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Artikelaktionen

ZMI-Newsletter 2/2019

Banner_NL_2_2019

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Editorial

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

Jutta Hergenhan Format.jpg
Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
in diesen heißen Sommertagen schweifen Ihre Gedanken möglicherweise zu einem – und sei es auch nur imaginären – Besuch im Freibad. Derlei Ablenkung können wir Ihnen leider nicht bieten. Umso lieber versorgen wir Sie mit frischen Neuigkeiten aus dem ZMI. Und derer gibt es zahlreiche in diesem Newsletter.

Zuallererst freue ich mich, Ihnen die Wiederwahl von Katrin Lehnen als Geschäftsführende Direktorin und von Dorothée de Nève als stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI mitteilen zu dürfen. Mit der Wiederwahl durch das ZMI-Direktorium freuen wir uns auf drei weitere Jahre der gemeinsamen Gestaltung von Forschung, Kooperation und Kommunikation zu Fragen von Medien, Digitalität und Gesellschaft.

Wir freuen uns ebenfalls, Ihnen zwei neue Projekte des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft vorstellen zu dürfen. Gefördert von der Thyssen-Stiftung wird sich das ZMI im November 2019 im Rahmen einer ExpertInnen-Tagung mit „digitalem Habitus“ beschäftigen. In Kooperation mit dem Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung wiederum befasst sich das ZMI mit Geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich.

Die politische Aktualität der vergangenen Wochen war sehr stark von der Wahl des Europäischen Parlaments geprägt, bei der die europaweite Fridays-for-Future-Bewegung frischen Wind in das politische Kräftefeld brachte. Der Newsletter führt Sie zum Blogbeitrag von Verena Schäfer-Nerlich, der die besondere Bedeutung dieser Wahl im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen in Europa vertieft, ebenso wie zur Video-Aufzeichnung der Podiumsdiskussion Europa vor der Wahl auf unserem YouTube-Kanal.

Sommerzeit ist Reisezeit: Das ZMI erhielt in den vergangenen Wochen Besuch von internationalen KooperationspartnerInnen aus Australien, Südafrika und dem Vereinigten Königreich. Insbesondere mit den KollegInnen aus Nottingham – die auf Einladung von Katharina Lorenz nach Gießen kamen – hatten wir einen spannenden Austausch zu neuesten Entwicklungen in den Digital Humanities, auf dessen Fortsetzung wir uns freuen.

Nun dürfen Sie gerne zu einem kühlen Getränk greifen, sich im Liegestuhl zurücklehnen und mit der Lektüre des Newsletters beginnen.

 

Im Namen des ZMI wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Sommer,

 

Jutta Hergenhan

 

 

 

Inhalt ZMI-NEWSLETTER 2/2019

 

Editorial

 

News

Digitaler Habitus: Tagung zu Bourdieus Habitusbegriff in Zeiten der Digitalisierung

Gemeinsames Forschungsprojekt des ZMI und der Universität Marburg zu Geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich durch Forschungscampus Mittelhessen gefördert

Katrin Lehnen als Geschäftsführende Direktorin und Dorothée de Nève als stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI wiedergewählt

Neuer Blog-Beitrag: Verena Schäfer-Nerlich zu den Europawahlen 2019

 

Veranstaltungsankündigungen

Studientag Außenseiterdiskurse in Geschichte und Gegenwart

The Sun Island – Filmvorführung und anschließendes Filmgespräch mit dem Regisseur Thomas Elsaesser 

Vortragsreihe Medientechnik ∙ Körper ∙ Gesundheit

Workshop Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für SoziologieMedien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen

Podiumsdiskussion: Autoritäre Populisten gegen Gender: Trump, Bolsonaro und die AFD

Das CEFR Companion Volume: Neue Konzepte, Kompetenzen, Skalen? – Konferenz der Forschergruppe Educational Linguistics

Renegotiating Minoritarian In_Visibilities – englischsprachige, interdisziplinäre Konferenz

Internationale Tagung: Trans*Time in TV Series: (Inter)National Projections

Emotionalisierung in den Medien: Fachgruppentagung der DGPuK am ZMI im Februar 2020

 

ZMI-Videos

Drei Fragen an Heiner Goebbels

Europa vor der Wahl – Videomitschnitt der Podiumsdiskussion jetzt auf YouTube

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Educational Linguistics-Vortragsreihe im Sommersemester

Workshop zum Thema Sprachlich-kommunikative Praktiken im Umfeld von Kunstinstitutionen. Multimodale und -mediale Perspektiven auf öffentliche Kommunikation

Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Schule

Digital Media Methods – Crash-Kurs-Reihe für EinsteigerInnen

Vortrag von Dinah Kristin Leschzyk: Die Rolle des Internets bei globalen feministischen Bewegungen – Schwerpunkt Südamerika

Vortrag Richtig gendern mit den Duden-Autorinnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer

Wer nicht lesen will, kann hören. Eine kritische Reflexion des Podcast-Hypes am Beispiel von „Was geschah am 9. November?“

Stimmen aus der Praxis: „Die Reportage – Zwischen Nähe und Distanz“

Linie 41–Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Protagonisten und Regisseurin im Kinocenter Giessen 

Marian Petraitis über Formen digitaler Dokumentationen

Delegation der Nottingham University zu Besuch im ZMI

Delegation der Macquarie University zu Besuch im ZMI

Treffen mit Ndivhoniswani Aaron Tshidzumba der North-West University aus Südafrika

JLU kooperiert mit Universitäten in Tokio und Seoul

 

In den Medien

Dorothée de Nève in der Neue Züricher Zeitung am Sonntag über Machos in der Politik und bei Deutschlandfunk Nova über Kühnerts Kapitalismuskritik

Ausführliches Feature zum Roman Stella von Takis Würger – u.a. mit Sascha Feuchert – im Deutschlandfunk Kultur als Podcast verfügbar

 

Neues aus den Seniorprofessuren


Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Europawahl – Ein Streitgespräch

Claus Leggewie zur Bedeutung des Ibiza-Videos für Deutschland

Wie resilient ist das Grundgesetz? Ein Gedankenexperiment – Vortrag von Maximilian Steinbeis 

Macron und der Brand von Notre-Dame: Claus Leggewie im NDR Journal-Gespräch

Stellenausschreibung für eine studentische Hilfskraft bei Prof. Claus Leggewie


Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Dietmar Rösler hält Eröffnungsvortrag auf dem japanischen Germanistentag

Performative Fremdsprachendidaktik?

Feedback beim Fremdsprachenlernen mit digitalen Medien – Vortrag auf dem ungarischen Deutschlehrertag 

Humor und Komik im Fremdsprachenunterricht?

Personalwechsel im HMWK-Projekt Digitale Medien beim Deutscherwerb von studieninteressierten Geflüchteten


Neues aus der Georg Büchner-Professur

Everything That Happened and Would Happen — Interview mit Heiner Goebbels in der New York Times – Deutschlandpremiere bei der Ruhrtriennale – Aufführung bei den Theatre Olympics 2019

Aufführung von Heiner Goebbels’ Songs of Wars I have seen in Ljubljana

Los paisajes creativos de Heiner Goebbels an der Universidad Nacional de Colombia in Bogota

Vorträge von Heiner Goebbels in Basel und Mainz

Konferenz zur künstlerischen Arbeit Heiner Goebbels‘ in Lissabon

Try-out mit Heiner Goebbels für ein Ensemble Modern Orchestra-Projekt 2020 auf YouTube

Drei Fragen an Heiner Goebbels

 

Publikationen

Neuerscheinung: Augenzeugenschaft als Konzept – Konstruktionen von Wirklichkeit in Kunst und visueller Kultur seit 1800

 

Personalia

Thomas Gloning ist neues Mitglied in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 

 

 

 

News

Digitaler Habitus: Tagung zu Bourdieus Habitusbegriff in Zeiten der Digitalisierung

In Anlehnung an den Ansatz von Bourdieu liefert das Konzept eines digitalen Habitus ein erweitertes Verständnis des grundlegenden Wandels literaler Praktiken und Bildungsprozesse, wie er mit der umfassenden und fortschreitenden Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche zu beobachten ist. Ein solches Konzept des Digitalen Habitus birgt das Potential, digitalisierungsbedingte Transformationen des Habitus im Sinne durch die Sozialisation erworbener Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata heuristisch fassen zu können.

Am 14. und 15. November 2019 veranstaltet der Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft eine von der Thyssen-Stiftung geförderte Tagung zu diesem Thema. Es soll erkundet werden, inwiefern das Konzept des Digitalen Habitus als explanatorische Kategorie für die Theoriebildung wie auch empirische Ansätze fruchtbar gemacht werden kann und interdisziplinär anschlussfähig ist. Dazu zählen beispielsweise Formen und Fähigkeiten der Selbstpräsentation in digitalen Medien oder Wechselwirkungen verschiedener Konfigurationen des Digitalen Habitus mit bestimmten literalen Praktiken im Zuge von Digitalisierungsschüben. Diese sollen hinsichtlich ihrer Artikulation in Lern- und Bildungskontexten untersucht und mit unter dem Eindruck von Digitalisierungsprozessen sich verändernden normativen Leitbildern gelingender Bildung in Beziehung gesetzt werden.

Logo_LBM_und_FTSDas Programm folgt in Kürze.

Organisiert wird die Tagung von:

Ina Daßbach M.A. (Koordinatorin FSP Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft, ZMI, Institut für Politikwissenschaft, JLU), Dr. Jutta Hergenhan (Wissenschaftliche Geschäftsführerin ZMI), Prof. Andreas Langenohl (ZMI Sektion Macht – Medium – Gesellschaft / GCSC / Institut für Soziologie, JLU), Prof. Katrin Lehnen (Geschäftsführende Direktorin ZMI / Institut für Germanistik, JLU), Prof. Dorothée de Nève (stellv. Geschäftsführende Direktorin ZMI / Institut für Politikwissenschaft, JLU), Prof. Nicole Zillien (ZMI Sektion Macht – Medium – Gesellschaft / Institut für Soziologie, JLU).

 

 

 

Gemeinsames Forschungsprojekt des ZMI und der Universität Marburg zu Geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich durch Forschungscampus Mittelhessen gefördert

Geschlechtergerechte Sprache ist in Deutschland und in Frankreich seit den 1980er Jahren ein gesellschaftlich und zunehmend auch politisch umstrittenes Thema, nicht zuletzt weil mit der Abbildung der Geschlechter in der Sprache auch gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlechterrollen und -identitäten verhandelt werden. Die Thematisierung von Geschlechterfragen im Schulunterricht hat in Frankreich und in Deutschland in den vergangenen Jahren starke Kontroversen hervorgerufen, insbesondere die Verankerung pluralistischer und egalitärer Geschlechterbilder in schulischen Lehrbüchern.

Fragen zur Verwendung geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern, den dafür relevanten rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie gesellschaftlichen Diskursen zum Thema bilden den Kern des internationalen und interdisziplinären Forschungsprojekts Geschlechtergerechte Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich. Das ZMI freut sich mitteilen zu können, dass der Forschungscampus Mittelhessen in zweiter Runde die Förderung des Vorhabens bewilligt hat. Ermöglicht durch die Flexi-Funds-Förderung wird nun ein Forschungsantrag für die DFG/ANR-Förderlinie für deutsch-französische Forschungsprojekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften erarbeitet.

FCMH_GEI_LOGO Das Projekt geht aus der ZMI-Sektion Medien und Gender hervor und ist am Forschungsschwerpunkt Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft angesiedelt. Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI und Sprecherin der Sektion Medien und Gender, leitet das Projekt. Stellvertretende Projektleiterin ist Prof. Susanne Maurer von der Philipps-Universität Marburg. Das Forschungsvorhaben wird gemeinsam mit WissenschaftlerInnen der französischen Universitäten Paris 13 – Sorbonne Paris Cité und Paris Est Créteil sowie dem Georg-Eckert-Institut Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung durchgeführt.

 

 

 

Katrin Lehnen als Geschäftsführende Direktorin und Dorothée de Nève als stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI wiedergewählt

Am 23. Mai 2019 tagte das Direktorium des ZMI. Neben einigen wichtigen Diskussionspunkten, wie beispielsweise den Zukunftsstrategien des Zentrums in Bezug auf zeitgemäße Publikationsmöglichkeiten, stand in dieser Sitzung auch die Wahl der Geschäftsführenden Direktorin und der stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin an. Wir freuen uns mitteilen zu dürfen, dass Prof. Katrin Lehnen sowie Prof. Dorothée de Nève in ihren Ämtern bestätigt und wiedergewählt wurden. Für weitere drei Jahre werden sie gemeinsam die laufenden Projekte und Geschäfte des ZMI leiten. Die Direktoriumsmitglieder verabschiedeten ebenfalls mit dem ZMI-Jahresbericht für 2017/2018 den bereits neunten Jahresbericht des Zentrums.

