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Artikelaktionen

ZMI-Newsletter 1/2019

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ZMI-Newsletter 1/2019

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

Prof. Dr. Katrin Lehnender Semesterstart ist – mehr oder weniger – geschafft und wurde ja gleich wieder durch ein paar sonnige Ostertage unterbrochen. Jetzt freuen wir uns, Sie auf interessante Neuigkeiten und spannende Veranstaltungen aufmerksam zu machen.

In diesen Tagen ist der zweite Beitrag des neu eingereichten ZMI-Blogs erschienen. Johannes Diesing schreibt über Politische Akteur*innen in den Medien – die solidarische Gesellschaft sichtbar machen. Dabei geht es um die mit den Ereignissen von Chemnitz und vergleichbaren Ereignissen brisant gewordene Frage, wie sich PolitikerInnen im medial-öffentlichen Raum verhalten (sollten) – auch mit Blick auf ihre Sprache. Ein Thema, das angesichts eines erstarkenden Rechtspopulismus an vielen Stellen diskutiert wird.[1]

Der ZMI-Blog thematisiert in unregelmäßigen Abständen und in Abhängigkeit von Ihren eigenen Ideen verschiedene Aspekte des Digitalen. Wir würden uns freuen, wenn sich der Blog etabliert und durch Ihre Kommentare und Ihre Beiträge weiter entfaltet. Das Blogformat soll Raum geben für fertige und halbfertige Gedanken, für Kommentare und Kritik, für Ideen und die Diskussion dieser Ideen. Und auch wenn wir mit zwei etwas längeren Texten eingestiegen sind, soll Sie das nicht abschrecken, kurze, knappe Texte einzureichen, die zum Weitdenken oder Weiterschreiben anregen!

Mit dem (nicht stattfindenden, aber immer wieder angekündigten) Brexit steht Europa so häufig im Fokus medialer Berichterstattung wie lange nicht. In Kürze stehen die Europawahlen an und sie haben auf diese Weise eine ganz eigene Brisanz. Dazu machen wir Sie auf zwei Veranstaltungen aufmerksam: Die vom Institut für Politikwissenschaft in der Reihe „Kontroversen“ initiierte Podiumsdiskussion Europa vor der Wahl mit interessanten DiskutantInnen aus verschiedenen institutionellen Bereichen (13. Mai, 18.00 Uhr) und die von Claus Leggewie initiierte Podiumsdiskussion mit zwei hiesigen Kandidaten für die Wahl zum Europaparlament (2. Mai, 16 Uhr). Beide Veranstaltungen finden im Hauptgebäude der Universität statt.

 

Wir wünschen Ihnen ein gutes Semester,

Katrin Lehnen



[1] So z.B. auch in einem Artikel von Henning Lobin in der Süddeutschen Zeitung: Warum wir eine Ethik der Metapher brauchen (21.02.2019).

 

 

 

 

 

Inhalt ZMI-NEWSLETTER 1/2019


Editorial

 

News

Johannes Diesing im ZMI-Blog: Politische Akteur*innen in den Medien – die solidarische Gesellschaft sichtbar machen

Medienbezogenes Lehrangebot der JLU für das Sommersemester 2019 online

 

Veranstaltungsankündigungen

Filmfest Giessener First Steps mit Kurzfilmen von Studierenden

Educational Linguistics-Vortragsreihe im Sommersemester

CfP: Medien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen

Podiumsveranstaltung und öffentliche Debatte: Europa vor der Wahl

Linie 41 – Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Protagonisten und Regisseurin

Workshop zum Thema Der Comic als Form

Internationale Tagung: Trans*Time in Serien in und jenseits nationaler Grenzen

 

ZMI-Videos

Videomitschnitt der Podiumsdiskussion „Studierende, SuS, Bürger*innenmeister*innen“ – Möglichkeiten und Grenzen des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Spring School Historische Momentaufnahmen / Frozen Moments in History

Podiumsdiskussion „Studierende, SuS, Bürger*innenmeister*innen“ – Möglichkeiten und Grenzen des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

Workshop Protestkommunikation – Umstrittene Legitimität politischer Öffentlichkeit in digitalen und urbanen Räumen

Jutta Hergenhan zum Thema Gendern in Frankreich: Von der Feminisierung der Berufsbezeichnungen zum inklusiven Schreiben

ZMI beim Barcamp Digitalisierung

Gastvorträge des Forschungsverbundes antidemokratische Haltungen im Wintersemester

Literatur und Film der Resistenza in Italien – Sabine Heymann übernimmt Lehrauftrag an der Universität Marburg

Welche Sprache passt zu mir? – Sabine Heymann bei Podiumsdiskussion im Theater der Stadt Aalen 


In den Medien

Ansgar Schnurr im Deutschlandfunk zur Bildung demokratischer Haltungen in Kunst und Pädagogik 

 

Neues aus den Seniorprofessuren


Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Wahl zum Europäischen Parlament 2019: Claus Leggewie moderiert Podiumsdiskussion mit den JLU-Alumni Sven Simon und Udo Bullmann 

Claus Leggewie definiert auf Krautreporter.de die überfälligen Vertiefungsziele der Europäischen Union 

Claus Leggewie bei der Tagung water meets … Future


Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Workshop in Hanoi: Gute Vorträge und Diskussionen auf internationalen Konferenzen

Nachwuchstagung der Fremdsprachenforscher an der JLU

Lernmaterialien und Medien – Neubearbeitung des Moduls zur Lehrerfortbildung des Goethe-Instituts 

Grammatik, Inhalt, Kommunikation – das schwierige Verhältnis der großen Drei des Fremdsprachenlernens 

European Studies in Hongkong evaluiert


Neues aus der Georg Büchner-Professur

Everything That Happened And Would Happen – Aufführung in New York und Deutschlandpremiere in Bochum  

Heiner Goebbels Surrogate Cities in Zagreb, Seattle und Basel

Eislermaterial – szenisches Konzert mit dem Ensemble Modern und Josef Bierbichler in Dresden 

Heiner Goebbels in Gießen

Wilsons Fisch – Zu den Geheimnissen künstlerischer Entwicklung. Keynote von Heiner Goebbels in Linz 

Макс Блэк или 62 способа подпереть голову рукой / Max Black or 62 ways of supporting the head with a hand

Publikationen von Heiner Goebbels

 

Publikationen

Demonstrative Reproduktion. Politische Handlungsformen von Occupy in London und New York 

Learner Corpora and Language Teaching

Fotografische Bilder des Klimawandels. Strategien und Bildformeln

Screening Economies: Money Matters and the Ethics of Representation

Zwischen Partizipation und Plattformisierung – Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft

 

Personalia

Katharina Lorenz und Nicole Zillien neue Mitglieder in ZMI-Sektionen

Sophia Trogemann verlässt das ZMI – Berit Beckers neue studentische Hilfskraft in der ZMI-Öffentlichkeitsarbeit

Das ZMI sucht eine studentische Hilfskraft mit dem Schwerpunkt Technik

 

 

 


 

News

Johannes Diesing im ZMI-Blog: Politische Akteur*innen in den Medien – die solidarische Gesellschaft sichtbar machen

Politische Akteur*innen in den Medien – Die solidarische Gesellschaft sichtbar machenAuf dem ZMI-Blog, der aktuelle medienbezogene Fragestellungen und Entwicklungen thematisiert, ist im Januar der zweite Beitrag erschienen. Nach der Diskussion zum Thema Digitalisierung – Verheißung und Ernüchterung, die Prof. Katrin Lehnen und Prof. Dorothée de Nève angestoßen haben, folgt der Beitrag von Dr. Johannes Diesing über den Umgang von PolitikerInnen mit aktuellen Konfliktsituationen und ihrem Auftritt in der Öffentlichkeit.

In Politische Akteur*innen in den Medien – die solidarische Gesellschaft sichtbar machen diskutiert Johannes Diesing (Institut für Politikwissenschaft der JLU) die Begriffe Framing, Certification und Decertification aus der Bewegungsforschung und Kommunikationswissenschaft. Dabei befasst er sich mit dem Verhalten von PolitikerInnen und BürgerInnen, die an Konfliktsituationen, wie z.B. den Ereignissen in Chemnitz im vergangenen Sommer, beteiligt sind. Diesing hebt die wichtige Aufgabe der PolitikerInnen hervor, auf ihre eigene Sprache zu achten und BürgerInnen zu unterstützen, die sich für die Sichtbarkeit einer solidarischen Gesellschaft einsetzen. Mit seinem Beitrag verdeutlicht der Politikwissenschaftler, worin politischer Protest wirklich besteht und zeigt auf, dass die Prozesse des Engagements von zentralen AkteurInnen des politischen Systems sowohl negativ, als auch positiv beeinflusst werden.

Nehmen Sie aktiv an aktuellen Debatten teil und reagieren Sie auf Beiträge auf dem ZMI-Blog, indem Sie die Kommentarfunktion nutzen. Beschäftigt auch Sie ein medienbezogenes Thema, das Sie zur Diskussion stellen möchten? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail mit Ihrem eigenen Blogbeitrag an die .

 

 

 

Medienbezogenes Lehrangebot der JLU für das Sommersemester 2019 online

Auch in diesem Semester hat das ZMI wieder eine Übersicht des medienbezogenen Lehrangebots an der JLU erstellt. Studierende haben somit die Möglichkeit, sich direkt im eVV über medienbezogene Lehrveranstaltungen zu informieren. Eine kommentierte Version des Angebots ist auch auf der Website des ZMI zu finden.

 

 

 

 

 

Veranstaltungsankündigungen

Filmfest Giessener First Steps mit Kurzfilmen von Studierenden

Im vergangenen Wintersemester verband das Seminar Media Analysis through Media Creation Theorie mit Praxis: Unter der Leitung von Prof. Greta Olson und mit der Unterstützung der deutschen Schauspielerin und Filmemacherin Lisa Friederich konnten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung eigene Kurzfilme drehen.

Unter dem Titel Giessener First Steps – Filmfest featuring Short Films by Students in the Media Analysis Seminar werden diese Filme nun gezeigt. Die Vorführung findet am Freitag, den 3. Mai, von 15:00-18:00 Uhr im Vorlesungssaal A 1, Philosophikum I statt.

Auch in diesem Semester erhalten Studierende erneut die Möglichkeit, in dem Seminar Media Literacy through Media Creation eigene Kurzfilme zu kreieren. Im Rahmen des Co-Teaching-Projekts wird die Veranstaltung erneut von Greta Olson und Lisa Friederich durchgeführt.

 

 

 

Educational Linguistics-Vortragsreihe im Sommersemester

el_sose2019Im Rahmen des Forschungsverbundes Educational Linguistics finden im Sommersemester 2019 drei Vorträge statt. Als Vortragende werden Prof. Camilla Badstübner-Kizik (Poznań), Prof. Gabriele Budach (Luxemburg) sowie Prof. Jürgen Kurtz (Gießen) erwartet. Die Vorträge finden dienstags, um 18:15 im Seminargebäude Philosophikum, Raum 202 (Alter Steinbacher Weg 44) statt.

