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Erfahrungsbericht UIBE WS2014/15 von Dennis Krahl

Erfahrungsbericht

Mein Auslandssemester in China

Dennis Krahl

Vor dem Abflug

 Bereits im Semester vor dem Auslandsaufenthalt habe ich einen Anfängersprachkurs in Chinesisch an der Uni absolviert. Der ermöglicht es einem in der Praxis zwar noch nicht wirklich zu kommunizieren, aber ist eine gute Basis um darauf aufbauend weiter zu lernen und besser in die Sprache reinzufinden. Chinesisch ist für Europäer nun mal viel schwerer zu lernen, als beispielsweise Spanisch. Es gibt keine Ähnlichkeiten, man kann sich Wörter nicht herleiten und muss sogar das Schreiben völlig neu lernen. Ich empfehle daher jedem, der für eine gewisse Zeit in China leben möchte, frühzeitig mit dem Erlernen der Sprache zu beginnen.

Bereits Wochen vor dem Abflug gab es einiges zu erledigen. Um das Visum zu bekommen, muss man zweimal zum chinesischen Generalkonsulat nach Frankfurt fahren. Außerdem muss man sich um Impfungen, Auslandskrankenversicherung und viele andere Dinge kümmern. Ich habe zuvor noch immer mit einem Standrechner gearbeitet und musste mir noch einen Laptop kaufen, den ich mitnehmen konnte. Natürlich muss dieser auch eingerichtet und mit allen Daten und Programmen ausgestattet werden.

Meinen Koffer habe ich erst am Abflugtag gepackt. Da ich bereits akribisch eine Packliste erarbeitet habe, dachte ich, dass das relativ schnell gehen würde. Das war aber ein Trugschluss. Meine Empfehlung ist daher: Packt die Koffer lieber schon ein- zwei Tage früher soweit wie möglich fertig. Dann erspart ihr euch die Hektik und den Stress am Abreisetag, den ich hatte, und könnt besser und gut gelaunt in das Abenteuer Auslandsaufenthalt starten.

Am Flughafen habe ich mich mit einem Kommilitonen getroffen. Wir sind zusammen nach China geflogen und in unser Auslandssemester gestartet. Beim Check In war die Vorfreude bei uns groß und langsam machte sich auch etwas positive Aufregung breit.

 

Die Ankunft in Peking und auf dem Campus

Wir sind nach einer langen Reise mitten in der Nacht in Peking gelandet und haben zunächst festgestellt, dass wir schlagartig Analphabeten waren. Beim Blick auf die diversen Hinweisschilder, voller chinesischer Zeichen, hatten wir nicht den Ansatz einer Ahnung, was sie uns sagen sollten. Wir entschieden uns, für den Rest der Nacht in ein günstiges Hotel zu gehen, da wir jetzt auf dem Campus ohnehin kein Zimmer bekommen hätten. Leider erfordert es viel Geduld, um am Flughafen ein Taxi zu bekommen. Es gibt eine Warteschlange, in der man sich, ähnlich wie für eine Achterbahnfahrt, anstellen muss. Nach über einer Stunde waren wir an der Reihe und stellten fest, dass unsere Probleme grade erst anfingen. Leider sprach der Taxifahrer gar kein Englisch und es war nahezu unmöglich, ihm zu vermitteln, wo wir hinfahren möchten. Auch das einchecken im Hotel erwies sich ähnlich schwierig und wir waren froh, als wir irgendwann endlich in die Betten fallen konnten.

Am Folgetag sind wir wiederum mit einem Taxi zum Campus gefahren. Das war insofern einfacher, da wir dem Taxifahrer einen Zettel mit dem Namen der Universität in chinesischen Zeichen zeigen konnten.

