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Studienergebnisse

 

Liebe Familien,

 

im Folgenden möchten wir Sie über die Ergebnisse unserer aktuellen Studien informieren. Um die Studienergebnisse zu sehen, können Sie entweder über die Auflistung direkt zu den Ergebnissen einer Studie springen oder Sie scrollen einfach durch alle Studien. Wenn Sie Fragen haben, können Sie sich gerne an die angegebene Kontaktperson wenden.

Falls Sie bereits in unserer Abteilung waren, bedanken wir uns herzlich für die Teilnahme mit Ihrem Kind und freuen uns, wenn Sie uns wieder mal besuchen!

Falls Sie noch an keiner unserer Studien teilgenommen haben, freuen wir uns sehr, wenn Sie sich über unser Kontaktformular unverbindlich bei uns anmelden. Wir informieren Sie dann rechtzeitig, wenn wir Studien mit Kindern im Alter Ihres Kindes durchführen.

 

→ Hier finden Sie das Kontaktformular Entwicklungspsychologie!

 

 

Direkt zu den Studien:

 

 


 

     2D3D-Wahrnehmung von realen Objekten und Abbildungen

Kinder sind in ihrem Alltag von vielen verschiedenen Objekten umgeben. Bereits in den ersten Lebensmonaten können sie unterscheiden, ob es sich um ein reales Objekt oder um eine Abbildung eines Objekts handelt. So wissen Säuglinge bereits früh, dass sie einen echten Schnuller greifen können, wohingegen sie mit einem abgebildeten Schnuller in einem Bilderbuch nicht interagieren können. In den vergangenen Jahren haben wir bereits herausgefunden, dass Säuglinge im Alter von 7 Monaten länger auf reale Objekte als auf Abbildungen dieser Objekte schauen. Außerdem wissen wir, dass diese sogenannte "visuelle Präferenz für reale Objekte" damit zusammenhängt, ob die Säuglinge die Objekte vorher mit ihren Händen exploriert, also erkundet, haben.

Ein entscheidender Unterschied zwischen zwei- und dreidimensionalen Objekten ist das Vorhandensein von Tiefenhinweisen. Reale Objekte enthalten mehr Tiefenhinweise als Bilder der Objekte. Bewegen wir uns beispielsweise von links nach rechts hin- und her, verschiebt sich unser Sichtfeld, wobei sich nahe Objekte in die entgegengesetzte Richtung und weiter entfernte Objekte in dieselbe Richtung wie unser Kopf bewegen. Diesen Effekt nennt man Bewegungsparallaxe. Bei Abbildungen gibt es hingegen keine Bewegungsparallaxe. Wenn wir ein Bild betrachten und uns dabei hin- und her bewegen, bleibt das Bild immer dasselbe und die Objekte verschieben sich nicht.

In unserer diesjährigen Studie haben wir untersucht, welche Rolle die Bewegungsparallaxe bei der Unterscheidung zwischen realen Objekten und deren Abbildungen spielen. Wir haben 7- und 8-monatigen Säuglingen sowohl reale Objekte als auch Abbildungen derselben Objekte nebeneinander präsentiert, welche auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden waren. Dabei haben wir verglichen, ob sie das reale Objekt oder das Abbild länger ansehen. Eine Tiefensimulation der Abbildungen wurde dabei an- oder ausgeschalten, sodass dasselbe Bild manchmal Tiefenhinweise enthielt und manchmal nicht. Dabei konnten wir herausfinden, dass Tiefenhinweise in Form von Bewegungsparallaxe entscheidend dazu beitragen, wie lange Säuglinge Objekte betrachten. Objekte mit Tiefenhinweisen wurden immer länger betrachtet als Abbildungen ohne Tiefenhinweise. Wurde ein reales Objekt gleichzeitig mit einer Abbildung mit simulierten Tiefenhinweisen gezeigt, schauten die Säuglinge gleich lang auf beide Objektformate. Daraus können wir schließen, dass Tiefenhinweise in Form von Bewegungsparallaxe maßgeblich beeinflussen, worauf Säuglinge ihren Fokus in ihrer Umwelt richten.

