Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Newsletter 2/2020

ZMI NL Logo 02/2020

Newsletter abonnieren   |   Newsletter abbestellen   |   Newsletter-Archiv



 

 Editorial


 

Liebe ZMI-Aktive,

liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

 

ein un- und außergewöhnliches Semester geht zu Ende. Kolleg*innen und Studierende treffen wir seit Monaten hauptsächlich per Videokonferenz. Wissenschaftliche Diskussionen werden über Livestream und Chat geführt. Wer sich an die Universität begibt, läuft über einen verwaisten Campus, isst in einer spärlich bestuhlten Mensa und trifft alle paar Tage eher zufällig eine Kollegin im Büro. Persönliche Arbeitszusammenkünfte sind räumlich distanzierter, werden aber zum Teil als menschlich näher wahrgenommen. Was anfangs als eine willkommene Entschleunigung wie aus dem Nichts gekommen ist, mündet inzwischen für viele in eine große Erschöpfung und in dem Wunsch nach leibhaftigen Begegnungen. Auf dem Weg dorthin stehen vielfältige Lernprozesse, eine stark gestiegene Akzeptanz für digitale Arbeitsmittel und die Lust auf das Ausprobieren von Neuem.

Dr. Jutta Hergenhan. Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
Dr. Jutta Hergenhan. Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin.

 

Das ZMI hatte gerade erst begonnen, über die Bedeutung von #JLUoffline als gesellschaftliches und politisches Krisenphänomen nachzudenken, als die JLU sich – fast übergangslos – vom kompletten Offline- in den kompletten Online-Modus begeben musste. Am ZMI haben wir unsere digitalen Arbeitskapazitäten weiter ausgebaut. Wir haben neue und vielleicht dauerhafte Formen des Arbeitens, Forschens, Kommunizierens und Lehrens erprobt – nicht zuletzt, um die Auswirkungen und Bedeutungen dieser Situation wissenschaftlich zu reflektieren.

 

Derzeit führen wir den wissenschaftlichen Austausch in vielerlei Formaten: In Kooperation mit der Reihe „Kontroversen“ des Instituts für Politikwissenschaft diskutieren wir die aktuelle Krise aus unterschiedlichsten Perspektiven mit externen Gästen und den Studierenden. Mit der Medienwissenschaftlerin Ksenia Eltsova debattierten wir zum „digitalen Habitus“ der heutigen russischen Elite. Und Claus Leggewie hat mit dem „Panel on Planetary Thinking“ genau zum richtigen Zeitpunkt ein Projekt ins Leben gerufen, das neue Perspektiven im interdisziplinären Denken und Handeln anstößt.

 

Viele unserer Veranstaltungen haben wir – wie bereits in der Vergangenheit – aufgezeichnet. Besuchen Sie den YouTube-Kanal des ZMI!

 

Wir wünschen Ihnen nun einen wirklich entschleunigten Sommer und viel Freude bei der Lektüre des ZMI-Newsletters. Und sollten Sie in diesem Text das Wort „Corona“ vermisst haben, sei es an dieser Stelle der Vollständigkeit halber einmal genannt.

 

 

Ihre

Jutta Hergenhan

 

 

 

 

 Inhalt ZMI-NEWSLETTER 2/2020



Editorial

 

 

News

Maßgeschneidert in den Online-Dialog – Partnerschaft mit Japan und Korea

Online-Lehre im Praxistest - Drei Interviews: Michael Knipper, Claudia Hattendorff, Johannes Diesing

Drei Fragen an Ningjie Zhang - ein Videointerview

 

 

Veranstaltungsankündigungen

Livestream „Online-Lehre - Debatte über die Erfahrungen in Zeiten von Corona“

Educational Linguistics – Programm auf das Wintersemester 2020/2021 verschoben

 

 

Videos

Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Die EU zwischen Corona und Kohäsion. Auswirkungen der Pandemie auf eine ungleiche Union“ vom 24.06.2020

Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Grenzen in Zeiten der Pandemie“ vom 09.06.2020

Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Hat die Demokratie die Seuche?“ vom 28.04.2020

„Drei Fragen an“ - Interview mit Ninjieng Zhang

 

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Über die Livestream-Debatte zum Thema „Die EU zwischen Corona und Kohäsion. Auswirkungen der Pandemie auf eine ungleiche Union“ 

Digitaler Vortrag „'Intelligentsia 2.0': (re)constructing and (re)producing 'intellectuality' in Russian digital media“ mit Ksenia Eltsova 

Marburger FaDaF-Thementage am 24./25. April 2020 mit Tamara Zeyer

Kommentierte Lesungen aus der antiken Literatur nun als Podcast online abrufbar

Nach der Transkription: Das Analoge im Digitalen, das Digitale im Analogen

 

 

In den Medien

Elif Özmen über die Pandemie in der Gießener Allgemeinen

Gießener Anzeiger über die Debatte „Grenzen in Zeiten der Pandemie“

Jutta Hergenhan zur Sexismus-Debatte um Donaulied in der Hessischen Allgemeinen

Gießener Anzeiger zur Diskussion „Hat die Demokratie die Seuche?

Die Spielekonsolen-Sammlung im ZMI in der Gießener Allgemeinen

Gießener Anzeiger: Über die Schatzkammern der Justus-Liebig-Universität

Dinah Leschzyk zur Situation von LGBTQ* in Brasilien anlässlich des IDAHOBIT 2020

Gießener Anzeiger: „Unvorstellbares vor Augen geführt: KZ-Film im Gießener Kinocenter zu sehen.“

 

 

Neues aus den Seniorprofessuren


Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Das „Panel on Planetary Thinking“ feierte seine Eröffnung

taz: Claus Leggewie zum Thema „Kunst aus US-Knast: Ästhetik des Kerkers“

Frankfurter Rundschau: Antisemitismus oder Zensur? Debatte um Achille Mbembe

Frankfurter Allgemeine: Zum Tod des Sängers Idir - Patron der Berberkultur

Blog Beitrag des Progressiven Zentrums: „Corona-Pandemie: Namenloser Ausnahmezustand? - Herantasten: Semantiken der ,Corona-Krise‘ 

Claus Leggewie im Wissenschaftsblog „Corona Sustainability Compass“: „Umsteuern statt hochfahren“ 

Youtube Video: Germany, Corona, and the State of Exception

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Verschoben und remote

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

„Schwarz auf Weiß“: Online-Streaming mit Live-Einführung von Heiner Goebbels

Video Statement von Heiner Goebbels zu „Everything That Happened And Would Happen“ (2018)

Streaming Konzert mit „The Mayfield“ beim Moers Festival

Lehrveranstaltung im Sommersemester 2020

Partitur zu „A House of Call - my imaginary notebook“

„Die Befreiung des Prometheus“ im Deutschlandfunk

Heiner Goebbels nominiert für GEMA Preis


 

Personalia

Otto Behaghel-Seniorprofessur geht zu Ende

Annika Duin neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche

Lea Kassandra Karachaliou neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche

Tillmann Schorstein neue Hilfskraft der Sektion „Medien und Gender“

Patrícia Denise Rasche Specht neue Hilfskraft für das DigiDaFZ-Projekt

Sigrid Ruby neue stellvertretende Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der JLU

Markus Roth verlässt Arbeitsstelle Holocaustliteratur – Charlotte Kitzinger neue Geschäftsführerin der AHL

Sascha Feuchert erhält die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen 

 

 

 

News


Maßgeschneidert in den Online-Dialog – Partnerschaft mit Japan und Korea

PaJaKo 1
Jin-Hyun Kim aus Seoul beim Kennenlernen der Programmteilnehmer*innen. Foto: Prof. Dorothée de Nève.
Das ZMI pflegt seit Juli 2015 eine aktive Partnerschaft mit dem Zentrum für Deutschland und Europastudien (DESK) an der Tokyo University. ZMI-Aktive Dr. Johannes Diesing, Ina Daßbach, Benedikt Philipp Kleer und Prof. Dorothée de Nève waren in den vergangenen zwei Jahren zu Forschungsaufenthalten in Japan. Als Teil des Projekts „Trilaterale Partnerschaft Gießen-Tokyo-Seoul“ des DAAD-Programms Partnerschaft mit Japan und Korea (PaJaKo) haben de Nève, Dr. Verena Schäfer-Nerlich und Diesing kurz vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie in Europa im Februar einen Workshop für Masterstudent*innen aus Tokyo und Seoul ausgerichtet. Unter dem Titel „Maßgeschneidert – Made-to-Measure“ bot das Programm Nachwuchswissenschaftler*innen aus Tokyo und Seoul Gelegenheit, mit Fachwissenschaftler*innen der Justus-Liebig-Universität ins Gespräch zu kommen und die Konzeptionen ihrer eigenen Forschungsvorhaben zu reflektieren.
PaJaKo 2
Chinami Hamasaki aus Tokio stellt ihr Forschungsprojekt zu Emanuel Levinas vor. Foto: Prof. Dorothée de Nève.
Die Nachwuchswissenschaftler*innen aus Asien bekamen Student*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen als persönliche „Buddies“ zugeordnet, die sie bei der Bearbeitung ihrer Forschungsthemen und der Planung der Feldforschungstermine in Deutschland tatkräftig unterstützten. Mit diesem Programm wird der Versuch unternommen, in der internationalen Zusammenarbeit für die Nachwuchsförderung neue Wege zu gehen. Zu dem Programm gehörten neben interaktiven Arbeitsformen in der Gruppe und Einzelgesprächen auch Exkursionen, die den Gästen aus Japan und Korea deutsche Geschichte und Möglichkeiten der Forschung näher brachten. So besichtigte die trinationale Gruppe gemeinsam die Euthanasiegedenkstätte Hadamar, die Limburger Altstadt und das hessische Staatsarchiv in Wiesbaden. Zur Förderung des Kennenlernens und der Gruppendynamik organisierte das Team von de Nève außerdem ein abwechslungsreiches Abendprogramm, bevor der fünftägige Workshop titelgerecht mit einer „Modenschau“ der gewonnenen Erkenntnisse seinen Abschluss fand.

PaJaKo 3
Die Teilnehmer*innen des Programms „Maßgeschneidert“ im Margarete Bieber Saal. Foto: privat.
Inzwischen ist auch die internationale Zusammenarbeit von den Folgen der Covid-19-Pandemie schwer betroffen. Geplante Forschungsaufenthalte mehrerer ZMI-Mitglieder mussten abgesagt werden. Die für Juni 2020 geplante Reise von Nachwuchswissenschaftler*innen aus Gießen und Seoul nach Tokyo musste ebenfalls abgesagt werden. Trotz dieser widrigen Umstände werden die bestehenden Kontakte zu den Partnern in Asien weiter gepflegt. Studierenden aus Tokyo wird im laufenden Sommersemester etwa der Zugang zu einem Onlineseminar zum politischen System der BRD ermöglicht. Niklas Ferch, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für das politische und soziale System Deutschlands sagt dazu: „Wir freuen uns, mit diesem Seminar neue Wege zu beschreiten und an unserem Institut endlich einen Einführungskurs zum politischen und sozialen System Deutschlands anzubieten, der sich explizit an interessierte Studierende aus dem Ausland und mitunter auch anderer Fachrichtungen als der Politikwissenschaft richtet.“ Diesing, ebenfalls Mitarbeiter an der Professur, fügt an: „Mit unserem Lehrangebot können wir auch unter diesen ungünstigen Umständen die Internationalisierung und Digitalisierung in der Lehre weiter vorantreiben.“ Auch Prof. Hideto Hiramatsu von der Universität Tokyo zeigt sich erfreut: „Das Seminar ist eine tolle Möglichkeit, die uns bei dieser schwierigen Situation sehr hilft. Die große Resonanz der Studierenden zeigt, dass das Seminar für ihr Bedürfnis genau das richtige Angebot ist.“ Das Zentrum für Deutschland und Europastudien an der Universität Tokyo (DESK) hatte aufgrund der COVID19-Pandemie im Februar 2020 alle Austauschprogramme mit der Bundesrepublik für die japanischen Partner gestoppt. In dieser Situation erhält auch ein für Ende Juni/ Anfang Juli 2020 geplanter trilateraler Online-Workshop zusätzliche Bedeutung, an dem Nachwuchswissenschaftler*innen aus Gießen, Tokyo und Seoul teilnehmen werden. Das ZMI verbindet mit diesen Aktivitäten die Hoffnung, dass wir auch in Zeiten geschlossener Grenzen Wege der Zusammenarbeit finden und unsere gemeinsame Forschung und Nachwuchsförderung erfolgreich weiter etablieren können. 

