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Call for Papers Femina Politica

Call for Papers Femina Politica

 

Aktueller Call for Papers der FEMINA POLITICA Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft. Es wird um die Einsendung von Abstracts bis zum 30. November 2020 gebeten. Für weitere Details, siehe unten.

 

For an english version of the call for papers see here


Schwarze Feminismen (Arbeitstitel)


Schwarze feministische Theorien und aktivistische Perspektiven aus politischen Kämpfen sind so alt wie feministische Bewegungen insgesamt. Cécile Fatiman, Sojourner Truth, Yaa Asantewaa, Ida B. Wells, Claudia Jones u.a. nannten sich selbst nicht ‚Feministin’ und doch traten sie für die Abschaffung und Überwindung von Versklavung (Abolitionismus) und Kolonialismus, gegen Rassismus und Kapitalismus sowie für Geschlechtergerechtigkeit und internationale Solidarität ein. Vor diesem Hintergrund kritisierten und analysierten afrikanische und afrodiasporische Aktivist*innen unter Einbezug geteilter Kämpfe und verschiedener Wissensbestände die Verschränkungen gesellschaftlicher Herrschafts- und Unterdrückungsverhältnisse. Auch innerhalb US-amerikanischer feministischer Bewegungen ab den 1970er-Jahren, waren es Schwarze Feminist*innen wie u.a. das Combahee River Collective und Patricia Hill Collins, die forderten, das strukturelle Ineinandergreifen und die Verwobenheit von gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen zu thematisieren. In vielen Teilen der Welt haben sich Schwarze Feminist*innen und Women* of Color gegen Kolonisierung zur Wehr gesetzt, sind neokolonialen Bestrebungen, Militarismus und Extraktivismus entgegen getreten und in post-/dekolonialen und transnational-feministischen Analysen zur Kritik von globalen ökonomischen, ökologischen, rassifizierten und vergeschlechtlichten Ungleichheits- und Ausbeutungsverhältnissen prominent vertreten. Auch im deutschsprachigen Kontext haben Schwarze Feminist*innen auf das Zusammenspiel unterschiedlicher Herrschaftsdimensionen aufmerksam gemacht. Es gelang ihnen aufzuzeigen, wie stark Nachwirkungen von Kolonialismus und Rassismus gesellschaftliche Strukturen und Institutionen (v.a. auf dem Arbeitsmarkt, in Akademie, Forschung und Lehre, in Bildungs-, Gesundheits- und Sozialpolitik, im rechtlichen Bereich) sowie den Nexus von Begehren, Geschlecht und Sexualität prägen und damit auch Erfahrungen Schwarzer Frauen* wesentlich strukturieren. Sie zeigten zudem, wie Rassismus auch die neuen Frauen*bewegungen in Deutschland, den USA und weiteren Ländern durchzieht und feministische Ansätze (zu u.a. Reproduktionsarbeit, Selbstbestimmung und Anti-Gewalt Arbeit) wurden grundlegend nach ihren Kompliz*innenschaften und Leerstellen befragt und herausgefordert. Dabei sind Schwarze feministische Theorien und Aktivismen nicht auf bestimmte Orte begrenzt, vielmehr werden sie durch transnationale Verbindungen, Bewegungen, Kämpfe, Imaginationen und Visionen auch außerhalb des ‚Westens‘ geprägt. Das Verhältnis zwischen politischer Praxis und Wissenschaft von Schwarzen Feminismen ist dabei verschränkt bzw. relational zu denken: Einsichten und Erkenntnisse aus politischen Bewegungen bzw. Aktivismus fließen grundlegend in Theorieproduktionen ein, hinterfragen, verändern und erweitern diese, gleichzeitig fließen Theorieansätze als komplementäres Wissen in die Analysen und alltäglichen politischen Konflikte, Kontroversen und Auseinandersetzungen. Dabei entfalten Schwarze Feminismen emanzipatorische Potentiale für eine praktische Veränderung von Gesellschaften. Trotzdem sind Schwarze feministische Archive, Theoriebestände, Reflexionen und Analysen im deutschsprachigen wissenschaftlichen Kontext relativ marginalisiert und werden kaum zur Kenntnis genommen. Das Paradigma der Intersektionalität, die Frage von Tripple Oppression oder post- und dekoloniale feministische Perspektiven haben nur langsam, teilweise depolitisiert und mit vielen Ausblendungen Eingang in deutschsprachige feministische Theorieentwicklungen und Diskussionen gefunden. Hingegen erhalten abolitionistische Perspektiven und Kritik an racial gendered capitalism, afro-pessimistische Ansätze, Womanism, Schwarze queere Theorien, Schwarze feministische Geographien, transformative und reproductive justice, Ansätze zu fugitivity oder Kreolisierung weiterhin nahezu keine Beachtung. Das Schwerpunktheft interveniert in die vorhandenen Lücken und Ausblendungen. Ziel des Heftes ist es, Themen, Debatten, Positionen, Interventionen, Kämpfe und Bewegungen entlang eines breiten Spektrums Schwarzer feministischer Theorien aus der globalen afrikanischen Diaspora (z.B. African Feminisms and Womanisms, Afro-brasilianische Theorien und Aktivismen, Afro-karibische oder Afro-türkische feministische Ansätze) vorzustellen, freizulegen und bekannt(er) zu machen, damit diese mit Bezug auf die transnationale Dimension Schwarzer Feminismen thematisiert und diskutiert werden können. Dabei sollen auch die unterschiedlichen Herangehensweisen, erkenntnistheoretischen Annahmen sowie politischen Schwerpunktsetzungen für die Analyse, Erforschung und Kritik intersektionaler gesellschaftlicher Verhältnisse deutlich werden. Zugleich ist es uns ein Anliegen, Schwarz-feministische Ansätze, die grundlegend für kritische Gesellschaftstheorie sind, in ihren inhaltlichen Reichweiten und vielfältigen Anknüpfungspunkten innerhalb des deutschsprachigen Raums fruchtbar zu machen. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns über theoretische, empirische sowie methodologische Beiträge und solche, die diese verbinden. Willkommen sind auch Beiträge, die die politische und sozialwissenschaftliche Bedeutung von Kunst, kulturellen sowie ästhetischen Produktionen Schwarzer Feminismen verdeutlichen. Mögliche Ansätze und Themen können sein: 

 

1. Epistemologien, Wissenschaftskritik und Solidaritäten
➢ Black/African queer studies
➢ Afro-Futurismus und futuristische Imaginationen
➢ Afro-pessimistische Ansätze und Theorien
➢ Radikal Schwarze Kritik an Humanismus als Wissenschaftsperspektive
➢ Afro-diasporische Perspektiven auf transnational-feministische Solidarität (z.B. zwischen ‚westlichen’ und afrikanischen, karibischen, südamerikanischen Perspektiven).

 

2. Reproduktion, Gesundheit und Affekte
➢ Schwarz-feministische Perspektiven auf Care-/Gesundheits-/Liebesarbeit (Schwarze Körper als ‚ungrievebale bodys’)
➢ Soziale Reproduktion und Reproduktive Gerechtigkeit (reproductive justice)
➢ Affekttheoretische Perspektiven
➢ Black disability studies
➢ Medizinischer Rassismus, Kämpfe um global health justice (z.B. infolge der Corona Krise).

3. Staat, Ökonomie und Sicherheit
➢ Schwarze feministische Perspektiven und Kämpfe zu Polizei, Gefängnissen, Grenz- und Deportationsregimen, Bio- und Nekropolitiken
➢ Schwarze feministische Theorien zu racial capitalism und internationaler politischer/postkolonialer Ökonomie
➢ Kritik an Militarismus, Versicherheitlichung und geopolitischen Konjunkturen
➢ Schwarze feministische Analysen von Demokratie und postkolonialer Staatlichkeit
➢ Feminismen des Schwarzen Mittelmeers, Flucht und Migration, Schwarz-feministische Geographien.

4. Erinnerungspolitiken, Bildung und Weltbürger*innenschaft
➢ Genozid, (Post-)Konflikt-Situationen, Frieden und transitional justice-Modelle
➢ Erinnerungspolitiken und Storytelling
➢ Bildungstheorie, -philosophie und Subjektkritik
➢ Post- und dekoloniale Perspektiven auf Bildung, World-Citizenship und Globale Positionalität und daraus folgende globale Gerechtigkeit.

5. Ökologie, (neue) Technologien und Digitalisierung
➢ Intersektionale Ungleichheiten innerhalb von big data, Computerisierung und Digitalisierung
➢ Black digital and cyber feminism
➢ Klimaschutz und ökologische Gerechtigkeit, Kämpfe gegen intersektionalen Umweltrassismus
➢ Capitalocene und Schwarz-feministische Kritik am Anthropozentrismus und Anthropozän.

Abstracts und Kontakt
Der Schwerpunkt wird inhaltlich von Denise Bergold-Caldwell, Christine Löw und Vanessa E. Thompson betreut. Wir bitten um ein- bis zweiseitige Abstracts bis zum 30. November 2020 an bergoldc@staff.uni-marburg.de, loew@em.uni-frankfurt.de und thompson@europa-uni.de oder an die Redaktionsadresse redaktion@femina-politica.de. Die Femina Politica versteht sich als feministische Fachzeitschrift und fördert wissenschaftliche Arbeiten von Frauen* in und außerhalb der Hochschule. Speziell in diesem Heft werden inhaltlich qualifizierte Abstracts von mehrfach marginalisierten Frauen* und nicht-binären Personen bevorzugt.

Abgabetermin der Beiträge
Die Schwerpunktverantwortlichen laden auf der Basis der eingereichten Abstracts bis zum 15. Dezember 2020 zur Einreichung von Beiträgen ein. Der Abgabetermin für die fertigen, anonymisierten Beiträge im Umfang von 35.000 bis max. 40.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Literatur) ist der 15. März 2021. Die Angaben zu den Autor*innen dürfen ausschließlich auf dem Titelblatt erfolgen. Alle Manuskripte unterliegen einem Double Blind Peer Review-Verfahren. Pro Beitrag gibt es ein externes Gutachten (Double Blind) und ein internes Gutachten durch ein Redaktionsmitglied. Ggf. kann ein drittes Gutachten eingeholt werden. Die Rückmeldung der Gutachten erfolgt bis spätestens 15. Mai 2021. Die endgültige Entscheidung über die Veröffentlichung des Beitrags wird durch die Redaktion auf Basis der Gutachten getroffen. Der Abgabetermin für die Endfassung des Beitrags ist der 15. Juli 2021


Offene Rubrik Forum
Neben dem Schwerpunktthema bietet die Rubrik Forum die Gelegenheit zur Publikation von Originalmanuskripten aus dem Bereich geschlechtersensibler Politikwissenschaft (Beiträge im Umfang von 20.00 bis max. 25.000 Zeichen), die zentrale Forschungsergebnisse zugänglich machen oder wissenschaftliche Kontroversen anstoßen. Vorschläge in Form von ein- bis zweiseitigen Abstracts erbitten wir an die Redaktionsadresse redaktion@femina-politica.de. Die endgültige Entscheidung wird auf der Basis des Gesamttextes getroffen.


Femina Politica
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Kontakt: redaktion@femina-politica.de

(13.10.2020, Tillmann Schorstein)

Ein Beitrag von Dr. Jutta Hergenhan im „Wörterbuch Politikunterricht"

Ein Beitrag von Dr. Jutta Hergenhan im „Wörterbuch Politikunterricht"

 

Wörterbuch Politikunterricht

 

Das „Wörterbuch Politikunterricht“ ist erschienen, das zahlreiche Begriffe und Konzepte beinhaltet, die für den Politikunterricht relevant sind. Lehrkräfte können sich mit diesem breiten Spektrum an Begriffen zu Themen der Politik und ihrer Didaktik einen schnellen Überblick verschaffen. Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI und Sprecherin der Sektion „Medien und Gender“, hat in diesem Wörterbuch einen Beitrag zu „Gender“ verfasst. 