Wir sind gegen Mittag an der Universität angekommen und mit all unserem Gepäck völlig planlos über den Campus gelaufen und haben versucht uns zu orientieren. Schon nach wenigen Minuten haben uns zwei chinesische Studentinnen gefragt, ob sie uns irgendwie helfen können. Scheinbar hat man uns unsere Planlosigkeit angesehen. Das ganze erwies sich für uns als riesen Glücksfall, denn die beiden haben uns den ganzen Tag nicht mehr aus den Augen gelassen, uns dabei geholfen alles zu organisieren und uns den Campus gezeigt. Ohne sie wäre das Einchecken an der Rezeption im Studentenwohnheim erneut aufgrund sprachlicher Barrieren zur Katastrophe geworden. Aber sie haben für uns alles auf Chinesisch gemanagt. Beide konnten sehr gut Englisch sprechen, so dass wir mit ihnen kommunizieren konnten. Im Laufe des Tages halfen sie uns unter anderem noch beim Geld wechseln, den Kauf von SIM-Karten für Handys und anderen Dingen mehr.

Später am Abend habe ich dann auch noch meinen neuen Zimmerkollegen kennen gelernt. In China ist es üblich, dass sich Studenten mit mehreren Leuten ein Zimmer teilen. Die einheimischen Studenten wohnen mit 5 bis 8 Mann in einem Zimmer. In den Unterkünften für die internationalen Studenten ist man lediglich zu zweit, aber schon das ist eine große Umstellung, wenn man es nicht gewohnt ist, dass noch ein anderer Student im gleichen Raum schläft. Mein „roommate“ kam aus Mexico und wir haben uns soweit gut verstanden.

Am Folgetag hab ich einen chinesischen Kumpel meines Zimmerkollegen kennen gelernt. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, wie viel wir in den kommenden Monaten zusammen unternehmen würden. Er lernt Deutsch und hält sich fast ständig bei den internationalen Studenten auf.

Die Tage darauf haben wir angefangen, die nähere Umgebung zu erkunden, ein paar touristische Ziele anzusteuern (z. b. Temple of Heaven, Fahai Temple, Künstlerviertel, etc.) und nachts ausgiebig zu feiern. Schließlich hatten wir knapp zwei Wochen vor dem Start der Uni, um uns zwanglos einzuleben.

 

Die Einführungsphase

Die Einführungsphase begann mit der Registrierung, die einer Massenabfertigung glich. Da es schwer war, sich mit den einzelnen Personen an den unterschiedlichen Tischen zu verständigen, hat man ihnen meist einfach alle Unterlagen gegeben und sie haben sich genommen und bearbeitet, was sie brauchten. Alles wirkte noch viel bürokratischer, als in Deutschland. Zum Abschluss dieser Prozedur stand ein Sprachtest zur Einteilung der Klassen für den Sprachunterricht.

Erst am Folgetag fand eine kurze Begrüßungsveranstaltung statt, bei der man sich dann tatsächlich sehr herzlich empfangen und willkommen gefühlt hat. Sie endete mit einer Campusführung. Über den Rest der Woche verteilt fanden Informationsveranstaltungen der einzelnen Fachbereiche statt, an denen wir Kurse belegen konnten. Außerdem galt es, noch einige organisatorische Dinge zu klären. Vielfach war immer noch nicht klar, welche Kurse wir wie angerechnet bekommen. Leider stand auch jetzt erst fest, welche Kurse überhaupt angeboten wurden, so dass die zuvor angefertigten Learning Agreements teilweise hinfällig waren. Grade in dieser Phase war das neu eingerichtete GEEC-Office eine große Hilfe. Durch dieses Büro wurden viele organisatorische Probleme der Vergangenheit minimiert. Es ist die zentrale Anlaufstelle für die Kursanmeldungen ausländischer Studenten. Außerdem konnte man sich bei allen Fragen und Problemen an die dortigen Betreuer wenden und hat während des gesamten Semesters immer schnell und unbürokratisch Antworten und Hilfe bekommen.