Am 7. Mai 2019 hält Prof. Camilla Badstübner-Kizik ihren Vortrag zum Thema Linguistic Landscape – mediale didaktische Ressource vor Ort?

Der Vortrag von Prof. Gabriele Budach zum Thema Moving objects: Digitale Inszenierung als Methode des sprach- und kulturübergreifenden Lernens findet am 28. Mai 2019 statt.

Am 18. Juni 2019 spricht Prof. Jürgen Kurtz zum Thema Fremdsprachenlernen im digitalen Wandel: Augmentierte Bildungsmedien als adaptive Assistenzsysteme.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen.

 

 

 

CfP: Medien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen

Call for Papers für die Jahrestagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kooperation mit dem ZMI am 10. und 11. Oktober 2019 an der JLU Gießen.

DGS_LogoAnsätze, die Medien als Dinge denken, haben schon seit einer ganzen Weile Konjunktur. Die Notwendigkeit einer soziologischen Forschungsperspektive, die die technisch-materielle Ausformung von Medien in den Blick nimmt, drängt sich in Zeiten umfassender Digitalisierung und Algorithmierung geradezu auf. Denn nach der Materialität des Digitalen zu fragen, heißt, die Stofflichkeit, Handlungsträgerschaft, Sichtbarkeit, Eigenlogik und Ästhetik des Digitalen zu reflektieren, wobei hier an eine Vielzahl an Ansätzen und Theorieangeboten angeknüpft werden kann: Materiellen Artefakten wird nicht nur in der Mediensoziologie, sondern beispielsweise auch in der Technik- und Wissenschafts-, der Architektur-, Organisations-, Kultur- oder Filmsoziologie analytische Relevanz zugewiesen. In den Science and Technology Studies, der Mediatisierungsforschung, Medienökologie und historischen Epistemologie liegen ebenso wie beispielsweise in der Medien- und Kommunikationswissenschaft, den Kultur- und Erziehungswissenschaften, der Philosophie und Psychologie versierte Ansätze zur Untersuchung der gesellschaftlichen Bedeutung von Materialitäten vor. So unterschiedlich sich diese Ansätze, Forschungsfelder und Disziplinen auch gestalten: Werden die Dinge analytisch mitgedacht, so ist das Handeln mit selbigen üblicherweise als soziomaterielles Wechselspiel angelegt. Es wird von einer Prägekraft, Eigendynamik, Logik und generativen Kraft der Dinge, der Algorithmen, Technologien und Infrastrukturen ausgegangen. Diese Konzeptionen sind für die (Medien)Soziologie ebenso vielversprechend wie herausfordernd, werfen in theoretischer, epistemologischer und methodologischer Hinsicht zahlreiche Fragen auf und sind in der empirischen Forschung gar nicht so einfach einzulösen.

Auf der in Kooperation mit dem ZMI von Prof. Nicole Zillien (JLU) organisierten Jahrestagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie sollen theoretische und empirische Analysen vorgestellt und diskutiert werden, die die Materialität digitaler Medien in der Untersuchung sozialen Handelns systematisch mitdenken. Wir möchten dabei Arbeiten unterschiedlicher Verortungen miteinander ins Gespräch bringen, Gemeinsamkeiten und Differenzen der Perspektiven ausfindig machen und eine Selbstpositionierung in der Vielfalt der Ansätze ermöglichen.

Somit freuen wir uns über theoretische, methodologische und empirische Beitragsvorschläge, die (beispielsweise) folgende Fragestellungen fokussieren:

  • Wie können digitale Medien als sozialkonstitutive Dinge gedacht werden?
  • Wie kann die Materialität des Digitalen methodisch eingelöst, empirisch beobachtet und analytisch beschrieben werden?
  • Wie lässt sich die innere Architektur digitaler Medien soziologisch fassen? Wie kriegt man in der empirischen Forschung das vermeintlich Immaterielle des Digitalen in den Griff?
  • Welche Normen, Standards und Abläufe sind in einer empirischen Betrachtung in digitale Medien eingeschrieben? Und wie werden diese im Gebrauch performativ hergestellt?
  • Wie lassen sich Konzepte wie jene der boundary objects, der technischen und epistemischen Dinge, der Affordanzen und der mangle of practice, des Codes oder der Infrastrukturen in der medienbezogenen Forschung zur Anwendung bringen?
  • Welche Implikationen hat eine Übersetzung von Ansätzen beispielsweise der Science and Technology Studies, der Laborstudien oder der Technikphilosophie in die (Medien)Soziologie?
  • Wie wird digitale Materialität mit Blick auf klassische Medien wie beispielsweise den Film, das Fernsehen oder auch den Print-Journalismus verhandelt?
  • Wie werden spezifische Medien erlebt, welche ästhetischen Erfahrungen werden im Umgang mit Medien-Dingen (z.B. dem Smartphone, der Smartwatch, beim 3-D-Gaming, dem Online-Dating oder auch dem Binge Watching) gemacht? Wie prägt das Medium das Erlebnis und wie wirkt es sich auf vermittelte Inhalte aus?
  • Und wie prägen digitale Medien letztlich als methodisches Werkzeug die soziologische Wissenserzeugung? Welche methodologischen Effekte hat es, wenn digitale Medien als „Erhebungs- und Auswertungs-Dinge“ gedacht werden?

Bitte senden Sie Ihre Beitragsvorschläge (Word-Datei, max. 2.500 Zeichen) bis zum 10. Mai 2019 an , Universität Gießen. Die Tagung findet in Kooperation mit dem ZMI statt.

Organisation: Nicole Zillien

Sprechrat: Udo Göttlich, Anja Peltzer, Matthias Wieser, Nicole Zillien

 

 

 

Podiumsveranstaltung und öffentliche Debatte: Europa vor der Wahl

Europa vor der Wahl
Foto: Immanuel Giel
Mit der Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai steht die EU und damit auch Europa vor einem Scheideweg. In der aktuellen Legislaturperiode des Europäischen Parlaments wurde der europäische Integrationsprozess durch zahlreiche Krisen geprägt. Neben jenen durch die Finanz- und Schuldenkrise ausgelösten ökonomischen und sozialen Erschütterungen, die die EU bis heute begleiten, sind dabei vor allem die so genannte Flüchtlingskrise, der Brexit und das Erstarken des Nationalismus sowie eine damit verbundene Infragestellung zentraler europäischer Werte in einzelnen Mitgliedstaaten zu nennen. Die Wahl zum Europäischen Parlament ist somit grundsätzlich als Bekenntnis für oder gegen Europa und im Besonderen als Votum für die künftige Ausgestaltung der EU zu verstehen.

Vor dem Hintergrund der besonderen Relevanz dieser Wahl, aktuellen Tendenzen der Desintegration innerhalb der EU und eines in Teilen durch Fake-News gestützten anti-europäischen Populismus bestehen große Informations-, aber mitunter auch Diskussionsbedarfe im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament. Die Podiumsveranstaltung Europa vor der Wahl, die am 13. Mai um 18.00 Uhr in der Aula des Universitätshauptgebäudes (Ludwigstr. 23, 35390 Gießen) stattfindet, richtet sich daher an die interessierte Öffentlichkeit und lädt zur Debatte ein. Der Eintritt ist frei.

Als ReferentInnen nehmen Tanja Binder, M.A. (Berlin), Steffen Fritzsche, M.A. (Pulse of Europe, Frankfurt a. M.), Julia Klein, M.A. (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) und Prof. Dr. Claus Leggewie (JLU Gießen) an der Podiumsdiskussion teil. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Verena Schäfer-Nerlich(JLU Gießen).

Die Podiumsveranstaltung ist Teil der Veranstaltungsreihe Kontroversen des Instituts für Politikwissenschaft der JLU Gießen. Kontakt:

Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

Linie 41 – Filmvorführung und anschließende Diskussion mit Protagonisten und Regisseurin

Linie 41 ist eine Dokumentation, die die Geschichte und Psychologie im komplexen Dreieck von Tätern, Opfern und Zuschauenden („bystanders“) der Schoah beleuchtet.

Im Film wird ein Überlebender des Ghettos Litzmannstadt auf der Rückkehr in das heutige Lodz begleitet. Natan Grossmann hat über viele Jahre vermieden, sich mit der Geschichte seines Bruders Ber auseinanderzusetzen, der im Jahr 1942 verschwand. Nach 70 Jahren begibt er sich schließlich auf die Suche nach ihm und stößt dabei auch auf Spuren seiner Eltern, die im Ghetto umkamen. Natans Suche kreuzt sich auch mit der Geschichte von Jens Jürgen Ventzki, dem Sohn des ehemaligen Nazi-Oberbürgermeisters von Litzmannstadt, der einem dunklen Familiengeheimnis nachgeht.

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Zeichnung von Tanja Cummings/Europäischer Verein für Ost/West-Annäherung
Die Filmemacherin Tanja Cummings kommt am 28. Mai 2019 um 19 Uhr zusammen mit den beiden Protagonisten ins Kinocenter nach Gießen (Bahnhofstraße 34), um ihren Dokumentarfilm zur Diskussion zu stellen. Im Anschluss an den Film folgt eine Gesprächsrunde mit der Produzentin Tanja Cummings und den Protagonisten Natan Grossmann und Jens Jürgen Ventzki.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Fachjournalistik Geschichte, der ZMI-Sektion Medien und Geschichte, Zeitgeschichte, Osteuropäische Geschichte und Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

Weitere Informationen zum Dokumentarfilm Linie 41 finden Sie hier.

 

 

 

Workshop zum Thema Der Comic als Form

Plakat Comic als Form Aus der Popkultur sind Comics längst nicht mehr wegzudenken. Auch die akademische Wissenschaft hat den Comic inzwischen als Forschungsobjekt für sich entdeckt. In diesem Sinne widmet sich der Workshop Der Comic als Form – Bildsprache, Ästhetik, Narration am 27. Juni 2019 dem visuellen Medium. Die interdisziplinären Vorträge untersuchen die verschiedensten Aspekte des Comics: von Transmedialität über Ikonographie bis hin zu theologischen Thematiken, um nur einige Beispiele zu nennen.

Trotz seiner Nähe zu verwandten medialen Formen wie Print / Literatur und Film, grenzt sich der Comic zugleich deutlich von diesen ab. Sein erzählerisches und darstellendes Potenzial entfaltet er immer dann, wenn er die Spannung zwischen der narrativen und der ikonographischen Ebene hält und diese in formaler Hinsicht nutzt.

