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Artikelaktionen

Macht - Medium - Gesellschaft

Überblick

Überblick

Sprecherin: Prof. Dr. Simone Abendschön

Der gesellschaftliche Mediengebrauch ist von Machtverhältnissen durchzogen und bedingt zugleich Machtverhältnisse. Dies wird zumeist dann sichtbar, wenn Medien-Macht öffentlich diskutiert, skandalisiert oder gefeiert wird, wie in Bezug auf den Schutz digitaler Daten vor Unternehmen und Geheimdiensten und umgekehrt mit Blick auf die revolutionären und partizipatorischen Potenziale sozialer Medien. Die gesellschaftliche Macht der Medien entfaltet sich aber auch im Alltag politischer Prozesse, zum Beispiel bei der Rekonfiguration demokratischer Prozeduren durch digitale Partizipation. Schließlich involviert Mediengebrauch auch Machtverhältnisse in sozialen Verhältnissen wie Familien und Haushalten, die ihren Alltag zunehmend medial organisieren. Die Sektion 1 bietet Themen wie diesen ein interdisziplinäres Dach.

Aktivitäten

Archiv

Podiumsdiskussion „ ,Einseitig, teuer, überflüssig…‘ Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in der Kritik“

Podiumsdiskussion „ ,Einseitig, teuer, überflüssig…‘ Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in der Kritik“

Podiumsdiskussion Rundfunk

Mit der Podiumsdiskussion „ ,Einseitig, teuer, überflüssig…‘ Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in der Kritik“ soll insbesondere auf die unabhängige Berichterstattung sowie auf das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen eingegangen werden. Dabei werden häufig geäußerte Kritikpunkte aus Medienhistorischer und Mediensoziologischer Sicht beleuchtet, auch wird auf das Medienvertrauen vonseiten der Bürgerinnen und Bürger eingegangen werden.

 

Organisiert wird die Veranstaltung von der Sektion „Macht – Medium – Gesellschaft“ des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) in Kooperation mit dem Forschungsverbund „antidemokratische Haltungen – Herausforderungen für Bildung und Sozialisation“ des Fachbereichs 03 (https://www.uni-giessen.de/fbz/fb03/forschung/antidemokratische-haltungen).

 

Als ReferentInnen nehmen an dieser Veranstaltung Frau Prof. Ulrike Weckel (JLU), Frau Prof. Nicole Zillien (JLU) und Herr Prof. Tanjev Schultz (Universität Mainz) teil. Letzterer begleitet auch die „Langzeitstudie Medienvertrauen“. Moderiert wird die Veranstaltung von Dr. Verena Schäfer-Nerlich (JLU/ZMI).

 

Die Podiumsdiskussion findet am 29.10.2019 um 18 Uhr in der Aula statt. Sie ist hier im Veranstaltungskalender der JLU eingetragen

 

(08.10.2019, Jonas Feike)

ExpertInnen–Workshop zu Inhalten und Wirkungen von fiktionalen und halb-fiktionalen politischen Medienangeboten

ExpertInnen–Workshop zu Inhalten und Wirkungen von fiktionalen und halb-fiktionalen politischen Medienangeboten

Am 23. und 24. November 2018 hielt Prof. Simone Abendschön (JLU / ZMI-Sektion 1) in Kooperation mit Prof. Mona Krewel (Cornell University, USA) einen ExpertInnen-Workshop zum Thema "Inhalte und Wirkungen von (halb-)fiktionalen Unterhaltungssendungen" ab.

Folgende Fragen wurdemit renommierten ExpertInnen aus Kommunikations- und Politikwissenschaft diskutiert: Welche grundlegenden Vorstellungen von Politik vermitteln die fiktionalen bzw. halb-fiktionalen Unterhaltungssendungen? Gibt es länderspezifische und formatspezifische Unterschiede? Welche mobilisierenden oder demobilisierenden Effekte gehen von den fiktionalen bzw. halb-fiktionalen Unterhaltungssendungen auf die RezipientInnen aus?

An dem Workshop nahmen Prof. Simone Abendschön und Prof. Mona Krewel (Cornell University USA), Prof. Christiane Eilders und Dr. Cordula Nitsch (jeweils Universität Düsseldorf), Prof. Carsten Wünsch und Dr. Miriam Czichon (jeweils Universität Bamberg), Dr. Marco Dohle (Universität Düsseldorf), Dennis Lichtenstein (ZU Friedrichshafen), Prof. Thorsten Faas (Freie Universität Berlin) und Prof. Andrea Römmele (Hertie School of Governance, Berlin) teil.

