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Personalrats-Info 01/26

Digitale Souveränität

Digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist seit einiger Zeit in aller Munde. Ende November veranstaltete unsere Bundesregierung einen Gipfel zu diesem Thema, der Chaos Computer Club rief im Dezember zu einem „digitalen Unabhängigkeitstag“ auf und auch an unserer Hochschule wird zur digitalen Souveränität geforscht, wie z.B. im Projekt DREAM (https://dream-projekt.de), an dem der Informationssicherheitsbeauftragte unserer Hochschule, Professor Luigi Lo Iacono federführend beteiligt ist. Doch was ist das überhaupt?

Laut Wikipedia versteht man unter digitaler Souveränität die selbstbestimmte Nutzung und Gestaltung von Informationstechnik durch Gesellschaften, Staaten, Unternehmen und Individuen. In der öffentlichen Diskussion wird die Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologiekonzernen als ein zentrales Problem wahrgenommen. Einen Aspekt der digitalen Souveränität hatten wir als Personalrat bereits in einer unserer letzten Personalversammlungen durch einen Vortrag zum Thema „Microsoft 365“ aufgegriffen. Die positiven Reaktionen auf den Vortrag haben uns darin bestätigt, das Thema weiterzuverfolgen.

Als Personalrat sehen wir den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen als unsere Aufgabe an. Dies gilt aber nicht nur in Bereichen wie Arbeitszeit oder Gesundheitsschutz, sondern auch in Themen der Digitalisierung wie z.B. im Beschäftigtendatenschutz. Wir sehen in einer stärkeren digitalen Unabhängigkeit große Vorteile für unsere Hochschule und ihre Angehörigen aber auch Herausforderungen.

Ein Festhalten an den Angeboten großer US-Techkonzerne wie Microsoft hat durchaus Vorteile. Die Microsoft-Produkte wie Windows, Office und Exchange sind bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz und wir haben uns an sie gewöhnt. Viele Kolleg*innen würden sich wünschen, wenn wir an der JLU auch alle Microsoft Cloudservices nutzen dürften, um effektiver kollaborativ arbeiten zu können. Microsoft hat darüber hinaus in den letzten Jahren sehr attraktive Lizenzmodelle angeboten, die es z.B. den Hochschulen ermöglichen auch allen Studierenden kostenfrei das Officepaket zur Verfügung zu stellen.

Andererseits gibt es immer noch berechtigte Zweifel daran, ob die Systeme von Microsoft DSGVO-konform einsetzbar sind und bei Clouddiensten US-amerikanischer Hersteller besteht immer das Problem, dass die US-Behörden jederzeit Zugriff auf unsere Daten erlangen können, was auch vertrauliche Informationen wie Gesundheitsdaten von Beschäftigten oder wertvolle Forschungsdaten betreffen könnte. Dabei ist es unabhängig, ob diese Inhalte in europäischen Rechenzentren gespeichert sind oder nicht. Microsoft ist seit Jahren bemüht, ihre Kunden zum Wechsel zu ihren rein cloudbasierten Produkten zu bewegen, was mit einer quasi vollständigen Aufgabe der digitalen Souveränität einher ginge. Ein Verlust des Zugangs zu einem solchen System könnte ähnliche Auswirkungen haben, wie seinerzeit #jluoffline. Was vor ein paar Jahren noch absurd erschien, kann in der veränderten geopolitischen Lage leider schnell Realität werden. So haben Sanktionen der US-Regierung gegenüber den Richtern und Staatsanwälten des Internationalen Strafgerichtshofs dazu geführt, dass diese Personen keine Dienste von US-Unternehmen wie Microsoft, Amazon, VISA oder Google nutzen können. Es ist kaum vorstellbar, was ein Verlust der Microsoft-Lizenzen für den Dienstbetrieb der JLU bedeuten würde.

Im Versuch einen anderen Weg in der IT-Strategie einzuschlagen, sehen wir eine echte Chance. Anstatt Software von der Stange zu kaufen, könnte man sich Open-Source-Alternativen suchen, die besser zu unseren Anforderungen passen und die man ggf. sogar – zusammen mit den anderen hessischen Hochschulen sowie weiteren Partnern – anpassen und weiterentwickeln könnte. Die Einführung der next.hessenbox, sowie Projekte wie das neue Bibliothekssystem FOLIO, welches sich aktuell in der Erprobung befindet, zeigen wohin die Reise gehen könnte. Neben dem Gewinn digitaler Unabhängigkeit, könnten so langfristig auch Lizenzkosten gespart werden. Das Land Schleswig-Holstein konnte dieses Jahr durch eine Umstellung von Microsoft Office auf Open-Source-Alternativen Lizenzkosten in Höhe von 15 Millionen einsparen. Die Kosten der Umstellung lagen dabei deutlich darunter. Anstatt fertige Lösungen einzukaufen, könnte die JLU zusammen mit den anderen hessischen Hochschulen unsere digitale Zukunft mitgestalten und vorantreiben. Als die zweitgrößte Hochschule des Landes Hessen sollten wir bereits jetzt damit beginnen, die digitale Zukunft mitzugestalten, auch um das Profil der JLU als innovative und attraktive Arbeitgeberin zu schärfen. Davon könnten alle Beschäftigten und Angehörigen der Universität nur profitieren.

Wie ist Ihre Meinung zur digitalen Souveränität? In der kommenden Personalversammlung am 23. April 2026 möchten wir das Thema gerne nochmals aufrufen und mit Ihnen diskutieren. Soll sich der Personalrat für die digitale Unabhängigkeit der Universität stark machen? Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Ideen.