Der Comic besteht aus einer Kombination von Bild und Erzählung als eigenständiger semiotischer oder ikonographischer Textur. Narrative Verfahren im Comic lassen sich auch ohne Textebene etablieren. So bleibt er zwar klar ein Erzählmedium, darf aber keineswegs einfach als ‚Sonderform’ der Literatur verstanden werden. Zugleich ist der Comic keine ‚Sonderform‘ des Films und des bewegten Bildes. Seine Bilder sind programmatisch arretiert.

Im Comic darf der Blick schweifen, die Seiten erschließen und Panels als arretierte Bilder abtasten; vor allem geht es um ein Lesen und Betrachten der Bilder. Im Vordergrund des Mediums Comic steht das Bild und dessen Migration in ein sequenziell organisiertes, narrativ ausgerichtetes, auch Bewegung imitierendes, lektürebasiertes Medium. Medial wichtig ist am Comic vor allem seine grafische Organisation. Ohne Bilder, ohne das Anhalten der Zeit, ohne die Synchronisierung der Panels und ihrer Darstellungen kein Comic. Als Medium lebt er von der Kraft und allen Eigenschaften des Bildes (und darauf basierender Ikonographien, Symbolisierungen, Semiotiken). Für eine Analyse des Mediums und seiner Eigenschaften ist es deshalb wesentlich, die Form des Bildes in den Fokus des Interesses zu rücken. Einerseits schließt der Comic an das klassische Bild an, etwa hinsichtlich Komposition, Symbolik, etc., andererseits modifiziert er es durch seine Strategien der Kombination, Synchronisation, Sequenzialisierung, etc. Das Bild prägt den Comic und der Comic verändert dieses Bild.

Der interdisziplinäre Workshop Der Comic als Form  will das Potenzial einer Bild-Kulturwissenschaft für die Analyse der spezifischen Medialität des Comics herausarbeiten und den interdisziplinären comic-theoretischen Diskurs weiter beleben.

Der Workshop wird von Prof. Jörn Ahrens (JLU Gießen) organisiert und findet im Margarete-Bieber-Saal, Ludwigstraße 34, 35390 Gießen statt. Das Tagungsprogramm sowie weitere Informationen über die Teilnehmenden finden Sie hier.

 

 

 

Internationale Tagung: Trans*Time in Serien in und jenseits nationaler Grenzen

Vor etwa einem Jahrzehnt, im März 2007, wurden die international anerkannten Yogyakarta-Prinzipien festgehalten, die erste systematische Menschenrechtsgewährleistung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT). In Ihnen wurden zum ersten Mal Anforderungen formuliert, die die Menschenrechtsstandards in Bezug auf sexuelle Minderheiten durchdeklinieren. Punkt 18 geht explizit auf die Pathologisierung der Geschlechtsidentität ein und verlautbart, dass „niemand [...] aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gezwungen werden [darf], sich irgendeiner Form von medizinischer oder psychologischer Behandlung, Untersuchung oder Maßnahme zu unterziehen, oder in eine medizinische Einrichtung eingewiesen werden [darf]“ (Hirschfeld-Eddy-Stiftung, 2008: 28). Dieser Meilenstein kristallisierte die Arbeit von Trans*aktivistInnen rund um die Welt in den letzten Jahrzenten heraus und diente als Sprungbrett für weitere Aktionen. Diese Bemühungen zielten auf eine besondere Beschäftigung mit der Sensibilisierung der Öffentlichkeit ab, wie unter anderen die von der internationalen Kampagne STP, Stop Trans Pathologization, und trugen zur Besserung der Situation dieser Minderheit in verschiedenen Ländern durch entsprechende Gesetzesänderungen bei.

Zehn Jahre später, in 2017, war die Bilanz widersprüchlich. Einerseits ist Studien von The Human Rights Campaign Foundation und Trans People of Color Coalition zufolge die Mordrate an diesem Kollektiv die höchste und somit Mord eine geläufige Todesursache. Andererseits war dieses Jahr das World Pride in Madrid dem Trans*kollektiv gewidmet, was ein Beispiel für die Anerkennung und Unterstützung innerhalb der LGTBQI beweist.

Was die Sichtbarkeit der Trans* in den Medien angeht, was in der LGTBQI Bewegung nahezu einstimmig als unabdingbarer Weg zur gesellschaftlichen Normalisierung von Minderheiten betrachtet wird, ist in den letzten Jahren einen Höhepunkt zu signalisieren. Das GLAAD- Media Institute, – Gay and Lesbian Alliance Against Defamation – begrüßte in 2016 die wachsende Anwesenheit von Trans*figuren aus verschiedenen identitären Intersektionen in Crenshaws Sinne in den Serien (vgl. Loughrey 2016). Sophia Burset in Orange is the New Black oder die Protagonistin der Serie Transparent Maura sind gute Beispiele. Allerdings kritisiert GLAAD die einseitigen und/oder oberflächlichen Darstellungsarten, die die Pathologisierung und/oder Stigmatisierung des Kollektivs reproduziert (vgl. Respers France 2017).

Auch in den letzten Jahrzenten ist eine deutliche Popularisierung der Serien sowohl im Fernsehen als auch auf international verfügbaren Online-Streaming-Plattformen wie z.B. Netflix, Amazon Prime und Hulu festzustellen, so dass die Rede von einer Art Golden Age der Serien ist (vgl. Smith 2018: 72; de Gorgot 2014). Die Zuschauerquoten von Serien steigen ständig, was auch ihre anwachsende soziale, akademische und wissenschaftliche Legitimierung bedingt. Das renommierte Filmfestival von Cannes hat eine Sektion für Serien eröffnet. Dies spiegelt einen Legitimierungprozess wider, der dieses Format begleitet (vgl. Muñoz Fernández 2016: 69).

Infolgedessen und angesichts dieser internationalen Phänomene, scheint eine vergleichende Annährung seitens der Medienwissenschaft methodisch sinnvoll und gesellschaftlich relevant. Unter dem Verständnis, dass Serien Gesellschaftsmodelle anbieten und gewissermaßen ansteuern, zielt unser Workshop darauf ab, die multisemiotischen Darstellungsmodi von Trans*menschen in den letzten Jahrzehnten in Serien zu untersuchen.

Die Tagung findet vom 30. bis 31. Januar 2020 im Margarete-Bieber-Saal der JLU Gießen statt.

Kontakt:

 

 

 

 

 

ZMI-Videos

Videomitschnitt der Podiumsdiskussion „Studierende, SuS, Bürger*innenmeister*innen“ – Möglichkeiten und Grenzen des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

Die Diskussionen um das sogenannte „Generische Maskulinum“ bildeten den Hintergrund für die vom Forschungsverbund Educational Linguistics veranstaltete Podiumsdiskussion zu den Möglichkeiten und Grenzen des „Genderns“ am 22. Januar 2019 in der Aula des Hauptgebäudes der JLU. Die Podiumsdiskussion wurde von der Gießener Germanistin Prof. Mathilde Hennig und dem Gießener Germanisten Prof. Helmuth Feilke moderiert. Als geladene Gäste diskutierten mit Prof. Gabriele Diewald aus Hannover, einer der beiden Autorinnen des neuen Dudenbandes Richtig gendern, und Peter Eisenberg aus Potsdam/Berlin, einem der renommiertesten Verfechter des Generischen Maskulinums, zwei zentrale Akteure des jüngeren Diskurses. Darüber hinaus war mit Prof. Anja Binanzer aus Erfurt eine ausgewiesene Genusforscherin sowie mit Prof. Ekkehard Felder aus Heidelberg ein Diskurs- und Politolinguist beteiligt. Zentrale Themenfelder der Diskussion waren die sprachtheoretische Frage nach der hinter dem Genderpostulat stehenden Auffassung zum Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit sowie Fragen nach den verschiedenen sprachstrukturellen Möglichkeiten des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs. Die argument- und facettenreiche Debatte gipfelte in einem – vom Publikum ganz offensichtlich als sehr unterhaltsam empfundenen – Schlagabtausch zwischen Gabriele Diewald und Peter Eisenberg, in dem die beiden ihre jüngere Diskussion im Feuilleton wiederbelebten.

Den Videomittschnitt der Debatte finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Spring School Historische Momentaufnahmen / Frozen Moments in History

Ein Bericht von Ulrike Koppermann & Michaela Scharf

Die Analyse visueller Zeugnisse und hier insbesondere von Fotografien ist zu einem integralen Bestandteil zeitgeschichtlicher Forschung geworden. ZeithistorikerInnen sind nicht länger ZuschauerInnen einer von anderen Disziplinen wie der Kunstgeschichte geführten Diskussion um die Bedeutung von Fotos; sie gestalten die Debatten um den iconic bzw. visual turn in den Geisteswissenschaften maßgeblich mit. Die Suche nach neuen Ansätzen zur Interpretation und Analyse visueller Produktionen unter Berücksichtigung ihrer Herstellungs- und Rezeptionskontexte stand im Mittelpunkt der vom Arbeitsbereich Fachjournalistik Geschichte der JLU Gießen in Kooperation mit dem ZMI organisierten Springschool Frozen Moments in History, die vom 11. bis zum 15. März in Gießen stattfand. In einem gemischten Programm aus Workshops, Vorträgen und Exkursionen diskutierten NachwuchswissenschaftlerInnen sowie ExpertInnen der historischen Bildforschung und fotografischen Praxis anhand verschiedener Fotokonvolute und Kontexte den Erkenntniswert und Interpretationsmöglichkeiten historischer Fotografien für die kultur- und geschichtswissenschaftliche Forschung.

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Paul Lowe während seiner Keynote. Foto: JLU

In seiner Keynote veranschaulichte der mehrfach preisgekrönte Pressefotograf Paul Lowe (London College of Communication) seine fotojournalistischen Leitgedanken anhand einzelner Fotos vom Fall der Mauer und der Rumänischen Revolution in 1989, der Hungersnot in Somalia 1992, der Zerstörung von Grozny 1994/1995 sowie der Belagerung von Sarajevo 1992–1996. Aus journalistischer Perspektive bilde Fotografie ein einzigartiges Medium, um der Welt von den Erfahrungen der Bevölkerung in Krisengebieten zu berichten und damit – in Anlehnung an Butler – bisher unbekanntes Leid erst beklagbar („grievable“) zu machen. Als Fotograf strebe er daher danach, innerhalb eines Fotos wesentliche Elemente einzufangen, aus welchen sich eine Erzählung der Emotionen und Ereignisse vor Ort ergebe.