 

 

(20.11.2018, Rahel Schmitz)

Podiumsdiskussion mit Volker Beck: Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte Auftakt der ZMI-Veranstaltungsreihe (Neue) Herausforderungen der Wissenschaft

Podiumsdiskussion mit Volker Beck: Politisierung 1968/2018: Theorie – Protest – Revolte Auftakt der ZMI-Veranstaltungsreihe (Neue) Herausforderungen der Wissenschaft

Für die Geschichte von 1968 erscheint die Politisierung der Universitäten und Studierenden unverzichtbar, wobei die sogenannten Studentenrevolten in den USA andere inhaltliche Schwerpunkte hatten (Rassismus, Bürgerrechte, Anti-Vietnamkrieg) als in Deutschland ("Unter den Talaren..."). Im Vergleich dazu konnte in den letzten Jahren nur das Thema Studiengebühren zu Protesten und Blockaden motivieren. Auch kursiert allerorten das Gerücht von den völlig unpolitischen Studierenden. Im Gegensatz dazu stehen das Unbehagen gegenüber politisch (falsch?) agierenden ProfessorInnen, die Diskussionen um genderquotierte Seminarliteratur und die politische Korrektheit der Meinungen, Themen und Fassadengestaltungen.

Das spannende Thema der Politisierung der Universität und der Wissenschaft damals und heute wird im Rahmen eines Podiumsgespräches am Montag, 28. Mai 2018 um 18 Uhr c.t. in der Aula der JLU diskutiert. Prominent besetzt ist das Podium mit Volker Beck (Mitglied des Bundestages 1994-2017, Lehrbeauftragter an der Ruhr-Universität Bonn), Prof. Dr. Regina Kreide (Politikwissenschaft JLU) und Prof. Dr. Arnd Pollmann (Philosophie, Alice Salomon Hochschule Berlin). Die Veranstaltung wird eröffnet von der Vizepräsidentin der JLU, Prof. Dr. Verena Dolle, und moderiert von Prof. Dr. Elif Özmen (Philosophie JLU & ZMI).

Die Podiumsdiskussion stellt zugleich den Auftakt einer Veranstaltungsreihe des ZMI (Sektion 1) dar, die über drei Semester hinweg die Probleme der Politisierung, Ökonomisierung und Instrumentalisierung, als neuen Herausforderungen der Wissenschaft, in den Blick nehmen möchte

Über die Veranstaltung wurde bereits im Vorfeld in der Presse berichtet. Die Ankündigung der Gießener Allgemeinen finden Sie hier, der Bericht der Alsfelder Allgemeinen ist hier zu lesen und die Vorberichterstattung des Gießener Anzeiger finden Sie hier.

Die Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität zu dieser Veranstaltung können Sie hier lesen.

 

 (25.04.2018, Katharina Monaco)

ZMI-Workshop Darstellbarkeit

ZMI-Workshop Darstellbarkeit

Das Problem der bildlichen Darstellbarkeit verbindet Politik, Gesellschaft und visuelle Medien. Deutlich ist, dass Gebote von Schicklichkeit und Scham, Akte von Zensur und Bilderstreit, Behauptungen von Machbarkeit und visueller Evidenz in Konkurrenz treten und sich überkreuzen, wo es um das Darstellbare, seine Möglichkeiten und Grenzen geht. Was darf, kann, muss oder soll wie und von wem zu sehen gegeben werden? Dieses Feld auszuloten erweist sich als interkulturell schwierig und interdisziplinär herausfordernd.

