Ökonomischer Agnostizismus
- Willkommen
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Willkommen auf der Website des von der DFG geförderten Forschungsprojekts Ökonomischer Agnostizismus: Zweifel an monetärem Wissen in Literatur und Soziologie des 19. Jahrhunderts.
Das an der Justus-Liebig-Universität Gießen angesiedelte Projekt wird gemeinsam unter der Beteilung des Lehrstuhls Allgemeiner Gesellschaftsvergleich, geleitet von Prof. Dr. Andreas Langenohl, am Institut für Soziologie, und des Lehrstuhls Französische und spanische Literatur- und Kulturwissenschaft, geleitet von Prof. Dr. Kirsten von Hagen, am Institut für Romanistik durchgeführt.
- Projektvorstellung
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Das durch die DFG geförderte Projekt untersucht Problematisierungen von gesellschaftlichem Wissen über die Geldwirtschaft und den Bereich des Monetären im Frankreich des langen 19. Jahrhunderts. Es geht um die Art und Weise, in der Literatur und Soziologie die Möglichkeiten und Grenzen von Wissen und die Handlungsfähigkeit in monetär vermittelten Verhältnissen reflektieren und darüber Probleme individueller Ethiken wie gesellschaftlicher Ordnungen verhandeln. Gefragt wird nach Zweifeln an der Begründbarkeit, Beobacht- und Mitteilbarkeit sowie Reproduktivität monetären Wissens, die in Literatur und Soziologie artikuliert werden.
Ausgehend von dem Befund, dass sich die Ökonomie, insbesondere die sich im 19. Jahrhundert popularisierende und an politischer Bedeutung gewinnende Geldwirtschaft – explizit die Kredit- und Finanzwirtschaft –, zu einem zentralen Bereich gesellschaftlicher Verhältnisse entwickelt, tritt diese für die Zeitgenoss*innen zunehmend auch als epistemisches Problem zutage. Als Problematik der Gesellschaft wird das Monetäre in erster Linie von der Romanliteratur und der entstehenden Soziologie thematisiert. Beide Diskurse raffinieren die Problematik als Kernkomponente des gesellschaftlichen Imaginären. Das Projekt erforscht dabei insbesondere, wie das Monetäre als epistemisches Objekt der Gesellschaft problematisiert wurde, d.h. in welcher Weise monetäres Wissen, sein Wissenswert, die Relevanz und die Grenzen monetären Wissens in Literatur und Soziologie als gesellschaftliches Problem thematisch und reflexiv wurden. Das Projekt unternimmt eine interdisziplinäre Rekonstruktion dessen, was wir als ‚ökonomischen Agnostizismus‘ bezeichnen: Die Frage lautet, durch welche literarischen und soziologischen Darstellungsformen die (Geld-)Wirtschaft als ein Bereich, über den Wissen nur begrenzt oder gar nicht möglich ist, für gesellschaftlich relevant gesetzt wird.
- Aktuelles
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// März 2026
Episode 2 – Podcast 'I Doubt It'
Die zweite Episode unseres Podcasts 'I Doubt It' ist nun online; sie trägt den Titel 'On the Concept of Imagination'. Hier reinhören.
// November 2025
Workshopbericht 'On the Concept of Imagination'
In KULT_online No. 72 erschien am 27.11.2025 ein Bericht zu unserem zweiten Projektworkshop zum Konzept der 'Imagination', verfasst von Karsten Klein (Saarbrücken).
Nachzulesen ist er hier.// November 2025
Projekt-Workshop No. 3 - 5.-6. November 2025, JLU Gießen:
Der dritte Workshop der Reihe widmet sich dem Konzept der ‚Szene‘. Die Identifikation von sozialen Schauplätzen, konkreten gesellschaftlichen Bühnen, oder (‚Gründungs‘-)Szenen, in denen sich das gesellschaftlich Imaginäre in Form ökonomischer Dynamiken zu erkennen gibt, vereint Literatur und Soziologie in der historisch-imaginären Konstellation des 19. Jahrhunderts.
Zum Programm
// Juli 2025
Episode 1 – Podcast 'I Doubt It'
Die erste Episode unseres Podcasts 'I Doubt It' ist nun online; sie trägt den Titel 'On the Concept of Speculation'. Hier reinhören.
// Mai 2025
Gemeinsames Panel: “Money Talks: Futures for the Economic Humanities”, 28.-29. Mai 2025
The University of Edinburgh, Schottland
Unser Edinburgh-Panel konturierte den Begriff des „Zweifels“, mit Blick auf die Bedeutung von Geld in unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten. Denn aus der Infragestellung von Geld können die Geistes- und Sozialwissenschaften etwas über Geld lernen. Es wurde erläutert, dass diese Zweifel jedoch nicht automatisch aus Geldkrisen entstehen, sondern dass sie das Ergebnis von Imaginationen sind. Daher kann der Zweifel am Geld dazu dienen, Geld über den unmittelbaren Kontext einer Krise hinaus zu hinterfragen und alternative Geldordnungen und -prozesse zu entwerfen. Neben klassischen 'Szenen' des Zweifels an Geld (Inflation und Falschgeld) standen auch zeitgenössische 'Szenen' (Kryptowährungen und CBDCs) im Fokus. Ebenso beleuchtete das Panel literarische Darstellungen der Produktivität von Zweifeln im Kontext wirtschaftlicher Transaktionen in Texten von Gustave Flaubert und Edith Wharton, verbunden mit Fragen nach dem Wert des Geldes, der Literatur und des Stils. Ferner rückte die Pariser Weltausstellung 1900 als frühe weiblich-kodierte und feministische „Szene ökonomischen Wissens“ in den Blick, in der Zweifel an (hegemonialem) ökonomischem Wissen artikuliert und inszeniert wurden.