Katharina Stornig und Florian Hannig (beide JLU Gießen) stellten vor, wie in unterschiedlichen historischen Kontexten Fotos aus Westafrika dazu dienten, räumlich entfernten BetrachterInnen u.a. in Deutschland die Ereignisse vor Ort nahezubringen. Die Fotografin und Künstlerin Lucie Marsmann (Bielefeld) gab den TeilnehmerInnen Einblicke in ihre kreative und persönliche Auseinandersetzung mit dem fotografischen Nachlass ihrer Großeltern. Im Zentrum des Workshops von Paul Betts (University of Oxford) standen Pressefotografien von Josip Broz Tito, die den jugoslawischen Staatschef während verschiedener Auslandsreisen durch Afrika zeigen.

Workshop Betts
Paul Betts thematisierte Pressefotografien von Titos Auslandsreisen. Foto: JLU
In der Sektion für studentische Forschungsprojekte stellte zuerst Laura Busse (HU Berlin) vor, wie sie in Anlehnung an die serielle Ikonographie von Ulrike Pilarczyk anhand zweier Fotos – eines aus dem Kontext kolonialer Großwildjagd in British Eastafrica und eines von deutschen Wehrmachtssoldaten im Krieg gegen die Sowjetunion – den bislang lose verwendeten Topos der fotografischen Trophäe diskutiert und neu begründet. Das materielle Objekt und seine kulturellen Verwendungsformen stand ebenfalls für Ulrike Koppermann (JLU Gießen) im Vordergrund, als sie die Bedeutung des Fotoalbums als mediales Dispositiv für die Repräsentation historischer Kontexte untersuchte. Für ein Album, das die Fotografen des SS-Erkennungsdienstes des KZ Auschwitz im Sommer 1944 unter dem Titel „Umsiedlung der Juden aus Ungarn“ anfertigten, zeichnete sie anhand eines der transmedialen Narratologie entliehenen Modells nach, wie die Überlieferung der „Ungarn-Aktion“ durch mediale Spezifika eines Albums geformt wird.

Sibylle Wuttke (Friedrich-Schiller-Universität Jena) stellte erste Quellenfunde aus ihrem Arbeitsbereich innerhalb des Forschungs- und Bildungsprojekt „Sozialismus im Bild. Visuelle Aneignung von DDR-Lebenswelten“ am Historischen Institut vor. Ausgangspunkt von Benjamin Glöckler (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) und seiner Analyse der visuellen Konstruktion des Alterns zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren Kataloge mit den Gewinnerfotos zweier veranstalteter Wettbewerbe, die zur Einsendung „neuer Bilder des Alterns“ aufgerufen hatten. Glöckler zeigte auf, wie die Wettbewerbe angesichts des demografischen Wandels und der Restrukturierung des Sozialstaates seit den 1990er-Jahren darauf ausgerichtet waren, defizitäre Altersbilder zu überwinden und visuell ein Gegenbild zu schaffen: die „jungen Alten“ – aktiv, produktiv und autonom.

Im Rahmen einer Exkursion nach Marburg besuchten die TeilnehmerInnen zwei Institutionen, die sich mit der Archivierung, wissenschaftlichen Aufarbeitung sowie Vermittlung von Fotografien befassen. Im Bildarchiv des Herder Instituts für Ostmitteleuropaforschung bekamen die TeilnehmerInnen einen Einblick in verschiedene Bildbestände zur Topografie sowie Kunst- und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas. Den Nachmittag verbrachte die Gruppe im Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg der Philipps-Universität Marburg, das kunstgeschichtliche Dokumentarfotografien sowohl anfertigt, als auch sammelt, archiviert und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

Den Abschluss der Spring School bildete der Workshop von Sylvia Necker (University of Nottingham) zu „Deutsch-Jüdischen Fotoalben als Gegenstand geschichtswissenschaftlicher Forschung“.

Den ausführlichen Bericht von Ulrike Koppermann & Michaela Scharf finden Sie hier.

  

 

 

Podiumsdiskussion „Studierende, SuS, Bürger*innenmeister*innen“ – Möglichkeiten und Grenzen des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs

Podiumsdiskussion Gendergerechter Sprachgebrauc_V2
Helmuth Feilke, Anja Binanzer, Peter Eisenberg, Gabriele Diewald, Ekkehard Felder und Mathilde Hennig (v.l.n.r.). Foto: Gießener Allgemeine Zeitung
Das Jahr 2018 war ein Jahr mit heißen Diskussionen um das sogenannte „Generische Maskulinum“ (= die verallgemeinernde Nutzung von Substantiven mit maskulinem Genus für Personen verschiedener Geschlechter) und die Möglichkeiten der Kennzeichnung des natürlichen Geschlechts in der Sprache. Die Debatte schlug vor allem aufgrund des neuen Dudenbandes Richtig gendern und der Stellungnahme des Rats für deutsche Rechtschreibung zum sogenannten Genderstern teilweise hohe Wogen, und zwar sowohl im Feuilleton als auch in der linguistischen Diskussion. Im Podiumsgespräch wollten wir die verschiedenen Positionen gegenüberstellen, gleichzeitig aber auch die Frage diskutieren, wie LinguistInnen den Diskurs sinnvoll begleiten können.

Gender_Poster EL_kleinDiese Gemengelage bildete den Hintergrund für die vom Forschungsverbund Educational Linguistics veranstaltete Podiumsdiskussion zu den Möglichkeiten und Grenzen des „Genderns“ am 22. Januar 2019 in der Aula des Hauptgebäudes der JLU. Die Podiumsdiskussion wurde von der Gießener Germanistin Prof. Mathilde Hennig und dem Gießener Germanisten Prof. Helmuth Feilke moderiert. Als geladene Gäste diskutierten mit Prof. Gabriele Diewald aus Hannover, einer der beiden Autorinnen des o.g. Dudenbands, und Peter Eisenberg aus Potsdam/Berlin, einem der renommiertesten Verfechter des Generischen Maskulinums, zwei zentrale Akteure des jüngeren Diskurses. Darüber hinaus war mit Prof. Anja Binanzer aus Erfurt eine ausgewiesene Genusforscherin sowie mit Prof. Ekkehard Felder aus Heidelberg ein Diskurs- und Politolinguist beteiligt. Zentrale Themenfelder der Diskussion waren die sprachtheoretische Frage nach der hinter dem Genderpostulat stehenden Auffassung zum Verhältnis von Sprache und Wirklichkeit sowie Fragen nach den verschiedenen sprachstrukturellen Möglichkeiten des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs. Ein mehrfach aufgegriffenes Beispiel war die Straßenverkehrsordnung, in der seit 2013 nicht mehr von Fußgängern und Radfahrern, sondern zu Fuß Gehenden und Rad Fahrenden die Rede ist. Während Peter Eisenberg vor Eingriffen in das aus seiner Sicht gut aufgestellte Sprachsystem warnte, sah Gabriele Diewald darin durchaus eine legitime Form von Sprachwandelprozessen. Anja Binanzer wies aus der Perspektive des Spracherwerbs darauf hin, dass Lernende des Deutschen als Zweitsprache davon ausgehen, dass das grammatische Genus das natürliche Geschlecht abbilde. Ekkehard Felder ordnete die alltäglichen Aushandlungen um einen angemessenen Sprachgebrauch in den allgemeinen Kontext „semantischer Kämpfe“ ein, der sich folgerichtig daraus ergibt, dass es vor dem Hintergrund der Individualität der Sprecher generell keine semantische Eindeutigkeit gebe.

Die naheliegende Publikumsfrage, ob die aktuell genutzten Strategien überhaupt in der Lage dazu seien, auch einem dritten Geschlecht gerecht zu werden, zeigte, wie stark die Debatte von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Die argument- und facettenreiche Debatte gipfelte in einem – vom Publikum ganz offensichtlich als sehr unterhaltsam empfundenen – Schlagabtausch zwischen Gabriele Diewald und Peter Eisenberg, in dem die beiden ihre jüngere Diskussion im Feuilleton wiederbelebten. Am Ende wurde deutlich: Die Angelegenheit ist zu komplex, sodass mit einfachen Lösungen nicht zu rechnen ist. Die LinguistInnen begleiten und kommentieren den Diskurs, die Entscheidung für den im jeweiligen Kontext angemessenen Sprachgebrauch müssen wir alle selbst treffen.

Den Videomittschnitt der Debatte finden Sie hier.

 

 

 

Workshop Protestkommunikation – Umstrittene Legitimität politischer Öffentlichkeit in digitalen und urbanen Räumen

Demokratie sieht bestimmte Formen der öffentlichen, politischen Kommunikation einschließlich des politischen Protests vor. Gegenwärtig ist jedoch in verschiedenen Gesellschaften, die formal demokratisch sind, zu beobachten, dass die Frage auf die Tagesordnung rückt, welche Formen politischen Protests als demokratisch legitim gelten. Insbesondere die Digitalisierung von Protestkommunikation führt häufig zu politischen Urteilsproblemen: Sind Proteste als Verbreiterung der deliberativen Basis politischer Öffentlichkeit zu betrachten oder als eine Verfallsform politischer Kommunikation? Ähnliche Beurteilungsschwierigkeiten finden sich bei politischen Aktionen in öffentlichen urbanen Räumen, die von politisch extrem heterogenen Akteuren – von Occupy bis Pegida – lanciert werden. Zudem wechselwirken Protestpraktiken in digitalen und urbanen Räumen: Manifeste Protesthandlungen werden digital vorbereitet, begleitet, dokumentiert und verbreitet. Protestkommunikation im digitalen und urbanen Raum bildet so einen Kristallisationspunkt in der politischen wie sozialwissenschaftlichen Diskussion, unter welchen Bedingungen politische Öffentlichkeit als demokratisches Prinzip hergestellt werden kann.

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Kornelia Hahn (oben rechts) und Andreas Langenohl (oben, 2.v.r.) organisierten den Workshop. Foto: Laurenz Bub
Der an der Universität Salzburg am 29. und 30. März durchgeführte und von Prof. Kornelia Hahn (Salzburg) und Prof. Andreas Langenohl (Gießen) organisierte Workshop Protestkommunikation – Umstrittene Legitimität politischer Öffentlichkeit in digitalen und urbanen Räumen widmete sich vor diesem Hintergrund folgenden Fragen: Inwiefern fördert die neue Unsicherheit bezüglich der Legitimitätskriterien politischer Öffentlichkeit, die sich am virulentesten in Protestkommunikationen im digitalen und urbanen Raum zeigt, ein Überdenken der Legitimität politischer Öffentlichkeit als Kernbestandteil demokratischer Ordnungen? In welchem Verhältnis steht Protestkommunikation zu Kommunikation über Protest? Und welche Einsichten lassen sich aus einer Analyse der Problematisierung politischer Proteste für eine Theorie gegenwärtiger politischer Öffentlichkeit gewinnen? Die Tagung beleuchtete aktuelle Formen der Protestkommunikation, die durch neue mediale Allianzen, kommunikative Hubs oder algorithmische Logiken entstehen und denen spezifische politische, kommerzielle oder andere Interessen zugrunde liegen. Nicht zuletzt lag der Analysefokus auch darauf, wie Protestkommunikation von Strukturen digitaler und (oft gleichzeitig) urbaner Öffentlichkeit konstituiert wird.

