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Bioressourcen nachhaltig nutzen

Palmölproduktion in Kolumbien: ColombiaCONNECT unter der Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) setzt auf Vernetzung und fairen Interessenausgleich – JLU gewinnt CONNECT-Wettbewerb der Bundesregierung

Nr. 131 • 25. August 2020

Es geht um Wohlstand, Ernährung, Umwelt, Frieden und das globale Klima: Das neue Projekt ColombiaCONNECT der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und zahlreicher Partner-Institutionen beschäftigt sich mit der Nutzung von Bioressourcen. Insbesondere im an Biodiversität besonders reichen Kolumbien, das seit dem Ende des Bürgerkriegs verstärkt auf die Produktion von Palmöl setzt, entzünden sich an diesem Thema immer wieder Konflikte. So führen Brandrodungen neben einem erhöhten Kohlendioxid-Eintrag in die Atmosphäre dazu, dass viele Kleinbauern vertrieben und die Nahrungsgrundlagen der indigenen Bevölkerung zerstört werden. Deutschland kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, da 25 Prozent des in Kolumbien gewonnenen Palmöls nach Deutschland exportiert werden.

Vor diesem Hintergrund hat die JLU im Wettbewerb „CONNECT Bildung-Forschung-Innvoation“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein Preisgeld von rund einer Million Euro gewonnen. Unter der Leitung des JLU-Biologen Prof. Dr. Thomas Wilke soll damit ein Netzwerk geschaffen werden, das sich der Erforschung einer nachhaltigen und fairen Nutzung von Bioressourcen widmen wird. Dabei geht es um einen ganzheitlichen Blickwinkel, der über die Bereitstellung von Nahrung und Rohstoffen hinausgehen soll. Im Sinne eines fairen Interessenausgleichs zwischen den verschiedensten Akteuren soll es dabei verstärkt auch um die Erhaltung der genetischen Vielfalt, die Regulierung von Klimabedingungen und den Schutz der Kultur indigener Volksgruppen gehen.

 Das Projekt greift dabei gezielt auf die seit Jahren bestehenden wissenschaftlichen Forschungsnetzwerke der JLU in Kolumbien zurück: Da ist zum einen das binationale Exzellenzzentrum „Corporación CEMarin“, das sich mit Umwelt- und sozioökonomischen Fragen zu marinen Ökosystemen befasst.  Das zweite Exzellenzzentrum ist das Instituto CAPAZ (Deutsch-Kolumbianisches Friedensinstitut), ein rechts- und sozialwissenschaftlich ausgerichteter Verbund aus elf deutschen und kolumbianischen Forschungseinrichtungen. Beide Netzwerke stellen wichtige Grundlagen für ColombiaCONNECT dar und sollen intelligent vernetzt und durch neue Themenfelder (Biodiversitäts- und Klimafolgenforschung) sowie neue Partner ergänzt werden. Dazu zählen unter anderen die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Gießener Institutsteil Bioressourcen des Fraunhofer Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME.

In dem Projekt geht es neben dem Schließen von Wissenslücken durch exzellente Forschung auch um den Aufbau praxisrelevanter Kompetenzen und die Entfaltung einer Innovationsdynamik für nachhaltiges Wachstum. Gerade für Deutschland als Hightech-Standort mit nur wenigen eigenen Bioressourcen ist es essentiell, in weltweite Wissensflüsse und Wertschöpfungsketten integriert zu sein. „Angesichts der zunehmenden Konkurrenz um den Zugang zu Bioressourcen kann Deutschland über die Betonung des fairen Umgangs gegenüber anderen Ländern ein Alleinstellungsmerkmal entwickeln, aus dem mittel- und langfristig Vorteile erwachsen“, so die Hoffnung, die Prof. Wilke formuliert.

JLU-Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee wertet die Förderzusage als Beweis des Vertrauens der Bundesregierung in die Kolumbien-Kompetenz der JLU: „Die Universität Gießen ist seit 60 Jahren in Kolumbien aktiv und dort hervorragend vernetzt. Ich erwarte, dass die Ergebnisse unserer Forschungen nicht nur lokal relevant sein werden, da der Zugang zu Bioressourcen und der Ausgleich zwischen ökonomischen und ökologischen Interessen vor dem Hintergrund des Klimawandels weltweit rasant an Bedeutung gewinnt.“ ColombiaCONNECT soll am JLU Information Point in Bogotá verortet werden. Die Partner streben nach der Projektlaufzeit von drei Jahren eine dauerhafte Institutionalisierung an.

Der BMBF-Wettbewerb „CONNECT Bildung-Forschung-Innovation“ fördert die Weiterentwicklung von Kooperationsprojekten und -strukturen zwischen deutschen und internationalen Akteuren. Die Gewinner des Wettbewerbs erhalten ein Vernetzungsbudget, mit dem sie selbstständig eigene Maßnahmen und Projekte in von ihnen gewählten Ländern und Weltregionen umsetzen können.
 

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