Beiträge des Panels:
- Prof. Dr. Andreas Langenohl: "What Can We Learn About Money from the Ways it is Doubted?"
- Prof. Dr. Kirsten von Hagen: "Money, Doubt and the Stories They Tell – The Case of Flaubert and Edith Wharton"
- Marie-Theres Stickel: "‘Le salut social est à ce prix’: Daniel-Lesueur’s Female-Coded Doubt in Economic Knowledge at the 1900 Paris Universal Exposition"
Fotos: M. Stickel// Mai 2025
Projekt-Workshop No. 2 - 14-15. Mai 2025, JLU Gießen:
Der zweite Workshop widmet sich dem Konzept der ‚Imagination‘/des 'Imaginären' als einem von drei zentralen transdisziplinären Konzepten des Projekts. Die Frage nach ökonomischem Wissen und seiner (Un-)Möglichkeit ist ein zentrales epistemisches Projekt im gesellschaftlichen Imaginären des 19. Jahrhunderts. Die Literatur und entstehende Soziologie adressieren dies, raffinieren gewissermaßen das Monetäre als Kernkomponente des gesellschaftlichen Imaginären.
Zum Programm
// März 2025
Workshopbericht 'On the Concept of Speculation'
Auf H-Soz-Kult erschien am 26.3.2025 ein Bericht zu unserem ersten Projektworkshop zum Konzept der 'Spekulation', verfasst von Karsten Klein (Saarbrücken).
Nachzulesen ist er hier.// Dezember 2024
Projekt-Workshop No. 1 - 11-12. Dezember 2024, JLU Gießen:
Der erste Workshop widmet sich dem Konzept der ‚Spekulation‘ als einem von drei zentralen transdisziplinären Konzepten des Projekts. Die Spekulation begleitet die Entstehung ökonomischen/ monetären Wissen ausgehend vom langen 19. Jahrhundert bis heute und tritt in unterschiedlichen Konfigurationen in Momenten des Zweifel(n)s auf.
Zum Programm
// September 2024
Gemeinsames Panel: Congress of the European Society of Comparative Literature (ESCL), “Le jeu: Gambling, Gaming and Play in Literature”, 2.-6. September 2024
Sorbonne Université, Paris
Unser Paris-Panel zeichnete die vielfältigen Verbindungen zwischen Ökonomie, Literatur und Soziologie rund um das Thema „Spiel“ aus einer soziologisch-literarischen Perspektive nach. Dabei rückten insbesondere die Spekulation, das Glücksspiel und spieltheoretische Ansätze als „spielerische“ Grundelemente einer modernen, aleatorischen Wirtschaftskultur in den Fokus. Die Beiträge des Panels ergänzen die Forschungsarbeit des Projekts zu Formen ökonomischen Wissens, epistemischen Praktiken und ästhetischen Imaginationen. Sie treten in Dialog zwischen literarischen und soziologischen Perspektiven auf das Ökonomische, und beleuchten, wie beide Disziplinen den Begriff des Spiels und der Spekulation nutzen, um kritisch und reflexiv zur Ökonomie Stellung zu beziehen.
Beiträge des Panels:
- Prof. Dr. Kirsten von Hagen: "The Fabric of Dreams: Texture, Fashion, Gambling and Speculation on Social Advancement in Texts by Flaubert and Maupassant"
- Prof. Dr. Andreas Langenohl: "The Production of Uncertainty as Precondition for Speculation: Game Theory in Economics, Strategic Studies, Sociology, and Decentralized Finance"
- Felix Hempe: "Scenes of Speculation: The L’Année Sociologique and the Durkheimians"
- Marie-Theres Stickel: "The Literary System: An Institutionalised Form of Speculative Literary Economic Gambling? On Adrienne Monnier’s Gazette des Amis des Livres (1938)"
[Die Publikation der Beiträge ist in Vorbereitung.]
Fotos: M. Stickel// Januar 2024
Neuerscheinung: Buchbeitrag „Literatur und Soziologie als Genres der Reflexion monetären Wissens“
Wir freuen uns, zum Projektstart auf einen neuen Beitrag hinzuweisen: Das Kapitel „Literatur und Soziologie als Genres der Reflexion monetären Wissens“ von Prof. Dr. Kirsten von Hagen und Prof. Dr. Andreas Langenohl ist nun im literatursoziologischen Sammelband „Die drei Kulturen“ reloaded (Hgg. Christine Magerski und Christian Steuerwald) erschienen.
Die Ökonomie, und insbesondere die sich popularisierende und an politischer Bedeutung gewinnende Geldwirtschaft (einschließlich der Kredit- und Finanzwirtschaft), wird im 19. Jahrhundert zu einem Bereich gesellschaftlicher Verhältnisse, der den Zeitgenossen zunehmend als ein epistemisches Problem sichtbar wird. Der Beitrag beleuchtet, wie in diesem Zeitraum in Literatur und Soziologie die Frage ökonomischen Wissens und seiner (Un-)Möglichkeit intensiv diskutiert wurde.
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Prof. Dr. Kirsten von Hagen
Institut für Romanistik
Prof. Dr. Andreas Langenohl
Institut für Soziologie
Felix Hempe
Institut für Soziologie
Marie-Theres Stickel
Institut für Romanistik
Bildnachweis:
Paris: Colourbox.de / Kostiantyn Levin
Zweifel, Palast der Republik, 2005: Jula2812, CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons