Belastungseinschätzung – kleine Wiederkäuer
Schafe und Ziegen gewinnen auch im Bereich tiergestützter Interventionen, pädagogischer Angebote und sozialer Einsatzformate zunehmend an Bedeutung. Damit gehen besondere Anforderungen an die tierärztliche Begleitung einher, da sich kleine Wiederkäuer in ihrem Ausdrucksverhalten, ihren Stressreaktionen, ihrer sozialen Organisation und ihren Haltungsansprüchen deutlich von anderen in tiergestützten Settings eingesetzten Tierarten unterscheiden. Die korrekte Einschätzung von Belastung, Einsatzfähigkeit und Wohlbefinden stellt daher eine wesentliche Grundlage für die tierschutzgerechte Begleitung dieser Tiere dar.
Gerade in tiergestützten Arbeitsfeldern ist eine enge fachliche Zusammenarbeit zwischen Tierärztinnen und Tierärzten und den ausführenden Fachkräften tiergestützter Dienstleistungen von zentraler Bedeutung. Während Letztere die Tiere im Einsatzalltag begleiten und Veränderungen im Verhalten früh wahrnehmen, kommt Tierärztinnen und Tierärzten eine entscheidende Rolle bei der fachlichen Einordnung dieser Beobachtungen, der Bewertung von Belastungssituationen sowie der tierschutzfachlichen und präventivmedizinischen Beratung zu. Eine fundierte Beurteilung setzt deshalb nicht nur Kenntnisse zur klinischen Gesundheit, sondern auch ein vertieftes Verständnis tierspezifischer Verhaltensindikatoren, Belastungsgrenzen und Haltungsbedingungen voraus.
Die Fortbildung vermittelt praxisnahes Wissen zur Erkennung und Bewertung von Belastung bei Schafen und Ziegen in tiergestützten Einsatzkontexten sowie im Haltungsalltag. Im Mittelpunkt stehen die relevante Interpretation von Verhaltenssignalen, die Einschätzung von Belastungssituationen, die Differenzierung zwischen situationsangemessener Reaktion und tierschutzrelevanter Überforderung sowie die fachliche Begleitung tiergestützter Angebote im interprofessionellen Austausch. Anhand von Praxisbeispielen werden typische Einsatzsituationen analysiert und Kriterien für eine tiergerechte Gestaltung sowie für eine frühzeitige tierärztliche Intervention herausgearbeitet.
Dozent
Dr. Henrik Wagner

Campus Veterinärmedizin, Justus-Liebig-Universität

20.10.2026 zwischen 9–13 Uhr

115 €
Maximale Teilnehmendenzahl:
20
Zielgruppe
Die Veranstaltung richtet sich primär an Tierärztinnen und Tierärzte. Darüber hinaus ist sie offen für Fachkräfte tiergestützter Dienstleistungen und interessierte Halterinnen und Halter kleiner Wiederkäuer.