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Artikelaktionen

Newsletter 2/2021

 

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Editorial

 

Liebe ZMI-Aktive,

liebe Freundinnen und Freunde des ZMI,

 

Dr. Jutta Hergenhan. Foto: Jan Kulke, PhotoArt Berlin
Dr. Jutta Hergenhan

Fragen der Bildung in Zeiten der Pandemie sowie Inklusion und Diversität in der Hochschullehre beschäftigten das ZMI in den vergangenen Monaten ebenso wie Hass und öffentliche Kontroversen um Sprache. Gemeinsam mit Kolleg*innen innerhalb und außerhalb der JLU Gießen haben wir zu diesen Themen in unterschiedlichsten Formaten diskutiert und publiziert. Eine besonders interessante Gelegenheit zur Diskussion bot der Austausch mit ZMI-Mitgründer Prof. Henning Lobin, der am ZMI aus seinem aktuellen Buch „Sprachkampf. Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“ gelesen hat.

 

Für das ZMI ist im Moment vor allem der Blick nach vorne bzw. nach ‚vorne zurück’ interessant: Im Herbst feiern wir das 20-jährige Jubiläum des ZMI und freuen uns in einer digitalen Jubiläumswoche vom 1. bis 5. November 2021 auf u.a. diese Themen: Hypervisualität und Körper, Norm und Normalität, Comic und Theater, Bilder der Pandemie, ein Gespräch mit der Drehbuchautorin Laila Stieler sowie ein digitales Tischgespräch zu vergangenen und gegenwärtigen Entwicklungen der Digitalisierung.

Etwa zeitgleich erwarten wir das Erscheinen des Konzeptbands „Digitaler Habitus. Zur Veränderung literaler Praktiken und Bildungskonzepte“, an dem eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe am ZMI und einige Fachkolleg*innen anderer Universitäten seit längerem gearbeitet haben.

 

In das zurückliegende Semester fällt auch ein Wechsel in der Leitung. Prof. Dorothée de Nève hat sich aus dem ZMI verabschiedet und Prof. Greta Olson folgt ihr als neue stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI nach. Greta Olson ist seit langem Mitglied des ZMI und hat die Sektion „Medien und Gender“ mitgegründet. Wir begrüßen Sie ganz herzlich in ihrer neuen Funktion und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihr! Zugleich gilt unser großer Dank Dorothée de Nève für viele Jahre wunderbarer Zusammenarbeit.

 

Wir wünschen Ihnen einen erholsamen und gesunden Sommer und eine angenehme vorlesungsfreie Zeit!

 

Ihre

Jutta Hergenhan

 

 

  

 

 

 

Inhalt ZMI-NEWSLETTER 2/2021

 

 

Editorial


News

Das ZMI feiert sein 20-jähriges Jubiläum

Greta Olson neue stellvertretende Geschäftsführende Direktorin

Videos

Online-Lesung „Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“ mit Henning Lobin

 

Veranstaltungsankündigungen

Vierter LBM-Workshop zu „Bildungsmedien“: „Literatursendungen. Interaktionsstrukturen, Funktionen, Macharten im Frühjahr 2022

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

Vortrag von Katrin Lehnen zu Bildung in der Coronakrise

Lesung mit Henning Lobin zu „Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“

Studientag „Geschlechtergerechte Sprache“ in Paris am 1. Juni 2021

DAAD-Fachseminar „... mais quel*le*s différences ? / ... welche Unterschiede denn? Differenz, Vielfalt, Förderung von Diversität in der Hochschullehre“ - Eröffnung durch Dr. Jutta Hergenhan

Forschungsnetzwerk „Geschlecht • Macht • Staat: Medialisierungen, normative Rahmungen und soziale Praktiken“: Förderung durch Flexi Funds des FCMH

Barcamp „Geschichte – Geschlecht – Politik“ des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung Nord: Vorstellung des geplanten Verbundforschungsprojekts „Geschlecht. Macht. Staat“

Digitale Vortragsreihe „Hass“ – Das Collegium Gissenum 2021

Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

„Stimmen aus der Praxis“: Christian Schmeink über „Eine Familie unterm Hakenkreuz“

[Online] Workshop-Reihe „Social Media in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Praxis-Workshop für Einsteiger*innen“

Vortrag von Dorothee Birke zum Thema „Booktube and co: An Introduction to Reading Culture on Social Media“

Vortragsreihe „Digitale Praxen“

Computerlinguistisches Werkzeug DiaCollo am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung eingeführt

 

Neues aus dem DaF/DaZ Bereich

Austausch über digitale Lehre Interaktiv über Interaktion: Tamara Zeyer zu Online-Veranstaltungen

Tamara Zeyer moderiert Treffen von vier Fachverbänden

 

Neues aus den Seniorprofessuren

 

Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Claus Leggewie in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft: „Neues vom Grand Hotel Abgrund. Der Paradigmenwechsel vom Kosmopolitismus zur Kosmo-Politik“

Beitrag von Claus Leggewie im Sammelband: „Was ist mit der Jugend los? Protestbewegung und Protestkultur im 20. und 21. Jahrhundert“

Claus Leggewie im Forschungsjournal Soziale Bewegungen: „Trump Messiah. Rechte soziale Bewegungen als Stütze des autoritären Nationalismus in den USA“

Claus Leggewie im Merkur: „Papa, was hast du im Krieg gemacht? Der Algerienkrieg in der Erinnerungsliteratur“

taz lab Talk: „Nur mit Pluralität und Toleranz“ – Gespräch mit Claus Leggewie und Daniel Cohn-Bendit

taz-Artikel von Claus Leggewie zum 75. Geburtstag des Historikers Dan Diner

Claus Leggewie im Tagesspiegel: „Warum Begriffe wie ‚rechts‘ und ‚links‘ nur begrenzt taugen“

Planetares Kolloquium „Perspektiven auf das Planetare“


Neues aus der Georg Büchner-Professur

Heiner Goebbels eröffnet Wiener Festwochen und Kunstfestspiele Herrenhausen

Großes Presse-Echo zur Eröffnungspremiere der Wiener Festwochen mit Liberté d'action

Erste Orchesterproben zur Orchesterkomposition A HOUSE OF CALL

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía / Madrid

 

Publikationen

Auftakt zur „Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur“: Neuausgabe von Bogdan Wojdowskis Roman „Brot für die Toten“ im Wallstein Verlag

Frederic Hanusch, Claus Leggewie, Erik Meyer: „Planetar denken. Ein Einstieg“

Elif Özmen (Hg.): „Wissenschaftsfreiheit im Konflikt. Grundlagen, Herausforderungen und Grenzen“

Dittmar Graf, Nicole Graulich, Katja Lengnink, Hélène Martinez, Christof Schreiber (Hg.): „Digitale Bildung für Lehramtsstudierende. TE@M ‒ Teacher Education and Media“

Katrin Lehnen in den Gießener Universitätsblättern zum Thema Digitale Emotionskultur


Personalia

Abschied von Prof. Dr. Dorothée de Nève als stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI

 

 

 

 

News

 

Das ZMI feiert sein 20-jähriges Jubiläum


Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens veranstaltet das ZMI vom 1. bis 5. November 2021 eine digitale Themenwoche. Die Sektionen des ZMI stellen sich vor und gestalten das Programm. Geplant ist eine abwechslungsreiche Woche mit Kurzvorträgen, Debatten, Live-Gesprächen und interaktiven Podiumsdiskussionen mit vielen externen Gästen.

Wenn es die Bedingungen der Pandemie erlauben, laden wir Sie und Euch zum feierlichen Anstoßen und gemeinsamen Austausch am ZMI ein. Weitere Informationen hierzu folgen.

 


Beitrag der Sektion „Medien und Gender“ zum ZMI-Jubiläum:

„Body Neutrality in Zeiten von Hypervisibilität“

1. November 2021, 18 Uhr

 

Elisabeth Lechner. Foto: Mercan Sümbültepe
Dr. Elisabeth Lechner. Foto: Mercan Sümbültepe

Die ZMI-Sektion „Medien und Gender“ veranstaltet anlässlich des 20-jährigen ZMI-Jubiläums eine Debatte zum Thema „Resisting Hypervisibility through Body Neutrality?“. Zu Gast wird die Wiener Kulturwissenschaftlerin Dr. Elisabeth Lechner sein. Sie ist Autorin des Buchs „Riot, don’t diet! Aufstand der widerspenstigen Körper“ und forscht an der Schnittstelle von Popkultur-Studien, feministischer Medienwissenschaft, Affect & Body Studies. Elisabeth Lechner publiziert wissenschaftlich & essayistisch und gibt Workshops zu Medienkompetenz, Feminismus, Body Positivity, Body Shaming und Lookismus. Sie wird mit Mitgliedern der Sektion aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven Fragen zu In- und Exklusion aufgrund von Körpermerkmalen, zum Umgang mit Selbstoptimierungszwang und zur Kommerzialisierung emanzipativer Konzepte wie Body Positivity diskutieren. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt. Sie wird von Prof. Greta Olson moderiert. Kurz-Inputs kommen von Dr. Danae Gallo González, Dr. Jutta Hergenhan, Oliver Klaassen, M.A., Dr. Dinah Leschzyk und Prof. Sigrid Ruby

Im Dezember 2017 wurde die Sektion „Medien und Gender“ als sechste Sektion des ZMI gegründet. Sie vereint Professor*innen und weitere Geschlechterforscher*innen unterschiedlichster Disziplinen und fördert insbesondere auch Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase.

 

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des ZMI hat die Sektion „Medien und Gender“ eine Erklärung verfasst, mit der sie ihr Selbstverständnis und ihre Verortung als interdisziplinäre Forschungssektion im Bereich Gender Studies an der JLU Gießen darlegt. Mit der Erklärung möchte die Sektion den Blick sowohl auf vergangene Tätigkeiten als auch auf zukünftige Herausforderungen richten, wie sie sich beispielsweise durch zunehmende nationale und internationale Tendenzen, die Gender Studies wieder zurückzudrängen, stellen. Die Erklärung trägt den Titel „Das ZMI-Jubiläum – Ein Rückblick und eine Gelegenheit, sich neuer Impulse im Bereich „Gender und Medien“ bewusst zu werden und zu feiern“.



Beitrag der Sektion „Educational Linguistics“ zum ZMI-Jubiläum:

Normal, Normalität, Norm? Sprachliche Normen auf dem Prüfstand
2. November 2021, 18 Uhr

 

Fragen dazu, was sprachlich erlaubt, was gefordert und was im Gebrauch als „normal“ wahrgenommen wird, sind in jüngster Zeit Gegenstand teils kontroverser und emotionaler Debatten. Gendergerechtes Sprechen und Schreiben, Mehrsprachigkeit in Schule und Gesellschaft und sprachliche Normen im Kontext des schulischen Lernens sind dabei Themenbereiche, die nicht nur in öffentlichen Debatten, sondern auch im Bereich der Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik diskutiert werden.

