentationen jedoch ebenso wenig in den Blick wie Widersprüche zwischen Normen und sozialen Praktiken. Vom 23. bis 25. November 2022 richtet das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk „Geschlecht – Macht – Staat“ in Kooperation mit dem Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung (UMR) und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (JLU) eine zweitägige, interdisziplinäre und internationale Tagung aus, deren Ziel es ist, die hinter diesen Narrativen stehenden Machtprozesse herauszuarbeiten und ihren Bezug zu sozialen Praktiken, Normsetzungsprozessen und medialen Inszenierungen bzw. Repräsentationen zu analysieren.

Unter dem Titel „Emergenz vergeschlechtlichter Machtstrukturen von der Frühen Neuzeit bis heute  – Praktiken, Normen, Medien“ hat die Tagung das Ziel, das interdependente Spannungsgefüge von Geschlecht, Macht und Staat in epochenübergreifender Perspektive zu untersuchen. Verschiebungen, Verwerfungen und Rekursionen in den je spezifischen Formationen vergeschlechtlichter Macht werden dabei ins Blickfeld gerückt. Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven der Gender Studies wird die für diese Epochen charakteristische Engführung der Institutionalisierung von staatlicher Macht mit naturalisierenden Geschlechterdiskursen problematisiert. Dabei wird dem fortschritts- und modernisierungstheoretischen master narrative einer zunehmenden Gleichstellung die Einschränkung und Schließung von Möglichkeitsräumen für Frauen durch Formalisierung und Verrechtlichung im Zuge der Staatsbildungen bis ins 20. Jhd. hinein gegenübergestellt. Eine interdisziplinäre und epochenübergreifende Zusammenführung und Weiterentwicklung von Forschungsperspektiven steht hingegen noch aus. Durch die interdisziplinäre und historisch tiefgreifende Zusammenführung auf den drei miteinander verwobenen Ebenen soziale Praktiken, normative Rahmungen und mediale Repräsentationen erwarten die Veranstalter*innen deutliche Kontinuitäten, sei es in Form der „Erfindung von Tradition“ (Hobsbawm 2019) zur diskursiven Legitimierung (gewandelter) gesellschaftlicher Praktiken oder in Form der Herstellung von Kontinuität auf der Ebene der medialen Repräsentationen vergeschlechtlichter Macht.

Eröffnet wird die Tagung am 23. November 2022 mit einem Abendvortrag der Soziologin und vergleichenden Feminismusforscherin Prof. Dr. Myra Marx Ferree (University of Wisconsin/Madison). Für den 24. und 25. November ist je eine Panel-Session mit Fokus auf die zentralen Leitkategorien Geschlecht, Macht und Staat mit je drei Panels angesetzt. Hierfür haben Prof. Dr. Helen Watanabe O’Kelly (Oxford), Prof. Dr. Claudia Ulbrich (FU Berlin) und Prof. Dr. Birgit Sauer (Wien) als Keynote-Sprecherinnen zugesagt.

Wir freuen uns über Beiträge unterschiedlicher geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen in Form eines Vortrags von max. 20 Minuten Länge, die die wechselseitige Verflechtung von sozialen Praktiken, Normativität und Medialität bei der Herausbildung vergeschlechtlichter Machtstrukturen v. a. im europäischen oder nordamerikanischen Raum in ihrer jeweils historischen Spezifik und Dynamik in den Blick nehmen. Dabei kann entweder einer der anvisierten Untersuchungszeiträume (Frühe Neuzeit, 19.-21. Jhd.) ins Zentrum gestellt oder ein transepochaler Zugriff gewählt werden. Intersektionale, transkulturelle und postkoloniale Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht. Im Zentrum des Beitrags können u.a. folgende Fragen und Aspekte stehen:

  • Was wird unter Geschlecht, Macht, Staat in einer historisch je spezifischen Konstellation verstanden? Wie verhalten sich gegenwärtige theoretische Konzeptionen dazu?
  • Wie wird vergeschlechtlichte Macht in Literatur und Bildender Kunst medialisiert?
  • Lassen sich Spannungsverhältnisse zwischen Selbstinszenierungen (z.B. Herrscherinnen) und geschlechtlich bedingten Fremdzuschreibungen feststellen?
  • Wie entsteht gesellschaftlicher bzw. politischer Wandel im Wechselspiel von Praxis, Norm und medialer Repräsentation?
  • In welcher Hinsicht sind Konzepte von Staat und Staatlichkeit explizit oder implizit abhängig von jeweils zeitgenössischen Auffassungen von Wissen über Geschlecht?
  • Inwiefern gehen Revolutionen und staatliche Transformationsprozesse mit einem Wandel der Geschlechterverhältnisse einher?
  • Lassen sich Rekursionen frühneuzeitlicher Konfigurationen vergeschlechtlichter Macht in der Gegenwart feststellen?
  • Wo, in welcher Form und mit welcher Funktion wird Geschlechtergeschichte als Fortschrittsgeschichte inszeniert und wie lassen sich solche Narrative kritisch hinterfragen?
  • Inwiefern sind gewaltförmige Geschlechterverhältnisse als kulturelle Habitualisierungen kollektiver Denk- und Handlungsmuster zu deuten?

Bei Interesse senden Sie bitte bis zum 15. Januar 2022 ein Abstract im Umfang von ca. 300 Wörtern sowie eine kurze biographische Notiz an gms@uni-marburg.de. Wir melden uns nach Sichtung der Vorschläge bis Ende Februar 2022 bei Ihnen zurück. Ein Zuschuss zu den Reisekosten der angenommenen Vortragenden wird angestrebt. Entsprechende Anträge auf Förderung der Tagung laufen.

 

 

Veranstaltungsreihe des Forschungsverbunds Educational Linguistics zu Normensetzungen in Sprache und Schule

 

EduLing Poster neu


Der Forschungsverbund Educational Linguistics richtet auch in diesem Wintersemester 2021/2022 wieder spannende Gastvorträge aus. Am 30. November 2021, sprach Dr. Amina Kropp (Universität Mannheim) zu dem Thema „Zwischen language anxiety und ‚Konfliktzweisprachigkeit‘: Normvorstellungen und -diskurse zu herkunftsbedingter Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext“. Der Vortrag widmete sich, in Anlehnung an die interaktive Podiumsdiskussion „Normal, Normalität, Norm? Zwischen sprachlicher Vielfalt und Norm in der Schule“ am 2. November 2021, die die Sektion „Educational Linguistics“ im Rahmen der ZMI-Jubiläumswoche ausrichtete, der Frage, wie in mehrsprachigen Gesellschaften und mehrsprachigen Bildungseinrichtungen sprachliche Normen und Normsetzungen ausgehandelt werden. Am Dienstag, den 25. Januar 2022, spricht Prof. Magnus Huber zum Thema „Der postkoloniale Normendiskurs am Beispiel des Englischen in Ghana“. Der Vortrag beginnt um 18:15 Uhr und findet digital statt.