 

Der Uni-Alltag

Der Uni-Alltag unterscheidet sich in vielen Punkten grundlegend von dem aus Deutschland Gewohnten. In China ist der Lehrer bzw. Professor hierarchisch viel höher gestellt als in Deutschland und nimmt auch eine gewisse Elternrolle für die Studenten ein. Ein ähnliches Bild ergibt sich in China im Verhältnis zwischen Chef und Angestellten. Das Ganze ist letztlich ein Teil der chinesischen Kultur und bis auf die Lehren von Konfuzius zurückzuführen.

Das Resultat ist, dass man als Student deutlich weniger Freiheiten hat, als in Deutschland. So herrscht prinzipiell Anwesenheitspflicht bei allen Veranstaltungen, die oft keine reinen Vorlesungen, sondern eine Mischform aus Vorlesung, Seminar und Übung sind. Teilweise werden im wöchentlichen Rhythmus kleine Tests geschrieben. Die Studenten werden in einer an deutschen Universitäten undenkbaren Weise kontrolliert und zur regelmäßigen Leistungserbringung gezwungen. Der Vorteil daran ist, dass man keine andere Wahl hat, als sich frühzeitig mit dem Stoff zu beschäftigen und das aus Deutschland bekannte Risiko, kurz vor der Klausur ein ganzes Semester aufarbeiten zu müssen, deutlich kleiner wird.

Konkret sah es so aus, dass ich vormittags fast immer Chinesisch hatte und nachmittags Vorlesungen in den Business-Fächern. Der Unterricht fand auch in den BWL-Fächern getrennt von den chinesischen Studenten in separaten Veranstaltungen für die Internationals statt und wurde auf Englisch gehalten. Vermutlich liegt der Hauptgrund in der Trennung in den unterschiedlichen Semesterzeiten. Unsere Kurse waren so ausgelegt, dass sie vor Weihnachten zu Ende waren, während die Chinesen noch bis Mitte Januar Klausuren hatten. Aber auch hinsichtlich des Komforts gab es Unterschiede. So waren unsere Klassenräume an der Business School mit gepolsterten Stühlen und Gratis-Instant-Kaffee ausgestattet, während die dortigen Klassenräume der Einheimischen Studenten lediglich mit Holzstühlen ausgestattet waren und keinen Kaffee bereithielten.

Nach dem Unterricht hatte man meistens noch Hausaufgaben zu erledigen, oder Gruppenarbeiten und Präsentationen vorzubereiten.  Am späteren Nachmittag, oder Abend hatte man dann meistens Freizeit.

 

Das Leben auf dem Campus

Die Universität war eine richtige Campus-Uni, wie man sie aus US-amerikanischen Spielfilmen kennt. Auf dem umzäunten Universitätsgelände waren auch die Wohnunterkünfte, Sportanlagen, Mensa, ein Restaurant, zwei Cafés und einige Geschäfte. Man hätte den Campus theoretisch während des gesamten Semesters nicht verlassen müssen. Natürlich hat man es trotzdem fast täglich getan. Der kleine Supermarkt auf dem Campus hat 7 Tage die Woche bis 11 Uhr nachts auf, direkt am West-Tor ist zudem ein kleines Geschäft, das rund um die Uhr geöffnet hat.

Die Wohnsituation ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig, da man sich stets zu zweit ein Zimmer teilen muss. Dabei hat man es noch deutlich besser, als die einheimischen Studenten, die sich zu fünft, bzw. zu acht ein Zimmer teilen müssen. Anders als bei den Wohnblöcken der Chinesen sind die Gebäude der ausländischen Studenten nicht nach Geschlechtern getrennt und auch andere Einschränkungen, die chinesische Studenten im Wohnheim haben, bleiben den Ausländern erspart.

