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Wer weiß was vom Schlaf?

Neues Forschungsprojekt zur Geschichte und Soziologie des „Schlafwissens“ an den Universitäten Gießen und Marburg untersucht Schlaflabore und Sleeptracking

Pressemitteilung des Forschungscampus Mittelhessen • 26. Mai 2021

fcmhDas Wissen über den Schlaf ist seit der Etablierung der Schlafmedizin in den 1970er-Jahren ständig gewachsen und gesellschaftlich immer wichtiger geworden. Ob Menschen ins Schlaflabor gehen oder ihr Schlafzimmer mit Gadgets und Apps selbst zum Labor machen: Längst geht es nicht mehr nur um die Diagnose und Therapie von Schlafstörungen, sondern auch darum, in einer vielfach als stressig wahrgenommenen Gesellschaft „besser“ oder auch „effizienter“ zu schlafen. Dabei spielt Wissen über den Schlaf eine entscheidende Rolle: Es scheint uns Richtlinien an die Hand zu geben, wie wir „guten Schlaf“ im Alltag organisieren und sicherstellen können.

Bisher haben sich weder Soziologinnen und Soziologen noch Historikerinnen und Historiker intensiv mit der Produktion von „Schlafwissen“ seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert beschäftigt. Prof. Dr. Hannah Ahlheim, Professur für Zeitgeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), Prof. Dr. Dariuš Zifonun, Professur für Sozialstrukturanalyse und Konfliktsoziologie an der Philipps-Universität Marburg, und Prof. Dr. Nicole Zillien, Professur für Mediensoziologie an der JLU, möchten diese Lücke nun schließen. Unter ihrer Leitung läuft seit Beginn dieses Jahres das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit über 600.000 Euro geförderte interdisziplinäre Projekt „Schlafwissen. Zur Wissensgenerierung in Schlaflabor und Sleeptracking“. „In der Studie analysieren wir, auf welche Weise Wissen über den Schlaf Geltung erlangt und wie es den Alltag von Menschen verändert“, erklärt Prof. Zillien.

Das Projekt besteht aus drei Teilstudien, die in enger Kooperation mit Schlaflaboren in Marburg, Zürich und Berlin durchgeführt werden. Dies ist zum einen die Analyse der Wissensgenerierung im Schlaflabor seit den 1970er-Jahren, die sich auf die in den kooperierenden Schlaflaboren erhaltenen Unterlagen, zeitgenössische Fachpublikationen sowie Interviews mit Schlafforscherinnen und Schlafforschern stützt. Diese historische Analyse wird kombiniert mit der zweiten Teilstudie, einer soziologischen Untersuchung des heutigen Schlaflabors, die mit Hilfe der (Video-)Ethnographie auf die Wissensherstellung in der Experten-Laien-Interaktion blickt. Die beiden Analysen zum Schlaflabor werden im dritten Teilprojekt mit einer soziologischen Untersuchung des Sleeptrackings per App oder Gadget kontrastiert. Dazu werten die Forscherinnen und Forscher Forendiskussionen, Blogbeiträge und Video-Vorträge zur digitalen Selbstvermessung aus.

„Das Projekt ‚Schlafwissen‘ leistet einen Beitrag zum besseren Verständnis einer Gesellschaft, deren Alltagsleben wissenschaftliches Orientierungswissen erfordert, weil alte Gewissheiten ihre Selbstverständlichkeit verloren haben“, so Prof. Ahlheim. „Die Kombination zeithistorischer und soziologischer Ansätze ermöglicht es, Debatten zum Begriff des Wissens und zur Geschichte des modernen Subjekts interdisziplinär zusammenzubringen“, ergänzt Prof. Zifonun.

  • Weitere Informationen

www.schlafwissen.net

  • Kontakt


Justus-Liebig-Universität Gießen
Historisches Institut
Telefon: 0641 99-28134


Philipps-Universität Marburg
Institut für Soziologie
Telefon: 06421 28-24589


Justus-Liebig-Universität Gießen
Institut für Soziologie
Telefon: 0641 99-23280


Der Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) ist eine hochschulübergreifende Einrichtung nach § 47 des Hessischen Hochschulgesetzes der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Philipps-Universität Marburg und der Technischen Hochschule Mittelhessen zur Stärkung der regionalen Verbundbildung in der Forschung, Nachwuchsförderung und Forschungsinfrastruktur.

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