Die Beiträge zum Workshop zeichnete ein hohes Maß an Interdisziplinarität und Variation in den untersuchten empirischen Phänomenen aus. Die Vortragenden betrachteten digitale und urbane Protestpraktiken aus soziologischer, politisch-theoretischer, anthropologischer, kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive. Empirische Schlaglichter bildeten unter anderem die Herkunft des Konzepts der Presse als ‚Vierter Gewalt‘, Kritiken politischer Eliten in digitalen Öffentlichkeiten, Selbstpositionierungen und Publikationsstrategien so genannter ‚alternativer‘ Medien, Verschwörungstheorien auf YouTube, die Öffentlichkeit autonomer Kulturzentren in Deutschland, Österreich und Slowenien, künstlerische Positionen zu Protest und seiner Reflexion, die Frage des Verhältnisses zwischen politischen Bewegungen und politischen Parteien am Beispiel der USA und vergleichende Analysen von Protesten gegen MigrantInnen in Deutschland und Israel.

Die Tagungsbeiträge sollen 2020 in einem Band der Buchreihe Medienkulturen im digitalen Zeitalter (Springer VS) veröffentlicht werden, der der Sammelschrift Kritische Öffentlichkeiten – Öffentlichkeiten in der Kritik (2017, Hrsg. K. Hahn und A. Langenohl) nachfolgt.

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Die Teilnehmenden des Workshops in Salzburg. Foto: Laurenz Bub
 

 

 

 

Jutta Hergenhan zum Thema Gendern in Frankreich: Von der Feminisierung der Berufsbezeichnungen zum inklusiven Schreiben

Programm Educational Linguistics 2018/19In der Vortragsreihe der ZMI-Sektion Educational Linguistics sprach Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, am 15. Januar 2019 zum Thema Gendern in Frankreich. Sie befasste sich mit den politischen, gesellschaftlichen und linguistischen Debatten um geschlechtergerechte Sprache in Frankreich seit dem Beginn der 1980er Jahre, mit den grammatischen Ausgangsbedingungen, den konkreten Gestaltungsmöglichkeiten und -grenzen geschlechteregalitärer Ausdrucksweise sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen der heute zunehmend geforderten écriture inclusive.

Wie Jutta Hergenhan ausführte, fand die Debatte um einen veränderten Sprachgebrauch in Frankreich zunächst ausgehend von der „Feminisierung der Sprache“ statt. Damit sollte es Frauen im beruflichen Kontext ermöglicht werden, im Femininum statt im generischen Maskulinum angesprochen zu werden. Im Zuge der Weiterentwicklung der Geschlechtertheorie führte dieses Anliegen schließlich zur Forderung nach einer écriture inclusive: einer „inklusiven Schreibweise“. Diese soll dazu dienen, die Dominanz des Maskulinums in Grammatik und Sprachgebrauch, und perspektivisch auch eine binäre Geschlechterrepräsentation innerhalb der sprachlichen Ordnung zu überwinden. Bis heute kommt es immer wieder zu öffentlichen Auseinandersetzungen um diesen geschlechtergerechten Sprachgebrauch. GegnerInnen des Anliegens – wie etwa die Académie française – argumentieren, dass Sprache sich nur durch ihre „natürliche“ Weiterentwicklung, nicht aber durch aktive Eingriffe verändern sollte. Eine sprachhistorische Betrachtungsweise zeigt jedoch, dass Grammatik keineswegs naturgegeben ist, sondern dass die Regel des generischen Maskulinums im Französischen diskursiv und sprachinstitutionell geschaffen wurde. Hergenhan betonte daher zum Schluss ihres Vortrags, dass Grammatik auch in früheren Jahrhunderten kontrovers diskutiert wurde und sich – nicht zuletzt in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Vorstellungen und Anforderungen an die Sprache – änderte.

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Jutta Hergenhan zeigte die Anwendung des generischen Maskulinums und aktuelle Vorschläge zu egalitärer Sprachgestaltung auf (Folie aus dem Vortrag).

Dr. Jutta Hergenhan hat gemeinsam mit Prof. Katrin Lehnen das deutsch-französische Forschungsprojekt zu „Geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich“ ins Leben gerufen, an dem WissenschaftlerInnen der Universitäten Gießen, Marburg, Paris 13 – Sorbonne Paris Cité und Paris Est Créteil beteiligt sind.

Im Wörterbuch des Politikunterrichts, herausgegeben von Sabine Achour, Matthias Buch, Christian Meyer-Heidemann und Peter Massing im Wochenschau Verlag, erscheint in Kürze Jutta Hergenhans Eintrag zum Begriff „Gender“.

 

 

 

ZMI beim Barcamp Digitalisierung

BarcampWie wirkt sich die Digitalisierung auf Gesellschaft, Arbeit und Leben aus? Welches Potenzial birgt Virtual Reality für die Lehre? Welche Bedeutung haben künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 oder auch E-Health für den Alltag? Mit diesen und anderen Fragen befasste sich das Barcamp Digitalisierung des Forschungscampus Mittelhessen am 17. Januar 2019 in der Aula des Hauptgebäudes der JLU.

Interessierte der JLU, der THM, sowie der Philipps-Universität Marburg konnten ihre Schwerpunkte vorstellen und Kontakte für zukünftige Projekte knüpfen. Hierbei kam eine Besonderheit der Tagungsform „Barcamp“ zum Tragen: Inhalte und Schwerpunkte wurden durch die TeilnehmerInnen vor Ort selbst bestimmt. Sofern sich mindestens zwei Interessierte für einen Themenvorschlag fanden, wurde dieser in das Programm aufgenommen.

Daraus entstanden Gesprächsrunden über die vielseitigen Aspekte der Digitalisierung, wie die sogenannten Digital Humanities, Wissenschaftskommunikation, Medienkompetenz in der Lehre, oder aber auch Kryptowährungen und die Digitalisierung im Straßenverkehr, um nur einige Beispiele zu nennen.

Mitglieder des ZMI waren ebenfalls vor Ort, beteiligten sich an den Gesprächsrunden und präsentierten unter anderem den neuen ZMI-Blog sowie das medienbezogene Lehrangebot.

 

 

 

Gastvorträge des Forschungsverbundes antidemokratische Haltungen im Wintersemester

Learning activismIm Wintersemester 2018/19 lud der interdisziplinäre Forschungsverbund antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation des Fachbereichs 03 (Sozial- und Kulturwissenschaften) zu drei öffentlichen Gastvorträgen mit anschließender Diskussion ein.

Im November eröffnete Prof. Beate Küpper (Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen, Hochschule Niederrhein, Mönchengladbach) die Vortragsreihe des Forschungsverbundes. Sie sprach zum Thema Homolobby, Genderwahn und Zerstörung der Familie. Einstellungen gegenüber LSBTIQ* als Facette antidemokratischer Haltungen und berichtete insbesondere über empirische Befunde zur Verbreitung abwertender Haltungen gegenüber LSBTIQ*. Fortgesetzt wurde das Angebot im Dezember mit dem Gastvortrag von Aziz Choudry, PhD (Associated Professor, Faculty of Education, McGill University Montreal, Canada) zu Learning Activism?! – Knowledge production, education and action in social movement contexts. Choudry zog die Verbindung zwischen Bildung und sozialen Bewegungen und hob die Relevanz von Lernprozessen für die Einordnung aktueller Entwicklungen hervor. Im dritten Gastvortrag des Forschungsverbundes, der im Januar stattfand, referierte Dr. Reiner Becker (Leiter des Demokratiezentrums im Beratungsnetzwerk Hessen – Gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus, Institut für Erziehungswissenschaft, Philipps-Universität Marburg) zum pädagogischen und beraterischen Haltungsbegriff in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung. Er setzte sich insbesondere mit den Fragen auseinander, wodurch eine demokratische Haltung in pädagogischen und beraterischen Professionen charakterisiert werden kann und inwiefern persönliche und professionelle Haltungen von VerantwortungsträgerInnen zu einer Überwindung gesellschaftlicher Polarisierung beitragen können.

Die Gastvortragsreihe des Forschungsverbundes antidemokratische Haltungen richtet sich an die interessierte Öffentlichkeit und zielt darauf, wichtige Fragestellungen im Kontext antidemokratischer Haltungen aufzugreifen und aus unterschiedlichen Fachdisziplinen sowie wissenschaftlichen wie praxisorientierten Zugängen zu beleuchten.

Weitere Informationen zum Forschungsverbund antidemokratische Haltungen.

 

 

 

Literatur und Film der Resistenza in Italien – Sabine Heymann übernimmt Lehrauftrag an der Universität Marburg

Rom offene Stadt
Sabine Heymann besprach u.a. Roberto Rossellinis Film Rom offene Stadt (1945).
Im WS 2018/19 hat Sabine Heymann im Rahmen eines Lehrauftrags drei Einheiten eines Seminars an der Universität Marburg/Institut für Romanische Philologie übernommen. Auf Einladung von Prof. Olaf Müller (Professur für französische und italienische Literatur- und Kulturwissenschaft) hat sie einen Part seines Seminars zum Thema Literatur und Kunst der Resistenza in Italien übernommen. Mit Schwerpunkt „Übersetzung“ hat sie Sachbuch-Texte von Corrado Augias zum Attentat in der Via Rasella in Rom und dem Massaker in den Ardeatinischen Höhlen behandelt sowie Roberto Rossellinis wichtigen neorealistischen Film Rom offene Stadt (1945). Im Sommersemester wird in ähnlichem Format ein Lehrauftrag zum Thema Kulturelle Erinnerung an die Resistenza bis in die Gegenwart mit dem Schwerpunkt Neorealismus im Film folgen.

 

 

 

Welche Sprache passt zu mir? – Sabine Heymann bei Podiumsdiskussion im Theater der Stadt Aalen

Welche Sprache passt zu mir.Mit so unterschiedlichen Gesprächspartnern wie dem Esperanto-Rapper Jonny M und Hermann Schludi, dem Vorsitzenden des Aalener Städtepartnerschaftsvereins, moderiert von der stellvertretenden Intendantin Tina Brüggemann, debattierte Sabine Heymann am 23. Februar 2019 im Foyer des Theaters der Stadt Aalen über den Zusammenhang zwischen Sprachlosigkeit und sozialer Ausgegrenztheit, über verbale Missverständnisse, non-verbale Kommunikation, Kunstsprachen. Unter dem Spielzeitmotto Welche Sprache passt zu mir? fand die Diskussion im Anschluss an die Aufführung von Gilles Dyreks Stück Venedig im Schnee statt, in dem die Kommunikation eine wesentliche Rolle spielt: eine junge Frau, die an einem Abend mit neuen Freunden nicht zu Wort kommt, erfindet aus dem Stand eine Phantasiesprache, legt sich eine neue Identität als Bürgerkriegsflüchtling zu und gib der Handlung damit die entscheidende Wendung.

