Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Valeska Hartmann (Marburg): "Heute aber soll Geschichte entstehen". Das Bühnenbildd der Pantomime Sardanapal (1908) im Zeichen des Bühnenhistorismus

Die historische Ballett-Pantomime "Sardanapal" ist bis heute ein Paradebeispiel für die Verlebendigung archäologischer Erkenntnisse, deren populärwissenschaftliche Verbreitung auf der deutschen Opernbühne und Höhepunkt eines akademischen Bühnenhistorismus.
Wann 22.11.2018
von 18:15 bis 19:30
Wo Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstr. 34
Name
Kontakttelefon 06419928287
Termin übernehmen vCal
iCal

Vortrag der Hein-Heckroth-Gesellschaft Gießen e.V. in Kooperation mit dem Institut für Kunstgeschichte

in der Reihe "Bild und Bühne":

Heute aber soll Geschichte entstehen“. Das Bühnenbild der Pantomime Sardanapal (1908) im Zeichen des Bühnenhistorismus

Die historische Ballett-Pantomime Sardanapal ist bis heute ein Paradebeispiel für die Verlebendigung archäologischer Erkenntnisse und deren populärwissenschaftliche Verbreitung auf der deutschen Opernbühne. 

Aufgeführt auf allerhöchsten Befehl des Deutschen Kaisers Wilhelm II. am 1. September 1908 am Königlichen Opernhaus Berlin, sollte die Pantomime das durch die griechische Historiographie geformte Bild eines lasterhaften und luxusversessenen Despoten korrigieren und die legendäre Figur des vorletzten Großkönigs des Assyrischen Reiches rehabilitiert werden. Für die wissenschaftliche Umarbeitung des Stoffes wurde der Berliner Assyriologe, Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität und Direktor der Vorderasiatischen Abteilung der Königlichen Museen Berlin Friedrich Delitzsch (1850-1922) von Wilhelm II. direkt beauftragt. Und auch für das Bühnenbild wurde niemand geringeres als der Leiter der durch die Deutsche Orient-Gesellschaft finanzierten Ausgrabungen in Assur, den Archäologen und Architekten Walter Andrae (1875-1958) von Wilhelm II. direkt berufen. Der Drang eine authentische Antike Welt auf die Opernbühne zu bringen führte gar dazu, die Ausstattungsstücke dieser Ballett-Pantomime im Anschluss an die Spielzeit in die Sammlung der Königlichen Museen aufzunehmen. 

Die historische Ballett-Pantomime Sardanapal, konzipiert als theatralische Reproduktion mit absoluten Realitätsanspruch, ist der Höhepunkt eines akademischen Bühnenhistorismus, der in seiner optischen Konzeption der aktuellen kunst- und theaterästhetischen Debatte diametral gegenüber stand. Das Konzept einer im Visuellen begründeten Verständlichkeit des 1908 aufgeführten Sardanapal wird im Vortrag hinsichtlich seiner Strategien der Verwissenschaftlichung eines populären Bühnenstückes kritisch untersucht. Dabei steht zunächst die Rezeptionsgeschichte der mythischen Herrscherfigur Sardanapal im Fokus der Betrachtung, ausgehend von der Tragödie Lord Byrons bis zur Aufführung unter Wilhelm II.. Die inhaltlichen und visuellen Authentizitätsbestrebungen der Stückverantwortlichen ließen die Bühne zu einer Realitätsebene werden. Die hieraus resultierende fließende Grenze zwischen Fiktion und Imitation soll in ihrer Wirkung kritisch diskutiert werden.