Keynote-Speaker*innen
Denis Mareschal
Centre for Brain and Cognitive Development, Birbeck College, London
Vorläufiger Titel: The challenges and rewards of pursuing real-word developmental science

Denis Mareschal ist Professor und Direktor des Centre for Brain and Cognitive Development sowie stellvertretender Leiter des Department of Psychological Science an der Birkbeck, University of London. Seine Forschung konzentriert sich auf die Wahrnehmungs- und kognitive Entwicklung bei Säuglingen und Kindern, wobei er computergestützte Modellierung mit empirischen Studien kombiniert. Ziel seiner Forschung ist es, die Wechselwirkungen zwischen den Eigenschaften eines Lernsystems und der Umwelt zu verstehen, um die beobachteten Entwicklungsverläufe bei Kindern und Säuglingen zu erklären.
Er ist Mitglied der Association of Psychological Sciences (USA) und der British Psychological Society (UK). Für seine Forschung wurde er u.a. mit dem Research Merit Award der Royal Society-Wolfson, heute bekannt als Royal Society Wolfson Fellowship, sowie dem Margaret Donaldson Early Career Prize der British Psychologial Society ausgezeichnet.
Neben zahlreichen Konferenzbeiträgen und der Veröffentlichung vieler Forschungsartikel ist er (Co-)Autor von Bücher über Neurokonstruktivismus, pädagogische Neurowissenschaften und Konzeptentwicklung.
Brigitte Röder
Biologische Psychologie und Neuropsychologie, Universität Hamburg
Vorläufiger Titel: Neural evidence for sleeper effects in human brain development

Foto: UHH, RRZ/MCC, Mentz
Brigitte Röder ist Professorin für Biologische Psychologie und Neuropsychologie an der Universität Hamburg. Ihre Forschung konzentriert sich auf neuronale Plastizität, multisensorische Integration und Lernprozesse im Gehirn. Sie untersucht, wie sich das Gehirn während der Entwicklung an neue sensorische und kognitive Herausforderungen anpasst und welche Mechanismen der Plastizität dabei eine Rolle spielen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Zusammenarbeit verschiedener Sinnessysteme, sowie der Reorganisation des Gehirns bei sensorischen Einschränkungen, wie etwa Blindheit.
Für ihre herausragende Forschung wurde Brigitte Röder mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter der renommierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Association for Psychological Science. Ihre Arbeiten haben weitreichende Implikationen für die Entwicklung von Bildungs- und Rehabilitationsprogrammen.
Brigitte Röder hat zahlreiche internationale Keynotes und eingeladene Vorträge gehalten und gilt als führende Expertin auf dem Gebiet der Neuroplastizität und multisensorischen Verarbeitung. Ihre Forschung trägt wesentlich zum Verständnis der Lernfähigkeit des menschlichen Gehirns bei und beeinflusst sowohl theoretische als auch angewandte Wissenschaftsbereiche.
- Abstract:
Maurer et al. (2007) proposed the concept of “sleeper effects” in human brain development. The basic idea of this concept is that altered early experience, such as visual deprivation, affects the emergence of functions that typically unfold later in development, that is, long after the end of the altered experience (visual deprivation). Maurer et al. (2007) speculated that sleeper effects are either due to an impaired development of neural circuits that are would crucially contribute to the later developing function. Alternatively, sleeper effects might arise from an interruption of the orchestrated development of multiple neural circuits.
In this talk I will discuss recent findings from humans who were born blind and recovered vision only later in childhood. I will provide neural evidence for sleeper effects and their mechanisms, which I will try to relate to those postulated by Maurer et al. (2007).
Maurer, D., Mondloch, C. J., & Lewis, T. L. (2007). Sleeper effects. Dev Sci, 10(1), 40-47.
Anu Sharma
College of Arts and Sciences, University of Colorado
Vorläufiger Titel: The Rewiring Brain: Cross-Modal Neuroplasticity in Hearing Loss

