Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Kleine Mediengeschichte der Migrationsgesellschaft

Beitrag von Heike Greschke, 2015

 

Mehr Mobilität – mehr Migration

GlobusMobilität, auch grenzüberschreitender Art, kann gleichsam als anthropologisches Grundmuster wie konstitutives Merkmal von Gesellschaft gelten. Der Mensch hat keine Wurzeln, die ihn an nur einem Ort wachsen lassen, auch wenn der Nationalstaat seine Mitglieder als Ortsgebundene definiert, Migration mithin als problematischen und regulierungsbedürftigen Ausnahmefall behandelt. In den letzten Jahrzehnten haben sich sowohl die Gründe als auch die Möglichkeiten zur Mobilität diversifiziert. Die Welt ist durch den Ausbau von Transport- und Kommunikationstechnologien, wenn auch nicht zu einem globalen Dorf, dann doch zu einer Vielzahl transnationaler sozialer Felder zusammengewachsen, die für eine steigende Anzahl von Menschen eine maßgebliche Referenz zur Gestaltung des eigenen Lebens darstellen. Dabei erstreckt sich auch das Familienleben häufig auf zwei oder mehr Länder.

 

Lese- und Schreibfähigkeiten durch Briefwechsel
(18. und 19. Jahrhundert)

Scan eines BriefsZur Aufrechterhaltung von Familienbeziehungen sind Kommunikationstechnologien in dieser Situation ebenso wichtig, wie die Fähigkeit diese zu benutzen. So finden sich bereits zahlreiche Dokumente transnationalen Familienlebens in Form von Briefen, die sich Familienangehörige im 18. und 19. Jahrhundert zwischen Europa und Nord- bzw. Südamerika geschrieben haben und die heute in einigen Archiven gesammelt werden. Dabei hatten die wenigsten der damaligen Migrant_innen in ihrer Kindheit Lesen und Schreiben gelernt.  Briefe waren jedoch die einzige Möglichkeit, die Bindung zwischen den Familienmitgliedern aufrechtzuerhalten, sie wurden zu „bowing letters“. Auch wenn dies nicht immer gelang, machte die veränderte Lebenssituation diese Menschen zu einer Avantgarde der Literalisierung, die  einen wesentlichen Teil zur Etablierung einer epistolaren Kultur im Alltagsleben beitrugen.

 

Neue Kommunikationstechnik –  neues Familienleben
(20. und 21. Jahrhundert)

ModemIm 20. und 21. Jahrhundert haben sich mit den elektronischen und später den digitalen Medien die Möglichkeiten der transnationalen Vernetzung und Kommunikation enorm erweitert. Neben Briefen tauschten Migrationsfamilien in den 1960er bis 80er Jahren zunehmend Audio- und Videokassetten aus. In den 1990er Jahren erleichterte die Privatisierung und Mobilisierung der Telekommunikation die Möglichkeiten der synchronen Kommunikation über große geografische Distanzen. Mit der rasanten, globalen Verbreitung von Internet und digitalen Technologien verfügen viele Familien heute über eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich nah zu sein, Anteil aneinander zu nehmen, ja, sogar einen gemeinsamen Alltag zu bestreiten.

 

Migration schafft digitale Kultur

Facebook-ScreenshotMan telefoniert mehrmals täglich, tauscht SMS und Bilder aus, um den anderen an einer Situation teilhaben zu lassen, die er mit den eigenen Sinnen nicht miterleben könnte. Eltern helfen ihren Kindern via Bildtelefonie bei den Hausaufgaben oder beim Kochen, sie lesen den Kleinen Gute-Nacht-Geschichten vor und nehmen gemeinsam die Mahlzeiten ein, während sie körperlich voneinander getrennt sind. Literalität umfasst im heutigen Modus des „Always on“ weitaus mehr als den Umgang mit Papier und Stift. Für die Etablierung einer digitalen Kultur im Alltagsleben scheint Migration, sofern sie mit der Transnationalisierung von Familienleben einhergeht, abermals ein bedeutender Motor zu sein.

 

 

 

 

 

 

Zitationshinweise

Für den Fall, dass Sie die Inhalte des Bereichs Forschung dieser Webseite an anderer Stelle zitieren möchten, stellen wir Ihnen folgende Zitationsweise als Empfehlung zur Verfügung:

Greschke, H. (2015): Kleine Mediengeschichte der Migrationsgesellschaft. Mehr Mobilität – mehr Migration. [WWW document]
URL: http://www.migracom.de/forschungshintergrund/kleine-mediengeschichte/#Mehr%20Mobilit%C3%A4t, (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ).

Greschke, H. (2015): Kleine Mediengeschichte der Migrationsgesellschaft. Lese- und Schreibfähigkeiten durch Briefwechsel. (18. und 19. Jahrhundert). [WWW document] URL: http://www.migracom.de/forschungshintergrund/kleine-mediengeschichte/#Briefwechsel, (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ).

Greschke, H. (2015): Kleine Mediengeschichte der Migrationsgesellschaft. Neue Kommunikationstechnik – neues Familienleben. (20. und 21. Jahrhundert). [WWW document] URL: http://www.migracom.de/forschungshintergrund/kleine-mediengeschichte/#Neue%20Technik, (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ).

Greschke, H. (2015): Kleine Mediengeschichte der Migrationsgesellschaft. Migration schafft digitale Kultur. [WWW document] URL: http://www.migracom.de/forschungshintergrund/kleine-mediengeschichte/#Familienleben, (zuletzt aufgerufen am TT.MM.JJJJ).


Bild Globus: © CC-BY-SA 3.0 – Autor: Florian-schäffer – Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ting_globus.jpg