Zum Essen geht man als Student in der Regel aus. Frühstück kostet in der Mensa umgerechnet 30-40 Cent, Mittag- und Abendessen bekommt man in der Mensa ab umgerechnet knapp 1 Euro und in den Restaurants an der östlichen Campusseite für ca. 1,50 Euro. Auf der westlichen Campusseite zahlt man auch schon mal rund 3 Euro für eine Mahlzeit. Selber kochen wäre nicht wirklich günstiger, abgesehen davon hat man in den meisten Zimmern keine eigene Küche und auch keinen Kühlschrank.

Als es Winter wurde, stellten wir fest, dass die Heizkörper keinen Regler hatten. Trotzdem wurden sie irgendwann warm, da sie zentral gesteuert wurden. Angenehme Raumtemperaturen waren trotzdem eine Seltenheit. Mein Zimmer heißte sich dermaßen auf, dass ich des Öfteren die Hitze einfach rauslüften musste, während andere Zimmer eigentlich viel zu kalt blieben.

Eine weitere Einschränkung ist die Internetzensur in China. So waren zum Beispiel Facebook und YouTube gesperrt und auch Google und Wikipedia waren zeitweise nicht erreichbar. Dieses Problem kann man aber ganz einfach umgehen, indem man sich in das VPN der Uni Gießen einloggt. Damit kann man unzensiert auf alle Seiten zugreifen.

 

Zeit zum Feiern

Die Austauschstudenten in China finden häufig auch Zeit für ausgiebige Partys. Berühmte Pekinger Clubs wie Juicy, Elements, VICS, MIX, Latte, PPG, Wu-Club und viele andere sind einem schnell bestens bekannt. Das Feiern ist im Vergleich zu Deutschland auch relativ billig. Oft genug findet man einen Club, bei dem man als Mann für umgerechnet 7,50 – 10,00 Euro Eintritt eine Trink-Flatrate für den ganzen Abend bekommt. Für Frauen ist es meist noch deutlich günstiger. In diesen Clubs trifft man natürlich auch auf Chinesen, generell ist die Quote ausländischer Besucher aber sehr hoch. Die Clubs sind an den westlichen Kulturkreis angelehnt und viele Chinesen können mit unserer Art Partys zu feiern nicht so viel anfangen. Chinesische Partys könnt ihr am besten auf dem Campus erleben, z. B. auf der Welcome Party in eurem Wohnheim. Ansonsten gehen Chinesen wahnsinnig gerne Karaoke singen. Hierzu eignet sich vor allem die vom Campus aus fußläufig erreichbare Partyworld. Unter der Woche enden die Tage meist in einer der campusnahen Bars, wie Lakers, oder Helens.

 

Kontakt zu Einheimischen

Wenn man das möchte, kann man sehr viele Kontakte zu chinesischen Studenten pflegen. Trotzdem bewegen sich viele Austauschstudenten ausschließlich im Kreis anderer Austauschstudenten. Mit ein Grund dafür mag sein, dass man keine gemeinsamen Kurse mit den einheimischen Studenten hat. Auch beim Weggehen trifft man, wie schon erwähnt, hauptsächlich auf ausländische Studenten.

Dennoch sind viele Chinesen an Kontakten zu ausländischen Studenten interessiert. Insbesondere die Chinesen, die an der UIBE Deutsch lernen, suchen regelrecht den Kontakt zu Deutschen. Sie gehen sogar aktiv auf die Austauschstudenten zu, so dass man nicht mehr machen muss, als ihnen offen und freundlich zu begegnen. Chinesische Studenten sind sehr herzlich und der Kontakt zu ihnen eröffnet tiefe Einblicke in die chinesische Kultur.