Direktoriumssitzung1
Im Uhrzeigersinn von rechts unten: Prof. Dorothée de Nève, Prof. Katrin Lehnen, Prof. Simone Abendschön, Prof. Vadim Oswalt, Prof. Sigrid Ruby, Prof. Thomas Gloning, Ina Daßbach, Dr. Jutta Hergenhan und Prof. Greta Olson.
 

 

 

 

Neuer Blog-Beitrag: Verena Schäfer-Nerlich zu den Europawahlen 2019

Schafer_Nerlich.jpg
Dr. Verena Schäfer-Nerlich
Mit der Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 stand die EU und damit auch Europa vor einem Scheideweg. Im dritten Beitrag des recht jungen ZMI-Blog befasst sich die Politikwissenschaftlerin und Projektkoordinatorin des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen Dr. Verena Schäfer-Nerlichmit den Europawahlen. In ihrem Beitrag diskutiert Schäfer-Nerlich die Relevanz und Tragweite der Wahlen in Hinblick auf aktuelle politische Entwicklungen, wie das Erstarken des Nationalismus, die sogenannte Flüchtlingskrise oder auch den Brexit. Die „Europawahl“ ist nicht nur ein Bekenntnis für oder gegen Europa und die damit verbundenen Werte, sondern bestimmt auch maßgeblich, wie sich Europa in Zukunft verändern wird und inwiefern die EU eine geeignete politische Handlungsebene für transnationale und globale Herausforderungen ist, so Schäfer-Nerlich.

Der Blog-Beitrag lädt erneut zur Debatte ein; Kommentare und Diskussionen sind gern gesehen. Wir laden Sie herzlich ein mitzudiskutieren und in einen interdisziplinären, wissenschaftlichen Austausch miteinander zu kommen.

Am 13. Mai 2019 fand eine Podiumsdiskussion mit dem Titel Europa vor der Wahl statt, die sich ebenfalls mit den Europawahlen befasste und von Dr. Schäfer-Nerlich moderiert wurde. Den Videomitschnitt der Diskussion finden Sie hier.

 

 

 

 

Veranstaltungsankündigungen

Studientag Außenseiterdiskurse in Geschichte und Gegenwart

Aussenseiterdiskurse_Poster_7Außenseiter – von einer einflussreichen sozialen Gruppe der Regelverletzung bezichtigte und darum von dieser ausgegrenzte Individuen – scheinen in den modernen westlichen Gesellschaften allgegenwärtig zu sein und sich in unserer zunehmend von politischen, religiösen und sozialen Krisen geprägten Zeit weiterhin zu vermehren: Der vieler Orten wiederauflebende protektionistische Nationalismus, die Islam- und Judenfeindlichkeit etwa in Europa, die Gewalt gegen people of color v. a. in den USA, aber auch der derzeit zu beobachtende Backlash gegen emanzipatorische Bewegungen und egalitäre Veränderungen, die Kontroversen um die Rechte Homosexueller, die Ungleichstellung von Frauen im Berufsleben und im Alter sind nur einige der aktuellen Symptome dieser Konjunktur des Außenseitertums.

Dabei hat es Außenseiter fraglos auch in der älteren und jüngeren Geschichte immer gegeben: Die frühneuzeitliche Hexenverbrennung mit klar misogyner Ausrichtung, die ethnisch motivierte Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner wie auch der Holocaust in der NS-Zeit – all diese Verfolgungswellen lassen sich als ideologisch geführte Feldzüge etablierter Gruppierungen gegen stigmatisierte und rigoros ausgegrenzte Minderheiten lesen: In allen Manifestationen sind Machtstrukturen wirksam, die in den selbst- und fremdgestifteten, diversen und konkurrierenden Diskursen von Außenseitern und über Außenseiter ihre Spuren hinterlassen haben.

Der in Verbindung mit dem komparatistischen Seminar Novela picaresca – Schelmenroman veranstaltete Studientag zielt darauf ab, bei den Teilnehmenden eine höhere Sensibilität für die Außenseiterthematik zu schaffen und die Mechanismen und Funktionsweisen hinter den Diskursen aufzudecken. Der Studientag beleuchtet dabei auch die Rolle von Filmen, TV-Serien und dem Internet. Dr. Dinah Leschzyk, ZMI-Sektion Medien und Gender, spricht um 17:05 Uhr über Diskurse jenseits etablierter Meinungen: Wie feministische Akteur*innen in Lateinamerika das Internet nutzen.

Die Veranstaltung findet am 3. Juli 2019 von 14-18h im Phil I, Raum G233 statt und ist offen für alle interessierten Mitglieder der JLU.

Kontakt:

 

 

 

The Sun Island – Filmvorführung und anschließendes Filmgespräch mit dem Regisseur Thomas Elsaesser

thesunisland-poster_kleinAm 4. Juli 2019 um 19.30 Uhr zeigt das Kinocenter in Gießen den Film The Sun Island/ Die Sonneninsel von Prof. Thomas Elsaesser. Elsaesser ist Emeritus Professor in the Department of Media & Culture at the University of Amsterdam und geht in diesem Essayfilm den Spuren seines Großvaters Martin Elsaesser, Architekt und Stadtplaner, seiner Großmutter Liesel Elsaesser und Leberecht Migge, Gartenarchitekt, Reformer und Kollege von Martin sowie Geliebter von Liesel, nach.

Der Film Die Sonneninsel ist ein Essay über Zufälle, verfehlte Leben und posthumen Ruhm. Mit Familienfotografien und Dokumenten erzählt Elsaesser nicht nur über die architektonischen Ideen und Umsetzungen seines Großvaters (z.B. die Frankfurter Großmarkthalle), sondern gibt auch Einblicke in die privaten Zusammenkünfte der Protagonisten und ihrer Familien auf einer kleinen Insel im Müggelsee – die Sonneninsel.

Nach der Filmvorführung gibt es ein anschließendes Filmgespräch mit Regisseur und Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser.

Mehr Informationen zum Film finden Sie hier.

 

 

 

Vortragsreihe Medientechnik ∙ Körper ∙ Gesundheit

Die Vortragsreihe im Sommersemester 2019 fragt nach medienbasierten Techniken und Technologien im Umgang mit dem alternden Körper und dem Streben nach Gesundheit, Fitness und Partizipation. Aktuelle gesellschaftliche Beispiele werden dabei mit Überblicken der historischen Entwicklungen kombiniert.

8. Juli 2019, 14-16 Uhr: Sein Leben in Ordnung bringen. Die Geschichte medienbasierter Selbsttechnologien von Rousseau bis Runtastic

Dr. Gerrit Fröhlich (Trier) rückt in seinem Vortrag die mediale Verfasstheit von Selbsttechnologien in den Fokus. Entlang der Fallbeispiele des Tagebuchs und der digitalen Selbstvermessungen soll am Konzept der medienbasierten Selbsttechnologien aufgezeigt werden, wie mediensoziologische Ansätze für eine Soziologie des Subjekts fruchtbar gemacht werden können.

17. Juni 2019, 14-16 Uhr: Das Zeitalter der FitnessMedien Körper Gesundheit

Prof. Jürgen Martschukat (Erfurt) befasste sich in seinem Vortrag mit einer Geschichte der Fitness. Dies meint mehr als Erfolg im Sport. Aus soziokultureller Perspektive stellt Fitness ein regulierendes Ideal moderner Gesellschaften dar und fordert dazu auf, an der Optimierung der eigenen körperlich-mentalen-sozialen Fähigkeiten zu arbeiten, um sie in die verschiedensten Lebensbereiche fruchtbar einzubringen.

20. Mai 2019, 14-16 Uhr: Moderne Medizintechnik im Altenheim: Partizipation durch Mediengestaltung

Dr. Julia Inthorn (Hannover) initiiert in ihrem Forschungsprojekt Moderne Medizintechnik im Altenheim mediengestützte Diskurse über ethische Fragen und soziale Problemstellungen, die durch den Einsatz von Medizintechnologie bei hochaltrigen und dementen Menschen aufgeworfen werden. Im Bezug darauf stellte Sie in ihrem Vortrag dar, wie über Partizipation und im Zuge dessen über Medienproduktion gesprochen wurde und welche Einflussmöglichkeiten PflegeschülerInnen für sich für denkbar halten.

Ort: Justus-Liebig-Universität Gießen, Seminargebäude II, Raum 012, Alter Steinbacher Weg 44, 35394 Gießen.

Organisation der Reihe: Tristan Dohnt, Dirk Medebach und Nico Wettmann

GGS-Sektionen Medialisierung von Gesellschaft und Alter(n) in Gesellschaft

Institut für Soziologie

 

 

 

Workshop Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften

Die Digitalisierung ist auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften allgegenwärtig und verändert Forschungsmethoden wie -gegenstände, die Hochschullehre und auch die Vermittlung von Wissenschaft. Der digitale Wandel befördert dabei auf vielfältige Art und Weise die interdisziplinäre Zusammenarbeit – nicht nur zwischen der Informatik und einzelnen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Dieser interdisziplinäre Dialog ist Gegenstand des Workshops Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften, der am 11. und 12. Juli 2019 im Schloss Rauischholzhausen stattfinden wird. Der Workshop ist eine Folgeveranstaltung, die sich aus dem Barcamp Digitalisierung des Forschungscampus Mittelhessen vom 17. Januar 2019 entwickelt hat (Bericht im Newsletter 01/2019). Ziel des Workshops ist es, WissenschaftlerInnen der drei mittelhessischen Hochschulen (Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Technische Hochschule Mittelhessen (THM), Philipps-Universität Marburg (UMR)) miteinander zu vernetzen, ins Gespräch über ihre Forschungs- und Lehrprojekte zu bringen und damit zukünftige gemeinsame Vorhaben anzuregen.

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Schloss Rauischholzhausen im Ebsdorfer Grund. Das Schloss wird von der JLU unter anderem als Tagungsstätte genutzt. Foto: Klaus Föhl
Neben den inhaltlichen Fragen werden auch Rahmenbedingungen, Unterstützungsstrukturen und Organisationsformen für die digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften in Mittelhessen im Rahmen eines Rundtisches diskutiert. Hierbei soll es insbesondere darum gehen, in welchem Rahmen die Zusammenarbeit und der Austausch institutionalisiert und fortgeführt werden kann.

Der Workshop wird sich über zwei halbe Tage erstrecken. Dem Organisationsteam des Workshops gehören an:

Prof. Susanne Buckley-Zistel (UMR), Prof. Dorothée de Nève (JLU/ZMI), Prof. Malte Hagener (UMR), Dr. Jutta Hergenhan (JLU/ZMI), Prof. Peter Kneisel (THM), Dr. Andreas Kuczera (JLU), Prof. Katharina Lorenz (JLU/ZMI), Prof. Katrin Lehnen (JLU/ZMI), Dr. Peter Reuter (JLU), Stefan Schulte (UMR), Prof. Gabriele Taentzer (UMR), Prof. Jürgen Wolf (UMR).

 

 

 

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für SoziologieMedien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen

Jahrestagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kooperation mit dem ZMI am 10. und 11. Oktober 2019 an der JLU Gießen.

DGS_LogoAnsätze, die Medien als Dinge denken, haben schon seit einer ganzen Weile Konjunktur. Die Notwendigkeit einer soziologischen Forschungsperspektive, die die technisch-materielle Ausformung von Medien in den Blick nimmt, drängt sich in Zeiten umfassender Digitalisierung und Algorithmierung geradezu auf. Denn nach der Materialität des Digitalen zu fragen, heißt, die Stofflichkeit, Handlungsträgerschaft, Sichtbarkeit, Eigenlogik und Ästhetik des Digitalen zu reflektieren, wobei hier an eine Vielzahl an Ansätzen und Theorieangeboten angeknüpft werden kann: Materiellen Artefakten wird nicht nur in der Mediensoziologie, sondern beispielsweise auch in der Technik- und Wissenschafts-, der Architektur-, Organisations-, Kultur- oder Filmsoziologie analytische Relevanz zugewiesen. In den Science and Technology Studies, der Mediatisierungsforschung, Medienökologie und historischen Epistemologie liegen ebenso wie beispielsweise in der Medien- und Kommunikationswissenschaft, den Kultur- und Erziehungswissenschaften, der Philosophie und Psychologie versierte Ansätze zur Untersuchung der gesellschaftlichen Bedeutung von Materialitäten vor. So unterschiedlich sich diese Ansätze, Forschungsfelder und Disziplinen auch gestalten: Werden die Dinge analytisch mitgedacht, so ist das Handeln mit selbigen üblicherweise als soziomaterielles Wechselspiel angelegt. Es wird von einer Prägekraft, Eigendynamik, Logik und generativen Kraft der Dinge, der Algorithmen, Technologien und Infrastrukturen ausgegangen. Diese Konzeptionen sind für die (Medien)Soziologie ebenso vielversprechend wie herausfordernd, werfen in theoretischer, epistemologischer und methodologischer Hinsicht zahlreiche Fragen auf und sind in der empirischen Forschung gar nicht so einfach einzulösen.