PaJaKo 4
Online Seminar “Introduction to the Social and Political System of Germany” im Sommersemester 2020. Foto: Prof. Dorothée de Nève.

 

 



Online-Lehre im Praxistest - Drei Interviews: Michael Knipper, Claudia Hattendorff, Johannes Diesing

 

Interview mit Michael Knipper


Michael Knipper
PD Dr. Michael Knipper. Foto: Katrina Friese.

PD Dr. Michael Knipper arbeitet am Institut für Geschichte der Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er forscht unter anderem zu Fragen der Gesundheit im Kontext von Migration und Menschenrechten. Herr Knipper lehrte bereits schon lange vor der Corona-Krise online. 



Annika Duin: Sie arbeiten bereits seit Jahren in Ihrer Lehre mit Online-Formaten. In welchen Kontexten haben Sie bislang freiwillig online gelehrt und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Michael Knipper: Das Wichtigste war wahrscheinlich, dass ich den Studierenden international verfügbare Massive Open Online Courses für den Bereich Global Health angeboten und mit Präsenzlehre verbunden habe. Also habe ich nicht allein den Online-Kurs zur Verfügung gestellt, sondern mit begleitenden Seminaren kombiniert. Das heißt, dass die Studierenden Zugang zu den Online-Inhalten hatten, zum Beispiel aus Harvard, aber vertiefende Diskussionen fanden im Präsenzformat statt. Außerdem habe ich Kollegen aus Harvard über WebEx dazu geschaltet, quasi als externe Dozenten, so wie wir es auch jetzt machen. Der Vorteil war, dass wir den Content verwenden konnten, der von Kollegen aus anderen Unis didaktisch schon vorentwickelt war. Diesen haben wir dann in unsere Lehre eingebunden und begleitet. Es war eine Form von Blended Learning und funktionierte sehr gut. In vielen Seminaren ergänze ich außerdem, diesem Modell folgend, die Präsenzlehre durch Videos. Im Rahmen eines EU-Projekts habe ich Vorlesungen von mir aufgenommen und passend dazu eine Case Study eingespielt: ein kleines Video mit einer Fallgeschichte, die die theoretischen Inhalte illustriert. Das funktioniert sehr gut und bereichert die Seminare. Es funktioniert wieder wie das Blended Learning, sodass die Studierenden Online-Content bekommen, den ich vorbereitet habe. Gerade sowas wie ein Film, den man selbst macht, ist sehr arbeitsintensiv, kann jedoch hilfreich sein, didaktisches Material aufzubereiten, mit dem man auch regelmäßiger arbeiten kann. So werden die Präsenzseminare ein wenig entlastet, sodass wir teilweise weniger Präsenztermine haben. Das ist auch deshalb ein Vorteil, weil in manchen meiner Lehrveranstaltungen Studierende aus verschiedenen Semestern und Fachbereichen zusammenkommen und es manchmal im Stundenplan nicht so einfach ist, dafür genug Zeitfenster zu finden. Es hat also auch dieses pragmatische Element. Vor allem geht es aber darum, sinnvollen Content zu kreieren und da bieten sich Online-Formate an, die mit der Präsenzlehre verbunden werden. Das ist didaktisch aber im Grunde nicht viel anders als ein Buch zu bearbeiten: Die Studierenden lesen ein Buch und dann bearbeiten wir die Lektüreeindrücke im Seminar. Das ist sozusagen eine Blended-Form, die schon lange etabliert ist. Ich finde, jedes Medium hat seinen eigenen Vorteil und im Endeffekt geht es darum, sich für die Lehre zu überlegen, welche Ziele man mit den Studierenden erreichen möchte. Daraus ergibt sich dann die Wahl des geeigneten Mediums. Das kann manchmal eine Monografie sein, ein Video, oder ein ganzer Online-Kurs. Am wichtigsten ist, dass die Studierenden mit den selbst zu bearbeitenden Inhalten nicht allein gelassen werden, dass also immer begleitende Präsenzseminare stattfinden. Das gilt auch, wenn ich diesen Harvard-Kurs anbiete, der wirklich sehr gut ist. Aber es bleibt wichtig, mit den Studierenden die Inhalte zu besprechen und teils auch kontrovers zu diskutieren. Das schätzen die Studierenden besonders. Das merke ich immer wieder, gerade jetzt. In Gesprächen mit Studierenden geht es derzeit oft darum, dass sie vor allem den persönlichen Kontakt und das Gespräch vermissen. 

Annika Duin: In der aktuellen Corona-Krise sind wir nun allerdings alle gezwungen, auf Online-Lehre umzusteigen. Das sind also andere Grundvoraussetzungen. An welche Grenzen stoßen wir hier didaktisch und technisch?

Michael Knipper: Ja, an eine ganze Reihe von Grenzen. Also erstmal finde ich, besteht der große Unterschied darin, dass wir es nicht freiwillig machen, weil es didaktisch Sinn ergibt oder weil wir besondere Inhalte einbringen möchten. Hinzu kommt ein anderer Punkt, den ich bisher noch nicht genannt habe: man kann mit Online-Lehre wunderbar internationale Räume schaffen, sodass man Leute aus unterschiedlichen Ländern miteinander ins Gespräch bringt. Es ist zwar aus verschiedenen Gründen nicht ganz einfach, unter anderem wegen der Zeitverschiebung, und ein erster Versuch hat nicht so richtig funktioniert. Aber wir wollen es jetzt nochmal probieren, Studierende aus Kolumbien und Gießen zusammen zu führen und gemeinsam Seminare zu machen. Dafür ist es wunderbar, aber dann entscheide ich, aus welchem Grund ich die Online-Lehre machen möchte, zum Beispiel aus didaktischer Perspektive oder zugunsten einer Internationalisierung. Das ist fantastisch. Aber jetzt, wegen Covid, sind wir gezwungen, online zu lehren. Und das ist etwas völlig anderes. Jetzt muss ich Kurse online anbieten, von denen ich weiß, dass sie davon leben, dass wir die Dinge gemeinsam bearbeiten. Die Studierenden sollten Zeit haben, nicht nur zum Nachfragen, sondern um kontrovers zu diskutieren oder um spontan auf die Dynamik im Seminarraum oder der Vorlesung zu reagieren. Genau wie ich als Dozent. Bei Online-Formaten funktioniert das jedoch nicht. Hinzu kommen unsere technischen Probleme. Unsere Uni gibt sich alle Mühe das zu unterstützen. Aber WebEx ist nicht in allem selbsterklärend. Es funktioniert zwar einigermaßen, aber man muss sich erstmal mühsam einarbeiten. Und wenn man sowieso relativ viel zu tun hat, dann ist das manchmal einfach anstrengend. Außerdem verlangt die Umstellung auf online organisatorische Änderungen, und die ganzen Routinen, die man so hatte, die auch das Lernen und Lehren strukturierten, fallen weg. Da ist unglaublich viel zusätzliche Aufmerksamkeit und Energie nötig, und das empfinde ich durchaus als belastend. Hinzu kommen auch immer wieder technische Ausfälle von Seiten der Studierenden oder auf der eigenen. Wir merken jetzt, dass unsere IT einfach nicht so richtig gut ist. Das merkt man gerade in so einem Fach wie unserem: in der Geschichte oder Ethnologie arbeitet man eigentlich mit einem Computer, der vor allem schreiben kann, aber mehr muss dieser eigentlich nicht können. Er ist im Grunde eine bessere Schreibmaschine. Viel mehr EDV-Bedarf haben wir nicht. Deshalb ist uns vielleicht nie aufgefallen, dass die Technik hier nicht so richtig gut läuft. Darüber habe ich mich manchmal wirklich geärgert. Nicht über Personen, sondern über technische Probleme und über das eigene Unvermögen.

Annika Duin: In meinem Studiengang der Geschichts- und Kulturwissenschaften machen wir auch viel über Microsoft Teams, das finde ich persönlich angenehmer als WebEx. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Michael Knipper: Wir hatten uns auch vorgenommen mit Microsoft Teams zu arbeiten. Da wir auch mit Marburger Studierenden zusammenarbeiten, und die Uni Marburg Microsoft Teams nicht nutzt, mussten wir jetzt alles auf WebEx umstellen. Da wird noch ein anderes Thema relevant: die Anwesenheitskontrolle. In der Medizin gibt es relativ strikte Vorgaben. Wir sollen zwar im Moment flexibel sein, dennoch gibt es diese Vorgaben und die wollen wir auch erfüllen. Das ist mit WebEx ganz schwer. Es gibt zwar eine Funktion, eine Übersicht über die registrierten Nutzer zu erstellen, die anwesend waren. Man könnte also eine Übersicht generieren, aber das hat die Uni Gießen, soweit ich weiß, aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht freigeschaltet. Ich kann das verstehen. Wir sind gerade, was EDV-Sicherheit angeht, in Gießen vorbelastet. Datenschutz ist wichtig. Aber dadurch wird die Anwesenheitskontrolle sehr schwer durchführbar. Ich muss als Dozent gleichzeitig über Kacheln die Namen der Anwesenden nachvollziehen oder die Studierenden müssen sich alle mal kurz melden oder die HiWis übernehmen die Anwesenheitskontrolle. Und dann haben sich die Leute oft nicht mit klarem Namen angemeldet, sondern zum Beispiel mit Susi38. Da merkt man, dass sich alles noch im Prozess befindet.

Annika Duin: Welche Voraussetzungen müssten wir an der JLU schaffen, damit wir künftig unsere Online-Angebote optimieren können? Es ist ja durchaus zu befürchten, dass wir evtl. auch im Wintersemester 2020/21 ganz oder teilweise online unterrichten werden.

Michael Knipper: Ich glaube, wir brauchen einfach eine sehr verlässliche und funktionale Plattform. Ich finde es gut, dass wir nur lediglich zwei nutzen und nicht mit allen möglichen zusammenarbeiten. Ich kann auch die Vorbehalte gegenüber Zoom nachvollziehen. Dann müssen wir allerdings stärker überlegen, welche Anforderungen wir als Lehrende an diese Online-Plattformen haben. Ich finde auch, dass die Produktion von Vorlesungsvideos immer noch recht schwierig und kompliziert ist. Es wäre sicher sinnvoll, das am Ende differenziert und gut zu evaluieren, damit den Leuten eine Hilfestellung gegeben werden kann, was möglich ist. Aber wer evaluiert schon gerne ausführlich? Wir sind am Ende wahrscheinlich froh, wenn das Semester vorbei ist. Am Ende wird es wohl so werden, dass wir zwei Modelle haben, WebEx und Microsoft Teams, die all das leisten, was wir brauchen und mit denen wir als Dozenten dann einigermaßen klarkommen. Die Studierenden hoffentlich auch. Wir werden verlässlich Kleingruppenunterricht machen, Vorlesungen halten und eine Anwesenheitskontrolle durchführen. Auch entsprechende Serverkapazitäten wurden ja bereits aufgebaut. Nur die Leitungskapazität in der Stadt Gießen ist nicht überall so, dass es immer gut funktioniert. Man merkt zu gewissen Uhrzeiten, dass fast gar nichts läuft. Aber nicht nur darum fände ich es gut, wenn wir trotz des Corona-bedingten Online-Bedarfs und der sich sicher verbessernden technischen Möglichkeiten nicht vergessen, dass wir auch, so viel es geht, wieder Präsenzlehre ermöglichen.  



Interview mit Claudia Hattendorff


Claudia Hattendorff
Prof. Claudia Hattendorff. Foto: Anna Lena Habermehl.