 


 

     Kindliche sozial-emotionale Entwicklung & elterliche Belastung während Covid-19   

 

Die frühkindliche Entwicklung wird bedeutsam davon beeinflusst, was ein Kind in seiner alltäglichen Umwelt erlebt. Da sich durch die Corona-Krise der Alltag in nahezu jeder Familie in den letzten Jahren stark veränderte (z.B. weniger Kontakt zu anderen Familien/ Gleichaltrigen, gesundheitliche / finanzielle Ängste), untersuchen wir in einer Fragebogenstudie, wie sich diese Veränderungen auf die sozial-emotionale Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern sowie auf das elterliche Wohlbefinden auswirken.

In den vergangenen 3 Jahren füllten bereits über 400 Familien diese Fragebögen aus. Erste Ergebnisse deuten auf ein überdauerndes, erhöhtes Stressempfinden (insbesondere bei Eltern von Kleinkindern) im Verlauf der Pandemie hin. Zudem scheint ein erhöhtes elterliches Stressempfinden negativ mit der sozial-emotionalen Entwicklung der Kinder im Zusammenhang zu stehen. Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf den Link zur folgenden Publikation:

Dillmann, J.*, Sensoy, Ö.*, & Schwarzer, G. (2022). Parental perceived stress and its consequences on early social-emotional child development during COVID-19 pandemic. Journal of Early Childhood Researchhttps://doi.org/10.1177%2F1476718X221083423

Um die längerfristigen Auswirkungen der Pandemie besser verstehen zu können, befragen wir erneut die Eltern bezüglich ihres Stressempfindens und der kindlichen sozial-emotionalen Entwicklung. Zudem laden wir aktuell eine Teilgruppe der Kinder, die bereits seit dem ersten Lockdown an unserer Studie teilgenommen haben, zu uns in die Abteilung ein, um mit einem standardisierten Testverfahren (EMK 3-6) die emotionalen Kompetenzen noch detaillierter erfassen und beurteilen zu können.

 



 Einfluss von sozialer Kognition und Perspektivenübernahme auf die Übergabe von Werkzeug

 

In unserer aktuellen Studie geht es um die Frage, wie 6 bis 7 Jahre alte Kinder Handlungen in sozialen Situationen planen. Genauer gesagt möchten wir herausfinden, wie Kinder in verschiedenen Situationen Werkzeuge ergreifen, um sie einer anderen Person zu übergeben. Hierzu sollen die Kinder mit verschiedenen Werkzeugen (z.B. mit einem Magnetstab) entweder selbst verschiedene Aufgaben durchführen (z.B. Metallkugeln aus einem Korb holen) oder die Werkzeuge an eine andere Person weiterreichen. Uns interessieren die Greifstrategien, die Kinder unter diesen beiden Bedingungen anwenden.

Darüber hinaus wollen wir untersuchen, inwieweit die Leistungen der Kinder in der Greifaufgabe mit zwei kognitiven Prozessen zusammenhängen, nämlich mit der sozialen Kognition (dem Nachdenken über die Gedanken und Absichten anderer Personen) und der räumlichen Perspektivenübernahme. Wir erfassen die „soziale Kognition“ der Kinder, indem wir sie darüber befragen, was andere Personen in bestimmten Situationen denken. Die Fähigkeit zur Perspektivübernahme messen wir, indem wir die Kinder bitten, den Blickwinkel einer anderen Person auf einen Gegenstand nachzuvollziehen.

Die Studie befindet sich gegenwärtig im Erhebungsstadium und ist noch nicht abgeschlossen.

 


 

     Entwicklung des persönlichen Raums bei Kindern

Der Begriff des persönlichen Raums bezeichnet einen körpernahen Bereich (ungefähr so weit wie der Arm reicht), innerhalb dessen sich unsere Handlungen vollziehen. Wir wissen außerdem, dass der persönliche Raum eine besondere Bedeutung für unser persönliches Wohlbefinden hat -  wenn ein Insekt beispielsweise in unseren persönlichen Raum „eindringt“ empfinden wir das als unangenehm oder gar bedrohlich. Untersuchungen mit Erwachsenen haben gezeigt, dass in unserem persönlichen Raum die Informationen aller Sinne gebündelt werden, um so unsere Handlungen zu unterstützen. Darüber hinaus verändert er sich, wenn wir Werkzeuge verwenden. Verwendet man beispielsweise einen langen Stab, um einen Gegenstand außerhalb der eigenen Reichweite heranzuziehen, erweitert dies den persönlichen Raum. Das kann man daran sehen, dass Personen anschließend die Entfernung von Gegenständen als geringer einschätzen als vorher - die Gegenstände scheinen in Reichweite „gerückt“ zu sein. Wir möchten nun erforschen, ob sich solche Prozesse auch bei Kindern nachweisen lassen, wenn diese mit einem Werkzeug Gegenstände „greifen“.