Auf der in Kooperation mit dem ZMI von Prof. Nicole Zillien (ZMI-Sektion Macht – Medium – Gesellschaft) organisierten Jahrestagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie sollen theoretische und empirische Analysen vorgestellt und diskutiert werden, die die Materialität digitaler Medien in der Untersuchung sozialen Handelns systematisch mitdenken. Es sollen dabei Arbeiten unterschiedlicher Verortungen miteinander ins Gespräch gebracht, Gemeinsamkeiten und Differenzen der Perspektiven ausfindig gemacht und eine Selbstpositionierung in der Vielfalt der Ansätze ermöglicht werden.

Organisation: Nicole Zillien

Sprecherrat: Udo Göttlich, Anja Peltzer, Matthias Wieser, Nicole Zillien

Hier gelangen Sie zum Programm der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie – Medien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen.

 

 

 

Podiumsdiskussion: Autoritäre Populisten gegen Gender: Trump, Bolsonaro und die AFD

PopulistenAutoritäre Populisten erfahren in vielen Ländern wachsenden Zuspruch durch die Wahlbevölkerung. Staaten von weltpolitisch zentraler Bedeutung wie die USA und Brasilien werden mit Donald Trump und Jair Bolsonaro inzwischen von autoritären Populisten regiert. Auch in Europa wird mit Ungarn durch die langjährige Regierung Victor Orbans ein Land durch die Herrschaft eines autoritären Populisten seit Jahren stark umstrukturiert. In Deutschland wachsen die Tendenzen ebenfalls hin zu einem autoritären Populismus: Indikatoren dafür sind die bundesweiten Wahlerfolge der AfD, die es als Partei erst seit wenigen Jahren gibt.

Zentrale Elemente des politischen Handelns autoritärer Populisten sind Angriffe gegen demokratische und egalitäre Geschlechtervorstellungen, und ganz konkret gegen Frauen und LGBTIQ*. Diese Angriffe finden in verschiedensten Formen statt: verbal, physisch, diskursiv, symbolisch, institutionell und nicht zuletzt durch Regierungshandeln. Ein Charakteristikum dieses genderfeindlichen populistischen Handelns ist seine mediale Dimension, und insbesondere die direkte Kommunikation autoritärer Populisten über soziale Medien.

Die Podiumsdiskussion möchte das Phänomen der „autoritären Populisten“ anhand der zentralen Akteure Donald Trump und Jair Bolsonaro im Hinblick auf deren Gender-Handeln und ihre damit verbundenen medialen Strategien beleuchten. Im Hinblick auf Deutschland wird gefragt, inwiefern Angriffe auf Geschlechtergleichheit, Frauen und LGBTIQ* auch hier Teil eines autoritären Populismus sind, oder ob die in Deutschland beobachtbaren Phänomene kategorial anders eingeordnet werden müssen. Nicht zuletzt interessieren auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der medialen Strategie sowie die Bedeutung unterschiedlicher Medien und Medienformate für den Erfolg autoritärer Populisten.

Die Veranstaltung findet am 24. Oktober um 18 Uhr c.t. in der Aula der JLU statt; die Referierenden sind Dr. Dinah Leschzyk (ZMI-Sektion Medien und Gender), Prof. Dorothée de Nève (stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI) und Prof. Greta Olson (ZMI-Sektion Medien und Gender).

 

 

 

Das CEFR Companion Volume: Neue Konzepte, Kompetenzen, Skalen? – Konferenz der Forschergruppe Educational Linguistics

Am Freitag, den 8. November 2019 findet in Raum 011 und Raum 012 im Seminargebäude 2 des Philosophikum (Alter Steinbacher Weg 44), 35394 Gießen eine Konferenz zum CEFR Companion Volume statt. Die Konferenz beginnt um 9:00 Uhr mit einer Begrüßung durch die beiden Organisatorinnen Prof. Eva Burwitz-Melzer und Prof. Hélène Martinez. Es folgen im Tagesverlauf vier jeweils etwa einstündige Vorträge, die das CEFR Companion Volume aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Den Auftakt macht Dr. Brian North (Eurocentre Fundation Zürich) mit seinem Vortrag The CEFR Companion Volume. Anschließend betrachtet Prof. Claudia Riemer (Universität Bielefeld) Das CEFR Companion Volume aus der Sicht von DaF und DaZ, bevor Prof. Daniela Caspari (Freie Universität Berlin) auf die Sprachmittlung im CEFR Companion Volume eingeht. Die Veranstaltung schließt mit einem Vortrag von Prof. Eva Wilden (Universität Duisburg-Essen) zum Thema Digitalisierung und das CEFR Companion Volume.

 

 

 

Renegotiating Minoritarian In_Visibilities – englischsprachige, interdisziplinäre Konferenz

GCSC_Logo_RGBIn recent years, the relation between visibility and invisibility of minoritarian subject positions has been renegotiated and led to a preliminary re-assessment of the political potential of the concept of visibility. Thereby, invisibility or imperceptibility are subject to significant revaluation. Especially from activist, cultural and political points of view and in the contexts of queer or non-racist politics of migration, attempts have been made to question the topos of visibility and its positive connotations. However, the debate about a possible end of the critique of representation often disregards that politics of becoming imperceptible or invisible can indeed develop new modes of presentation and perception and therefore cannot unfold beyond representation.

Connecting theory and practice, the conference will provide spaces for various artistic, scholarly and political forms of exchange.

The three-day conference will take place on November 12–14, 2019 at the Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) of the Justus-Liebig-University Giessen, Germany. The conference is organized by the Research Area Visual and Material Culture Studies of the GCSC in cooperation with the ZMI-section Media and Gender. If you need childcare for the duration of or part of the conference, kindly let us know well in advance.

For questions, please contact in-visibility@gcsc.uni-giessen.de

Organisation:

  • Oliver Klaassen (Queer Art Studies, PhD student at the GCSC; Lecturer at various German universities)
  • Jana Tiborra (Art Pedagogy, Research Assistant at the Institute for Art Pedagogy, JLU; PhD student at the GCSC)
  • Katharina Wolf (Contemporary History, PhD student and Research Assistant at the GCSC)
  • Cathérine Ludwig-Ockenfels (Early Modern History, PhD student at the GCSC)

 

 

 

Internationale Tagung: Trans*Time in TV Series: (Inter)National Projections

TransTime Plakat

Vor etwa einem Jahrzehnt, im März 2007, wurden die international anerkannten Yogyakarta-Prinzipien festgehalten, die erste systematische Menschenrechtsgewährleistung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT). In ihnen wurden zum ersten Mal Anforderungen formuliert, die die Menschenrechtsstandards in Bezug auf sexuelle Minderheiten festschrieben. Punkt 18 geht explizit auf die Pathologisierung der Geschlechtsidentität ein und verlautbart, dass „niemand [...] aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gezwungen werden [darf], sich irgendeiner Form von medizinischer oder psychologischer Behandlung, Untersuchung oder Maßnahme zu unterziehen, oder in eine medizinische Einrichtung eingewiesen zu werden“ (Hirschfeld-Eddy-Stiftung, 2008: 28). Dieser Meilenstein kristallisierte die Arbeit von trans* Aktivist*Innen weltweit. in den letzten Jahrzehnten heraus und diente als Sprungbrett für weitere Aktionen. Die Bemühungen zielten besonders auf die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und trugen zur Verbesserung der Situation von trans* Personen in verschiedenen Ländern bei, z. B. durch Gesetzesänderungen, wie sie die internationale Kampagne STP ,Stop Trans Pathologization‘ herbeiführte.

Zehn Jahre später, 2017, ist das Bild widersprüchlich. Einerseits ist Studien von The Human Rights Campaign Foundation und Trans People of Color Coalition zufolge die Zahl der registrierten Morde an trans* Personen die höchste aller Zeiten. Andererseits war in diesem Jahr die World Pride in Madrid dem trans* Kollektiv gewidmet, was ein Zeichen für die Anerkennung und Unterstützung innerhalb der LGTBIQ*-Bewegung ist.

Was die Sichtbarkeit von trans* Personen in den Medien angeht, was in der LGBTIQ*- Bewegung nahezu einstimmig als unabdingbarer Voraussetzung zur gesellschaftlichen Normalisierung von Minderheiten betrachtet wird, ist in den letzten Jahren ein Höhepunkt zu konstatieren. Das GLAAD-Media Institute, – Gay and Lesbian Alliance Against Defamation – begrüßte 2016 die zunehmende Präsenz von trans* Figuren aus verschiedenen identitären Intersektionen in Crenshaws Sinne in Serien (vgl. Loughrey 2016). Sophia Burset in Orange is the New Black oder die Protagonistin der Serie Transparent, Maura, sind gute Beispiele. Allerdings kritisiert GLAAD die einseitige und/oder oberflächliche Darstellung, die die Pathologisierung und/oder Stigmatisierung des Kollektivs reproduziere (vgl. Respers France 2017).

Auch in den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Popularisierung der Serien sowohl im Fernsehen als auch auf international verfügbaren Online-Streaming Plattformen, wie z. B Netflix, Amazon Prime und Hulu, festzustellen, sodass die Rede von einer Art Golden Age von Serien ist (vgl. Smith 2018: 72; de Gorgot 2014). Die Zuschauerquoten von Serien steigen ständig, was auch ihre zunehmende gesellschaftliche, akademische und wissenschaftliche Anerkennung bedingt. Das renommierte Filmfestival von Cannes beispielsweise hat eine separate Sektion für Serien eingerichtet, was diesen Anerkennungsprozess spiegelt (vgl. Muñoz Fernández 2016: 69).

Wie diese Beispiele zeigen, ist eine vergleichende Annäherung seitens der Medienwissenschaften methodisch sinnvoll und gesellschaftlich relevant. Dem Verständnis folgend, dass Serien Gesellschaftsmodelle anbieten und gewissermaßen befördern, zielt unsere Tagung darauf ab, die multisemiotischen Darstellungen (vgl. Kress 2010) von trans* Personen in den letzten Jahrzehnten in Serien zu untersuchen. Spezifischer geht sie der Hypothese nach, dass die Popularisierung von trans* Personen in kommerziellen Serien den „good-Trans*“ herstellt und dadurch die von Ihnen potenziell verkörperte Transgression verschleiert. Ferner setzt sich diese Tagung als Ziel, zu erläutern, durch welche - gerade medialen - Mittel dies stattfindet.

Die englischsprachige Tagung findet vom 30. bis 31. Januar 2020 im Margarete-Bieber-Saal der JLU Gießen statt.

Kontakt: Dr. Danae Gallo González

 

 

 

Emotionalisierung in den Medien: Fachgruppentagung der DGPuK am ZMI im Februar 2020

Die Fachgruppe „Mediensprache – Mediendiskurse“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft richtet im Februar 2020 (14.-15.) ihre jährliche Fachgruppentagung am ZMI in Gießen aus. Organisiert von Prof. Katrin Lehnen, Dr. Jutta Hergenhan und Prof. Dorothée de Nève setzt sich die Tagung mit der Emotionalisierung in den Medien auseinander, die zuletzt v.a. unter Aspekten extremer Tendenzen (Hatespeech, Morddrohungen) diskutiert worden ist. Der Call for Papers wird in Kürze auf der Website des ZMI veröffentlicht.

 

 

 

 

ZMI-Videos

Drei Fragen an Heiner Goebbels

Auf dem YouTube-Kanal des ZMI ist ab sofort ein neuer Beitrag in unserer Interview-Reihe Drei Fragen an... zu finden. In diesem Interview spricht Prof. Heiner Goebbels, Inhaber der am ZMI angesiedelten Georg Büchner-Professur, im Frankfurt LAB darüber, was es in der künstlerischen Forschung zu entdecken gibt, wenn die Medien miteinander kommunizieren, statt wir durch und mit ihnen, und woher seine Faszination des intermedialen Zusammenspiels, die all seine Arbeiten kennzeichnen, herrührt. Dabei macht er auch auf die Einmaligkeit des Intervieworts, dem Frankfurt LAB, für die Lehre in Deutschland aufmerksam und gleichsam auf das Innovationspotential der JLU.

Heiner Goebbels ist emeritierter Professor für Künstlerische Praxis am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft und Inhaber der Georg Büchner-Professur. Zu seinen künstlerischen Arbeitsschwerpunkten zählen Klang- und Videoinstallationen, Kompositionen für Ensembles und Orchester sowie eigene Musiktheaterarbeiten. Seine langjährige Arbeit am Institut der JLU, viele Veröffentlichungen und zahllose internationale Vorträge dokumentieren sein Engagement für die Verbesserungen der Ausbildungsbedingungen in den zeitgenössischen darstellenden Künsten. Eine Auswahl seiner Aktivitäten finden Sie auch in unserem Newsletter in der Rubrik Neues aus der Georg Büchner-Professur.