Prof. Claudia Hattendorff ist Professorin für Kunstgeschichte am Institut für Kunstpädagogik am Fachbereich 03 der Justus-Liebig-Universität und auch am ZMI engagiert. In ihrer Forschung und Lehre beschäftigt sich Frau Hattendorff u.a. mit Bildkunst. In ihrer Lehre möchte sie die Studierenden sowohl für die Kunst als auch für die Wissenschaft begeistern. 



Annika Duin: In Ihrem Fachgebiet arbeiten Sie ja auch im Präsenzbetrieb mit vielen Medien, wenn es etwa um die Betrachtung und Analyse von Kunstwerken geht. Wie lässt sich diese Vermittlung der Lehre nun in Formate der Online-Lehre gießen?

Claudia Hattendorff: Es ist ja so, dass das Fach Kunstgeschichte in der Lehre im Grunde genommen schon seit dem späten 19. Jahrhundert medial vermittelnd arbeitet. Die Kunstgeschichte ist das erste oder eines der ersten Fächer, die mit Diaprojektionen gearbeitet haben, eben schon am Ende des 19. Jahrhunderts. Wir machen diese Bildprojektionen jetzt schon lange digital. Ich kann sagen, dass ich aus einem Fach komme, das relativ viel Erfahrung damit hat, die Gegenstände im Seminarraum, eben über eine Projektion, sichtbar zu machen. Insofern habe ich sozusagen eine einschlägige Vorkenntnis, um jetzt mit erweiterten digitalen Methoden zu arbeiten. Ich persönlich habe das so gelöst, dass ich die eigentlich immer schon sehr aufwendig produzierten PowerPoint-Folien, die ich für die Präsenzlehre nutze, konzeptionell um stärker textbasierte Passagen erweitere. Darin sind dann auch die Bilder und die Gegenstände enthalten, um die es geht. Aber ich nehme auch, auf verschiedenen Ebenen graphisch kenntlich gemacht, Textelemente auf, die teilweise meine Kommentare sind, teilweise sind es Fragen an die Studierenden, teilweise sind es Exzerpte aus Quellen oder Exzerpte aus Sekundärliteratur. Nur stelle ich das den Studierenden zur Verfügung. Jede Woche wird so eine Lehreinheit hochgeladen. Und ich bediene mich dabei bei Stud.IP. Und gleichzeitig benutze ich dort die Forum-Funktion, sodass die Studierenden Fragen stellen können an die Gruppe und wir immer auch so ein interaktives Element erhalten. Und ich mache dann noch zusätzlich WebEx-Konferenzen. So arbeite ich mit verschiedenen Mitteln auf verschiedenen Kanälen. 

Annika Duin: Gibt es eigentlich auch urheberrechtliche Probleme, wenn es etwa um Bildrechte geht, die im Kontext der Online-Lehre Schwierigkeiten bereiten?

Claudia Hattendorff: Also diese Probleme gibt es schon. Urheberrecht ist ein komplexes Thema. Wir sind damit natürlich auch konfrontiert, wenn wir Texte hochladen. Das ist gerade jetzt problematisch, weil man natürlich schon gerne mal eine Monografie in digitaler Form zur Verfügung stellen würde, aber dies aus Urheberrechtsgründen nicht funktioniert. Bei Bildrechten ist es besonders kompliziert, weil neben dem Autor, also dem Künstler bzw. der Künstlerin, häufig auch noch der Fotograf bzw. die Fotografin Rechte geltend macht, also derjenige, der das Digitalisat gefertigt hat, und gegebenenfalls auch noch die Sammlung, in der ein Werk aufbewahrt wird. Das ist eine komplexe Frage, die wir in der Lehre normalerweise damit umgehen, indem wir es einfach ignorieren, weil wir davon ausgehen, dass die Nutzung im geschlossenen Seminarraum kein Problem darstellt und wir da in keinen rechtlichen Konflikt kommen. Und bei der Online-Lehre ist es natürlich potenziell ein Problem, weil diese Lehreinheiten von einer großen Gruppe gesehen werden können. Aber das umgehe ich, indem ich diese Stud.IP Veranstaltung für andere schließe. Damit bin ich rechtlich auf der sicheren Seite. Aber potenziell ist das ein Problem.

Annika Duin: Die Online-Lehre stellt ja nicht nur die Lehrenden, sondern auch die Studierenden vor große Herausforderungen. Wie kommen die Studierenden didaktisch und technisch mit den neuen Formaten klar?

Claudia Hattendorff: Ich glaube, dass die Studierenden in technischer Hinsicht mit den Formaten überhaupt kein Problem haben. Nun setze ich allerdings, so würde ich sagen, auf vollkommen etablierte mediale Kanäle. Ich glaube, es ist eher ein Problem, wie im Rahmen einer Online-Lehre mit den Inhalten umgegangen wird. Also glaube ich schon, dass es so ist, dass die Studierenden jetzt sehr viel stärker auf das Selbststudium verwiesen sind. Ich versuche natürlich, das anzuleiten. Ich formuliere Erwartungshorizonte, wo sie ungefähr hinkommen sollen. Ich glaube aber, dass viele Studierende feststellen, dass sie sich sehr stark konzentrieren müssen, dass sie eine Menge Zeit aufwenden müssen. Gerade dann, wenn es auch noch begleitende Lektüren gibt. Mir ist vollkommen bewusst, dass das für Studierende vor allem auch ein Zeitproblem ist. Gleichzeitig denke ich, dass eben im Normalbetrieb, im Präsenzbetrieb von Studierenden eher zu wenig gelesen wird. Dann denke ich, dass die Online-Lehre auch einen positiven Effekt hat. Natürlich möchte ich die Studierenden nicht überlasten. Die Tatsache, dass jetzt mehr gelesen werden muss, unter dem Druck der Verhältnisse, finde ich indes nicht nur negativ. Es hat eben auch positive Seiten.



Interview mit Johannes Diesing


Johannes Diesing
Dr. Johannes Diesing. Foto: privat.

Dr. Johannes Diesing ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft und aktives Mitglied am ZMI. In seiner Forschung beschäftigt er sich insbesondere mit politischer Theorie und politischer Partizipation. Im vergangenen Jahr war er  mehrfach in Asien, was sich nun auch in seiner Lehre an der JLU widerspiegelt. 



Annika Duin: Im Kontext der Corona-Krise ist auch die JLU gezwungen, auf Online-Lehre umzusteigen. Welche Erfahrungen haben Sie in den vergangenen Wochen gemacht?

Johannes Diesing: Also, ich würde sagen, dass ich bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht habe. Aber von Woche zu Woche stelle ich mir natürlich auch die Frage, wie die Online-Lehre bei den Studierenden ankommt. Manchmal habe ich die Studierenden direkt danach gefragt, wenn es ein Seminar mit einer Videokonferenz gibt. Was sie mir dann mitgeteilt haben, ist, dass sie sich von dem Workload, den sie haben, ziemlich erschlagen fühlen. Ich habe das für mich so geregelt, dass ich je nach Thema und Format des Seminars, geschaut habe, was sinnvoll sein könnte, also wie ich Online-Lehre dort gestalte. Ich habe gedacht, dass es auf einem größeren, abstrakteren Level nicht sinnvoll wäre, als Dozenten und Dozentinnen, nur Arbeitsaufträge reinzuschieben und die Studierenden das abarbeiten zu lassen. Und so habe ich versucht, eine Mischung zu machen. Ja, ich würde sagen, das klappt ganz gut.

Annika Duin: Viele Studierende aus dem Ausland konnten wegen der Corona-Krise nicht wie geplant an der JLU studieren. Sie bieten derzeit einen Kurs an, an dem Studierende der Tokyo University teilnehmen. Wie funktioniert die Kommunikation der Studierenden aus Gießen und Tokyo in der Praxis?

Johannes Diesing: Das ist ein Seminar, das ich gemeinsam mit meinem Kollegen Niklas Ferch anbiete. Da haben wir jede Woche eine Konferenzschaltung mit den Studierenden. Für die Studierenden in Tokyo ist das dann am Abend eigentlich so relativ am Ende ihres Studientages. Und ein Teil der internationalen Studierenden ist in Gießen und lebt hier in den Studentenwohnheimen. Es gibt auch noch ein paar Studierende, die es nicht mehr geschafft haben, in der Corona-Krise nach Gießen zu kommen, beziehungsweise die zum neuen Semester nicht wieder einreisen durften. Sie sitzen dann zum Beispiel in Frankreich. In diesem Seminar arbeiten wir mit Konferenzschaltungen, diskutieren und tauschen uns über die unterschiedlichen Themen aus. Das Thema des Seminars ist „Einführung in das politische System der BRD“. Gleichzeitig lernen wir alle aber auch viel über das politische System in Südafrika, über die aktuelle Situation in Japan und auch über Frankreich.

Annika Duin: Passieren diese Gespräche zufällig oder sind sie schon geplant?

Johannes Diesing: Naja, in Frankreich hatten die Studierenden, weil sie nicht mehr einreisen durften, eine viel striktere Ausgangssperre. In Deutschland haben wir keine richtige Ausgangssperre gehabt. Und da war das schon interessant, sich das mal so anzuhören, wie sich der Alltag dort gestaltet.

Annika Duin: Wir sind ja in dieser Krise mehr oder weniger in ein Online-Semester gestolpert. Nun könnte es allerdings sein, dass wir auch im Wintersemester 2020/21 teilweise online lehren werden. Welche Auswirkungen erwarten Sie, wenn wir längerfristig so mit Studierenden kommunizieren?

Johannes Diesing: Naja, das Wintersemester wäre ja ein Semester, in dem auch Studienanfängerinnen und -anfänger neu mit dem Studium beginnen. Das stelle ich mir schon als Herausforderung vor. Wenn ich bereits Kurse belegt habe, mittendrin stecke im Studium, meine Dozentinnen und Dozenten irgendwie kenne, dann erfordert das von mir etwa, dass ich eine gute Zeitplanung mache und dass ich auch über die Zeit diszipliniert dabei bleibe. Das geht schon irgendwie. Das kann man schon hinbekommen. Ich stelle es mir ein wenig schwierig vor, wenn ich meine Dozentinnen und Dozenten nur in Form eines Screens oder nur über ein Interface kennenlerne. Und wenn ich noch gar kein Studiengefühl habe, mit allem, was dazu gehört. Was gar nicht so unbedingt inhaltlich mit dem Curriculum zu tun hat. Es ist ja auch an sich eigentlich eine aufregende Zeit, ein Studium zu beginnen. Da wird sicherlich was anders passieren, wenn das Studium mit einem Online-Semester beginnt. Und dann könnte ich mir auch vorstellen, dass es über die Dauer der Zeit für einige Studierende auch ein Problem wird, dieses Selbstmanagement aufrechtzuerhalten. Sie müssen in der Situation von der Online-Lehre eigentlich ihr eigener Chef sein. Wenn jenseits der Anforderungen, die die Universität stellt, Diskurse von Lockerungen und Rückkehr in die Normalität zu vernehmen sind, dann wird es sicherlich nicht leichter, jeden Tag vor dem Screen zu sitzen und den Workload abzuarbeiten. Zumal wir auch im Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen festgestellt haben, dass wir alle – sowohl auf der Seite der Dozentinnen und Dozenten, als auch auf der Seite der Studierenden –  möglicherweise ein bisschen mit einer Lebenslüge gelebt haben, nämlich, dass man diesen Workload schon irgendwie schaffen kann. Wenn man all das tut, was die Studienordnung verlangt, also wenn man genau so viel Vorbereitung in ein Seminar und so viel Nachbereitung reinsteckt, wie dafür eigentlich vorgesehen ist, dann ist Studieren wirklich ein Vollzeit-Arbeitstag. Und das erleben wir jetzt, so glaube ich, ein bisschen wie einen Clash. Wenn wir Arbeitsaufträge hochladen in die Lernplattformen, dann taucht plötzlich wirklich dieser Workload auf, der dann reicht für einen Vollarbeitstag und eine Vollarbeitswoche. Und das ist sicherlich auch eine Herausforderung, dass dann über die Zeit auch durchzuhalten.