Ausgehend von diesen drei Themenbereichen will der Sektionsbeitrag mittels einer interaktiven Podiumsdiskussion sowohl aus Sicht öffentlicher Debatten als auch in Hinblick auf fachliche Kontroversen ausleuchten und einen Einblick in wissenschaftliche Diskurse und Positionen geben. Geplant ist die Einbettung interaktiver Elemente in Form von Videoeinspielern und kurzen Publikumsbefragungen, die das Gespräch der Fachexpert*innen ergänzen sollen.

 

 

Beitrag der Sektion „Kunst und Medien“ zum ZMI-Jubiläum:

Mediale Rekonfigurationen nicht unbedingt interaktiver Medien: Comic und Theater

2. November 2021, 19:30 Uhr

 

In dieser Veranstaltung will die Sektion „Kunst und Medien“ in einem Roundtable mit Prof. Jörn Ahrens, Prof. Kirsten von Hagen, Prof. Gerald Siegmund und Prof. Uwe Wirth der Frage nachgehen, wie sich Vorgänge medialer Rekonfiguration mit Blick auf komplexe künstlerische Formen wie Theater und Comic beschreiben lassen. Eingeleitet wird sie durch drei kurze Impulsreferate.
Jörn Ahrens wird in seinem Impulsvortrag grundsätzlich über die Graphikalität und die epistemische Qualität des Comics nachdenken: Zwar dient im Comic die Zeichnung als mediale Grundlage, doch das Konzept Comic verbindet sich mit einem qualitativen Differenzkriterium: Was die zeichnerische Anordnung auf der Seite unübersehbar macht, die die Zweidimensionalität des Mediums verdoppelt und sie als „Bildträger“ und „Bildobjekt“ gleichzeitig akzentuiert, ist die Gemachtheit des Comics, der die Modi seiner Fabrikation deutlich ausstellt.
Kirsten von Hagen wird sich mit einer Annäherung an die Genealogie der sequentiellen Kunst des Comics beschäftigen – beginnend mit Vorformen des Comics: meist werden Kirchenfenster und Karikaturen als Vorformen für den Comic gesehen, d. h. entweder reine Bildmedien, oder klar definierte Bild-Text-Komposita. Doch wie steht es mit andern Medienformaten? Hier gilt es zu zeigen, wie populäre Theaterformen, im Sinne einer Ästhetik des Spektakulären (Ahrens) als Vorformen des Comics begriffen werden können wie Vaudeville und Féerie, welche auf Präsentation in einzelnen Tableaux setzen und somit Interstitien zwischen den Bildern konstituieren, die imaginativ vom Betrachter gefüllt werden wollen.
Gerald Siegmund geht der Frage nach dem Verhältnis von Bild und Text auf der Bühne nach, und zwar ausgehend von der These, dass das Theater ein „Hypermedium“ ist, das alle anderen Medien in ihren spezifischen Funktionsweisen in die Aufführungssituation integrieren kann. Dabei erweitert sich die leibliche Ko-Präsenz von Akteur*innen und Zuschauer*innen, die das Theater als analoges Medium ausweist, durch technische Apparaturen. Der Einsatz von Film, Video und Ton wirft die Frage nach den Relationen zwischen den einzelnen Akteuren, zwischen Bild und Sprache, zwischen Körper und Technik auf. Was geschieht, wenn das analoge Medium des/der Schauspieler*in re-konfiguriert wird und der Körper durch Roboter ersetzt? Mit dem Einsatz von KI auf der Bühne wird der/die lebendige Schauspieler*in umgekehrt als Archiv verstehbar: als Medium zur Aufbewahrung und performativen Umsetzung von Texten.

 

 

Beitrag der Sektion „Macht - Medium - Gesellschaft“ zum ZMI-Jubiläum:

Bilder der Pandemie

3. November 2021, 18 Uhr

 

Eine allgegenwärtige Folge der Corona-Pandemie ist ihre Visualisierung: Es ist der weltweite Ausbruch der Atemwegserkrankung COVID-19, der das Bedürfnis nach solchen Bildern der Pandemie weckt, wie sie seit Anfang 2020 medial erschaffen und verbreitet werden.
Die Darstellungen des auslösenden Virus SARS-CoV-2 in seiner Morphologie und Wirkung, die Diagramme und Karten zu seiner regionalen und globalen Verbreitung und die Stand- und Bewegtbilder der Effekte, die die Infektionskrankheit auf Individuum und Gesellschaft hat – sie alle stehen in kausalem Zusammenhang mit der Tatsache, dass der Erreger für das bloße Auge nicht zu erkennen und die Symptome der Erkrankung eher unspezifisch sind. Erst die Bilder der Pandemie geben der unsichtbaren Gefahr ein Gesicht, das die Bedrohung zum einen deutlich machen kann, zum anderen abwendbar erscheinen lässt.
In vier Kurzvorträgen und anschließender Diskussion analysieren Mitglieder der Sektion „Macht - Medium - Gesellschaft“ aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven markante Visualisierungsformen und –formate von COVID-19 und ziehen mehrstimmig Bilanz zur wirklichkeitssetzenden Macht der Bilder in Massenmedien und sozialen Medien in Zeiten der Pandemie.

 

 

Tischgespräch mit den Gründungsmitgliedern des ZMI

4. November 2021, 18 Uhr


Am Donnerstag Abend findet das 20-jährige Jubiläum Ausdruck in einem digitalen Tischgespräch mit den Gründungsmitgliedern des ZMI: Prof. Claus Leggewie und Prof. Henning Lobin. Der Tisch rund um Aspekte der Digitalität – vom digitalen Aufbruch der 2000er Jahre bis zur analogen und digitalen Verletzlichkeit durch u.a. die Pandemie – besteht wie üblich vor allem aus Kacheln!

Prof. Henning Lobin und Prof. Claus LeggewieDie Gründungsmitglieder des ZMI Prof. Henning Lobin und Prof. Claus Leggewie.



Beitrag der Sektion „Medien und Didaktik“ zum ZMI-Jubiläum:

„Ich habe die Zeit gebraucht, um eine Dramaturgie für die Widersprüche zu finden“ – Ein Gespräch mit Laila Stieler über das Drehbuchschreiben
5. November 2021, 19 Uhr

 

Foto: Laila Stieler.png
Laila Stieler. Foto: c/o Höfer.

Laila Stieler gehört zu den renommiertesten Drehbuchautorinnen des deutschen Gegenwartsfilms. In ihren Filmen stehen ganz normale Menschen im Mittelpunkt, es sind solche, die keine spektakulären Lebensläufe haben. Laila Stieler geht es um Geschichten von Menschen, die „von der Liebe träumen oder von einem eigenen Friseursalon, die für eine bessere Welt kämpfen oder für einen Schulgarten, von Regisseur*innen, die es mit großen Träumen an kleine Theater verschlägt, oder von Polizist*innen, die für Ordnung sorgen sollen, wo kaum noch etwas zu befrieden ist“.

In dem Live-Gespräch mit Laila Stieler geht es um Geheimnisse des Drehbuchschreibens und einen Blick auf das deutsche Kino vor und nach 1989.


Laila Stieler wurde 1965 in Neustadt/Orla, Thüringen, geboren. Nach einem Volontariat, das sie 1985/86 beim Fernsehen der DDR absolvierte, studierte sie von 1986 bis 1990 Dramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsen „Konrad Wolf in Babelsberg.  Seit dem Abschluss 1990 arbeitet Laila Stieler als Autorin, Dramaturgin und Producerin für zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen. Zu ihren bekanntesten Drehbüchern gehören Kinofilme wie „Gundermann“ (2018), „Stilles Land“ (1992), „Die Polizistin“ (2001) und „Willenbrock“ (2005). Bei diesen  Filmen arbeitete Laila Stieler zusammen mit Andreas Dresen, der die Regie führte. Für ihre Drehbücher wurde Laila Stieler u. a. mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold („Die Polizistin“), dem Internationalen Literaturfilmpreis („Willenbrock“) und dem Deutschen Filmpreis („Gundermann“) ausgezeichnet.



Greta Olson neue stellvertretende Geschäftsführende Direktorin

Greta Olson
Prof. Dr. Greta Olson

Am 19. Mai 2021 wurde Prof. Greta Olson in der Direktoriumssitzung des ZMI zur neuen stellvertretenden Geschäftsführenden Direktorin gewählt.
Greta Olson studierte Philosophie und Studio Art am Vassar College in New York sowie Kunstgeschichte und Philosophie am University College London. Sie hat zum Thema „'Criminal Beasts' and the Rise of Positivist Criminology - From Shakespeare to Dickens“ promoviert und hat sowohl in Freiburg als auch in Innsbruck und Basel doziert. An der Universität Bonn war sie von 2002 bis 2003 Gastprofessorin für American Studies. Nachdem sie von 2004 bis 2008 als Assistenzprofessorin (gefördert durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft) an der Universität Freiburg tätig war, wurde sie 2009 zur Professorin für englische und amerikanische Literatur und Kulturwissenschaften an der JLU berufen.
Als Mitglied der ZMI-Sektion „Medien und Gender“ hat sich Greta Olson an zahlreichen Podiumsdiskussionen beteiligt: im Jahr 2018 an „#MeToo - Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?“ sowie an „Abstimmung über Trump. Was bedeuten die US-Zwischenwahlen für Trump und für uns?“, 2019 an „Autoritäre Populisten gegen Gender: Trump, Bolsonaro und die AFD“ und in der ZMI-Aktionswoche 2020 an „Voices from Abroad: Americans in Germany Discuss the 2020 U.S. Elections“. Sie wirkte 2020 auch an der internationalen Tagung „Trans*Time in (TV) Series: (Inter)national Projections“ mit und schrieb das Nachwort zu dem dazugehörigen Sammelband „Trans* Time. Projecting Transness in European (TV) Series“, der 2021 in der Interaktiva Reihe des ZMI erschienen ist.




Videos

 Online-Lesung „Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“ mit Henning Lobin

Lesung mit Henning Lobin: 'Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert'
Lesung mit Henning Lobin: 'Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert'

 

Am 9. Juni 2021 war Prof. Henning Lobin am ZMI zu Gast um sein aktuelles Buch "Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert" vorzustellen. Das Video ist auf dem YouTube-Kanal des ZMI zu sehen.  

