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Hanns Wagners "Spiel vom Heiligen Ursus"

Ein schweizerisches Heiligenspiel aus dem 16. Jahrhundert - ungewollt aktuell
Wann 02.07.2022
von 15:00 bis 17:30
Wo Grünberg, Schloss (ehemaliges Antoniterkloster)
Name
Kontakttelefon 0641-9929080
Teilnehmer Cora Dietl
Karina Ramona Fischer
Jesse Jamal Garip
Karl Georg Gierth
Philipp Adrian Holicka
Lillian Marie Joachim
Swantje Luhn
Victor Immanuel Marc
Timo Miosga
Anna Marie Schill
Laura Schleicher
Tim-Christopher Sinkel
Cathrin Vonderheid
Frauke Weber
Marco Wehrum
Maret Carina Zeino-Mahmalat
Anna Zuth
Termin übernehmen vCal
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Ein Tyrann versteht nicht, weshalb sich ausländische Soldaten, die immer auf seiner Seite kämpften, plötzlich auf Werte berufen, die sie mit der Gegenseite teilen, und ihm daher den militärischen Gehorsam verwehren. Weder durch Zureden und Bestechung noch durch Drohung und rohe Gewalt lassen sie sich davon abbringen. Zugleich finden sie immer mehr Anhänger. Dies scheint die Position des Machthabers zu gefährden. Auf wundersame Weise werden sie mehrfach vor dem Tod bewahrt, bis der Tyrann sie endlich hinrichten lässt – rasch und ohne rechtliche Grundlage. Auf lange Sicht aber werden ihre Werte siegen.

Hanns Wagners Spiel vom Heiligen Ursus (Tragoedia Ursina) aus dem Jahr 1581 zeigt, wie sehr sich historische Situationen wiederholen können. Dargestellt ist die Geschichte des Hl. Ursus gegen Ende des 3. Jahrhunderts. Er und seine Gefährten waren Teil der aus Ägypten stammenden Thebäischen Legion, die dem Römischen Reich gedient hatte, bis Kaiser Maximian sie zur Christenverfolgung einsetzen wollte. Die Legion unter der Leitung des Hl. Mauritius gab sich als christlich zu erkennen, verweigerte den Befehl und wurde im heutigen St. Moritz in der Schweiz von den Römern hingerichtet. Ursus und ein paar Gefährten konnten nach Solothurn entkommen. Ihr wenig später erfolgter Märtyrertod steht im Zentrum des zweiten Teils von Wagners zweitägigem Drama.

Die Uraufführung der Tragoedia Ursina 1581 fand anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Beitritts Solothurns zur Schweizerischen Eidgenossenschaft statt, rings um die dem Stadtpatron geweihte Münsterkirche St. Ursus. Solothurn präsentiert sich in dem Stück vor den zahlreichen Festgästen aus den reformierten Teilen der Schweiz selbstbewusst als katholische Stadt, die allem externen Druck zum Trotz nicht von ihren Werten ablassen will – weder vom Heiligenkult, dem Wallfahrtswesen und der katholischen Lehre noch vom Reisläufer- oder Söldnerwesen, das der Schweizer Reformator Zwingli heftig kritisiert hatte. Dass das Beharren auf der eigenen Überzeugung freilich keine Ablehnung der Eidgenossenschaft bedeutet, macht das Spiel sehr deutlich.

Die Gießener Aufführung beschränkt sich auf den zweiten Teil von Wagners Drama (gekürzt und sprachlich sanft modernisiert). Wie die früheren Aufführungen aus dem Kontext des DFG-Projekts Inszenierungen von Heiligkeit der Germanistikprofessorin Cora Dietl geht es auch hier darum, Überzeugungsstrategien des frühneuzeitlichen Theaters experimentell sichtbar zu machen.

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