Annika Duin: Und zum Beispiel auch bei Studierenden mit Nebenjobs. Das ist dann ja auch nochmal schwieriger.

Johannes Diesing: Ja, das kommt dann ja noch dazu, viele Studierende arbeiten. An der JLU gab es zur Unterstützung der Online-Lehre noch Hilfskräfte, die neu eingestellt wurden. Es gibt andere Universitäten in anderen Bundesländern, in denen sich die Verwaltung erstmal ein bisschen quer gestellt hat und in der Folge überhaupt keine Hilfskrafteinstellungsverträge bearbeitet wurden. Und wenn für Studierende, die über ihren HiWi-Job auch ihren Lebensunterhalt mitbestreiten, wenn da einfach die Verwaltung sagt, wir sind jetzt überfordert und können nicht den Arbeitsvertrag verlängern, dann bricht da natürlich noch zusätzlich was weg. Alles, was ich jetzt gesagt habe, betrifft erstmal nur die Anforderungen des Lernens und die Sorge um Familie, um Angehörige, um Personen, die einem wichtig und lieb sind, in Zeiten einer globalen Pandemie, aber auch das eigene ökonomische Fortkommen, das kommt dann ja alles noch oben drauf. Also im Moment kommt es mir so vor, als wenn die Menschen sehr froh sind, sich auf die Illusion von Normalität einzulassen, aber ja, wir sind noch nicht an dem Punkt, wo eigentlich schon aufgeatmet werden kann.  

 

 

 

Drei Fragen an Ningjie Zhang - ein Videointerview


Die Germanistin Dr. Ningjie Zhang arbeitet als Dozentin am Deutschinstitut an der Fremdsprachenuniversität Sichuan (SISU) in China und untersuchte in ihrer Promotionsarbeitdie Stereotype und Einstellungen chinesischer Deutschstudierender gegenüber den Deutschen. Über diesen wichtigen Aspekt beim Fremdsprachenlernen sprach sie während ihres Forschungsaufenthaltes mit dem ZMI:

Unsere Gesellschaft tradiert Einstellungen, sodass wir bereits stereotype Vorstellungen haben, bevor es überhaupt zu einer interkulturellen Kontaktsituation gekommen ist. Auch beim Sprachenlernen spielen die Stereotype der Lernenden zum Zielsprachenland immer eine Rolle, so Ningjie Zhang. Diese Bilder sind jedoch unvollständig, also stereotyp verkürzt, und sind häufig mit Emotionen aufgeladen, die sich in den Einstellungen der Lernenden widerspiegeln. Diese Einstellungen hat Ningjie Zhang beobachtet und mithilfe von Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie gemessen. Bei den Chinesen herrscht ein bestimmtes Bild des typischen Deutschen vor, welches heutzutage über die preußischen Tugenden hinausgeht. Quellen für die Einstellungsbildung in China sind verbreitete Meinungen, aber auch persönliche Erfahrungen, z.B. mit deutschen Produkten. Darüber hinaus unterrichten deutschsprachige Muttersprachler*innen nicht selten an chinesischen Universitäten. Ningjie Zhang wollte auch herausfinden, ob die deutsche Lehrperson das Bild, welches die Student*innen von ihr haben, kennt und ob ihr die Erwartungen, die damit einhergehen, bewusst sind. Schließlich kann die deutsche Lehrperson mit ihrem Verhalten die Stereotype ihrer Student*innen beeinflussen und ändern. Dann gibt es noch das vermutete Heterostereotyp, also ein vermutetes Fremdbild, welches die Vorstellung der Lehrperson ist, wie die Student*innen sie sehen. Ningjie Zhangs Ziel ist es, Grundsätze herauszuarbeiten, wie man mit diesen gegenseitigen, vorgeprägten Vorstellungen umgehen kann. Diese Grundlage kann später genutzt werden, um die Interkulturelle Kompetenz bei den Lehrenden und Studierenden weiter zu stärken. Wie dies in der lernerzentrierten Praxis aussehen kann, welchen Stellenwert die deutsche Sprache für die Chinesen hat und wie Ningjie Zhangs persönliche Beziehung zur deutschen Sprache und Kultur ist, erfahren Sie im Interview 3 Fragen an Dr. Ningjie Zhang“.

Ina Daßbach interviewt Dr. Ningjie Zhang im „3 Fragen an“-Video.
Ina Daßbach interviewt Dr. Ningjie Zhang im „3 Fragen an“-Video.
 


 

 

 Veranstaltungsankündigungen 

 

Livestream "Online-Lehre - Debatte über die Erfahrungen in Zeiten von Corona"

 

Kontroverse Onlinelehre

Pandemie-bedingt ist die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) im April in ein Online-Semester gestartet – ein unfreiwilliger Wechsel, der Studierende und Lehrende vor neue Herausforderungen gestellt hat. In einer weiteren virtuellen Veranstaltung aus der Reihe „Kontroversen“ am Institut für Politikwissenschaft der JLU soll am 7. Juli 2020 ab 18 Uhr eine erste Bilanz zu den Erfahrungen mit der Online-Lehre in diesem Sommersemester gezogen werden. 

Wie erleben die Studierenden die Online-Lehre in der Praxis? Welche Chancen und Probleme ergeben sich in der Umstellung von Präsenzlehre auf Online-Lehre? Wie gehen Studierende mit der Herausforderung um, in den unsicheren Zeiten der Pandemie ihr Studium weiter zu verfolgen? Diese und andere Fragen diskutieren Mayra Heinz, Lehramtsstudentin (Biologie/Politik und Wirtschaft), Melanie Wulf, Bachelorstudentin (Chemie) sowie Michel Zörb, Bachelorstudent (Social Sciences) mit der JLU-Vizepräsidentin für Studium und Lehre Prof. Verena Dolle.

Im Livestream kann die Debatte bequem von zu Hause aus verfolgt werden. Dabei sind die Zuschauerinnen und Zuschauer auch zur aktiven Diskussion eingeladen: Publikumsfragen können über Twitter unter dem Hashtag #CoronaKontroverseJLU sowie Instagram @fachschaftgw geteilt und ans Podium zurückgespielt werden.

 

Termin und Link zum Livestream

Dienstag, 7. Juli 2020, 18 Uhr

https://bit.ly/2LYQbRf

 

Kontakt

Prof. Dr. Dorothée de Nève

Institut für Politikwissenschaft

E-Mail: dorothee.de-neve@sowi.uni-giessen.de


 

 

Educational Linguistics – Programm auf das Wintersemester 2020/2021 verschoben

 

Geplant war für das Sommersemester 2020 ein thematischer Schwerpunkt Korpuslinguistik und Spracherwerb. Dr. Roman Schneider, Leibniz-Institut für Deutsche Sprache Mannheim, sollte diesen Schwerpunkt mit einem Vortrag zum Thema Das Songtextkorpus - multidisziplinäre Perspektiven einer empirischen Ressource zur deutschsprachigen Popmusik eröffnen. Anschließend geplant waren ein Vortrag von Prof. Rolf Kreyer (Marburg) mit dem Titel Longitudinale Lernerkorpora: Potentiale und Grenzen und von Dr. Franziska Wallner (Leipzig, Herder-Institut) zum Thema „Wortschatzvermittlung für Fortgeschrittene: Eine empirische Annäherung an die B2-Lexik im Fach Deutsch als Fremdsprache.“ Abgeschlossen werden sollte dieser thematische Schwerpunkt mit einem ganztägigen Workshop zum Thema „Neuzuwanderung und Sprache: LernerInnenkorpora und Forschungsmethodik“, organisiert von Prof. Jana Gamper (JLU).

Die Sektion hat den gesamten Themenschwerpunkt um ein Semester verschoben, die drei Vorträge werden am 8. Dezember 2020, 12. Januar 2021 und 26. Januar 2021 stattfinden. Der Tagesworkshop ist für den 5. Februar 2021 geplant.

 

 

 

 

 Videos


Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Die EU zwischen Corona und Kohäsion. Auswirkungen der Pandemie auf eine ungleiche Union“ vom 24.06.2020


kontroverse EU

Bildschirmfoto des Livestreams mit Prof. Ulrike Guérot, Prof. Udo Bullmann, Gebärdendolmetscherin Daniela Unruh und Dr. Johannes Diesing.
Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=7DpSM0MS-L4



Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Grenzen in Zeiten der Pandemie“ vom 09.06.2020

 

Grenzen in Zeiten der Pandemie

Bildschirmfoto des Livestreams mit Gebärdendolmetscherin Daniela Unruh, Prof. Regina Kreide, PD Dr. Michael Knipper und Prof. Greta Olson.


Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=JrfwEO_rgfo

 


 

Videomitschnitt der Livestream-Debatte „Hat die Demokratie die Seuche?“ vom 28.04.2020


Kontroverse Pandemie

Bildschirmfoto des Livestreams mit Gebärdendolmetscherin Ronja Hollenbach, Niklas Ferch, Louisa A. Süß und Prof. Regina Kreide.

 

Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=MeZv_2GTYPg




„Drei Fragen an“ - Interview mit Ningjie Zhang

 

3 Fragen an Dr. Zhang

Bildschirmfoto des Interviews mit Ina Daßbach und Dr. Ningjie Zhang.

 

Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=2Oh3zzONSQk 




 

Aktivitäten und Events der letzten Monate


Über die Livestream-Debatte zum Thema „Die EU zwischen Corona und Kohäsion. Auswirkungen der Pandemie auf eine ungleiche Union“ 


Wegen der Covid-19-Pandemie wurde das Debattenformat „Kontroversen“ des Instituts für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Unterstützung des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) in den digitalen Raum verlegt. Dort wird regelmäßig in einem Livestream mit Gebärdensprache ein Thema mit Bezug zu Corona diskutiert. Das Publikum kann über Twitter und Instagram Fragen stellen.

Unter dem Titel „Die EU zwischen Corona und Kohäsion. Auswirkungen der Pandemie auf eine ungleiche Union“ diskutierten der Abgeordnete des Europäischen Parlaments und ehemalige Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokrat*innen Prof. Udo Bullmann, die Politikwissenschaftlerin, Publizistin und Gründerin des European Democracy Labs, Prof. Ulrike Guérot, und die Studentin der European Studies an der Universität Leipzig, Louisa A. Süß, über die Auswirkungen von Corona auf die europäische Union. Dabei wurden die grundlegenden – vor allem ökonomischen – Spaltungen erörtert, ebenso wie die Perspektive der anstehenden deutschen Ratspräsidentschaft, die am 1. Juli 2020 beginnt und schon vor Corona mit hohen Erwartungen verbunden war. 

Viele strukturelle Probleme innerhalb der europäischen Union werden gegenwärtig durch die Pandemie sichtbar, wie der Fall Tönnies zeigt. Dort arbeiten viele Vertragsarbeiter*innen aus Südosteuropa oder Polen unter mangelhaftem Arbeitsschutz in einer Fleischfabrik, was in einem großen Ausbruch an Infektionen und einer Gesundheitsgefahr resultiert. Nicht nur starke Lohnungleichheiten, sondern allgemein unterschiedliche Lebensstandards treiben Arbeitsmigration innerhalb des europäischen Binnenmarktes an. Die europäische Kohäsionspolitik versucht zwar strukturschwache Regionen finanziell zu stärken, jedoch reicht dies nicht, um gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und die Migration in entwickeltere Regionen aufzuhalten. Hierbei seien Ausgleichsmaßnahmen wichtig, wie eine Stärkung des Haushalts und somit des Mehrjährigen Finanzrahmens der EU, die Etablierung einer gemeinsamen Arbeitslosenversicherung oder eine gemeinsame Besteuerung, so ist das Podium sich einig.

Bullmann und Guérot sehen in der gegenwärtigen Situation auch ein Momentum für einen Civic Turn, in welchem die Zivilgesellschaft in Form von Bürgerinnen und Bürgern nun als Agenten der europäischen Demokratie auftreten können. Zudem sei aus vergangenen Krisen gelernt worden; nicht nur was Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft anginge, sondern auch in Bezug auf die Kooperation und Lösungsfindung innerhalb der Union. 