 

 

 

 

Veranstaltungsankündigungen 

Vierter LBM-Workshop zu „Bildungsmedien“: „Literatursendungen. Interaktionsstrukturen, Funktionen, Macharten im Frühjahr 2022

Vierter Workshop (Frühjahr 2022) im Rahmen der ZMI-LBM-Reihe „Bildungsmedien: Wissensorganisation und multimodale Machart“ unter der Leitung von Prof. Thomas Gloning

 

Der Gegenstand: Literatursendungen
Literatursendungen wie „Das Literarische Quartett“, Dennis Schecks „lesenswert Quartett“ und „Gottschalk liest“ sind als Genre ein festes Angebot in der aktuellen und der Medienlandschaft der letzten Jahre, wenngleich sich die Einzelangebote teilweise auch recht schnell verändert haben – sei es im Sendekonzept, sei es im Hinblick auf die personelle Besetzung. Literatursendungen sind primär Fernsehangebote, es gibt darüber hinaus aber auch vergleichbare Hörfunkangebote, im Hinblick auf funktionale Verwandtschaften kommen auch Buchrezensionen in ihren verschiedenen medialen Spielarten in den Blick.

Das Literarische Quartett
„Das Literarische Quartett“ mit Thea Dorn, Moritz von Uslar, Dörte Hansen und Marko Martin, ZDF 21.04.2021

Frageperspektiven: engere und weitere
Aus einer im engeren Sinne sprachwissenschaftlich-pragmatischen Perspektive stellen sich Fragen u.a. nach den typischen Interaktionsstrukturen, nach Strategien des Informierens und des Bewertens, nach Verfahren der thematischen Organisation bei der Besprechung von Büchern, nach der Rollenkonstellation und der interaktionalen Aufgabenverteilung, nach den sprachlichen Mitteln und Äußerungsformen, sodann aber auch nach dem multimodalen Arrangement und der Text/Bild-Nutzung in diesen spezifisch audio-visuellen Angeboten.
Neben der sprachwissenschaftlichen Perspektive sind aber auch Beiträge mit anderen disziplinären Bezügen ausdrücklich erwünscht, seien sie literaturwissenschaftlich, medienwissenschaftlich, soziologisch, sprach- oder literaturdidaktisch, mit DaF-Bezügen, usw.
Auch Beiträge, die Literatursendungen mit anderen, funktional verwandten Angeboten, z.B. Literaturkritiken, vergleichen, sind denkbar und erwünscht.

Gottschalk liest?
„Gottschalk liest?“ mit Ferdinand von Schirach, Sarah Kuttner, Vea Kaiser, Daniel Biskup und Thomas Gottschalk, BR 19.03.2019

Noch kein Call for Papers, sondern eine Voranfrage für Planungszwecke
Frage 1: Könnten Sie sich vorstellen zu einem solchen Workshop beizutragen?
Frage 2: Zu welchem Thema/ Themenbereich könnten Sie möglicherweise beitragen?
Frage 3: Wären Sie bereit, Ihren Beitrag auch (relativ zeitnah nach dem Workshop) in schriftlicher Form für eine Veröffentlichung bereit zu stellen?

Rückmeldungen, Anmerkungen, Fragen
Ihre Rückmeldungen, Interessensbekundungen, Anregungen oder Rückfragen senden Sie bitte an: thomas.gloning@germanistik.uni-giessen.de

 

 

 

Aktivitäten und Events der letzten Monate

 

Vortrag von Katrin Lehnen zu Bildung in der Coronakrise

Im Rahmen der Vortragsreihe „Fachdidaktiken im Spiegel des Lebenslangen Lernens“ – eine Kooperation der JLU mit dem Hessencampus Mittelhessen – hat Prof. Dr. Katrin Lehnen am 10. Juni 2021 einen Vortrag mit dem Titel Soziale Medien und digitale Handlungsräume. Lehren und Lernen zwischen YouTube, Jodel, Instagram und Co gehalten. Mit der weitreichenden Digitalisierung nahezu aller Lebensbereiche haben sich Arten und Weisen der Aneignung von Wissen und Kompetenzen wie auch Vorstellungen von Literalität und Bildung verändert. Formelle und informelle, institutionalisierte und selbstgesteuerte Lernprozesse sind weniger trennscharf geworden und bringen hybride Wissens- und Bildungsdiskurse, Rollenkonstellationen und Sozialisationsinstanzen hervor, die sich in veränderten Formaten und Plattformen (z.B. YouTube-Erklärvideos, Wikipedia, gutefrage.net) wie auch spezifischen Praktiken der Interaktion, Präsentation und Bewertung von Wissen zeigen. In dem Vortrag wurden diese Transformationsprozesse an unterschiedlichen Beispielen erläutert und mit Blick auf ihre Konsequenzen für das Lehren und Lernen diskutiert. Unter dem Titel „Bildung in der Coronakrise.
 Chancen und Grenzen digital angereicherter Lehr-/ Lernszenarien in Schule, Hochschule und Weiterbildung“ mit insgesamt zwei Vorträgen und Diskussion wollte die Veranstaltungsreihe, die eine einrichtungsübergreifende Weiterbildung von Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeiter*innen darstellt und die gemeinsame Orientierung an aktueller Forschung in der fachdidaktischen und pädagogischen Praxis zu fördern versucht, einen Blick auf aktuelle Fragen digitaler Lehr-Lern-Praxis werden. Der zweite Vortrag von Prof. Hans-Peter Ziemek erläuterte, wie die klassische Exkursion als Teil des Studiums im Fach Biologie durch eine digitale Exkursion kompensiert werden kann und andere und neue Handlungsräume für die Studierenden eröffnet.

Der Vortrag wurde aufgezeichnet und ist hier abrufbar.

Prof. Katrin Lehen - Bildung in der Coronakrise
Prof. Katrin Lehnen - Bildung in der Coronakrise

 



 Lesung und Diskussion mit Henning Lobin zu seinem Buch „Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“


Am 9. Juni 2021 freute sich das ZMI, in seinem Jubiläumsjahr des 20-jährigen Bestehens eines seiner Gründungsmitglieder zu einer Online-Lesung begrüßen zu dürfen: Prof. Henning Lobin stellte sein neu erschienenes Buch „Sprachkampf: Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“ vor. Prof. Katrin Lehnen und Dr. Jutta Hergenhan moderierten die Lesung und sprachen mit Lobin über aktuelle sprachpolitische Kontroversen.

Lesung mit Prof. Henning Lobin am 9. Juni 2021In dem Buch geht es nicht nur um unterschiedliche Kontroversen – es selbst hat kontroverse Rückmeldungen ausgelöst und ist Teil von Online-Diskursen geworden. Lobin beschrieb in der Lesung, dass nicht zuletzt die Reaktionen auf sein Buch zeigen, dass und wie Sprache in der Öffentlichkeit zu einem strittigen und aufgeheizten Thema geworden ist: „Es wird ein kontinuierlicher, symbolischer Kampf um das Thema Sprache vollzogen, der im Moment ganz besonders aufgeladen geführt wird“, so Lobin. Seit Fertigstellung des Buches im Dezember 2020 sei es zu keiner Beruhigung in der Thematik gekommen. Stattdessen seien aktuelle Sprachkämpfe momentan in einer Weise in der Öffentlichkeit präsent, „wie man das vielleicht kam jemals vorher gehabt hat – jedenfalls nicht in den letzten 20 Jahren“. Auf Jutta Hergenhans Frage, warum er von einem „Kampf“ spreche und damit potentiell Gefahr laufe, die Rhetorik der Rechten zu bedienen, antwortete Lobin mit dem Hinweis, dass die Kampf-Metapher am besten beschreibe, was aktuell passiere, und dass er sich damit von weitreichenderen Sprachbildern wie „Sprachkrieg“ oder „Armageddon um die deutsche Sprache“ abgrenze, wie die AfD es ihm in einer Pressemitteilung unterstellte. Gleichzeitig sei sein Buch kein „linguistisches Buch“, wie Lobin betont: „Es geht um Sprache und wie Sprache in der Öffentlichkeit eingesetzt wird und wie Sprache politisch genutzt wird – vielleicht instrumentalisiert wird – um damit ganz bestimmte Ziele zu erreichen.“ So sei die AfD mit dem Einzug in die Landesparlamente in Hinsicht auf Sprachpolitik sofort aktiv geworden. Die Partei stellte beispielsweise im nordrhein-westfälischen Landesparlament einen Antrag auf „Abschaffung der Gendersprache“ im März 2019.

Solche Sprachschlachten hätten Tradition, betonte Lobin, und stellte hierzu drei exemplarisch vor: Erstens die seit dem 19. Jahrhundert andauernden Diskussionen um Fremdwörter wie beispielsweise Anglizismen, etwa um Kleinling anstelle von Baby durchzusetzen. Zweitens markiert die Auseinandersetzung um die Frage, ob Deutsch als Amtssprache im Grundgesetz verankert werden sollte, eine umkämpfte Debatte. Dies forderte u.a. 2011 eine Initiative des Vereins Deutsche Sprache (VDS), der mit Unterschriftenaktionen und Vorschlägen an den Petitionsausschuss des deutschen Bundestages getreten ist, um den Artikel 22 des Grundgesetzes entsprechend anzupassen. Allerdings sei es aufgrund einer Gegenpetition zu keinem Votum der Abgeordneten gekommen. Drittens der aktuellste dieser Sprachkämpfe, nämlich der um geschlechtergerechte Sprache. Was zunächst als linguistische Debatte begann, sei von den großen Tageszeitungen in die Öffentlichkeit getragen worden und habe an Intensität gewonnen. Insbesondere die Veröffentlichung des Ratgebers „Richtig gendern: Wie Sie angemessen und verständlicht schreiben“ (Anja Steinhauer & Gabriele Diewald) im Jahr 2017 im Dudenverlag habe das Missverständnis hervorgerufen, dass die Anwendung geschlechtergerechter Sprache zu einer Norm oder zumindest zu einer normartigen Empfehlung erhoben werde un die Diskussion um geschlechtergerechte Sprache intensiviert. Auch hier habe der VDS eine aktive Rolle gespielt. Noch heute habe er auf seiner Startseite einen Aufrug gegen die vermeintliche Abschaffung des generischen Maskulinums im Duden geschaltet. Im Folgenden verdeutlichte Lobin, wie sich der VDS als eigenständiger politischer Akteur sprachpolitische Anliegen durchzusetzten versuche.

Neben der Darstellung dieses „neuen Sprachkampfs“ ist es ein Anliegen Lobins, für alle diese Themen Vorschläge zu entwickeln und sich um einen „Waffenstillstand“ entgegen der Polarisierung innerhalb der Diskussionen zu bemühen. Im Anschluss an die inhaltlich dichte Lesung lud die Chat-Funktion zu Fragen ein.

Im Anschluss an die Lesung mit Prof. Henning Lobin am 9. Juni 2021 berichteten die „Gießener Allgemeine Zeitung“ unter dem Titel „Wut-Thema Sprache“ und der Gießener Anzeiger unter dem Titel „Vortrag an JLU Gießen: 'Gendern ist historisch belegt'“.


