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Forschungsschwerpunkte

Forschungsschwerpunkte der Professur für Philosophie mit dem Schwerpunkt Philosophie der Lebenswissenschaften

Derzeit arbeite ich vornehmlich an folgendem Fragenkomplex:

Viele von uns (ich auch) gehen davon aus, dass wir durch die Beschäftigungen mit fiktionalen Texten Etliches über uns und die Welt lernen können. Wie aber kann das sein? Denn immerhin zeichnen sich Fiktionen gerade dadurch aus, nicht an der Wahrheit orientiert zu sein. Auch gelten für für die Produktion und die Rezeption von Fiktionen nicht in ähnlicher Weise epistemische Normen wie etwa für wissenschaftliche Texte. Im Kern denken sich Autor:innen fiktionaler Texte etwas aus, kreieren 'fiktionale Welten'. Und welchen Bedingungen, falls überhaupt, können wir gleichwohl von Fiktionen etwas über die aktuale Welt lernen?   

Das Interesse an dieser Frage entwickelte sich aus meiner Arbeit am Begriff der Vorstellungskraft im Rahmen des von 2020-2023 durch die DFG geförderten Projekts Geist und Imagination (zusammen mit Matthias Vogel). Startidee des Projekts war, dass das philosophische Verständnis der Vorstellungskraft erstaunlich unterentwickelt ist - gerade wenn man sich vergegenwärtigt, welche Rolle die Vorstellungskraft in unserer Lebenspraxis spielt. Unser Projekt soll dabei helfen, diesen Missstand zu beheben, und dadurch zu einem vertieften und angemesseneren Verständnis unseres Geistes insgesamt beitragen. Ich selbst habe in dem Projekt vorwiegend Überlegungen zur Natur des (sinnlichen) Imaginierens angestellt und letztlich einen Vorschlag entwickelt, der unser Imaginieren als ein geistiges Handeln begreift, das wir zu unterschiedlichen Zwecken - und auch zum Zweck des Erkenntnisgewinns - vollziehen können. 

 

'Philosophische Nebenbeschäftigungen':

(1) Seit einigen Jahren richtet sich mein Interesse an Sprache und Kommunikation zunehmend auf solche 'Sprech- und Kommunikationsweisen', die unser soziales und gesellschaftliches Zusammenleben gefährden. So arbeite ich aktuell daran, das Phänomen des Bullshits theoretisch angemessen zu fassen. Die vorherrschende (und bekanntlich auf Harry Frankfurt zurückgehende) Auffassung bestimmt Bullshit ausschließlich über die Einstellungen (insbesondere Absichten) des/der jeweiligen Sprecher/in. Im Unterschied dazu versuche ich Bullshit als ein primär kommunikatives und insofern soziales Phänomen zu konzipieren. Rezipient:innen müssen demnach in das theoretische Bild integriert werden.

(2) Viele Menschen, ich eingeschlossen, fürchten uns vor dem Tod. Die philosophische Debatte rund um die Todesfurcht beschäftigt sich meist mit der Frage, inwiefern, falls Überhaupt, der Tod etwas Schlechtes für uns darstellt, etwas, was zu fürchten rational wäre. Mich beschäftigen hingegen andere Facetten der Todesfurcht: etwa die blanke Fassungslosigkeit darüber, dass ein Leben endet, jegliches Leben endet; Aspekte der Unverständlichkeit des Todes, oder auch der Impuls des Aufbegehrens angesichts des Todes, ein Aufbegehren, das in der bloßen Tatsache unsere Endlichkeit einen Skandal sieht. Lassen sich deartige Reaktionen und Einstellungen philosophisch intelligibel machen?