Der Fachbereich 06 trauert um Prof. Dr. em. Dieter Vaitl
Mit großer Betroffenheit hat der Fachbereich 06 den Tod von Prof. Dr. em. Dieter Vaitl zur Kenntnis genommen.
Der Fachbereich 06 erinnert an Prof. Dr. em. Dieter Vaitl
Die Justus-Liebig-Universität Gießen, der Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft trauern um Prof. em. Dr. Dieter Vaitl, der am 10. Januar 2026 im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Dieter Vaitl studierte von 1959 bis 1963 Philosophie und Katholische Theologie in Freising und an der Universität Gregoriana in Rom. Er absolvierte anschließend ein Studium der Psychologie an der Universität Freiburg, u.a. bei Prof. Dr. Dr. Hans Bender, der dort das von ihm gegründete Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) leitete. Im Jahr 1973 promovierte Dieter Vaitl an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Nach einer kurzen Tätigkeit als Wissenschaftlicher Assistent wurde er zum Wissenschaftlichen Rat und Professor an der Universität Münster im Bereich Klinisch-psychologische Methodik ernannt. Im Jahr 1976 wurde er schließlich auf die Professur für Klinische und Physiologische Psychologie an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen, die er bis 2005 innehatte. Es folgten verschiedene Gastprofessuren an den Universitäten Turin und Padua. Prof. Vaitl hatte während seiner Tätigkeit hier an der Justus-Liebig-Universität Gießen auch das Amt des Prodekans und des Dekans des Fachbereichs Psychologie inne.
Prof. Vaitl beeindruckte mit seiner wissenschaftlichen Neugier und vielfältigen Forschungsinteressen. Insbesondere interessierte er sich für psychophysiologische Grundlagen menschlichen Erlebens und Verhaltens und die neurowissenschaftliche Erforschung von veränderten Bewusstseinszuständen, Meditation, Hypnose und Trance. Geleitet von diesen Forschungsinteressen fungierte er von 1982 bis 1988 als Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA) sowie von 1994 bis 1996 als Präsident der Vereinigung europäischer Psychophysiologie-Gesellschaften (FEPS). An der JLU gründete er 1988 das Institut für Psychobiologie und Verhaltensmedizin. Er war Mitglied des IGPP in Freiburg, seit 2001 dessen Leiter und bis zu seinem Tod dessen Vorstandsvorsitzender. Dank der engen Kooperation mit dem IGPP gelang Prof. Vaitl mit Stiftungsgeldern im Jahr 2000 die Beschaffung und Inbetriebnahme eines funktionellen Magnetresonanztomographen bzw. die Gründung des Bender Institute of Neuroimaging (BION) am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft, dessen Leitung er bis 2011 innehatte.
Neben seinen neurowissenschaftlichen Forschungsaktivitäten hat Prof. Vaitl besonderen Wert auf eine fundierte Qualifikation von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gelegt. Er etablierte bereits 1993 gemeinsam mit Dr. Renate Frank den ersten universitären Weiterbildungsstudiengang für Verhaltenstherapie und eine Verhaltenstherapeutische Ambulanz. Mit Charisma, Neugier und Offenheit für selbst ungewöhnliche Ideen vermochte Prof. Vaitl sowohl den wissenschaftlichen Nachwuchs als auch seine Studierenden immer wieder zu begeistern.
Prof. Vaitl hat mit der Einrichtung des BION und der Verhaltenstherapeutischen Ambulanz am Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft maßgeblich dazu beigetragen, hervorragende Strukturen für neurowissenschaftliche Forschung, für die psychotherapeutische Qualifizierung und damit letztlich auch die Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen zu schaffen.
Die Justus-Liebig-Universität Gießen und der Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.