Im Oktober findet das „Moon-Festival“ in China statt. Anschließend ist im ganzen Land eine Woche lang Feiertag. In dieser Woche hat auch die Universität geschlossen und die meisten Studenten (und auch die Einheimischen) reisen durch das Land. Ich bekam die einmalige Einladung, mit fünf anderen internationalen Studenten zusammen einen Chinesen zu seiner Familie in sein Heimatdorf zu begleiten. In diesem „Dorf“ leben 200.000 Menschen, es ist für unsere Verhältnisse also eine ausgewachsene Stadt. Seine Familie wohnte in einem traditionellen, alten Haus, das zu einem großen Teil aus einem nicht überdachten Innenhof bestand. In den Räumen gab es weder eine Heizung, noch einen Wasseranschluss. Dafür war ein Pumpbrunnen direkt im Innenhof. Auch die Toilette, bzw. das Loch im Boden, befand sich unter freiem Himmel. Die Familie lebt in sehr einfachen Verhältnissen und es überraschte mich, wie glücklich und zufrieden sie dennoch zu sein schien. Auch von der herzlichen Gastfreundschaft der Familie und der gesamten Stadt waren wir überwältigt. Man begegnete uns überall mit Offenheit, Freundlichkeit, aber auch mit Neugierde und Interesse. Die Menschen in Peking sind Besucher aus aller Welt inzwischen gewohnt, aber in diesem Örtchen kannten die meisten Menschen Europäer nur aus den Medien. Dadurch standen wir überall im Mittelpunkt. In dieser Woche erlebten wir die authentischsten und unverfälschtesten Eindrücke von einfachem Leben in China, von der chinesischen Kultur und von der Mentalität chinesischer Menschen.

Gegen Ende des Semesters haben einige der chinesischen Studentinnen, die Deutsch lernen, für einen Tag eine Wohnung gemietet, um dort gemeinsam Jiaozi zu kochen. Dazu haben sie auch uns deutsche Austauschstudenten eingeladen. Leider sind nur zwei von uns dort gewesen, was eher schwach war. Dennoch hat es sehr viel Spaß gemacht. Und es war zudem das einzige Mal, dass ich in China gekocht habe. Ich würde allen Austauschstudenten empfehlen, derartige Einladungen anzunehmen, da sie die beste Möglichkeit zum kulturellen Austausch bieten.

 

Chinesische Kultur

Die chinesische Kultur unterscheidet sich sehr von unserer, wodurch sich viele Fettnäpfchen auftun. Das soll aber nicht abschrecken, den Kontakt zu Einheimischen zu suchen. Mit ihrer offenen Art verzeihen sie viele Fehltritte. Leider weisen sie einen aber auch meist nicht auf die Verfehlung hin, was mit dem „Gesicht wahren“ zusammen hängt. Daher sollte man sich vor dem Auslandssemester definitiv mit den kulturellen Unterschieden auseinander setzen. Der AfK-Kurs „Landeskunde China“ ist dafür auf jeden Fall empfehlenswert. Auch die Literatur und das Internet bieten viele Möglichkeiten, sich zu informieren. An dieser Stelle kann ich nicht in aller Gänze die unterschiedliche Mentalität abhandeln, aber ein paar exemplarische Einblicke möchte ich geben:

Ein sehr wichtiger Bestandteil chinesischer Kultur ist die oben angesprochene Gesichtswahrung. Wenn wir von einer kleinen Peinlichkeit sprechen, oder manchmal nicht einmal das, meint ein Chinese schnell, sein Gesicht zu verlieren – und das gilt es natürlich zu vermeiden. Außerdem vermeidet man es auch, Auslöser dafür zu sein, das jemand anders sein Gesicht verlieren könnte. Dieses Konzept ist den meisten Europäern zwar bewusst, aber wir sind viel zu wenig dafür sensibilisiert, so dass wir schnell rabiat und unfreundlich wirken.

Viele Aspekte der chinesischen Kultur beruhen auf den alten Lehren von Konfuzius und anderen antiken chinesischen Philosophen. Aus den konfuzianischen Lehren wird unter anderem das strenge Hierarchiedenken in der chinesischen Kultur hergeleitet. Steile Hierarchien sind in China allgegenwärtig: in der Familie, der Schule, an der Arbeit und auch im Staatswesen. Wobei Hierarchie dort immer auch bedeutet, dass der Höhergestellte Fürsorge für den Untergebenen trägt. Das bedeutet auch, dass Chefs und Lehrer in allen Bereichen für ihre Mitarbeiter Sorge tragen, auch in privaten Angelegenheiten.