Zum Interview mit Heiner Goebbels gelangen Sie hier.

 

 

 

Europa vor der Wahl – Videomitschnitt der Podiumsdiskussion jetzt auf YouTube

Mit der Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 stand die EU und damit auch Europa vor einem Scheideweg. Vor dem Hintergrund der besonderen Relevanz dieser Wahl, aktuellen Tendenzen der Desintegration innerhalb der EU und eines in Teilen durch Fake-News gestützten anti-europäischen Populismus bestandenen große Informations-, aber mitunter auch Diskussionsbedarfe im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament. Die Podiumsveranstaltung Europa vor der Wahl, die am 13. Mai 2019 an der JLU stattfand, lud zur Debatte ein.

Als ReferentInnen nahmen teil: Tanja Binder M.A. (Berlin), Steffen Fritzsche M.A. (Pulse of Europe, Frankfurt a. M.), Julia Klein M.A. (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) und Prof. Claus Leggewie (JLU/ZMI). Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Verena Schäfer-Nerlich (Projektkoordinatorin des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen, JLU/ZMI).

Auf unserem YouTube-Kanal ist ein Videomitschnitt der Veranstaltung verfügbar:

 

 

 

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Educational Linguistics-Vortragsreihe im Sommersemester

Im Rahmen des Forschungsverbundes Educational Linguistics fanden im Sommersemester 2019 drei Vorträge statt.

Am 18. Juni 2019 sprach Prof. Jürgen Kurtz zum Thema Fremdsprachenlernen im digitalen Wandel: Augmentierte Bildungsmedien als adaptive Assistenzsysteme. Mit dem Vortrag von Jürgen Kurtz schloss die Veranstaltungsreihe im Sommersemester. Es ging darum, wie das Englischlehrwerk der Zukunft bzw. die Zukunft der Lehrwerkverwendung im schulischen Englischunterricht (und darüber hinaus) aussehen könnte.

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Prof. Jürgen Kurtz ging im dritten und letzten Vortrag der Educational Linguistics-Vortragsreihe im Sommersemester auf das Fremdsprachenlernen im Digitalen Wandel ein. Foto: Selmin Hayircil
Der Vortrag von Prof. Gabriele Budach zum Thema Moving objects: Digitale Inszenierung als Methode des sprach- und kulturübergreifenden Lernens fand am 28. Mai 2019 statt. Gabriele Budach stellte ein Projekt über einen pädagogischen Zugang vor, bei dem Studierende mithilfe eines Tablets und einer iStop-Motion-App persönliche Objekte animieren und kurze Filme herstellen. Es wurde präsentiert, wie sprachliches und kulturelles Lernen durch das Experimentieren mit Materialität, Fokus, Rhythmus und Bewegung ermöglich werden kann.

Am 7. Mai 2019 hielt Prof. Camilla Badstübner-Kizik einen Vortrag zum Thema Linguistic Landscape – mediale didaktische Ressource vor Ort?. In ihrem Vortrag ging Camilla Badstübner-Kizik auf das Potenzial von Sprache-Bild-Texten im öffentlichen Raum in Hinblick auf Multimodalität und Mehrsprachigkeit ein. Eine Menge von Beispielen aus dem Gießener Raum und vielen Teilen der Welt diente als Grundlage für die Diskussion über die Möglichkeiten von Linguistic Landscapes-Ressourcen für (fremd-)sprachliches und kulturaufmerksames Lernen in und außerhalb des Klassen- bzw. Kursraumes.

Die Vorträge fanden jeweils dienstags, um 18:15 Uhr im Seminargebäude Philosophikum, Raum 202 (Alter Steinbacher Weg 44) statt.

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Prof. Dietmar Rösler (links) begrüßte am 7. Mai die Referentin Prof. Camilla Badstübner-Kizik in der Educational Linguistics-Vortragsreihe. Foto: Selmin Haiyrcil
 

 

 

 

Workshop zum Thema Sprachlich-kommunikative Praktiken im Umfeld von Kunstinstitutionen. Multimodale und -mediale Perspektiven auf öffentliche Kommunikation

Sprachlich_Kommunikative_Praktiken_Poster_kleinNach zwei Veranstaltungen im Rahmen der LBM-Workshopreihe Wissens- und Bildungsmedien (Zeitschriften als Wissens- und Bildungsmedien und Lehrbücher als Wissens- und Bildungsmedien) ging es diesmal um Kunstkommunikation. Der Workshop mit dem Titel Sprachlich-kommunikative Praktiken im Umfeld von Kunstinstitutionen. Multimodale und -mediale Perspektiven auf öffentliche Kommunikation, organisiert von Dr. Tanja Škerlavaj (JLU Gießen) und Paul Reszke M.A. (Uni Kassel), fand am 12. April 2019 im Seminargebäude 2 im Alten Steinbacher Weg 44 statt.

Tanja Škerlavaj eröffnete den Workshop mit einem Vortrag über Funktionen und die multimodale Machart von Texten und Kommunikationsangeboten in der Außenkommunikation von Theatern. Anschließend gingen Maximilian Krug M.A. (Universität Duisburg Essen) und Anna Wessel M.A. (MLU Halle-Wittenberg) in ihrem Vortrag Praktiken des Wiederholens in Theaterproben der Frage nach, wie, wann, was und mit welcher kommunikativen Funktion Teilnehmende in Theaterproben wiederholen.

Der zweite Teil des Workshops wurde von Prof. Stephan Habscheid (Universität Siegen) eingeleitet. Er sprach zum Thema Konversation in Pausengesprächen im Theater. Christine Hrncal M.A. (Universität Siegen) erweitert die Perspektive um Bewertungsinteraktionen in Pausengesprächen im Theater. Mit einem ähnlichen Thema, allerdings nicht im Bereich der prozessual-performativen, sondern der bildenden Kunst, setzte sich Sandra Winiger M.A. in ihrem Vortrag Konfigurationen der Bezugnahme auf Installationskunst auseinander.

In der dritten und letzten Session des Workshops ging es um die documenta: Prof. Andreas Gardt (Universität Kassel) referierte zu dem Kasseler documenta Institut in der Gründung und Paul Reszke (Universität Kassel) schloss den Workshop mit dem Vortrag 5 Jahre Sprachmaterial, 100 Tage Ausstellung, 1 Million Gäste – Inwieweit ist eine documenta linguistisch erforschbar?

Das Booklet of Abstracts mit dem vollständigen Programm steht hier zum Download bereit.

 

 

 

Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Schule

Seitdem der Bund angekündigt hat, im Rahmen des sogenannten Digitalpakts fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung der Schulen zu investieren, fragen sich viele, wie genau mit den Geldern verfahren werden soll, damit die SchülerInnen „fit für die Zukunft“ gemacht werden. Sollen die Schulbücher abgeschafft werden? Sollen Hausaufgaben und Klausuren künftig am Computer bearbeitet werden? Sollen historische ZeitzeugInnen per Hologramm im Klassenzimmer erscheinen? Ein solcher Wandel verlangt vor allem den Lehrkräften einiges ab. Sie müssen entscheiden, welchen Mehrwert die Digitalisierung in Form von Apps etc. mit sich bringt und stehen dann vor der Herausforderung, sich mit der Technik vertraut zu machen – und das alles parallel zu den alltäglichen Aufgaben.

Unter dem Titel Digitale Schule – Bildung per Doppelklick? fand am 27. Mai 2019 im Margarete-Bieber-Saal der JLU eine Podiumsdiskussion zu dem Thema statt. Eltern, SchülerInnen, Lehrkräfte und Bildungsinteressierte jeglichen Alters waren herzlich eingeladen; der Eintritt war frei. Devise: mitdiskutieren und mitmission!

Auf dem Podium diskutierten Dr. Nicole Graulich (Didaktik der Chemie, JLU), Ina Daßbach M.A. (Koordinatorin des Forschungsschwerpunkts Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft am ZMI), Prof. Jürgen Kurtz (Englischdidaktik, JLU), Kai-Oliver Graf (Gymnasiallehrer Chemie/Bio), Roland Mevißen (Gesamtschullehrer Arbeitslehre/Chemie sowie Lehrbeauftragter Didaktik der Arbeitslehre, JLU). Dr. Leo Will (mitmission e.V.; Englischdidaktik, JLU) moderierte die Diskussion.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe Parole Bildung des Vereins mitmission e.V. statt. Hier finden Sie einen Bericht des Gießener Anzeiger.

Digitale Schule
Ina Daßbach, Kai-Oliver Graf, Dr. Nicole Graulich, Roland Mevißen, Prof. Jürgen Kurtz und Dr. Leo Will (v.l.n.r.).
 

 

 

 

Digital Media Methods – Crash-Kurs-Reihe für EinsteigerInnen

Digital Media MethodsAm 15. Mai sowie am 5. Juni 2019 fanden die ersten Workshops der Crash-Kurs-Reihe Digital Media Methods statt. In der für EinsteigerInnen konzipierten Reihe wurden den Teilnehmenden praktische Einblicke in die softwaregestützte Erhebung, Auswertung und Visualisierung von Online-Daten gegeben. Organisiert wird die Reihe von der Professur für Mediensoziologie (Prof Nicole Zillien, ZMI-Sektion Macht – Medium – Gesellschaft) und der Professur für Methoden der international vergleichenden Sozialforschung (Prof. Elmar Schlüter).

Prof. Christian Stegbauer machte am 15. Mai 2019 mit dem Crash-Kurs Angewandte Soziale Netzwerkanalyse mit UCINET und Netdraw den Aufschlag. Christian Stegbauer ist Professor für Netzwerkforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seine aktuellen Studien untersuchen beispielsweise mithilfe netzwerkanalytischer Verfahren, wodurch das Phänomen eines „Shitstorms“ entsteht. Im vierstündigen Crash-Kurs wurde den Teilnehmenden eine praktische Einführung in die Analyse sozialer Netzwerke gegeben. Sowohl das UCINET als auch die Software zur Visualisierung von Netzwerkdaten Netdraw wurden in ihren Grundzügen erläutert und im Rahmen des Kurses ausprobiert, wozu ein Beispieldatensatz einer aktuellen Facebook-Diskussion zur Verfügung gestellt wurde.

Prof. Christian Nuernbergk setzte die Reihe am 5. Juni 2019 mit dem Crash-Kurs Social Media Analyse mit NodeXL und Gephi fort. Christian Nuernbergk ist Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Trier. Er untersucht beispielsweise die Kommunikation- und Interaktionsstruktur von politischen und journalistischen AkteurInnen auf dem Microblogging-Dienst Twitter. So gab der Kurs auch einen praktischen Einstieg in die Analyse von Social-Media-Daten am Beispiel von Twitter-Analysen. Hierzu wurde sowohl das Programm NodeXL als auch die Visualisierungssoftware Gephi in ihren Grundzügen erläutert und im Rahmen des Kurses ausprobiert. An den Arbeitsstationen konnten die Teilnehmenden mithilfe des erarbeiteten Datensatzes dann Interaktionsnetzwerke visualisieren und mit eigenen Fragestellungen weiteruntersuchen.

 

 

 

Vortrag von Dinah Kristin Leschzyk: Die Rolle des Internets bei globalen feministischen Bewegungen – Schwerpunkt Südamerika

Am 13. Juni 2019 hielt Dr. Dinah Kristin Leschzyk (ZMI-Sektion Medien und Gender), in der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz (Mainz), einen Vortrag zu Die Rolle des Internets bei globalen feministischen Bewegungen – Schwerpunkt Südamerika. Hierzu eingeladen hatten das Frauenzentrum Mainz e. V. und die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz. In ihrem Vortrag gab Dinah Leschzyk einen Überblick, wie feministische Bewegungen in Lateinamerika soziale Medien nutzen. Dabei ging sie auf die Vorreiterrolle der AktivistInnen aus Argentinien ein, die unter dem Motto #NiUnaMenos bereits 2015 hunderttausende Menschen auf die Straße gebracht haben, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. Thematisiert wurde im Folgenden der lateinamerikaweite Ruck nach rechts der letzten Jahre, der den Kampf um Gleichstellung erschwert. Weiterhin wurden die besonders drastischen Entwicklungen in Brasilien erläutert, das derzeit von einem Präsidenten regiert wird, der misogyne, LGBTIQ*-feindliche und rassistische Äußerungen im politischen Alltag zu etablieren versucht.

Foto Vortrag Mainz
Dr. Dinah Kristin Leschzyk während des Vortrags in Mainz.
 

                                                                

 

 

Vortrag Richtig gendern mit den Duden-Autorinnen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer

Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2017 sorgt der Dudenband Richtig gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben für hitzige Diskussionen rund um den geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Am 6. Juni 2019 bot sich Interessierten die Gelegenheit, mit den Autorinnen des Ratgebers, Prof. Gabriele Diewald und Dr. Anja Steinhauer, ins Gespräch zu kommen.

