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Weiterführendes zu den Giessener Papyri und Ostraka

Beschreibung der Giessener Papyrussammlung

Die Giessener Papyrussammlung gehört zu den auch international bedeutenden Sammlungen. Sie besteht aus drei ursprünglich getrennten Sammlungen, die nach und nach in der UB zusammengeführt wurden. Alle drei gehen auf die Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurück, als durch die systematischen Ausgrabungen in Ägypten die Flut der Papyrusfunde gewaltig anschwoll und zur Gründung von Papyrotheken in der ganzen Welt führte, und wurden mit Hilfe des Deutschen Papyruskartells aufgebaut, das Papyri in Ägypten zentral erwarb und nach einem bestimmten Verfahren auf die beteiligten Sammlungen verteilte.

- Die älteste Sammlung wurde 1902-13 von dem (damals Giessener) Althistoriker Ernst Kornemann (1868-1946) und dem Giessener Industriellen Wilhelm Gail (1854-1925) im Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins in Giessen angelegt. Sie wird einfach als Papyri Gissenses bezeichnet. Ihr bedeutendstes Stück ist die Constitutio Antoniniana, ein wichtiges Dokument der römischen Verfassungsgeschichte aus dem Jahr 212 [und seit 2017 UNESCO Weltdokumentenerbe].

Gundel, H. G.: Papyri Gissenses: eine Einführung. 2.Aufl. Giessen 1975. (UB Giessen, Kurzberichte aus den Giessener Papyrussammlungen, 32)

 

- Da diese Sammlung für die Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität nicht zur Verfügung stand, begründeten die Klassischen Philologen Otto Immisch (1862-1936) und Alfred Körte (1866-1946) 1908 eine eigene Sammlung an der Universitätsbibliothek, die Papyri Bibliothecae Universitatis Gissensis.

Gundel, H. G.: Papyri bibliothecae universitatis Gissensis: eine Einführung. Giessen 1968. (Kurzberichte aus den Giessener Papyrussammlungen, 27)

 

- Die dritte Sammlung, begonnen 1905, war ursprünglich die Privatsammlung des Giessener Klassischen Philologen Karl Kalbfleisch (1868-1946), der sie nach seinem Großvater Karl Reinhold Janda Papyri Iandanae benannte. Durch testamentarische Verfügung ging sie als Geschenk an die Universitätsbibliothek über. Ein besonders bedeutendes Stück in ihr ist ein Fragment aus Ciceros Reden gegen Verres, das lange Zeit der älteste bekannte lateinische Papyrus war.

Gundel, H. G.: Papyri Iandanae: eine Einführung. 2.Aufl. Giessen 1971. (Kurzberichte aus den Giessener Papyrussammlungen, 29.)

Den 2. Weltkrieg überstanden die Papyri Iandanae unversehrt im Keller der UB, die beiden anderen Sammlungen in einem Tresor der Dresdner Bank. Jedoch kam es in dem Banktresor 1945 zu schweren Schäden durch einen Wassereinbruch.

Seit 1950 lag die Zuständigkeit für die Sammlung in den Händen des Klassischen Philologen und späteren Professors für Alte Geschichte Hans Georg Gundel (1912-99) als wissenschaftlichem Betreuer und des Orientalisten Josef Schawe (1902-83) als Bibliotheksdirektor.

    Vgl. H. G. Gundel, in: 375 Jahre Universität Giessen (Ausstellungskatalog). Giessen 1982, S. 299-301.

Von 1987 bis 2007 lag die wissenschaftliche Betreuung bei Prof. Dr. Manfred Landfester vom Institut für Klassische Philologie der Universität, Professur für Gräzistik. [Seitdem erfolgt die Sammlungsbetreuung durch die Sammlungen der Universitätsbibliothek und die wissenschaftliche Beratung durch das Institut für Altertumswissenschaften der JLU.]