 

Auf das Wörterbuch wurde u.a. im aktuellen Newsletter der Berliner Landeszentrale für politische Bildung aufmerksam gemacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(02.09.2020, Anette Feller)

Die Notwendigkeit einer feministischen Analyse der Corona-Krise. Ausgangspunkte für eine demokratische, solidarische und intersektionale Gesellschaftsvision

Die Notwendigkeit einer feministischen Analyse der Corona-Krise. Ausgangspunkte für eine demokratische, solidarische und intersektionale Gesellschaftsvision

12.06.2020


Appell der Sektion Politik und Geschlecht in der DVPW zum (wissenschafts-)politischen Umgang mit der COVID 19-Pandemie

 

Feministische Politikwissenschaft versteht sich von jeher als gesellschaftskritische und demokratisierende Kraft. Ihr Einsatz ist das Sichtbarmachen von multiplen Macht- und Herrschaftsverhältnissen, die auch in auf Gleichheit verpflichteten Demokratien fortwirken. Aus dieser Perspektive zeigen sich die in der aktuellen „Corona-Krise“ offensichtlich werdenden Ungleichheiten als Zuspitzungen von Widersprüchen, die bereits die gesellschaftliche „Normalität“ vor der Pandemie geprägt haben. Das Coronavirus trifft uns nicht alle gleich. Im Gegenteil: Die Corona-Krise hat (auch) ein Geschlecht. In der politischen Bewältigung der Krise offenbart sich brennglasartig die Hartnäckigkeit vergeschlechtlichter Ungleichheiten in ihren intersektionalen Verschränkungen mit anderen Machtverhältnissen, die höchst unterschiedliche Formen von Verletzlichkeit produzieren. Dieser Problemlage steht jedoch die Privilegierung dominanter maskuliner, weißer Perspektiven in der Interpretation der Pandemie gegenüber, die in den Medien, der Wissenschaft, in Politik und Öffentlichkeit zum Ausdruck kommt. Aufgrund dieser Schieflage, die selbst schon Ausdruck gesellschaftlicher Ungleichheit ist, fordern wir einen wissenschaftlichen wie politischen Umgang mit der Pandemie, der miteinander verschränkte Ungleichheitsverhältnisse systematisch berücksichtigt und feministische und andere gesellschaftskritische Perspektiven zum notwendigen Ausgangspunkt für eine demokratische und solidarische Bewältigung der Krise macht.

 

1. Das Geschlecht der Corona-Krise und der Krisendiagnosen

Frauen* sind von der Corona-Pandemie und den damit verbundenen politischen Maßnahmen in besonderer Weise betroffen, z. B. durch die Feminisierung und Migrantisierung systemrelevanter und zugleich meist unterbezahlter oftmals prekärer Formen von Lohnarbeit (z.B. Krankenschwestern, Pflege- und Betreuungskräfte, Kassiererinnen, Reinigungskräfte), die fortwirkenden Gehaltsunterschiede für gleichwertige Tätigkeiten, die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgetätigkeiten, die Zunahme häuslicher und sexualisierter Gewalt, die unzureichende medizinische Versorgung, die Einschränkung sexueller und reproduktiver Rechte (sicherer Schwangerschaftsabbruch und selbstbestimmte Geburt) oder Ernährungsunsicherheit in Ländern des Globalen Südens. Damit werden national wie global erzielte gleichstellungspolitische Erfolge um Jahre zurückgeworfen und neue Ungleichheiten produziert.

Diese intersektional vergeschlechtlichten Dimensionen der Covid-19-Pandemie werden allerdings wenig diskutiert. Stattdessen dominieren in der medialen Berichterstattung sowie in den die Deutsche Bundesregierung beratenden Expertengremien zum Umgang mit der Pandemie Perspektiven, die hinsichtlich 2 geschlechtlicher, sexueller, rassistischer, klassistischer und ableistischer Diskriminierung privilegiert sind. Zudem ist die Publikationstätigkeit von Wissenschaftlerinnen* seit Beginn der Pandemie nachweislich deutlich zurückgegangen, was auf eine ungleiche Belastung durch Erwerbs- und Fürsorgearbeit und die prekäre Verankerung von Wissenschaftler*innen in der Akademie verweist. Auch globale Ungleichheiten im Wissenschaftsbetrieb werden durch die Krise und die unterschiedlichen staatlichen Ressourcen als Reaktion verschärft, mit unterschiedlichen Auswirkungen auf Forschungsmöglichkeiten und Meinungsfreiheit.

Unter der Behauptung von universeller Expertise und epistemischer Souveränität schreiben sich so in einer dramatischen gesamtgesellschaftlichen Ausnahmesituation hegemoniale Weltsichten und Wissensformen in die Bewältigung der Krise ein. Diese bilden weder die gesellschaftliche Wirklichkeit einer pluralen Gesellschaft ab noch berücksichtigen sie die unterschiedlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen auf sozial unterschiedlich positionierte Gruppen. In der Folge werden schon vor der Covid-19-Pandemie bestehende soziale Ungleichheiten exponentiell verschärft.

 

2. Marginalisierungen und die Agenda der Sozialwissenschaften: Ohne feministisches Wissen können die Krise und ihre Ursachen nicht verstanden werden

Nach den Virolog*innen melden sich nun vermehrt auch Sozialwissenschaftler*innen zu Wort. Dabei wird in evidenter Weise auf Themen wie Körper, Verletzbarkeiten, Alltag, Sorge, Solidaritäten und rechtliche sowie moralische Normalitäten einer Gesellschaft Bezug genommen. Hier handelt es sich um Thematiken, die bereits lange vor der Covid-19-Pandemie in Schwarzen feministischen, queeren, post- und dekolonialen Debatten und den disability studies systematisch untersucht wurden. So haben postkolonial-feministische Ansätze beispielsweise die negativen Folgen kapitalistischer Globalisierung v.a. für Frauen* durch Verarmung, Gewalt, eingeschränkte politische Beteiligung herausgearbeitet. Ebenso wurde seit langem auf die Gefahren der Neoliberalisierung von Carearbeit und Gesundheitsversorgung hingewiesen. Darüber hinaus haben postkoloniale, queer-feministische Theoretiker*innen den westlich-liberalen Individualismus in vielfältiger Weise problematisiert und argumentiert, dass eine demokratische Ordnung Verwundbarkeit und Relationalität zu ihrem Ausgangspunkt nehmen muss.

Zugleich enthalten feministische intersektionale Praxen und Wissensproduktionen bereits mannigfaltige innovative Antworten für die demokratische Bewältigung von Krisen, aus denen auch in der Covid-19-Pandemie gelernt werden könnte. So haben feministische Analysen und feministische Organisationen im Globalen Süden gezeigt, wie Nahrung insbesondere an benachteiligte Frauen* und Mädchen durch lokale Netzwerke verteilt wird, wie Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Frauen und LGBTI*Q-Personen erfolgt und wie reproduktive Selbstbestimmung für Frauen* und LGBTI*Q-Communities zur sicherzustellen ist. Ökosozialistische Feminist*innen stellen Praxen und Wissen für eine nachhaltige und emanzipatorische Gestaltung gesellschaftlicher Naturverhältnisse bereit, die nicht auf Raubbau, Extraktivismus und Zerstörung des Planeten ausgerichtet sind. In Kämpfen und wissenschaftlichen Analysen haben Schwarze und behinderte Feminist*innen deutlich gemacht, dass es den Grundsätzen demokratischer Gesellschaften diametral entgegensteht, bestimmte Körper oder Leben als entbehrlich zu betrachten. Feministische Makroökonom*innen haben einen umfassenden Wissensfundus für eine grundlegende Demokratisierung der Wirtschaft erarbeitet, die die Privatisierung von Gesundheit, Nahrung und Bildung überwindet und (Für-)Sorge ins Zentrum stellt. Die gegenwärtige Hinwendung der Sozialwissenschaften zu genuin feministischen Themen im Kontext der „Corona-Krise“ ignoriert weitgehend diese feministischen, queer-theoretischen, post- und dekolonialen, ability- sowie kapitalismuskritischen Ansätze und schreibt paradoxerweise auch in Zeiten, in denen deren Relevanz besonders augenscheinlich wird, deren Marginalisierung fort. Zusätzlich führt die Ausblendung des Wissensarchivs über Geschlechterungleichheit, Rassismus, Postkolonialismus, Heteronormativität, Klassenverhältnisse und ability-Zentriertheit zu einer Verengung der Analysen und der daraus folgenden politischen Empfehlungen. Wenn sozialwissenschaftliche Gegenwartsdiagnosen zur demokratischen Bewältigung beitragen wollen, ist es unabdingbar, geschlechtersensibles intersektionales Wissen systematisch zu berücksichtigen.

 

3. Plädoyer für feministische Gesellschaftsentwürfe: Für eine vielstimmige demokratische und solidarische Überwindung der Corona-Krise

Aus der Perspektive feministischer Gesellschaftskritik plädieren wir dafür, dass ein nachhaltiger Ausgang aus der gegenwärtigen Krise nicht in einer schnellstmöglichen Rückkehr zur „Normalität“ bestehen kann. Diese war bereits vor Corona von intersektionaler Ungleichheit, Diskriminierung, Gewalt und einem destruktiven Umgang mit Körpern, Verletzbarkeiten und Ökologie geprägt. Was in der Corona-Krise notwendiger denn je ist, sind Visionen für eine demokratische und solidarische Gesellschaft für alle, in der aktiv auf die Abschaffung ungleicher Geschlechterverhältnisse sowie anderer Formen sozialer Ungleichheiten hingewirkt wird. Das Nachdenken über gesellschaftliche Alternativen gewinnt nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines Erstarkens autoritärer, rechter und verschwörungsideologischer Kräfte besondere Bedeutung. Für die konkrete Ausgestaltung einer demokratischen und solidarischen Politik ist eine Pluralität wissenschaftlicher Analysen und Reflexionen ebenso notwendig wie das reiche Erfahrungswissen sozialer Bewegungen und zivilgesellschaftlicher Initiativen. Bestandteil von Politik, Medien und Wissenschaft muss daher die substanzielle Vielstimmigkeit kollektiver Expertisen, Wissensformen und Forschungsergebnisse über mögliche Wege zu einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft jenseits der Covid 19-Pandemie sein. Nur so kann die „Corona-Krise“ demokratisch, solidarisch und intersektional bewältigt werden.

 

Quellen: "Gender and COVID-19 Working Group: Gender and COVID-19 Resources"

Postscript: Aus gegebenem politischen Anlass in Folge der Ermordung von George Floyd am 25.05.2020 in Minneapolis/USA und der weltweiten Demonstrationen von #blacklivesmatter gegen Rassismus und Polizeigewalt verweisen wir auf das von der Sektion Politik und Geschlecht in der DVPW mitverfasste Statement: FÜR DEN AUSBAU DISKRIMINIERUNGS-UND GEWALTKRITISCHER STRUKTUREN: Stellungnahme und Forderungskatalog kritischer Wissenschaft und Politischer Bildung in Zeiten von rassistischer und antisemitischer Gewalt und extrem rechtem Terror vom 9.3.2020

 

(Tillmann Schorstein, 20.08.2020)

Warmlaufen der Männer statt Siegerehrung der Frauen - Klare Positionierung der ARD im DFB-Pokalfinale 2020

Warmlaufen der Männer statt Siegerehrung der Frauen - Klare Positionierung der ARD im DFB-Pokalfinale 2020

 

Am Samstag, den 04. Juli 2020, wurde ein neues Kapitel geschrieben: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg gewannen mit 7:5 im Elfmeterschießen gegen die SGS Essen das Finale im DFB-Pokal der Frauen. Ein neues Kapitel kann nach diesem Tag auch dem Buch „Fußball verbindet – durch Ausgrenzung“ (2013) hinzugefügt werden. Die Autorin Nina Degele spricht darin vom „Draußenhalten“ von  Homosexualität, von Ethnizität und von Geschlecht. Vom Naturalisieren von Stereotypen und struktureller Diskriminierung. Und, ja, auch von den Medien.