 

Workshop im Rahmen der Reihe „Schreiben für den Film: Autorinnen, Themen, Formate im zeit- und mediengeschichtlichen Kontext“


Schreiben für den FilmDie Sektion „Medien und Didaktik“ setzt ihre Reihe „Schreiben für den Film: Autorinnen, Themen, Formate im zeit- und mediengeschichtlichen Kontext“ fort. Im Rahmen der Jubiläumswoche hatte das ZMI am 5. November 2021 bereits die bekannte Drehbuchautorin Laila Stieler für eine virtuelle Lesung aus ihrem Buch zum „Gundermann“-Film zu Gast. Nun folgt am Mittwoch, den 26. Januar 2022, ein Workshop mit Annette Hess und Dr. Norman Ächtler. Norman Ächtler, Gießener Literatur- und Medienwissenschaftler und Mitglied der Sektion „Medien und Didaktik“, zeichnet in einem Vortrag die Geschichte des Drehbuchschreibens anhand eines Querschnitts durch die westeuropäisch-amerikanische Filmgeschichte nach. Anhand einer Vielzahl von „Schreibszenen“ nimmt er zugleich die Selbstreflexion des Mediums im Spielfilm in den Blick und bietet dadurch eine „kurze Geschichte des Drehbuchschreibens in Geschichten“. Das ZMI freut sich, im Anschluss an den Vortrag Annette Hess für ein Podiumsgespräch begrüßen zu dürfen. Annette Hess (u.a. „Weissensee“, „Ku'damm 56/59/63“) gehört zu den renommiertesten Filmautorinnen der Gegenwart. Die Verfilmungen ihrer Drehbücher im thematischen Kontext deutscher Nachkriegsgeschichte sind, wie im Fall von Laila Stieler, extrem populär geworden. Das Podiumsgespräch wird die Position von Drehbuchautoren*innen im Filmsystem der Gegenwart beleuchten, Fragen nach einer Poetik und der Praxis des Drehbuchschreibens aufwerfen und künstlerische Funktion wie Stellenwert des Drehbuchs innerhalb von Filmproduktionen diskutieren.
Der Workshop findet am Mittwoch, 26. Januar 2022, digital über Webex statt:

bit.ly/3Al4eZR


17:15 Uhr Vortrag von Dr. Norman Ächtler
Schreibszenen – Eine kurze Geschichte des Drehbuchschreibens in Geschichten“

18:30 Uhr Podiumsgespräch mit Annette Hess
„Serienautorinnen sind die Romanautorinnen der heutigen Zeit“

 

 

 

Weitere Veranstaltungsankündigungen


Veranstaltungsreihe „Winter of Games“ zu Videospielen im Kontext von Hochschullehre

 

In Kooperation mit zahlreichen hochschulin- und externen Partnerinnen und Partnern präsentiert HessenHub@JLU den „Winter of Games“. Egal ob Sie sich dem Thema Videospiele im Kontext von Hochschullehre aus didaktischer, kulturwissenschaftlicher oder praktischer Perspektive nähern wollen – die Veranstaltungsreihe bietet für jede und jeden das passende Angebot.

Als Kultur- und Bildungsgut haben Computerspiele seit einigen Jahren auch Einzug in die Lehre gefunden. An der Hochschule nutzen wir die Vorteile von Gamifizierung und Game-based Learning. Gerade die Entwicklung von Computerspielen eignet sich hervorragend als Lehr- und Lernelement für komplexe Veränderungsprozesse oder die Wissensvermittlung. In der Veranstaltungsreihe möchten wir Einblicke in die Welt der digitalen Spieleentwicklung geben. Welche Kompetenzen werden benötigt? Welche Möglichkeiten und Hürden bestehen? Und welche Methoden lassen sich daraus für das Lernen und Lehren an der Hochschule ableiten?

Die Veranstaltungen des „Winter of Games“ können je nach Interesse und Zeit ganz unabhängig voneinander besucht werden. Alle Angebote finden digital statt und stehen allen Interessierten offen. Mit Ausnahme des Workshops „Prinzipien des Game Designs für die digital gestützte Lehre nutzen“ sind alle Veranstaltungen kostenlos. Die Workshop-Angebote sind auf das HDM-Zertifikat „Kompetenz für professionelle Hochschullehre im Schwerpunkt Digitalisierung“ anrechenbar.

Im letzten Vortrag der Veranstaltungsreihe widmet sich Daniel Heßler (Universität Bayreuth) dem Thema „Games lehren und prüfen. Erfahrungen aus sechs Jahren Computerspielwissenschaft (M.A./M.Sc.) an der Universität Bayreuth“. Die Veranstaltung findet am Freitag, den 17. Dezember 2021, von 18 bis 20 Uhr digital statt. Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Workshop „Prinzipien des Game Designs für die digital gestützte Lehre nutzen“ im Januar 2022 erneut angeboten.

 

Winter of Games Poster

 


„Social Media für Wissenschaftler*innen“ – Praxis-Workshops und Podiumsdiskussion“

 

Soziale Medien gewinnen für die Wissenschaft und deren Kommunikation in die Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Den erfolgreichen Einsatz von Blogs, Twitter und Instagram in der Wissenschaft zu erlernen ist Ziel der Veranstaltungsreihe „Social Media für Wissenschaftler*innen: Praxis-Workshops und Podiumsdiskussion“.

Die Veranstaltungsreihe wird in Kooperation mit dem International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC), dem Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK), dem Gießener Graduiertenzentrum für Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS), dem Postdoc Career and Mentoring Office (PCMO), der Max Weber-Stiftung und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) durchgeführt. Organisiert wurde die Reihe von Dr. Diana Hitzke (PCMO), Benjamin Roers (GCSC), Dr. Kerstin Lundström (GGS) und Dr. Jutta Hergenhan (ZMI).

Social Media Workshop 1

 

Die Veranstaltungsreihe im Überblick:

Wissenschaftlich Bloggen

Mittwoch, 19. Januar 2022, 14 – 17 Uhr

Referentinnen: Britta Hermans (Max Weber Stiftung) und Célia Burgdorff (Deutsches Historisches Institut Paris)

Der Workshop beginnt mit einem kurzen Einstieg zu den Themenbereichen, was bloggen, wie bloggen, wann ist ein Blog erfolgreich?

Alle Teilnehmenden erhalten ein eigenes Schulungsblog auf der Blogplattform de.hypotheses (WordPress). Wir üben das Anlegen eines Artikels, das Einbinden von multimedialen Elementen, das Verschlagworten und das Erstellen der Navigation für das Blog. Während des Workshops werden außerdem Tipps für die Anfangsphase eines wissenschaftlichen Blogs gegeben sowie rechtliche Belange diskutiert etwa rund um das Thema Bilder finden und verwenden.

Anmeldefrist: 10. Januar 2022

 

Twitter for Young Researchers

Donnerstag, 3. Februar 2022, 12 – 14 Uhr

Referent: Dr. Christian Nawroth (Forschungsinstitut für Nutztierbiologie, Dummerstorf, FBN)

– Diese Veranstaltung findet auf Englisch statt –

The workshop will start highlighting the various benefits of Twitter for academics, especially doctoral candidates and early postdocs. The event will continue with a go-through tutorial for creating a Twitter account, setting up a profile, navigating the platform and drafting first content. This will be followed-up by some tips and hints on how to use Twitter efficiently, including topics such as tweet frequency and content, time management, netiquette, etc. A Q&A session at the end of this lecture will offer an opportunity for more detailed questions on the topic as well as exchange of experience with more advanced Twitter users regarding best-practice principles.

Anmeldefrist: 1. Februar 2022

 

Instagram für Anfänger*innen

Freitag, 18. Februar 2022, 10 – 14 Uhr

Referentin: Maraike Büst (Justus-Liebig-Universität Gießen)

Der Workshop startet mit einem Crash-Kurs zu Instagram. Was ist Instagram? Welches sind die wichtigsten Funktionen und wie erstelle ich Content?
Mit diesem Grundlagenwissen übertragen wir die Kernaspekte der Plattform in den Bereich der Wissenschaftskommunikation. Mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis erarbeiten wir gemeinsam den sinnvollen Einsatz von Instagram in einem akademischen Umfeld. Ziel ist es, einen Impuls für die eigene Instagram-Strategie zu geben und sich die Vorteile und Herausforderungen von Instagram bewusst zu machen.