 

Beschreibung der Giessener Ostrakasammlung

Neben der Papyrussammlung besitzt die UB Gießen auch noch eine Sammlung von ca. 560 Ostraka, d.h. beschriebenen Tonscherben, die in der Antike als billiges Schreibmaterial verwendet wurden. Der Grundstock der Sammlung wurde von dem Gießener Althistoriker Ernst Kornemann (1868-1946) und dem Gießener Industriellen Wilhelm Gail (1854-1925) Anfang des 20.Jh. erworben. Die Stücke stammen sämtlich aus Ägypten von der frühen Ptolemäerzeit bis zur Spätantike. Die meisten sind in griechischer Sprache verfaßt, daneben finden sich auch einige demotische und koptische Stücke, sowie ein paar zweisprachige.

Seit 1926 widmete sich der später emigrierte Dr. Fritz Heichelheim der Bearbeitung der Gießener Ostraka. Zu einer eigentlichen Publikation gelangte er nicht mehr, aus seinem Nachlaß aber sind zahlreiche Leseversuche erhalten geblieben und der Sammlung zugekommen.

Gundel, H.G. Vorbemerkungen zum Inventar der OSTRACA GISSENSIA, 2.Aufl.1971 (Kurzberichte aus den Giessener Papyrussammlungen; 7)

Seit 1950 lag die Zuständigkeit für die Sammlung wie bei den Papyri in den Händen des Klassischen Philologen und späteren Professors für Alte Geschichte Hans Georg Gundel (1912-99) als wissenschaftlichem Betreuer und des Orientalisten Josef Schawe (1902-83) als Bibliotheksdirektor.

Von 1987 bis 2007 lag die wissenschaftliche Betreuung bei Prof. Dr. Manfred Landfester vom Institut für Klassische Philologie der Universität, Professur für Gräzistik. [Seitdem erfolgt die Sammlungsbetreuung durch die Sammlungen der Universitätsbibliothek und die wissenschaftliche Beratung durch das Institut für Altertumswissenschaften der JLU.]

 

Digitalisierung der Giessener Papyrus- und Ostrakasammlung

Im Rahmen des Programms "Retrospektive Digitalisierung von Bibliotheksbeständen" förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vom 16.3.1999 bis zum 15.3.2001 die "Erfassung, Erschließung, Digitalisierung und Bereitstellung der Gießener Papyrussammlung".

Ziel des auf zwei Jahre befristeten und personell mit einem Wissenschaftlichen Mitarbeiter ausgestatteten Projekts war die Digitalisierung des Gesamtbestandes der Giessener Papyrussammlungen und seine Erschließung und Bereitstellung über eine Datenbank. Dieses Ziel wurde vollständig erreicht.

Als Folgeprojekt wurde im gleichen Rahmen die "Erfassung, Erschließung, Digitalisierung und Bereitstellung der Gießener Ostraka" sowie der Keilschriftensammlung genehmigt (16.3.2001 - 15.8.2003). Auch dieses Projekt ist abgeschlossen, die Ostraka-Daten wurden in die Papyrusdatenbank integriert. Für die Keilschrifttafeln gibt es eine Webseite Keilschrifttexte der Universitätsbibliothek Giessen mit 3D-Scans auf der Grundlage der Edition von Karl Hecker.

Die Datenbank basiert auf den in der Nachkriegszeit angelegten Inventaren, die sowohl formale Daten als auch bibliographische Angaben zum Forschungsstand des jeweiligen Einzelstücks enthalten. Beide Aspekte wurden während der Datenerfassung anhand der Originale erneut überprüft und ggf. berichtigt oder aktualisiert. Die in Aufsätzen oder Monographien bereits publizierten Papyri und Ostraka wurden darüber hinaus inhaltlich erschlossen. Für die dokumentarischen Papyri und Ostraka wurden in der Beschreibung Links zu den Volltexten in der Duke Database of Documentary Papyri gelegt. (Jetzt: papyri.info ). 2011 wurden auch Links zur Leuven Database of Ancient Books sowie Trismegistos ergänzt.

