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Cauda-equina-Kompressions-Syndrom

Cauda-equina-Kompressions-Syndrom

 

Was ist die Cauda-equina?

Das Rückenmark ist symmetrisch und segmental aufgebaut. Passend zu jedem Wirbel gibt es einen korrespondierenden Rückenmarksabschnitt, der zu jeder Seite einen Nervenstrang entlässt, der den  Wirbelkanal verlässt und in die Muskulatur zieht. In der Mitte der Brustwirbelsäule befinden sich der Wirbel, das Rückenmarkssegment, und die Nervenabgänge auf derselben Höhe. Weiter im Verlauf der Lendenwirbelsäule verschiebt sich diese gleichmäßige Anordnung. Die Rückenmarkssegmente werden kürzer, und die Nerven verlaufen zunehmend über einen längeren Abschnitt im Wirbelkanal bevor sie aus dem Nervenaustrittsloch (Neuroforamen) austreten. Ab dem 5. Lendenwirbel endet das eigentliche Rückenmark und es laufen ausschließlich Nerven im Wirbelkanal, die zu den weiter hinten gelegenen Neuroforamina ziehen. Öffnet man das Wirbeldach und schaut hier von oben in den Wirbelkanal, blickt man in diesem Abschnitt daher auf ein kompaktes Bündel von Nerven, das einem Pferdeschwanz ähnlich sieht, auf lateinisch Cauda equina.

 

Was ist ein Cauda-equina-Kompressions-Syndrom?

 

Der Übergang vom 7. Lendenwirbel zum Kreuzbein ist der beweglichste Teil der Wirbelsäule im Rücken des Hundes. Die Bandscheibe zwischen diesen Wirbeln ist daher besonders belastet. Mit fortgeschrittenem Alter und bei intensiver Belastung durch sportliche Aktivität und Arbeit altert die Bandscheibe bei jedem Hund zunehmend, wodurch sie ihre Funktion nicht mehr ausüben kann. Dadurch entwickelt sich ein Teufelskreis. Da die Bandscheibe die Bewegungskräfte der anliegenden Wirbel nicht mehr abfangen kann, degeneriert sie weiter, es entwickeln sich Risse, die narbig ausheilen. Der gallertige Kern, der in der physiologischen Bandscheibe wie ein Wasserkissen Stöße abfängt, trocknet aus und die Bandscheibe wird durch viele Bewegungen der Wirbelsäule weiter geschädigt. Die geschädigte Bandscheibe hält die Wirbel nicht genug auf Abstand, sie verformt sich, kann sich in den Wirbelkanal vorwölben und Druck auf die anliegenden Nerven ausüben. Dieser Druck auf die Nerven ist die Ursache der klinischen Symptome.

 

Ist die Bandscheibe das einzige Problem?

 

Neben der normalen Alterung der Bandscheibe gibt es weitere Faktoren, die eine Bandscheibendegeneration begünstigen, oder selbst eine Kompression der Cauda-Nerven hervorrufen können. Wie oben angedeutet ist der Übergang vom 7. Lendenwirbel zum Kreuzbein (kurz L7/S1) ohnehin ein sehr beweglicher Abschnitt der Wirbelsäule. Bei einigen Hunderassen, vor allen Dingen beim Deutschen Schäferhund, ist die Verbindung L7/S1 besonders beweglich. Ein zentraler Faktor bei der Entstehung eines klinischen Cauda-equina-Kompressions-Syndroms ist eine Verschiebung (Subluxation) des 7. Lendenwirbels gegen das Kreuzbein. Dadurch kommt es einerseits zu einer vermehrten Belastung der Bandscheibe, als auch zu einer Kompensations-Reaktion des Körpers. Das Band am Dach zwischen den Wirbeln nimmt an Masse zu und kann die Cauda equina zusätzlich von oben her einengen. Bei einigen Hunden schieben sich die Wirbeldächer durch die Subluxation stark ineinander, wodurch auch bei geringer Bandscheiben-Vorwölbungen eine Kompression der Nerven von oben hervorgerufen wird. Eine weitere Ursache von Nervenquetschungen sind Verengungen im Nervenaustrittsloch, entweder durch die beschriebene Subluxation oder durch arthrotische Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke, welche die obere Begrenzung des Nervenaustrittsloches bilden.