Anmeldefrist: 11. Februar 2022

 

Podiumsdiskussion „Chancen und Grenzen von Social Media für die Wissenschaft“

Donnerstag, 24. Februar 2022, 16 – 17 Uhr

Soziale Medien gewinnen für die Wissenschaft zunehmend an Bedeutung. Sie sind ein Ort, an dem Themen gesetzt und verhandelt werden und an dem Vernetzung stattfindet. Twitter, Blogs und Instagram dienen Forschenden aber nicht nur, um ihre Inhalte zu präsentieren und zu diskutieren. Auch die Plattformen selbst sind mittlerweile ein wissenschaftliches Untersuchungsobjekt. Welche Chancen ergeben sich durch Social Media für die Kommunikation in und von Wissenschaft und welche technischen, kommunikativen, aber auch ethischen Grenzen sollten wir reflektieren? Diese und weitere Fragen diskutieren die Historikerin Mia Berg, die Literaturwissenschaftlerin PD Dr. Kristin Eichhorn und der Wirtschaftsinformatiker und Journalist Enno Park im Gespräch mit Dr. Jutta Hergenhan.

Anmeldefrist: 22. Februar 2022

 



Aktivitäten und Events der letzten Monate


Workshop: „Nach Corona! Lehren aus der Medienberichterstattung“

 

Workshop "Nach Corona" 1Auch wenn angesichts der sich aktuell auftürmenden vierten Welle mit täglich neuen Rekord-Inzidenzen der Titel „Nach Corona! Lehren aus der Medienberichterstattung“ vielleicht etwas zu optimistisch gewählt war, erwies sich der Workshop zur medialen Krisenkommunikation in der Pandemie als anregender, lebendiger und erkenntnisstiftender Austausch. Auf Initiative von Prof. Markus Knauff trafen sich Expert*innen, Studierende und ein interessiertes Publikum in Präsenz und im Livestream. Sie diskutierten, ob und wie die Berichterstattung zu Corona in den letzten Monaten funktioniert und woran sie teils gescheitert ist. Die Veranstaltung fand als Kooperation des Arbeitsbereichs Allgemeine Psychologie und Kognitionswissenschaft der JLU, der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft und des ZMI am 6. November 2021 im Biologischen Hörsaal der JLU statt. Die Freude, einander face to face zu begegnnen war groß. Für diejenigen, die nicht selbst anreisen konnten, wurde eine Live-Übertragung eingerichtet.

Drei sehr unterschiedliche Impulsvorträgen boten je eigene Perspektiven auf die Berichterstattung und ließen ein vielschichtiges Bild der bisherigen Wissenschafts- bzw. Krisenkommunikation zur Pandemie entstehen.

Den Auftakt machte Korinna Hennig, Leiterin der NDR-Wissenschaftredaktion und bekannt durch ihren Podcast „Coronavirus-Update“ mit dem Virologen und wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung Christian Drosten. Sie ging in ihrem Beitrag der Frage nach, ob und wie die mediale Vermittlung eines vergleichsweise fundierten Verständnisses wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse und Konsensfindung der Verbreitung von Falschnachrichten und Fehlinformationen entgegenwirken könne. Dabei berichtete sie von der Erfahrung mit dem Podcast und der Entwicklung, die das Format in den letzten Monaten genommen hat.

Mit Blick auch auf ganz andere Zielgruppen diskutierte Prof. Katrin Lehnen (Universität Gießen, ZMI) exemplarisch zwei prominente und preisgekrönte Formate sozialer und im doppelten Wortsinne „viraler“ Wissensvermittlung: die Youtube-Erklärvideos ‚maiLab‘ der Wissenschaftsjournalistin Dr. Mai Thi Nguyen-Kim sowie pandemiebezogene Beiträge des bekannten Internet-Influencers Rezo.

Aus einer stärker psychologischen Perspektive beleuchtete Prof. Rainer Bromme (Universität Münster) Parameter der Entstehung und Bestätigung von Ver- und Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen Verfahren und Vertretern – insbesondere hinsichtlich einer von ihm konstatierten voranschreitenden „Epistemisierung des Politischen“.

Im Anschluss an die Impulsvorträge eröffneten die drei Studierenden Anna Kienitz, Johannes Michel und Mira Schwarz eine offene Diskussionsrunde mit ihren Fragen zur Abgrenzung bzw. Ambivalenz von Fakten und Meinungen, demoskopischer Repräsentation und false balancing-Effekten sowie Sorgfaltspflicht und clickbaiting in den modernen Medien. Daraus entstand eine intensive Debatte zwischen Expert*innen, Studierenden und Publikum, in der sich neue Aspekte entwickelten, die vorher noch keine Rolle gespielt hatten. Dazu gehörte  die Frage, welche Wirkung Bilder entfalten, die zu Ikonen der Pandemie geworden sind.

Obgleich die übergeordnete Frage, welche medialen Lehren für zukünftige Krisen wie bspw. dem Klimawandel aus der Corona-Pandemie gezogen werden können, im Zuge dieses Workshops nicht bis ins Detail ausbuchstabiert werden konnte, gingen aus der gemeinsamen Diskussion dennoch Denkanstöße hervor, die dazu beitragen können, Lehren aus der Corona-Berichterstattung zu ziehen und in zukünftige Formate der Wissensvermittlung und -aushandlung einfließen zu lassen.

(Bericht: Johannes Michel)

 

 

Vortrag von Claus Leggewie: „Visuelle Evidenzen – ein Mittel der Globalisierungskritik?“

 

Leggewie Vortrag 1Am 27. Oktober 2021 luden das Historische Institut sowie das Zentrum für Medien und Interaktivität der Justus-Liebig-Universität Gießen zu einem Vortrag mit Politikwissenschaftler Prof. Claus Leggewie. Die Veranstaltung unter dem Titel „Visuelle Evidenzen – ein Mittel der Globalisierungskritik?“ fand in Kooperation mit dem Onlineportal zur historischen Bildforschung Visual History Blog und dem Studiengang Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover statt.

In Südasien werden rund 70 Prozent des globalen Seeschiffsaufkommens verschrottet; die arbeits- und umweltpolitisch höchst fragwürdigen Werften sind in fotografischen Arbeiten herausragender Fotografen wie Sebastião Ribeiro Salgado, Yann Arthus Bertrand und Edward Burtynsky, in Filmen („Eisenfresser“) und Arbeiten lokaler Provenienz dokumentiert worden – zwischen ästhetischer Sublimierung und aufklärender Sozialkritik. Sie stehen exemplarisch für die Verwendung sozialdokumentarischen Bildmaterials in der zeithistorischen Forschung. Claus Leggewie befasst sich in seinem Vortrag exemplarisch mit den Werften in Chittagong/Bangladesch und fragt nach den Möglichkeiten ihrer Konversion in einer nachhaltigeren „Blue Economy“.