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Foto: Sophie Engelen

Am 04. Juli 2020 übertrug die ARD das Spiel. Es sollte eines der hochklassigsten und dramatischsten Pokalfinale aller Zeiten werden. Bereits nach 12 Sekunden erzielte Lea Schüller das 1:0 für die Essenerinnen und damit das schnellste Tor in der Geschichte des DFB-Pokals der Frauen. Nach spannenden 90 Minuten stand es 3:3 und erst nach torloser Verlängerung konnte sich der Favorit aus Wolfsburg im Elfmeterschießen durchsetzen. Danach: Freudentaumel, Konfettikanonen und knallende Sektkorken! Nehmen wir an. Nach Aussage der ARD gab es keinen Spielraum mehr. Für sie. Die Siegerehrung auszustrahlen. Stattdessen wurde geswitcht, zur Vorberichterstattung der Männer.

 

Über den Microblogging-Dienst Twitter reagierten die Fans sofort und kritisierten die ARD scharf. Vor dem Hintergrund, dass Frauen im Sport, besonders im Fußball, seit Jahrzehnten strukturell diskriminiert werden und die Medien selbst in jüngerer Vergangenheit keine rühmliche Rolle im Hinblick auf eine Gleichstellung der Geschlechter spielten, ist diese                                                                                                                                                                                      

Entscheidung der ARD mindestens als unüberlegt, wenn nicht als grob fahrlässig zu betrachten. In Erinnerung gerufen sei der Werbespot des ZDF zur Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2013, der den Körper einer trainierten jungen Frau im Deutschland-Trikot zeigt, die einen Fußball geschickt in einer Waschmaschine versenkt – ohne ihren Kopf mit ins Bild zu nehmen – um sie abschließend auf der laufenden Waschmaschine posieren zu lassen.[1]

  

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Tweet zur ARD Übertragung. Foto: Sophie Engelen

Dabei ist gerade das DFB-Pokalfinale der Frauen eine Erfolgsstory: Seit 2010 wird es – organisatorisch unabhängig vom Finale der Männer – als eigenständige Veranstaltung im Kölner Rheinenergiestadion ausgetragen. Damit ist es seinen Status als ‘schmückendes Beiwerk’ des Finals der Männer im Berliner Olympiastadium endgültig losgeworden: Für die teilnehmenden Vereine winkt eine hohe Prämie des DFB und das Publikum ist mit über 17.000 Zuschauer*innen weitaus größer als zu Liga-Partien der Frauen-Bundesliga. Und auch das diesjährige Pokalfinale, das aufgrund der Corona-Pandemie vor leeren Rängen stattfinden musste, stieß mit fast 2,7 Mio. Zuschauer*innen und einem Marktanteil von 18,2 %[2] deutschlandweit auf großes Interesse.

In nunmehr 120 Jahren DFB-Geschichte stand noch nie eine Frau an der Spitze des Fußballverbandes, der die Interessen von mehr als 7 Mio. Mitgliedern und fast 25.000 Vereinen vertritt.[3] Zu der medialen (Re-)Produktion von geschlechtsspezifischer Ungleichheit tritt also das Problem, dass Frauen in Positionen des Sportmanagements nach wie vor unterrepräsentiert sind. Während die Autorinnen diesen Blog-Beitrag verfassten, wurde mit Heike Ullrich der Posten der stellvertretenden Generalsekretärin des DFB weiblich besetzt.[4] Immerhin etwas.

                                          

  

Literatur

Degele, Nina (2013): Fußball verbindet  durch Ausgrenzung. Wiesbaden, Springer VS.

Gugutzer, Robert (2019): „Geschlechtsspezifische Körperpolitiken im Sport. Überlegungen im Anschluss an Michel Foucaults Machttheorie.“ In: Hunger, Ina; Zweigert, Maika & Kiep, Peter (2019) (Hrsg.), Geschlechter  Wissen Macht  Körper. Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf Sport und leibliche Praxen. Berlin, LIT Verlag, 23–35.



[1] Für die Diskussion dieses und weiterer Beispiele siehe auch Gugutzer 2019, 29f.

[2] https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/dfb-pokalfinals-in-ard-tv-aerger-bei-frauen-und-geringe-quote-16846707.html)

[3] https://www.dfb.de/verbandsstruktur/mitglieder/ 

[4] https://www.dfb.de/news/detail/heike-ullrich-ist-neue-stellvertretende-generalsekretaerin-des-dfb-217287/



(08.07.2020, Sophie Engelen, Dinah Leschzyk)

Hessische Allgemeine: Dr. Jutta Hergenhan zur Debatte um Donaulied

Hessische Allgemeine: Dr. Jutta Hergenhan zur Debatte um Donaulied

In der Hessischen Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 8. Juni 2020 äußert sich Dr. Jutta Hergenhan, die Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, zur Sexismus-Debatte um das Donaulied, die von Student*innen angestoßen wurde. Die Passauer Studentin Corinna Schütz startete eine Petition gegen das Donaulied, welche bislang 30 000 Unterstützer hat (Stand 7. Juni). Die Version des Liedes, in der es um die Vergewaltigung und anschließende Verhöhnung eines Mädchens geht, wird auf Volksfesten oft gesungen. Die Debatte soll einen Denkanstoß anstoßen, um die Verherrlichung sexueller Gewalt in Liedern zu hinterfragen. Schließlich ist das Donaulied kein Einzelfall. Es gibt auch eine Gegenpetition und Kritiker, die die "Kunstfreiheit" fordern und das Donaulied als "Kulturgut" bezeichnen. Doch "Gewaltverherrlichung darf nicht durch die Einordnung als Kulturgut gerechtfertigt werden", so Jutta Hergenhan. Laut Michael Fischer, dem Geschäftsführenden Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Uni Freiburg, könnte diese umstrittene Version des Liedes erst in den letzten Jahrzehnten entstanden sein. Der ganze Artikel kann hier nachgelesen werden.

 

(10.06.2020, Anette Feller)

Interview mit Dinah Leschzyk zum Thema: "Radikale Rhetorik"

IDAHOBIT 2020: Ein Blick auf die Situation von LGBTIQ* in Brasilien von Dinah Leschzyk


Am 17. Mai 1990 beendete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein unrühmliches Kapitel ihrer Geschichte: 

Dinah Leschzyk. Foto: privat.
Dinah Leschzyk. Foto: privat.

An diesem Tag strich sie Homosexualität aus ihrer International Classification of Diseases (ICD). Die diskriminierende Kategorisierung von Trans* änderte die Organisation hingegen erst knapp dreißig Jahre später. Der Kampf um gleiche Rechte geht indes weiter. Ihm ist der 17. Mai, der International Day Against Homo-, Bi-, Inter- and Transphobia (IDAHOBIT), gewidmet. 

Anlässlich des IDAHOBIT 2020 sprach Sarah Bast (Frauenzentrum Mainz e. V.) mit Dr. Dinah Leschzyk (Justus-Liebig-Universität Gießen, Zentrum für Medien und Interaktivität, Sektion Medien und Gender) über die anhaltende Diskriminierung von LGBTIQ*. Im Fokus stand die Rhetorik des amtierenden brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der seine Menschenverachtung ungefiltert zum Ausdruck bringt. Mittel seiner verbalen Diskriminierung sind u. a. dehumanisierende Metaphern, Stigmawörter und Kriegsrhetorik. Daneben gibt Dinah Leschzyk einen Einblick in die queere und feministische Bewegung und zeigt, wie Widerstand in Brasilien aussieht. Das Interview ist abrufbar unter: https://frauenzentrum-mainz.de/die-sprachnachricht-unser-neues-interviewformat/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(28.05.2020, Komla Digoh, Anette Feller)

Internationale Tagung: „Trans*Time in (TV) Series: (Inter)national Projections“

Internationale Tagung: „Trans*Time in (TV) Series: (Inter)national Projections“

 

Die Sektion Medien und Gender des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) und das Institut für Romanistik veranstalteten am 30. und 31. Januar 2020 die internationale Tagung „Trans* Time in (TV) Series. (Inter)National Projections“, die im Margarete-Bieber-Saal der JLU stattfand. Ausgangspunkt dieser Konferenz war die Beobachtung einer deutlichen Zunahme der Sichtbarkeit von Transgender-Personen in den Medien auf internationaler Ebene, insbesondere in Fernsehserien, parallel zu einem wachsenden Trans*-Aktivismus außerhalb und innerhalb der LGTBQI*-Gemeinschaft und einer sozialen Popularisierung und akademischen Legitimierung des Formats der Serie.

Mit Ausnahme weniger investigativer Studien – die sich mit Fernsehen im Allgemeinen und nicht ausschließlich mit Serien beschäftigen – hatte eine systematisch vergleichende und internationale Annährung an die Darstellung von Trans* Personen bisher nicht stattgefunden.

Ferner ist die Mehrheit der akademisch gut rezipierten Studien im US-amerikanischen und britischen Raum erschienen und behandeln englischsprachige Serien, die meistens in den USA produziert wurden. Obwohl in der Tat in englischsprachigen Kontexten quantitativ eine deutliche Zunahme von trans* Figuren in Serien festzustellen ist, heißt dies nicht, dass es in anderen Ländern kein „Trans*Time in (Fernseh-)Serien“ gebe.









Alice Acevedo, Dr. Persson Perry Baumgartinger, Dr. Karine Espineira, Luca Malici, Prof. Eliza Steinbock, international führende Köpfe dieser noch jungen Forschungsrichtung, waren als Gast in Gießen, um im Rahmen einer interdisziplinären, komparatistisch angelegten Tagung über die Darstellung von trans* Personen in portugiesischen, deutschen, französischen, italienischen und US-amerikanischen TV Serien der starken Anglisierung der trans* Studien entgegenzuwirken. Die Arbeitshypothese lautete: die Popularisierung von trans* Personen in kommerziellen Serien führt zu der Verbreitung und Normalisierung von bestimmten Genderverkörperungen, Performances und damit assoziierten Gender- und auch sexuellen Praktiken, die den (leicht) konsumierbaren „good-Trans*“ herstellen und auf den Bildschirmen (inter)national im technologischen, psychologischen und post-modernistisch semantischen Sinne projizieren.

Dr. Karine Espineira (per Übertragung), Dr. Danae Gallo González, Alice Acevedo, Dr. Persson Perry Baumgartinger. Fotos: ZMI
Dr. Karine Espineira (per Übertragung), Dr. Danae Gallo González, Alice Acevedo, Dr. Persson Perry Baumgartinger. Fotos: ZMI

 

Die Tagung war sehr erfolgreich. Hervorzuheben sind die intensiven und fruchtbaren Diskussionen und das aktiv eingebundene Publikum. Die Teilnehmer*innen haben sich besonders mit dem Topos der leidenden, nackten Trans* Figur vor dem Spiegel und der pathologisierenden Rolle dieser Darstellung auseinander gesetzt, die eine Art voyeuristische "pornography of suffering" sei. Dieser Topos sei ein Beispiel dafür, dass – um mit dem Terminus von einem der Teilnehmer der Tagung, Baumgartinger, zu argumentieren – die Darstellung von trans* Personen noch mehrheitlich auf dem Transsexualismus-/Transsexualität-Paradigma aufbaut.

