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Windkraftanlagen schrecken Touristen offenbar nicht ab

Untersuchung im Vogelsberg unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Diller vom Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen

Nr. 216 • 25. November 2014

Gäste, die im Vogelsberg Erholung suchen, fühlen sich durch Windenergieanlagen offenbar weniger gestört als befürchtet. Entsprechende Sorgen von Gastgeberinnen und Gastgebern sind daher unbegründet, wie eine Untersuchung unter der Leitung von Prof. Dr. Christian Diller vom Institut für Geographie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ergeben hat. Eine jetzt vorgestellte Touristenbefragung widerlegt die entsprechenden Befürchtungen aus dem Beherbergungsgewerbe weitgehend.

Eine am Institut für Geographie im Jahr 2013 durchgeführte qualitative Befragung unter Betrieben des Beherbergungsgewerbes hatte ergeben, dass die Betriebe sich zwar selbst durch die Windenergieanlagen kaum gestört sahen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer hatten allerdings vermutet, dass ihre Gäste sich gestört fühlen könnten. Diese besorgten Äußerungen nahmen BSC-Studierende der Geographie unter der Leitung von Prof. Diller zum Anlass, gezielt Besucherinnen und Besucher in der Vogelsberg-Region zu befragen.  Im Zeitraum von April bis Juni 2014 führten sie in Zusammenarbeit mit der IHK Gießen-Friedberg eine Befragung durch. Die meisten der insgesamt 1023 Personen (477 Frauen und 546 Männer) im Alter von 18 bis über 80 Jahren wurden am Standort Hoherodskopf befragt.

„Beim derzeitigen Ausbaustand von Windenergieanlagen im Vogelsberg ist die von den Besucherinnen und Besuchern empfundene Störung gering“, zieht Prof. Diller als Fazit aus der Untersuchung.

Zwar stehen laut Umfrage über ein Drittel der Befragten dem Ausbau der Windkraftanlagen (WKA) im Vogelsberg skeptisch gegenüber; knapp 40 Prozent der Befragten akzeptieren den Ausbau von Windenergie im Vogelsberg weniger bis überhaupt nicht. Dennoch wird nur in wenigen Fällen der Ausbau der Windenergie als ein Grund angesehen, die Region nicht mehr zu besuchen: Nur für 11 Prozent wäre dies  in Ansätzen ein Grund, nicht wieder in den Vogelsberg zu kommen. Diese Ergebnisse entsprechen den Befunden aus einer älteren Besucherbefragung. Weitere 40 Prozent der Befragten gaben darüber hinaus sogar an, den WKA-Ausbau „ziemlich“ oder „sehr“ zu akzeptieren.

Die unmittelbare Störung durch Windkraftanlagen im Vogelsberg wird sogar noch als deutlich geringer empfunden: Nur ein kleiner Teil der Befragten fühlt sich durch Windenergieanlagen im Vogelsberg mittel bis sehr gestört (12,5 Prozent) oder gar „bedrängt“ (8,4 Prozent).

Die Untersuchungen der Gießener Geographen bestätigen die Vermutung, dass die Akzeptanz der befragten Personen zum Ausbau von Windkraftanlagen im Vogelsberg sehr stark von allgemeinen Einstellungen beeinflusst wird. Sie steigt mit einer generellen Akzeptanz der Windenergie und einer ablehnenden Einstellung zur Atomenergie.

Die vertiefenden Auswertungen machten zudem deutlich, dass es zu diesen Fragen bei den Befragten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Alter, Bildung, Geschlecht, im Rahmen des Aufenthalts im Vogelsberg ausgeübten Aktivitäten (Spazieren, Wandern, Fahrrad, Reiten, Motorrad, Wintersport, Kultur) sowie der Aufenthaltsdauer bzw. Besuchshäufigkeit gab.

  • Weitere Informationen

www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb07/fachgebiete/geographie

  • Kontakt


Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geographie
Professur für Raumplanung und Stadtgeographie
Justus-Liebig-Universität Gießen
35390 Gießen
Telefon: 0641 99-36240
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