 

 

HessenHub-Veranstaltungsreihe „Winter of Games“ zu Videospielen im Kontext von Hochschullehre

 

HessenHub LogoDie wissenschaftliche Beschäftigung mit Videospielen (Game Studies) und der didaktisch fundierte Einsatz von (digitalen) Spielen und spielerischen Elementen in der Lehre (Game Based Learning und Gamification) sind zwar an den Hochschulen angekommen, aber längst noch keine breitenwirksamen Handlungsfelder. Vor allem für die Konzeption von Spielen (Game Design), die zum Wissenserwerb und für Bildungszwecke eingesetzt werden (Serious Games), sowie für die technische Realisierung von digitalen Spielen (Game Development) ist an vielen Hochschulen kaum bis keine Expertise vorhanden. Diesem Sachverhalt soll an der Justus-Liebig-Universität Gießen Rechnung getragen werden: Das landesweit agierende Projekt HessenHub – Netzwerk digitale Hochschullehre Hessen (ehemals digLL) hat mit dem „Winter of Games“ (WoG) eine Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt, die eindrucksvoll belegt, aus wie vielen verschiedenen Perspektiven man sich dem Thema Videospiele aus Hochschulsicht nähern kann. In unterschiedlichen Workshops konnten Teilnehmende aller Statusgruppen von Branchen-Profis lernen, was es eigentlich bedeutet, ein Spiel zu entwickeln – welche Personen/Expertisen müssen an Bord sein, welche Tools und Technik werden benötigt und wie stellt man sicher, dass das Ganze nicht aus dem Ruder läuft? Im Rahmen eines weiteren Workshops wurde die hochschuldidaktische Perspektive beleuchtet: Welchen Mehrwert bieten Games im Hochschulunterricht? Welche Lernziele lassen sich mit ihnen erreichen und welche Art Spiel eignet sich eigentlich für welchen Lernkontext?

Neben den WoG-Workshops wurde das Thema auch in Vorträgen bearbeitet: Prof. Dr. Rolf Kreyer (Philipps-Universität Marburg) stellte im Eröffnungsvortrag am 4. November 2021 seinen mit einem Lehrpreis ausgezeichneten Escape Room „The Linguist‘s Lair“ vor, Prof. Astrid Ensslin (University of Bergen) präsentierte am 16. November 2021 aktuelle Fragen der Game Studies (diese Veranstaltung wurde vom GGK/GCSC organisiert) und im Schlussvortrag wird Daniel Heßler (Universität Bayreuth) kurz vor Weihnachten, am 17. Dezember 2021, seine Erfahrungen aus sechs Jahren Lehr- und Prüferfahrung beim Einsatz von Videospielen mit den Zuhörenden teilen.

Mit dem WoG flankiert der HessenHub auch den Start des frisch vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) bewilligten Projektes „LevelUp: Data Literacy and Serious Games“, das sich seit dem 1. Oktober 2021 dem nachhaltigen Aufbau von Expertise im Bereich Game Development, Game Design und Data Literacy verschrieben hat und zu diesem Zweck an den Verbundhochschulen in Gießen und Marburg studentische Werkstätten aufbauen wird, die in Kooperation mit Lehrenden an der jeweiligen Hochschule verschiedene Einzelprojekte durchführen. Das HMWK fördert das Projekt mit knapp 1,3 Millionen Euro im Rahmen des Programms „Hohe Qualität in Studium und Lehre, gute Rahmenbedingungen des Studiums“ (QuiS 2021).

Das hessenweite Verbundprojekt „Digital gestütztes Lehren und Lernen in Hessen“ (digLL) startete im Februar 2019. Nachdem das Projekt bis August 2021 zunächst kostenneutral verlängert wurde, beginnt mit der Neubenennung zu HessenHub die 2. Förderphase, die bis Dezember 2024 vom HMWK mit Mitteln aus dem Digitalpakt Hochschulen (DPH) gefördert wird. Zwölf hessische Hochschulen haben sich zum HessenHub zusammengeschlossen, um innovative Konzepte zur digital gestützten Lehre zu erarbeiten. Es geht darum, didaktische und technische Voraussetzungen für den dauerhaften Einsatz neuer Technologien und Methoden in der Lehre zu schaffen. An den beteiligten Hochschulen wurden lokale Servicestellen eingerichtet, die sich um die Erstellung digitaler Lerninhalte vor Ort, die Unterstützung von Lehrenden und den technischen Support kümmern. Weitere Maßnahmen und Leistungen werden von einer zentralen Servicestelle koordiniert. Das 2017 gegründete Steuerungsgremium, das aus den Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten für Studium und Lehre der beteiligten Hochschulen besteht, lenkt und beaufsichtigt die Tätigkeiten. Daneben stehen Innovationsforen, die verschiedene übergreifende Themen kooperativ bearbeiten.

 

 

 

Neues aus dem DaF/DaZ Bereich

 

Plenarvortrag von Dietmar Rösler auf dem Congreso International de Lenguas


Rösler: Programm Congreso International de LenguasAuf dem Congreso International de Lenguas hielt Prof. Dietmar Rösler am 14. Oktober 2021 auf Einladung des Goethe-Instituts und der Universidad Autónoma del Estado de Hidalgo den Plenarvortrag „Deutsch als Fremdsprache 4.0. Herausforderungen für das nächste Jahrzehnt“. Ausgehend von den weltweiten Erfahrungen mit Online-Lehre in der Pandemiezeit befasste sich der Vortrag mit den Konsequenzen der Digitalisierung für das Fremdsprachenlernen. Behandelt wurden zum einen konkrete Fragen: Welche Konsequenzen hat das Eindringen von Unterricht in den privaten Raum der Lernenden? Wie organisiert man den Unterricht im virtuellen Raum? Welche Werkzeuge stehen Lehrenden und Lernenden im Fremdsprachenunterricht zur Verfügung? Wie agieren Lehrkräfte bei „Nicht-Interaktionen“, wenn seitens der Lernenden keine Reaktion auf eine Frage oder Arbeitsanweisung erfolgt und es aufgrund ausgeschalteter Kameras unklar bleibt, was die Gründe hierfür sind? Eingebettet wurden diese konkreten Fragen in die übergeordneten Fragen: Wie verändert sich in den Zeiten von Big Data das Fremdsprachenlernen in Bildungsinstitutionen? Verschieben sich die Anteile von informellem und formellem Lernen? Machen Sprachassistenzsysteme klassische Aktivitäten des kommunikativen Unterrichts überflüssig? Wie weitgehend wird es möglich, echten Lebensweltbezug in das Fremdsprachenlernen zu integrieren? Welche Implikationen haben derartige Entwicklungen für die gesellschaftliche Organisation des Fremdsprachenlernens und die Rolle der Lehrkräfte?


 

Dietmar Rösler auf dem Fortbildungsseminar für chinesische Deutsch-Dozent*innen des Anleitungskommitees Germanistik


Die chinesischen Kolleginnen und Kollegen konnten sich in Präsenz versammeln, Prof. Dietmar Rösler war nur virtuell zugeschaltet, trotzdem: Verglichen mit der fehlenden Interaktivität von Videoformaten wie WebEx Events war es in diesen Coronazeiten ein großer Fortschritt, dass der Vortragende zumindest ein Bild von einer Gruppe von Menschen, die sich bewegten, ihm zuhörten und miteinander interagierten, vor sich hatte und dass diese Menschen nach dem Vortrag intensiv untereinander diskutierten. Am 16. Oktober 2021 sprach Rösler über das Thema „Deutsch lehren und lernen mit digitalen Medien“. Er gab zunächst einen Überblick über aktuelle Veränderungen und Fragestellungen in den Bereichen digitales Lernmaterial und didaktisch gesteuerte computergestützte Kommunikation und diskutierte danach ausführlich die im nächsten Jahrzehnt zu erwartenden Herausforderungen für die Entwicklung von Lernmaterial, für das Selbstverständnis von Lehrkräften und für die Fremdsprachenforschung.

Im Oktober 2021 erschien außerdem die chinesische Übersetzung des Buchs „Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung“ von Dietmar Rösler, welches in alle relevaten Bereiche des Fachs Deutsch als Fremdsprache und verschiedene Konzepte der Fremdsprachenvermittlung einleitet.



