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Geschichte der Klassischen Archäologie in Gießen

Lekythos_OpferszeneDie Archäologie als Lehrfach hat eine lange Tradition in Gießen. Bereits 1809 wurde mit Friedrich Gottlieb Welcker (1784-1868) ein Lehrstuhl für "Griechische Literatur und Archäologie" gegründet. Damit tauchte der Begriff "Archäologie" erstmals in Deutschland für die Bezeichnung eines Lehrstuhls auf. Allerdings war das Fach stark philologisch ausgerichtet, und bereits 1812 wurde auf Welckers Betreiben ein eigenständiges Philologisches Seminar gegründet. 1816 ging Welcker an die Universität Göttingen, 1819 nach Bonn. Die dort von ihm eingerichtete Abguß-Sammlung führte 1826 auch in Gießen zur Gründung eines "Akademischen Kunstmuseums", das dann 1835 in "Kunst-, Münzen- und Antikenkabinett" umbenannt wurde. Über den Bestand dieses Kabinetts ist aufgrund des Verlustes sämtlicher Archivunterlagen im Zweiten Weltkrieg nur wenig bekannt. Neben der ins 18. Jh. zurückreichenden Münzsammlung vereinigte es u. a. die bis heute erhaltene Lippert'sche Daktyliothek und eine ganze Reihe von Abgüssen antiker Skulpturen. Obwohl die Sammlung für Zeichnungsübungen rege genutzt wurde, gab es für die archäologische Lehre bis ans Ende des 19. Jh. keine echte Kontinuität. 1887 kam Ferdinand Dümmler (1859-1896) nach Gießen, der sich nach mehrjährigem Aufenthalt in Griechenland und Italien hier habilitierte. Er konnte in Gießen jedoch kaum archäologisch tätig sein, sondern bot hauptsächlich altphilologische Vorlesungen und Seminare an. 1889 wurde Dümmler zum außerordentlichen Professor ernannt, doch folgte er bereits 1890 einem Ruf nach Basel.

1892 erfolgte mit der Habilitation von Bruno Sauer (1861-1919) die eigentliche Begründung der Klassischen Archäologie in Gießen. Sauer betreute als Privatdozent auch die Antikensammlung, die seit 1898 den Namen "Archäologisches Institut" trug. Im selben Jahr wurde Sauer auch zum ordentlichen Professor ernannt, wobei er neben der Klassischen Archäologie auch das Fach Kunstgeschichte vertrat. Erst mit seiner Berufung nach Kiel 1909 wurden Archäologie und Kunstgeschichte auf zwei Lehrstühle aufgeteilt. Sauer hatte sich in hohem Maße um die Antikensammlung verdient gemacht; der größte Teil des heutigen Bestandes ist durch Ankäufe und Schenkungen unter seinem Ordinariat in die Sammlung gelangt. Auch die Abguss-Sammlung hatt er planmäßig erweitert, doch ist dieser Zweig der Sammlung durch die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges nahezu komplett zerstört worden.

Nach Sauers Berufung 1909 an die Universität Kiel folgte Carl Watzinger (1877-1948), der aus Rostock nach Gießen kam und hier bis 1916 lehrte. Unter ihm wuchs das junge Institut weiter an. Watzinger baute die Antikensammlung weiter aus und ließ die Abgußsammlung restaurieren und neu ordnen.

Sein Nachfolger wurde Gerhart Rodenwaldt (1886-1945), der zuvor in Berlin als Assistent von Georg Loeschcke tätig war und dort zeitweilig, aufgrund seiner Einberufung im Ersten Weltkrieg, von Margarete Bieber vertreten wurde. Rodenwaldt und Bieber waren 1909/10 zusammen auf dem Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, und als Rodenwaldt 1916 nach Gießen berufen wurde - Amtsantritt aufgrund der Kriegswirren erst 1917 - setzte er sich für Margarete Bieber ein, die sich hier 1919 als erste Frau in Gießen habilitieren konnte. 1922 wurde Rodenwaldt als Generalsekretar (Präsident) des Deutschen Archäologischen Instituts nach Berlin berufen. Sein Nachfolger war Richard Delbrueck (1875-1957), der bis 1915 Leiter des DAI im Rom gewesen war. Unter Delbrueck wurde Margarete Bieber (1879-1978) zur außerordentlichen Professorin ernannt. Als Delbrueck 1928 einem Ruf nach Bonn folgte, wurde jedoch aus finanziellen Gründen das Ordinariat für Klassische Archäologie gestrichen und Bieber mit der Vertretung beauftragt. Das ihr für den Herbst 1933 in Aussicht gestellte Ordinariat konnte Bieber nicht mehr antreten, da sie im Frühjahr 1933 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung entlassen wurde. Sie emigrierte über England in die USA, wo sie bis ins hohe Alter tätig blieb. 1957 wurde Margarete Bieber als späte Wiedergutmachung zur Ehrensenatorin der Universität Gießen ernannt.