In Form eines Werkstattberichtes erläuterten die Autorinnen die Hintergründe der Entstehungsgeschichte sowie Inhalte des Nachschlagewerkes. Was waren Anreize und Überlegungen, die die Veröffentlichung angeregt haben? Welche Inhalte wurden aufgenommen und welche nicht? In Ihrem Vortrag berichteten die Wissenschaftlerinnen auch über die Reaktionen und Rezensionen nach der Veröffentlichung des Dudenbandes.

Im Anschluss an den gut besuchten Vortrag bot sich den Anwesenden die Möglichkeit zum Austausch mit den Verfasserinnen. In der Gesprächsrunde spiegelte sich die Diversität des Publikums wider. Anwesend waren neben Studierenden, SprachwissenschaftlerInnen und anwendungsorientierten Interessierten auch die Gleichstellungsbeauftragten der JLU und der Sparkasse Gießen. Moderiert von Dr. Jutta Hergenhan, der wissenschaftlichen Geschäftsführerin des ZMI und Sprecherin der Sektion Medien und Gender, wurde unter anderem die praktische Anwendung des Ratgebers im alltäglichen Sprachgebrauch diskutiert. Auch Rückschritte im geschlechtergerechten Sprachgebrauch wurden thematisiert: In Stellenausschreibungen wird zwar inzwischen das dritte Geschlecht durch das Kürzel „(m/w/d)“ – „d“ für „divers“ – berücksichtigt. Die Berufsbezeichnung selbst wird jedoch vermehrt wieder im Maskulinum formuliert statt in der üblich gewordenen Doppelnennung im Femininum und Maskulinum.

Richtig gendern
Dr. Jutta Hergenhan, Dr. Anja Steinhauer und Prof. Gabriele Diewald (v.l.).
Die Veranstaltung wurde vom hessenweiten Netzwerk Gender in der Lehre in Kooperation mit dem ZMI organisiert. Der Eintritt war frei.

 

 

 

Wer nicht lesen will, kann hören. Eine kritische Reflexion des Podcast-Hypes am Beispiel von „Was geschah am 9. November?“

Vortrag von Clemens Tangerding in der Reihe Stimmen aus der Praxis

Podcasts sind in Mode. Bei den allermeisten handelt es sich um nichts anderes als Radiosendungen, die online gestellt werden. Daneben werden aber auch Interviews oder Selbstgespräche, die von den Podcastern oft unbearbeitet veröffentlicht werden, so bezeichnet. Podcasts sind also keine neue Gattung, sondern nur ein neuer Name für ein Sammelsurium an Hörbeiträgen. Warum sind sie dennoch so erfolgreich? Liegt es daran, dass uns Hören weniger anstrengt als Lesen? Vertrauen wir dem Gesagten mehr als dem Geschriebenen? Sind gesprochene Inhalte verständlicher als geschriebene? Am Beispiel von seinem eigenen dreiteiligen Podcast Was geschah am 9. November? reflektierte Dr. Clemens Tangerding (Journalist und Historiker) am 13. Juni 2019 im Phil. I der JLU im Rahmen der Reihe Stimmen aus der Praxis kritisch den derzeitigen Podcast-Hype.

 

 

 

Stimmen aus der Praxis: „Die Reportage – Zwischen Nähe und Distanz“

Lena Niethammer hat Geschichte studiert, ist jetzt 29 Jahre alt und arbeitet sehr erfolgreich als freie Journalistin in Berlin. Sie schreibt vor allem Langzeitreportagen und Porträts u.a. für das Süddeutsche Zeitung Magazin, den Spiegel, für Reportagen, Die Zeit und den Tagesspiegel. Ihre Reportagen sind eindringlich und gehen einem nach der Lektüre noch lange durch den Kopf. Das liegt sowohl an der persönlichen Beziehung, die Lena Niethammer zu ihren ProtagonistInnen offenkundig entwickelt, als auch an der gelungenen Dramaturgie ihrer Reportagen. Sie wurde bereits mit dem Axel Springer Preis und dem Georg Schreiber Preis ausgezeichnet und mehrfach für den Deutschen Reporterpreis nominiert.

In der Reihe Stimmen aus der Praxis konnten Interessierte am 9. Mai 2019, im Philosophikum I der JLU, am Beispiel zweier ihrer Texte mit Lena Niethammer über ihre Arbeit sprechen. Sieht mich jemand? ist das Porträt eines 45-Jährigen, der per Kleinanzeige unter dem Titel „Gottverdammte Einsamkeit“ nach einem einzigen Menschen suchte, der mit ihm in den Zoo ging. Mehr sei hier nicht verraten. Lesen Sie lieber selbst. 

Die Reportage Täter und Opfer handelt von sexuellem Missbrauch in einer Familie, dem Zerbrechen der Familie und dem Versuch zu verzeihen. Lena Niethammer hat dazu Antworten aus ihren langen Einzelinterviews mit der Tochter, dem Vater und der Mutter zu einem Gespräch komponiert, das die drei miteinander nie geführt hatten.

Hier finden Sie weitere Reportagen von Lena Niethammer.

 

 

 

Linie 41–Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Protagonisten und Regisseurin im Kinocenter Giessen

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Jens-Jürgen Ventzki, Tanja Cummings und Prof. Ulrike Weckel (v.l.). Foto: Anna-Lena Geis
Gemeinsam mit der Osteuropäischen Geschichte, der Zeitgeschichte, dem ZMI und der Arbeitsstelle Holocaustliteratur wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe Stimmen aus der Praxis am 28. Mai 2019 der Dokumentarfilm Linie 41 von Tanja Cummings im Kinocenter Gießen gezeigt. Cummings begleitet darin Natan Grossmann, ein Überlebender des Ghettos Łódź sowie Jens-Jürgen Ventzki, Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters von Łódź, auf dem Weg zurück in die Stadt auf der Suche nach ihrer Vergangenheit. Im Anschluss daran standen die Regisseurin und Jens-Jürgen Ventzki für ein Filmgespräch bereit, das von Prof. Ulrike Weckelmoderiert wurde. Im Vordergrund stand hier vor allem die Frage, wie Ventzki damit umgeht, dass sein Vater NS-Täter gewesen war. Er selbst habe die Bilanz gezogen, zwei Väter gehabt zu haben: „das Monster und meinen liebenden Vater, der mit mir Karten gespielt hat“.

Weitere Informationen zum Dokumentarfilm Linie 41 finden Sie hier.

 

 

 

Marian Petraitis über Formen digitaler Dokumentationen

Im Oberseminar von Prof. Katharina Stornig, Prof. Ulrike Weckel (beide ZMI-Sektion Medien und Geschichte) und Prof. Hannah Ahlheim zur Neueren und Neuesten Geschichte berichtete Marian Petraitis (Zürich) über den Wandel der RezipientInnen dokumentarischer Medien von bloßen ZuschauerInnen hin zum aktiven Mitgestalten der Formate.

Formen digitaler DokumentationMit dem Aufkommen neuer dokumentarischer Formen im Digitalen ist der Betrachter mit einer scheinbar unendlichen Menge an Bewegtbildern konfrontiert. Obwohl dem Medium Film nahe, stellen neuere dokumentarische Projekte durch ihre Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten zudem klassische Epistemologien in Frage. Dabei fordern sie die ZuschauerInnen als UserInnen auf, eigenes dokumentarisches Bildmaterial beizusteuern oder bereits gesammeltes Material online zu bearbeiten, somit aktiv in den Entstehungsprozess einzugreifen. Auffallend häufig geht der Akt kollektiver Bilderproduktion mit dem Versprechen einher, einen alternativen Zugang zu Geschichte(n) zu eröffnen. Der Vortrag stellte zwei Gruppen neuer dokumentarischer Formen im Digitalen vor und fragte nach deren Potenzial, als Gegenstand für eine Geschichtsschreibung fungieren zu können.

Der Vortrag von Marian Petraitis (Zürich) fand am 19. Juni 2019 im Phil. I der JLU statt.

 

 

 

Delegation der Nottingham University zu Besuch im ZMI

Nottingham
Prof. Katrin Lehnen, Prof. Katharina Lorenz, Dr. Erin Snyder, Dr. Ben Bedwell (v.l.n.r.).
Ob in der Forschung, Lehre, oder Administration – Digitalisierung spielt im universitären Alltag eine zentrale Rolle. Im Rahmen der aktuellen Digitalisierungsbestrebungen der JLU fand am 16. Mai 2019 im ZMI ein Treffen mit einer Delegation der Nottingham University statt. Zu Besuch waren Dr. Erin Snyder, Direktorin des Digital Humanities Centre (DHC), sowie Dr. Ben Bedwell, Digital Research Specialist der naturwissenschaftlichen Fakultät. In der ZMI-Wissenschaftslounge begrüßten gemeinsam mit Prof. Katharina Lorenz, Mitglied der ZMI-Sektion Kunst und Medien und Vorgängerin von Dr. Snyder am DHC, die geschäftsführende Direktorin Prof. Katrin Lehnen, die wissenschaftliche Geschäftsführerin Dr. Jutta Hergenhan, sowie die Koordinatorin der ZMI-Öffentlichkeitsarbeit Rahel Schmitz die Delegation. In einem angeregten Gespräch tauschten die WissenschaftlerInnen sich über die Digitalisierungsstrategien der zwei Universitäten aus.

In ihrem Vortrag Digital Humanities at Nottingham University and Beyond: Uses in Research, Teaching, and Consultancy berichteten Dr. Snyder und Dr. Bedwell detailliert über die Entwicklungen in den sogenannten Digital Humanities (deutsch: Digitale Geisteswissenschaften). Die Veranstaltung wurde von Prof. Lorenz im Rahmen des Arbeitskreises Digitale Geistes- und Sozialwissenschaften organisiert und durch das Living Lab für Digitale Kulturpraktiken unterstützt. Der Vortrag fand am 16. Mai im Phil I der JLU statt.

 

 

 

Delegation der Macquarie University zu Besuch im ZMI

Am 5. Juni 2019 fand ein Treffen mit einer Delegation der Macquarie University (Sydney) in der Lounge des ZMI statt.

Macquire University
Dr. Jutta Hergenhan, Kate Roth, Prof. Sakkie Pretorius, Prof. Katrin Lehnen, Dr. Sabrina Lundström (v.l.n.r.).
Die Macquarie University in Sydney, Australien, ist eine der wichtigsten Partneruniversitäten der Justus-Liebig-Universität und spielt in der Internationalisierungsstrategie der JLU eine zentrale Rolle. Insbesondere die Zusammenarbeit der Universitäten in den Geistes- und Kulturwissenschaften konnte in den letzten Jahren vertieft werden: 2019 wird das zwanzigjährige Jubiläum der Kooperation gefeiert.

Zu diesem Anlass begrüßten am 5. Juni 2019 die geschäftsführende Direktorin des ZMI Prof. Katrin Lehnen, die wissenschaftliche Geschäftsführerin Dr. Jutta Hergenhan und die Koordinatorin der Öffentlichkeitsarbeit Rahel Schmitz eine Delegation der Macquarie University. Das Treffen mit Prof. Sakkie Pretorius, Deputy Vice Chancellor of Research, und Kate Roth, Deputy Director für Higher Degree Research Partnerships, fand gemeinsam mit Dr. Sabrina Lundström, Mitarbeiterin des Akademischen Auslandsamts, in der Lounge des ZMI statt.

Bei dem Treffen stellte Prof. Lehnen das Forschungsprofil und die Arbeitsschwerpunkte des ZMI vor. Dabei stellten sich viele verschiedene Anknüpfungspunkte an die aktuellen Projekte und Initiativen der Macquarie University heraus. Im September wird Prof. Lehnen die Zusammenarbeit intensivieren und ihrerseits der Universität in Sydney einen Besuch abstatten.

 

 

 

Treffen mit Ndivhoniswani Aaron Tshidzumba der North-West University aus Südafrika

Besuch des Medienkommunkationswissenschaftlers Dr. Ndivhoniswani Aaron Tshidzumba der North-West University (Südafrika) im ZMI

Besuch Südafrika
Dr. Jutta Hergenhan, Dr. Ndivhoniswani Aaron Tshidzumba, Prof. Katrin Lehnen (v.l.n.r.).
Im Rahmen der International Networking Week, die jährlich vom Akademischen Auslandsamt ausgerichtet wird, begrüßte das ZMI am 18. Juni 2019 Dr. Ndivhoniswani Aaron Tshidzumba von der North-West University in Südafrika. Dr. Tsidzumba ist Senior Lecturer für Broadcast Journalism sowie Vize-Dekan für Internationales an der Fakultät für Humanities. Er war gemeinsam mit 26 weiteren internationalen KollegInnen von Partneruniversitäten in Gießen zu Gast. Dabei ging es insbesondere darum, wie der Austausch von sowohl Studierenden als auch WissenschaftlerInnen zwischen den Universitäten gestärkt werden kann.

