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Wie Verkehrslärm den Blutdruck beeinflusst

 
Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Gießen beteiligt am Gesundheitsmodul einer großen Lärmwirkungsstudie im Rhein-Main-Gebiet – Förderung mit rund 1,6 Millionen Euro

Nr. 131 • 19. Mai 2011

 

Wie wirkt sich der Lärm von Flug-, Schienen- und Straßenverkehr im Rhein-Main-Gebiet auf die Gesundheit und Lebensqualität der Wohnbevölkerung aus? Dieser Frage gehen neun renommierte Forschungs- und Fachinstitutionen der Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Akustik und Physik nach – darunter das Institut für Hygiene und Umweltmedizin (IHU) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) unter der Federführung von Prof. Dr. Thomas Eikmann. Das IHU leitet das Teilmodul „Blutduckmonitoring“ und koordiniert die Teilmodule im Bereich Gesundheit.

Die groß angelegte Lärmwirkungsstudie in der Rhein-Main Region und an verschiedenen Vergleichsstandorten ist im April gestartet. Auftraggeber ist das Umwelt- und Nachbarschaftshaus (UNH) des „Forums Flughafen und Region“, einer Einrichtung, die vom Land Hessen getragen wird. Ziel der Studie ist die möglichst repräsentative und wissenschaftlich abgesicherte Erforschung der Wirkung von Verkehrslärm. Die Gesamtkosten liegen zurzeit bei rund 7,2 Millionen Euro, die überwiegend vom Land Hessen, aber auch von den betroffenen Kommunen und vom Flughafenbetreiber getragen werden. Der Anteil für das IHU liegt bei rund 1,6 Millionen Euro.

Die Lärm-Untersuchungen im Rhein-Main-Gebiet finden im Hinblick auf den Fluglärm in einer besonderen Situation statt: Der Flughafen wird im Oktober eine neue Landebahn in Betrieb nehmen. Es wird tagsüber mehr Flugbewegungen geben, dafür sollen in der Nacht weniger Flugzeuge fliegen, wobei noch unklar ist, wie viele Flugbewegungen es endgültig sein werden. Weiterhin werden einige Flugrouten und Flugverfahren geändert, so dass mancherorts Wohngebiete am Tage etwas stärker belastet werden als andere. Darüber hinaus werden einige Wohngebiete nachts stärker entlastet als andere. Niemand kann genau vorhersagen, wie sich diese komplexen Änderungen auf die betroffene Wohnbevölkerung auswirken werden.


Aufgabe der Lärm-Untersuchungen ist es daher, in diesem und den nächsten Jahren den Auswirkungen all der Veränderungen am Flughafen in der betroffenen Bevölkerung nachzugehen. Zur Beantwortung der umfassenden Fragen werden in der Studie unterschiedliche Erhebungsmethoden eingesetzt: Telefonische Befragungen, medizinische Erhebungen und kinderpsychologische Untersuchungen. Weiterhin werden Krankenversicherungsdaten von rund 1,5 Millionen Versicherten ausgewertet und im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie an bis zu 24.000 Versicherten mit Herz-Kreislauf-Neuerkrankungen sowie bei einer Kontrollgruppe individuell weitere Gesundheitsdaten und Risikofaktoren erhoben, um durch Verkehrslärm bedingte Erkrankungsrisiken quantitativ exakter abschätzen und einen möglichen Lärmeinfluss von anderen Gesundheitsrisiken trennen zu können.

Die Studie ist in insgesamt drei Module unterteilt: Im ersten Modul untersuchen die Wissenschaftler Lärmbelästigung und Lebensqualität der Wohnbevölkerung. Das  zweite Modul ist überschrieben mit „Gesundheit in der Rhein-Main-Region“ und umfasst die Teilmodule Sekundärdatenanalyse („Krankenkassen-Studie“) zu Erkrankungen und darauf aufbauende Fall-Kontroll-Studie, Blutdruck-Monitoring und Schlaf. Im dritten Modul werden die Wirkungen von Fluglärm auf kognitive Leistungen und Lebensqualität bei Grundschulkindern untersucht.

Das Teilmodul „Blutdruck-Monitoring“ wird vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der JLU geleitet und unter Beteiligung von Möhler & Partner Ingenieure AG durchgeführt. Dabei wird das IHU rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Personen mit unterschiedlich starker Verkehrslärmbelastung in der Blutdruckselbstmessung schulen und diese Personen etwa zwei Wochen lang morgens und abends ihren Blutdruck messen lassen. Während der ärztlichen Einweisung werden zusätzlich Gewicht und Bauchumfang der Untersuchungspersonen erhoben. Außerdem werden individuelle Faktoren erhoben, die mit der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind, zum Beispiel andere Vorerkrankungen und Rauch-gewohnheiten. In diesem Jahr wird zunächst eine Methodik-Studie an 40 Personen durchgeführt. Die eigentliche Untersuchung findet 2012 nach der Umstellung des Betriebs am Flughafen Frankfurt statt. Sie wird 2013 wiederholt.

Der forschungstheoretische Ansatz geht davon aus, dass die chronische Belastung durch Flug-, Straßen- oder Schienenlärm zu einer Erhöhung der Blutdruckwerte und der Erhöhung des kardiovaskulären Gesamtrisikos beiträgt. Weiterhin vermuten die Wissenschaftler, dass sich die Blutdruckwerte und das kardiovaskuläre Gesamtrisiko in der durch Fluglärm betroffenen Gruppe durch die Betriebsumstellungen am Frankfurter Flughafen verändern. Es ist jedoch noch nicht abzusehen, ob sich mögliche Effekte schon nach einem Jahr zeigen.

Das IHU wird über das Blutdruck-Monitoring hinaus im Rahmen des Moduls Ge-sundheit eine gemeinsame Erhebungsstelle auch für die anderen Teilmodule einrichten und die organisatorische Leitung übernehmen.

An dem Forschungskonsortium sind außer der Justus-Liebig-Universität Gießen beteiligt: die Ruhr Universität Bochum, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raum-fahrt e.V. in Köln, das Hörzentrum Oldenburg GmbH, die Möhler & Partner Ingenieure AG in München, das Sozialwissenschaftliches Umfragezentrum GmbH in Duisburg, die Technische Universität Dresden, die Technische Universität Kaisers-lautern und die ZEUS GmbH (Zentrum für angewandte Psychologie, Umwelt- und Sozialforschung) in Hagen.

        

Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Friedrichstraße 16, 35392 Gießen

Telefon: 0641 985-41450

 

Herausgegeben von der Pressestelle der Universität Gießen, Telefon 0641 99-12041