Virtueller Gastvortrag von Dietmar Rösler: „Welche Rolle spielt die Grammatikvermittlung beim Lernen von Deutsch als Fremdsprache?“


DaF Programm Tablet
Foto: Tamara Zeyer


In einem virtuellen Gastvortrag an der Capital Normal University in Peking diskutierte Prof. Dietmar Rösler am 21. Oktober 2021 eine Reihe von Aspekten, die für die Vermittlung des Deutschen als Fremdsprache von Bedeutung sind: das Verhältnis von linguistischer und didaktischer Grammatik, die immer wiederkehrende Diskussion um die angemessenen Normen im Fremdsprachenunterricht, den Umgang mit Fehlern, Korrektheit als Ziel, die in Lehrwerken und im Unterricht verwendete Terminologie, die Grammatikprogression und die Rolle, die Grammatik im „Kampf der Methoden“ spielt. Ausführlich behandelt wurde die Grammatikvermittlung im Kontext der Digitalisierung am Beispiel der von Dr. Tamara Zeyer und ihrem Team an der JLU für das Goethe-Institut entwickelten interaktiven Grammatik, die entdeckendes Lernen für Selbstlerner ermöglicht.

 







Laudatio von Dietmar Rösler auf Jacob- und Wilhelm-Grimm-Förderpreisträger*innen 2020 und 2021


Grimmeförderpreisträger*innen 2020 und 2021
Marceli Cherchiglia Aquino und Evgenii Stepanov. Fotos: privat

Jedes Jahr vergibt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) den Jacob- und Wilhelm-Grimm-Förderpreis an eine ausländische Wissenschaftlerin oder einen und ausländischen Wissenschaftler für ihre besonderen Leistungen als Nachwuchswissenschaftler. Wegen Corona konnte der Preis 2020 nicht übergeben werden und auch 2021 war eine persönliche Übergabe nicht möglich. Im Rahmen des Weltkongresses der Germanistik, der 2021 in Palermo zum Teil in Präsenz und zum Teil virtuell stattfand, wurden beide Preise virtuell überreicht. Prof. Dietmar Rösler würdigte in seinen Laudationes die Arbeiten von Dr. Marceli Cherchiglia Aquino (Universität Sao Paulo) und Dr. Evgenii Stepanov (Staatlichen Universität St. Petersburg), die 2020 und 2021 mit diesem Preis ausgezeichnet wurden.

 

 

Webinar zur Aktivierung im Online-Fremdsprachenunterricht an der Universität Hradec Krávolé


Am 1. November 2021 eröffnete Dr. Tamara Zeyer mit ihrem interaktiven Webinar Digitale Herbstschule „Didaktik des Online-Fremdsprachenunterrichts an pädagogischen Fakultäten“ am Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hradec Králové (Tschechien). Im Fokus des Webinars zum Thema „Aktivierung im Online-Fremdsprachenunterricht“ standen Aspekte, wie Aktivierungsmethoden und -werkzeuge des digitalen Unterrichts, die aktive Beteiligung am Unterricht und nachhaltiges Lernen unterstützen können.


 

Online-Tagung zu Methodischen Zugängen zur Interaktionsforschung in DaFZ

 

Am 6. November 2021 präsentierten Prof. Dietmar Rösler und Dr. Tamara Zeyer auf der Interaktionstagung in DaFZ eine Studie zum virtuellen Deutschunterricht, die im Rahmen des HMWK-Projektes „Digitale Medien beim Deutscherwerb von studieninteressierten Geflüchteten“ zu Beginn der Pandemie durchgeführt wurde. Der Vortrag konzentriert sich auf den Aspekt der Datenerhebung: Die Perspektiven der Lehrkraft und der Lernenden konnten über den gesamten Unterrichtsverlauf hinweg aufgenommen werden, die individuellen Klicks und Chateinträge und die parallel zur Videokonferenz geöffneten Programme und Webseiten wurden festgehalten. Auch der Einfluss der verwendeten unterschiedlichen Endgeräte wurde deutlich. Neben der Analyse der Interaktionsprozesse im Laufe des Unterrichts wurde so der Einblick in die Aktivitäten einzelner Personen und dadurch eine Annäherung an die die Interaktionen beeinflussenden Faktoren ermöglicht.

Screenshot des Vortrags von Dietmar Rösler und Tamara Zeyer

 

 

Tamara Zeyer für Wolfgang-Mittermaier-Preis 2021 vorgeschlagen

 

Dr. Tamara Zeyer wurde für ihre Lehrveranstaltungen „Lehr- und Lernmaterialien für Deutsch als Fremdsprache“, „Grammatik lehren und lernen“, „Fehler und Fehlerkorrektur im DaF-Unterricht“ und „Deutsch als Fremdsprache für Erwachsene in Zeiten der Migration und Flucht“ aus dem Sommersemester 2020 von Studierenden für den Wolfgang-Mittermaier-Preis vorgeschlagen. Auch wenn sich das Kuratorium für andere Preisträger*innen entschieden hat, stellt die Nominierung selbst auch eine Anerkennung ihres Engagements in der Lehre dar.

Der Wolfgang-Mittermaier-Preis wird für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre an der JLU in den Fachbereichen 01-06 vergeben. Das Vorschlagsrecht liegt bei den Studierenden, die auch im Kuratorium vertreten sind.

 

 

 

In den Medien


 Interview mit Katrin Lehnen zur Zukunft des deutschen Zeitungsmarkts in der Gießener Allgemeinen Zeitung

 

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Katrin Lehnen

Wie haben sich Zeitungen durch die Digitalisierung verändert? Welche Auswirkungen hat dies auf das Nutzer*innenverhalten? Und welche Strategien müssen Verlage entwickeln, um den Fortbestand der Zeitungen zu sichern? Zu diesen und weiteren Fragen interviewte Philipp Keßler Prof. Katrin Lehnen  für die Gießener Allgemeinen Zeitung (GAZ), erschienen am 10. November 2021. Anlass für das Gespräch ist das 75-jährige Bestehen der GAZ, die angesichts eines rückläufigen Trends verkaufter Tages- und Sonntagszeitungen in Deutschland, nach der Zukunft der Zeitung(en) fragt. 

 

 

 

 

 

 

 

Neues aus den Seniorprofessuren


Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Audiobeitrag von Claus Leggewie mit Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Kultur: „Bilder aus Afghanistan. Warum Interpretationen nötig sind“

 

In einem Audiobeitrag des Deutschlandfunk Kultur vom 21. August 2021 spricht Claus Leggewie mit Vladimir Balzer über die bildmediale Berichterstattung über Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban. Im Fokus seiner Analyse stehen amateurhafte, spontan, oftmals nur mit der Handykamera getätigte Aufnahmen. Dieses sozialdokumentarische „rohe Bildmaterial“, dass oftmals „ad hoc gedreht und ad hoc konsumiert“ werde, sei wesentlich bedeutender für das kollektive Gedächtnis als die von Presseagenturen verbreiteten Bilder. Dies hänge nicht zuletzt mit einem veränderten Medienkonsumverhalten und einem allgemeineren Medienwandel zusammen, den der Kulturwissenschaftler an Beispiel der Afghanistanberichterstattung ausmacht.

 

 

Claus Leggewie im Merkur: „Quivive. Der Kuss des Bären und die Lehren der Ungewissheit“

 

Merkur, September 2021

 

Die im September 2021 erschiene Ausgabe des Merkur enthält einen Beitrag von Claus Leggewie mit dem Titel „Quivive. Der Kuss des Bären und die Lehren der Ungewissheit“. Das Heft kann einzeln oder im Abonnement erworben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Claus Leggewie in der FAZ: „Vom Vergessen des Vergessens“

 

In seinem Artikel „Vom Vergessen des Vergessens“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. September 2021 widmet sich Claus Leggewie den Lehren literarischer Fiktion zum Streit über etwaige historische Bezüge zwischen Kolonialismus und Holocaust.