Das Feedback aus dem Publikum fiel besonders positiv aus. Die entspannte, nicht-elitäre und integrative Atmosphäre der Konferenz, die einen wahren Dialog zwischen Forscher*innen aller Generationen und Statusgruppen, Student*innen und dem außerwissenschaftlichen Publikum ermöglichte, wurde besonders geschätzt.

Aussichtsvoll war das feste Versprechen, mit dem die Konferenz endete: die Veröffentlichung eines Buches, das die diskutierten Probleme vertiefen und darüber hinaus gehen soll, um Beispiele von alternativen Darstellungen jenseits des Transsexualismus-/Transsexualität-Paradigmas aufzuzeigen und zu erläutern.

Abschließende Diskussionsrunde der Referent*innen der internationalen Trans*-Tagung. Foto: ZMI
Abschließende Diskussionsrunde der Referent*innen der internationalen Trans*-Tagung. Foto: ZMI

 

 

(07.05.2020, Komla Digoh)

Deutsch-französischer Forschungsantrag zu „Geschlechtergerechte Sprache und Schule“ bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Agence Nationale de la Recherche (ANR) eingereicht

Deutsch-französischer Forschungsantrag zu „Geschlechtergerechte Sprache und Schule“ bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Agence Nationale de la Recherche (ANR) eingereicht

Katrin Lehnen
Prof. Katrin Lehnen. Foto: ZMI

 

In Frankreich und in Deutschland haben Forderungen nach geschlechtergerechter Sprache in den vergangenen Jahren zunehmend zu einer veränderten Sprachpraxis in den Medien und in Institutionen geführt. Gleichzeitig ruft das Thema Widerstand und heftige Debatten hervor. In länderspezifisch je unterschiedlicher Weise werden diese Debatten auch in den  Hochschulen (seit 2013 in Deutschland) und Schulen (seit 2017 in Frankreich) geführt. Die Kontroversen um geschlechtergerechte Sprache als Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter und Sexualitäten wird längst nicht mehr nur von aktivistischen Bewegungen getragen, sondern erfährt institutionellen Rückhalt und öffentliche Anerkennung. Nicht selten ruft das Widerstand gegen die Verbreitung kritischen Wissens und die Infragestellung der bestehenden Geschlechterordnung hervor. Ob und in welcher Weise Schule in diese Debatten involviert ist, zeigt sich im Ländervergleich Deutschland-Frankreich je unterschiedlich – und ist auch auf historische Traditionen, institutionelle Rahmenbedingungen und sprachspezifische Strukturen zurückzuführen. Ausgearbeitet sind diese unterschiedlichen diskursiven Muster bisher nicht. 

 

 

 

Arbeitsergebnisse
Foto: ZMI

Ausgehend von der ZMI-Sektion „Medien und Gender“ erarbeitete eine interdisziplinäre deutsch-französische Gruppe von Wissenschaftler_innen unter der Leitung von Dr. Jutta Hergenhan (Wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, Sprecherin der Sektion „Medien und Gender“, Politikwissenschaft) einen Forschungsantrag zum Thema „Geschlechtergerechte Sprache und Schule“, der im März 2020 in der Förderlinie für deutsch-französische Forschungsprojekte in den Geistes-und Sozialwissenschaften der DFG und der Agence Nationale de la Recherche (ANR) eingereicht wurde. Zum Team der Antragsteller_innen zählen: Prof. Susanne Maurer (stellv. Projektleitung, Erziehungswissenschaft), Dr. Susann Gessner (Vertretungsprofessur Politikdidaktik, beide Universität Marburg), Prof. Katrin Lehnen (Geschäftsführende Direktorin des ZMI, Germanistik und Mediendidaktik), Prof. Hélène Martinez (Sektion „Educational Linguistics“, Romanistik) und Dr. Jutta Hergenhan (alle Universität Gießen, ZMI). Aus Frankreich sind Dr. Gaël Pasquier (Soziologie, Universität Paris Est Créteil), Dr. Marie Loison-Leruste (Soziologie) und Dr. Gwenaëlle Perrier (Politikwissenschaft, beide Universität Paris 13) beteiligt. Das Projekt ist Teil des ZMI-Forschungsschwerpunkts „Literalität und Bildung in der Mediengesellschaft“.

 

Der Antrag konnte dank der finanziellen Unterstützung des Forschungscampus Mittelhessen realisiert werden.

 

(v.l.n.r. hinten): Hélène Martinez (v. hinten), Marie Loison-Leruste, Gaël Pasquier, Dorothee Beck, Jutta Hergenhan, (v.l.n.r. vorne): Susanne Maurer (v. hinten), Gwenaëlle Perrier

(v.l. im Uhrzeigersinn): Prof. Hélène Martinez (v. hinten), Dr. Marie Loison-Leruste, Dr. Gaël Pasquier, Dr. Dorothee Beck, Dr. Jutta Hergenhan, Dr. Gwenaëlle Perrier, Prof. Susanne Maurer (v. hinten)                                                                     Foto: ZMI

 

(30.04.2020, Komla Digoh)

Gastvortrag: "Devalued Feminine Currency: Re-reading Race, Colourism, and Class in Olive Senior's 'Bright Thursdays'"

Gastvortrag: "Devalued Feminine Currency: Re-reading Race, Colourism, and Class in Olive Senior's 'Bright Thursdays'"

feminine currency

 

 

Am 28.11.2019 findet ein Gastvortrag mit Nicole Roberts mit dem Titel "Devalued Feminine Currency: Re-reading Race, Colourism, and Class in Olive Senior's 'Bright Thursdays'" am Philosophikum II in Raum G104 statt. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Berit Beckers, 19.11.2019)

Konferenz: Renegotiating Minoritarian In_Visibilities – englischsprachige, interdisziplinäre Konferenz

Konferenz: Renegotiating Minoritarian In_Visibilities – englischsprachige, interdisziplinäre Konferenz

Plakat_In_Visibilities_Seite_1.jpgParadoxical political developments in the ‘Global North’ – in particular the commercial, capitalist and legal embrace of sexual, gender and racial minorities and the rise of far-right nationalism, with its attendant visible and violent classism, racism, xenophobia, homophobia, and sexism – ask for an urgent renegotiation of minoritarian politics of in__visibilities. Against this backdrop, the international and interdisciplinary conference Renegotiating Minoritarian In__Visibilities will investigate how minoritarian strategies in art and visual culture can undermine hegemonic regimes of representation and challenge the dominant patterns of visibility, assimilation and intelligibility. Considering close connections between academia, art critique/practice and activism, the societal relevance of the conference is grounded in its exploration of aesthetic strategies that counteract processes of discrimination and stereotyping due to gender, sexuality, race, ethnicity, age and further categories of difference.
The three-day conference with its format variety (workshops, artist talk, lecture-performance, keynote lecture, short panel presentations, etc.) will take place on November 12-14, 2019 at the International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) and the Institute for Art Education at Justus-Liebig-University Giessen, Germany. In addition, a kick-off event in the form of a performative presentation including a film screening will be offered on November 11, 2019 in the Margarete-Bieber-Saal.
 
The conference is organised by the Research Area Visual and Material Culture Studies (RA4) of the GCSC.
 
Organisation: Oliver Klaassen (Queer Art Studies, PhD student at the GCSC; Lecturer at various German universities); Cathérine Ludwig-Ockenfels (Early Modern History, PhD student at the GCSC); Jana Tiborra (Art Pedagogy, Research Assistant at the Institute for Art Pedagogy, JLU; PhD student at the GCSC); Katharina Wolf (Contemporary History, PhD student and Research Assistant at the GCSC).
 
Cooperation partners: Institut für Kunstpädagogik (IfK) / JLU Gießen; Sektion "Medien and Gender" des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) / JLU Gießen; Zentrale Frauen und Gleichtstellungsbeauftragte und Büro für Chancengleichheit / JLU Gießen Autonome AStA-Referate: Queer-Feministisches Frauenreferat und Bi*-Schwulen-Trans*-Queer-Referat / JLU Gießen; Gießener Hochschulgesellschaft: Gesellschaft von Freunden und Förderern der Justus-Liebig-Universität Gießen; Research Network in Queer Studies, Decolonial Feminisms and Cultural Transformation (QDFCT) / JLU Gießen; Büro für Frauen und Gleichberechtigung der Stadt Gießen; Aidshilfe Gießen e.V. im Hans Peter Hauschildhaus.
 
Registration Deadline: November 1, 2019
 
For questions & registration, please contact in-visibility@gcsc.uni-giessen.de

 

(07.11.2019, Berit Beckers)

Workshop: Tentacular Desire. Von handelnden Objekten und verhandelten Körperbildern im Kontext queerer Pornografie und feministisches Porno-Screening: FLUIDØ

Workshop: Tentacular Desire. Von handelnden Objekten und verhandelten Körperbildern im Kontext queerer Pornografie und feministisches Porno-Screening: FLUIDØ

 

Posterentwurf_TentacularDesire_20191119_bb.pngDie ZMI-Sektion Medien und Gender organisiert am Mittwoch, den 18. Dezember 2019 von 15:00 bis 17:00 Uhr einen Workshop zu queerer Pornografie. Der Workshop mit Friederike Nastold findet im Ludwigplatz 13, Raum 707 statt. Die Veranstaltung ist auf 15 Teilnehmende begrenzt, ihm schließt sich ein öffentliches Film-Screening an.

Wer, wie, was handelt und wird verhandelt? Orgiastische Körper im Blick: Im Rahmen eines zweistündigen Workshops wollen wir uns verschiedenen queerfeministischen Filmprojekten aus dem künstlerischen und aktivistischen Kontext widmen. Was ist queere Pornografie und wie zeigt sich ihr kritisches Potential? Über einen historischen Abriss sollen die feministischen sex wars der 1970er Jahre aufgegriffen und mit den heutigen Diskussionen in Bezug gesetzt werden.

Kein Vorwissen erforderlich. Max. 15 Personen. Anmeldungen bitte an .

 

Feministisches Porno-Screening: FLUIDØ


Deutschland, 2017, 80 Minuten, Regie: Shu Lea Cheang, Hauptdarsteller*innen: Candy Flip, Bishop Black, Kristina Marlen

„Im Jahr 2060 ist die Welt von Aids befreit. Allerdings sind bei einigen Menschen die HI-Viren zu einem Gen mutiert, aus dem sich eine Droge gewinnen lässt, die zum Rauschmittel des 21. Jahrhunderts geworden ist. Eine Geheimpolizei versucht mithilfe virtuell unterstützter Direktkontrollen zu ermitteln, wer Träger*in dieses Gens ist. Währenddessen müssen anderenorts junge Männer an ein Kabelsystem gefesselt Sperma für die Gewinnung marktbeherrschender Pharmazeutika produzieren.

Die in Taiwan geborene Multimediakünstlerin und Filmemacherin Shu Lea Cheang hat in Berlin einen dystopischen Science-Fiction gedreht, bei dem es um die Macht von Körperflüssigkeiten und um deren Gewinnung geht. In Form einer orgiastischen Oper inszeniert sie einen atemlosen Reigen aus Körpern, Sekreten, Performances und sexuellen Akten, die oft im Dienste einer übergeordneten Ökonomie stehen. Ein über weite Strecken experimentelles und ungewöhnliches, auf konsequente Art parapornografisches Drama, in dem die Grenzen zwischen den Geschlechtern verschwimmen.“

Mit einer Einführung in den Kontext queerer, feministischer Pornografie mit anschließender Diskussion mit Friederike Nastold, Kunsthochschule Mainz. Sie promoviert zu queerer Pornografie, organisiert Vulva-Workshops und ist in feministischen Kollektiven (ToytoytoyOrga Orga) aktiv.