Am Vorabend der deutschen Ratspräsidentschaft betont der deutsche Außenminister Heiko Maas Solidarität als Kernkonzept der 6 Monate, die prioritär die Überwindung der Corona-Krise als Ziel haben. Nun ist der Blick sehnsüchtig und erwartungsvoll nach Berlin gerichtet und es bleibt abzuwarten, ob diese Anforderungen erfüllt werden können. 

Bildschirmfoto des Livestreams mit Prof. Ulrike Guérot, Prof. Udo Bullmann, Gebärdendolmetscherin Daniela Unruh und Dr. Johannes Diesing.

Bildschirmfoto des Livestreams mit Prof. Ulrike Guérot, Prof. Udo Bullmann, Gebärdendolmetscherin Daniela Unruh und Dr. Johannes Diesing. 

 

Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=7DpSM0MS-L4




Digitaler Vortrag „'Intelligentsia 2.0': (re)constructing and (re)producing 'intellectuality' in Russian digital media“ mit Ksenia Eltsova


On May 13, the ZMI working group on “Digital Habitus” organized a discussion with Dr. Ksenia Eltsova from the Center for the Study of European Cultures (VŠEK) of the Russian State University for the Humanities (RGGU) in Moscow to discuss her previously recorded talk on “'Intelligentsia 2.0': (re)constructing and (re)producing 'intellectuality' in Russian digital media”. In the virtual meeting, Ksenia Eltsova presented her follow-up project, which built up on her dissertation entitled “The idea of elitism in Russian new media: ways of construction and patterns of representation”. In her postdoc project, she focusses on the question of “how social boundaries are (re)produced in new media” by comparing Russian, German and French case studies. 

Ksenia Eltsova 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Her pre-registered talk primordially engaged with the Russian case in which she started with a historical overview of the transformation of Russian ‘intelligentsia’ from pre- to post-Soviet times. With the collapse of the Soviet Union, ‘intelligentsia’ not only lost its social status, but also its sources of income, which required ‘reimagining’ group identification patterns. Ksenia introduced different waves, in which well-educated people developed online formats which exclusively targeted the ‘selected few’. Since these self-proclaimed intellectuals also had to identify alternative sources of income, they commodified their ‘intellectual content’ which aimed at ‘advanced audiences’ by combining ‘highbrow’ discourses with glossy lifestyle formats. Around 2007/08, the term ‘intellectual glossy’ was coined, which changed into ‘quality press/media’ around 2012. Ksenia Eltsova convincingly showed how this post-Soviet ‘intellectual class’ gave up all egalitarian standards promulgated under socialism to develop instead a market-oriented rhetoric based on individualism and competition. As a result, digital media served as a powerful tool to demonstrate and reproduce social distinction. 

Ksenia Eltsova 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ksenia Eltsova’s highly interesting and thought-provoking talk opened the floor to a fruitful discussion. Particularly the observation that Russian ‘intelligentsia’ defines a conceptual hybrid from pre- to post-Soviet times incited the question in how far it is a genuinely Russian concept, which would then require a different terming to analyze the production of intellectuality in Germany and France. Furthermore, the “Digital Habitus” group discussed with Ksenia Eltsova, whether gender is represented in Russian ‘intellectual’ media concluding in the question of who would thus be entitled to speak from the position of an ‘intellectual’. The discussion also turned towards current political issues, such as ecology or gender diversity,  and to the question of how the digitally constructed 'intellectuality' relates to them. Especially this last idea problematized the development of an esthetically self-aggrandized ‘intelligentsia’ which abandons its critical engagement with actual politics. Especially, the involvement of different groups in the discourses on ‘intellectuality’, suggests that the digitization of the concept of ‘intelligentsia’ fostered a consumer-oriented de-politization which is in the line with the capitalist market. Finally, of utmost interest for the “Digital Habitus” group certainly is the importance of language as a means of social distinction and in which ways ‘lower class’ linguistic markers can be appropriated by the so-called ‘intelligentsia’ without resulting in social degradation. 

 

The “Digital Habitus” group is looking forward to further academic exchange with Ksenia Eltsova, which will certainly entail more fruitful discussions. 

 

 


Marburger FaDaF-Thementage am 24./25. April 2020 mit Tamara Zeyer

 

Dr. Simon Falk (IFS, Uni Marburg) und Dr. Tamara Zeyer (ZMI, Uni Gießen). Foto: Johanna Michel.
Dr. Simon Falk (IFS, Uni Marburg) und Dr. Tamara Zeyer (ZMI, Uni Gießen). Foto: Johanna Michel.

 

Die 47. Jahrestagung des Fachverbandes Deutsch als Fremd- und Zweitsprache hätte dieses Jahr zum ersten Mal in Hessen an der Philipps-Universität Marburg stattgefunden. Nach der coronabedingten Veranstaltungsabsage wurde das geplante Programm am 24. und 25. April 2020 in digitaler Form präsentiert. Im Rahmen der „Marburger FaDaF-Thementage“ konnte der fachliche Austausch der internationalen DaF/DaZ-Community erfolgen. Dr. Tamara Zeyer unterstütze das Tagungsteam als Co- Moderatorin im Themenschwerpunkt „Professionalisierung von Lehrkräften und digitale Kompetenzen“. Die Anzahl der Teilnehmenden während der 90-minütigen Session variierte zwischen 290-320; sie konnten ihre Fragen an die Vortragenden über ILIAS-Foren und Zoom-Chats stellen. 



Ein Beitrag der Deutschen Welle über die Veranstaltung.



 

Kommentierte Lesungen aus der antiken Literatur nun als Podcast online abrufbar

Prof. Peter v. Möllendorff und Rudolf Guckelsberger
Prof. Peter v. Möllendorff und Rudolf Guckelsberger. Foto: privat.

Dichtung und Prosa der griechischen und römischen Antike stehen nicht nur am zeitlichen Beginn der europäischen Literatur, sondern bilden auch ihren Nährboden. Aus der Antike stammen die großen und kleinen Genres; Homer und seine Nachfolger haben darüber hinaus auch thematisch und stilistisch den Grund für alles Spätere gelegt. Was dabei oft vergessen wird: Diese Texte waren nur sekundär für das stille Lesen verfasst. Primär sollten sie aufgeführt, vorgelesen, rezitiert werden, und selbst die solitäre Lektüre betrieb man gern mit lauter Stimme. Diese Dimension wiederzuerwecken ist ein Anliegen, dem Rudolf Guckelsberger (Sprecher und Moderator beim SWR) und Peter v. Möllendorff (Professor für Gräzistik an der JLU) nachgehen. Gemeinsam lesen und kommentieren sie seit mehr als zehn Jahren in öffentlichen Auftritten Meisterwerke der antiken Literatur, von Homer bis Lukian; auch in Gießen waren sie schon mehrfach im Rathaus vor vollen Publikumsrängen zu hören.

Die Podcasts dieser Lesungen erscheinen jetzt jeweils am ersten Montag des Monats. Sie sind zu finden unter: https://www.uni-giessen.de/fbz/fb04/institute/altertum/philologie/dokumentationen/lesungen

Dort können sie gestreamt, aber auch heruntergeladen werden.

 

 

 

Nach der Transkription: Das Analoge im Digitalen, das Digitale im Analogen

Die zweite Tagung der Reihe Zukünfte der Philologie im Medienumbruch widmete sich sowohl den Transkriptionen als auch den Interaktionen zwischen analogen und digitalen Objekten. Das 'Digitalisieren' als Dreh- und Angelpunkt der Digital Humanities meint dabei gleichermaßen die Umwandlung eines analogen Zeichen-Ensembles in ein digitales Bildobjekt, ebenso aber auch die Umwandlung von digitalen Bildobjekten in Text-Dateien. Bei dieser Umwandlung findet nicht nur eine digitale Transkription statt, sondern in editionsphilologischen Projekten (etwa der von Anne Bohnenkamp besorgten digitalen Faust-Edition) werden zudem bestimmte Eigenschaften des analogen Ausgangsmaterials durch verschiedene Formen der digitalen diplomatischen Transkription 'sichtbar' gemacht. 

Neben den philologischen Aufgaben einer digitalen Transkription, gibt es auch eine performative Dimension der Digitalisierung: Hier geht es nicht nur um die 'Views', mit denen digitale Zeichen-Ensembles in Szene gesetzt werden, sondern auch um jene Objektaspekte, die sich nicht vollständig digitalisieren lassen. Hierzu zählen Faksimiles, die als digitalisierte analoge Objekte angesehen werden müssen. 

Bei der Tagung ging es um die Frage, wie sich in philologischen, archivalischen, kuratorischen und performativen Kontexten die Interaktion zwischen Analogem und Digitalem nach der (digitalen) Transkription beschreiben lässt.  Diese Tagung wurde von Prof. Uwe Wirth (ZMI-Sektion Kunst und Medien / Institut für Germanistik, JLU) und Irmgard Wirtz (Schweizerisches Literaturarchiv, Bern) organisiert. Sie fand am 6. und 7. Februar 2020 im Sitzungsraum des ZMI statt und setzte sich mit den verschiedenen Modi der Interaktion zwischen Digitalisaten und analogen Objekten auseinander.

 

 

 

 

 

 In den Medien


Elif Özmen über die Pandemie in der Gießener Allgemeinen


Prof. Elif Özmen. Foto: Oliver Schepp.
Prof. Elif Özmen. Foto: Oliver Schepp.

 

In dem Artikel Gießener Philosophin sieht Pandemie als ´Brandbeschleuniger´, der am 10. Juni 2020 in der Gießener Allgemeinen erschien, äußert sich Prof. Elif Özmen von der Justus-Liebig-Universität zur Corona-Pandemie. 

Die Philosophie kann Orientierungswissen vermitteln, da sie über kulturelles Wissen und verschiedene Ressourcen verfügt, mit denen man nach Lösungen suchen kann, so Özmen. Wenn es um die Corona-Verordnungen geht, so darf ein Grundrecht nicht verabsolutiert werden. In diesem Fall war es notwendig, dass die Ausübung der eigenen Freiheit begrenzt wurde, um die Freiheit anderer zu schützen. Denn in unserer Gesellschaft haben wir eine Werteordnung, in der das Recht auf Leben das moralische Fundament dieser beschreibt. Deshalb gibt es einen Gleichheitsgrundsatz, weshalb der Status oder die Lebensführung bei der Behandlung von Patienten selbst in ethischen Extrementscheidungen keine Rolle spielen dürfen. 

In Krisenzeiten sind sich Menschen unsicher über Entscheidungsprozesse. Im Falle der Corona-Krise handelt es sich nach Özmen eher um eine epistemische als um eine normative Krise. Ob eine Entscheidung richtig oder falsch war, sieht man oft erst später. Jedoch müssen sich Menschen bei verlässlichen Quellen so gut wie möglich informieren, denn das kann zumindest vor vermeidbaren Fehlentscheidungen schützen. Nach Ansicht von Özmen läuft einiges falsch, insbesondere was die derzeitige Planlosigkeit bezüglich Kitas und Schulen angeht. Das ausführliche Interview und warum die Philosophin die Pandemie als Brandbeschleuniger sieht, lesen Sie hier.



 

Gießener Anzeiger über die Debatte Grenzen in Zeiten der Pandemie

 

Mit dem Titel Debatte an JLU Gießen: ´Rassismus gibt es auch in Deutschland´ wurde am 16. Juni 2020 ein Artikel im Gießener Anzeiger veröffentlicht, in dem David Hopper die Debatte Grenzen in Zeiten der Pandemie zusammenfasst.

Obwohl sich die Grenzübergänge langsam wieder öffnen, bleiben andere, weniger gut sichtbare Trennlinien im Kampf gegen die weltweite Corona-Pandemie wohl noch auf längere Zeit bestehen, so fängt der Artikel an. Die zusammengefassten Standpunkte der Diskutant*innen können hier nachgelesen werden.