Den Kindern werden an einem Stab verschiedene Spielzeuge präsentiert, die sich den Kindern kontinuierlich annähern. Währenddessen messen wir, wann und wie die Kinder nach den jeweiligen Gegenständen greifen. Daraus können wir ableiten, als wie weit entfernt das Kind die verschiedenen Gegenstände empfunden hat. Für den weiteren Ablauf teilen wir die Kinder in zwei Gruppen ein. Kinder der „Werkzeuggruppe“ sollen in einem weiteren Durchgang versuchen, mit Hilfe eines Werkzeugs Gegenstände, die unterschiedlich weit von ihnen entfernt sind, zu sich heranzuziehen. Kinder der „Kontrollgruppe“ spielen in dieser Zeit mit neuen Spielzeugen am Tisch. Anschließend wird die Stabaufgabe wiederholt, in der die Kinder nach Spielzeug greifen sollen. Uns interessiert nun, ob Kinder der Werkzeuggruppe nach der Werkzeugnutzung früher nach dem dargebotenen Spielzeug greifen als sie es vorher getan haben (also während das Spielzeug sich noch weiter weg befindet) und ob sie sich von Kindern der Kontrollgruppe unterscheiden. Die ersten Ergebnisse mit 2 Jahre alten Kindern deuten darauf hin, dass tatsächlich auch in diesem Alter eine Erweiterung des persönlichen Raums nach der Verwendung eines Werkzeugs stattfindet: Kinder, der Werkzeuggruppe griffen nach dem Werkzeuggebrauch früher nach sich annähernden Gegenständen als vor dem Werkzeuggebrauch. Im Gegensatz dazu unterschieden sich die Kinder der Kontrollgruppe in ihrem Greifen vor und nach der Spielphase nicht bedeutsam. Gegenwärtig untersuchen wir mit 12-13 Monate alten Kindern, ob die Erweiterung nach dem Werkzeuggebrauch davon abhängig ist, wie kompetent die Kinder schon in der Nutzung von Werkzeugen sind.

 


 

 

     Klumpfuß: Besondere Füße

Im Rahmen dieses Projektes interessieren wir uns dafür, wie sich Kinder mit einer angeborenen Fußfehlstellung (Klumpfuß) im Vergleich zu gesunden Kindern entwickeln.

Der angeborene Klumpfuß gehört in Europa mit einer Inzidenz von 1-2 pro 1000 Geburten zu den häufigsten angeborenen Deformitäten, wobei Jungen im Vergleich zu Mädchen deutlich häufiger erkranken. Die Behandlungsmethode nach Ponseti setzte sich in den letzten Jahren aufgrund guter Ergebnisse als Methode der Wahl in der Behandlung durch. Die Behandlung des angeborenen Klumpfußes nach Ponseti sollte zeitnah nach der Geburt beginnen und beinhaltet sowohl eine Gips- als auch eine Schienenbehandlung.

Bisherige Studien zeigen leichte Beeinträchtigungen in der motorischen Entwicklung betroffener Kinder. Aus der entwicklungspsychologischen Grundlagenforschung ist jedoch bekannt, das einzelne kindliche Entwicklungsbereiche (z.B. Motorik, Sprache, Kognition) eng miteinander verwoben sind. Demnach könnte eine Beeinträchtigung in einem Entwicklungsbereich auch unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung anderer Bereiche haben. Daher interessieren uns unterschiedliche Aspekte der kindlichen Entwicklung von Kindern mit angeborenem Klumpfuß. Hierzu zählen die grob- und feinmotorische sowie die sprachliche und räumlich-kognitive Entwicklung betroffener Kinder bis zum 4. Lebensjahr. Ebenso zentral sind Fragen des allgemeinen Befindens der Kinder hinsichtlich der sozial-emotionalen Entwicklung. Darüber hinaus soll erfasst werden, wie die Eltern mit der besonderen Herausforderung der Erkrankung ihres Kindes umgehen.

Aktuell fokussieren wir uns auf die motorische und sprachliche Entwicklung von Kleinkindern mit angeborenem Klumpfuß. Mittels verschiedener Fragebögen wird diese mit 12 und 24 Monaten erfasst und mit Werten von gesunden Kontrollkindern verglichen.