 

 

Was haben betroffene Hunde für Symptome?

Klassischerweise wird bei den betroffenen Hunden eine leichte Gangstörung der Hintergliedmaße beobachtet. Die Tiere können die Krallen hörbar über den Boden schleifen. Da der Ischiasnerv der hauptsächlich betroffene Nerv ist, lässt die Spannung der Gliedmaßenstrecker nach. Die Hunde laufen x-beinig und flach im Sprunggelenk. Alle Bewegungen, die eine Subluxation von S1 (1. Sakralwirbel/Kreuzbein) gegenüber L7 (7. Lendenwirbel) provozieren, sind schmerzhaft, da die Kompression durch die Bandscheibe verstärkt wird. Ins Auto, oder auf die Couch zu springen wird plötzlich vermieden, die Tiere laufen vorsichtig die Treppen hinauf. Manche Hunde wollen gar nicht mehr viel laufen, was manchmal fälschlicherweise auf ihr Alter zurückgeschoben wird. Die Berührung der Lendenwirbelsäule kann schon schmerhaft sein, manche Tier wehren sich gegen das Bürsten oder Streicheln in diesem Bereich. Hier hat sich ein neuropathischer Schmerz entwickelt, wobei Schmerzen durch eigentlich nicht schmerzhafte Stimualtion ausgelöst werden. Je nach Charakter des Hundes fallen Schmerzen gar nicht auf, sondern die Besitzer bemerken eine aggressive Verhaltensänderung bei Ihrem Hund, der aber auf hochgradige Schmerzen zurückzuführen ist.

 

Wie diagnostiziert man ein Cauda equina Kompressions Syndrom?

Nach einer klinischen Untersuchung ergibt sich die Verdachtslokalisation Cauda equina. Ein Röntgenbild kann Hinweise liefern, wenn sie eine Subluxation der Wirbel aufzeigen, bzw. andere Ursachen für Schmerzen, wie Knochentumore oder Diskospondylitis ausschließen. Die Nerven und das Rückenmark sind aber im Röntenbild nicht zu sehen. Optimale Darstellung der Cauda-Nerven ermöglicht das MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie), auch Kernspintomografie genannt. Hier können alle Ursachen für Schmerzen sicher ausgeschlossen, und die Kompression der Nerven durch die Bandscheibe und andere Strukturen sicher dargestellt werden.

 

Wie wird ein Cauda equina Kompressionssyndrom behandelt?

Da die Schmerzen im Zusammenhang mit Druck auf die Nerven auch durch entzündliche Prozesse in Gang gehalten, bzw. verstärkt werden, kann eine Behandlung mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln oft eine Besserung des klinischen Zustandes hervorrufen. Da die Ursache dadurch aber nicht beseitigt wird, ist die aber eher eine Lösung für ältere Hunde ohne körperliche Beanspruchung. Für aktive Hunde ist eine Operation die empfehlenswerte Lösung. Das Wirbeldach des 7. Lendenwirbels und des ersten Kreuzbeinwirbels wird eröffnet (Laminektomie) und die vorgewölbte Bandscheibe geglättet. Ggf. kann eine Erweiterung der Neuroforamina durchgeführt werden. Entzündliches Gewebe wird entfernt und Verklebungen zwischen den einzelnen Nerven gelöst.

Obwohl immer wieder Techniken zur Stabilisation empfohlen werden, werden diese in der Klink für Kleintiere der JLU Giessen nicht durchgeführt, da sie unserer Meinung nach die Beweglichkeit der hinteren Lendenwirbelsäule zu sehr einschränken. Darüber hinaus fehlen bisher objektive klinische Studien zur Wirksamkeit der invasiven Operationen zur Stabilisation und ihrer Überlegenheit gegenüber der konventionellen Laminektomie.