 

 

„Vom Dilemma der SPD“: Claus Leggewie über den Jubiläumsband der „Neuen Gesellschaft“

 

Zum 75. Jubiläum der „Frankfurter Hefte“ ist am 12. September 2021, eine kurze Rezension von Claus Leggewie zur aktuellen Ausgabe der „Neuen Gesellschaft“ in der Süddeutschen Zeitung erschienen. Herausgeber des Bandes ist Thomas Meyer. Die in dem Buch gesammelten 42 Beiträge, bewertet Leggewie als „lesenswerte Aufsätze linker Denker und Politiker über die ‚soziale Demokratie‘ aus mehreren Jahrzehnten“.

 

 

Claus Leggewie im Gespräch mit Sebastian Gierke: „An diesem Lächeln zerbrach sein Wahlkampf“

 

Das Lachen Armin Laschets während der Flutkatastrophe sei zu einer „negativen Ikone des Wahlkampes“ geworden. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung vom 24. September 2021 sprach Claus Leggewie mit Sebastian Gierke über „die gewaltige Macht der Bilder und unverzeihliche Fehler“.

 

 

Claus Leggewie in der taz: „Prominente gegen Coronapolitik. Ein zweiter Versuch“

 

Kunstschaffende aus dem Film- und Theaterbereich haben unter #allesaufdentisch eine Aktion eine gegen Corona-Politik initiiert, die an das gescheiterte Satireformat #allesdichtmachen anschließt. Federführend für die Aktion ist der bereits bei #allesdichtmachen in Erscheinung getretene Schauspieler Volker Bruch. In einem Beitrag der taz vom 1. Oktober 2021 kritisiert Claus Leggewie die Aktion, mit der die beteiligten Wissenschaftler*innen und Künstler*innen „wirre Skepsis gegen Coronamaßnahmen“ verbreiten würden.

 

Screenshot der Website allesaufdentisch.tv
Screenshot der Website allesaufdentisch.tv

 

 

Claus Leggewie im Deutschlandfunk: „Neue umstrittene Videoaktion zur Corona Pandemie mit Volker Bruch“

 

In einem Audiobeitrag des Deutschlandfunk vom 1. Oktober 2021 kritisiert Claus Leggewie die Art mit der im Rahmen der Videoaktion #allesaufdentisch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie hinterfragt werden. Er konstatiert: „Pluralismus braucht Qualitätskontrolle“.

 

 

Claus Leggewie in Der Standard: „Wie nachhaltig war Occupy?“

 

Vor zehn Jahren besetzten Aktivist*innen einer Protestbewegung namens „Occupy“ den Zuccotti Park nahe der Wall Street. Angesichts dieser Jährung fragt Claus Leggewie in einem am 17. Oktober 2021 in der Zeitung Der Standard erschienen Artikel danach, was aus der Bewegung geworden ist und wie nachhaltig der Einfluss auf Protestkultur auch in Bezug auf derzeitige Bewegungen wie Fridays For Future war.

In der ZMI-Reihe „Interaktiva erschien 2017 der Band „Demonstrative Reproduktion. Politische Handlungsformen von Occupy in London und New York“ von Johannes Diesing, für die Claus Leggewie das Vorwort schrieb. In seiner Dissertationsschrift greift Diesing auf raumsoziologische Studien zurück, um aufzuzeigen, so Leggewie, „wie wesentlich der Raum – hier ein konkreter Ort – handlungskonstitutiv auch für Protestbewegungen ist und ein Medium seiner Konstitution durch sayings und doings.“

 

Publikation von Claus Leggewie und Ireneusz Paweł Karolewski: „Die Visegrád Connection. Eine Herausforderung für Europa“

 

Claus Leggewie und Ireneusz Paweł Karolewski: Die Visegrád Connection

 

Ende September 2021 erschien der Band „Die Visegrád-Connection. Eine Herausforderung für Europa“ von Claus Leggewie und Ireneusz Paweł Karolewski im Verlag Klaus Wagenbach.

Am 15. Februar 1991 trafen sich die Staatsoberhäupter von Polen, Ungarn und der ehemaligen Tschechoslowakischen Republik zu einem informellen Treffen auf dem Königsberg in Visegrád. Damals ahnte noch niemand, welche Macht ein paar Jahrzehnte später von diesem, fortan unter dem Namen „Visegrád Staaten“ bekannten Bündnis, ausgehen würde. Heute ist es durch autoritäre und oligarchische Tendenzen gekennzeichnet und steht in vielerlei Punkten, wie etwa beim Thema Migration, der Politik der europäischen Staatengemeinschaft gegenüber. In dem Band beleuchten die beiden Autoren „welche historischen Ursachen es für diese Entwicklung gibt, was die EU versäumt hat und wie sie der Aushöhlung der Demokratie durch diese Binnenopposition begegnen kann.“

Eine Rezension zum Band erschien am 31. Oktober 2021 in der taz.

 

 

 

 

Call for Applications: „Planetary Materials”, Planetary Scholars & Artists in Residence Program 2022-2025


Logo Panel on Planetary ThinkingIm nächsten Jahr startet das Fellowship Programm des Panel on Planetary Thinking. Das auf vier Jahre ausgelegte Programm soll zu einem transdisziplinären Dialog zwischen den Humanwissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften und den Künsten anregen. Für 2022 werden zwei Fellowships für das Sommersemester und zwei für das Wintersemester vergeben, um „Planetary Materials“ zu erkunden. Die Fellowships sind auf jeweils drei Monate ausgelegt von April bis Juli sowie von September bis Dezember.

Den vollständigen Call for Applications finden Sie auf der Seite des Panel on Planetary Thinking.




Neues aus der Georg Büchner-Professur

Konferenz über Prof. Heiner Goebbels in Madrid: „Inaugural Edition of Expanded Theatricalities Chair“ im Museo Reina Sofia

 

Reina Sofia © Heiner Goebbels
Museo Reina Sofia. Foto: Heiner Goebbels

Kuratiert vom Museum für zeitgenössische Kunst Reina Sofia (Madrid) und der Forschungsgruppe ARTEA, fand Anfang Oktober eine Konferenz in Madrid statt, die die künstlerischen Arbeiten und Ausbildungskonzepte von Prof. Heiner Goebbels in den Blick nahm. Die Konferenz beinhaltete ein Screening seiner installativen Performance Stifters Dinge, den Austausch mit wichtigen spanischen Künstler*innen, einen Vortrag von Heiner Goebbels, sowie Begegnungen mit Studierenden des Masterstudiengangs ARTEA, dessen wissenschaftlich-künstlerischer Anspruch eng verbunden ist mit den Prinzipien des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der JLU Gießen.

 

 

Konzert für ISOE mit Heiner Goebbels im Haus am Dom

 

Haus am Dom © Heiner Goebbels
Heiner Goebbels (Piano) und Gianni Gebbia im Haus am Dom. Foto: ISOE

In einer Festveranstaltung des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) am 1. Oktober 2021 wurde Dr. Thomas Jahn als Mitbegründer, langjähriger Leiter und wissenschaftlicher Geschäftsführer des ISOE verabschiedet. Neben Grußworten von Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, und Prof. Dr. Stephan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, Frankfurt, konzertierte Heiner Goebbels am Flügel mit dem sizilianischen Saxophonisten Gianni Gebbia mit Improvisationen über Kompositionen von Hanns Eisler im Frankfurter Haus am Dom.

