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Erste Generation Promotion

Mentoring Programm "Erste Generation Promotion"

Wer als Erste_r in der Familie ein Studium aufgenommen hat und nun den Weg in die Wissenschaft weitergeht, bringt besondere Perspektiven mit – und steht oft vor spezifischen Herausforderungen: Erfahrungen von Unsicherheiten und Zweifel durch Fremdheitsgefühle, das Bewegen im akademischen Umfeld und das Gefühl, vieles selbst herausfinden zu müssen. Das Mentoring-Programm „Erste Generation Promotion“ richtet sich an Promovierende, die aus einem nicht-akademischen Elternhaus stammen und sich Austausch, Orientierung und Unterstützung jenseits fachlicher Fragen wünschen. Gemeinsam mit einer_m Mentor_in, der_die selbst diesen Weg gegangen ist, schaffen wir Raum für Ihre Fragen – und stärken Ihren individuellen Weg in der Wissenschaft. 

Erstakademiker_in  — viel mehr als nur neue Wege! 

Als Erstakademiker_in gelten Personen, die als Erste in ihrer Familie ein Studium aufgenommen haben – das heißt, deren Eltern nicht studiert oder einen akademischen Abschluss erworben haben. Dieser Hintergrund bringt oft besondere Erfahrungen mit sich, insbesondere im Umgang mit dem Universitätssystem, das viele unausgesprochene Erwartungen und soziale Codes mit sich bringt. 

Vielleicht kennen Sie diese Erfahrungen? 

  • Sie mussten sich universitäre Abläufe und ‚Spielregeln‘ erst selbst erschließen. 
  • Sie hatten keine Vorbilder für eine wissenschaftliche Karriere – besonders in ihrem nicht-akademischen Umfeld. 
  • Sie zweifeln manchmal, ob Sie in der Wissenschaft ‚richtig‘ sind – oder wie man sich dort bewegt
  • Sie haben Situationen erlebt, in denen Sie sich manchmal fremd fühlten –  auch wenn Sie formal dazugehören?
  • Finanzielle Unsicherheit ist ein Teil Ihrer Herkunftserfahrung und hat Sie im Bildungsweg als Hürde begleitet?

Diese und ähnliche Erfahrungen können Teil einer Biografie eines Erstakademikers sein. Dabei ist soziale Ungleichheit im Hochschulsystem ­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­nicht nur Ausprägung Ihrer Erfahrung: 

  • Nur 27 von 100 Kindern aus nicht-akademischen Familien beginnen ein Studium, während es bei Akademikerkindern 79 von 100 sind. (Quelle: Hochschul-Bildungs-Report 2022) 
  • Nur 2 von 100 Studierenden aus nicht-akademischen Haushalten promovieren. Bei Kindern aus Akademikerfamilien sind es 6 von 100. (Quelle: Hochschul-Bildungs-Report 2022, Abbildung 19 (Bildungstrichter))
  • Der Weg zur Promotion ist für Erstakademiker_innen weiterhin durch strukturelle Hürden geprägt. Besonders der Übergang von der Schule an die Hochschule gilt als zentrale Schwelle. (Quelle: bpb-Dossier „Soziale Ungleichheit von der Grundschule bis zur Promotion“)
  • Erstakademiker_innen erleben häufiger finanzielle Unsicherheiten in ihrer wissenschaftliche Laufbahn. (Quelle: bpb-Dossier zur sozialen Herkunft in der Wissenschaft) 
  • Akademiker_innen mit Einwanderungsgeschichte verdienen durchschnittlich rund 30 % weniger als Akademiker_innen ohne Einwanderungsgeschichte – ein Hinweis auf soziale Ungleichheit auch nach formaler Qualifikation. (Quelle: Factsheet „Einkommen, Bildung und Arbeit von Familien mit Einwanderungsgeschichte“ (Mikrozensus 2022))

Das Programm

Das Programm entstand als „Erste Generation Promotion Mentoring+“ im Jahr 2017 aus einem ehrenamtlich organisierten Mentoring-Angebot des Vereins Erste Generation Promotion e.V.  an der Universität zu Köln. Der ehrenamtliche Verein setzt sich seit 2014 für Promovierende und Promotionsinteressierte mit einem nichtakademischen Familienhintergrund ein, in dem er u. A. kostenlose Beratung, Workshops, Vernetzungs- und Informationsveranstaltungen anbietet. 

