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Zwischen Fußnoten und Schwertkämpfen

Eindrücke vom International Medieval Congress (IMC) in Leeds - JLU-Mitglieder erhielten exklusive Einblicke hinter die Kulissen

 21. Oktober 2026

 

Von Niklas Beick

 

5 Personen vor Portal der ehemaligen Zisterzienserabtei Kirstall in Leeds
Mittlerweile fast Tradition bei einem Besuch des IMC: ein Abstecher zur ehemaligen Zisterzienserabtei Kirkstall in Leeds (v. l. Christina Möller, Dr. Monika Gerundt, Prof. Dr. Stefan Tebruck, Dr. Roman Tischer, Niklas Beick). - Foto: Niklas Beick

Ein Schwert saust durch die Luft, Metall trifft auf Metall. Vor dem Refectory der University of Leeds im Norden Englands stehen sich zwei Ritter in voller Rüstung gegenüber. Zum Abschluss des International Medieval Congress (IMC) gehören die Schaukämpfe mittlerweile zum festen Rahmenprogramm. Auch sonst wird hier einiges geboten: Neuerscheinungen der Wissenschaftsverlage, antiquarische Bücher und ein Medieval Pub Quiz. Doch das Mittelalter wird in Leeds nicht nur nachgestellt, verkauft oder erraten. Vor allem wird darüber geforscht und gestritten.

Im Sommer 2026 kamen hier mehr als 2.700 Mediävist*innen aus aller Welt zusammen. In über 750 Sessions mit etwa 2.300 Vorträgen ging es um alte Quellen und neue Fragen. Dazu kamen Keynotes und vor allem der persönliche Austausch: mit bekannten Gesichtern, mit Menschen, deren Namen man bislang nur aus Fußnoten kannte, und mit vielen neuen Gesprächspartner*innen.

Mit dabei waren Prof. Dr. Stefan Tebruck sowie aktuelle und ehemalige Mitglieder des Teams der Mittelalterlichen Geschichte an der JLU. Gemeinsam mit Prof. Dr. Cora Dietl und ihren Mitarbeiterinnen aus der Literaturgeschichte erhielten sie exklusive Einblicke hinter die Kulissen: Dietl ist selbst an der Organisation des IMC beteiligt. Zusätzlich gestaltete die Gießener Mediävistik eine eigene Session. In „The Right Time to Tell a Story“, moderiert von Tebruck, sprachen Dr. Monika Gerundt (Independent Scholar), Christina Möller (Gießen) und Dr. Roman Tischer (Bonn) – alle drei haben in der Mittelalterlichen Geschichte an der JLU promoviert. Ihre gemeinsamen Fragen: Wann und warum werden Geschichten erzählt? Was verändert sich, wenn zwischen Ereignis und Erzählung Jahre oder Jahrhunderte liegen? Mittelalterliche Heiligenerzählungen, Kreuzzugschroniken und eine Episode über König Rudolf I. und einen Krug Bier lieferten dafür unterschiedliche Beispiele. 

 

Von der Bedeutung der Quellen

 

Dahinter steht eine Grundfrage der Geschichtswissenschaft: Quellen erzählen nicht einfach, „wie es gewesen ist“, sondern entstehen aus bestimmten Perspektiven und mit bestimmten Absichten. Entscheidend ist deshalb zu fragen, wer was erzählt, wann, wie und warum. Der IMC bietet jedes Jahr vier Tage lang Gelegenheit, genau das zu tun und dabei auch die eigenen Perspektiven zu hinterfragen. Manchmal eröffnet gerade der Blick über das eigene Forschungsgebiet hinaus neue Sichtweisen auf vertraute Fragen – und den Zugang zu Themen, die einem bisher verschlossen waren. 

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus vier Tagen zwischen Vorträgen, Diskussionen und Schwertkämpfen: Wissenschaft wird besonders spannend, wenn man sich aus der eigenen Bubble herausbewegt. Nicht, um das Vertraute hinter sich zu lassen, sondern um es zu hinterfragen und den eigenen Blick um neue Perspektiven zu erweitern.

 

Weitere Informationen

 

Hier geht es zum Instagram-Account zum Team der Professur für Mittelalterliche Geschichte der JLU. Dort finden sich Beiträge, Reels und Story-Highlights zum IMC und zu weiteren Stationen der Exkursion nach England, darunter das mittelalterliche York und Kirkstall Abbey in Leeds. 

 

 

 

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