 

 

Studientag „Geschlechtergerechte Sprache“ in Paris am 1. Juni 2021

Anlässlich der Publikation des Themenhefts „Geschlecht, Sprache, Politik. Debatten um diskriminierungsfreie Sprache“ der Zeitschrift Les Cahiers du Genre im Dezember 2020 organisierten die Herausgeberinnen des Heftes Dr. Marie Loison-Leruste und Dr. Gwenaëlle Perrier von der Universität Sorbonne Paris Nord gemeinsam mit Dr. Olivia Samuel und François Théron vom Forschungszentrum PRINTEMPS am Dienstag, dem 1. Juni 2021, ein Online-Kolloquium zu „inklusiver Schreibweise“ (écriture inclusive). Neben Sprachwissenschaftlerinnen wie Dr. Julie Abbou (Universität Paris Diderot) nahmen Herausgeber*innen von wissenschaftlichen Zeitschriften aus unterschiedlichen Disziplinen teil. Sie diskutierten aktuelle Praktiken und Herausforderungen bei der Verwendung geschlechtersensibler Sprache in wissenschaftlichen Publikationsorganen.

Flyer Online-Kolloquium zum Themenheft „Geschlecht, Sprache, Politik. Debatten um diskriminierungsfreie Sprache“ der Zeitschrift Les Cahiers du Genre

In einem zweiten Teil kommentierten die Geschlechtersoziologinnen Dr. Camille Masclet (CNRS/CESSP Paris), Dr. Sara Garbagnoli (CNRS-LEGS/Universität Verona) und Dr. Juliette Rennes (EHESS Paris) die Beiträge des Themenheftes vor dem Hintergrund ihrer eigenen Forschungsschwerpunkte. Die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, Dr. Jutta Hergenhan, sowie die anderen Autor*innen des Bandes antworteten abschließend auf die von den Kommentatorinnen an sie gerichteten vertiefenden Fragen zu ihren jeweiligen Beiträgen. Der Beitrag von Jutta Hergenhan befasst sich mit dem Zusammenhang von geschlechtergerechter Sprache und Antifeminismus in Deutschland. Anhand von Stellungnahmen in deutschsprachigen Printmedien wurden diskursive Verknüpfungen von Argumentationen gegen geschlechtergerechte Sprache und aktuellen antifeministischen Diskursen explorativ untersucht.

 Die Kooperation im Rahmen des Themenhefts „Geschlecht, Sprache, Politik. Debatten um diskriminierungsfreie Sprache“ ist Teil eines deutsch-französischen Projekts mit dem Titel „Schule, Gender, Sprache: gesellschaftliche Kontroversen, historische Perspektiven und Herausforderungen an unterrichtliches Handeln in Bezug auf geschlechtergerechte Sprache – ein deutsch-französischer Vergleich“ (EGELAN), für das Forschungsmittel bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Agence Nationale de la Recherche (DFG/ANR) beantragt wurden.

 



DAAD-Fachseminar „... mais quel*le*s différences ? / ... welche Unterschiede denn? Differenz, Vielfalt, Förderung von Diversität in der Hochschullehre“ - Eröffnung durch Dr. Jutta Hergenhan

Die DAAD-Fachlektor*innen an den französischen Hochschulen organisierten ihr diesjähriges Fachseminar vom 16. bis 18. Juni 2021 zum Thema „... mais quel*le*s différences ? / ... welche Unterschiede denn? Differenz, Vielfalt, Förderung von Diversität in der Hochschullehre“. In ihrem Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Geschlechtliche Vielfalt – Barrierefreiheit – Dekolonialisierung: epistemische, didaktische und rekrutierungspolitische Herausforderungen an eine diversitäts- und egalitätsorientierte Hochschule“ nahm die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, Dr. Jutta Hergenhan, auf aktuelle Debatten zur Anerkennung von Diversität sowie von strukturellen Diskriminierungen und historisch bedingten Ungleichstellungen in Deutschland und Frankreich Bezug. Ausgehend von Mobilisierungen zu geschlechtergerechter Sprache (Manifest „Nous n’enseignerons plus que le masculin l’emporte sur le féminin“), zur Gleichstellung im Bereich von institutionalisierten Lebensgemeinschaften („Ehe für alle“/“Mariage pour tous“) und von Reproduktionsrechten („PMA pour toutes“) oder gegen Gewalt an Frauen (#MeToo) und gegen Gewalt gegen Schwarze (Black Lives Matter) zeigte Jutta Hergenhan auf, dass fortdauernde soziale Ungleichstellungen aufgrund von Geschlecht, rassifizierenden Zuschreibungen, sozialer Herkunft, körperlichen Einschränkungen, Sexualität oder Religionszugehörigkeit nicht mehr im gleichen Maße wie vorher hingenommen werden. Hochschulen sind in vielfältiger Weise herausgefordert, sich der epistemischen Kritik und den Forderungen nach konkreter Gleichstellung zu stellen. Studieninhalte, Forschungsperspektiven, Zugangsmodalitäten und Rekrutierungspraxen werden in Frage gestellt. Postkoloniale Studien rufen dekoloniale Handlungsansätze hervor, Intersektionalitätsforschung legt die Komplexität struktureller Diskriminierung offen, Klassismusforschung weist wirkmächtige Mechanismen von sozialer Reproduktion gerade durch das Bildungssystem bis weit in die fortgeschrittene Universitätslaufbahn nach.

Hergenhan betonte in ihrem Vortrag die wachsende Polarisierung in der Gesellschaft. In Deutschland und in Frankreich erfahren Forderungen nach Gleichstellung teilweise starke Akzeptanz in breiteren Bevölkerungsteilen und auch rechtliche Anerkennung (z.B. eheliche Gleichstellung oder dritte Option im Personenstandsrecht). Andererseits erstarkt eine Neue Rechte, die ist nicht nur auf der Straße und in einschlägigen Medien sehr präsent ist. Mit der Partei der AfD tritt sie auch in den Parlamenten Gleichheitsforderungen von bislang minorisierten Gruppen entschieden entgegen und versucht, Forschung zu den damit verbundenen Wissensgebieten zu unterbinden und zu diskreditieren.

Hergenhans zentrale These war, dass die Bedeutung der symbolischen Dimension von Ungleichstellung und Diskriminierung als symbolische Gewalt (Bourdieu) heute stärker anerkannt ist als es zuvor der Fall war. Gleichstellungsforderungen beziehen sich damit nicht mehr nur vorrangig auf materielle Gleichstellung und Wiedergutmachung, sondern auch auf eine Gleichstellung im Rahmen der symbolischen Ordnung, die sich z.B. in der Umbenennung von Straßen und öffentlichen Einrichtungen manifestiert oder aber im Sprachgebrauch. Abschließend und in der folgenden Diskussion mit den DAAD-Lektor*innen ging Hergenhan auf die Herausforderungen an Sprache ein, die sich diskriminierungsfrei nicht nur im Hinblick auf die Dimension „Geschlecht“, sondern auch auf körperliche Beeinträchtigungen sowie auf rassifizierende und klassenbezogene Einschreibungen verhalten möchte. Die Fragen und Beiträge richteten sich vor allem auf den generellen Umgang mit Sprache und sprachlichen Normen sowie auf Möglichkeiten, sich zu diskriminierungsfreiem Sprachgebrauch zu informieren.

Das DAAD-Fachseminar sollte in Nantes stattfinden, wurde aber pandemiebedingt in den digitalen Raum verlegt.

 

 

 

Forschungsnetzwerk „Geschlecht • Macht • Staat: Medialisierungen, normative Rahmungen und soziale Praktiken:

Förderung durch Flexi Funds des FCMH

Die ZMI-Sektion „Medien und Gender“ hat sich am Aufbau eines interdisziplinären Forschungsnetzwerks zwischen den Universitäten Marburg, Gießen, Münster sowie dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft beteiligt. Das Forschungsnetzwerk will eine Kulturgeschichte der Macht unter den Vorzeichen des Geschlechts bzw. der Prozesse von Vergeschlechtlichung erarbeiten. Unter dem Titel „Geschlecht • Macht • Staat“ untersuchen Forscherinnen und Forscher aus Literatur-, Kultur-, Medien-, Geschichts- und Politikwissenschaft sowie Kunstgeschichte und Psychologie die historischen Wechselwirkungen von Medialisierungen, sozialen Praktiken und normativen Rahmungen, die für eine Zuschreibung und Aushandlung von Macht in der Frühen Neuzeit und der Gegenwart zentral waren bzw. sind.

Für die künftige Arbeit im Verbund soll eine DFG-Forschungsgruppe eingeworben werden. Der Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) fördert die Antragsstellung seit dem 1. Juli 2021. Seitens der JLU und des ZMI sind Prof. Sigrid Ruby mit einem Teilprojekt zu „Herrscherinnen und Herrschaftsporträts des 16. und 17. Jahrhunderts“ sowie Dr. Jutta Hergenhan mit einem Teilprojekt zu „Imaginationen weiblicher Präsidentschaft in der Gegenwart“ am Forschungsnetzwerk beteiligt.

 

Ansprechpartnerinnen des Netzwerks sind:

  • Phillips-Universität Marburg: Prof. Dr. Hania Siebenpfeiffer, Institut für Neuere deutsche Literatur, hania.siebenpfeiffer@uni-marburg.de
  • Justus-Liebig-Universität Gießen: Prof. Dr. Sigrid Ruby, Institut für Kunstgeschichte, Sigrid.Ruby@kunstgeschichte.uni-giessen.de
  • Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft, Marburg:  PD Dr. Heidi Hein-Kircher, heidi.hein-kircher@herder-institut.de
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster: Prof. Dr. Isabel Heinemann, isabel.heinemann@uni-muenster.de

 


 

Barcamp „Geschichte – Geschlecht – Politik“ des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung Nord: Vorstellung des geplanten Verbundforschungsprojekts „Geschlecht. Macht. Staat“

Am 21. Juni 2021 veranstaltete der Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG) Nord ein digitales Barcamp mit dem Titel „Geschichte – Geschlecht – Politik“. Organisiert wurde das Barcamp von Claudia Kemper, Hannah Rentschler, M.A., Lisa Städtler, M.A., Dr. Michaela Bräuninger, Berit Hildebrandt und Ellena Nett.

Dr. Dorothee BeckProf. Carmen BirkleProf. Annette HenningerDr. Jutta HergenhanProf. Inken-Schmidt-Voges und Prof. Hania Siebenpfeiffer vom Forschungsnetzwerk „Geschlecht • Macht • Staat“ nahmen daran teil und stellten das geplante Verbundforschungsprojekt vor. Das Projekt möchte die Kulturgeschichte vergeschlechtlichter Macht in der Neuzeit mit Fokus auf Europa und Nordamerika von der Frühen Neuzeit bis heute von seinen zeitlichen Rändern her erforschen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem 16. und dem 21. Jahrhundert.

