Kreativwettbewerb
Gewinner:innen des Kreativwettbewerbs 2050

Zu Beginn des Jahres hat das College of Liberal Arts & Sciences (CLAS) einen Kreativwettbewerb ausgerufen. Unter dem Motto „Die Welt im Jahr 2050“ waren Schüler:innen aus der Region um Gießen eingeladen, ihre Visionen und Ideen für die Zukunft zu teilen. Diesen Aufruf haben 12 Gruppen aus zwei Schulklassen mit großem Engagement aufgenommen. Sie reichten eine beeindruckende Vielfalt an Beiträgen ein, darunter Videos, Stadtmodelle, Bilder und Geschichten.
Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des CLAS, dem Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Prof. Dr. Alexander Goesmann, Studierenden der Liberal Arts & Sciences, Vertreter:innen der Arbeitsstelle Holocaustliteratur (AHL), des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) und des Büros für Nachhaltigkeit (BfN), hat die Einsendungen sorgfältig bewertet.
Die Vielzahl und der Einfallsreichtum der eingereichten Arbeiten haben die Jury-Mitglieder sehr begeistert. Nun freuen wir uns, Ihnen die Gewinner:innen-Beiträge präsentieren zu dürfen:
Platz 2: Rebecca und Mia der 6. Klasse der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich mit ihrer Kurzgeschichte "Der entscheidende Schritt"
Ruby stand vor dem riesigen, glänzenden Gerät, dass das Zentrum des geheimen Forschungsraums einnahm. Ihr Herz schlug schneller, als sie die schwebenden Maschinen und holografischen Displays betrachtete, die in der Luft schwebten, wie eine fremde, unheimliche Welt. Alles sah aus wie aus einem Science-Fiction-Film, aber die Realität war viel düsterer und bedrohlicher.
Sie hatte diese Maschinen schon einmal gesehen. In ihren Visionen war das Bild klarer und deutlicher als alles andere, und es verfolgte sie unaufhörlich. Die Zukunft schien bereits geschrieben, doch Ruby hatte trotzdem eine seltsame Hoffnung, dass sie vielleicht noch einen Weg finden konnte, diesen unausweichlichen Moment zu verändern.
„Was machst du hier?“. Die kalte Stimme riss Ruby aus ihren Gedanken. Sie drehte sich um und sah einen Sicherheitsmann, der sie misstrauisch musterte.
Für einen Augenblick erstarrte Ruby, doch dann zwang sie sich zu einem kühlen Lächeln. Sie wusste, dass keine Zeit zu verlieren war. „Ich bin nur eine Studentin“, sagte sie ruhig. „Ich wollte mir die neuesten Technologien anschauen. Mir war nicht bekannt, dass dieser Bereich so abgesichert ist...“.
Der Mann betrachtete sie mit hochgezogenen Augenbrauen. „Sie sollten nicht hier sein“, sagte er scharf. „Was auch immer Sie suchen, suchen Sie es woanders.“
Ruby spürte den Druck in ihrem Nacken. Es war jetzt keine Zeit für Diskussionen. Ihr Blick wanderte zu der Maschine und sie erinnerte sich an ihre Visionen. Sie wusste, was auf dem Spiel stand. Diese Maschinen waren der Schlüssel zu etwas, das die ganze Welt verändern würde – und nicht zum Guten.
„Ich muss mehr wissen“, flüsterte Ruby, ihre Stimme ruhig, doch in ihr brodelte ein Sturm. Sie hatte keine Wahl. „Ich kann Sie nicht einfach gehen lassen. Wenn Sie nicht freiwillig verschwinden, muss ich Sie festnehmen“, sagte der Sicherheitsmann und zog sein Kommunikationsgerät hervor.
Ruby konnte das Risiko nicht eingehen. Die Visionen hatten sie darauf vorbereitet, dass sie die Wahrheit aufdecken musste, bevor es zu spät war. Sie musste sofort handeln.