Im Verlauf des zweitägigen Workshops, der am Donnerstag 3. und Freitag 4. Mai 2018 im Margarete-Bieber-Saal stattfindet, werden ausgewählte, das Problem der Darstellbarkeit exemplifizierende Bilder (Presse- und Alltagsfotos, technische und medizinische Bildgebung, Artefakte aus sozialen Medien, handwerklich hergestellte Bilder hochkünstlerischen und populären Charakters) von unterschiedlicher disziplinärer Warte kommentiert. Das Konzept zielt auf eine mehrstimmige Beleuchtung der Darstellungsproblematik und sucht nach Schnittpunkten und Eigensinn der sich ins Gespräch begebenden Fachdisziplinen. Die drei Betrachtungen am Donnerstag, 3. Mai 2018, beschäftigen sich mit medialen und technischen Konventionen sowie deren Darstellbarkeitsgrenzen. Um 18 Uhr hält Charlotte Klonk, Professorin für Kunst und Neue Medien, die unter anderem auf Terrorbilder spezialisiert ist (Humboldt-Universität Berlin), eine öffentliche keynote lecture mit dem Titel "Opfer- statt Täterbilder. Aber wie und welche?". Der Vortrag findet ebenfalls im Margarete-Bieber-Saal statt. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!
Die vier Betrachtungen am Freitag, 4. Mai 2018, beschäftigen sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Konventionen sowie deren Darstellbarkeitsgrenzen.

Veranstaltet wird der Workshop im Rahmen der ZMI-Sektion 1 und der Ludwig Börne-Professur. Er wird von Prof. Claudia Hattendorff und Prof. Ansgar Schnurr vom Institut für Kunstpädagogik, Prof. Sigrid Ruby vom Institut für Kunstgeschichte sowie Prof. Claus Leggewie, Ludwig-Börne-Professur der JLU, organisiert.

Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.

(25.04.2018, Katharina Monaco)

Videomitschnitt Jamaika-Kater? online

Podiumsdiskussion: Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017 - Videomitschnitt jetzt auf YouTube

Die Sondierungsgespräche zur Bildung der neuen Bundesregierung auf der Grundlage einer "Jamaika"-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Bündnis'90/Die Grünen sind spektakulär gescheitert.  Unter dem Titel Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017 fand am 26. Oktober 2017 an der JLU Gießen eine Podiumsdiskussion statt, die sich dem Ausgang der Bundestagswahl widmete. Auf dem Podium diskutierten Prof. Sigrid Roßteutscher (Goethe Universität Frankfurt), Stefan Krabbes (Politblogger), Maria Fiedler (Tagesspiegel), Matthias Hartl (pollytix strategic research GmbH) und Prof. Dorothée de Nève (Justus-Liebig-Universität Gießen & ZMI-Sektion 1). Prof. Simone Abendschön (Justus-Liebig-Universität Gießen & ZMI-Sektion 1) moderierte die Diskussion. Die Rednerinnen und Redner sowie das Publikum ahnten noch nichts vom Ausgang der Koalitionsverhandlungen. Um die Bundestagswahl vom 24. September 2017 besser zu verstehen bietet die Debatte zum Jamaika-Kater wichtige Ansätze und Ideen. Wie lässt sich der Erfolg der AfD erklären? Welche Rolle spielt die Digitalisierung in der modernen Politik? Oder ganz allgemein: Wie ist dieses Wahlergebnis zu deuten? Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie im Videomitschnitt der Veranstaltung.

 

Aktuelle Wege der Regierungsbildung - Chancen und Herausforderungen

Welche Optionen gibt es aktuell zur Regierungsbildung und was sind die Chancen und Herausforderungen? Über diese Fragen kann am Donnerstag, 7.12.2017 im AStA der Uni Gießen, Alter Steinbacher Weg 44, Raum 011, diskutiert werden. Prof. Dorothée de Nève (Stellv. Geschäftsführende Direktorin des ZMI) wird zunächst eine Einführung in das Thema geben und die verschiedenen Optionen der Regierungsbildung vorstellen, um dann in eine gemeinsame Diskussion überzugehen. Weitere Informationen finden Sie hier.

(29.11.2017, Max Stümpel/6.12.2017, Katharina Monaco)

 

Dorothée de Nève im Livestream über soziale Ungleichheit und politische Partizipation

Dorothée de Nève im Livestream über soziale Ungleichheit und politische Partizipation

Prof. Dr. Dorothée de Nève
Dorothée de Nève Foto: ZMI
Die Wahlbeteiligung in Deutschland befindet sich in einem Abwärtstrend: Nichtwählerinnen und Nichtwähler bilden inzwischen bei vielen Urnengängen die stärkste Gruppe. Je größer die soziale Ungleichheit, desto geringer die Wahlbeteiligung. Ist die Demokratie in Gefahr?