 

 

 

 

 

In den Medien

Ansgar Schnurr im Deutschlandfunk zur Bildung demokratischer Haltungen in Kunst und Pädagogik

Rechtspopulismus, Fake-News und antidemokratische Haltungen sind nicht nur in Europa im Aufwind. Zugleich können diese Phänomene als Reaktionen der Überforderung und Vereinfachung auf die komplexe globalisierte Gegenwart gesehen werden. Wie kann ein nicht simplifizierender Umgang mit Pluralismus gebildet und dadurch ein genuines Verständnis von Demokratie vermittelt werden?

Am 23. Februar fand in Düsseldorf die von der Kunstsammlung NRW gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung und Prof. Ansgar Schnurr (ZMI-Sektion Macht – Medium – Gesellschaft) organisierte Tagung Ambiguität. Demokratische Haltungen bilden in Kunst und Pädagogik statt, bei der auch der Forschungsverbund antidemokratische Haltungen vertreten war. Die interdisziplinäre Tagung folgte der Fragestellung, inwiefern die kunstpädagogische Auseinandersetzung mit ambigen Phänomenen in der Kunst zur politisch-demokratischen Bildung beitragen kann. Prof. Dorothée de Nève (Institut für Politikwissenschaft, JLU, ZMI) hat mit ihrem Vortrag zu ZuMUTungen in der Demokratie zum Programm der Tagung beigetragen.

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Foto: Wilfried Meyer
Am Rande der Tagung gab Ansgar Schnurr dem Deutschlandfunk ein Interview zur Frage, wie Demokratie durch Kunsterziehung gefördert werden kann. Schnurr spricht im Deutschlandfunk über die Möglichkeiten, welche in der Kunsterfahrung für eine plurale Gesellschaft liegen können. Denn Politik, Pädagogik und Kunst stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Die Aspekte der Mehrdeutigkeit, Ambiguität und Alterität führen zu Ablehnung, da sie unsere Ordnungssysteme durcheinander bringen. Schnurr plädiert deswegen dafür Kunst als eine Auseinandersetzung mit dem genuin Uneindeutigen zu nutzen und als Bildungsanlass im Sinne der Offenheit, Pluralität und Toleranz zu begreifen. Denn in der Kunsterfahrung von Ambiguität und Alterität liegt zugleich das Potential zur Herausbildung demokratischer Haltungen. Das Interview wurde am 23. Februar im Deutschlandfunk ausgestrahlt, eine Aufzeichnung finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Neues aus den Seniorprofessuren

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Wahl zum Europäischen Parlament 2019: Claus Leggewie moderiert Podiumsdiskussion mit den JLU-Alumni Sven Simon und Udo Bullmann

Am 26. Mai 2019 sind die deutschen BürgerInnen aufgerufen, die Abgeordneten für das Europäische Parlament zu bestimmen. Auch zwei JLU-Alumni, die mit der mittelhessischen Region eng verbunden sind, stellen sich an Spitzenpositionen zur Wahl.

Als Spitzenkandidat und Vorsitzender der Socialists & Democrats-Fraktion (S&D-Fraktion) tritt Dr. Udo Bullmann an. Udo Bullmann ist Politikwissenschaftler und Mitglied der SPD. Prof. Sven Simon kandidiert als Spitzenkandidat für die hessische CDU-Landesliste – im Erfolgsfall wird der Jurist der EVP-Liste im Europäischen Parlament angehören.

Im Rahmen einer von Prof. Claus Leggewie moderierten Podiumsdiskussion werden die beiden Kandidaten am 2. Mai 2019 von 16-18 Uhr in der Aula der JLU (Ludwigstraße 23) ihre Ideen für eine politische Fortentwicklung der EU vorstellen und zu europäischen Zukunftsfragen ins Gespräch kommen.




Claus Leggewie definiert auf Krautreporter.de die überfälligen Vertiefungsziele der Europäischen Union

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Prof. Claus Leggewie. Foto: JLU
Wie anti-demokratischen Tendenzen in Europa begegnen? Was tun gegen Lobbyismus? Wie die globale Erwärmung aufhalten?

Auf diese und andere Fragen stößt Christian Gesellmann in seiner online-Umfrage auf Krautreporter.de. Der Journalist will in dieser erfahren, was die europäischen BürgerInnen zu den in weniger als 100 Tagen anstehenden Europawahlen bewegt, interessiert, aufregt – und worüber JournalistInnen berichten sollten.

Um die Antworten der Umfrage auszuwerten, holt Gesellmann sich Unterstützung beim Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Dieser hat die fünf überfälligen Vertiefungsziele der Europäischen Union bereits definiert. Die EU muss sich als Sozialunion vertiefen, umso der wachsenden sozialen Ungleichheit in ihren Mitgliederländern etwas entgegen zu setzen. Als Fiskalunion soll Steuerflucht verhindert werden, die EU muss hier regulierend in Entwicklungen der Finanzmärkte eingreifen sowie an einer Transaktionssteuer arbeiten. In Fragen der Umweltpolitik und Klimaerwärmung muss sie als Umweltunion deutlich reagieren sowie der Dominanz des Silicon Valleys als Digitalunion vorbeugend begegnen, um Digitalisierung human, sozial und gerecht zu gestalten. Des Weiteren muss eine europäische Sicherheitsunion auf die drängenden Gefahren von Cyberattacken, Terror und der abnehmenden Rolle der NATO friedenspolitisch reagieren. Auf Krautreporter kann weiter über die fünf wichtigsten Fragen und Themengebiete zur Europawahl abgestimmt werden.

 

 

 

Claus Leggewie bei der Tagung water meets … Future

Die neunte Tagung der Veranstaltungsreihe water meets ... X warf am 14. März 2019 unter dem Titel water meets ... Future einen Blick in die Zukunft industriellen und kommunalen Umgangs mit dem lebenswichtigen Element Wasser. Das ausrichtende Fraunhofer Institut für Umwelt- Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT widmet sich seit zehn Jahren innovativen Ansätzen zur Aufbereitung von Wasserressourcen. Im Zentrum der Tagung stand die Frage nach der Digitalisierung im Bereich (Ab-)Wasser. Dabei wurden neben der Transformation klassicher Kläranlagen auch neue, dezentrale Konzepte oder die Gewinnung von Düngemitteln aus häuslichen Abwässern thematisiert.

Prof. Claus Leggewie nahm ebenfalls an der eher technisch orientierten Tagung teil, um den Blick für die gesellschaftspolitischen Dimensionen von Wasser zu schärfen. Sein Vortrag Water as a common good griff den Solgan der Veranstaltung „Wasser bedeutet Leben!“ auf und diente als abschließendes Element der Tagung.

 

 

 

 

 

Neues aus der Otto Behaghel-Professur

Workshop in Hanoi: Gute Vorträge und Diskussionen auf internationalen Konferenzen

Wie ‚überlebt‘ man seine ersten Vorträge und die sich daran anschließenden Diskussionen auf internationalen Konferenzen? Wie geht man mit ‚schrägen‘ Fragen um, die relativ wenig mit dem zu tun haben, worüber man gesprochen hat? Wie reagiert man auf Angriffe, wie auf Lob, auf das keine Frage folgt? Was muss man beachten, wenn man die Diskussionsleitung übernimmt?

Das waren einige der Fragen, die vom 21. bis 23. März 2019 in einem Workshop für die GermanistInnen und der Deutschabteilung der Universität Hanoi behandelt wurden. Der Workshop fand im Rahmen der von Prof. Mathilde Hennig eingeworbenen Germanistischen Institutspartnerschaft der JLU mit der Universität Hanoi statt. Er basiert auf einem von Prof. Rösler für das GCSC entwickelten Konzept, nach dem im Rahmen einer Konferenzsimulation, bei der die Teilnehmenden die Rollen als Vortragende, Diskussionsleitende und Diskussionsteilnehmende übernehmen, alle für sie relevanten Fragen zum Verhalten auf internationalen Konferenzen angesprochen und systematisch behandelt werden.

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Prof. Rösler mit Dr. Dang Thi Thu Hien, der Leiterin der Abteilung für Deutsche Sprache (2. v. l.), und Kolleginnen. Foto: Abteilung Deutsche Sprache, Universität Hanoi
 

 

 

 

Nachwuchstagung der Fremdsprachenforscher an der JLU

Selmin Hayircil
Selmin Hayircil Foto: JLU
Dr. Tamara Zeyer und Selmin Hayircil gehörten zum Organisationsteam des Gießener Kolloquiums Fremdsprachendidaktik und Sprachlehrforschung, das dieses Jahr die Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung an die JLU holte. Die Tagung wurde mit einer Podiumsdiskussion über Zukunftsperspektiven in der Fremdsprachenforschung eröffnet. Danach konnten die NachwuchswissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Fremdsprachendidaktiken ihre Projekte in sechs thematisch ausgerichteten Sektionen oder in Datensitzungen zu Erhebungs- und Auswertungsmethoden der qualitativen und quantitativen Forschung präsentieren und mit eingeladenen ExpertInnen diskutieren. Zum zweitägigen Programm am 12. und 13. März gehörten auch Vorträge zu den Vor- und Nachteilen unterschiedlicher Auswertungssoftware sowie zur Forschungsethik. In einer der Sektionen stellte Selmin Hayircil ihr Forschungsprojekt zum außerschulischen Fremdsprachenlernen mit digitalen Medien vor.

 

 

 

Lernmaterialien und Medien – Neubearbeitung des Moduls zur Lehrerfortbildung des Goethe-Instituts

Deutsch Lehren LernenDeutsch Lehren Lernen, das 2012 eingeführte Fortbildungsangebot des Goethe-Instituts für Lehrkräfte für Deutsch als Fremdsprache, das auf eine Expertise der JLU-Professoren Michael Legutke und Dietmar Rösler zurückgeht, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit der Printversion und in Online-Kursräumen per Moodle wurden in der ganzen Welt Fortbildungsveranstaltungen durchgeführt. Jetzt beginnen die Überarbeitungen. Zurzeit wird das Modul, das sich mit der Rolle von Lernmaterial und der Bedeutung der digitalen Medien für das Deutschlernen beschäftigt, aktualisiert und überarbeitet. Dies geschieht in Kooperation von Prof. Dietmar Rösler und Prof. Nicola Würffel, Universität Leipzig. Ende 2019 soll die neue Fassung vorliegen.