Wann: am Mittwoch, den 18. Dezember 2019, ab 18 Uhr im Kinocenter Gießen.

Hier finden Sie einen Trailer zum Film.

 

(24.10.2019, Berit Beckers)

Podiumsdiskussion: „Autoritäre Populisten gegen Gender – Trump, Bolsonaro und die AfD“

Podiumsdiskussion: „Autoritäre Populisten gegen Gender – Trump, Bolsonaro und die AfD“

 

Plakat PopulistenPopulisten erfahren in vielen Ländern wachsenden Zuspruch durch die Wahl-bevölkerung. Staaten von weltpolitisch zentraler Bedeutung wie die USA und Brasilien werden mit Donald Trump und Jair Bolsonaro inzwischen von autoritären Populisten regiert. Ähnliche Entwicklungen sind auch in Europa zu beobachten, etwa in Ungarn. Auch in Deutschland wachsen die Tendenzen hin zu einem autoritären Populismus. Indikatoren dafür sind u. a. die bundesweiten Wahlerfolge der AfD.

Zentrale Elemente des politischen Handelns autoritärer Populisten sind Angriffe gegen demokratische und egalitäre Geschlechtervorstellungen, und ganz konkret gegen Frauen und LGBTIQ*. Diese Angriffe finden in verschiedensten Formen statt: verbal, physisch, symbolisch, institutionell – und nicht zuletzt durch Regierungshandeln. Ein Charakteristikum dieses genderfeindlichen populistischen Handels ist seine mediale Dimension, und insbesondere die direkte Kommunikation autoritärer Populisten über soziale Medien.

Vor diesem Hintergrund lädt die Sektion „Medien und Gender“ des Zentrums für Medien und Interaktivität der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Autoritäre Populisten gegen Gender – Trump, Bolsonaro und die AfD“ ein. Die Veranstaltung findet am 24. Oktober 2019 um 18.15 Uhr in der Universitätsaula statt. Sie wird von JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee mit einem Grußwort eröffnet. Es diskutieren: Dr. Dinah Leschzyk (JLU, Institut für Romanistik), Prof. Dorothée de Nève (JLU, Institut für Politikwissenschaft, stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI) und Prof. Greta Olson (JLU, Institut für Anglistik) und Peter Weissenburger (taz). Die Debatte wird von Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau) moderiert.

Die Podiumsdiskussion wird das Phänomen der „autoritären Populisten“ anhand der zentralen Akteure Donald Trump und Jair Bolsonaro im Hinblick auf deren Gender-Handeln und ihre damit verbundenen medialen Strategien beleuchten. Im Hinblick auf Deutschland wird gefragt, inwiefern Angriffe auf Geschlechtergleichheit, Frauen und LGBTIQ* auch hier Teil eines autoritären Populismus sind, oder ob die in Deutschland beobachtbaren Phänomene kategorial anders eingeordnet werden müssen. Nicht zuletzt interessieren auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der medialen Strategie sowie die Bedeutung unterschiedlicher Medien und Medienformate für den Erfolg autoritärer Populisten.

Die Veranstaltung richtet sich an ein breites Publikum von Studierenden und Forschenden
sowie an die interessierte Öffentlichkeit.


Programm
Begrüßung: Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, Sprecherin
der Sektion „Medien und Gender“, JLU
Grußwort: Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Präsident der JLU
Auf dem Podium:
Dr. Dinah Leschzyk, Institut für Romanistik, JLU – zu Bolsonaro/Brasilien
Prof. Dorothée de Nève, Institut für Politikwissenschaft, JLU – zu AfD/Deutschland
Prof. Greta Olson, Institut für Anglistik, JLU – zu Trump/USA
Peter Weissenburger, Journalist, taz

Moderation:
Andreas Schwarzkopf, Frankfurter Rundschau

 

(21.10.2019, Jonas Feike)

 

Vortrag von Prof. Heinz-Jürgen Voß (Hochschule Merseburg) zum Thema „Sexuelle Bildung zwischen Gewaltprävention und der Förderung sexueller Selbstbestimmung: Welche Rolle spielen Medien?“

Vortrag von Prof. Heinz-Jürgen Voß (Hochschule Merseburg) zum Thema „Sexuelle Bildung zwischen Gewaltprävention und der Förderung sexueller Selbstbestimmung: Welche Rolle spielen Medien?“

Die Sektion Medien und Gender des Zentrums für Medien und Interaktivität an der Universität Gießen befasst sich mit Fragen von Medienbildung im Hinblick auf zeitgemäße Sexualaufklärung und geschlechtliche Selbstbestimmung. Während in der Öffentlichkeit darüber gestritten wird, welche Art der Geschlechterpädagogik und Sexualaufklärung an Schulen stattfinden soll, suchen sich junge Menschen häufig Informationen zu Geschlecht und Sexualität im Internet. Als problematisch an der Selbstaufklärung im Internet wird oft der damit verbundene Konsum von Pornografie betrachtet, die stereotype Geschlechter- und Sexualitätsvorstellungen vermittelt. Befunde zum Zusammenhang von Pornografiekonsum und sexueller Gewalt unter Jugendlichen (u.a. Maschke/Stecher 2018) legen nahe, dass Medienbildung im Hinblick auf Geschlechterfragen im schulischen Kontext sinnvoll wäre. Gleichzeitig befördern Debatten um diesen Zusammenhang tendenziell auch moralische Panik. Eine differenzierte Betrachtungsweise von Möglichkeiten der Selbstaufklärung über insbesondere digitale Medien findet selten statt und erscheint bislang untererforscht.

voss_sexuelle_bildungAngesichts der Bedeutung, die die Lehramtsausbildung an der Universität Gießen hat, stellt sich die Frage, wie eine pluralistische Sexualaufklärung und Geschlechterpädagogik an Schulen heute aussehen sollte und wie zukünftige Lehrer*innen darauf vorbereitet werden sollten. Dabei ist der Aspekt der Mediennutzung besonders wichtig: Welche Art des Einsatzes von Medien und des Umgangs damit ist zur Sexualaufklärung sinnvoll und notwendig? Wie können Lehrkräfte Schüler*innen einen selbstbestimmten Umgang mit Medien vermitteln, der zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beiträgt und Gewalterfahrungen vorbeugt?

Prof. Heinz-Jürgen Voß befasst sich im von ihm geleiteten BMBF-Projekt “Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung” eingehend mit Fragen zu sexueller Bildung. In einem von ihm und Michaela Katzer herausgegebenen Sammelband mit dem Titel Geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung durch Kunst und Medien: Neue Zugänge zur sexuellen Bildung (2019) wird auch die Funktion der Medien beleuchtet. Die Sektion Medien und Gender des ZMI freut sich daher auf die Ausführungen von Heinz-Jürgen Voß zu zeitgemäßer Sexualbildung und der Rolle von Medien. Es werden auch erste Ergebnisse des Projekts „Sexuelle Bildung für das Lehramt“ vorgestellt.

Der Vortrag „Sexuelle Bildung zwischen Gewaltprävention und der Förderung sexueller Selbstbestimmung: Welche Rolle spielen Medien?“ findet am Montag, den 11. November 2019, 18 Uhr c.t., im Hörsaal AUB 1 der Alten Universitätsbibliothek statt. Die Veranstaltung richtet sich an Studierende und Lehrende an der JLU sowie an alle Interessierten und Akteur*innen im Bereich sexueller Bildung auch außerhalb der JLU.

 

 

(02.10.2019, Rahel Schmitz)

Internationale Tagung: Trans*Time in TV Series: (Inter)National Projections

Internationale Tagung: Trans*Time in TV Series: (Inter)National Projections

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Vor etwa einem Jahrzehnt, im März 2007, wurden die international anerkannten Yogyakarta-Prinzipien festgehalten, die erste systematische Menschenrechtsgewährleistung für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT). In ihnen wurden zum ersten Mal Anforderungen formuliert, die die Menschenrechtsstandards in Bezug auf sexuelle Minderheiten festschrieben. Punkt 18 geht explizit auf die Pathologisierung der Geschlechtsidentität ein und verlautbart, dass „niemand [...] aufgrund seiner sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität gezwungen werden [darf], sich irgendeiner Form von medizinischer oder psychologischer Behandlung, Untersuchung oder Maßnahme zu unterziehen, oder in eine medizinische Einrichtung eingewiesen zu werden“ (Hirschfeld-Eddy-Stiftung, 2008: 28). Dieser Meilenstein kristallisierte die Arbeit von trans* Aktivist*Innen weltweit. 

In den letzten Jahrzehnten heraus und diente als Sprungbrett für weitere Aktionen. Die Bemühungen zielten besonders auf die Sensibilisierung der Öffentlichkeit und trugen zur Verbesserung der Situation von trans* Personen in verschiedenen Ländern bei, z. B. durch Gesetzesänderungen, wie sie die internationale Kampagne STP ,Stop Trans Pathologization‘ herbeiführte.

Zehn Jahre später, 2017, ist das Bild widersprüchlich. Einerseits ist Studien von The Human Rights Campaign Foundation und Trans People of Color Coalition zufolge die Zahl der registrierten Morde an trans* Personen die höchste aller Zeiten. Andererseits war in diesem Jahr die World Pride in Madrid dem trans* Kollektiv gewidmet, was ein Zeichen für die Anerkennung und Unterstützung innerhalb der LGTBIQ*-Bewegung ist.

Was die Sichtbarkeit von trans* Personen in den Medien angeht, was in der LGBTIQ*- Bewegung nahezu einstimmig als unabdingbarer Voraussetzung zur gesellschaftlichen Normalisierung von Minderheiten betrachtet wird, ist in den letzten Jahren ein Höhepunkt zu konstatieren. Das GLAAD-Media Institute begrüßte 2016 die zunehmende Präsenz von trans* Figuren aus verschiedenen identitären Intersektionen in Crenshaws Sinne in Serien (vgl. Loughrey 2016). Sophia Burset in Orange is the New Black oder die Protagonistin der Serie Transparent, Maura, sind gute Beispiele. Allerdings kritisiert GLAAD die einseitige und/oder oberflächliche Darstellung, die die Pathologisierung und/oder Stigmatisierung des Kollektivs reproduziere (vgl. Respers France 2017).

Auch in den letzten Jahrzehnten ist eine deutliche Popularisierung der Serien sowohl im Fernsehen als auch auf international verfügbaren Online-Streaming Plattformen, wie z. B Netflix, Amazon Prime und Hulu, festzustellen, sodass die Rede von einer Art Golden Age von Serien ist (vgl. Smith 2018: 72; de Gorgot 2014). Die Zuschauerquoten von Serien steigen ständig, was auch ihre zunehmende gesellschaftliche, akademische und wissenschaftliche Anerkennung bedingt. Das renommierte Filmfestival von Cannes beispielsweise hat eine separate Sektion für Serien eingerichtet, was diesen Anerkennungsprozess spiegelt (vgl. Muñoz Fernández 2016: 69).

Wie diese Beispiele zeigen, ist eine vergleichende Annäherung seitens der Medienwissenschaften methodisch sinnvoll und gesellschaftlich relevant. Dem Verständnis folgend, dass Serien Gesellschaftsmodelle anbieten und gewissermaßen befördern, zielt unsere Tagung darauf ab, die multisemiotischen Darstellungen (vgl. Kress 2010) von trans* Personen in den letzten Jahrzehnten in Serien zu untersuchen. Spezifischer geht sie der Hypothese nach, dass die Popularisierung von trans* Personen in kommerziellen Serien den „good-Trans*“ herstellt und dadurch die von Ihnen potenziell verkörperte Transgression verschleiert. Ferner setzt sich diese Tagung als Ziel, zu erläutern, durch welche - gerade medialen - Mittel dies stattfindet.