 

 

 

Heiner Goebbels' Kompositionen in Klaipèda, Vilnius und Hradec Krávolé

 

Für Konzerte auf dem Festival Music of Changes in Klaipèda und dem Gaida Festival in Vilnius nahm das Litauische Nationale Symphonieorchester mehrere Kompositionen von Heiner Goebbels ins Programm. Auch das legendäre tschechische Festival Jazz Goes to Town suchte im 27. Jahr seines Bestehens nach neuen Konstellationen und lud Goebbels am 16. Oktober 2021 zu einem Konzert nach Hradec Krávolé ein, das zum ersten Mal eine Zusammenarbeit des dortigen Philharmonischen Orchesters mit improvisierenden Jazz-Musiker*innen möglich machte. Mit Frank Gratkowski (Bassklarinette), Susana Santos Silva (Trompete) und der schwedischen Sängerin Sofia Jernberg öffnete Heiner Goebbels mehrere seiner Orchesterwerke für musikalisch freie Überschreibungen des komponierten Materials.

 

Hradec Kralové &  Sofia Jernberg © Heiner Goebbels
Sofia Jernberg mit dem Dirigenten Marko Ivanovic und der Filharmonie Hradec Králové. Foto: Lukas Vesely

 

 

Heiner Goebbels Mitglied im Kuratorium der Binding-Kulturstiftung

 

Die Binding-Kulturstiftung, die jährlich den renommierten Binding-Kulturpreis für herausragende kulturelle Leistungen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet verleiht, berief Heiner Goebbels in das Kuratorium. Goebbels war der Preis bereits 2008 zugesprochen worden. Die Vorstellung des neuen Kuratoriums fand am 30. Oktober in der Paulskirche statt, anlässlich der Verleihung der Kulturpreise 2020 an die Junge Deutsche Philharmonie und 2021 an ID_Frankfurt (Independent Dance and Performance). ID_Frankfurt ist eine gemeinnützige Assoziation freischaffender Künstler*innen, Theoretiker*innen und Vermittler*innen in Choreografie und Performance zur Verbesserung der Arbeitssituation und zur Selbstorganisation. Die Aktivitäten von ID_Frankfurt werden von den Mitgliedern in kollaborativer und solidarischer Arbeitsweise entwickelt und getragen. Alumni der Angewandten Theaterwissenschaften der JLU Gießen waren bereits bei der Gründung beteiligt.

 

 

„A House of Call“-Konzerte in Hamburg und München

 

Der Ende August in der Berliner Philharmonie erfolgreich uraufgeführte Orchesterzyklus „A House of Call“ von Heiner Goebbels mit dem Ensemble Modern Orchestra, war nach Konzerten in Köln und Düsseldorf auch in Hamburg und München zu hören. Die – nach der pandemiegerechten Maßgabe eines Schachbrettmusters – ausverkaufte Elbphilharmonie feierte diesen ungewöhnlichen Orchesterabend ebenso wie das Publikum im Prinzregententheater München. Im nächsten Jahr 2022 sind Aufführungen in Amsterdam, Frankfurt und Wien vorgesehen.

 

Heiner Goebbels bei Veranstaltung © Heiner Goebbels
Heiner Goebbels bei einer Probe im Prinzregententheater München. Foto: Martin Hangen/ECM

 

 

Weiteres Presse-Echo zu „A House of Call“: „Der Geist der Avantgarde – Parteilich und offen“

 

Nach der Aufführung in Hamburg erschien in der Tageszeitung Junge Welt eine doppelseitige Besprechung und Würdigung von Stefan Siegert: „Seine Musik ist ohne Frage so ‚eigen‘ wie kaum eine. Goebbels’ Avantgardismus wirft ständig neue Fragen auf, deren Antworten in wieder neuen Fragen bestehen. Jede Note, jedes Wort, jeder Farbton wird umgedreht, es bleibt kein Stein auf dem anderen, erst aus vermeintlichen Trümmern entsteht wirklich Neues. [...] er hat die Stimmen seines imaginären Notizbuchs in der Musik von ‚A House of Call‘ im selben Hegelschen Mehrfachsinn ‚aufgehoben‘, wie es Eisler mit Brecht gelang. Und nicht nur die Stimmen, auch, was sie sagen [...] ist ein Hinweis auf die universelle Perspektive dieses Künstlers.“

Aufführung in München © Heiner Goebbels
'A House of Call'-Aufführung im Prinzregententheater München. Foto: Martin Hangen / ECM
Weitere ausführliche Rezensionen erschienen in Neue Musik Zeitung (Albrecht Dümling), der MusikKritik (Karl Ludwig), und im Münchner Merkur, wo Anna Schürmer die Münchner Erstaufführung als „Ein neuer Klassiker“ feierte.

Für den Bayrischen Rundfunk schrieb Markus Mayer auf BR.de unter dem Titel „Mehr Räterepublik als Orchester“: „Da kommt man also ins Prinzregentheater zur Generalprobe von House of Call und trifft auf ein Orchester, dessen Aufstellung mehr an eine Versammlung von Musikerinnen und Musikern während der Räterepublik erinnert denn an die üblichen Sitzordnungen symphonischer Orchester. Der Anblick des Ensemble Modern verleiht der Bühne jedenfalls prompt die Ausstrahlung eines Labors.“

Adam Olschewski resümierte im Jazzpodium: „Wer Call sagt, meint Response. Der Apparat reagiert auf das gesprochene Wort unmittelbar, reagiert kleingruppig und weitschweifig, zustimmend und bockend, lasch, semi- oder ganz harsch, immer aber spannungsreich und zum Kommenden, dem Ungewissen hin ködernd. Man kämpft und umarmt zugleich. In der ohrenöffnenden, bodenlosen Mixtur steckt locker anberaumte Schlüssigkeit. Die Zuordnungslosigkeit und also ein anarchistischer Gestus haben darin einen prominenten Platz. Ein sinnreiches, vor sich hin berstendes Ereignis.“

 

 

Rezension zu „A House of Call. Materialausgabe“

 

Cover Goebbels A House of Call

 

Die als begleitendes Programmbuch zu den Konzerten zeitgleich erschienene „A House of Call. Materialausgabe von Heiner Goebbels wurde in der Oktoberausgabe 2021 von Theater der Zeit von Dorte Lena Eilers als eine „Spur der Stimmen“ rezensiert: „Das Orchesterstück verarbeitet einige solcher in kolonialen Kontexten entstandenen Aufzeichnungen – transformiert und kommentiert sie. Der Materialband liefert den kritischen Background dazu und wird so zum reichhaltigen Quelltest einer vieldimensionalen Komposition.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

CD-Aufnahmen mit dem Bayrischen Rundfunk

 

Im Anschluss an die Münchner Aufführung von „A House of Call“ fanden zusammen mit dem Bayrischen Rundfunk Tonaufnahmen mit dem Ensemble Modern Orchestra statt; Heiner Goebbels arbeitet zurzeit mit den Toningenieuren des BR an einem Schnittplan und der Abmischung für eine möglicherweise bereits im nächsten Jahr 2022 erscheinende CD.

 

 

„Liberté d'action“-Aufführungen in Luxembourg und Antwerpen

 

Veranstaltungsposter © Heiner Goebbels
Veranstaltungsposter. Foto: Heiner Goebbels

 

Das neue Musiktheaterstück von Heiner Goebbels „Liberté d'action“ nach Texten von Henri Michaux – uraufgeführt in diesem Frühjahr bei den Kunstfestspielen Hannover und anschließend zur Eröffnung der Wiener Festwochen im Museumsquartier präsentiert – kam vom 11. bis 13. November 2021 ins Theatre National du Luxembourg (TNL) zurück, welches diese Arbeit auch produziert hatte. Zur Kontextualisierung dieser Arbeit veranstaltete das TNL im Foyer am 9. November 2021 „L'espace du dedans“: eine Konferenz über Henri Michaux, eine Lesung seiner Texte sowie eine Ausstellung zu Leben und Arbeiten von Michaux.