Als Datenbanksystem [wurde bis 2012] die allegro-Version HANS - Handschriften, Archivalien, Nachlässe und Sammlungen - verwendet. Die WWW-Schnittstelle beruht[e] auf dem Programmteil avanti von allegro unter Nutzung der Scriptsammlung populo. Die Entscheidung für diese Software beruht[e] auf der Erfahrung beim Einsatz von allegro in anderen Projekten der UB Giessen und dem verbreiteten Einsatz von HANS bei Spezialbeständen.

Die an der UB Giessen vorhandenen Papyri und Ostraka [wurden] in der Datenbank komplett erfaßt und erschlossen, unabhängig davon, ob sie bereits publiziert oder in der Literatur erwähnt [waren]. Die Datenbank hat keine thematische Einschränkung, sondern ist nur an die Giessener Sammlungen gebunden. Sie bietet seit dem Abschluss des Projekts die Images zu allen Papyri.

Die Suche ist möglich nach

  • Personen (Verfasser, Adressaten, Schreiber, erwähnte Personen)
  • Titel und Titelstichworte
  • Schlagworten (normiert)
  • Sprache, Schrift
  • Entstehungszeit
  • Publikationsnummern, Inventarnummern
  • Fundort, Entstehungsort

[2013 erfolgte die Migration der HANS-Datenbank zum zentral an der Universität Leipzig gehosteten Papyrus Projekt.]

 

Die [2012 eingestellte HANS-]Datenbank liegt [noch] vor unter

http://digibib.ub.uni-giessen.de/cgi-bin/populo/pap.pl

Für die Digitalisierung wurden die verglasten Papyri sowie die Ostraka von der Firma IKM Micrographic verfilmt (35 mm Rollfilm) und anschließend im TIFF-Format mit 4000 dpi auf CD-ROM gespeichert. Als Bildhintergrund wurde bei den Papyri im Unterschied zu anderen Projekten die Farbe schwarz gewählt, damit die Rückseite nicht durchscheint. Die Bereitstellung im WWW erfolgt im JPEG-Format mit einer niedrigeren Auflösung. Da bei den Papyri in der Regel eine Glasplatte mehrere Einzelstücke enthält bzw. größere Stücke auf mehrere Platten verteilt sind, wurden alle zu einer Nummer gehörigen Aufnahmen der Vorder- und ggf. Rückseite ausgeschnitten und unter dem Katalogisat zusammengeführt. Die Images sind seit Abschluss des Projekts komplett vorhanden, z.B. der Ilias-Text P. Iand. 1 .

Angezeigt werden alle Images ausser denjenigen, für die eine Zusage für die Bearbeitung gegeben wurde. Bei diesen findet sich der Hinweis Gesperrt bis ... .

Für ca 300 Papyri, für die ältere unpublizierte Transkriptionen verschiedener Autoren vorliegen, wurde die handschriftliche Notizen ebenfalls gescannt und mit der Beschreibung des Papyrus verknüpft. Das Gleiche gilt für die Transkriptionen der Ostrakatexte von Heichelheim und Gundel.

Im Rahmen des Projekts wurden auch Publikationen zu den Giessener Papyrussammlungen digitalisiert.

Einen Bericht über den ersten Teil der Digitalisierung geben
Henning Dreyling, Lothar Kalok: Papyrusdigitalisierung in Giessen . In: ABI-Technik 21 (2001) H.4 S. 327-339

Einen Bericht über die Sammlung und das Ergebnis der Digitalisierung gibt
Manfred Landfester: Der Beitrag der Gießener Papyrussammlungen als Quellen für die Geschichte Ägyptens und ihre Digitalisierung. In: Spiegel der Forschung (Giessen) 20 (2003) H.1/2 S. 136-145 sowie
Manfred Landfester, Lothar Kalok: Vom Alten Orient nach Gießen : Tontafeln, Papyri, Ostraka. In: Aus mageren und aus ertragreichen Jahren. Gießen: 2007. S. 6-36. (Berichte und Arbeiten aus der Universitätsbibliothek und dem Universitätsarchiv Giessen ; 58)

Gießen, 10.01.2012 (mit Änderungen 2019)