In den vergangenen Jahren haben bereits über 200 Kinder mit und ohne angeborenem Klumpfuß an dieser Studie teilgenommen. Erste Ergebnisse weisen auf leichte grobmotorische Defizite im Säuglings- und Kleinkindalter hin. Zudem fällt die Bearbeitung von räumlich-kognitiven Aufgaben betroffenen Kindern schwerer.  Für weitere Informationen klicken Sie bitte auf die Links zu den folgenden Publikationen:

Dillmann, J., Peterlein, CD., & Schwarzer, G. (2018). A longitudinal study of motor and cognitive development in infants with congenital idiopathic clubfoot. Journal of Motor Learning and Development, 6(1), 24-43. https://doi.org/10.1123/jmld.2016-0077 

Dillmann, J.Gehb, G., Peterlein, C.D., & Schwarzer, G. (2019). Joint visual attention and locomotor experience: A longitudinal study of infants with treated idiopathic clubfoot. Infant and Child Development28(2), e2118. https://doi.org/10.1002/icd.2118 

Dillmann, J.Schwarzer, G., & Peterlein, CD. (2019). Motor and cognitive functioning in children treated for idiopathic clubfoot at the age of 3 years. BMC Pediatrics19, 394. https://doi.org/10.1186/s12887-019-1765-3 

 


 

       Mentale Rotation im Kleinkindalter 

Diese Studie untersucht die Fähigkeit von Kleinkindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren, Objekte im Geiste zu drehen. Da sich in unseren vorherigen Studien bei Säuglingen ein Zusammenhang dieser Fähigkeit und der motorischen Entwicklung zeigte, wollen wir nun wissen, ob dieser Zusammenhang auch im Kleinkindalter fortbesteht.

Um die Studie für die Kinder spaßig zu gestalten, ist es die Aufgabe der Kinder, der Handpuppe Seppi bei einer Zirkusvorstellung zu helfen. Die Kinder sehen hierzu verschiedene bunte Steine und müssen entscheiden, welcher Stein der passende ist, um die Manege zu bauen. In einer weiteren Aufgabe sollen sie angeben, welche Zirkusdarsteller sie bereits gesehen haben.

Um Aufschluss über die motorischen Fertigkeiten der Kinder zu bekommen, absolvieren sie einige „akrobatische“ Übungen, wie Balancieren.

Diese Studie hat gerade erst begonnen und läuft noch.

 


 

     Motorische Anpassung an die Veränderung einer alltagstypischen Aufgabe 

In dieser Studie interessieren wir uns für die motorische Anpassung an die Veränderung von Kraftbedingungen bei (Klein-) Kindern im Alter von 17 bis 19 Monaten sowie von 3 Jahren. Dabei bekommen die Kinder die Aufgabe, eine Schublade mehrmals zu öffnen, und Holzklötzchen aus der Schublade zu sammeln und in eine Box zu legen. Um dies spielerisch zu gestalten, erzählen wir den Kindern, dass sie Futter (z.B. gelbe Holzklötzchen als Bananen) für Tiere (z.B. einen Affen, welcher auf der Box abgebildet ist) sammeln. Die Schublade ist mal leichter und mal schwerer zu öffnen und wir testen die Reaktion der Kinder auf diese Veränderung. Dabei messen wir die Muskelaktivität der Kinder mittels Oberflächen-Elektromyographie am Unterarm sowie die Öffnungsgeschwindigkeit der Schublade mithilfe unseres Kamerasystems.

Erste Ergebnisse der Datenanalyse zeigen, dass bereits Kinder im Alter von 1,5 Jahren Mechanismen der motorischen Anpassung zeigen. Das bedeutet, dass sie in der Lage sind, ihr Verhalten zügig an ihre Umwelt anzupassen. Bisherige Studien konnten dies nur für 3-Jährige oder ältere Kinder zeigen. Im Alter von 1,5 Jahren benötigen Kinder allerdings noch mehr Zeit, um sich an die Veränderungen anzupassen als bei 3-Jährigen und Erwachsenen. Außerdem sind ihre Anpassungsmechanismen auch noch viel variabler, was bedeutet, dass sie den neuen Kraftaufwand, der zum Öffnen der Schublade erforderlich ist, noch nicht so präzise einsetzen können. Für die motorische Anpassung sind komplexe Zusammenhänge verantwortlich, die auch 3-Jährige noch nicht vollends beherrschen, sodass die Kraftanpassung auch bei ihnen noch weniger effizient ist, als bei erwachsenen Teilnehmenden.