In China ist es eine Frage der Höflichkeit, dass man etwas nie direkt ablehnt, also nicht direkt „Nein“ sagt. Andererseits nimmt man angebotene Dinge nicht direkt an. Man lehnt sie vorher dreimal höflich ab. Natürlich bietet ein Chinese deshalb auch immer mindestens dreimal an.

Viele Gegenstände und Zahlen haben in China eine für uns nicht direkt erkennbare, symbolische Bedeutung, was man z. B. beachten sollte, wenn man jemandem etwas schenken möchte. Die Zahl 4 ist beispielsweise eine unglücksbringende Zahl, da 4 auf Chinesisch genauso klingt wie „Tod“. Man sollte es daher auf jeden Fall vermeiden eine Sache als Viererbündel zu verschenken. Z. B. ist ein Strauß aus vier Blumen keine gute Idee.

Beim Essen wirkt für uns Europäer die chinesische Kultur anfänglich teilweise eher abstoßend. So ist es in chinesischen Restaurants üblich, dass die Gäste Knochen und andere Dinge, die sie nicht essen wollen einfach auf den Tisch, oder den Boden spucken. Auch laute Schmatz- und Essgeräusche gehören zum guten Ton, was für viele Ausländer unverständlich ist. An anderen Aspekten chinesischer Esskultur findet man meist jedoch schnell gefallen: das gemeinsame Essen mit Stäbchen von allen Platten, ohne einen eigenen Teller zu haben wird als überraschend angenehm und gesellschaftsfördernd empfunden. Das Essen selbst ist in China so vielfältig, wie nirgendwo sonst und hält viele Gaumenfreuden bereit. Natürlich gibt es auch immer wieder etwas, was einem nicht schmeckt, aber das muss man ja dann kein zweites Mal probieren. Alles in allem ist die chinesische Küche sehr lecker und nicht mit einem Besuch im hiesigen China-Restaurant vergleichbar.

 

Sehenswürdigkeiten in Peking

Peking bietet zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten, die man in ihrer Gänze kaum alle sehen kann. Neben den weltbekannten Touristenmagneten, die man auch auf jeden Fall sehen muss (Verbotene Stadt, Sommerpalast, Chinesisches Museum, Konfuziustempel, Chinesische Mauer und andere) gibt es viele weitere Orte, die nicht völlig von Touristen überrannt werden und dennoch äußerst sehenswert sind. Zumeist handelt es sich um Tempelanlagen. Aber auch bei der Chinesischen Mauer lohnt sich ein Abstecher zu einem Mauerabschnitt, der nicht zu den bekannten Touristenanlaufpunkten zählt. Hier kann die Mauer entdecken, ohne sich durch endlose Menschenmassen durchzuwühlen. Wir haben sogar eine Nacht auf einem abgelegenen Abschnitt der Mauer verbracht, was in den Touristengebieten gar nicht möglich ist.

 

Prüfungsphase

Ähnlich wie bei uns kann es in der Prüfungsphase sehr hektisch werden und je nachdem wie die Klausuren liegen, ist man auch plötzlich von morgens bis abends nur noch am Lernen. Die Klausurenphase beginnt, genauso wie bei uns, direkt nach dem Ende der Vorlesungszeit. Allerdings endet die Vorlesungszeit nicht an allen Fachbereichen gleichzeitig. Dadurch hatten wir während den ersten Klausuren an der Business School noch Chinesisch-Unterricht, da dieser von der School of International Education angeboten wurde. Zum Lernen kann man in die Bibliothek gehen, was ich sehr empfehlen kann. Die meisten ausländischen Studenten lernen aber nicht dort, sondern im Wohnheim, oder in dem speziellen Raum für internationale Studenten.