BarCamp-Organisatorinnen
v.I.n.r. Ellena Nett, Claudia Kemper, Michaela Bräuninger, Hannah Rentschler, Lisa Städtler. Foto: Claudia Kemper

In einem dialogischen Format wurden die bisherigen konzeptionellen Überlegungen zu den drei Analyseachsen „Medialisierungen“, „normative Rahmungen“ und „soziale Praktiken“ zur Diskussion gestellt – am Beispiel der Figur der Herrscherin als Verkörperung politischer Macht von Maria Stuart bis zu aktuellen fiktionalen TV-Serien über US-Präsidentinnen, am Beispiel der Familie als umkämpfter Matrix vergeschlechtlichter Gesellschaftsordnungen sowie am Beispiel formeller und informeller Formen von Macht und Gewalt von der Landgräfin Christine von Hessen bis zu #NotInMyParliament.

 

 

 

 

 


Digitale Vortragsreihe „Hass“ – Das Collegium Gissenum 2021

Das Institut für Philosophie in Kooperation mit der Sektion „Macht - Medium - Gesellschaft“ des ZMI veranstaltete im Sommersemester 2021 eine interdisziplinäre Vortragsreihe zum Thema „Hass“, die Beiträge aus der Sozialpsychologie, Politologie und der Philosophie zusammen gebracht hat.
Die Vorträge von Daniel Geschke (Jena), Ulrich Wagner (Marburg) und Katharina Ernst-Wilken (Berlin) fanden mittwochs von 18:15 bis 19:45 Uhr statt und konnten in digitaler Form über Cisco Webex besucht werden.
Der Vortrag „Hasskriminalität und ihre Auswirkungen auf Betroffene und die demokratische Gesellschaft“ von Dr. Daniel Geschke, fand am 23. Juni 2021 statt. Prof. Ulrich Wagner hat am 30. Juni 2021 über „Hass »bringt es zu Ende« – sozialpsychologische Perspektiven auf eine sehr zerstörerische Emotion“ gesprochen. Der Vortrag „Hass, oder der Kampf um das Schicksal der Welt – eine emotionsphänomenologische Analyse“ von Dr. Katharina Ernst-Wilken fand am 7. Juli 2021 statt. 

Details zu den Vorträgen finden Sie hier.

 

 

 

Vortragsreihe des Forschungsverbundes Educational Linguistics

Educational Linguistics


In der Sektion Educational Linguistics fand im Sommersemester eine Vortragsreihe zum Thema Sprache und Inklusion statt. Am 25. Mai 2021 sprach Prof. David Gerlach (Bergische Universität Wuppertal) über inklusionssensible Fremdsprachenlehrer*innenausbildung im Fach Englisch. Prof. Bettina Bock (Universität Köln) präsentierte am 15. Juni 2021 Untersuchungen zu verschiedenen inklusiven Lehrmaterialien. Im Fokus standen dabei die Prinzipien der sprachlichen Aufbereitung im Kontrast mit regulären Schulbüchern. Zum letzten Termin des Semesters am 29. Juni 2021 stellte Sophie Engelen (Justus-Liebig-Universität Gießen) ihr Dissertationsprojekt vor, welches Lese-Rechtschreibschwierigkeiten als eine Heterogenitätsdimension des Französisch-Fremdsprachenunterrichts zum Gegenstand hat.

Die Vortragsreihe hat aktuelle Erkenntnisse aus unterschiedlichen Fachrichtungen beleuchtet und damit einen Beitrag dazu geleistet, drängende Desiderata im Kontext des Themenfelds der Inklusion im Kontext des schulischen Sprachlernens aufgezeigt.



 

 

 

„Stimmen aus der Praxis“: Christian Schmeink über „Eine Familie unterm Hakenkreuz“

Am 24. Juni 2021 war Christian Schmeink zu Gast in der Reihe „Stimmen aus der Praxis“, die die Sektion „Medien und Geschichte“ in Kooperation mit dem Studiengang Fachjournalistik Geschichte der JLU organisiert.

Schmeink sprach über die Dokumentation „Eine Familie unterm Hakenkreuz“.

 

 

 

[Online] Workshop-Reihe „Social Media in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Praxis-Workshop für Einsteiger*innen“

Am 29. und 30. April 2021 fand die [Online] Workshop-Reihe „Social Media in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Ein Praxis-Workshop für Einsteiger*innen“ statt. Die Veranstaltung wurde als Kooperation zwischen folgenden Zentren organisiert und durchgeführt: Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI), International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC)/Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK), Gießener Graduiertenzentrum Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) und Deutsches Historisches Institut Paris (DHIP).

Workshop-Reihe „Social Media in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Praxis-Workshops für Einsteiger*innen"

Dr. Mareike König (DHI Paris) zeigte in ihrem Einführungsvortrag „Social Media in den Geistes- und Sozialwissenschaften“. wie Wissenschaftler:innen soziale Medien wie Blogs, Instagram oder Twitter nutzen können, um zu publizieren, zu kommunizieren und sich zu vernetzen. Dabei ging es um die Frage, welches Medium für wen und für welchen Zweck das richtige ist und natürlich auch darum, welche Inhalte gepostet werden sollen. Der Einführungsvortrag wurde aufgezeichnet und ist auf dem ZMI-YouTube-Kanal abrufbar: https://youtu.be/Ym_ADghMVDY

In drei Kurzworkshops erhielten die Teilnehmenden jeweils kurze Einführungen in Social Media und konnten die unter dieser Kategorie gefassten unterschiedlichen sozialen Formate bzw. Plattformen Twitter, Blog und Instagram auch praktisch ausprobieren. Im Twitter-Workshop ging es um die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten für Wissenschaftler*innen. Darüber hinaus gab es auch Raum für den Austausch der Teilnehmenden über ihre eigenen ErfahrungenBritta Hermans (Max Weber Stiftung) und Célia Burgdorff (Deutsches Historisches Instituts Paris) legten für die Teilnehmenden des Workshops zum Bloggen Schulungsblogs an, wodurch die Wissenschaftler:innen in die Lage versetzt wurden, direkt mit dem Schreiben ihrer Beiträge auf dem eigenen Blog beginnen zu können. Maraike Büst (Projektkoordinatorin Lehre 4.0 – E-Learning für den wissenschaftlichen Nachwuchs) führte in ihrem Workshop zu Instagram für Anfänger*innen und Fortgeschrittene in das mittlerweile auch im wissenschaftlichen Kontext sehr beliebte Medium ein und gab zahlreiche Tipps für einen erfolgreichen Online-Auftritt.

Aufgrund der hohen Nachfrage ist eine Wiederholung der Reihe Anfang nächsten Jahres geplant.




Vortrag von Dorothee Birke zum Thema „Booktube and co: An Introduction to Reading Culture on Social Media“

BookTube und Co

Im Rahmen der GCSC-Keynote-Lectures, die sich in diesem Sommer- und im folgenden Wintersemester mit dem Thema „The Role of the Digital in the Study of Culture. New Horizons, Potentials, Challenges“ auseinandersetzen, war am 1. Juni 2021 Prof. Dr. Dorothee Birke (Associate Professor for English Literature, Norwegian University of Science and Technology) zu Gast. Ihr Vortrag zum Thema „Booktube and co: An Introduction to Reading Culture on Social Media“ wurde von Dr. Diana Hitzke (ZMI) und Dr. Jens Kugele (GCSC) organisiert.

Dorothee Birke führte in die Welt der Lesekultur in den Sozialen Medien ein und betonte dabei, dass sich die Praktiken der BookTuber*innen durchaus von der bürgerlichen Lesepraxis unterscheiden: Auch wenn Klassiker wie etwa Charles Dickens auf dem Programm stehen, folgt die Inszenierung den Prinzipien der sozialen Medien. BookTuber*innen führen ihr Publikum durch ihre Bücherregale, sie nehmen an interaktiven Lesemarathons teil oder lassen sich 30 Minuten lang dabei zuschauen, wie sie auf einer Couch liegen und ein Buch lesen.

Wer den Vortrag und die anschließende lebhafte Diskussion verpasst hat, kann sich folgende, von Dorothee Birke empfohlenen Videos der BookTuber*innen auf YouTube anschauen, um einen Eindruck der interaktiven Lesekultur zu gewinnen.

Darüber hinaus seien folgende Aufsätze von Dorothee Birke zu den Themen „New Media Narrative“ und „Booklove“ empfohlen:  

Birke, Dorothee (2019), „New Media Narratives: Olivia Sudjic’s Sympathy and Identity in the Digital Age“, in: Astrid Erll u. Roy Sommer (Hg.), Narrative in Culture, Berlin/Boston, S. 199-214, https://doi.org/10.1515/9783110654370-012.

Birke, Dorothee/ Fehrle, Johannes (2018), „#booklove: How Reading Culture is Adapted on the Internet“, in: Komparatistik Online, S. 60–86.

Auch im folgenden Wintersemester 2021/2022 wird es eine Reihe spannender Vorträge im Rahmen der GCSC-Keynote Lectures zum Thema „The Role of the Digital in the Study of Culture. New Horizons, Potentials, Challenges“ geben.

 

 

 

Vortragsreihe „Digitale Praxen“

In diesem Sommersemester widmete sich die Vortragsreihe „Digitale Praxen“ der GGS-Sektionen „Media, Science & Technology“ und „Alter(n) in Gesellschaft“ den Dynamiken, Aushandlungen sowie theoretischen Perspektiven der gesellschaftlichen Digitalisierung. Den Reihenauftakt machte Dr. Robert Brumme (Rostock) am 31. Mai 2021 mit Ergebnissen seiner Promotionsarbeit in einem Vortrag zum Thema „Triebkräfte der Digitalisierung. Zur Entfaltung des ‚Digitalen‘“. Aus einer makrosozialen Perspektive skizzierte er Digitalisierung als eine umfassende Gesellschaftsveränderung, die jedoch in sich immer wieder von widersprüchlichen Dynamiken geprägt ist. Unter dem Titel „Sing mir ein Lied vom Atom! – Über digitale Wissenschaftskommunikation“ stellte Dr. Andrea Geipel (München) am 21. Juni 2021 dazu Ergebnisse ihrer Promotionsarbeit vor. Sie untersuchte Wissenschaftskommunikation auf der Video-Plattform YouTube und zeigte in ihrer qualitativen Studie Aushandlungsprozesse zwischen Wissenschaftslogiken und plattformspezifischen Algorithmen auf. Prof. Francesca Forno (Trient) stellte am 5. Juli 2021 Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes unter dem Titel „From grassroots to platforms - digital platforms and alternative food networks“ vor. Sie verdeutlichte den Einfluss von digitalen Plattformen zur Herstellung einer umweltschonenden und nachhaltigen Lebensmittelversorgung auf die täglichen Ernährungspraktiken. Die Vortragsreihe wurde von Tristan Dohnt, M.A. (Sektion Macht - Medium - Gesellschaft), Dirk Medebach, M.A. und Nico Wettmann, M.A. organisiert.