Die Studie befindet sich gegenwärtig im Erhebungsstadium und ist noch nicht abgeschlossen.

 


  

     Visuell-räumliche Prädiktion bei alltäglichen Aufgaben 

Mit dieser Studie wollen wir die Entwicklung visuell-räumlicher Prädiktion im Kindesalter untersuchen. Dabei handelt es sich um die Fähigkeit nicht nur wahrzunehmen, was in der Gegenwart passiert, sondern auch vorherzusagen, wie ein Objekt in der Zukunft aussehen und sich verhalten wird und das eigene Verhalten dementsprechend anzupassen. Da zwischen dem Planen und dem Ausführen einer Handlung Zeit vergeht, in der sich die Umgebung stetig verändert, ist dies ist für eine erfolgreiche Interaktion mit der Umwelt sehr wichtig. Wir möchten nun erforschen, ob prädiktives Blick- und Greifverhalten in alltäglichen Aufgaben von externen Faktoren wie der motorischen Entwicklung oder auch Kontextinformationen abhängt.
Dafür tragen Kinder im Alter von 3 und 6 Jahren verschiedene Objekte mehrmals von einem auf einen anderen Tisch, wobei sowohl die Art der Gegenstände als auch die genaue Aufgabenstellung im Laufe der Durchführung leicht verändert werden. Dabei werden Verhalten und Blickbewegungen mit verschiedenen Kamerasystemen aufgenommen und anschließend analysiert. Zusätzlich werden fein- und grobmotorische Fähigkeiten mit Aufgaben zur Handgeschicklichkeit, Ballfertigkeit und Balance erfasst. 

Die Studie befindet sich gegenwärtig im Erhebungsstadium und ist noch nicht abgeschlossen.

 


 

Wahrnehmung von Erregung und Valenz von emotionalen Gesichtsausdrücken 

 

Mit unserer Studie möchten wir die Entwicklungsveränderungen vom frühen Alter (6-7 Jahre) bis zum Erwachsenenalter in Bezug auf die Wahrnehmung von Erregung und Valenz durch Gesichtsausdrücken untersuchen. Die Begriffe "Erregung" und "Valenz" können als Kontinua verstanden werden, die angeben, wie angenehm/unangenehm ein Gesicht für den Beobachter ist (Valenz) oder inwieweit das wahrgenommene Gesicht eine erregende/beruhigende Wirkung auf den Beobachter hat (Erregung). Diese Skalen sind ein fester Bestandteil der Emotionsforschung, und frühere Ergebnisse haben gezeigt, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen empfindlicher auf positive Informationen reagieren, was sowohl für Emotionswörter als auch für emotionale Gesichtsausdrücke gilt.

Wir möchten weiter prüfen, ob dieser Effekt, der für statische Gesichtsausdrücke gefunden wurde, mit Videos von animierten, sprechenden Figuren, die verschiedene Emotionen ausdrücken, repliziert werden kann. 

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Kinder positive Gesichtsausdrücke im Vergleich zu Erwachsenen positiver bewerteten, was auf einen Positivitäts-Bias in Bezug auf die Valenz hindeutet. Bei der Erregung wurde jedoch der gegenteilige Effekt festgestellt: Kinder bewerteten negative Gesichtsausdrücke im Vergleich zu Erwachsenen als erregender. Dies deutet auf einen Unterschied in der Wahrnehmung von statischen und dynamischen Gefühlsausdrücken in Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabe (Bewertung der Valenz oder der Erregung) hin.


 

Wahrnehmung von Materialien

 

In diesem Projekt geht es um die Frage, wie Kinder im Alter von 6 Jahren verschiedene Eigenschaften von Materialien wahrnehmen. Insbesondere interessiert uns dabei, ob und wie sie dauerhaft verformbare Materialien (z.B. Ton oder Knete) von elastischen Materialien (z.B. Schaumstoff) unterscheiden. Uns Erwachsenen fällt diese Unterscheidung relativ leicht, weil wir solche Unterschiede mit speziellen Handgriffen ertasten können. Wir möchten nun herausfinden, ob Kinder, die Gegenstände aus verschiedenen Materialien mit den Händen erkunden dürfen, entsprechende Materialien auch unterscheiden können, und ob sie ihre Handbewegungen an die Eigenschaften der Materialien anpassen.