In diesem Zusammenhang äußerte Dr. Tshidzumba großes Interesse an den Projekten des ZMI. In seiner eigenen Arbeit legt er großen Wert darauf, Theorie mit Praxis zu verbinden: Er forscht nicht nur zu Medienkommunikation und Rundfunk, sondern wirkt unter anderem auch aktiv in zwei Campus-Radios sowie einer kommunalen Radiostation mit. Das Interesse an den jeweiligen Schwerpunkten in der Medienforschung bildete den Kern des Treffens mit Prof. Katrin Lehnen, der geschäftsführenden Direktorin, und Dr. Jutta Hergenhan, der wissenschaftlichen Geschäftsführerin des ZMI.

 

 

 

JLU kooperiert mit Universitäten in Tokio und Seoul

LOGO_Tokyo_Soeul_GiessenDie Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI, Prof. Dorothée de Nève, die Projektkoordinatorin des Forschungsverbundes Antidemokratische Haltungen, Dr. Verena Schäfer-Nerlich und Dr. Johannes Diesing, Mitglied der ZMI-Sektion Macht – Medium – Gesellschaft, haben erfolgreich das Projekt Trilaterale Partnerschaft Gießen-Tokio-Seoul eingeworben.

Dieses ist am Institut für Politikwissenschaft verortet und zunächst auf eine Laufzeit von zwei Jahren ausgerichtet. Im Rahmen des Projekts sollen unter Anderem Forschungsaufenthalte von NachwuchswissenschaftlerInnen und Hochschullehrenden gefördert werden. Darüber hinaus sind gemeinsame Forschungskolloquien und Blockseminare an allen drei Standorten (JLU Gießen, Chung-Ang Universität Seoul, Universität Tokio) geplant.

Dem Projekt vorausgegangen waren ein Kooperationsvertrag des ZMI mit der Universität Tokio, von Mai 2016, sowie ein Memorandum of Understanding zwischen Der Chung-Ang Universität Seoul und dem ZMI, sowie dem Institut für Politikwissenschaft der JLU im Sommer 2018.

Im uniforum 2/2019 ist auf Seite vier ein Artikel über das Projekt erschienen.

 

 

 

 

In den Medien

Dorothée de Nève in der Neue Züricher Zeitung am Sonntag über Machos in der Politik und bei Deutschlandfunk Nova über Kühnerts Kapitalismuskritik

Dorothée de Nève
Prof. Dorothée de Nève
Am 8. Juni berichtete Silke Mertins für die Neue Züricher Zeitung am Sonntag unter dem Titel Die deutsche Linke und ihre Machos dulden keine Frauen an der Spitzeüber den Rücktritt Andrea Nahles' von allen politischen Ämtern. Im Zuge dessen warf Mertins die Frage auf, ob speziell den politisch links orientierten Parteien ein Macho-Problem zu attestieren sei. Dass sich mit Nahles die erste Frau an der Spitze der SPD nach lediglich dreizehn Monaten gezwungen sehe die Parteiführung abzugeben, weise deutlich darauf hin.

Besonders auffällig sei dabei die Art und Weise, wie mit Nahles als Parteichefin umgegangen wurde. Sie habe sich Kritik ausgesetzt gesehen, die bei einem Mann in ihrer Position nicht aufgekommen wäre. Dabei prädestinierten die in Nahles vereinten Eigenschaften – das Vertreten linker Positionen, ein pragmatischer Umgang mit politischen Partnern und die Fähigkeit zur Moderation zwischen verschiedenen Strömungen in ihrer Partei – sie geradezu für das Amt der Parteivorsitzenden, so Prof. Dorothée de Nève. „Das Problem heißt nicht Nahles. Das Problem ist die Krise der Sozialdemokratie.“

Mertins zufolge sei der Verlauf von Nahles' Parteivorsitz beispielhaft für die Beteiligung von Frauen in politischen Ämtern. Häufig dürften sie erst dann Verantwortung übernehmen, wenn die Partei bereits in einer Krise stecke und daher ein besonders hohes Risiko bestehe, zu scheitern. Als weiteres Beispiel für ein solches Verhalten führt Mertins Angela Merkel an, die die Führung der CDU ebenfalls in einer Krisensituation übernommen habe. Im Fall Merkel sei ihr Führungsanspruch allerdings nicht grundsätzlich infrage gestellt worden. Dorothée de Nève gab jedoch zu bedenken, dass „die Tatsache, dass die CDU teilweise Spitzenpositionen mit Frauen besetzt hat, [...] nicht darüber hinwegtäuschen [sollte], dass auch bei der Union Frauen unterrepräsentiert sind“.

Der vollständige Artikel der NZZaS ist hier zu finden.

Dorothée de Nève bei Deutschlandfunk Nova über Kühnerts Kapitalismuskritik

Im Rahmen der Kontroverse um die kapitalismuskritischen Aussagen des Juso-Chefs Kevin Kühnert ist bei Deutschlandfunk Nova ein Beitrag erschienen, der exemplarisch die Geschichte der Jungsozialisten und einige Aussagen früherer Vorsitzender beleuchtet. In diesem Beitrag kommt auch Dorothée de Nève zu Wort und thematisiert Provokation und Herausforderung als politisches Mittel parteilicher Jugendorganisationen.

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier.

 

 

 

Ausführliches Feature zum Roman Stella von Takis Würger – u.a. mit Sascha Feuchert – im Deutschlandfunk Kultur als Podcast verfügbar

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Prof. Sascha Feuchert. Foto: Piotr Banczerowski
Der Roman Stellavon Takis Würger um die historische Figur der Stella Goldschlag hat seit seinem Erscheinen im Januar 2019 im deutschen Feuilleton und in der öffentlichen Diskussion für große kontroverse Debatten gesorgt. Einerseits zum literarischen Großereignis stilisiert, ist der Roman andererseits heftig kritisiert worden und unter anderem als „Ärgernis“, „Beleidigung“, „Romanfake“ und „Holocaust-Kitsch“ bezeichnet worden.

In einem großen Feature widmete sich nun Ralph Gerstenberg im Deutschlandfunk Kultur umfassend und differenziert dem Roman und der Debatte über ihn. Neben Takis Würger sind unter anderem auch Prof. Sascha Feuchert (Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, Professor für Neuere deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik, ZMI-Sektion Medien und Geschichte), Peter Wyden (Autor des Sachbuchs Stella Goldschlag) und Sigrid Löffler (Literaturkritikerin, Publizistin) zu hören. 

Sascha Feuchert erläutert unter anderem, dass der Holocaust durchaus mitunter in der Literatur und im Film als „überdramatische Kulisse“ dient. Der Vorwurf, bei dem Roman Stella handele es sich um „Holo-Kitsch“, der deutsche Schuld relativiere, sei jedoch ungerechtfertigt. Vielmehr werde darin eine der Handlungsfallen thematisiert, die die Nationalsozialisten den Opfern aufgestellt haben. Wenn man etwa die Wirkung der Serie Holocaust von 1979 betrachte, ließe sich zudem feststellen, dass auch Erzählungen, die historische Fehler und „kitschige Momente“ enthielten, durchaus große gesellschaftliche Diskurse und aufklärende Debatten in Gang setzen könnten.

Den vollständigen Beitrag können Sie als Podcast hier hören. Das Manuskript zur Sendung finden Sie hier.

 

 

 

 

Neues aus den Seniorprofessuren

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Europawahl – Ein Streitgespräch

Dr. Udo Bullmann (SPD) und Prof. Sven Simon (CDU) haben in Gießen studiert, wurden an der JLU promoviert und sind der Region Mittelhessen nach wie vor eng verbunden. Damit traten gleich zwei Alumni der JLU am 26. Mai 2019 als jeweilige Spitzenkandidaten ihrer Parteien zur Europawahl an. Eine Gelegenheit, die JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee nicht ungenutzt verstreichen ließ: Er lud zu einem Streitgespräch der beiden Politiker ein, das von dem Politikwissenschaftler Prof. Claus Leggewie organisiert wurde. In der mit rund 250 ZuschauerInnen gut gefüllten Aula der JLU standen am 2. Mai 2019 neben parteipolitischen Positionierungen vor allem nachdenkliche Töne im Vordergrund.

Podiumsdiskussion Europawahl Leggewie
In der gut besuchten Aula der JLU diskutierten (v.l.) Dr. Udo Bullmann, Prof. Claus Leggewie und Prof. Sven Simon. Foto: JLU / Rolf K. Wegst
Große Sorgen bereitet gerade auf europäischer Ebene die zunehmende Wissenschaftsfeindlichkeit rechter und populistischer Gruppierungen: „Es ist schon ein Problem für unser freiheitliches Gesellschaftsmodell, dass wissenschaftliche Erkenntnisse offen geleugnet, ignoriert und abgelehnt werden“, sagte Prof. Simon. Diese negative Stimmung richte sich häufig auch gegen die Institutionen der EU, wie Dr. Bullmann anhand eines elitefeindlichen Werbespots der „Wahren Finnen“ deutlich machte.

Dabei sind die Fraktionen im Europäischen Parlament längst auch mit populistischen und autoritären Tendenzen in den eigenen Reihen konfrontiert. Während Simon die Vorwürfe gegen die rumänischen Sozialdemokraten zur Sprache brachte, warnte Bullmann vor einer „schleichenden Orbanisierung der europäischen Volksparteien. Mir ist angst um die Integrität der EVP“. Simon sprach sich dagegen klar dafür aus, auch solche Stimmen – etwa aus Österreich – in der EVP zu halten, um Abspaltungen zu verhindern.

Dies sind Auszüge aus einem ausführlichen Artikel von Lisa Dittrich zur Veranstaltung Wahl zum Europäischen Parlament 2019. Den vollständigen Bericht finden Sie auf Seite elf im uniforum.

 

 

 

Claus Leggewie zur Bedeutung des Ibiza-Videos für Deutschland

Die Tragweite des heimlich gedrehten Ibiza-Videos für Deutschland: Prof. Claus Leggewie in der Frankfurter Rundschau.

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Prof. Claus Leggewie. Foto: KWI
In einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau diskutiert Prof. Claus Leggewiedie Signifikanz des heimlich gedrehten Ibiza-Videos für Deutschland. Das Video dokumentiert die Bereitschaft des zurückgetretenen österreichischen Vize-Kanzlers und ehemaligen Parteivorsitzenden der FPÖ Heinz-Christian Strache sowie des ehemaligen FPÖ-Fraktionschefs Johann Gudenus zu Korruption, der Übernahme der Medien und illegaler Parteifinanzierung.

Besonders bedenklich sei dabei, dass es zwar nach Veröffentlichung der Aufnahmen Konsequenzen für die österreichische Regierungskoalition gegeben habe, ein echter „Ibiza-Effekt“ jedoch ausblieb. Strache trat vom Amt des Vizekanzlers zurück und gab ebenfalls den Posten als FPÖ-Parteiobmann ab; bei der Europawahl erhielt er dennoch mit 44.000 Vorzugsstimmen genug Stimmen, um in das Europaparlament einzuziehen, falls er auf das Mandat nicht verzichtet.

Leggewie zieht in seinem Artikel So sind wir nicht explizit den Vergleich zwischen der politischen Lage in Österreich und Deutschland:

„Die AfD hat ein ähnlich präpotentes und halbseidenes Personal, genauso schlecht geführte Bücher und sie stünde nicht minder an, sich den Staat zur Beute zu machen, sobald sie zum Beispiel in Sachsen einen Fuß in die Tür bekommt. Und genau wie die Freiheitlichen bekämpft sie die öffentlich-rechtlichen Medien und will sich den Verfassungsschutz gefügig machen.“

So sind wir nicht – das gilt es nun in Deutschland zu beweisen, so Leggewie. Ob das aber in Anbetracht der jüngsten Erfolge der AfD gelingen wird, erscheint fraglich.

 

 

 

Wie resilient ist das Grundgesetz? Ein Gedankenexperiment – Vortrag von Maximilian Steinbeis

In diesem Jahr wird das Deutsche Grundgesetz 70 Jahre alt. Zu diesem Anlass lud Prof. Claus Leggewie den Juristen, Schriftsteller und Journalisten Maximilian Steinbeis ein, um mit ihm gemeinsam über Wert und Beständigkeit des Grundgesetztes nachzudenken. Am 16. Mai 2019 hielt Steinbeis, der seit nunmehr zehn Jahren den Verfassungsblog betreibt und auf diesem Weg mit dem Grundgesetz arbeitet und darüber berichtet, im Margarete-Bieber-Saal seinen Vortrag Wie resilient ist das Grundgesetz? Ein Gedankenexperiment, an den sich eine Diskussion mit den ZuhörerInnen anschloss.