Computerlinguistisches Werkzeug DiaCollo am Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung eingeführt

Die digitale Schulbuchsammlung des Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung ist nun mit computerlinguistischen Werkzeugen durchsuchbar.

Historische Schulbücher sind frühe Massenmedien, die Wissensbestände und Überzeugungen ihrer Entstehungszeit wiederspiegeln. Durch Retrodigitalisierung, Anreicherung und Indexierung werden sie interaktiv durchsuch- und analysierbar. Am Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung wurden nun in einem explorativen Projekt die automatisch generierten Volltexte von mehr als 5000 meist deutschsprachigen historischen Schulbüchern aus der digitalen Schulbuchbibliothek „GEI-Digital“ für die Arbeit mit entsprechenden Werkzeugen zur Verfügung gestellt. Ein Tutorial erklärt die Benutzeroberflächen und erleichtert den Einstieg in einfache und komplexe Suchen, Frequenz- und Kollokationsanalysen. 

Ein Beispiel: Vorkommen von Mädchen und sollen mit maximal zwei Token Abstand, nach Erscheinungsjahr aufsteigend sortiert. Dasselbe im Beispiel mit Mädchen und kann“.

Das ZMI kooperiert mit dem Georg-Eckert-Institut - Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung im Rahmen des DFG/ARN-Projekts EGELAN zu geschlechtergerechter Sprache und Schule. Ansprechpartnerin ist Dr. Maret Nieländer.

Screenshot von der Web Seite DiaCollo GEI-Digital-2020
Screenshot von der Web Seite DiaCollo GEI-Digital-2020

 

 

 

Neues aus dem DaF/DaZ Bereich

Austausch über digitale Lehre Interaktiv über Interaktion: Tamara Zeyer zu Online-Veranstaltungen

Am 17. Juni 2021 war Dr. Tamara Zeyer als Expertin zu Gast beim Webinar „Digitale Lehre” im Rahmen der Germanistischen Institutspartnerschaft der Universität Tübingen und University of Namibia. Nach dem Impulsvortrag mit dem Titel „Reden mit Kacheln? - Interaktion in Online-Veranstaltungen“ diskutierten die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen in digitaler Lehre im Hinblick auf unterschiedliche Kontexte und Tools. 

 

 

Tamara Zeyer moderiert Treffen von vier Fachverbände

Screentshot: Dr. Tamara Zeyer
Screenshot: Dr. Tamara Zeyer

Am 3. Juni 2021 moderierte Dr. Tamara Zeyer (zusammen mit Anja Häusler/Uni Bochum) den fachlichen Austausch „ZusammengeDACHt. Die Fachverbände im Dialog“ (Gemeinsame Diskussionsveranstaltung von AkDaF, FaDaF, Ledafids & ÖDaF) im Rahmen der 48. FaDaF-Jahrestagung an der PH Freiburg: „FaDaF und Freiburg – digital ganz nah”. Am offenen zweistündigen Austauschtreffen zum Thema „Zwischen Realität und Zukunft? Digitale Brücken im (Online-)Unterricht DaF/DaZ in die Post-Corona-Zeit schlagen” nahmen über 50 Gäste teil, die nach Impulsen von Expertinnen und Experten aus der Forschung und Praxis über die Chancen und Herausforderungen für die Sprachlernprozesse, das durch Digitalisierung veränderte Rollenverständnis von Lehrenden und Lernenden sowie die Nachhaltigkeit der Sprachvermittlungsprozesse diskutierten. 

 

 

 

 

Neues aus den Seniorprofessuren


Neues aus der Ludwig Börne-Professur

Claus Leggewie in der Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft: „Neues vom Grand Hotel Abgrund. Der Paradigmenwechsel vom Kosmopolitismus zur Kosmo-Politik“

In der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“ ist Claus Leggewie mit einem Beitrag zu Kosmopolitismus und Kosmo-Politik vertreten. Darin plädiert er für eine konzeptionelle und operative Revision kosmopolitischer Ideen und einer Erweiterung unseres Verständnisses von Kosmopolitismus, die die belebte und unbelebte Natur als virtuellen Akteur internationaler Politik mit einbezieht. So könne eine Form des Kosmopolitismus geschaffen werden, die dem Zeitalter des Anthropozän gerecht werde.

 

Der Beitrag steht als open access unter folgendem Link zum Download bereit.

 

 

 

Beitrag von Claus Leggewie im Sammelband: „Was ist mit der Jugend los? Protestbewegung und Protestkultur im 20. und 21. Jahrhundert“

Was ist mit der Jugend los? Von Maximilian Graeve, Hanna-Lena Neuser, Robert Wolff

Im Sammelband „Was ist mit der Jugend los? Protestbewegung und Protestkultur im 20. und 21. Jahrhundert“ ist ein Beitrag von Claus Leggewie über die „Generation Corona?“ erschienen. Der Band wird vom Wochenschau Verlag herausgegeben.

 

Theorie und Praxis, analog und digital, klassisch und innovativ: Das Buch präsentiert Einblicke in die Protestkultur junger Menschen aus vielen verschiedenen Perspektiven. Wie engagiert sich die junge Generation? Wofür steht sie ein? Welche Protestformen wählen junge Menschen? Eine spannende Zusammenstellung über eine besondere Generation, die in den letzten Jahren einen erstaunlichen Weg beschritten hat, um ihre Anliegen in die Öffentlichkeit zu bringen.

 

Maximilian Graeve, Hanna-Lena Neuser, Robert Wolff (Hgs.) Was ist mit der Jugend los? Protestbewegung und Protestkultur im 20. und 21. Jahrhundert. Frankfurt a.M.: Wochenschau Verlag, 2021. Reihe: Non-formale politische Bildung, 224 S., Print 28,90 Euro; PDF: 27,90 Euro.
ISBN: 978-3-7344-1280-6

 

 

 

 

Claus Leggewie im Forschungsjournal Soziale Bewegungen: „Trump Messiah. Rechte soziale Bewegungen als Stütze des autoritären Nationalismus in den USA“

Forschungsjournal Soziale Bewegungen

In der aktuellen Ausgabe des „Forschungsjournal Soziale Bewegungen“ hat Claus Leggewie einen Beitrag veröffentlicht. Das Heft widmet sich Fragestellungen der Demokratisierung, der sozialwissenschaftlichen Bewegungsforschung und der politischen Soziologie. Es wird herausgegeben von Ansgar Klein, Jupp Legrand, Thomas Leif (†), Jochen Roose, Moritz Sommer.

 

Donald Trumps Chancen, 2020 im Amt bestätigt zu werden, verdankten sich seiner männlich-weißen und religiösen Unterstützerbasis. Kommentatoren haben schon 2016 gefragt, warum ausgerechnet besonders Glaubenseifrige sich auf die Seite eines Mannes schlugen, der dann auch als Amtsinhaber gegen alles verstieß, was ihnen heilig sein müsste – ein notorischer Blasphemiker, Ehebrecher, Lügner und Meister des dirty talk, vor dem man seinen Kindern besser die Ohren verschließt? Die Antwort lautet kurz und bündig: Weil sie sich mehrheitlich eher als Weiße denn als Fromme fühlen und der Anteil weißer Evangelikaler an der Gesamtbevölkerung schrumpft. Weil sie um ihre Vorherrschaft in Amerika fürchten, umjubeln sie einen Politiker, der vor allem versprochen und einiges dazu getan hat, liberale Errungenschaften wie die Abtreibungsregelung der 1970er Jahre zu Fall zu bringen und die seinerzeit ausgelösten Kulturkämpfe zu ihren Gunsten zu wenden.

 

 

 

Claus Leggewie im Merkur: „Papa, was hast du im Krieg gemacht? Der Algerienkrieg in der Erinnerungsliteratur“

Zeitschrift Merkur

 

In der Märzausgabe des „Merkur“ schreibt Claus Leggewie über die Rolle des Algerienkriegs (1954 bis 1962) in der französischen und der europäischen Erinnerungskultur. So hatten sich über die Dauer des Algerienkriegs im französischen Heimatland der einberufenen Soldaten Gegenbewegungen formiert, die den Waffenstillstand und die Unabhängigkeit Algeriens forderten. Diese Spannungen in Frankreich trugen sich nachfolgend fort, sodass das algerische Drama [...] in ein kollektives Vergessen sank und nie als ein Krieg deklariert worden war. Die Aufarbeitung dessen wurde auf die Rückkehrer und ihre Familien verlagert. Leggewie zeichnet dazu auf, wie die Nachwirkungen des Algerienkriegs Europa noch heute überschatten.











 

 

taz lab Talk: Nur mit Pluralität und Toleranz – Gespräch mit Claus Leggewie und Daniel Cohn-Bendit


Im Kampf gegen Diskriminierung dürfen wir uns nicht und niemals auseinanderdividieren, sagen  Politikwissenschaftler Claus Leggewie und Autor und Politiker Daniel Cohn-Bendit. Beide erklären in dem talk, wie sie sich einen gemeinsamen Kampf gegen Diskriminierung vorstellen. Das Gespräch wurde moderiert von Jan Feddersen und ist Teil der Reihe „taz Talk meets taz Lab 2021“.

taz lab Talk- Nur mit Pluralität und Toleranz – Gespräch mit Claus Leggewie und Daniel Cohn-Bendit. Screenshot: YouTube
Claus Leggewie, Jan Feddersen, Daniel Cohn-Bendit. Screenshot: YouTube

 

 

  

taz-Artikel von Claus Leggewie zum 75. Geburtstag des Historikers Dan Diner

Dan Diner, Robert Kotzloff/The University of Chicago
Dan Diner, Foto: Robert Kotzloff/The University of Chicago

 

Der Globalhistoriker Dan Diner ist 75 geworden. Claus Leggewie findet, dass angesichts des jetzigen Nahostkonflikts „ein Blick auf Werk und Biografie dieses undogmatischen Linken“ hilft. In der taz resümiert er über Leben und Werk des Historikers.

Der Artikel kann unter folgendem Link abgerufen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Claus Leggewie im Tagesspiegel: „Warum Begriffe wie 'rechts' und 'links' nur begrenzt taugen“

„Für die einen ist alles ‚Antifa‘, die anderen blasen überall zum ‚Kampf gegen rechts‘. Die Realität ist viel komplexer“, konstatiert Claus Leggewie im Tagesspiegel und verdeutlicht dies am Beispiel Islamismus.