Die nächste Aufführung von „Liberté d'action“ wird Ende Januar 2022 im International Arts Centre De Singel in Antwerpen zu sehen sein.

 

 

 

 

 

Residenz im Pariser Tonstudio „La Muse en Circuit: Centre national de création musicale“

 

Im Januar 2022 wird Heiner Goebbels zusammen mit Gianni Gebbia und den drei jungen französischen Musiker*innen Cecile Lartigeau (Ondes Martenot), Camille Emaille (Percussion), Nicolas Perrin (Elektronics, Guitar) eine Residenz im Pariser Tonstudio „La Muse en Circuit: Centre national de création musicale“ wahrnehmen. Das legendäre Studio für elektroakustische und radiophone Musik wurde 1982 von dem französischen Komponisten Luc Ferrari gegründet und wird seitdem vom französischen Ministerium für Kultur und Kommunikation unterstützt. Es fördert Komponist*innen, Künstler*innen und Musikensemble mit besonderem Augenmerk auf die Entwicklung neuer Ästhetiken zwischen elektroakustischer und akusmatischer Musik, Klangkunst, Radiokunst und digitaler Künste – sowohl von etablierten Künstlern wie auch jungen Kreativen.

 

 

SWR-Radiosendung „Midnight Lounge“ mit Heiner Goebbels und Teodor Currentzis

 

Seit Teodor Currentzis, der griechisch-russische Gründer und künstlerische Leiter von musicAeterna, sein Amt als Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters antrat, erfand er auch eine eigene Radiosendung im SWR: die Midnight Lounge. Unterschiedliche Gäste haben sich seitdem zwischen 0 und 2 Uhr auf Gespräche und überraschende Musik aller Genres eingelassen. Am 22. Januar 2022 wird Heiner Goebbels zu Gast sein.





Publikationen


Elif Özmen in der aktuellen Ausgabe der APuZ zum Thema Wissenschaftsfreiheit

 

 APuZWissenschaftsfreiheit.jpeg

Unter der Frage „Wie frei ist die Wissenschaft in Deutschland?“, erschien am 12. November 2021 die neue Ausgabe des Heftes „Aus Politik und Zeitgeschichte“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Auf 56 Seiten loten die Autor*innen das diskursive Spannungsfeld aus, in dem sich Wissenschaft und demokratische Politik in Zeiten von Klimawandel und Pandemie befinden. Im Heft ist Prof. Elif Özmen mit einem Beitrag über „Normative Grundlagen und aktuelle Herausforderungen“ vertreten. Sie konstatiert darin: „Die Ideen der Wissenschaft und der freien Wissenschaft sind auf normative Voraussetzungen und epistemische Hoffnungen gegründet, die durch Wissenschaftsfreiheit im Sinne eines negativen Abwehrrechts nicht garantiert werden können.“











Chinesische Übersetzung des Buchs „Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung“


Rösler DaF-Buch chinesisch
Foto: Tamara Zeyer


Das 2012 bei Metzler publizierte Buch „Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung“ von Prof. Dietmar Rösler erschien im Oktober 2021 in chinesischer Übersetzung in der Shanghaier Tongji University Press. Das Buch führt in alle relevanten Bereiche des Fachs Deutsch als Fremdsprache ein – von den Lernenden und Lehrenden über die Lehr- und Lernformen bis hin zu den produktiven und rezeptiven Fertigkeiten. Im Zentrum der Einführung stehen die Lerngegenstände Sprache, Literatur und Landeskunde. Weitere Kapitel widmen sich den Lehrmaterialien und Medien, vom gedruckten Lehrwerk bis zum Internet, sowie den verschiedenen Konzepten der Fremdsprachenvermittlung.









Dietmar Rösler und Tamara Zeyer im Themenheft „DaF im virtuellen Unterrichtsraum“

 

Publikation Info DaF
Foto: Tamara Zeyer

 

Im November 2021 erschien der Beitrag „Ich! – Wer ich? Zur Interaktion im Online-Unterricht“ von Prof. Dietmar Rösler und Dr. Tamara Zeyer im Themenheft „DaF im virtuellen Unterrichtsraum“ der Zeitschrift Informationen Deutsch als FremdspracheIm Beitrag werden mithilfe Bilschirmaufzeichnungen Einblicke in die Wahrnehmung und Nutzung verschiedener Ansichten des Unterrichts in einem Videokonferenzsystem gegeben. Hierfür werden die Bildschirme unterschiedlicher Endgeräte der Lernenden sowie der Lehrkraft im videokonferenzgestützten Deutschunterricht für studieninteressierte Geflüchtete verglichen.












Sammelband „Neue Medien – neue Formate“ (2010) ab Januar 2022 als OpenAccess


 

Medienformate und Kommunikationsformen lassen sich schon seit langem nur noch bedingt in einzelnen Kategorien wie Text, Bild, Video, Sound fassen. So konstatierten die Herausgeber*innen des Bandes bereits 2010, dass Die Digitalisierung zu einer Integration zwischen verschiedenen Mediengattungen, wie Internet, Presse, Hörfunk, oder Fernsehen geführt und der anhaltende Medienwandel neue Formate innerhalb und außerhalb klassischer Massenmedien hervorgebracht hat. Im Sammelband „Neue Medien – neue Formate“ herausgegeben von Prof. Hans-Jürgen BucherProf. Thomas Gloning und Prof. Katrin Lehnen (2010) entwickeln die Autor*innen Theorien von Multimodalität und zeigen Methoden zur Untersuchung multimodaler Formate auf. Aufgrund der Aktualität des Themas weisen wir hier noch einmal auf diesen Band hin, der ab Januar 2022 auch im OpenAccess-Format erhältlich ist.


 

 

 

 

 

 

 

 

Personalia

Isabelle Otto neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit mit dem Schwerpunkt Soziale Medien

 

Isabelle Otto. Foto: privat
Isabelle Otto. Foto: privat

 

Isabelle Otto ist seit Dezember 2021 als Studentische Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit mit Schwerpunkt Soziale Medien Teil des ZMI. Bis 2019 absolvierte sie an der JLU den Bachelorstudiengang „Sprache, Literatur, Kultur“, anschließend folgt nun mit den Fächern Germanistische Linguistik und Deutsch als Fremdsprache das Masterstudium in Gießen. Nebenbei ist sie im Korrektorat der Gießener Allgemeinen Zeitung tätig, ebenso zählt sie ein Verlagspraktikum und ein Praktikum beim Literarischen Zentrum Gießen zu ihrer Vita. Dort kam sie auch zum ersten Mal mit den Tätigkeitsfeldern Öffentlichkeitsarbeit und Social Media in Berührung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Carina Müller neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche für den Forschungsschwerpunkt „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“

 

Carina Müller. Foto: privat
Carina Müller. Foto: privat

 

Carina Müller ist seit Dezember 2021 als Studentische Hilfskraft für den Forschungsschwerpunkt „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“ am ZMI beschäftigt. Neben ihrem Gymnasiallehramtsstudium mit den Fächern Germanistik und Geschichte war sie in der letzten Legislatur im Referat für Öffentlichkeitsarbeit des AStA der JLU tätig. Zuvor arbeitete sie zur Unterstützung des Einstiegs der digitalen Lehre als Hilfskraft an der Professur für Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der JLU.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sahra Rausch verlässt das ZMI

 

Sahra Rausch. Foto: privat
Sahra Rausch. Foto: privat


Sahra Rausch war bis Oktober 2021 Wissenschaftliche Hilfskraft im Forschungsschwerpunkt „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“ (LBM) des ZMI und zuletzt Koordinatorin des Projekts „Digitaler Habitus“. Sie tritt eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena an, bei der ihre Aufgabe der Aufbau der Koordinationsstelle für die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Thüringens ist.