Hierzu dürfen die Kinder jeweils entweder einen elastischen oder einen plastischen Gegenstand, die identisch aussehen, erkunden indem sie ihn anschauen und abtasten. Anschließend werden zwei visuell identische Objekte (jeweils elastisch / plastisch) von einer anderen Person manipuliert und die Kinder dürfen dabei zusehen. Anschließend sollen die Kinder entscheiden, welcher der beiden Gegenstände demjenigen entspricht, mit dem sie sich selbst vorher beschäftigt haben. Diese aktuelle Studie setzt eine Studienreihe mit Kindern verschiedenen Alters fort, die vor längerem begonnen wurde. In den bislang erhobenen Gruppen (11 Monate, 3 Jahre, 5 Jahre) zeichnet sich ab, dass Kinder erst ab 5 Jahren dazu in der Lage sind, subtile Unterschiede in Materialien, wie etwa verschiedene Arten der Verformbarkeit, zu unterscheiden. Die Studie mit den 6-Jährigen Kindern wird gerade erhoben.

  



      Wahrnehmung und Verarbeitung der bekannten Größe im Säuglingsalter

  

Die bekannte Größe eines Objektes beschreibt die Größe, die ein Objekt typischer in der realen Welt hat. Die Alltagsgröße von Objekten hat dabei einen Einfluss auf unser Denken und unsere Handlungen. So müssen wir die Größe eines Objektes berücksichtigen, wenn wir es erfolgreich greifen möchten. In einer Serie von Studien haben wir in den letzten Jahren untersucht, inwiefern und ab wann Säuglinge Wissen über die bekannte Größe von Objekten erwerben. Zusätzlich haben wir uns gefragt, unter welchen Bedingungen Säuglinge dieses Wissen zeigen. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Säuglinge bereits ab 7 Monaten Wissen über die bekannte Größe haben, dieses jedoch nur dann abrufen können, wenn sie mit realen Objekten interagieren dürfen. Mit 12 Monaten hingegen zeigen Säuglinge auch dann Wissen über die bekannte Größe, wenn sie die Objekte nur betrachten. Weiterhin haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ab wann Kinder dieses Wissen auch auf fotorealistische Abbildungen derselben Objekte übertragen können und somit die bekannte Größe eines Objektes auch auf einem Foto wiedererkennen. Säuglinge im Alter von 7 und 12 Monaten erkennen die bekannte Größe eines Objektes auf Fotos nicht. In einer aktuellen Studie erforschen wir deswegen, ob 15 Monate alte Kinder dies bereits können und inwiefern diese Fähigkeit mit dem freien Laufen zusammenhängen könnte.

Bereits veröffentliche Artikel:

Sensoy, Ö., Culham, J.C., & Schwarzer, G. (2021). The Advantage of Real Objects over Matched Pictures in Infants' Processing of the Familiar Size of Objects. Infant and Child Development, 30(4); July/August 2021. https://doi.org/10.1002/icd.2234

Sensoy, Ö., Culham, J.C. & Schwarzer, G. (2020). Do infants show knowledge of the familiar size of everyday objects?. Journal of Experimental Child Psychology. Volume 195, July 2020. https://doi.org/10.1016/j.jecp.2020.104848

  


 

     Sprach- und Gesichterverarbeitung im Kindesalter

  

Die Verarbeitung von Sprache und Gesichtern ist im Säuglingsalter eng miteinander verknüpft und beide zeigen ähnliche Entwicklungsverläufe. Im Laufe des ersten Lebensjahres werden Säuglinge zu ExpertInnen ihrer Muttersprache sowie für Gesichter ihrer eigenen Ethnie bzw. für die Gesichter, von denen sie im Alltag am häufigsten umgeben sind. Diese Spezialisierung bezeichnet man als Perceptual Narrowing. In einer Reihe von Projekten untersuchen wir, ob Sprach- und Gesichterverarbeitung im Kindesalter ähnlich verknüpft sind, wie im Säuglingsalter oder ob mit zunehmendem Alter eine immer stärkere Trennung zwischen Sprach- und Gesichterverarbeitung stattfinden. Erste Ergebnisse zeigen, dass 5-jährige Kinder Gesichter unabhängig von Sprache verarbeiten können, die Verarbeitung von Sprache jedoch (noch) mit der Verarbeitung von Gesichtern zusammenhängt. Im Erwachsenalter scheinen jedoch die Verarbeitung von nativen Gesichtern und Sprache weitestgehend unabhängig voneinander zu sein.