Die englischsprachige Tagung findet vom 30. bis 31. Januar 2020 im Margarete-Bieber-Saal der JLU Gießen statt.

Kontakt: Dr. Danae Gallo González


(19.09.2019, Berit Beckers)

Podiumsdiskussion: Autoritäre Populisten gegen Gender: Trump, Bolsonaro und die AFD

Podiumsdiskussion: Autoritäre Populisten gegen Gender: Trump, Bolsonaro und die AFD

autoritäre populistenAutoritäre Populisten erfahren in vielen Ländern wachsenden Zuspruch durch die Wahlbevölkerung. Staaten von weltpolitisch zentraler Bedeutung wie die USA und Brasilien werden mit Donald Trump und Jair Bolsonaro inzwischen von autoritären Populisten regiert. Auch in Europa wird mit Ungarn durch die langjährige Regierung Victor Orbans ein Land durch die Herrschaft eines autoritären Populisten seit Jahren stark umstrukturiert. In Deutschland wachsen die Tendenzen ebenfalls hin zu einem autoritären Populismus: Indikatoren dafür sind die bundesweiten Wahlerfolge der AfD, die es als Partei erst seit wenigen Jahren gibt.

Zentrale Elemente des politischen Handelns autoritärer Populisten sind Angriffe gegen demokratische und egalitäre Geschlechtervorstellungen, und ganz konkret gegen Frauen und LGBTIQ*. Diese Angriffe finden in verschiedensten Formen statt: verbal, physisch, diskursiv, symbolisch, institutionell und nicht zuletzt durch Regierungshandeln. Ein Charakteristikum dieses genderfeindlichen populistischen Handelns ist seine mediale Dimension, und insbesondere die direkte Kommunikation autoritärer Populisten über soziale Medien.

Die Podiumsdiskussion möchte das Phänomen der „autoritären Populisten“ anhand der zentralen Akteure Donald Trump und Jair Bolsonaro im Hinblick auf deren Gender-Handeln und ihre damit verbundenen medialen Strategien beleuchten. Im Hinblick auf Deutschland wird gefragt, inwiefern Angriffe auf Geschlechtergleichheit, Frauen und LGBTIQ* auch hier Teil eines autoritären Populismus sind, oder ob die in Deutschland beobachtbaren Phänomene kategorial anders eingeordnet werden müssen. Nicht zuletzt interessieren auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der medialen Strategie sowie die Bedeutung unterschiedlicher Medien und Medienformate für den Erfolg autoritärer Populisten.

Die Veranstaltung findet am 24. Oktober um 18 Uhr c.t. in der Aula der JLU statt; die Referierenden sind Dr. Dinah Leschzyk (ZMI-Sektion Medien und Gender), Prof. Dorothée de Nève (stellvertretende Geschäftsführende Direktorin des ZMI) und Prof. Greta Olson (ZMI-Sektion Medien und Gender).

 

 

 

 

(19.09.2019, Berit Beckers)

Veröffentlichung der Broschüre "Wissenschaftlerinnen der Universität Gießen"

Veröffentlichung: Broschüre "Wissenschaftlerinnen der Universität Gießen: Unkonventionelle Wege verändern die akademische Welt"

Broschüre "Wissenschafterlinnen der Universität Gießen"
Wissenschafterlinnen der Universität Gießen: Unkonventionelle Wege verändern die akademische Welt

 

Die Broschüre "Wissenschafterlinnen der Unviersität Gießen: Unkonventionelle Wege verändern die akademische Welt" ist ab sofort erhältlich.

 

Gemeinsam mit dem Akademischen Auslandsamt und der Zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten hat das ZMI die Broschüre Wissenschaftlerinnen der Universität Gießen: Unkonventionelle Wege verändern die akademische Welt herausgegeben. Angestoßen durch die Jubiläumsveranstaltung mit Podiumsdiskussion "100 Jahre FrauenWahlRecht: Bewegte Zeiten seit 1918", die am 12. November 2018 stattfand, leistet die Broschüre einen wichtigen Beitrag zur frauengeschichtlichen Erinnerungskultur der Justus-Liebig-Universität.

 

Neben Eindrücken von der Jubiläumsveranstaltung präsentiert die Broschüre Kurzportraits einiger Studentinnen und Wissenschaftlerinnen der JLU, die sich ihrerzeit den gängigen Rollenbildern widersetzten und so eine Vorreiterinnenfunktion übernahmen.

 

(24.07.2019, Berit Beckers)

Vortrag: Die Rolle des Internets bei globalen feministischen Bewegungen: Schwerpunkt Südamerika

Vortrag: "Die Rolle des Internets bei globalen feministischen Bewegungen: Schwerpunkt Südamerika"

Sektionsmitglied Dr. Dinah Leschzyk gibt einen Überblick, wie feministische Bewegungen in Lateinamerika soziale Medien nutzen. Eine Vorreiterrolle nehmen dabei Aktivist*innen aus Argentinien ein, die unter dem Motto #NiUnaMenos hunderttausende Menschen auf die Straße gebracht haben, um gegen Gewalt gegen Frauen zu demonstrieren. Der lateinamerikaweite Ruck nach rechts der letzten Jahre erschwert den Kampf um Gleichstellung. Besonders drastisch hat sich die Lage in Brasilien entwickelt, nachdem die erste Frau im Präsidentschaftsamt mittels umstrittener Anklagepunkte ihres Amtes enthoben wurde.

 

Der Vortrag findet am Donnerstag, den 13.06.2019 um 18:30 Uhr in der Landeszentrale für politische Bildung RLP statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



(12.06.2019, Berit Beckers)

Vortrag: "The Disabled Body and the U.S. Body Politics"

Vortrag: "The Disabled Body and the U.S. Body Politics"

Im Rahmen der Vorlesung „The United States in the Twenty-first Century: From the ‚Stolen Election of 2000‘ to the Trump Era“ von Sektionsmitglied Prof. Dr. Greta Olson findet am 27. Mai von 18 bis 20 Uhr ein Gastvortrag statt. Die Gastvortragende Kim Nielsen ist Disability-Forscherin an der University of Toledo, und in ihrem Vortrag wird sie die Situation von Menschen mit Behinderung im Kontext der aktuellen politischen Lage in den Vereinigten Staaten thematisieren.

Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht notwendig. Die Veranstaltung findet im Hörsaal A1 am Philosophikum I der JLU statt.

 

 

 

 

(22.05.2019, Berit Beckers)

Vortrag: "Richtig gendern" von Duden-Autorinnen

Vortrag: "Richtig gendern" von Duden-Autorinnen

Richtig_GendernSeit seiner Veröffentlichung im Jahr 2017 sorgt der Dudenband Richtig gendern für hitzige Diskussionen rund um den geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Nun bietet sich die Möglichkeit, mit den Autorinnen des Ratgebers ins Gespräch zu kommen.

Am 6. Juni 2019 halten die Autorinnen Prof. Dr. Gabriele Diewald und Dr. Anja Steinhauer des Ratgebers Richtig gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben einen Vortrag an der Justus-Liebig-Universität. In Form eines Werkstattberichtes erläutern die Autorinnen die Hintergründe der Entstehungsgeschichte sowie Inhalte des Nachschlagewerkes. Was waren Anreize und Überlegungen, die die Veröffentlichung angeregt haben? Welche Inhalte wurden aufgenommen und welche nicht? Und von welchen Reaktionen und Rezensionen können die Autorinnen berichten? In ihrem Vortrag berichten die Wissenschaftlerinnen auch über die Reaktionen und Rezensionen nach der Veröffentlichung des Dudenbandes.

Nach dem etwa einstündigen Vortrag bietet sich dem Publikum die Möglichkeit zum Austausch mit den Verfasserinnen. Von großem Interesse sind dabei sicherlich auch Fragen nach der praktischen Anwendung des Ratgebers im alltäglichen Sprachgebrauch und in Zusammenhang mit der Einführung des dritten Personenstandes.

Der Vortrag beginnt um 18 Uhr und findet im Margarete-Bieber-Saal (Ludwistraße 34, 35390 Gießen) statt. Die Veranstaltung wird von Dr. Jutta Hergenhan, der wissenschaftlichen Geschäftsführerin des ZMI sowie Sprecherin der Forschungssektion Medien und Gender, moderiert. Organisiert wird der Vortrag von dem hessenweiten Netzwerk Gender in der Lehre in Kooperation mit dem ZMI. Interessenten sind herzlich willkommen; der Eintritt ist frei. 

 

 

(14.05.2019, Rahel Schmitz)

Filmfest Giessener First Steps mit Kurzfilmen von Studierenden

Filmfest Giessener First Steps mit Kurzfilmen von Studierenden

Im vergangenen Wintersemester verband das Seminar Media Analysis through Media Creation Theorie mit Praxis: Unter der Leitung von Prof. Greta Olson und mit der Unterstützung der deutschen Schauspielerin und Filmemacherin Lisa Friederich konnten die TeilnehmerInnen der Veranstaltung eigene Kurzfilme drehen.

Unter dem Titel Giessener First Steps – Filmfest featuring Short Films by Students in the Media Analysis Seminar werden diese Filme nun gezeigt. Die Vorführung findet am Freitag, den 3. Mai, von 15:00-18:00 Uhr im Vorlesungssaal A 1, Philosophikum I statt.

Auch in diesem Semester erhalten Studierende erneut die Möglichkeit, in dem Seminar Media Literacy through Media Creation eigene Kurzfilme zu kreieren. Im Rahmen des Co-Teaching-Projekts wird die Veranstaltung erneut von Greta Olson und Lisa Friederich durchgeführt.

 

 

 

 

 


(02.05.2019, Berit Beckers)

Interview: Drei Fragen an... Franziska Schutzbach

Interview: Drei Fragen an... Franziska Schutzbach

Franziska Schutzbach sprach mit dem ZMI darüber, welchen Wert Hashtags wie #MeToo oder #Aufschrei haben, was die Schweiz ihren Frauen schuldig ist und inwiefern Hasskom-mentare zu Wahrnehmungsverzerrung beitragen. Franziska Schutzbach ist Geschlechterforscherin und Soziologin. Sie lehrt an der Universität Basel und der Technischen Universität Berlin. Außerdem ist sie feministische Aktivistin und Bloggerin. Sie gibt das Online-Magazin Geschichte der Gegenwart mit heraus und veranstaltet zweimal im Monat den Feministischen Salon in Zürich und Basel. Sie ist im Vorstand von Terre des Femmes. 2016 initiierte sie mit einigen anderen den Hashtag #SchweizerAufschrei. Kürzlich veröffentlichte sie im Xanthippe Verlag das Buch Die Rhetorik der Rechten. Rechtspopulistische Diskursstrategien im Überblick.



Franziska Schutzbach besuchte das ZMI im Rahmen der Veranstaltung "100 Jahre FrauenWahlRecht: Bewegte Zeiten seit 1918", bei der sie an der Podiumsdiskussion teilnahm. In Bezug auf diese Veranstaltung kommt bald eine Broschüre zu den ersten Akademikerinnen der Universität Gießen heraus, an dessen Konzeption sich die Sektion "Medien und Gender" beteiligt hat.