Um mögliche Probleme mit und Gefahren für das Grundgesetz aufzuzeigen, zog Steinbeis unter Anderem politische Vorgänge in Polen und der Ukraine als Beispiele heran, aus denen die deutsche Gesellschaft und Politik lernen müsse. Die Verfassung sei immer wieder darauf zu prüfen, ob und wie gut sie politische Abläufe schütze.

Auch mittelhessen.de berichtete.

 

 

 

Macron und der Brand von Notre-Dame: Claus Leggewie im NDR Journal-Gespräch 

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Prof. Claus Leggewie. Foto: JLU
Die Bilder des verheerenden Brands von Notre-Dame sind noch nicht aus der medialen Öffentlichkeit verschwunden, da ist zu beobachten, wie der Staatspräsident Frankreichs, Macron, im Unglück die Chance erkennt, seine scheiternde Strategie in der „Grand Débat“ noch zu retten. In NDR Kultur – Journal Gespräch, vom 17. April 2019, interviewte Ulrich Kühn Prof. Claus Leggewiezu Macrons Politik und zur Polarisierung der französischen Gesellschaft. 

 

 

 

Stellenausschreibung für eine studentische Hilfskraft bei Prof. Claus Leggewie

An der Ludwig Börne-Seniorprofessur ist zum 15. August 2019 die Stelle einer Studentischen Hilfskraft mit einem monatlichen Arbeitsumfang von 20 Stunden zu besetzen.

Aufgaben:

  • Thematische Recherchen und Literaturbeschaffung
  • Pflege der Website der Seniorprofessur
  • Unterstützung bei der Vorbereitung von Lehrveranstaltungen
  • Veranstaltungsorganisation und Öffentlichkeitsarbeit

 

Voraussetzungen:

  • Laufendes Studium, bevorzugt der Politik- oder Sozialwissenschaft
  • hohes Interesse an politischen, gesellschaftspolitischen und kulturwissenschaftlichen Themen
  • Geübter und kreativer Umgang mit der deutschen Sprache
  • Gute Englischkenntnisse, Französischkenntnisse von Vorteil
  • Sicherer Umgang mit Textverarbeitungssystemen und Präsentationstechniken
  • Erfahrung im Umgang mit Content Management-Systemen
  • Organisatorisches Geschick, selbstständige Arbeitsweise, Kommunikations- und Teamfähigkeit, soziale Kompetenz

 

Bewerbung:

Bitte senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung (inkl. tabellarischem Lebenslauf mit Angaben zum Studienverlauf und Studieninteressen, Zeugniskopien etc.) an das Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI), Dr. Jutta Hergenhan, Ludwigstraße 34, 35390 Gießen oder als ein PDF-Dokument an Jutta.Hergenhan@zmi.uni-giessen.de.

 

 

 

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Dietmar Rösler hält Eröffnungsvortrag auf dem japanischen Germanistentag

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Prof. Dietmar Rösler in Tokio. Foto: Marco Raindl
Unter dem Titel Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie lieber Ihren lokalen Didaktiker – globale Methoden und Prinzipien der Fremdsprachenvermittlung und die Vielfalt des Lehrens und Lernens vor Ort beschäftigte sich Prof. Dietmar Rösler am 8. Juni 2019 auf der Frühlingstagung der Japanischen Gesellschaft für Germanistik in Tokio mit der Frage, wie sich als universal verstehende Konzepte des Fremdsprachenlernens und Lerntraditionen konkreter Regionen in der Aus- und Fortbildung von Deutschlehrkräften in einen produktiven Dialog gebracht werden können.

Nach einem kritischen Blick auf die Diskussion globaler Methoden der Fremdsprachenvermittlung im 20. Jahrhundert stand vor allem die Frage im Vordergrund, welche Auswirkungen die zunehmende Medialisierung des Alltags der Lernenden auf deren Lernverhalten, auf Konzepte der Fremdsprachenvermittlung und auf die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften hat und haben wird.

 

 

 

Performative Fremdsprachendidaktik?

Als Manfred Schewe in den frühen 1990er Jahren Elemente des britischen Theatre in Education aufnahm und als ‚Dramapädagogik‘ für das Fremdsprachenlernen fruchtbar machte, ließ sich nicht erahnen, wie weitgehend sich die manchmal als ‚alternativer Ansatz‘ klassifizierte Beschäftigung mit der Inszenierung als wesentlichem Aspekt des Fremdsprachenlernens durchsetzen und Teil des Mainstreams der Fremdsprachendidaktik werden würde. Einen Überblick über diese Entwicklung und die sich verändernden Fragestellungen und Praktiken der inzwischen performative Fremdsprachendidaktik genannten Konzeption gibt Dietmar Rösler in seinem Artikel Performative Fremdsprachendidaktik als Leitprinzip des Fremdsprachenlernens? in dem von Susanne Even, Dragan Miladinovic und Barbara Schmenk herausgegebenen Sammelband Lernbewegungen inszenieren: Performative Zugänge in der Sprach-, Literatur- und Kulturdidaktik, der 2019 zu Ehren von Manfred Schewe im Narr Verlag erschienen ist.

 

 

 

Feedback beim Fremdsprachenlernen mit digitalen Medien – Vortrag auf dem ungarischen Deutschlehrertag

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Dietmar Rösler in Budapest. Foto: ELTE, Budapest
Im Gegensatz zu gedruckten Lehrwerken kann digitales Lehrmaterial direkt auf Eingaben der Lernenden reagieren, also eine Art Feedback geben. Ein unbestreitbarer Vorteil, möchte man glauben, aber warum gibt es dann in der fremdsprachendidaktischen Fachliteratur einen Begriff wie ‚Feedbackverdrossenheit‘? Und warum kann man als erfahrene Lehrkraft manchmal bei im Internet kostenfrei zugänglicher Lernsoftware bei deren Reaktion auf Lernereingaben nur ungläubig mit dem Kopf schütteln?

Feedback erhält man als Fremdsprachenlerner im Klassenzimmer von den Lehrkräften und den anderen Lernenden. Auch beim Lernen mit digitalen Medien können diese als Feedbackgeber aktiv sein, als Online-Tutoren oder Kommunikationspartner in telekollaborativen Projekten. Das wirft Fragen auf: (Wie) verändert sich Feedback durch Lehrkräfte und andere Lernende, wenn die Kommunikation digital verläuft? Wie motivierend aber auch wie demotivierend kann es sein?

Das waren einige der Fragen, die Prof. Dietmar Rösler in seinem Vortrag auf der Jahrestagung des ungarischen Deutschlehrerverbandes am 11. Mai 2019 in Budapest behandelte.

 

 

 

Humor und Komik im Fremdsprachenunterricht?

Lachen ist ja angeblich nicht nur gesund, sondern auch ein Beförderer von Motivation für das Fremdsprachenlernen und Koproduzent eines guten lernfreudigen Klimas im Klassenzimmer. Aber wenn man einen Witz langsam Schritt für Schritt erklären muss, verliert er seine Witzigkeit, wenn eine Komik generierende Inkongruenz nicht verstanden wird, kommt es zu einem falschen Textverständnis, wenn die Offenkundigkeit einer falschen Aussage nicht erkannt wird, wird Ironie evtl. nicht für Ironie sondern für Lüge gehalten usw. Und wie riskant für Lehrkräfte ist heutzutage die Arbeit mit Texten, die Komik durch den Einsatz nationaler Stereotype produzieren? Mal ganz abgesehen vom berühmt-berüchtigten Stereotyp, dass die Deutschen keinen (Sinn für) Humor haben? Es gibt also durchaus gewichtige Bedenken, die dafür sprechen, dass eine von Lehrkräften vielleicht gewünschte Verwendung von komischen Elementen im Fremdsprachenunterricht in manchen Situationen vielleicht weniger willkommen ist als ursprünglich geplant oder sogar den gegenteiligen Effekt erzeugt.

Einen Überblick über den Stand der Forschung zu den vielen unterschiedlichen Vorkommensweisen und Funktionen von Humor im und für den Fremdsprachenunterricht gibt Dietmar Rösler in seinem Artikel: Nichts zu lachen? – Komik und Humor im gesteuerten Fremdsprachenlernen. Erschienen in dem von Eva Burwitz-Melzer, Daniela Caspari und Emer O’Sullivan herausgegebenen Sammelband Komik in der Kinder- und Jugendliteratur.

 

 

 

Personalwechsel im HMWK-Projekt Digitale Medien beim Deutscherwerb von studieninteressierten Geflüchteten

Im HMWK-Projekt Digitale Medien beim Deutscherwerb von studieninteressierten Geflüchteten gibt es einen Personalwechsel. Merve Usta hat Anfang Mai das Projekt verlassen, seit Anfang Juni wirkt Johanna Michel im Projekt mit.

Johanna Michel und Merve Usta
Johanna Michel und Merve Usta (v.l.).
Wie kann die Verwendung digitaler Medien innerhalb und außerhalb des Unterrichts den Deutscherwerb verbessern? Wie kann die Nutzung von Smartphones bei der Bewältigung von kommunikativen Herausforderungen im universitären Alltag zur Basis für einen Unterricht werden, der genauer auf die Lebenswelt der Lernenden bezogen ist? Welchen Beitrag leisten digitale Medien zu einem erfolgreichen Übergang vom Sprachkurs ins Studium? Wie können sie studienbegleitend erfolgreiches Studieren in den ersten Semestern unterstützen?

Dies sind die leitenden Fragestellungen des seit 2018 am ZMI angesiedelten Forschungsprojekts.

In ihm wird zum einen in Anknüpfung an die traditionelle Forschung zum ‚good learner‘ auf der Basis von Interviews mit erfolgreichen Lernenden ermittelt, ob und wie digitale Materialien und Kommunikationsmöglichkeiten ihren Spracherwerb unterstützt haben und welche Rolle sie bei der Bewältigung von sprachlichen und kulturellen Herausforderungen bei Studienbeginn  spielen. Zum anderen wird der Frage nachgegangen, inwieweit durch digitale Medien die traditionelle Rolle des Unterrichts als Ort des Lernens auf Vorrat verändert werden kann in Richtung einer Rolle, die aktuelle lebensweltliche Kommunikationsprobleme aufnimmt und diese zum Ausgangspunkt einer systematischen Unterrichtsgestaltung macht.

Es ist eines von fünf Projekten an den Universitäten Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Marburg, die im Rahmen des hessischen Aktionsplans zur Integration von Flüchtlingen und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert werden. Durchgeführt wird das Projekt in Kooperation mit dem Akademischen Auslandsamt, das Deutschkurse für studieninteressierte Geflüchtete anbietet.

Projektteam: Prof. Dietmar Rösler, Dr. Tamara Zeyer, Selmin Hayircil M.A., Johanna Michel.

 

 

 

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

Everything That Happened and Would Happen — Interview mit Heiner Goebbels in der New York Times – Deutschlandpremiere bei der Ruhrtriennale – Aufführung bei den Theatre Olympics 2019

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Szene aus Everything That Happened and Would Happen während der Aufführung in New York. Foto: Stephanie Berger / Park Avenue Armory
Unmittelbar vor der Aufführungsserie von Everything That Happened and Would Happen in der Park Avenue Armory, New York, erschien ein weiteres ausführliches Interview mit Prof. Heiner Goebbels in der New York Times mit dem Titel Surrender to a Boundary-Blurring Tour of Europe, War and Peace.

Ein kurzes YouTube-Interview zu den Aufführungen in der Park Avenue Armory, New York, ist hier zu finden.

Die im vergangenen Oktober in Manchester uraufgeführte Performance wird vom 23. bis 26. August 2019 in der Jahrhunderthalle Bochum im Rahmen der Ruhrtriennale erstmals auch in Deutschland zu erleben sein und im Herbst auch bei den Theatre Olympics aufgeführt werden, die in diesem Jahr in St. Petersburg stattfinden.

Halb Performance, halb Großbaustelle stellt Everything that happened and would happen mit Livemusik, Tanz, Visuals, Sound und Film die europäische Geschichte seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach. Eine widersprüchliche, nicht lineare Welt, die im Verlauf von 100 Jahren am Rande des Abgrunds von Krise und Krieg zu Friedensverheißungen taumelt, nur um sich wieder aufzubauen, ganz so, als wäre nichts geschehen.

Die Theatre Olympics sind ein internationales Theaterfestival für wichtige Aufführungen weltweit bedeutender Theaterpraktiker, das sich als Plattform für den theatralen Austausch, als Dialog jenseits ideologischer, kultureller und sprachlicher Differenzen begreift, um die Bedeutung experimentellen zeitgenössischen Theaters zu etablieren. Bereits mehrmals war Prof. Heiner Goebbels mit Arbeiten bei dieser Theaterolympiade vertreten. Bei den ersten Theatre Olympics 1993 inszenierte er im antiken Stadion von Delphi Die Befreiung des Prometheus nach einem Text von Heiner Müller. 2001 zeigte er in Moskau das Musiktheaterstück Hashirigaki, und 2016 in Wroclaw Max Black or 62 ways of supporting the head with a hand.