Nach der Entlassung Biebers 1933 wurde die Klassische Archäologie zunächst für ein Semester von Hans Möbius vertreten, bis 1934 Walter-Herwig Schuchhardt, der sich in Frankfurt habilitiert hatte und dort Hans Schrader vertrat, mit einem Lehrauftrag nach Gießen kam. Bereits 1936 folgte Schuchhardt jedoch einem Ruf nach Freiburg. Sein Nachfolger wurde 1937 Willy Zschietzschmann (1900-1976), der sich 1932 bei Rodenwaldt in Berlin habilitiert hatte. Er unterrichtete zunächst mit einem Lehrauftrag, dann als außerplanmäßiger Professor. 1939 konnte Zschietzschmann die Antikensammlung durch Ankäufe erheblich erweitern. Seiner Umsicht ist es auch zu verdanken, daß die Originalsammlung den Zweiten Weltkriegs nahezu ohne Verluste überstanden hat und auch später im Besitz der Universität blieb. Nach dem Krieg wurde Zschietzschmann mit der kommissarischen Verwaltung des Instituts betraut und erhielt bis 1969 einen Lehrauftrag. Regulär wurde das Institut, nunmehr als "Professur für Klassische Archäologie" erst wieder 1964 besetzt. Walter Hatto Gross (1913-1984) schuf in wenigen Jahren den Grundstein für ein lebensfähiges Institut, nicht zuletzt durch die Mithilfe seines Assistenten Siemer Oppermann, der bis 1999, zuletzt als Akademischer Direktor, in Gießen tätig war. Gross selbst folgte 1968 einem Ruf nach Hamburg. Ihm folgte 1969 Hans-Günter Buchholz (geb. 1919), der hier bis 1985 lehrte. Zusammen mit seinem Assistenten Wilhelm Hornbostel trug er die zerstreute Antikensammlung wieder zusammen. Forschungsschwerpunkt seiner Amtszeit war die ägäische Bronzezeit, und mit seinen langjährigen Ausgrabungen in Tamassos setzte er die alten deutschen Forschungen Ohnefalsch-Richters auf Zypern fort.

Von 1985 bis 2006 lehrte Wolfram Martini (1941-2017) in Gießen. Neben seinen Forschungsschwerpunkten im Bereich der griechischen Plastik und der attischen Vasenmalerei prägten vor allem die Grabungen auf der Akropolis von Perge (Türkei) seine Arbeit. Seit 1987 ist auch im Wallenfels'schen Haus ein Teil der Antikensammlung erstmals öffentlich zugänglich. Namentlich durch private Spenden hatte Martini die Antikensammlung erheblich ergänzen können, so dass sie heute für die Lehre eine gewichtige Rolle spielt.

Von 2007 bis 2016 lehrte Anja Klöckner (*1968) in Gießen.

Seit April 2018 lehrt Katharina Lorenz in Gießen.

 

Literatur

M. Recke, Die Klassische Archäologie in Gießen. 100 Jahre Antikensammlung, Studia Giessensia 9 (2000).

 

 

Ahnengalerie

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Friedrich Gottlieb Welcker

1809-1816

Ferdinand Dümmler

1886-1890

Bruno Sauer

1892-1909

Carl Watzinger

1909-1916

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Gerhart Rodenwaldt

1916-1922

Richard Delbrueck

1922-1928

Margarete Bieber

1929-1933

Walter-Herwig Schuchhardt

1934-1936

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Willy Zschietzschmann

1937-1945

Walter Hatto Gross

1964-1968

Hans-Günter Buchholz

1969-1985

Wolfram Martini

1985-2006