 

 

 

Jutta Hergenhan zur Sexismus-Debatte um Donaulied in der Hessischen Allgemeinen

 

In der Hessischen Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 8. Juni 2020 äußert sich Dr. Jutta Hergenhandie Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, zur Sexismus-Debatte um das Donaulied, die von Student*innen angestoßen wurde. Die Passauer Studentin Corinna Schütz startete eine Petition gegen das Donaulied, welche bislang 30 000 Unterstützer hat (Stand 7. Juni 2020). Die Version des Liedes, in der es um die Vergewaltigung und anschließende Verhöhnung eines Mädchens geht, wird auf Volksfesten oft gesungen. Die Debatte soll einen Denkanstoß anstoßen, um die Verherrlichung sexueller Gewalt in Liedern zu hinterfragen. Schließlich ist das Donaulied kein Einzelfall. Es gibt auch eine Gegenpetition und Kritiker, die die "Kunstfreiheit" fordern und das Donaulied als "Kulturgut" bezeichnen. Doch "Gewaltverherrlichung darf nicht durch die Einordnung als Kulturgut gerechtfertigt werden", so Jutta Hergenhan. Laut Michael Fischer, dem Geschäftsführenden Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Uni Freiburg, könnte diese umstrittene Version des Liedes erst in den letzten Jahrzehnten entstanden sein. Der ganze Artikel kann hier nachgelesen werden. 

 

 

 

Gießener Anzeiger zur Diskussion „Hat die Demokratie die Seuche?“

 

Im Gießener Anzeiger vom 30. April 2020 erschien ein Artikel zur Diskussion vom 28. April 2020, in der sich Prof. Regina KreideProf. Helmut Breitmeier und Prof. Dorothée de Nève zum Thema "Hat die Demokratie die Seuche?" auseinandergesetzt haben.

In ihrer Intervention ging Regina Kreide davon aus, dass die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in dieser Krisenzeit zu sehr über die Freiheit gestellt wird. Für Helmut Breitmeier fehlt es an globaler Zusammenarbeit in der Entscheidungsfindung. Seiner Meinung nach kann die europäische Demokratie nur durch die Entwicklung eines grenzübergreifenden Vertrauens funktionieren. Dorothée de Nève ihrerseits hat auf die Notwendigkeit des Pluralismus und des Diskurses seitens der Demokratien hingewiesen. Das kommt gerade in dieser herausfordernden Zeit zu kurz.

Der vollständige Artikel kann hier aufgerufen werden.

 

 

 

Gießener Allgemeine: Über die Spielekonsolen-Sammlung im ZMI


In der Gießener Allgemeinen vom 23. April 2020 schreibt Christoph Hoffmann über die "»Schätze der Uni«: Die Sammlung der Spielekonsolen im Zentrum für Medien und Interaktivität". Mehr zu der Urgeschichte des ZMI lesen Sie hier.


Die Sammlung von Spielekonsolen und anderen technischen Geräten im ZMI. Foto: Gießener Allgemeine/ Oliver Schepp
Die Sammlung von Spielekonsolen und anderen technischen Geräten im ZMI. Foto: Gießener Allgemeine/ Oliver Schepp



 

 

 

 

Gießener Anzeiger: Über die Schatzkammern der Justus-Liebig-Universität

 

Im Gießener Anzeiger erschien am 13. Februar 2020 ein Artikel, in dem es um „die Schatzkammern der Uni“ Gießen geht, darunter auch die Spielekonsolensammlung am ZMI. Seit einem Jahr ist Dr. Alissa Theiß die Sammlungskoordinatorin der etwa 40 Sammlungen an der Justus-Liebig-Universität. Sie würde gerne die Objekte der Öffentlichkeit zeigen und darauf aufmerksam machen, dass es diese an der JLU gibt. Dabei handelt es sich um historische Messinstrumente, wie Sextanten, Fernrohre, Theodolite, außerdem Tierpräparate, 2000 Jahre alte Münzen, Insignien oder das dritte Zepter, welches älter ist als die Universität Gießen. Anhand dieser Objekte lernen zu können, fördert das Verständnis von Studierenden, so Theiß. 

GA Schatzkammer
Ein Ausschnitt aus dem Gießener Anzeiger: „Die Schatzkammern der Uni“.

 

 

 

 

IDAHOBIT 2020: Ein Blick auf die Situation von LGBTIQ* in Brasilien von Dinah Leschzyk


Am 17. Mai 1990 beendete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein unrühmliches Kapitel ihrer Geschichte: 

Dinah Leschzyk. Foto: privat.
Dinah Leschzyk. Foto: privat.
An diesem Tag strich sie Homosexualität aus ihrer International Classification of Diseases (ICD). Die diskriminierende Kategorisierung von Trans* änderte die Organisation hingegen erst knapp dreißig Jahre später. Der Kampf um gleiche Rechte geht indes weiter. Ihm ist der 17. Mai, der International Day Against Homo-, Bi-, Inter- and Transphobia (IDAHOBIT), gewidmet. 

Anlässlich des IDAHOBIT 2020 sprach Sarah Bast (Frauenzentrum Mainz e. V.) mit Dr. Dinah Leschzyk (Justus-Liebig-Universität Gießen, Zentrum für Medien und Interaktivität, Sektion Medien und Gender) über die anhaltende Diskriminierung von LGBTIQ*. Im Fokus stand die Rhetorik des amtierenden brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der seine Menschenverachtung ungefiltert zum Ausdruck bringt. Mittel seiner verbalen Diskriminierung sind u. a. dehumanisierende Metaphern, Stigmawörter und Kriegsrhetorik. Daneben gibt Dinah Leschzyk einen Einblick in die queere und feministische Bewegung und zeigt, wie Widerstand in Brasilien aussieht. Das Interview ist abrufbar unter: https://frauenzentrum-mainz.de/die-sprachnachricht-unser-neues-interviewformat/

 

 

Gießener Anzeiger: "Unvorstellbares vor Augen geführt: KZ-Film im Gießener Kinocenter zu sehen."

 

plakat_allied_attempts

 


Im Rahmen des Workshops Allied Attempts to Cover Nazi Crimes on Film. What Questions can the Footage Answer? vom 13. bis 15. Dezember 2019 verfasste Frau Prof. Ulrike Weckel am 13. Dezember 2019 einen Artikel im Gießener Anzeiger mit dem Titel: Unvorstellbares vor Augen geführt: KZ-Film im Gießener Kinocenter zu sehen. Es geht dabei um die Filme, die die Alliierten - Amerikaner, Briten, Sowjets und Franzosen - über die von ihren Truppen befreiten Lager produziert haben.

Den vollständigen Artikel können Sie hier aufrufen.

 

 

 

 

 

 

 

 



 

Neues aus den Seniorprofessuren

 

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

 

Das „Panel on Planetary Thinking“ feierte seine Eröffnung 

 

Das mit renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der JLU interdisziplinär besetzte „Panel on Planetary Thinking“ trat in einer Eröffnungssitzung am 19. Juni 2020 erstmalig zusammen. Im Vordergrund stand der Austausch über die Entwicklung einer planetaren Perspektive auf die im JLU Entwicklungsplan 2030 verankerte Querschnittsdimension der Nachhaltigkeit. In einem Grußwort hob Angela Dorn, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, hervor, dass planetares Denken als hochschulpolitisches Ziel zur Bewältigung planetarer Krisen im Hessischen Hochschulpakt benannt sei. Mit der Etablierung eines Nachhaltigkeitsforums sowie der Organisation der kommenden Ringvorlesung des Präsidenten lädt das „Panel on Planetary Thinking“ zum planetaren Denken ein. 

 

Weitere Infos zum Panel on Planetary Thinking“ in den Pressemitteilungen der JLU




taz: Claus Leggewie zum Thema Kunst aus US-Knast: Ästhetik des Kerkers 


In der Corona-Zeit werden totale Institutionen, in denen Menschen eingesperrt sind, als besondere Infektionsherde betrachtet. Dabei spielen Haftanstalten eine wichtige Rolle. Umfangreiche Gefängnisliteraturen und Kriminalfilme scheinen die Unterwelt der Haftanstalten zum Vorschein zu bringen. Der wahre Alltag in den Gefängnissen aber bleibt verborgen. In dem „Artikel Kunst aus US-Knast: Ästhetik des Kerkers“ geht es um das Hervorheben einer anderen Perspektive des Alltags in Gefängnissen durch visuelle Zeugnisse des Lebens hinter Gefängnismauern. Die sogenannten Knastbilder – Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Collagen sowie Grußkarten aus Gefängnissen – dienen als Ausstellungsmaterialien in Museen, Bibliotheken sowie in Universitäten und vermitteln ein anderes Image des Alltags im Knast. Hier geht es zum vollständigen Artikel.


 

 

Frankfurter Rundschau: Antisemitismus oder Zensur? Debatte um Achille Mbembe

 

Die letzten Äußerungen Achille Mbembes zum Holocaust haben eine große Debatte hervorgerufen. Auch Prof. Claus Leggewie meldet sich zu Wort und spricht sich für mehr Sachlichkeit und Moderation in der Debatte aus. Seiner Meinung nach hat Achille Mbembe tatsächlich in unklarer Begrifflichkeit und unscharfer Moralisierung eine missliche, ja verheerende Opferkonkurrenz provoziert. Aber es ist wichtig, dass man bei aller Streitlust den Hauptgegner nicht vergisst, so Leggewie. Der vollständige Beitrag ist hier zu lesen. 

 

 

 

Frankfurter Allgemeine: Zum Tod des Sängers Idir - Patron der Berberkultur


„Ein freundlich-bescheidener Mann“, so beschreibt Prof. Claus Leggewie den im Alter von 70 Jahren in Paris gestorbenen Musiker Hamid Cheriet, der unter seinem Künstlernamen Idir bekannt ist. Seine Popularität gewann er durch die Tatsache, dass er in die damals von den keltischsprachigen Gebieten bis ins imaginierte Okzitanien geschwappte Welle regionaler und regionalistischen Bewegungen passte. 1975 begab er sich nach Paris. In seinem französischen Exil hat sich Idir als Patron der kabylischen Kultur betätigt. Den vollständigen Artikel zum Tod des Patrons der Berberkultur können Sie hier aufrufen.

 

 

 

Blog Beitrag des Progressiven Zentrums: „Corona-Pandemie: Namenloser Ausnahmezustand? - Herantasten: Semantiken der ,Corona-Krise


In dem Blog Beitrag „Corona-Pandemie: Namenloser Ausnahmezustand? Herantasten: Semantiken der ,Corona-Krise‘“ führt Prof. Claus Leggewie den Leser über die Krisenrhetorik zur Corona-Pandemie. Ihm zufolge geht es bei der Corona-Pandemie weder um einen Feind noch um einen Aggressor. Die Corona-Pandemie kann auch nicht mit Katastrophen wie die „Havarien“ von Tschernobyl oder Fukushima verglichen werden. Zwar zieht die Corona-Pandemie wirtschaftliche Folgen mit sich, aber sie kann nicht als lang andauernde Wirtschaftskrise wahrgenommen werden. Leggewie geht davon aus, dass die Corona-Krise trotz ihrer „natürlichen“ Verursachung auch etwas Anderes ist als die Klimakrise. Die Gemeinsamkeit der Corona- und Klimakrise besteht darin, dass die Natur aus dem Gleichgewicht und an bedrohliche Kipppunkte gelangt ist. Der Vollständige Beitrag kann hier gelesen werden.

