Dr. Alexander Mayer
Managing Director und Senior Country Officer für Deutschland und Österreich bei J.P. Morgan
Stellen Sie sich bitte kurz vor und beschreiben Sie Ihren akademischen sowie Ihren beruflichen Werdegang.
Mein Name ist Dr. Alexander Mayer. Meine Verbindung zur Justus-Liebig-Universität Gießen begann buchstäblich mit meiner Geburt, 1970 in der Uniklinik der JLU. Nach Stationen an der TU Darmstadt (Diplom-Ingenieur Elektrotechnik) und der Fernuniversität Hagen (Vordiplom Wirtschaftswissenschaften) sollte sich mein Weg mit der JLU erneut kreuzen. Von April 1995 bis Juli 1997 absolvierte ich das Hauptstudium der Betriebswirtschaftslehre in Gießen, das ich als Diplom-Kaufmann abschloss. Parallel war ich von April 1995 bis August 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Dr. Dr. h.c. Dr.-Ing. E.h. Dietger Hahn, bevor ich 2001 meine Promotion zum Dr. rer. pol. an der JLU abschloss.
Während eines Forschungsaufenthalts an der Columbia University in New York 1997/1998 entdeckte ich meine Begeisterung für das Investmentbanking – eine Faszination, die meinen weiteren Werdegang nachhaltig prägen sollte. Von September 2000 bis Mai 2024 war ich bei Goldman Sachs in Frankfurt tätig, zuletzt als Partner und Head of Investmentbanking Deutschland & Österreich. Seit November 2024 verantworte ich als Senior Country Officer bei J.P. Morgan in Frankfurt sämtliche Aktivitäten der Bank in Deutschland und Österreich.
Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre Zeit an der JLU?
Die Sommer am Campus in der Licher Straße waren besonders schön. Ich habe mich mit meiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau, die an der JLU Zahnmedizin studiert hat, und meinem besten Freund, der stets im juristischen Seminar lernte, in der Mensa zum Mittagessen getroffen. Abends ging man zusammen auf Uni-Partys oder traf sich in der Ludwigstraße im Biergarten. Wir hofften, die Sommertage würden kein Ende nehmen.
Was hat Sie damals bewogen, in Gießen zu studieren?
Das Gesamtpaket, das mir Prof. Hahn angeboten hatte, war besonders attraktiv: Hauptstudium BWL, Forschungsaufenthalt USA, Promotion als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit interessanten Forschungs- und Lehrtätigkeiten sowie Mitarbeit in hochrelevanten Praxisprojekten. Das alles in fünf Jahre gepackt war die beste Vorbereitung für meinen Berufseinstieg im Investmentbanking. Für diese Mischung an fachlichen und sozialen Kompetenzen, die ich in dieser Zeit erworben habe, bin ich der JLU noch heute dankbar.
Würden Sie sich heute noch einmal für den gleichen Studiengang entscheiden oder doch lieber etwas Anderes machen?
Ich habe sowohl Elektrotechnik als auch BWL studiert. Beide Studiengänge haben mir das Handwerkszeug gegeben, um heute die Probleme meiner Klienten zu lösen. Ich bin ein großer Fan von universitärer Bildung. Sie eröffnet so viele Möglichkeiten, sie hilft eine bestimmte geistige Unabhängigkeit und Reife zu entwickeln. Meine Universitätszeit hat 10 Jahre gedauert, und ich möchte keinen Tag davon missen.
Ich bin ein großer Fan von universitärer Bildung. Sie eröffnet so viele Möglichkeiten, sie hilft eine bestimmte geistige Unabhängigkeit und Reife zu entwickeln.
Wenn Sie auf Ihren Berufseinstieg zurückblicken, gab es da besondere Herausforderungen, und wenn ja, welche?
Ich habe im September 2000 im Investmentbanking angefangen ohne jegliche Praktika in diesem oder vergleichbaren Bereichen. Die Lernkurve war steil, das Tempo hoch, die Tage waren lang und die Verantwortung groß. Da kommen einem anfangs durchaus Zweifel, ob das eine kluge Entscheidung war. Meine universitäre Ausbildung gab mir jedoch ein stabiles Fundament, das mir die Gewißheit vermittelte, allen Herausforderungen gewachsen zu sein. Hinzu kam meine Familie mit unseren zwei kleinen Töchtern, die mir stets Motivation und zugleich willkommene Ablenkung waren.
Welchen Rat geben Sie Absolventinnen und Absolventen für den Karrierestart?
Nach der Universitätszeit geht das Lernen erst richtig los. Besonders beim Berufsstart sollte man neugierig und bereit sein, neues Wissen und Erfahrungen zu sammeln. Ich denke, Karrieren verlaufen heute weit weniger linear als früher. Flexibilität und Offenheit sind gute Voraussetzungen, mit Unwägbarkeiten umzugehen.
Was man während der Zeit an der JLU in Gießen unbedingt einmal gemacht haben muss...
… das Liebig-Museum besucht haben. Ein wunderbarer Ort, der Forschung und Lehre greifbar macht – frei nach dem Gießener Philosophen Odo Marquard: „Zukunft braucht Herkunft“!
Das Interview wurde im September 2026 geführt.