 

 

Planetares Kolloquium Perspektiven auf das Planetare

Am 4. Juni 2021 trafen sich rund 30 Teilnehmer*innen unterschiedlicher akademischer Richtungen, um sich gemeinsam im Rahmen des planetaren Kolloquiums „Perspektiven auf das Planetare“ über die globalen Herausforderungen unserer Zeit und die Notwendigkeit eines transdisziplinären Ansatzes zu deren Bewältigung, auszutauschen. Organisiert wurde das Kolloquium in Zusammenarbeit zwischen dem Panel on Planetary Thinking der JLU Gießen, der Arbeitsgruppe „Planetary Thinking“, einem Zusammenschluss von Forschenden der Goethe-Universität Frankfurt, dem Senckenberg, und dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), sowie dem Forschungskolleg Humanwissenschaften der Uni Frankfurt. Um Lösungen für die globalen Herausforderungen unserer Zeit  (Klimawandel, Artensterben, globale Umweltverschmutzung, der Schwund natürlicher Ressourcen) zu entwickeln, benötige es einen Paradigmenwechsel, hin zu einem planetaren Denken. Dieses Umdenken müsse auf vier Ebenen stattfinden: als neues Selbstverständnis, neue Denkweisen, neue Lösungen und neue Prozesse. Das Kolloquium hat sich zum Ziel gesetzt, diese Ebenen durch eine interdisziplinäre Kollaboration zwischen Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Humanwissenschaften und den Künsten zu erkunden und miteinander zu verbinden. In 30-minütigen Vorträgen stellten Wissenschaftlicher*innen unterschiedlicher akademischer Disziplinen dar, wie das planetare Denken ihre Arbeit beeinflusst. Nach den Präsentationen gab es die Möglichkeit Fragen zu stellen und die Inhalte gemeinsam zu diskutieren. Von Gesprächen über die inhärenten Rechte der Natur im Kontext der Biodiversität, welche Art von landwirtschaftlichen Praktiken für eine nachhaltige Zukunft benötigt werden, bis hin zur Vision des Planeten durch Fokussierung auf subatomare Elementarteilchen waren einige der zum Nachdenken anregenden Diskussionen. Die Teilnehmer*innen kamen überein, ihre inspirierenden Diskussionen in zukünftigen planetaren Kolloquien zu vertiefen, um gemeinsame Forschungsperspektiven der JLU mit der Goethe-Universität Frankfurt zu eröffnen.

 Die Präsentationen der Teilnehmenden sind auf der Website des Panels abrufbar.

Screenshot- Frederic Hanusch. Planetary colloquium 04.Juni 2021.png
Screenshot: Planetary colloquium 4. Juni 2021



 

Neues aus der Georg Büchner-Professur

Heiner Goebbels eröffnet die Wiener Festwochen und Kunstfestspiele Herrenhausen

Liberté d'Action Open Air in den Herrenhäuser Gärten. Foto: Helge Krückeberg/Kunstfestspiele
Liberté d'action Open Air in den Herrenhäuser Gärten. Foto: Helge Krückeberg/Kunstfestspiele
Zwei wichtige europäische Festivals für zeitgenössische Musik, Kunst und Performing Arts - die Kunstfestspiele Herrenhausen und die Wiener Festwochen - eröffneten in diesem Frühjahr ihr Programm mit der neuen Musiktheaterproduktion Liberté d'action von Heiner Goebbels. Die Uraufführung in Hannover musste wegen der Corona Auflagen Ende Mai noch outdoor stattfinden und wurde erfolgreich auf einer kurzfristig dafür errichteten Open Air Bühne präsentiert. Die Aufführungen in Wien fanden Anfang Juni im Museumsquartier statt. 




In der „Hannoverschen Allgemeinen“ schrieb Stefan Arndt am 29. Mai 2021 unter der Überschrift „In der Dazwischenzeit“ zur Uraufführung:
„[...]Faszinierend ist der Umgang des Schauspielers mit der Sprache: Bennent artikuliert die deutschen und französischen Wörter mit kristalliner Klarheit und bewahrt sich im Sprechen doch stets einen Abstand zum Gesagten: Bei ihm schwingt oft ein Staunen mit über das, was er selbst hervorgebracht hat. Der Text bekommt so etwas Leuchtendes, eine Bedeutung, die über den Wortsinn hinausreicht. [...] Goebbels hat eine Klangwelt erschaffen, die vollständig eigenen Gesetzen gehorcht. Es ist, als entfalte sie sich weniger in der Zeit alsvielmehr im Raum.: Die Klänge wirken fast dreidimensional [...] Der ganze Abend ist schwer zu erfassen, nicht weil die Dinge so komplex, sondern im besten Sinne eigenartig sind. Oberflächliche Schönheit gibt es selten, doch fühlt man bald, daß die Konfrontation mit der fremden Eigenart inspirierend sein kann. Liberté d'action [...] spricht nicht vom Offensichtlichen, sondern von dem Dazwischen.“

In einem KunstFestSpiele Talk sprach Friederike Westerhaus dazu mit Heiner Goebbels.




Großes Presse-Echo zur Eröffnungspremiere der Wiener Festwochen mit Liberté d'action

Als fulminanten ersten Bühnenabend feierte Florian Baranyi den Abend im ORF und verortete sie im Maschinenraum Nachkriegseuropas:
David Bennent in Liberté d'Action (Foto: Helge Krückeberg/ Kunstfestspiele)
David Bennent in Liberté d'action (Foto Helge Krückeberg/Kunstfestspiele)
„Der deutsche Theatermacher Heiner Goebbels und der Schweizer Schauspieler David Bennent haben den Festwochen am Donnerstag einen fulminanten ersten Bühnenabend im Wiener MuseumsQuartier beschert. Neben präparierten Klavieren und einem Bühnenbild, das an einen Maschinenraum der Nachkriegszeit gemahnte, stachen an diesem Abend die Texte des französischen Autors und Malers Henri Michaux hervor.“ [...] Bennents Figur führt zwischen Oszilloskop, Mikrofonen und Tonbandgerät eine spielerische Selbsterkundung vor, an deren Ende man stets – angelegt oder nicht – die Begleitumstände der CoV-Pandemie erkennt. Da sinniert einer über die Sinnlosigkeit des Reisens, beobachtet dabei die Amplituden seiner eigenen Stimme und redet sich ein, dass er die Welt da draußen nicht brauche. Oder er vermittelt seine Alpträume, wenn der die Nacht als „kubischen Raum“ beschreibt.

In der österreichischen Tageszeitung Der Standard“ schrieb Ljubisa Tosic am 4. Juni 2021 über „Heiner Goebbels’ szenische Dreiecksbeziehung
„Seine sprachmusikalische Dreiecksbeziehung Liberté d’action hat der deutsche Komponist und Regisseur Heiner Goebbels nicht explizit in Hinblick auf Corona und Lockdown konzipiert. Der Zusammenprall der Premiere bei den Wiener Festwochen mit der noch nicht wirklich aus dem Bewusstsein verschwundenen kollektiven Erfahrung (von Rückzug und Isolation) hebt sein szenisches Konzert allerdings auch in den Rang einer aktuellen Reflexion über die Konfrontation des Individuums mit sich selbst.“ [...] „Seine Aktionen sind die einer Robinson-Existenz, welche nur mit ihrem Schatten zu sprechen scheint. Bennent ist die enigmatische Figur im Selbstgespräch, welche die Einrichtung ihres Aktionsraums permanent umgruppiert. Freiheit des Handelns nimmt hier denn auch nur die Form einer zwanghaften Selbstbeschäftigung an.“
Die Salzburger Nachrichten titelten am 5. Juni 2021 Heiner Goebbels lässt bei den Festwochen die Sprache tanzen
„Erst durch die somit gesteigerte Intensität und das Zusammenspiel von Text, Musik und Licht entsteht eine Art Ballett, in deren Mitte sich Bennent vollends entfalten kann. Der Schauspieler weiß in dieser fast gänzlich handlungsbefreiten Welt durchaus Schwerpunkte zu setzen, die auf den nächsten Handgriff, auf den nächsten Schritt gespannt warten lassen – selbst wenn die eigentliche Aktion dann wieder verpufft und die Worte schon längst beim nächsten assoziativen Thema gelandet sind.“
Ein perfektes Gesamtkunstwerk nannte Peter Jarolin die neue Arbeit im Kurier.
„Wie eine kostbare Perlenkette reihen sich die einzelnen Juwele aneinander. Präzise und faszinierend. Nein, verstehen muss und soll man das Ganze nicht. Jedem Besucher steht es bei Goebbels frei, sich seinen eigenen Reim zu machen, sich seine eigene Geschichte zu erschaffen. Die Sprachschätze aber, sie bleiben. Sohst jedoch werden die Grenzen prerfekt überwunden. Wort und Ton, Bild und Bühne, Licht und Dukelheit, Darstellung und Publkumsrezeption verschmelzen zu einer Einheit, zu einem Gesamtkunstwerk, das mehr Fragen stellt, als Antworten gibt.
Ist das nicht auch eine Aufgabe der Kunst? Ja, wenn sie so aussieht, definitiv!“
Walter Weidinger in Die Presse: „Hier wird nicht argumentiert, hier werden in musikalischer Manier Stimmungen gemalt. Goebbels beherrscht das Timing im Großen wie im Kleinen, er weiß genau, wann er nach der Einleitung vom ersten Allegro in ein Adagio ohne Stimmsolisten übergehen muss, wie er diesen dann zurück ins ruhige Geschehen holt, wie die Beiträge der Klaviere und des Sprechers in Klang und Stimmung zu wechseln haben, um die Spannung aufrecht zu erhalten.“
Die nächsten Aufführungen von Liberté d'action sind für den kommenden Herbst geplant:
Am 5. September 2021 Berliner Festspiele/Musikfest Berlin im Haus des Rundfunks (großer Sendesaal) an der Masurenallee und Mitte November mit drei Vorstellungen im Théâtre National du Luxembourg.

David Bennent in „Liberté d’action“. Foto: Nurith Wagner Strauss/Der Standard
David Bennent in „Liberté d’action“. Foto: Nurith Wagner Strauss/Der Standard





Erste Orchesterproben zur Orchesterkomposition A HOUSE OF CALL

In dem 100 Jahre alten Industriebau Fredenhagen in Offenbach/Main, fanden Mitte Mai bereits erste Orchesterproben mit dem Ensemble Modern Orchestra für den Orchesterzyklus A HOUSE OF CALL von Heiner Goebbels statt. Nach einer Verschiebung von 2020 wird das Auftragswerk nun im kommenden Herbst in mehreren deutschen Konzerthäusern uraufgeführt:
30.8. Philharmonie Berlin - Berliner Festspiele/Musikfest Berlin
6.9. Kölner Philharmonie
7.9. Düsseldorf Tonhalle - Beuys 2021
21.9. Elbphilharmonie Hamburg
28. und 29.9. München, Prinzregententheater - musica viva / Bayerischer Rundfunk
Die Komposition ist ein Kompositionsauftrag von Ensemble Modern, Berliner Festspiele/Musikfest Berlin, Kölner Philharmonie, beuys2021, Elbphilharmonie Hamburg, musica viva/Bayerischer Rundfunk, Wien Modern und Casa da Música. Es handelt sich um ein Projekt im Rahmen von BTHVN 2020, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Rechtzeitig zu dieser Herbsttournee veröffentlicht Prof. Heiner Goebbels im August beim Berliner Verlag neofelis seine umfangreichen Recherchen zu den historischen phonographischen Aufnahmen, die in dieser Komposition zu hören sind. Titel: A House of Call - Materialausgabe                                                 
Probe mit dem Ensemble Modern Orchestra in Fredenhagen/Offenbach (Foto: HG)
Probe mit dem Ensemble Modern Orchestra in Fredenhagen/Offenbach (Foto HG)
                                 

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía / Madrid

Im Rahmen des Forschungsprogramms The Expanded Theatricalities Chair lädt das nationale Museum für zeitgenössische Kunst Reina Sofia Prof. Heiner Goebbels nach Madrid ein. Für den 8. und 9. Oktober 2021 sind Vortrag, öffentliche Diskussion, Begegnungen mit Studierenden und den Mitgliedern der Forschungsgruppe geplant.