Bei der nächsten Theaterolympiade, die 2019 in St. Petersburg stattfindet, wird Heiner Goebbels mit Everything That Happened and Would Happen zum vierten Male vertreten sein und nahm im Vorfeld im Mai zusammen mit den Regisseuren Robert Wilson, Teodoros Terzopoulos, Valery Fokin und Farid Bykchantaev an einer Skype-Pressekonferenz teil.

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Heiner Goebbels (im Uhrzeigersinn von unten links) während der Skype-Pressekonferenz mit Robert Wilson (NY), Farid Bykchantaev (Kazan) und Teodoros Terzopoulos (Athen).
 

 

 

 

Aufführung von Heiner Goebbels’ Songs of Wars I have seen in Ljubljana

Am 19. Juli 2019 wird im Rahmen des Ljulbjana Festival Songs of Wars I have seen von Heiner Goebbels nach Texten von Gertrude Stein vom Ljubljana International Orchestra in Slowenien aufgeführt, unter der Leitung der Dirigentin Živa Ploj Peršu.

Grundlage dieses szenischen Konzertes sind Teile des Romans Kriege die ich gesehen habe. Gertrude Stein verbrachte die Kriegsjahre 1943 und 1944 in Frankreich, und hat ihre sehr persönlichen Tagebucheintragungen in den Texten verarbeitet, die von den InstrumentalistInnen während des Konzertes zu hören sind – zum Beispiel:

„Mit Honig ist es komisch im Krieg, man isst immer Honig, so viel Honig, es gibt keinen Zucker, es gibt nie Zucker im Krieg, das erste was verschwindet ist Zucker, danach Butter, aber Butter kann man immer bekommen aber Zucker nicht, nein Zucker nicht also isst man im Krieg immer Honig, Honig in Mengen, wirklich mehr Honig als man sonst Zucker aß, und man findet Honig so viel besser als Zucker, besser an sich und besser in Apfelkompott, in allen Desserts so viel besser und dann kommt Frieden über uns und keiner isst mehr Honig, man findet ihn zu süß und zu klebrig und zu schwer, es war so im letzten Krieg '14-'18 und so ist es in diesem Krieg, Kriege sind so, es ist komisch aber Kriege sind so.“

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Songs of Wars I have seen, Philadelphia, 2018. Foto: J. Austin, www.AustinArt.org
 

 

 

 

Los paisajes creativos de Heiner Goebbels an der Universidad Nacional de Colombia in Bogota

Die Universidad Nacional de Colombia (Bogota, Kolumbien) plant ab September mehrere Konzerte und Installationen von Heiner Goebbels. Vom 11. September bis zum 14. Dezember 2019 zeigt das Museum der Universität die beiden Video- und Soundinstallationen Genko An und Landscape Plays.

Am 16. und 17. September 2019 wird im Auditorium der Universität der Orchesterzyklus Surrogate Cities aufgeführt – gemeinsam vom National Symphony Orchestra of Colombia mit dem Orquesta Sinfónica del Conservatorio de Música de la Universidad Nacional de Colombia unter der Leitung von Guerrasim Voronkov.

Im Laboratorio de Ensayos Hidráulicos der Universidad Nacional erarbeitet Heiner Goebbels eine völlig neue multimediale Installation – ortsspezifisch an einem großformatigen Modell des Canal del Dique, der den Rio Magdalena mit der Cartagena Bucht verbindet. Arbeitstitel: Los peces tendrán que aprender a caminar sobre la tierra (Die Fische müssen lernen auf der Erde zu laufen) ein Zitat von Gabriel García Márquez, in dessen Roman Die Liebe im Zeitalter der Cholera, in dem der Rio Magdalena („solo una ilusión de la memoria...“) und der historische Kanal eine große Rolle spielen.

Die Installation ist ein Projekt der Georg Büchner-Professur und wird vom ZMI der JLU wesentlich unterstützt. Sie läuft vom 18. September bis 18. Oktober 2019.

Los paisajes creativos de Heiner Goebbels
Laboratorio de Ensayos Hidráulicos. Foto: Heiner Goebbels
 

 

 

 

Vorträge von Heiner Goebbels in Basel und Mainz

Am 20. Juni 2019 hielt Heiner Goebbels auf Einladung der Hochschule für Musik, Basel, im Rahmen der Reihe Colloquium 48 einen Vortrag zur Ästhetik der Abwesenheit. Am 27. Juni 2019 auf Einladung der Akademie der Wissenschaften und Literatur, Mainz, einen Vortrag Zum Potential des Musikalischen auf der Bühne.

Im Zentrum des Vortrags in Basel stand die Diskussion ästhetischer Strategien in zeitgenössischen Performances und Musiktheater-Aufführungen, bei denen das Zentrum quasi leer bleibt: statt eines konventionellen Theaterverständnisses von Präsenz und Intensität der Darsteller, statt des klassischen Dramas zwischen repräsentativen Figuren auf der Bühne erläuterte Heiner Goebbels ein „Drama der Medien“, ein Drama der Wahrnehmung durch den Zuschauer – mit Videobeispielen von eigenen Aufführungen, u.a. Eislermaterial und Stifters Dinge.

In Mainz warf Heiner Goebbels einen Blick auf die Musikalität und Form von gesprochener Sprache – nach Texten von Heiner Müller, Gertrude Stein, Edgar Allen Poe u.a. – mit der er in zahlreichen Hörstücken und Musiktheaterstücken gearbeitet hat. Er erweiterte dabei den Begriff von Komposition über das Klangliche hinaus auf die Wahrnehmung aller Theatermittel – auf den Raum, das Bild, das Licht, die Bewegung. Anhand von Klang- und Videobeispielen und mit einem Verweis auf den französischen Autor und Philosophen Maurice Blanchot umschrieb er seinen musikalischen Umgang mit den Elementen der Bühne.

 

 

 

Konferenz zur künstlerischen Arbeit Heiner Goebbels‘ in Lissabon

Polifonio & ContrapuntoAm 29. Mai 2019 fand in Lissabon im Kulturzentrum Culturgest eine Konferenz zur künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Heiner Goebbels statt, bei der auch die Herausgabe des Buches Polifonia & Contrapunto vorgestellt wurde – ein Band mit Mitschriften einer Vortragsreihe von Heiner Goebbels und Publikumsdiskussionen, die 2014 stattgefunden haben –  in englischer und portugiesischer Sprache.

 

 

 

Try-out mit Heiner Goebbels für ein Ensemble Modern Orchestra-Projekt 2020 auf YouTube

Zu einer ersten Probenphase (Try-out) für ein neues Orchesterprojekt mit dem Ensemble Modern Orchestra, das für 2020 geplant ist, wurde ein YouTube-Interview mit Heiner Goebbels veröffentlicht. Zu sehen und hören sind Szenen aus dem Try-out, der Austausch zwischen Goebbels und den MusikerInnen sowie seine Einschätzung zur Bedeutung solcher Try-outs.


 

 

 

Drei Fragen an Heiner Goebbels

Auf dem YouTube-Kanal des ZMI ist ab sofort ein neuer Beitrag in unserer Interview-Reihe Drei Fragen an... zu finden. In diesem Interview spricht Prof. Heiner Goebbels, Inhaber der Georg Büchner-Professur, im Frankfurt LAB darüber, was es in der künstlerischen Forschung zu entdecken gibt, wenn die Medien miteinander kommunizieren, statt wir durch und mit ihnen, und woher seine Faszination des intermedialen Zusammenspiels, die all seine Arbeiten kennzeichnen, herrührt.

Zum Interview mit Heiner Goebbels gelangen Sie hier.

 

 

 

 

Publikationen

Neuerscheinung: Augenzeugenschaft als Konzept – Konstruktionen von Wirklichkeit in Kunst und visueller Kultur seit 1800

Tagungsband, herausgegeben von Prof. Claudia Hattendorff und Lisa Beißwanger

Welche Rolle spielt Augenzeugenschaft in Kunst und visueller Kultur von ca. 1800 bis heute?

Die Beiträge des Bandes untersuchen diese Frage an einem breiten Spektrum von Gegenständen: künstlerischen und nicht-künstlerischen Bildern, Aktionen und Installationen sowie Kunstinstitutionen und -literatur. Im Zentrum des Interesses steht, wie Effekte von Augenzeugenschaft hervorgerufen und Konstruktionen von Augenzeugenschaft bei der Produktion und Rezeption von Artefakten wirksam werden.

Die Reihe der Beispiele ermöglicht erstmals einen vergleichenden und interdisziplinär anschlussfähigen Blick auf einen Diskurs und eine Praxis der Authentifizierung, die im 18. bis 21. Jahrhundert immer wieder von Belang gewesen sind.

Ausführlichere Informationen finden Sie auf der Verlagswebsite (vollständige Inhaltsübersicht, Produktflyer, kostenpflichtiger Download der Einzelbeiträge etc.).

 

 

 

 

Personalia

Thomas Gloning ist neues Mitglied in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

BBAW nimmt Prof. Thomas Gloning, Institut für Germanistik der JLU und Mitglied der  ZMI-Sektion Educational Linguistics, als Ordentliches Mitglied der Geisteswissenschaftlichen Klasse auf

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Prof. Thomas Gloning. Foto: Rolf. K. Wegst
Der renommierte Gießener Germanist Prof. Thomas Gloning ist gemeinsam mit fünf weiteren ExpertInnen zum Ordentlichen Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) gewählt worden. Die neu gewählten Mitglieder haben ihre Urkunden am 25. Mai 2019 im Rahmen der Festsitzung zum Leibniztag der Akademie im Konzerthaus Berlin erhalten.

Thomas Gloning sei „einer der vielseitigsten und innovativsten Germanisten seiner Generation“, der klassische philologische Kompetenz mit der Anwendung digitaler Techniken und mit großer Kenntnis verbindet, heißt es in der Bekanntgabe der BBAW. Dies schlage sich nicht nur in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen nieder, sondern auch in einer Anzahl digitaler Textrepositorien bzw. in seiner tragenden Rolle in mehreren großen Verbundprojekten, zu denen CLARIN-D, eine auf Dauer angelegte digitale Forschungsinfrastruktur für Sprachressourcen in den Geistes- und Sozialwissenschaften, sowie das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt eHumanities-Zentrum für Historische Lexikographie (ZHistLex) gehören.

Thomas Gloning hat an der JLU die Professur für Germanistische Sprachwissenschaft inne. Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre gehören Kerngebiete der Sprachgebrauchsforschung (Textlinguistik, Gesprächsforschung, Multimodalität, Diskursforschung), Wortgebrauchs- und Wortschatzgeschichte, aber auch angewandte Gebiete wie beispielsweise Verständlichkeits- und Brauchbarkeitsforschung. Des Weiteren gilt sein Interesse der sprachlichen Gestalt literarischer Texte vor allem des 20. und 21. Jahrhunderts. Große Beachtung fand zudem die mit Reiner Hildebrandt im Jahr 2010 publizierte textkritische Ausgabe der Physica Hildegard von Bingens – Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum.

Gloning, Jahrgang 1960, studierte von 1980 bis 1986 in Tübingen Germanistik und Sportwissenschaft und wurde dort im Jahr 1994 mit einer Arbeit zur handlungstheoretischen Semantik zum Dr. phil. promoviert. 1992 bis 1999 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für deutsche Sprache und mittelalterliche Literatur der JLU, an der er sich im Jahr 2003 mit der Arbeit Organisation und Entwicklung historischer Wortschätze: Lexikologische Konzeption und exemplarische Untersuchungen zum deutschen Wortschatz um 1600 habilitierte. Diese Arbeit wurde mit dem Preis der JLU ausgezeichnet. Von 1999 bis 2006 war er Hochschuldozent am Institut für Germanistische Sprachwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Im Jahr 2006 übernahm er eine Professur am Institut für Germanistik der Universität Wien; seit 2007 ist Gloning Professor am Institut für Germanistik der JLU. Bereits seit 2008 ist er Mitglied in der Kommission des Zentrums Sprache der BBAW. Intensiv hat er auch in der Beratergruppe des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache mitgewirkt.

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW), vormals Preußische Akademie der Wissenschaften, ist eine Fach- und Ländergrenzen überschreitende Vereinigung herausragender WissenschaftlerInnen mit über 300-jähriger Tradition. 79 Nobelpreisträger prägen ihre Geschichte. Als größte außeruniversitäre geisteswissenschaftliche Forschungseinrichtung in der Region Berlin-Brandenburg sichert und erschließt sie kulturelles Erbe. Die Akademie forscht und berät zu gesellschaftlichen Zukunftsfragen und bietet ein Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

Weitere Informationen:

www.bbaw.de

www.uni-giessen.de/fbz/fb05/germanistik