Was bietet mir das Programm am Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften? 

„Erste Generation Promotion“ ist ein Mentoring-Programm für Promovierende der Fachbereiche 03, 04 und 05, die als Erste in ihrer Familie ein Studium abgeschlossen haben und nun mit einer Promotion den Weg in die Wissenschaft weitergehen. Das Programm umfasst ein Eins-zu-Eins-Mentoring mit einer_m promovierten Mentor_in, der_die selbst einen nicht-akademischen Familienhintergrund hat in drei bis vier Treffen im Zeitraum eines Jahres. 

Auf Grundlage geteilter Erfahrungen als Erstakademiker_in  werden Sie begleitet und in einem offenen, vertraulichen Austausch jenseits disziplinärer Strukturen beraten. Das umfasst thematisch alle Fragen und Probleme rund um die strukturellen Bedingungen und Hürden des Promovierens. z. B. um Themen wie den Umgang mit Fremdheitsgefühlen, das Teilen informellen Wissens, die ungeschriebenen Gesetze des Wissenschaftsbetriebs, um Fragen der Karriereentwicklung, uvm.

Das Programm startet mit einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung zum Vernetzen und Kennenlernen, umfasst dann Ihre individuellen Treffen und schließt mit einer Reflexions- und Abschlussveranstaltung ab. Während der Förderungszeit des einen Jahres findet in regelmäßigen Abständen ein Erstakademiker_innen-Café zum informellen Austausch am GGK/GCSC statt. Hier gehts zum Call to Action.

So können Sie teilnehmen: 

Nutzen Sie die Chance auf individuelle Unterstützung, Austausch und neue Perspektiven. Senden Sie dazu einen CV sowie ein Motivationsschreiben (max. 1 Seite). Das Motivationsschreiben sollte auf folgende Fragen Bezug nehmen: 

 

  • Was bedeutet es für Sie, als Erste_r in Ihrer Familie zu promovieren? Was motiviert Sie?
  • Welche Themen möchten Sie im Rahmen eines Mentorings besprechen?
  • Welche Unterstützung wünschen Sie sich von diesem Programm?

Senden Sie uns Ihre Unterlagen bitte bis zum 30. November 2025 anggk. 

 

Sie sind bereits PostDoc oder Professor_in und wollen Ihre Erfahrungen weitergeben?

Sie haben selbst als Erste_r in Ihrer Familie den Weg in die Wissenschaft gefunden? Sie wissen, wie es sich anfühlt, sich im Wissenschaftssystem ohne akademisches Vorwissen zurechtzufinden – mit vielen Fragen, wenig Orientierung und eigenen Umwegen? 

Als Mentor_in im Programm „Erste Generation Promotion“ geben Sie Ihre Erfahrungen weiter – und schaffen einen Raum für Austausch, Offenheit und gegenseitige Unterstützung. Ihre Perspektive kann dabei nicht nur Orientierung geben, sondern echte Barrieren abbauen. Kern des Programms ist ein Matching mit einem_einer Mentee außerhalb Ihres Fachgebiets — für einen offenen, geschützten Austausch rund um strukturelle Fragen und Hindernisse des Promovierens. 