Dieser Frage widmet sich Prof. Dorothée de Nève IfP, Professur für das Politische und Soziale System Deutschlands und Vergleich politischer Systeme/Stellv. Geschäftsführende Direktorin des ZMI. In ihrem Vortrag setzt de Nève aktuelle Forschungsergebnisse zur niedrigen Wahlbeteiligung mit politischer Partizipation in Bezug.

Der Vortrag kann am Montag, 4.12.2017 ab 18 Uhr im Livestream der Bundeszentrale für politische Bildung über Facebook verfolgt werden. Weitere Informationen finden Sie hier. Wer den Vortrag verpasst hat, kann sich die Aufzeichnung hier anschauen.

(1.12.2017, Katharina Monaco)

"Wir müssen wissen was sie antreibt" - Bericht zur Podiumsdiskussion Jamika Kater?

"Wir müssen wissen was sie antreibt"

Identitätsprobleme bewegten die AfD. Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl 2017 sucht nach Erklärungen und Lösungen

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Präsident Prof. Joybrato Mukherjee (Foto: ZMI)
Das Wahlergebnis sorgte am Wahlabend der letzten Bundestagswahl bei Vielen für eine Katerstimmung, so Prof. Simone Abendschön vom Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität. Sie moderierte die vom ZMI und dem Institut für Politikwissenschaft initiierte und von ZMI und Präsidium geförderte Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? Nachlese zur Bundestagswahl, die am Abend des 26.10. in der Aula des Hauptgebäudes der JLU stattfand und von gut 100 Gästen besucht war. Der Einzug der AfD in den Bundestag ist sicherlich ein Grund für diese Katerstimmung. Auch der Präsident der JLU, Prof. Joybrato Mukherjee adressierte diesen in seinem einleitenden Grußwort: "Ich glaube wir unterschätzen das Phänomen". Die AfD werde oft lediglich mit unterschiedlichen Themen, wie einer Flüchtlings- oder Rentenpolitik und Unzufriedenheit oder Protest verbunden. "Durch Sprache signalisieren wir den Wunsch nach Zugehörigkeit oder Distanz. Wir bilden durch Sprache unsere Identität." Wer die AfD und ihre Sprache wählte, habe mitunter, so der Präsident, versucht sich selbst Identität zu geben, indem andere pauschal als ein Problem markiert worden sind. Für die Politikwissenschaft, die an der JLU gute und aktive Forschung betreibe, gälte es nun und in Zukunft dieses Wahlergebnis in einer langfristigen Entwicklung zu verorten und zu erklären.

Die AfD war auch eines der Themen, mit denen sich die Podiumsgäste beschäftigten. Schon im Wahlkampf sei die AfD, so der Politikberater Matthias Hartl, ohne Not von den anderen Parteien und den Medien großgemacht worden. Auch an diesem Abend war von großem Interesse, wie man mit der taktischen Skandal-Politik und immanenten Opferrolle einer AfD umzugehen habe. Lösungsansätze wurden dabei aber nicht ohne den Blick auf die anderen Parteien, ihren Wahlkampf, ihre Zukunftsperspektiven und das Phänomen der steigenden Wahlbeteiligung erarbeitet.

Auch die Politikkorrespondentin Maria Fiedler, vom Tagesspiegel in Berlin, bestätigt in ihrem Eingangsstatement die Skandalpolitik der AfD. Diese habe es geschafft mit großen Emotionen einen Solidarisierungseffekt in der Bevölkerung zu erzielen. Ob es sich also, so Fiedler, um faire oder nicht faire Berichterstattung handelte: Die AfD war in jedem Fall das selbst gewählte Opfer und bei Teilen der Bevölkerung damit der Gewinner. Sorgen dieser Bevölkerungsteile, dass die etablierten Parteien sie nicht höre und prinzipiell gegen sie arbeitet, seien, so die Journalistin, von der AfD bestätigt und ausgenutzt worden. Damit sei es Aufgabe der Presse gewesen, kritische und informative Berichterstattung zu leisten. Das stellte sich, ohne die Selbstinszenierung der AfD noch anzufachen, als Herausforderung dar.