 

 

 

Grammatik, Inhalt, Kommunikation – das schwierige Verhältnis der großen Drei des Fremdsprachenlernens

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Prof. Dietmar Rösler – Foto: JLU-Pressestelle / Rolf Wegst
Wer anfängt, eine neue Fremdsprache zu lernen, hat viel Interessantes zu sagen – oft auch in mehreren Sprachen, bloß nicht in der, die er gerade lernt. Inhaltlich ist der Anfängerunterricht zumeist unterfordernd, wenn man etwas Differenziertes über die Zielkultur sagen möchte, muss man in eine andere Sprache wechseln – was unter dem Gesichtspunkt des Sprachenlernens nicht unbedingt die beste Lösung ist. 

Die Fremdsprachendidaktik ist mit dieser Problematik auf unterschiedliche Weisen umgegangen. Lange war das Lernen auf Vorrat die gängige Praxis – man lernt erst einmal die korrekten Formen, über relevante Inhalte sprechen kann man dann später. Gegen dieses Vorratslernen setzte sich Mitte der 1970er Jahre der kommunikative Ansatz durch und wurde zum Mainstream. Mit der Nebenwirkung, dass manchmal die Arbeit an der Form zu wenig Beachtung findet.

Mit dem schwierigen Verhältnis von Grammatik, Inhalt und Kommunikation und der Frage, wie im Kontext der Digitalisierung eine neue Balance zwischen den drei erreicht werden kann, befasste sich Prof. Dietmar Rösler in seinem Plenarvortrag auf dem Weltkongress der Deutschlehrer und Deutschlehrerinnen in Fribourg im August 2017. Nachzulesen ist der Vortrag jetzt hier.

 

 

 

European Studies in Hongkong evaluiert

Als Teil eines fünfköpfigen Teams evaluierte Prof. Dietmar Rösler das Department of Government and International Studies der Baptist University Hongkong. Die Beschäftigung mit dem deutschsprachigen Raum in Forschung und Lehre ist dort Teil der European Studies, wobei im Studiengang intensiver Spracherwerb des Deutschen und die inhaltliche Beschäftigung mit Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Geschichte des deutschsprachigen Raums kombiniert werden.

Content and language integrated learning (CLIL), in Deutschland zumeist bezogen auf  Schulcurricula diskutiert, wird dort zur Antwort auf die Frage, die (fast) jede Regionalwissenschaft umtreibt: Wie kann man ermöglichen, dass Studierende ohne Vorkenntnisse in der Fremdsprache diese im Studium intensiv lernen, ohne dass das Studium auf Spracherwerb reduziert wird, damit fachliche Kenntnisse und Praxisrelevanz nicht zu kurz kommen? Prof. Hans Werner Hess und seine Mitstreiter in Hongkong waren vor 20 Jahren Pioniere dieser Entwicklung.

 

 

 

 

 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

Everything That Happened And Would Happen – Aufführung in New York und Deutschlandpremiere in Bochum

Prof. Dr. h.c. Heiner Goebbels
Heiner Goebbels. Foto: W. Bergmann
Vom 3. bis 9. Juni wird Heiner Goebbels‘ neue multimediale Musiktheaterarbeit Everything That Happened And Would Happen, die im vergangenen Herbst in Manchester uraufgeführt wurde, in der Park Avenue Armory in New York zu sehen sein. Der Aufführung am 6. Juni geht um 17.30 Uhr ein Artist Talk mit Heiner Goebbels voraus.

Zur Hälfte Performance, zur Hälfte Baustelle stellt Everything that happened and would happen mit Livemusik, Tanz, Visuals, Sound und Film die europäische Geschichte seit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach. Eine widersprüchliche, nicht lineare Welt, die im Verlauf von 100 Jahren am Rande des Abgrunds von Krise und Krieg zu Friedensverheißungen taumelt, nur um sich wieder aufzubauen, ganz so, als wäre nichts geschehen.

Vom 23. bis 26. August wird Everything that happened and would happen im Rahmen der Ruhrtriennale erstmals auch in Deutschland, in der Jahrhunderthalle Bochum, zu erleben sein.

Das jüngste Werk des Komponisten und Bühnenregisseurs Heiner Goebbels wurde nach seiner Uraufführung im britischen Guardian und in der New York Times ausführlich besprochen.

Everything that happened
Foto: Thanasis Deligiannis

 

 

 

Heiner Goebbels Surrogate Cities in Zagreb, Seattle und Basel

TSO Taipei Symphony Orchestra 2018
Foto: TSO Taipei Symphony Orchestra 2018

Im April wurde und wird Heiner Goebbels abendfüllender Orchesterzyklus Surrogate Cities gleich mehrmals aufgeführt, am 12. April 2019 in der Vatroslav Lisinski Concert Hall zum Abschluß der Musik Biennale Zagreb – aufgeführt von der Philharmonie Zagreb unter der Leitung von Jonathan Stockhammer – und am 25. und 26. April 2019 von der Seattle Symphony im Taper Auditorium, Seattle, unter der Leitung von Ludovic Morlot.

In diesen beiden Konzerten kommt auch Under Construction, eine neue Komposition für große Orchester als Auftragswerk für die Seattle Symphonie zur Uraufführung. Ein kommentiertes Einführungskonzert mit Solo und Ensemblekompositionen von Heiner Goebbels geht den Orchesterkonzerten voraus.

Am 23. Juni 2019 folgt eine weitere Aufführung von Surrogate Cities durch die Basel Sinfonietta unter der Leitung von Baldur Brönnimann – zum ersten Mal Open Air – auf dem Freilagerplatz in Basel.

In all diesen Aufführungen sind David Moss und Jocelyn B. Smith die beiden Vokalsolisten.

Ein Interview mit Heiner Goebbels zu Surrogate Cities im Allgemeinen und zu der besonderen Version Surrogate Cities — Venice kann zudem bei YouTube angesehen werden. Auf der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker kann die Version eines Education Projekts zu Surrogate Cities gesehen und gehört werden, die die französische Choreographin Mathilde Monnier mit Sir Simon Rattle in Berlin 2008 erarbeitet hat.

 

 

 

Eislermaterial – szenisches Konzert mit dem Ensemble Modern und Josef Bierbichler in Dresden

„Ich glaube, dass meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, wesentlich mit seiner [Hanns Eislers] Arbeit zu tun hat. [...] Ich war fasziniert von der ganzen Bandbreite, in der Eisler diskutiert hat, über Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie, bildende Kunst, Musik natürlich…“. (Heiner Goebbels)

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Josef Bierbichler in Eislermaterial. Foto: Wonge Bergman
Hanns Eisler gelang es in den 1950er Jahren in der ehemaligen DDR, die gesellschaftliche Isolation der modernen Musik zu durchbrechen. Viele seiner Werke, vor allem in den Bereichen Lied, Chor, Theater und Film sind in ihrem künstlerischen und immer auch gesellschaftlichen Gehalt visionär. 1998 schuf Heiner Goebbels anlässlich des 100. Geburtstages von Hanns Eisler für das Ensemble Modern eine Hommage, die in ihrer Komplexität an das Schaffen Eislers anknüpft. Die ganze Breite von Eislers Schaffen verarbeitet er im Eislermaterial, in dem er einige von dessen berühmtesten Liedern für das Ensemble Modern eingerichtet, arrangiert und mit originalen Tondokumenten von Eisler collagiert hat. Interpret der Lieder ist der Schauspieler Josef Bierbichler mit seiner unverkennbaren ungekünstelten und zugleich anrührenden Stimme. Die Solisten des Ensemble Modern werden dabei in vielfältiger Weise in die Geschehnisse eingebunden: „ein inszeniertes Konzert, ein klingendes Portrait, das einen durch seine starke atmosphärische Wirkung völlig in den Bann schlägt“ (»Neue Zürcher Zeitung«). Über 20 Jahre nach seiner Entstehung, als Koproduktion auch mit dem Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik und nach über 60 Aufführungen weltweit, kehrt dieses beeindruckende und wichtige Projekt mit Texten von Bertolt Brecht jetzt endlich auch nach Dresden zurück und wird dort im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele am 25. und 26. Mai 2019 in HELLERAU, dem Europäischen Zentrum der Künste, zu sehen und zu hören sein.

 

 

 

Heiner Goebbels in Gießen

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Alban Berg. (Portrait von Emil Stumpp 1927)
Im Sommersemester wird Prof. Heiner Goebbels als Gast im Rahmen des Seminars zu Büchners Woyzeck bei Prof. Matteo Nanni im Institut für Musikwissenschaft der JLU mitwirken. In der interdisziplinären Lehrveranstaltung sollen drei Fassungen des Dramas in unterschiedlichen Medien untersucht werden: Als Theaterstück (uraufgeführt 1913 mit der Regie von Eugen Kilian), Alban Bergs Oper Wozzeck (1921/25) und als Film von Werner Herzog aus dem Jahre 1979 mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Dabei soll neben den medienspezifischen Aspekten die dem Theater, der Oper und dem Film zugrunde liegen, auch die Frage nach dem intrinsisch radikal-modernen Substrat dieses Werkes und seinem Niederschlag in den verschiedenen Inszenierungsmodi dieses Textes gestellt werden.

 

 

 

Wilsons Fisch – Zu den Geheimnissen künstlerischer Entwicklung. Keynote von Heiner Goebbels in Linz

An der Anton Bruckner Privatuniversität für Musik, Schauspiel und Tanz, Linz, hielt Prof Heiner Goebbels im März 2019 eine Keynote mit dem Titel Wilsons Fisch – Zu den Geheimnissen künstlerischer Entwicklung – und sprach dabei über künstlerische Forschung, das kaum aufzulösende Dilemma von Labor und Handwerk, das enigmatische Verhältnis von Theorie und Praxis in der Ausbildung für die darstellenden Künste und die Bedeutung selbstverantwortlicher Strukturen im Lernprozess.

 

 

 

Макс Блэк или 62 способа подпереть голову рукой / Max Black or 62 ways of supporting the head with a hand

Max Black
Foto: Andrey Bezukladnikov
Im März 2019 waren am Elektrotheater Stanislawsky in Moskau zwei Aufführungen dieses Musiktheaterstücks zu sehen – nach Texten von Paul Valery, Ludwig Wittgenstein, Georg Christoph Lichtenberg und Max Black.

Aus der Beschreibung: „In this performance the actor, the sound, the lighting and pyrotechnic effects work as partners and co-authors of what happens on stage. Fire flashes and fragments from notebooks of great thinkers illustrate the inner life of a scientist, his manner of irradiations, his moments of despair. Director and composer Heiner Goebbels abandons traditional drama for a world in which mechanisms, fire and electricity, sounds and melodies tell us their stories in the same way that a human might – thus becoming tools for creating polyphony.“

Heiner Goebbels selbst sagte über das Stück: „I think Max Black is my most ‘electrical’ piece because it is the story of doing research in a laboratory. No matter what experiment he may do, all the sounds accompanying him are recorded live, played back and transformed. In the course of his research he creates his own soundtrack which, in its turn, creates the choreography and rhythm of his movements.

