Our Planetary Condition
Buch: Foundations for a Politics with the Earth
4. November 2026

Es ist eine schlichte, jedoch weitreichende These, die die Autoren und die Autorin des Buches „Our Planetary Condition“ vertreten: Wir leben nicht auf einem Planeten, sondern sind Teil von ihm.
Der Planet ist damit nicht mehr der stabile Hintergrund, vor dem Weltpolitik gemacht wird. Vielmehr formen nichtlebende, lebende und technologische Kräfte die Politik aktiv mit. Wie das aussieht, zeigt das Buch etwa am Zyklon Bhola, der 1970 das damalige Ostpakistan verwüstete und mehr als 300.000 Menschen tötete. Die halbherzige Hilfe der pakistanischen Regierung verhalf der bengalischen Awami-Liga zu einem Erdrutschsieg bei den Wahlen und ebnete den Weg zur Unabhängigkeit Bangladeschs 1971.
Wenn es die entscheidende Herausforderung unserer Zeit ist, die Erde bewohnbar zu halten, dann muss die Politik jenseits menschen- und staatszentrierter Ansätze neu strukturiert werden. Die Erde ist nicht bloß ein System, das zu managen ist, sondern ein Wirkkomplex, mit dem gemeinsam Politik zu machen ist. Frederic Hanusch, Liza B. Bauer, Clemens Finkelstein und Claus Leggewie schlagen in ihrem Buch einen neuen Ansatz für die planetare Politik vor – einen, der die kollektive Wirkmacht nichtlebender, lebender und technologischer Akteure als integralen Bestandteil unseres Zusammenlebens anerkennt.
Anstatt sich wie bisher allein auf Menschen zu verlassen, die stellvertretend für die Anliegen der mehr-als-menschlichen Welt mitreden, zeigt das Buch, wie auch planetare Wirkkräfte Politik machen – Flüsse und Wälder, Zyklone und Strömungen. Im Hinblick auf Sonnenstürme, die bereits 1859 Telegrafennetze in Nordamerika und Europa lahmlegten, schlagen sie eine eigene Versammlung vor, die seine Folgen für Stromnetze und Kommunikation untersucht und internationale Schutzmaßnahmen koordiniert.
In sieben Kapiteln stellen die Autoren und die Autorin überlieferte Vorstellungen politischer Subjektivität und Repräsentation in Frage und skizzieren einen konzeptionellen wie praktischen Rahmen, um diese Wirkkräfte einzubeziehen, die ohne Zweifel in die politische Debatte gehören. So könnte sich Politik etwa statt entlang von Staatsgrenzen anhand von Bioregionen organisieren: Im Amazonasbecken gehörten dazu indigene Gemeinschaften ebenso wie der Amazonas selbst und seine Delfine.
Indem es politische Theorie und Environmental Humanities mit Forschung zu planetaren Dynamiken, ökologischen Zusammenhängen und technologischen Infrastrukturen sowie mit indigenem und nichtwestlichem Wissen verbindet, stellt das Buch ein umsetzbares Modell vor, um die Politik des planetaren Zeitalters neu zu denken. Es ist in englischer Sprache erschienen.
Zu den Autoren und der Autorin
Prof. Dr. Frederic Hanusch hat an der JLU die Professur für Planetaren Wandel und Politik inne. Liza B. Bauer war wissenschaftliche Geschäftsführerin, Clemens Finkelstein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Panel on Planetary Thinking an der JLU. Prof. Dr. Claus Leggewie hatte bis 2025 die Ludwig-Börne-Professur an der JLU inne und leitete das Panel on Planetary Thinking.
Zum Buch
Frederic Hanusch, Liza B. Bauer, Clemens Finkelstein und Claus Leggewie: Our Planetary Condition – Foundations for a Politics with the Earth. The MIT Press 2026, 280 Seiten, $ 60 (Paperback), ISBN: 9780262057011 oder kostenfrei als Open Access