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Stefan Krabbes, Sigrid Roßteutscher, Simone Abendschön, Maria Fiedler, Matthias Hartl, Dorothée de Nève (v.l.n.r., Foto: ZMI)
Katerstimmung auch bei der SPD. Ihre Niederlage zu erklären, falle der Wahlforschung durchaus schwer. Interessanterweise habe, unter anderem bei der Frage nach Identifikation, auch das Problem der SPD gelegen. So meint Sigrid Roßteutscher, Professorin an der Goethe-Universität Frankfurt, die SPD sei die einzig wahre Volkspartei: "Jeder kann die SPD wählen. Es kann sie aber auch jeder nicht wählen."

Darüber, dass es der SPD insgesamt an Profil, Tiefe und Standfestigkeit, beispielsweise gegenüber Angela Merkel, gefehlt habe, war sich die Podiumsrunde weitestgehend einig. Die SPD gäbe sich zwar selbst gern den Stempel der "Mit-Mach-Partei", so Professorin Dorothée de Nève vom Institut für Politikwissenschaft der JLU (und Stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI). In diesem Wahlkampf habe sie aber ein Personalkarussell gefahren, das nicht für eine partizipatorische Partei spreche. Hätte sich die SPD besser auf sich selbst und ihre Richtung konzentriert, hätte sich das auch weiter auf die Umfragen und Prognosen zur AfD ausgewirkt, so Hartl. Roßteutscher rät der SPD dringend, die Oppositionszeit zu nutzen, um wieder ihr Stammklientel anzusprechen.

Polit-Blogger Stefan Krabbes gab derweil Einblicke in den Online-Wahlkampf der Parteien und seine Perspektiven auf etwaige Koalitionsbündnisse. In diesem Wahlkampf sei zumindest versucht worden, die Vergangenheit zu verarbeiten. Themen für die Zukunft seien dabei kaum gesetzt worden, wie Krabbes darlegt. So sei Angela Merkel für ihr Eingeständnis, dass Digitalisierung und Co. für sie "Neuland" seien zwar vor allem belacht worden. "Aber verdammt nochmal, sie hatte recht." Das sähe man beispielsweise am Haustür-Wahlkampf der CDU, der konventionell lief, aber eben online. So arbeitete die CDU beispielsweise mit Apps, einer hohen Präsenz in sozialen Netzwerken oder sogar einem begehbaren Wahlprogramm in Berlin, mit einer Menge darin enthaltener unterhaltsamer Technikspielereien. Auch die AfD habe von den social Media profitiert, so de Nève: Ohne diese hätte die AfD nicht ein solches Wahlergebnis schaffen können.

Eine der fast zwanzig Fragen aus dem Publikum, formulierte den Wunsch nach mehr Kontakt zwischen PolitikerInnen und BürgerInnen. Wichtig sei hier Kontakt und Dialog zu definieren, so de Nève. Diese Formate habe es zu Hauf gegeben. Auch die CDU habe hier mit Emotionen gearbeitet, das habe man Merkel oft angehört: "Ich nehme das mit." Dies war ein beliebter Antwortsatz ihrerseits, in den viel diskutierten Bürgerdialogen. De Nève findet hier klare Worte bezüglich funktionierender Repräsentation: "Politikerinnen und Politiker sollen sich nicht kümmern. Politik ist kein Sorgentelefon. Politikerinnen und Politiker sollen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten, die sie gewählt haben."

Interessanterweise käme dieses Jahr auf drei bis sieben NichtwählerInnen, die dieses Jahr etablierte Parteien wählten, eine Person, die nun die AfD wählte, so Roßteutscher. Die steigende Wahlbeteiligung sei nicht lediglich ein Phänomen, welches der AfD zu Gute käme. Davon geht Hartl aus. Es sei ein grundsätzlich guter Impuls für eine demokratische Gesellschaft, so de Nève.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und wird in Kürze vom ZMI online gestellt.

 

Presseschau zur vergangenen Veranstaltung Jamaika Kater? - Nachlese zur Bundestagswahl 2017

Podiumsgast Stefan Krabbes fasste den Abend unter dem Titel "Jamaika, Digitalisierung & neue Anforderungen an den Bundestag" auf seinem Blog Stefan Krabbes. Meine Seite für Politik & Kultur zusammen.

Einen ausführlichen Bericht verfasste der Gießener Anzeiger zur spannenden Debatte, der hier nachgelesen werden kann.

Die Gießener Allgemeine Zeitung titelte mit "SPD macht Forscher ratlos" und berichtet darin ebenfalls von der gelungenen Veranstaltung.

