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Das Vestibular-Syndrom

Das Vestibular-Syndrom

Das Vestibular-Syndrom beschreibt eine Summe von Symptomen, die auf eine Fehlfunktion des Gleichgewichtsapparates selbst oder seiner zentralen Verschaltungen im Gehirn zurückgehen.

 

Wie funktioniert der Gleichgewichtsapparat?

Der Vestibularapparat im Innenohr gibt dem Zentralnervensystem ständig Auskunft über die Lage des Kopfes und des Rumpfes im Raum. Die dort entstehenden Nervenimpulse werden über den Gleichgewichtsnerven in den Hirnstamm zu den Nervenzellkernen des Gleichgewichtsapparates (so genannte Vestibulariskerne) geleitet. Diese nehmen mit mehreren Systemen Verbindungen auf:

 

  1. Mit den Kernen der Augenmuskelnerven. Die Informationsübertragung über eine Drehung des Kopfes auf diese Kerne ermöglicht das Fixieren eines stehenden Objektes während der Drehung des Kopfes. Bei fehlendem Input aus dem Gleichgewichtsapparat zucken die Augen ziellos in der horizontalen Ebene hin und her (pathologischer Nystagmus).
  2. Mit dem Rückenmark. Die Vestibulariskerne üben einen ständigen Reiz auf die Muskeln der Gliedmaßen, insbesondere der Streckmuskeln aus (Anitigravitationsmuskulatur). Die Impulse des Vestibularapparates geben den Streckmuskeln Auskunft darüber, wieviel Streckung nötig ist, um sich z. B. an eine schräge Ebene anzupassen. Darüber hinaus werden auch die Halsmuskeln gleichermaßen aktiviert um sich einer Lageveränderung im Raum anzupassen.
  3. Mit dem Brechzentrum in der Medulla oblongata. Bei zu schnellen und heftigen Bewegungen des Kopfes und zu starker Erregung des Vestibularapparates signalisiert der Körper über diese Verbindung Übelkeit.

 

Eine Schädigung des Vestibularapparates geht in der Regel vom Mittel- oder Innenohr aus. Wird das Gleichgewichtsorgan geschädigt, bekommen die Vestibulariskerne keine Informationen über die Stellung des Kopfes und seine Bewegung im Raum. Dies zieht eine Drehung des Kopfes um seine Längsachse zur Seite der Läsion nach sich (Kopfschiefhaltung). Die fehlenden Informationen von einer Seite des Körpers führen zu einer gestörten Koordination des Ganges. Die Tiere driften in der Bewegung zur Seite der Kopfschiefhaltung. Das ist dadurch bedingt, dass auf der Seite der Läsion die Vestibulariskerne weniger erregt werden und dadurch die Aktivität der Streckermuskeln weniger stark aufrechterhalten werden kann.

Zusätzlich zeigen die Patienten einen so genannten Nystagmus in Ruhehaltung des Kopfes. Die Augen bewegen sich rhythmisch zuckend hin und her. Der Nystagmus ist in der Regel nicht gleichmäßig, sondern die pendelnden Augenbewegungen haben eine schnelle und eine langsame Komponente, wobei die schnelle, ruckartige Bewegung von der Seite der Läsion weg ausgeführt wird.

Dazu kann ein Schielen des Augapfels nach unten auffallen, wenn man den Tieren den Kopf in den Nacken überstreckt. Alle diese Symptome werden unter dem Begriff des Vestibular-Syndroms zusammengefasst

 

Was für Erkrankungen führen zu einem Vestibular-Syndrom?

Die häufigste Ursache für ein peripheres Vestibular-Syndrom, also eine Schädigung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr ist eine Entzündung des Mittel- und darauf folgend des Innenohres, die den Vestibularapparat miteinbezieht. Eine Ohrenentzündung, die nicht nach einiger Behandlungszeit in den Griff zu bekommen ist, stellt daher ein ernstzunehmendes Problem dar.

Bei der Katze sind es oft entzündliche Polypen, die in das Mittelohr wachsen, und zu einer Störung des Vestibularapparates führen. Tumoren des Innenohres sind seltener, genauso, wie eine selektives Trauma des Innenohres

Als toxische Ursache (Vergiftung) kommen bestimmte Antibiotika (Aminoglycoside, z.B. Gentamicin) sowie Bestandteile einiger Ohrreiniger (Chlorohexidine und Benzalkoniumchlorid) in Betracht.

Angeborene Missbildungen des Gleichgewichtsorganes sind eher selten, wohingegen degenerative Beeinträchtigung der Funktion des Vestibularapparates beim älteren Tier häufiger vorkommen (sog. geriatrisches Vestibular-Syndrom). Die dieser Erkrankung zu Grunde liegenden Erklärung der Pathophysiologie, die auf einer Eindickung der Perilymphe in den Bogengängen basiert, wird nicht von allen Neurologen akzeptiert, weshalb das geriatrische auch oft als idiopathische Vestibular-Syndrom bezeichnet wird, also basierend auf einer ungeklärten Ursache.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen eine Störung der peripheren Nervenfunktion nach sich ziehen und sich als Vestibularsyndrom äußern.

 

Welche Erkrankungen führen zu einem zentralen Vestibular-Syndrom ?

Ein Reihe von entzündlichen Ursachen führen zu einer Encephalitis mit Beteiligung des Hirnstammes. Zu den häufigsten zählt sicherlich das Staupevirus, das FIP-Virus, die Toxplasmose und Neosporose sowie die Granulomatöse- und Nekrotisierende Meningoenzephalitis.  Unter den tumorösen Erkrankungen steht Lymphdrüsenkrebs und Hirnhauttumore im Vordergrund.

Zerebrovaskuläre Verschlusskrankheiten (Infarkte) sind selten, ebenso wie angeborene Zysten (Arachnoidalzysten in der hinteren Schädelgrube).

 

Wie diagnostiziert man Ursachen des Vestibular-Syndroms?

Eine eingehende Aufnahme der Krankengeschichte gibt Auskunft über Juckreiz oder stinkenden Geruch aus dem Ohr, was auf eine aufsteigende Ohrenentzündung hinweisen kann. Eine Untersuchung des äußeren Ohres (Otoskopie) zeigt eine bestehende Entzündung. Die neurologische Untersuchung ergibt Hinweise auf eine Lokalisation, also ein zentraler (in den Vestibulariskernen des Gehirns) oder peripherer Sitz der Erkrankung (im Gleichgewichtsorgan).

Bei klinischem Verdacht auf eine Ohrenentzündung kann ein Röntgenbild des Schädels mit Fokus auf das Mittelohr Hinweise auf eine Entzündung in diesem Gebiet liefern. Bei dem Verdacht auf ein zentrales Vestibular-Syndrom ist eine Magnet Resonanz Tomografie nötig, die das Gehirn darstellen kann.