Publikationen

Auftakt zur „Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur“: Neuausgabe von Bogdan Wojdowskis Roman „Brot für die Toten“ im Wallstein Verlag

Brot für die Toten von Bogdan Wojdowskis Roman

Als erster Band in der „Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur“, die von Sascha Feuchert (Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der JLU Gießen), Lothar Quinkenstein und Ewa Czerwiakowski im Wallstein Verlag herausgegeben wird, ist Ende Mai der Roman von Bogdan Wojdowski „Brot für die Toten“ erschienen. Übersetzt aus dem Polnischen wurde er von Henryk Bereska. Gefördert wurde die Edition durch den Förderverein der Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

„Wie erinnert man an eine Welt, die nicht mehr ist? Wenn die Ermordeten keine Gräber haben, wenn Wohnungen, Häuser, Straßen spurlos verschwunden sind? Wenn alles, was einmal Leben war, der Vernichtung anheimgefallen ist?“
Bogdan Wojdowskis Roman „Brot für die Toten“, der 1971 in Polen erschien und 1974 im Verlag Volk und Welt erstmals in exzellenter deutscher Übersetzung herausgegeben wurde, erzählt von der Hölle des Warschauer Gettos. Er schildert aus der Perspektive des Jungen David das Leiden der hier auf engstem Raum eingesperrten Menschen und ihrem verzweifelten Überlebenskampf zwischen 1940 und 1942. So erhalten Davids Familie, aber auch die Menschen auf den Straßen, ihre Stimmen, ihre Gesichter und ihre Namen zurück. Wie es nur wenige andere Werke der Holocaustliteratur vermögen, gelingt es Wojdowski in seinem verdichteten, polyphonen Roman nicht nur die Vernichtung zu dokumentieren, sondern die untergegangene jüdische Welt in ihrer Vielfalt wieder ins Leben zu rufen.
Die Neuausgabe dieses bedeutenden Werks erscheint als erster Band der auf zehn Bände angelegten „Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur“.

Der Autor:
Bogdan (eigentlich Dawid) Wojdowski (1930-1994) wurde am 16. November 1930 in Warschau geboren. Ab November 1940 musste die Familie im Getto leben. Im August 1942 entkam Dawid mit seiner Schwester Irena dem Massenmord der „Aktion Reinhardt“ durch Flucht. Die Eltern wurden in Treblinka ermordet. Er versteckte sich – nun als Bogdan – im „arischen“ Teil Warschaus und in umliegenden Dörfern. 1949 legte er das Abitur ab und studierte polnische Philologie. Sein schriftstellerisches Debüt, der Erzählband „Wakacje Hioba“ (Hiobs Ferien), wurde von der Zensur kurz vor der Drucklegung blockiert. Jahre später erst – und nach gravierenden Eingriffen – konnte das Buch 1962 erscheinen. 1971 erschien sein Opus Magnum, der Roman „Chleb rzucony umarlym“ („Brot für die Toten“), der als bedeutendstes Werk der polnischen Holocaustliteratur gilt. Am 19. April 1994 nahm sich Bogdan Wojdowski in Warschau das Leben.

Die Herausgeber*innen:
Sascha Feuchert ist Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und Professor für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Ewa Czerwiakowski ist freie Publizistin und Übersetzerin. Sie befasst sich vorwiegend mit Zeitgeschichte und Holocaustliteratur. Lothar Quinkenstein ist Übersetzer aus dem Polnischen, Schriftsteller und Hochschullehrer.

 

Bogdan Wojdowski: Brot für die Toten. Herausgegeben von Sascha Feuchert, Lothar Quinkenstein, Ewa Czerwiakowski. Aus dem Polnischen übersetzt von Henryk Bereska. Göttingen: Wallstein Verlag, 2021. Reihe: Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur; Bd. 1, 462 S., gebunden: 24,00 Euro
ISBN 978-3-8353-3817-3

 

 

Frederic Hanusch, Claus Leggewie, Erik Meyer: Planetar denken. Ein Einstieg

Planetar Denken. Ein Einstieg von Frederic Hanusch, Claus Leggewie und Erik Meyer

 

Das erste gemeinsame Buch des Panel on Planetary Thinking ist erschienen. Der Band bietet eine erste Einführung in das planetare Denken und geht den Wechselwirkungen zwischen dem Menschen und dem Planeten nach. Dabei verfolgt es eine interdisziplinäre Sichtweise, die alle mit dem  Menschen und dem Universum befassten Wissenschaften berührt.

 

Hanusch, Frederic; Leggewie, Claus und Meyer, Erik: Planetar denken. Ein Einstieg. Bielefeld: transcript Verlag, Juni 2021. Reihe: XTexte. 200 S., Print: 18 Euro

ISBN: 978-3-8394-5383-4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Elif Özmen (Hg.): Wissenschaftsfreiheit im Konflikt. Grundlagen, Herausforderungen und Grenzen

Wissenschaftsfreiheit im Konflikt von Elif Özmen

 

Der von Elif Özmen herausgegebene Band stellt eine erste deutschsprachige Sammlung essayistischer Reflexionen renommierter Philosoph*innen zum  Thema Wissenschaftsfreiheit dar und beschäftigt sich mit Grundlagen, Herausforderungen und Grenzen. Damit legt der Band eine erste wissenschaftliche Grundlage zum Thema und bietet Einsteiger*innen eine Orientierungshilfe. 

 

Elif Özmen (Hg.): Wissenschaftsfreiheit im Konflikt, Grundlagen, Herausforderungen und Grenzen, Berlin: J.B. Metzler Verlag, Mai 2021, Print: 29,99 Euro,
ISBN: 978-3-662-62891-1

E-Book 22,99 Euro,
ISBN: 978-3-662-62892-8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Dittmar Graf, Nicole Graulich, Katja Lengnink, Hélène Martinez, Christof Schreiber (Hg.): Digitale Bildung für Lehramtsstudierende. TE@M ‒ Teacher Education and Media“

Digitale Bildung für Lehramtsstudierende von Graf, Dittmar; Graulich, Nicole; Lengnink, Katja; Martinez, Hélène; Schreiber, Christof

 

Der Sammelband behandelt fachdidaktische Module und Konzepte, die an der Justus Liebig Universität entwickelt wurden. Diese sollen im Rahmen einer digitalen Bildung für Lehramtsstudierende, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst und Lehrkräfte an Schulen grundlegende Kompetenzen erwerbbar machen. Der band trägt Erfahrungen und Ideen zusammen, mit denen sich analoge Modelle und Konzepte für die Anwendung an anderen Universitäten und Studienseminaren entwickeln lassen.


Dittmar Graf, Nicole Graulich, Katja Lengnink, Hélène Martinez, Christof Schreiber (Hg.): Digitale Bildung für Lehramtsstudierende. TE@M ‒ Teacher Education and Media, 165 S., Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Verlag für Sozialwissenschaften, 2021, Print: 49,99 Euro
ISBN 978-3-658-32344-8

E-Book: 39,99 Euro
ISBN 978-3-658-32344-8 

 

 

  



 

Katrin Lehnen in den Gießener Universitätsblättern zum Thema Digitale Emotionskultur

Unter dem Titel „Alexa, sing’ ein Liebeslied für mich. Nähe und Distanz im Zeichen digitaler Emotionskulturen“ hat Prof. Katrin Lehnen in den Gießener Universitätsblättern (54/2021) einen Beitrag veröffentlicht, der Überlegungen zur Veränderung und Neujustierung unseres Emotionsverständnisses unter dem Einfluss von Algorithmen, Künstlicher Intelligenz und Assistenzsystemen im Alltag entfaltet. Mit sprachlichen Assistenzsystemen wie Siri und Alexa sind Kommunikationsanwendungen in unseren Alltag gerückt, die – dauerverfügbar und potentiell lernend – zu kommunikativen Schaltstellen werden (können). Inwiefern sie, aber auch digitale Emotionskulturen in anderen Bereichen wie dem Online-Dating, unsere kommunikativen Praktiken und Wahrnehmungen verändern, ist eine Frage, die die interdisziplinäre Forschung in den nächsten Jahren umtreiben dürfte.

Der Artikel geht auf eine Digital Lecture der Autorin in der ZMI-Aktionswoche „Digitaler Habitus“ zurück und ist als Video auf YouTube verfügbar.

 

 

Personalia

Abschied von Dorothée de Nève als stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI

In der letzten Direktoriumssitzung des ZMI hat Prof. Dorothée de Nève ihren Rücktritt von der Funktion der stellvertretenden geschäftsführenden Direktorin erklärt. Dorothée de Nève hatte die stellvertretende Leitung seit 2016 inne und sie hat auf diesem Posten neben ihrer inhaltlich-fachlichen Arbeit den Bereich Social Media, Webauftritt und Transfer des ZMI betreut und maßgeblich geprägt. In ihre Amtszeit fallen zahlreiche Veranstaltungen, die mit großer Resonanz in die Öffentlichkeit hinein gewirkt haben, und die teils in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaften an der JLU organisiert wurden. Dorothée de Nève hat mit viel Energie, Humor und ausgefallenen Ideen über neue Formate des Transfers nachgedacht und am ZMI einiges angestoßen, was die Kommunikation und Vernetzung nach innen und nach außen auf nachhaltige Weise prägt. Ihr verdanken wir nicht zuletzt internationale Kontakte und Kooperationen nach Südkorea und Japan.

Als echte Teamplayerin hat es sehr viel Spaß gemacht, mit Dorothée de Nève zusammenzuarbeiten und sich von ihr anstecken zu lassen. Durch ihre Mitwirkung in der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Digitaler Habitus“ am ZMI reißen die Fäden hoffentlich nicht ab!


Prof. de Nève, Prof. Lehnen, Dr. Hergenhan
Dr. Jutta Hergenhan, Prof. Katrin Lehnen, Prof. Dorothée de Nève (v.l.n.r.). Foto: ZMI