Anu Sharma ist Professorin und stellvertretende Vorsitzende am Institut für Sprach-, Sprech- und Hörwissenschaften der University of Colorado, Boulder. Zudem ist sie Mitglied des Instituts für Kognitionswissenschaften und des Zentrums für Neurowissenschaften an der selben Universität. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der Neuroplastizität bei Hörverlust und untersucht die Auswirkungen von Hörverlust auf das Gehirn, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, die mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten versorgt sind. Ihre Arbeit wird seit über zwei Jahrzehnten von den US-amerikanischen National Institutes of Health gefördert.
Anu Sharma hat mehr als 200 eingeladene Vorträge und Keynotes auf sechs Kontinenten gehalten, darunter renommierte Vorträge wie die Carhart Memorial Lecture der American Auditory Society, die Marion Downs Lecture bei der American Academy of Audiology (zweimal) und die Ted Evans Lecture der British Society of Audiology. Ihre umfangreiche Forschung hat einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Gehirnplastizität bei Hörverlust geleistet und wird weltweit anerkannt.
Linda B. Smith
Indiana University, Bloomington
Vorläufiger Titel: Controlling the input: A new framework for understanding experience-dependent visual development

Photo by Indiana University Walters Center
Linda B. Smith ist Professorin (Distinguished Professor und Chancellor’s Professor) für Psychologie und Neurowissenschaften an der Indiana University, Bloomington. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der sensomotorischen Dynamik von Aufmerksamkeit und Lernen, der Entwicklung der visuellen Objekterkennung sowie dem Wortlernen. Ein zentraler theoretischer Fokus ihrer Arbeit ist das Verständnis von Entwicklungsprozessen und Veränderungsmechanismen. Sie untersucht, wie frühe Veränderungen in Wahrnehmung, Sprache und Handlung sich gegenseitig beeinflussen, insbesondere in der Phase, in der Kinder zwischen 12 und 24 Monaten beginnen, Sprache zu erwerben. Ihre Forschung verfolgt einen systemischen Ansatz, der darauf abzielt, zu verstehen, wie verschiedene Komponenten über unterschiedliche Zeitskalen und Analyseebenen hinweg interagieren und so den individuellen Entwicklungsweg eines Kindes beeinflussen.
Für ihre herausragenden Beiträge zur Entwicklungspsychologie und Kognitionswissenschaft wurde Linda B. Smith vielfach ausgezeichnet. Sie ist Mitglied der National Academy of Sciences und Fellow der American Academy of Arts and Sciences. 2013 erhielt sie den David E. Rumelhart Prize in Cognitive Science sowie den Award for Distinguished Scientific Contributions der American Psychological Association. 2019 wurde ihr der Norman Anderson Lifetime Achievement Award der Society of Experimental Psychologists verliehen. 2020 wurde sie mit der Koffka-Medaille geehrt.
Mit ihrer visionären und inspirierenden Forschung hat Lindas B. Smith unser Verständnis von Entwicklungsprozessen maßgeblich geprägt. Ihre Arbeiten werden häufig zitiert und dienen weiterhin als Grundlage und Inspiration für neue Forschungsprojekte.
- Abstract:
Much of the information in the world is latent, not revealed without some action by the perceiver. What we see, for example, depends on our posture, on where we turn our heads and eyes, what we do with our hands, where we move and how we move. All these behaviors select and create visual experiences. In human infancy, these behaviors emerge and change systematically with motor development creating a curriculum of experience. Behavior also offers a way to control the input, to optimize the external signal of targets of attention and to dampen signals from distractors. As behavior changes over the first two years of life post birth, it creates new opportunities and challenges for visual learning and for visual attention. In this talk, I will present findings from our analyses of the visual statistics of infant ego-centric images (collected at the scale of daily life in the home). The data show how infant behavior optimizes the visibility of targets of attention and dampens the visibility of distractors, and in so doing biases the daily-life statistics of visual experience. The statistics in the input (sensory, semantic, temporal) change systematically with age. I will focus on the role of developmental changes in eye, head and hand movements. I will note that another factor is the learning of world-level visual statistics from the ordered curriculum of the developmentally changing statistics. These learned world statistics, priors, all influence behaviors that select and create visual experiences. The findings have relevance to experience-dependent visual development, more generally and also implications for the development of the self-regulation of attention.