(25.04.2019, Berit Beckers)

CfP: "Renegotiating Minoritarian In_Visibilities"

CfP: "Renegotiating Minoritarian In_Visibilities"

Call for Papers für die englischsprachige, interdisziplinäre Konferenz "Renegotiating Minoritarian In_Visibilities" (12.-14. November 2019)

 

In recent years, the relation between visibility and invisibility of minoritarian subject positions has been renegotiated and led to a preliminary re-assessment of the political potential of the concept of visibility. Thereby, invisibility or imperceptibility are subject to significant revaluation. Especially from activist, cultural and political points of view and in the contexts of queer or non-racist politics of migration, attempts have been made to question the topos of visibility and its positive connotations. However, the debate about a possible end of the critique of representation often disregards that politics of becoming imperceptible or invisible can indeed develop new modes of presentation and perception and therefore cannot unfold beyond representation.

In an attempt to distance the renegotiation of minoritarian in_visibilities from post-representational arguments, this conference approaches visibility and invisibility as two mutually entangled and interdependent concepts. By using the underscore in the orthography (in_visibility), we want to highlight two approaches to these terms: On the one hand, the underscore indicates the processual continuum between the two concepts. On the other hand, we want to approach the conceptual gap between visibility and invisibility as a discursive space for the negotiation of ambiguity, vagueness and indeterminacy. The use of the term “minoritarian”, moreover, points towards context-specific processes and situations of structural discrimination due to categories of difference, thus, it highlights the process of becoming-minoritarian. However, without reducing subjects to this position, we ask how a seemingly minoritarian status can be transformed into political agency. Accordingly, our research interests focus on strategies of becoming in_visibile from a minoritarian point of view. The conference will investigate how minoritarian strategies in art and visual culture can undermine hegemonic regimes of representation and challenge the dominant patterns of visibility, assimilation and intelligibility. Recent political developments, be they the worldwide growth of repressive regimes or the neoliberal ideology of the so-called ‘Global North’, together with their accentuation of representation and enforced identity politics, underline the topicality and urgency of this approach.

Following a power-analytical as well as a critical stance toward domination and ideology, the conference will explore the connections between strategies of becoming in_visible in art and visual culture and their potential for developing individual or collective political agencies. The relations between implicit (closed, camouflaged, invisible, etc.) and explicit (blunt, open, visible, etc.) strategies of becoming in_visible and their specific, context-dependent potential for political agency shall be investigated in detailed analyses of case studies.

The societal relevance of this conference is grounded in its investigation of aesthetic strategies that counteract processes of discrimination and stereotyping due to gender, sexuality, race, ethnicity, age and further categories of difference. Considering close connections between academia, art critique/practice and activism, we want to examine the social productivity of images and develop new conceptual approaches for the comprehension of politics and emancipation in art and visual culture.

The conference will deal with the following questions and topics (amongst others):

  • How do strategies of in_visibility in art and visual culture produce and reinforce political agency for minoritarian subject positions?
  • Who is able to utilize in_visibility for political agency? Whom is this strategy denied?
  • How can minoritarian subjects become visible in art and visual culture but avoid subsequent re-discrimination and stereotyping due to their recently acquired visibility?
  • To what extent is it possible to evade intelligible and assimilationist patterns of comprehensibility by using minoritarian politics of in_visibility?
  • Who is in charge of the global circulation and the directions, speed and properties of the dissemination and marketing of minoritarian forms of in_visibility in art and visual culture?
  • How are forms of in_visibility modified by processes of imaging, image formation and mediality?
  • How can we shed light on blind spots; in particular, how can we become aware of ‘our’ ignorance of forms of invisibilities?
  • Is it possible to differentiate various forms and functions of in_visibility from a historical perspective? How and why do these forms change?
  • Analyses of different visual-aesthetic strategies and case studies of in_visibility may refer to the following theories and concepts, without being limited to them: demoulding (= EntFormen) (Fahim Amir and Johanna Schaffer 2012), Mimicry and third space (Homi K. Bhabha (1994), un-disambiguation (= VerUneindeutigung) (Antke Engel 2002), opacity (Glissant 1990), aesthetical ambiguity (Verena Krieger 2010), space-off (Teresa de Lauretis 1999); abstract drag (Renate Lorenz 2014).

 

Conference format:

Connecting theory and practice, the conference will provide spaces for various artistic, scholarly and political forms of exchange. Therefore, we ask for submissions for various forms of contribution (papers for panel discussions, workshops and/or other experimental formats). Seeking trans- and interdisciplinary exchange, we invite proposals from the disciplines of cultural studies, visual communication, art history and theory, art education as well as art practice and aesthetic-political activism, photojournalism, cultural education, history and media studies (amongst others).

Abstracts for contributions should not exceed 400 words and should be accompanied by a brief curriculum vitae of maximum three pages.

Panel presentations are scheduled for 20 minutes and subsequent discussion. Workshops and other experimental formats will take 90 minutes.

A subsequent publication of the contributions is intended.

The three-day conference will take place on November 12–14, 2019 at the Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) of the Justus-Liebig-University Giessen, Germany. The conference is organized by the Research Area Visual and Material Culture Studies of the GCSC. If you need childcare for the duration of or part of the conference, kindly let us know well in advance.

Please send your proposals to

Deadline for submission is April 10, 2019.

For questions, please contact

 

Organisation:

  • Oliver Klaassen (Queer Art Studies, PhD student at the GCSC; Lecturer at various German universities)
  • Jana Tiborra (Art Pedagogy, Research Assistant at the Institute for Art Pedagogy, JLU; PhD student at the GCSC)
  • Katharina Wolf (Contemporary History, PhD student and Research Assistant at the GCSC)
  • Cathérine Ludwig-Ockenfels (Early Modern History, PhD student at the GCSC)

 

 

Selective bibliography:

Amir, Fahim / Schaffer, Johanna (2012): Die Arbeit der Form/losigkeit. Ein ästhetischer Einwand gegen die Affirmation der ‚Unsichtbarkeit‘ oder ‚postrepräsentationaler Politiken‘. In: diskurs: Frankfurter Student_innen Zeitschrift, Heft Nr. 1.12, Dezember 2012 – 61. Jahrgang, 24-30.

Bhabha, Homi K. (1994): The Location of Culture. London.

Engel, Antke (2002): Wider die Eindeutigkeit. Sexualität und Geschlecht im Fokus queerer Politik der Repräsentation. Frankfurt/M.

Glissant, Édouard (2010): Poetics of Relation [1990]. Ann Arbor.

Krieger, Verena (Hg.) (2010): Ambiguität in der Kunst: Typen und Funktionen eines ästhetischen Paradigmas. Köln et al.

Lauretis, Teresa de (1999): Die andere Szene: Psychoanalyse und lesbische Sexualität. Frankfurt a. M.

Lorenz, Renate (2012): Queer Art. A Freaky Theory. Bielefeld.

 

 

 

(05.03.2019, Berit Beckers)

 

Vortrag: "Gendern in Frankreich: Von der Feminisierung der Berufsbezeichnungen zum inklusiven Schreiben"

Vortrag: "Gendern in Frankreich: Von der Feminisierung der Berufsbezeichnungen zum inklusiven Schreiben"

In der Vortragsreihe der ZMI-Sektion Educational Linguistics sprach Dr. Jutta Hergenhan, wissenschaftliche Geschäftsführerin des ZMI, am 15. Januar 2019 zum Thema Gendern in

Programm Educational Linguistics 2018/19

Frankreich. Sie befasste sich mit den politischen, gesellschaftlichen und linguistischen Debatten um geschlechtergerechte Sprache in Frankreich seit dem Beginn der 1980er Jahre, mit den grammatischen Ausgangsbedingungen, den konkreten Gestaltungsmöglichkeiten und -grenzen geschlechteregalitärer Ausdrucksweise sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen der heute zunehmend geforderten écriture inclusive.

Wie Jutta Hergenhan ausführte, fand die Debatte um einen veränderten Sprachgebrauch in Frankreich zunächst ausgehend von der „Feminisierung der Sprache“ statt. Damit sollte es Frauen im beruflichen Kontext ermöglicht werden, im Femininum statt im generischen Maskulinum angesprochen zu werden. Im Zuge der Weiterentwicklung der Geschlechtertheorie führte dieses Anliegen schließlich zur Forderung nach einer écriture inclusive: einer „inklusiven Schreibweise“. Diese soll dazu dienen, die Dominanz des Maskulinums in Grammatik und Sprachgebrauch, und perspektivisch auch eine binäre Geschlechterrepräsentation innerhalb der sprachlichen Ordnung zu überwinden. Bis heute kommt es immer wieder zu öffentlichen Auseinandersetzungen um diesen geschlechtergerechten Sprachgebrauch. GegnerInnen des Anliegens – wie etwa die Académie française – argumentieren, dass Sprache sich nur durch ihre „natürliche“ Weiterentwicklung, nicht aber durch aktive Eingriffe verändern sollte. Eine sprachhistorische Betrachtungsweise zeigt jedoch, dass Grammatik keineswegs naturgegeben ist, sondern dass die Regel des generischen Maskulinums im Französischen diskursiv und sprachinstitutionell geschaffen wurde. Hergenhan betonte daher zum Schluss ihres Vortrags, dass Grammatik auch in früheren Jahrhunderten kontrovers diskutiert wurde und sich – nicht zuletzt in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Vorstellungen und Anforderungen an die Sprache – änderte.

 

Dr. Jutta Hergenhan hat gemeinsam mit Prof. Katrin Lehnen das deutsch-französische Forschungsprojekt zu „Geschlechtergerechter Sprache in schulischen Lehrbüchern in Deutschland und Frankreich“ ins Leben gerufen, an dem WissenschaftlerInnen der Universitäten Gießen, Marburg, Paris 13 – Sorbonne Paris Cité und Paris Est Créteil beteiligt sind.

Im Wörterbuch des Politikunterrichts, herausgegeben von Sabine Achour, Matthias Buch, Christian Meyer-Heidemann und Peter Massing im Wochenschau Verlag, erscheint in Kürze Jutta Hergenhans Eintrag zum Begriff „Gender“.

 

(25.04.2019, Berit Beckers)

Women's March 2019 Frankfurt

Women's March 2019 Frankfurt

Die Sektion Medien und Gender weist auf den Women's March 2019 hin. Von womensmarchglobal.org: women's march

 

"T'S TIME TO MARCH AGAIN 

Liebe Frauen*, liebe Mitstreiter*innen,

seit unserem ersten gemeinsamen March in Frankfurt vor zwei Jahren hat sich viel getan. Wir waren viele, wir waren laut, und wir waren stark!

Am 19. Januar 2019, zu unserem zweiten Jahrestag, wollen wir noch viel lauter, und noch viel größer werden!

Warum? Weil wir auf 100 Jahre Frauenwahlrecht zurückblicken, weil wir als Organisationskomitee vielfältiger geworden sind und eine verstärkte intersektionale Agenda verfolgen. 

Dies ist notwendig, weil wir mit Besorgnis den nationalen sowie internationalen Anstieg und die Normalisierung von rassistischen, antisemitischen, (hetero)sexistischen, und kapitalistischen Angriffe und Diskurse in der Gesellschaft und Politik beobachten. 

Um darauf aufmerksam zu machen und dagegen vorzugehen nehmen wir uns erneut die Straßen Frankfurts. Noch lauter, noch kompromissloser, noch kritischer und noch intersektionaler!

Für eine solidarische und gerechte Gesellschaft. Für eine solidarische und gerechte Welt. Eine Gesellschaft und Welt, in der die marginalisiertesten Stimmen und Bedürfnisse laut und klar im Zentrum unserer feministischen solidarischen Kämpfe stehen. 

IT'S TIME TO MARCH AGAIN! LOUDER & STRONGER!"

 

(18.01.2019, Berit Beckers)

Podiumsdiskussion zum Ergebnis der Midterm Elections in den USA

Podiumsdiskussion zum Ergebnis der Midterm Elections in den USA: "Abstimmung über Trump. Was bedeuten die US-Zwischenwahlen für Trump und für uns?" 

In den USA wurden am 6. November 2018 die Zwischenwahlen abgehalten. Während die Republikaner im Senat einen Sieg davontrugen, mussten sie im Repräsentantenhaus die Kontrolle an die Demokraten abgeben. In diesem Jahr waren die Wahlen von besonderem gesellschaftlichem und politischem Gewicht: Die Midtermsund ihre Ergebnisse können als eine Abstimmung über Trump und seine Präsidentschaft gelesen werden, denn die Zusammensetzung des Kongresses beeinflusst maßgeblich die Handlungsfreiheit des Präsidenten. Könnte eine Erschwerung der Durchsetzung von Trumps innenpolitischen Zielen durch einen geteilten Kongress dazu führen, dass er sich verstärkt der Außenpolitik zuwendet? Macht der Verlust einer Mehrheit im Repräsentantenhaus ein Amtsenthebungsverfahren möglich? 

 

Gleichzeitig spiegelt sich im Ablauf der Wahlen auch die aufgeladene genderpolitische Situation in den Vereinigten Staaten: Von Trumps zahlreichen frauenfeindlichen Äußerungen auf Twitter oder in Pressekonferenzen, über die umstrittenen Kavanaugh-Ford-Anhörungen, bis hin zu Unsicherheiten in Bezug auf reproduktive Rechte und die gleichgeschlechtliche Ehe in Anbetracht des nun konservativ besetzten Obersten Gerichtshofes bestehen hier starke Kontroversen. In diesem Kontext sticht besonders heraus, dass 2018 mehr Frauen für den Senat, das Repräsentantenhaus und für Gouverneursämter kandidierten als je zuvor. Nach der Wahl ziehen nun über 100 dieser Frauen in den Kongress ein und tragen damit zu einer größeren Vielfalt bei: Vertreten sind Veteraninnen, queere Frauen, muslimische Frauen, latein- und afroamerikanische sowie indigene Frauen, und auch Frauen der jüngeren Generation.

 

Über die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen, ihre Bedeutung in Bezug auf Trump und ihren Einfluss auf Gesellschaft und Politik in Europa diskutierten am 11. Dezember 2018 Prof. Helmut Breitmeier (Politikwissenschaft JLU), Ralph C. Freund (Republicans Overseas Germany), Prof. Greta Olson (Amerikanistik JLU), und Andreas Schwarzkopf (Frankfurter Rundschau). Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dorothée de Nève (Politikwissenschaft JLU). Die Veranstaltung fand im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34) statt. Sie war öffentlich und der Eintritt war frei.

 

Einen Gastbeitrag von Prof. Olson in der Frankfurter Rundschau zu diesem Thema finden Sie hier. Der Bericht des Gießener Anzeigers über die Podiumsdiskussion kann hier gelesen werden.

 

(26.11.2018, Berit Beckers)

100 Jahre FrauenWahlRecht

Jubiläumsveranstaltung mit Podiumsdiskussion: "100 Jahre FrauenWahlRecht: Bewegte Zeiten seit 1918"

Plakat 100 Jahre Frauenwahlrecht

Am 12. November 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht verkündet und damit eine wichtige Grundlage für die politische Gleichberechtigung von Frauen und Männern geschaffen. 100 Jahre später sind Frauen weder im Bundestag noch in den Länder- und Kommunalparlamenten gleichberechtigt vertreten. Demokratische Grundwerte werden wieder in Frage gestellt. Die Dynamik von Fort- und Rückschritten im Kampf um politisch-gesellschaftliche Partizipation stand im Zentrum unserer Podiumsdiskussion zur Feier des historischen Jubiläums.

Neben inhaltlichen Debatten würdigten wir den demokratischen Meilenstein FrauenWahlRecht gemeinsam feierlich und diskutierten über die gesellschaftspolitischen Entwicklungen in diesem Kontext lebendig, kritisch und kontrovers. Kreativ wurden wir dabei von zwei Improvisationstheaterkünstlerinnen aus Berlin begleitet.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und dem Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der JLU organisiert.

Es diskutierten: Rebecca Beerheide vom Deutschen Journalistinnenbund aus Berlin, Dr. Jana Günther,  Soziologin von der Technischen Universität Dresden, Christel Riemann-Hanewinckel, Parlamentarische Staatssekretärin a.D., und Franziska Schutzbach, Medienwissenschaftlerin und Geschlechterforscherin an der Universität Basel. Die Moderation übernahm Louisa A. Süß. Die Veranstaltung fand am Montag, den 12. November 2018 ab 17:30 Uhr in der Aula des Hauptgebäudes der Justus-Liebig-Universität in der Ludwigstraße 23 statt. Die Veranstaltung war öffentlich, der Eintritt frei.

 

Nachbesprechungen der Veranstaltung finden sich im Gießener Anzeiger und in der Gießener Allgemeinen. Auch das uniforum, die Zeitung der JLU, hat einen Bericht über die Veranstaltung veröffentlicht (Seite 11).

 

Ein Mitschnitt der Veranstaltung findet sich auf dem YouTube-Kanal des ZMI:


 


(23.10.2018, Berit Beckers)

Podiumsdiskussion #MeToo

Podiumsdiskussion: #MeToo - Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?

Die Podiumsdiskussion "#MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?" fand am 23. April 2018 um 18 Uhr in der Aula der Justus-Liebig-Universität in der Ludwigstraße 23 in 35390 Gießen statt.

Mitte Oktober 2017 berichteten die New York Times und der New Yorker, dass Filmproduzent Harvey Weinstein von zahlreichen Frauen der sexuellen Belästigung, sexuellen Nötigung und/oder der Vergewaltigung beschuldigt wurde. Die Schauspielerin Alyssa Milano rief betroffene Personen dazu auf, über den Hashtag #MeToo auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihre Erfahrungen mit sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen. In den darauffolgenden Tagen, Wochen und Monaten wurde der Hashtag immer häufiger von Personen, die sexuelle Belästigungen oder sexuelle Übergriffe erfahren hatten, genutzt. Die Bewegung, die in den USA begann, verbreitete sich international, so dass #MeToo in mindestens 85 verschiedenen Ländern bei Twitter benutzt wurde. 
In Deutschland setzte die Debatte erst im Januar 2018 ein, als Vorwürfe gegen den deutschen Drehbuchautor und Regisseur Dieter Wedel laut wurden. In Frankreich wurde der #MeToo-Bewegung auch von Männern öffentlich Solidarität ausgesprochen, während andererseits namhafte Schauspielerinnen wie Catherine Deneuve sie als eine "Kampagne der Denunziation" kritisierten.

Um #MeToo und die von der Berufswelt der Medien ausgehende Debatte über sexualisierte Gewalt eingehender zu betrachten, veranstaltete das ZMI am Montag, den 23. April 2018, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel "#MeToo – Überfällige Kritik am Patriarchat oder neuer Puritanismus?". Dabei wurden die durch die Bewegung offengelegten Missstände und damit verbundene mediale Phänomene thematisiert. Zudem ging es um Formen und Inhalte medial vermittelter Kritik an der Bewegung, ihre Verortung in einem breiteren feministischen Kontext und um länderspezifische Ausprägungen der #MeToo-Debatte.

Mit dem Publikum diskutierten Prof. Dr. Greta Olson (Amerikanistik/Anglistik JLU & ZMI), PD Dr. Elisabeth Schäfer-Wünsche (Nordamerikanistik Universität Bonn), Verena Lueken (Frankfurter Allgemeine Zeitung) und Dr. Jutta Hergenhan (ZMI). Die Veranstaltung wurde von der Zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der JLU, Dr. Nadyne Stritzke, eröffnet. Die Moderation der Veranstaltung übernahm Dr. Birte Christ (Anglistik JLU). Die Podiumsdiskussion stellte die Auftaktveranstaltung der im Dezember 2017 gegründeten ZMI-Sektion "Medien und Gender" dar.


Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Sie können die Diskussion über den YouTube-Kanal des ZMI ansehen:

 

 

Der Gießener Anzeiger berichtete in einem ausführlichen Artikel über die Podiumsdiskussion, der hier nachzulesen ist, und Prof. Dr. Greta Olson gab im Anschluss der Zeitschrift Mittelweg 36 ein Interview zu der Thematik, das in der Ausgabe 4/2018 des Magazins veröffentlicht wurde. Außerdem hat Prof. Olson einen Gastbeitrag mit dem Thema #MeToo in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht, der hier nachzulesen ist.

(23.10.2018, Berit Beckers)

Überblick

Überblick

Sprecherin: Dr. Jutta Hergenhan

 

Die Sektion „Medien und Gender“ befasst sich mit aktuellen Entwicklungen der Mediengesellschaft aus einer geschlechtersensiblen Perspektive. Geschlecht wird dabei als eine Kategorie betrachtet, die die Gesellschaft fundamental strukturiert (körperlich, sprachlich, rechtlich, sozial). Darüber hinaus spielt die Kategorie Geschlecht auch bei der Analyse anderer gesellschaftlicher Ungleichheitsphänomene (Rassismus, Klassismus, Ableismus) und ihrer gegenseitigen Bedingtheit (Intersektionalität) eine wichtige Rolle.

Medien spielen eine zentrale Rolle bei der Konstruktion individueller und kollektiver Geschlechteridentität(en). Über Medien erfolgen geschlechtliche Zuschreibungen und werden Stereotype herausgebildet. Gleichzeitig werden insbesondere soziale Medien genutzt, um gegen stereotype Geschlechterbilder zu protestieren, sie zu dekonstruieren und neue Geschlechterbilder herzustellen. Ein wichtiges Forschungsfeld ist in diesem Zusammenhang die Analyse medialer Inszenierung und Verherrlichung von sexualisierter Gewalt, ebenso wie der mediale Protest dagegen (z. B. #MeToo, #aufschrei).

Auch die Herstellung medialer Produkte und die Nutzung von Medien besitzen eine Geschlechterdimension, insofern als beispielsweise Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise daran beteiligt sind. In diesem Zusammenhang möchten wir informelle Prozesse von Inklusion und Exklusion im Hinblick auf Geschlecht beleuchten, insbesondere in Verbindung mit Digitalisierungsphänomenen. Nicht zuletzt spielen auch Mensch-Maschine-Problematiken eine zentrale Rolle am Schnittpunkt von Medien- und Geschlechterforschung.

Die Sektion richtet ihren Fokus explizit nicht nur auf Geschlechterthematiken des globalen Nordens, sondern besitzt ein methodisch und thematisch breites Forschungsinteresse. Wir sind insbesondere auch neugierig auf Medienthematiken aus den technischen, medizinischen, natur- und humanwissenschaftlichen Disziplinen, bei denen eine Geschlechterdimension vielleicht erst bei näherem Hinsehen erkennbar wird.

 

Nächste Treffen:


Donnerstag, den

11. November 2020,

3. Dezember 2020 

und 21. Januar 2021 


jeweils 12-14 Uhr s.t.

Neuerscheinungen

Neuerscheinungen

Hergenhan, Jutta: Gender. In: Achour, Sabine/Busch, Matthias/Massing, Peter/Meyer-Heidemann, Christian (Hg.): Wörterbuch Politikunterricht. Frankfurt a.M.: Wochenschau Verlag, 2020, S. 88-90.

Hergenhan, Jutta. Rezension: Bargetz, Brigitte/Kreisky, Eva/Ludwig, Gundula (Hg.): Dauerkämpfe. Feministische Zeitdiagnosen und Strategien (2017). In: Femina Politica, 28. Jg, H. 1/2019, S. 148-150.

Greta Olson, Daniel Hartley, Mirjam Horn-Schott, and Leonie Schmidt, eds. (2018). Beyond Gender: Futures of Feminist and Sexuality Studies – An Advanced Introduction. Abingdon: Routledge.