Weitere Informationen finden Sie hier. Bei YouTube können Sie sich einen Trailer des Musiktheaterstücks ansehen.

 

 

 

Publikationen von Heiner Goebbels

 

  • In der Nähe der Fehler liegen die Wirkungen (Bertolt Brecht)

     In: Wolfgang Gratzer / Christoph Lepschy (Hg.): Proben-Prozesse. Über das Entstehen von Musik und Theater, Freiburg/Berlin/Wien 2019, S.71-84.

 

  • Диалог о театре

     'Dialog über das Theater' zwischen Ludmila Bakshi und Heiner Goebbels, erschienen in: Proscenium, No. 3-4, Moskau 2018, S. 98-107.

 

  • Estetica dell'assenza – come tutto ebbe inizio

     Übersetzt von Giulia Tonucci, in: TEATRI DEL SUONO a cura di Enrico Pitozzi, Culture Teatrali, Studi interventi a scritture sullo spettacolo, 27, Annale 2018, S. 10-18.

 

  • Des voix singulières – À propos du travail sur "I went to the house but did not enter"

     Aus dem Deutschen übersetzt von Aleksi Barrière und Isabelle Kranabetter, in: Alternatives théâtrales: Théâtre Musique – Variations contemporaine #136, November 2018.

 

 

 

 

 

Publikationen

Demonstrative Reproduktion. Politische Handlungsformen von Occupy in London und New York

Demonstrative ReproduktionDie Occupy-Bewegung verbreitete sich ab Herbst 2011 global und bildete damit den Höhepunkt eines protestreichen Jahres. Anhand der Platzbesetzungen in New York und London arbeitet der Band die neue Form des politischen Handelns heraus, die aus der im kollektiven Experimentieren entstandenen Praxis der Demonstrativen Reproduktion. Diese gewann für die Aktivistinnen und Aktivisten der Bewegung eine größere Bedeutung für ihren politischen Protest als konkrete Forderungen an Regierung, Parteien und Wirtschaft.

Das Buch von Dr. Johannes Diesing aus der ZMI-Schriftenreihe Interaktiva erscheint am 19. Juni im Campus Verlag (Frankfurt / New York).

 

 

 

Learner Corpora and Language Teaching

Learner Corpora and Language TeachingWhile native corpora and corpus linguistic tools and methods have been used and applied for quite some time in the development of learning and teaching materials, learner corpora are only just beginning to impact the field of language teaching, testing and assessment. This volume helps to close this still existing gap and highlights the great potential of learner corpus research for language pedagogy by presenting a selection of 11 original studies on learner corpora, conducted by established experts as well as by excellent young researchers. The papers included in the volume present new corpora and methods, studies on written as well as spoken learner corpora and on using data-driven learning scenarios in the classroom.

All papers include sections on practical and concrete language-pedagogical applications. This volume will be of significant interest to researchers working in corpus linguistics, learner corpus research, second language acquisition and English for Academic and Specific Purposes, as well to language teachers and materials developers.

Die von Dr. Sandra Götz und Prof. Joybrato Mukherjee bei John Benjamins, Amsterdam und Philadelphia, herausgegebene Publikation erscheint im Mai 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

 

Fotografische Bilder des Klimawandels. Strategien und Bildformeln

Fotografische Bilder des Klimawandels. Strategien und BildformelnWarum sind Fotografien im Diskurs über den Klimawandel so omnipräsent? Anhand einer Analyse von 19 fotojournalistischen und fotokünstlerischen Projekten arbeitet die Autorin konzeptuelle und ästhetische Strategien sowie dominante Bildformeln heraus und zeigt damit, warum sich fotografische Bilder so großer Beliebtheit bei der Vermittlung des Klimawandels erfreuen und welche Funktionen sie dabei übernehmen können: Mit diesem Bildprogramm, so hoffen seine Urheber, wird der Klimawandel als globales Phänomen erfahrbar, verständlich und relevant.

Das Buch von Ulrike Heine aus der ZMI-Schriftenreihe Interaktiva erscheint am 21. August im Campus Verlag (Frankfurt / New York).

 

 

 

Screening Economies: Money Matters and the Ethics of Representation

Screening Economies: Money Matters and the Ethics of RepresentationProf. Andreas Langenohl hat im von PD Dr. phil. Daniel Cuonz, Prof. Jörg Metelmann und Dr. Scott Loren bei transcript, Bielefeld, 2018 herausgegebenen Band Screening Economies: Money Matters and the Ethics of Representation auf den Seiten 125-140 den Artikel Financial markets as interpretive economies: An overview of the meaning of financialized money veröffentlicht.

Aus dem Klappentext: „The relationship between economy, finance and society has become opaque. Quantum leaps in complexity and scale have turned this deeply interdependent web of relations into an area of incomprehensible abstraction. And while the economization of life has come under widespread critique, inquiry into the political potential of representational praxis is more crucial than ever. This volume explores ethical, aesthetic and ideological dimensions of economic representation, redressing essential questions: What are the roles of mass and new media? How do the arts contribute to critical discourse on the global techno-economic complex? Collectively, the contributions bring theoretical debate and artistic intervention into a rich exchange that includes but also exceeds the conventions of academic scholarship.“

Weitere Informationen finden Sie hier.

Eine Übersicht der Publikationen von Andreas Langenohl bei transcript finden Sie hier.

 

 

 

Zwischen Partizipation und Plattformisierung – Politische Kommunikation in der digitalen Gesellschaft

Zwischen Partizipation und Plattformisierung – Politische Kommunikation in der digitalen GesellschaftDiskussionen über Digitalisierung sind häufig von Schlagworten bestimmt. Doch was sind Social Bots und haben sie wirklich Donald Trump zum Sieg verholfen? Der Band skizziert Entwicklungen der politischen Kommunikation in der digitalen Gesellschaft und akzentuiert gesellschaftspolitische Fragen zur Transformation von Öffentlichkeit und Demokratie. In den Blick geraten dabei Formate digitaler Partizipation in Deutschland, die Präsidentschaftswahlen in den USA 2016 sowie die Wahl zum Deutschen Bundestag 2017. Es werden zentrale Begriffe und Konzepte vorgestellt sowie Probleme und Lösungsansätze aus politikwissenschaftlicher Perspektive diskutiert.

Das Buch von Dr. Erik Meyer aus der ZMI-Schriftenreihe Interaktiva erscheint am 15. Mai im Campus Verlag (Frankfurt / New York).

 

 

 

Die Publikationen von Prof. Heiner Goebbels zum Thema Theater finden Sie in der Rubrik Neues aus der Georg Büchner-Professur.




 

 

Personalia

Katharina Lorenz und Nicole Zillien neue Mitglieder in ZMI-Sektionen

Prof. Katharina Lorenz ist neues Mitglied in der ZMI-Sektion Kunst und Medien. Katharina Lorenz hält die Professur für Klassische Archäologie an der JLU inne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen bildwissenschaftliche Fragestellungen in Bezug auf die griechische und römisch-kaiserzeitliche Antike, damit verknüpft auch zu Fragen der Kultur- und Geistesgeschichte, zu den Implikationen digitaler Technologien in der geisteswissenschaftlichen Wissensbildung und zur Wissensvermittlung in musealen Kontexten.

Prof. Nicole Zillien unterstützt ab sofort die ZMI-Sektion Macht – Medium – Gesellschaft. Die Professorin für Soziologie an der JLU befasst sich in ihrer Forschung unter anderem mit Mediensoziologie, Techniksoziologie und Internetforschung. Aktuell organisiert Nicole Zillien die Jahrestagung der Forschungssektion Medien- und Kommunikationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, die unter dem Titel Medien als Dinge denken: Zur Materialität des Digitalen im Oktober an der JLU stattfinden wird.

Das ZMI freut sich, Prof. Lorenz und Prof. Zillien in den Sektionen begrüßen zu dürfen und freut sich auf die Zusammenarbeit.

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Katharina Lorenz (l.). Foto: Rolf K. Wegst; Nicole Zillien (r.). Foto: JLU
 

 

 

 

Sophia Trogemann verlässt das ZMI – Berit Beckers neue studentische Hilfskraft in der ZMI-Öffentlichkeitsarbeit

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Sophia Trogemann (l) und Berit Beckers (r). Foto: Stylewerk / Celebi
Sophia Trogemann, seit Dezember 2018 studentische Hilfskraft in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, verlässt das ZMI für ein Auslandssemester in Norwegen. Trogemann hat im Jahr 2017 ihr Bachelor-Studium Sprache, Literatur, Kultur mit den Fächern Germanistik, Soziologie und Erziehungswissenschaften abgeschlossen. Aktuell befindet sie sich im Masterstudium an der JLU und belegt „Texte – Medien – Sprachkompetenz“ im Hauptfach sowie „Germanistische Literaturwissenschaft“ im Nebenfach.

Berit Beckers ist seit Januar 2019 studentische Hilfskraft in der ZMI-Sektion Medien und Gender. Seit April unterstützt Sie darüber hinaus die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ZMI. Beckers studiert den Masterstudiengang Komparatistik (Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft) an der JLU.

 

 

 

Das ZMI sucht eine studentische Hilfskraft mit dem Schwerpunkt Technik

Am ZMI ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer studentischen Hilfskraft mit dem Schwerpunkt Technik mit einem monatlichen Arbeitsumfang von 40 Stunden zu besetzen.

Der Aufgabenbereich umfasst die Gestaltung und Wartung der ZMI-Website, Veranstaltungsorganisation (technischer Support), Öffentlichkeitsarbeit des ZMI (Website, soziale Medien, Bildbearbeitung und -gestaltung, Plakat- und Bannererstellung, Fotografie, Videoproduktionen), Wartung der Computer- und Technikausstattung des ZMI, Verwaltung und Neuanschaffung von technischer Ausstattung, Gestaltung und Pflege digitaler Arbeitsabläufe sowie Datenarchivierung.

Voraussetzungen sind ein laufendes Studium, sicherer Umgang mit Content Management-Systemen, mit Webdesign und Bildbearbeitungssystemen, sicherer Umgang mit Mac und Windows-Systemen, Erfahrung mit der Wartung von PC-Systemen und Druckern, Erfahrung mit IT-Administration, organisatorisches Geschick, selbstständige Arbeitsweise, Kommunikations- und Teamfähigkeit und soziale Kompetenz

Bitte senden Sie Ihre aussagekräftige Bewerbung (inkl. tabellarischer Lebenslauf mit Angaben zum Studienverlauf und Studieninteressen, Zeugniskopien etc.) per Post an das Zentrum für Medien und Interaktivität, Dr. Jutta Hergenhan, Ludwigstraße 34, 35390 Gießen, oder als ein PDF-Dokument an: . Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung!