Hinweisgeberportal für Verdachtsmeldungen von Serientötungen in Krankenhäusern und Einrichtungen
HINWEISGEBERPORTAL FÜR VERDACHTSMELDUNGEN VON SERIENTÖTUNGEN IN KRANKENHÄUSERN UND EINRICHTUNGEN
IHR ANLIEGEN
- Sie sind in einer Klinik, einem Krankenhaus oder in der ambulanten Krankenpflege beschäftigt?
- Sie arbeiten in einer Pflegeeinrichtung?
- Sie hegen den Verdacht, ein Kollege, eine Ärztin, ein Arzt, ein Pfleger, eine Krankenschwester oder eine sonst relevante Person könnte Menschen in ihrer Obhut töten?
- Sie trauen sich nicht, die Leitung oder die Polizei zu informieren und Anzeige zu erstatten, weil Sie vielleicht falsch liegen oder weil Sie fürchten, dass man Ihnen nicht glaubt?
Melden Sie sich bei uns.
UNSER ANGEBOT
Wir klären mit Ihnen die Verdachtslage und weitere Schritte.
Rufen Sie uns an. Telefonisch zu erreichen sind wir jeden Freitag zwischen 10:00 und 15:00 Uhr sowie nach Vereinbarung:
Telefon: 0641 - 99 215 71
Falls Sie ausnahmsweise niemanden erreichen, rufen wir Sie schnellstmöglich zurück. Bitte hinterlassen Sie Ihre Rufnummer auf dem Anrufbeantworter.
Per Mail können Sie uns rund um die Uhr erreichen:
Wir werden zeitnah antworten. Sie können eine anonyme Kontaktmöglichkeit wählen.
Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund
Serientötungen vornehmlich an älteren und sonst pflegebedürftigen Menschen in Krankenhäusern, Kliniken, Pflegeeinrichtungen und in der ambulanten Betreuung durch medizinisches Personal sind selten. Auch Frühgeborene oder Patienten bzw. betreute Personen in medizinischen Einrichtungen werden Opfer gezielter Tötungen. Diese seltenen vorsätzlichen Tötungen werden in der Regel durch Einzeltäter oder einen kleinen Kreis von gemeinschaftlich handelnden Tätern begangen und bleiben nicht selten längere Zeit unentdeckt. Es stellt sich nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens regelmäßig heraus, dass die Zahl der Verdachtsfälle im Laufe der Ermittlungen ansteigt. Die Tötungen werden überwiegend mittels Medikamentengabe verübt und fallen deshalb nicht leicht auf. Trotzdem zeigen die Erkenntnisse, dass in den Einrichtungen häufig Verdachtsmomente gegen eine oder bestimmte Personen vorliegen und Unregelmäßigkeiten bei Medikamentenbeständen sowie Verhaltensauffälligkeiten vorhanden sind.
Unser niedrigschwelliges Hinweisgeberportal (Verdachtsmeldungen können anonym, telefonisch und per Mail abgegeben werden) will Personen ermuntern, ihren Verdacht zu äußern und Abklärungen sowie ggfs. strafrechtliche Ermittlungen in einer frühen Phase zu veranlassen, um die Zahl der Getöteten zu reduzieren und die Täterinnen und Täter frühzeitig zu erkennen. Auch kann ein unberechtigter Verdacht ausgeräumt werden.
Serientötungen durch medizinisches Personal vornehmlich an älteren Menschen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Seniorenheimen sind selten (ca. 20 Fälle in Deutschland seit den 1950er Jahren). Seit 2020 steigen die Fälle auf weitere etwa 10 Fälle mit vielen Betroffenen und sind nach wie vor selten. Es stellt sich nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Tötung mehrerer Personen regelmäßig heraus, dass die Zahl der Verdachtsfälle im Laufe der Ermittlungen noch weiter ansteigt. Zur Tötung werden häufig Medikamente injiziert oder verabreicht, es kommen auch andere Formen der Tötung vor. Die Täter sind in der Regel Einzeltäter und stammen aus dem Kreis des medizinischen Personals. Sie sind mit der Patientenversorgung und der Pflege meistens schwer kranker und multimorbider Personen, aber auch Frühgeborener, betraut, weshalb Todesfälle in diesem Umfeld nicht ungewöhnlich sind und nicht leicht als Verdacht vorsätzlicher Tötung auffallen. Trotzdem zeigen empirische Erkenntnisse, dass in den Einrichtungen häufig Verdachtsmomente gegen eine bestimmte Person (oder gegen wenige bestimmte Personen) vorliegen und Unregelmäßigkeiten bei Medikamenten (Bestandsabweichungen, leere Medikamentenverpackungen, die nicht erklärbar sind, aufgefundene Spritzen), aber auch Verhaltensauffälligkeiten (Häufung von Sterbefällen in der Schicht einer verdächtigen Person, auffälliges Bemühen um Wiederbelebungen, Geltungsstreben, manipulative Tendenzen u.a.) vorhanden sind (zusammenfassend mit einer Fallübersicht für den deutschsprachigen Raum Dettmeyer/Saß/Malolepszy/Mousa/Teske/Vennemann, Versuchte und vollendete Serientötungen in Krankenhäusern, Heimen und Pflege, Dtsch Arztebl. Int 2023, 120: 526-533). An der Professur für Kriminologie arbeiten wir an einer aktuellen Bestandsaufnahme der Fälle und stellen eine leichte Steigerung fest.
Es lässt sich somit feststellen, dass es besondere Risikokonstellationen für die Begehung dieser Art von Serientötungen gibt, ihre Aufdeckung aber mit Schwierigkeiten verbunden ist, weil Personen im beruflichen Umfeld, die Verdacht geschöpft haben, persönliche und berufliche Nachteile fürchten, wenn sie ihren Verdacht äußern. Auch wollen sie eine Person nicht zu Unrecht beschuldigen. Dies wird durch eine „Kultur des Wegschauens“ begünstigt, bei der auch Klinik- und Heimleitungen wenig geneigt sind, entsprechenden Verdachtsmomenten nachzugehen, um Rufschädigungen zu vermeiden. Tatverdächtige werden teilweise mit guten Zeugnissen „weggelobt“ und setzen ihr verbrecherisches Treiben an neuer Stelle fort.
Dettmeyer u.a. (Dtsch Arztebl. Int 2023, 120: 526-533 (532)) empfehlen in ihrer Bilanz im o.g. Artikel ein Aufbrechen dieser „Kultur des Wegschauens“ durch die Schaffung anonymer Meldemöglichkeiten, eine verbesserte Aus- und Fortbildung und die Schulung des Personals zur Verbesserung des Problembewusstseins.
Hier setzt nun das Angebot eines niedrigschwelligen Meldeportals (telefonisch, per E-Mail) an, das über die universitäre Homepage der Professur für Kriminologie eingerichtet wird.
Wir verfügen über ein interdisziplinäres Netzwerk, das Verdachtsmeldungen sensibel und kenntnisreich unter Einbeziehung der Rechtsmedizin abklärt. Es lässt sich nicht ausschließen, dass Täter/innen erst erkannt werden, wenn bereits vollendete Tötungsdelikte begangen wurden.