 

 


Claus Leggewie im Wissenschaftsblog Corona Sustainability Compass: Umsteuern statt hochfahren 


Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Mit der Politik der Prämien will die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft aus der Krise retten. Für Prof. Claus Leggewie ist die Politik der Prämien nicht die richtige Option, denn „Wer jetzt auf ,Abwrackprämien setzt, die schon 2008 das falsche Signal setzten, und jetzt Business as usual plus fordert, um die Wachstumsdelle im ersten Quartal 2020 in neue Rekordhöhen umzustülpen, vertut die historische Chance zur Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft, die im Interesse der Mehrheit der wirtschaftenden Bevölkerung liegt und von den meisten im Grunde auch gewünscht wird.“ Leggewie macht Anspielung auf einen Slogan aus der 68er-Bewegung, der auch in der Corona-Pandemie gelten könne: Das Unmögliche ist die einzige realistische Forderung. Die Corona-Pandemie zeigt, dass es eines Paradigmenwechsels im öffentlichen Sektor, in der Globalisierungspolitik, sowie in der Weltwirtschaft bedarf. Den Artikel können Sie hier lesen.



 

Youtube Video: Germany, Corona, and the State of Exception


In einem Zoom-Webinar setzten sich Prof. Christiane Lemke von der Universität Hannover und Prof. Claus Leggewie von der Universität Gießen mit dem deutschen Weg zur Bewältigung der Corona-Krise auseinander. Die Diskussion fand am 27. April 2020 statt. Die vollständige Diskussion kann hier nachgeschaut werden.  

Germany,Bildschirmfoto der Diskussion Corona, and the State of Exception

Bildschirmfoto der Diskussion „Germany, Corona, and the State of Exception“ mit Prof. Claus Leggewie und Prof. Christiane Lemke.

 

 

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur


Verschoben und remote

 

Die geplanten Präsenz-Aktivitäten veränderten sich: Einige große Veranstaltungen wie das Treffen der Germanisten aus aller Welt in Palermo wurde gleich um ein Jahr verschoben. Andere Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Seminar für neue Germanistik-Dozenten an chinesischen Hochschulen, das Mitte April in Hangzhou stattfinden sollte, wurde ‚nur‘ auf Mitte Oktober verschoben. Mitte September bis Mitte November scheint ein beliebter Zeitraum für Verschiebungen zu sein. Auch unsere Gastvorträge im Rahmen der Sektion Educational Linguistics hoffen auf Präsenz im kommenden Wintersemester.

 

Andere Veranstaltungen wie Auswahlsitzungen für die Stipendienvergabe beim DAAD, Begehungen, Redaktionstreffen oder kleinere Tagungen fanden zum geplanten Zeitpunkt statt, aber remote. Auch das Seminar zu Höflichkeit als sprachlicher und landeskundlicher Gegenstand für Deutsch als Fremdsprache im Rahmen des Masterstudiengangs findet, wie alle Veranstaltungen der JLU, digital statt. Ausprobiert wird dabei vieles, was kooperatives Lernen auch digital ermöglicht. Alles sehr interessant, trotzdem schade, dass das letzte Semester der Seniorprofessur weniger persönliche Kontakte von Angesicht zu Angesicht ermöglicht als gedacht. 

 

 

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur


„Schwarz auf Weiß“: Online-Streaming mit Live-Einführung von Heiner Goebbels 

Heiner Goebbels „Schwarz auf Weiß“ (1996)

 

Anstelle der in Frankfurt geplanten, aber ausgefallenen Aufführungen des gefeierten Musiktheaterstücks „Schwarz auf Weiß“ von Prof. Heiner Goebbels ermöglichte das Ensemble Modern am 16. Mai 2020 um 20 Uhr ein Online-Streaming der arte-Filmproduktion von 1996. Gestreamt wurde der im Rahmen der Uraufführung im damaligen „Theater am Turm“, dem heutigen Bockenheimer Depot, gedrehte Film zusammen mit einer ausführlichen Live-Einführung von Heiner Goebbels im Dachsaal des Ensemble Modern. Diese Einführung ist weiterhin online aufrufbar: 

 

 

 

Prof. Heiner Goebbels - Screenshot von seiner Einführung zur arte-Filmproduktion
Prof. Heiner Goebbels - Screenshot von seiner Einführung zur arte-Filmproduktion

 https://www.youtube.com/embed/iOKcmc06UV0

 

 

 

Video Statement von Heiner Goebbels zu „Everything That Happened And Would Happen“ (2018)


Video Statement zu „Everything That Happened And Would Happen“ (2018)
Screenshot des Video Statements zu „Everything That Happened And Would Happen“ (2018).


Anstelle der in Wien geplanten, aber ausgefallenen Aufführungen der jüngsten Performance von Prof. Heiner Goebbels steuerte er aus dem Homeoffice für die Wiener Festwochen eine Art Tutorial als künstlerische Geste bei. Mit diesem neuen, knapp halbstündigen Video eröffnete der Theatermacher und Komponist einen ganz persönlichen (Ein-)Blick auf sein Stück „Everything That Happened And Would Happen“ nach Texten von Patrik Ourednik im Zeichen der Corona-Krise - es war an den drei geplanten Vorstellungsdaten vom 17. bis 19. Mai 2020 online.  

 

 

 

Streaming Konzert mit „The Mayfield“ beim Moers Festival 


Heiner Goebbels während des Moers Festivals
Heiner Goebbels beim Soundcheck während des Moers Festivals. Foto: privat.



Nach über dreißig Jahren kehrte Prof. Heiner Goebbels als Musiker nach Moers zurück, wo sich seit 1972 mit großer Resonanz das Internationale New Jazz Festival etabliert hat und er in den 80er Jahren mit diversen Konstellationen improvisierender Musiker, und mit einer das Genre übergreifenden Inszenierung zu sehen und zu hören war. 









Screenshot vom Moers Konzert auf arte concert. Foto: privat.
Screenshot des online Konzertes bei arte concert.

Am Pfingstmontag konzertierte er am Klavier zusammen mit den französischen Musiker* Innen Camille Emaille (Percussion), Cecile Lartigeau (Onde Martenot) und Nicolas Perrin (Guitar, Elektronik). „This was ideal for shifting between spectral minimalism and chunky hardass metal eruption [...] It's been three decades since Goebbels played at the Moersfest, and he certainly made a savagely controlled sonic scar on the proceedings this time around.“ (Martin Longley / Jazzwise - London). In diesem Jahr musste das Festival ohne Publikum durchgeführt werden und fand nur digital statt, d.h. die Konzerte in der Festhalle wurden an allen vier Tagen von arte concert online gestreamt und sind zum Teil anschließend auch in der arte Videothek zu sehen.

 

Hier geht es zu einer ausführlichen Rezension des Konzertes beim Moers Festival.

 

 

 

Lehrveranstaltung im Sommersemester 2020


Einführungsfilm zum Inszenierungsprozess der Opern Europeras 1&2 von John Cage bei der Ruhrtriennale 2012 (Foto: Klaus Grünberg)
Einführungsfilm zum Inszenierungsprozess der Opern Europeras 1 und 2 von John Cage bei der Ruhrtriennale 2012. Foto: Klaus Grünberg.

 

Im Rahmen der Online Lehre des Seminars Zeitgenössisches Musiktheater“ zusammen mit Prof. Matteo Nanni am Institut für Musikwissenschaft der JLU produziert Prof. Heiner Goebbels in diesem Sommersemester Einführungsfilme zu Opern von John Cage, Harry Partch, Bernd Alois Zimmermann, Helmut Lachenmann, Louis Andriessen und diskutiert mit den Studierenden im virtuellen ZMI Besprechungsraum des Deutschen Forschungs Netzes.


 

 

Partitur zu „A House of Call - my imaginary notebook  


Die kompositorische Arbeit an der abendfüllenden Orchesterkomposition - ein Auftrag des Musikfestes Berlin und des Ensemble Modern Orchestra (s. Newsletter 1/2020) - hat Prof. Heiner Goebbels inzwischen mit einer über 400-seitigen Partitur abgeschlossen.

Die über 400-seitige Partitur des neuen Orchesterwerks „A HOUSE OF CALL - my imaginary notebook“ von Prof. Heiner Goebbels. Foto: privat.
Partitur des neuen Orchesterwerks „A HOUSE OF CALL - my imaginary notebook“ von Prof. Heiner Goebbels. Foto: privat.

Angesichts der epidemiologisch notwendigen Restriktionen für große Orchester und Publikum wurde die (für die gesamte nächste Spielzeit geplante) Uraufführungs-Tournee mit Konzerten in der Berliner Philharmonie, Elbphilharmonie Hamburg, im Prinzregententheater München, dem Wiener Konzerthaus und in der Kölner Philharmonie  um ein ganzes Jahr auf die Saison 2021/2022 verschoben. 

Auch die Arbeit an dem Buch A House of Call - Materialausgabe, in dem Heiner Goebbels im Rahmen der Georg Büchner-Professur seine Nachforschungen zur Herkunft der akusmatischen Stimmen und historischen Aufnahmen herausgeben wird, ist weitgehend abgeschlossen.

Der Erscheinungstermin wird mit den künftigen Konzerten synchronisiert. 

 


 

„Die Befreiung des Prometheus“ im Deutschlandfunk


Der Deutschlandfunk sendete am 9. Juni 2020 erneut das mehrfach preisgekrönte Hörstück „Die Befreiung des Prometheus“ von Prof. Heiner Goebbels und Heiner Müller. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu am 6. Juni 2020: „Es sind sperrige Texte, die einigen Hörspielen der kommenden Tage zugrunde liegen. Doch wenn man sich auf sie einlässt, taucht man ein in fantastische Welten, löst sich von der Realität, schwebt in spannenden Sphären. Das gilt für ‚Teure Schwalben‘ von Irmgard Maenner [...] sowie Heiner Goebbels und Heiner Müllers ‚Die Befreiung des Prometheus"


 

 

 

 

 

 

Heiner Goebbels nominiert für GEMA Preis


Prof. Heiner Goebbels ist unter den Anwärtern für den Deutschen Musikautorenpreis 2020. Die GEMA ehrt mit dem Preis Musikschaffende für ihre großartigen Songtexte, Melodien und Musikwerke. Die Verleihung, die ursprünglich im März in Berlin stattfinden sollte, wurde verschoben. Insgesamt 28 Musikautorinnen und -autoren sind nominiert, die stellvertretend für die enorme Bandbreite an faszinierenden Werken stehen. Georg-Büchner Professor, Komponist und Regisseur Heiner Goebbels ist in der Kategorie „Komposition Musiktheater“ nominiert. 



 

 

  

Personalia


Otto Behaghel-Seniorprofessur geht zu Ende

 

Prof. Dietmar Rösler. Foto: Rolf K. Wegst.
Prof. Dietmar Rösler. Foto: Rolf K. Wegst.

Die Seniorprofessuren sind immer noch eine vergleichsweise junge Einrichtung an der Justus-Liebig-Universtät Gießen und doch läuft mit Ende des Sommersemesters bereits die Laufzeit der Otto Behaghel-Seniorprofessur am ZMI aus. Drei Jahre hat Dietmar Rösler als Professurinhaber voller guter Ideen und mit dem richtigen Spirit die Arbeit des Zentrums mitgestaltet und bereichert, Kontakte geknüpft, beraten und Menschen vernetzt. Die von ihm eingeworbenen DaF- und DaZ-affinen Forschungsprojekte haben die aktuelle Sprach- und Bildungssituation von Geflüchteten ans ZMI gebracht. Mit der Leitung der Sektion „Educational Linguistics“ hat Dietmar Rösler über Jahre dafür gesorgt, dass immer wieder hochinteressante Themen und hochinteressante Kolleg*innen nach Gießen kamen und für einen regen Austausch über Fragen der Vermittlung linguistischer Schlüsselkonzepte gesorgt haben. Mit unzählig vielen Vortrags- und Seminarreisen – meist mit dem Schwerpunkt Asien (Hongkong, China, Vietnam, Japan) – hat Dietmar Rösler zur Internationalisierung, Vernetzung und Sichtbarkeit des Gießener Standorts beigetragen und Kontakte angebahnt und vertieft, die dem ZMI interessante Impulse – auch durch damit verbundene  Gastdozent*innen am ZMI – geliefert haben. 