(10.11.2017, Marie Niederste-Muthmann)

Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? − Nachlese zur Bundestagswahl

Podiumsdiskussion Jamaika-Kater? − Nachlese zur Bundestagswahl

Das Ergebnis der Wahl zum 19. Bundestag vom 24. September 2017 stellt sowohl mit dem Einzug der AfD als auch mit der Anzahl der in den Bundestag gewählten Parteien eine Zäsur für den deutschen Parlamentarismus dar. Wie geht es jetzt weiter? Mit sieben in den neuen Bundestag gewählten Parteien und neuen Koalitionsoptionen gibt es Gesprächsbedarf, nicht nur für die Politikwissenschaft.

Unter dem Titel Jamaika-Kater? – Nachlese zur Bundestagswahl 2017 findet am 26. Oktober 2017 um 18:00 Uhr s.t. eine Podiumsdiskussion in der Aula der JLU, Ludwigstr. 23, 35390 Gießen statt, die das ZMI in Zusammenarbeit mit dem Institut für Politikwissenschaft (IfP) der JLU in der Reihe Kontroversen veranstaltet.

Auf dem Podium diskutieren Prof. Sigrid Roßteutscher (Goethe Universität Frankfurt und Projektleiterin der German Longitudinal Election Study), der politische Blogger Stefan Krabbes, die Journalistin Maria Fiedler (Tagesspiegel), der Politikberater Matthias Hartl (pollytix strategic research gmbh) sowie die Politikwissenschaftlerin Prof. Dorothée de Nève (ZMI/IfP). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Diskussionsrunde werden unter anderem Motive und Präferenzen der Wählerinnen und Wähler sowie die Wahlbeteiligung beleuchten. Auch die Verläufe und Strategien der Wahlkämpfe sollen noch einmal im Fokus stehen. Zudem werden aktuelle Fragen rund um die nun anstehende Regierungsbildung und mögliche Ausstrahlungseffekte angesprochen. Nach kurzen Inputs des Podiums besteht Gelegenheit zu einer offenen Debatte. Moderiert wird die Veranstaltung von Prof. Simone Abendschön (IfP). Prof. Joybrato Mukherjee, Präsident der JLU, wird mit einem Grußwort in die Diskussion einführen.

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Facebook-Seite des ZMI.

(9.10.2017, Katharina Monaco)

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Neuerscheinungen

Neuerscheinungen
  • Hergenhan, Jutta / Auth, Diana / Holland-Cunz, Barbara (Hg.) (2017): Gender and Family in European Economic Policy. Developments in the New Millennium. Basingstoke: Palgrave Macmillan.
  • Langenohl, Andreas / Schober, Anna (Hg.) (2016): Metamorphosen von Kultur und Geschlecht. Genealogien, Praktiken, Imaginationen. Paderborn: Fink.
  • Langenohl, Andreas / Hahn, Kornelia (2016): Kritische Öffentlichkeiten - Öffentlichkeiten in der Kritik. Wiesbaden: Springer VS.
  • Langenohl, Andreas (2014): „Scenes of Voting: Reactions to the Swiss Referendum on the Ban on the Construction of Min-arets (2009) in Switzerland and Germany.“ In: Claudia Wiesner/Meike Gleim (eds.): The Meanings of Europe: Changes and Exchanges of a Contested Concept. London/New York: Routledge, 179-193.
  • Bröchler, Stephan / Grunden, Timo (Hg.) (2014): Informelle Politik. Konzepte, Akteure und Prozesse. Wiesbaden: Springer VS.
  • Langenohl, Andreas / Wetzel, Dietmar (Hg.) (2014): Finanzmarktpublika. Moralität, Krisen und Teilhabe in der ökonomischen Moderne. Wiesbaden: Springer VS.
  • Greschke, Heike (2014): „‚Mein Smartphone ist mein Schatz.‘ Intimität in transnationalen Familien.“ In: Kornelia Hahn (Hrsg.): E<3Motion. Intimität in digitalen Medienkulturen. Wiesbaden: Springer VS.
  • Greschke, Heike (2014): „The social facts of global warming: an ethnographic approach.“ In: Heike Greschke / Julia Tischler (Hrsg.): Grounding Global Climate Change: Contributions from the Social and Cultural Sciences. Dordrecht: Springer.