Warum Sie Mentor_in werden sollten: 

  • Persönlicher Austausch mit engagierten Nachwuchswissenschaftler_innen, 
  • Reflexion der eigenen akademischen Biografie, 
  • Ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit und Diversität in der Wissenschaft, 
  • Möglichkeit der Netzwerkbildung mit anderen Mentor_innen im Programm, 
  • und das bei einem Zeitaufwand von nur 3 bis 4 individuell planbaren Treffen über ein Jahr! 

Sie möchten Mentor_in werden? Dann freuen wir uns über eine kurze Nachricht an ggk und wir melden uns bei Ihnen mit weiteren Informationen. 

 

Weitere Unterstützungsangebote am Gießener Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK)

Am Graduiertenzentrum Kulturwissenschaften (GGK) begleiten wir Sie auf Ihrem gesamten Promotionsweg – und darüber hinaus. Neben dem Mentoring-Programm „Erste Generation Promotion“ bieten wir unseren Mitgliedern eine Vielzahl weiterer Formate und Beratungsmöglichkeiten:

  • Promotionssprechstunde: Für alle Promovierenden der Fachbereiche 03, 04 und 05 steht unsere Promotionssprechstunde offen – persönlich, vertraulich und individuell. Ob organisatorische Fragen, Zeitplanung oder Unsicherheiten im Promotionsverlauf: Wir unterstützen Sie gern bei persönlichen Anliegen. 
  • Career Service: Mit verschiedenen Veranstaltungen und Angeboten zu Karrierewegen innerhalb und außerhalb der Wissenschaft begleitet Sie unser Career Service.
  • Teaching Centre: Unser Teaching Centre bietet didaktische Qualifizierung  und Know-How im Bereich der Hochschullehre in vielfältigen Angeboten wie Workshops und dem Co-Teaching-Programm. 

Sie überlegen noch, ob eine Promotion der richtige Schritt für Sie ist? Sie haben mit der Promotion noch nicht begonnen, möchten sich aber gezielt vorbereiten oder herausfinden, ob eine Promotion der richtige Schritt für Sie ist? Dann bewerben Sie sich auf unser PreDoc-Programm – ein strukturiertes Vorbereitungsangebot für angehende Promovierende der Fachbereiche 03, 04 und 05! Mehr Informationen und Bewerbung finden Sie hier. 

 

Wir unterstützen Sie gerne – melden Sie sich bei uns!

Ob Fragen zum Mentoring-Programm, Interesse an einer Teilnahme oder weiteren Fragen und Anregungen: Wir freuen uns über Ihre Nachricht und stehen Ihnen gern zur Verfügung.

Ihr GGK-Team:

 

Quellen und weiterführende Literatur*
  1. Stifterverband / McKinsey & Company (2022): Hochschul-Bildungs-Report 2022 – Abschlussbericht. Daten zu Bildungsübergängen und sozialer Herkunft im deutschen Hochschulsystem, u. a. mit Bildungstrichter bis zur Promotion. Online abrufbar (PDF). 
  2. Bundeszentrale für politische Bildung (2023): Soziale Ungleichheit – von der Grundschule bis zur Promotion. Ein Dossier zur sozialen Herkunft im Bildungssystem mit Fokus auf strukturelle Hürden in Schule, Hochschule und Wissenschaft. 
  3. Ramboll Management Consulting (2023): Factsheet 2 – Einkommen, Bildung und Arbeit von Familien mit Einwanderungsgeschichte. Ergebnisse aus dem Mikrozensus 2022 mit Fokus auf familiäre Bildungs- und Erwerbssituation. PDF bei Destatis verlinkt. Online abrufbar (PDF).
  4. Statistisches Bundesamt (2023): Mikrozensus 2022 – Glossar. Begriffsdefinitionen und methodische Erläuterungen zur Datenerhebung. 

* Die hier aufgeführten Daten dienen der Kontextualisierung sozialer Ungleichheit im Bildungssystem. Sie geben aktuelle Entwicklungen, statistische Erhebungen und strukturelle Herausforderungen wieder, wie sie insbesondere Erstakademike_innen betreffen.