 

Kurz vor der Rückreise

Nach der letzten Prüfung hatte ich noch exakt eine Woche Freizeit, bevor mein Flieger zurück nach Deutschland ging. Den Flug hatte ich schon zusammen mit dem Hinflug so gebucht und kam grade rechtzeitig zu Weihnachten wieder in Deutschland an. Am liebsten hätte ich den Rückflug noch kurzfristig umgebucht, doch das wäre viel zu teuer geworden. Am Ende wollte ich gerne noch länger in China bleiben, die Stadt weiter erkunden und Zeit mit den chinesischen und internationalen Freunden verbringen. Weihnachten in Deutschland ist schließlich jedes Jahr. Ich empfehle daher jeden, noch etwas länger in Peking zu bleiben. Denn das ist eine wirklich einmalige Gelegenheit.

In meiner letzten Woche habe ich jedenfalls noch einiges an Sightseeing erledigt. Dabei wurde ich oft von einer guten chinesischen Freundin begleitet. Natürlich habe ich auch noch schnell alle fehlenden Weihnachtsgeschenke gekauft – dadurch und durch die ganzen Bücher, die ich mit zurück  genommen habe, hatte ich beim Rückflug dann ein gewaltiges Übergewichtsproblem. Außerdem braucht man natürlich Zeit, um mit allen anderen Austauschstudenten ein letztes Mal zu feiern, sich zu verabschieden und auch alle chinesischen Freunde nochmal zu treffen. Außerdem muss man auch noch letzte organisatorische Dinge klären.

Die Fahrt zum Flughafen wird von einer bedrückenden Stimmung begleitet. Neben der Freude, altbekannte Gesichter wiederzusehen steht die Gewissheit, einen einmaligen Lebensabschnitt zu beenden und viele liebgewonnene Menschen vielleicht nie wieder zu sehen.

 

Wieder in Deutschland

Familie, Freunde, Kumpels, alle wollen einen wiedersehen und hören, was man erlebt hat. Nebenbei war Weihnachten und in all dem Trubel hatte ich ein herrliches Jet Lag – war am Spätnachmittag sterbensmüde und konnte nachts nicht schlafen. Außerdem wartete aufgrund meines Ehrenamtes direkt viel Arbeit auf mich. Es fiel mir schwer, Zeit zu finden, mich wieder auf Deutschland einzustellen. Man braucht Zeit, um für sich die frischen Erfahrungen zu reflektieren, zu verarbeiten und sich wieder auf den hiesigen Kulturkreis einzulassen. Und man sollte versuchen, den Kontakt zu den chinesischen Freunden aufrecht zu erhalten. Man kann ihnen Postkarten von der eigenen Heimatstadt schicken. Im Internet kann man den Kontakt zu den meisten über QQ halten. Facebook haben die wenigsten, weil die Seite in China ohne VPN nicht erreichbar ist.

 

Fazit

Das Auslandssemester hat mir insbesondere durch die interkulturellen Erfahrungen einen unersetzlichen Erfahrungsschatz beschert, der sicher auch beruflich weiterhelfen kann. Außerdem habe ich jetzt eine innere Motivation, weiterhin Chinesisch zu lernen. Ich konnte viele Kontakte in diesem für die meisten Deutschen immer noch so fremden und exotischen Land China knüpfen, welches mir jetzt gar nicht mehr so fremd erscheint. Obendrein gab es das Erlernte Wissen und die Credit Points aus den Fachvorlesungen.

Ein Auslandssemester an der UIBE in Peking kann ich jedem bestens empfehlen, der einer völlig anderen Kultur gegenüber offen und aufgeschlossen ist. Generell denke ich, dass ein Auslandssemester erst dann richtig interessant ist, wenn das Gastland große kulturelle Unterschiede zu dem eigenen Land aufweist. China ist daher sicher eines der interessantesten Länder für eine solche Erfahrung während der Studienzeit.