Sein großes wissenschaftliches Engagement bei Workshops, Konferenzen, Vorträgen und Diskussionen aller Art ebenso wie Mittagspausen, Flurgespräche und immer offene Ohren haben die Arbeit und den Austausch am ZMI sehr bereichert. Aber bevor das hier wie in einem Arbeitszeugnis klingt, lieber noch ein Wort des Bedauerns: Wir bedauern, dass die drei Jahre schon rum sind. Wir bedauern, dass wir Dietmar Rösler im Moment nur digital-pandemisch und ohne echten Sekt verabschieden dürfen. Aber wir sind andererseits froh, dass mit der Seniorprofesur sehr kompetente Mitarbeiter*innen mit an das ZMI gekommen sind, die noch eine Weile bei uns bleiben – und auch den Senior immer wieder ans ZMI führen werden. Danke, Dietmar!


Katrin Lehnen 




Annika Duin neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche

Annika Duin. Foto: privat.
Annika Duin. Foto: privat.

 

 

 

Annika Duin studiert seit 2017 im Bachelor Geschichte und Fachjournalistik Geschichte. Seit 2018 ist sie studentische Hilfskraft in der Universitätsbibliothek der Justus-Liebig-Universität Gießen.

 

Neben dieser Tätigkeit arbeitet sie nun auch seit April 2020 als studentische Hilfskraft der Öffentlichkeitsarbeit am ZMI. Sie führte die drei Interviews zur Online-Lehre, um ein Stimmungsbild der Lehrenden einzufangen.

 

 

 

 




 

 

 

Lea Kassandra Karachaliou neue Hilfskraft für Öffentlichkeitsarbeit und Recherche

Lea Kassandra Karachaliou. Foto: privat.
Lea Kassandra Karachaliou. Foto: privat.



Lea Kassandra Karachaliou studiert seit 2018 im Master Sprache, Literatur und Kultur mit den Fächern Anglistik und Germanistik. Zu ihren akademischen Interessenfeldern gehören vor allem Feminismus, Gender und Medien. Seit 2017 ist sie studentische Hilfskraft am GCSC im Bereich Curriculum und Forschungskoordination. Im Juni 2020 hat sie ihre Tätigkeit als studentische Hilfskraft nun auch am ZMI im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Recherche begonnen.

Tillmann Schorstein. Foto: privat.
Tillmann Schorstein. Foto: privat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tillmann Schorstein neue Hilfskraft der Sektion „Medien und Gender“


Tillmann Schorstein ist seit Juni 2020 als studentische Hilfskraft in der Sektion „Medien und Gender“ tätig. Im Master studiert er „Gesellschaft und Kulturen der Moderne“ an der JLU. Er engagiert sich bei der Gießener Initiative „Kritische Männlichkeit“ und hat eine Veranstaltung zum Thema Care-Arbeit anlässlich des Equal Care Days mitorganisiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Patrícia Denise Rasche Specht neue Hilfskraft für das DigiDaFZ-Projekt


 

 Patrícia Denise Rasche Specht. Foto: privat.
Patrícia Denise Rasche Specht. Foto: privat.
Seit Mitte Mai 2020 ist Patrícia Denise Rasche Specht als wissenschaftliche Hilfskraft im digLL-Projekt an der Otto Behaghel-Professur tätig. Sie hat in Brasilien Deutsch als Fremdsprache sowie Übersetzungswissenschaften studiert und arbeitet seit 2001 als Deutschlehrerin. Seit Wintersemester 2019/2020 macht sie ihren zweiten Master in Deutsch als Fremdsprache, Textlinguistik und Portugiesisch an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

 

 

 

 

 

 

Sigrid Ruby neue stellvertretende Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der JLU

 

Prof. Sigrid Ruby. Foto: Rolf K. Wegst.
Prof. Sigrid Ruby. Foto: Rolf K. Wegst.
Prof. Sigrid Ruby ist Mitglied der Sektion „Medien und Gender“ und Mitglied des ZMI-Direktoriums. Im Mai 2018 hat sie mit anderen Kolleg*innen am ZMI den Workshop „Darstellbarkeit“ organisiert und umgesetzt.

 

Sigrid Ruby hat im Oktober 2016 die Professur für Neuere und Neueste Kunstgeschichte an der JLU angetreten und war vorher an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken als Professorin tätig. In Forschung und vor allem Lehre beschäftigt sie sich mit der Kunst- und Architekturgeschichte von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Schwerpunkte sind die französische Hofkunst der Renaissance, Porträtkultur, Geschlechtergeschichte und die Kunstgeschichte der Moderne. Sie ist aktuell in den SFB / Transregio 138 Dynamiken der Sicherheit. Formen der Versicherheitlichung in historischer Perspektive involviert - mit einem Teilprojekt, als Konzeptgruppenleiterin und als Vorstandsmitglied. 

 

 

 

Markus Roth verlässt Arbeitsstelle Holocaustliteratur – Charlotte Kitzinger neue Geschäftsführerin der AHL


 

Dr. Markus Roth - Foto: privat
Dr. Markus Roth - Foto: privat.
Zum 1. Juli 2020 wird der Geschäftsführer der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, Dr. Markus Roth, an das Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main wechseln, mit dem die Arbeitsstelle seit 2016 institutionell eng kooperiert und zusammenarbeitet. „Mit Markus Roth verlässt uns ein Kollege, der die AHL in den letzten zehn Jahren ganz wesentlich geprägt hat. Es waren seine Kreativität und seine herausragenden Kenntnisse, die viele unserer Forschungs- und Editionsvorhaben überhaupt erst möglich gemacht haben. Wir sind ihm für die vergangenen gemeinsamen Jahre sehr dankbar und bedauern seinen Weggang deshalb außerordentlich, aber wir freuen uns auch darauf, mit Markus zukünftig in anderer Konstellation wieder zusammenarbeiten zu können“, so Prof. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

Nach seiner geschichtswissenschaftlichen Promotion zum Thema „Herrenmenschen. Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen - Karrierewege, Herrschaftspraxis und Nachgeschichte“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena war Markus Roth seit Oktober 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter der AHL und ab Januar 2010 stellvertretender Leiter sowie ab Februar 2016 auch Geschäftsführer. In den letzten Jahren war er an der Arbeitsstelle unter anderem als Mitherausgeber maßgeblich für die gemeinsame Schriftenreihe „Studien und Dokumente zur Holocaust- und Lagerliteratur“ mit der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung verantwortlich. Außerdem hat er verschiedene Editionsprojekte geleitet, etwa die von der Friede-Springer-Stiftung geförderte Edition der jiddischen Zeitschrift „Fun letstn churbn / Von der letzten Vernichtung“, die eine frühe Alltags- und Kulturgeschichte des Holocaust darstellt und noch in diesem Jahr erscheinen wird. Auch an der Edition der „Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt“, die die AHL in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Sprachgeschichte (Prof. Dr. Jörg Riecke) und dem Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte (IfZ) erarbeitet hat, hat er maßgeblich mitgewirkt. 

Charlotte Kitzinger - Foto: privat.
Charlotte Kitzinger - Foto: privat.
Seine Nachfolge auf der Stelle der Geschäftsführerin wird Charlotte Kitzinger antreten, die seit 2003 an der AHL unter anderem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist, aber seit 2016 auch die Arbeiten an der Online-Datenbank „Frühe Texte der Holocaust- und Lagerliteratur 1933 - 1949“ leitet.  

 

 

Kontakt:

Arbeitsstelle Holocaustliteratur

an der Justus-Liebig-Universität Gießen

Charlotte Kitzinger

Bismarckstraße 37

35390 Gießen

Tel.: 0641/99-29083

Fax: 0641/99-29094

Email: arbeitsstelle.holocaustliteratur@germanistik.uni-giessen.de

Die Arbeitsstelle im Internet: 

Homepage: www.holocaustliteratur.de 
Facebook: http://www.facebook.com/pages/Arbeitsstelle-Holocaustliteratur/134202573276255 
Twitter: https://twitter.com/holocaustlit

 

 

 

Sascha Feuchert erhält die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen


Prof. Dr. Sascha Feuchert erhält in diesem Jahr die Hedwig-Burgheim-Medaille. 

Die Stadt Gießen hat die Vergabe der hohen Auszeichnung an Sascha Feuchert Ende April bekanntgegeben. 

Die Hedwig-Burgheim-Medaille wird von der Stadt Gießen seit 1981 alle zwei Jahre im Gedenken an die bis heute fortwirkende Tätigkeit der jüdischen Pädagogin Hedwig Burgheim für hervorragende Verdienste um Verständigung und Verständnis zwischen den Menschen verliehen. Hedwig Burgheim (28. August 1887 - 27. Februar 1943) war eine deutsche Pädagogin jüdischer Herkunft. Von 1920 bis 1933 leitete sie das Fröbel-Seminar in Gießen. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde sie jedoch 1933 von der Leitung enthoben. 1943 wurde sie in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Prof. Dr. Sascha Feuchert - Foto: Piotr Banczerowski.
Prof. Sascha Feuchert - Foto: Piotr Banczerowski.
Die Medaille wird Sascha Feuchert für sein umfangreiches Wirken an der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, als Vorsitzender des Literarischen Zentrums Gießen (LZG) sowie als Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter des PEN-Zentrums Deutschland von 2012 bis 2018 verliehen. In der Begründung der Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz heißt es dazu: „Mit Professor Sascha Feuchert haben wir uns für einen herausragenden Träger der Hedwig-Burgheim-Medaille entschieden. Seine wertvolle Arbeit und sein Engagement für das Gedenken und die Erinnerung an den Holocaust sind überragend und umfassend: als Wissenschaftler, als Autor und Publizist, als Hochschullehrer, dem die Vermittlungsarbeit und Ausbildung von Studierenden am Herzen liegt, sowie als gesellschaftlich Engagierter. Ich bin glücklich darüber, dass wir ihn in die Reihe der würdevollen Medaillenträger aufnehmen können“.

Der Präsident der JLU, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, gratulierte Sascha Feuchert ebenfalls zu dieser Auszeichnung: „Die Arbeitsstelle Holocaustliteratur unter der Leitung von Prof. Feuchert leistet eine hervorragende Arbeit im Dienste der Erinnerungskultur. Die Dokumente der Opfer des Holocaust spielen eine immer bedeutsamere Rolle, zumal die Ära der Zeitzeuginnen und -zeugen, die den nachfolgenden Generationen von ihren grausamen Erlebnissen berichten können, zu Ende geht. Es geht darum, die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust nachhaltig in der kollektiven Erinnerung zu verankern.“ 

Die Verleihung durch Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz ist – vorbehaltlich der Entwicklungen in der Corona-Pandemie – am 28. August 2020 vorgesehen. Dr. Regula Venske, Präsidentin des PEN Deutschland, wird die Laudatio halten.

Unter den bisherigen Preisträgern waren als weitere Mitglieder der JLU der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Erich Dauzenroth (1987) und der Historiker Prof. Dr. Helmut Berding (1993), beide inzwischen verstorben. 

Sascha Feuchert hat seit dem Jahr 2017 die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur und ihre Didaktik am Institut für Germanistik der JLU inne. 

Er studierte Germanistik, Anglistik und Pädagogik für das Lehramt an Gymnasien an der JLU. Seit dem Jahr 1996 arbeitet er intensiv mit der Universität Lodz zusammen. Im Jahr 2003 promovierte er mit einer Arbeit zu „Oskar Rosenfeld und Oskar Singer – zwei Autoren des Lodzer Gettos. Studien zur Holocaustliteratur“.  Am Institut für Germanistik der JLU ist er seit dem Jahr 2000 tätig. Im Juli 2008 übernahm er die Leitung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur, deren stellvertretender Leiter er seit 2000 war. Feuchert ist u.a. Mitherausgeber der fünfbändigen „Chronik des Gettos Lodz/ Litzmannstadt“ und Mitherausgeber der „Tagebücher Friedrich Kellners“. Für seine Arbeiten erhielt er verschiedene Auszeichnungen, darunter die Medaille „Für Verdienste um Gesellschaft und Wissenschaft“ der Universität Lodz (2006) sowie den Wolfgang-Mittermaier-Preis für hervorragende akademische Lehre der JLU (2009).