Benutzerspezifische Werkzeuge

Information zum Seitenaufbau und Sprungmarken fuer Screenreader-Benutzer: Ganz oben links auf jeder Seite befindet sich das Logo der JLU, verlinkt mit der Startseite. Neben dem Logo kann sich rechts daneben das Bannerbild anschließen. Rechts daneben kann sich ein weiteres Bild/Schriftzug befinden. Es folgt die Suche. Unterhalb dieser oberen Leiste schliesst sich die Hauptnavigation an. Unterhalb der Hauptnavigation befindet sich der Inhaltsbereich. Die Feinnavigation findet sich - sofern vorhanden - in der linken Spalte. In der rechten Spalte finden Sie ueblicherweise Kontaktdaten. Als Abschluss der Seite findet sich die Brotkrumennavigation und im Fussbereich Links zu Barrierefreiheit, Impressum, Hilfe und das Login fuer Redakteure. Barrierefreiheit JLU - Logo, Link zur Startseite der JLU-Gießen Direkt zur Navigation vertikale linke Navigationsleiste vor Sie sind hier Direkt zum Inhalt vor rechter Kolumne mit zusaetzlichen Informationen vor Suche vor Fußbereich mit Impressum

Artikelaktionen

Die verlorene türkische Multikulturalität



DFG-Sonderforschungsbereich 434: Erinnerungskulturen

Projektbereich F: Zeitentwürfe und Sakralität als Herausforderung an Erinnerung in der transnationalen Konstellation

Teilprojekt F12: Die verlorene türkische Multikulturalität

Im Projekt wurden die Erinnerungsstrategien türkischsprachiger Intellektueller in Bezug auf die multiethnische Vergangenheit der Türkei untersucht: Über weite Teile des 20. Jahrhunderts bot der nationale Kanon der ethnisch homogen postulierten türkischen Republik wenig Raum für eine öffentliche Diskussion der multiethnischen und multikulturellen osmanischen und frührepublikanischen Vergangenheit. Der nach dem Putsch von 1980 einsetzende Wandel, der politisch durch eine stärkere Liberalisierung, kulturell durch das Phänomen der Globalisierung geprägt ist, ermöglicht heute jedoch einen deutlich offeneren Zugang zu Themen der eigenen Geschichte. Ausgehend von literarischen Primärtexten (Romane, Erzählungen, autobiographische Schriften) wurden verschiedene Formen von Erinnerung an die multikulturelle und multiethnische Vergangenheit der Türkei systematisch untersucht und im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung beleuchtet.

          Die multikulturelle und multiethnische Vielfalt, die die osmanische Gesellschaft auszeichneten, sind nach den mehr oder weniger gewaltsamen Bevölkerungsveränderungen, die das gesamte 20. Jahrhundert prägten, weitgehend verloren gegangen. Griechen, Armenier, andere orientalische Christen, Levantiner und Juden, die einst einen erheblichen Teil der Gesamtbevölkerung bildeten, leben heute nur noch in enklavenartigen Splittergruppen im Lande und sind den meisten jüngeren Türken nicht mehr aus der Lebenswirklichkeit, sondern aus den übermittelten Erinnerungen der älteren Generationen vertraut.

          Erinnerung findet aber nicht nur im privaten Kontext statt; in den letzten beiden Dekaden waren es besonders Schriftsteller und andere Intellektuelle wie Journalisten und Akademiker, die die untergegangene multiethnische Gesellschaft thematisiert haben. Der reich entwickelte türkische Buchmarkt präsentiert hier eine Fülle von literarischen und populärwissenschaftlichen Publikationen, mit Hilfe derer sich der türkische Leser ein häufig idealisierendes Bild der Vergangenheit rekonstruieren kann. Die untergegangene multiethnische Welt des ausgehenden Osmanischen Reiches wird damit häufig zu einem Zufluchtsort vor der durch die schnelllebigen Veränderungen der Globalisierung geforderten türkischen Gegenwart. Hinzu kommt seit wenigen Jahren eine neue Form von Erinnerung: Der restriktive republikanische Umgang mit den in der Türkei ansässigen nicht türkischen und nicht muslimischen Gruppen ist seit Ende der neunziger Jahre Gegenstand selbstkritischer literarischer wie auch wissenschaftlicher Betrachtung.

          Im Projekt wurden verschiedene Formen von Erinnerung an die multiethnische Vergangenheit systematisch untersucht und, ausgehend von literarischen Primärtexten, im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung beleuchtet. Im Zentrum der Untersuchung standen dabei ausgewählte Texte eines heterogenen Spektrums von Literaten aus der Türkei, die die 'verlorene Multikulturalität' schwerpunktmäßig thematisieren. Im Ergebnis wurden verschiedene Strategien der Erinnerung und Verarbeitung des historischen Geschehens herausgearbeitet und in Hinblick auf einen Paradigmenwechsel gedeutet, der in der Türkei hinsichtlich der Betrachtung und Bewertung von Multiethnizität und Multikulturalität in den letzten zwei Jahrzehnten stattfand.

 

Das Projekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert.

 

  • Laufzeit (Teilprojekt): 2006-2008.
  • Zentrale Veröffentlichungen (u.a.):

Dufft, Catharina (ed.).

Turkish Literature and Cultural Memory. "Multiculturalism"

as a Literary Theme after 1980.

Mizan Band 16. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2009.

 

Hendrich, Béatrice.

"Mario Levi ve Mığırdıç Margosyan’da yemek hatırlama

ve hatırlama yemekleri."

In: Neyzi, Leyla (Hrsg.).

Türkiye’de Bellek Çalışmaları.

Kültür ve Bellek Dizisi 2. Istanbul: İş Bankası Kültür Yayınları, 2009.

S. 90-119.

 

Kirchner, Mark.

"Cosmopolitanism and Nostalgia: Remarks on İlhan

Berk's Galata and Pera."

In: Kappler, Matthias (ed.).

Intercultual Aspects in and Around Turkish Literatures.

Mizan Band 13. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2006.

S. 123-136.