Mit einem schnellen Sprung warf sie sich auf den Sicherheitsmann, brachte ihn aus dem Gleichgewicht und schickte ihn mit einem kräftigen Stoß in den Gang. Bevor er reagieren konnte, rannte sie weiter, durch die langen, leeren Korridore des Forschungszentrums, immer tiefer in das Herz der Technologie.
Schließlich erreichte sie eine Tür, die anders war als alle anderen – ein metallischer Block, der wie ein Sicherheitsbereich aussah. Doch für Ruby war das keine Barriere, sondern eine Herausforderung. Sie zog ein kleines Gerät hervor, das sie sich vor einiger Zeit besorgt hatte: Ein virtueller Schlüssel, der eine Sicherheitslücke im System des Zentrums ausnutzte. Mit einem fast unhörbaren Zischen öffnete sich die Tür. Ruby atmete tief durch und trat ein.
Der Raum war noch größer als der vorherige, ein riesiger Raum voller schwebender Maschinen. Doch in der Mitte stand er – der Apparat, der ihr in ihren Visionen immer wieder erschienen war. Der glänzende Kasten, umgeben von pulsierenden Lichtern, die wie das Herz einer unsichtbaren Welt schlugen. Die Maschine war der Schlüssel zu allem, was sie gesehen hatte – und sie wusste jetzt, dass sie sie stoppen musste.
Ruby trat näher und legte ihre Hand auf die kalte Oberfläche der Maschine. Sie konnte den leichten Strom der Energie spüren, der durch die Wände der Maschine zog. Doch etwas stimmte nicht. In der Nähe entdeckte sie ein kleines Panel, das anders war als die anderen. Es war abgenutzt, als ob es schon viele Jahre genutzt worden war. Sie öffnete es vorsichtig, und darunter erschien ein holografisches Display.
Es war eine Steuerungseinheit.
Schnell versuchte Ruby, die Codes zu entschlüsseln, doch dann hörte sie Schritte hinter sich. Sie drehte sich um – es war zu spät. Der Sicherheitsmann und zwei weitere Wachen standen in der Tür. „Du bist zu spät“, sagte der Sicherheitsmann, seine Stimme rau und gefährlich. „Die Maschine wird aktiviert, und du kannst nichts mehr dagegen tun.“ Ruby fühlte, wie die Zeit für einen Moment stillzustehen schien. Sie hatte diesen Moment in ihren Visionen gesehen – die Maschine wurde aktiviert, und die Welt stürzte ins Chaos. Aber sie wusste auch, dass Visionen nur das waren, was passieren könnte – nicht das, was auf jeden Fall passieren würde. Es lag an ihr, die Zukunft zu verändern.
„Es gibt immer einen Weg“, flüsterte Ruby leise, fast zu sich selbst.
Mit einer schnellen Bewegung hackte sie das Panel und gab die Codes ein, die sie im Laufe ihrer langen Untersuchung des Zentrums gesammelt hatte. Der Bildschirm flackerte und begann sich zu verändern. Sie wusste, dass sie nur noch Sekunden hatte.
„Was tust du?“, schrie der Sicherheitsmann. „Hör auf, du weißt nicht, was du tust!“
„Doch“, sagte Ruby, während ihre Finger schnell über das Display flogen. „Ich weiß genau, was ich tue. Ihr habt die Kontrolle über die Technologie verloren. Und jetzt ist es an der Zeit, dass die Menschheit die Verantwortung dafür übernimmt.“
Die Maschine begann zu vibrieren, als Ruby den letzten Code eingab. Es war ein Risiko, aber es war ein Risiko, das sie eingehen musste. Ihr Herz klopfte wild, als das System zu reagieren begann. Doch dann – ein helles Licht blitzte auf, und der Raum wurde von einem tiefen, grollenden Geräusch erschüttert.
Die Maschinen, die die Energie des Apparats versorgten, begannen sich zu verlangsamen. Hologramme stoben auseinander, und die Wände des Raums, die zuvor von Energie durchzogen waren, begannen zu flimmern und erlischen.
Der Apparat war gestoppt.
Erschöpft fiel Ruby auf die Knie. Ihre Visionen waren immer noch da, aber sie hatte den Moment verändert – sie hatte die Zukunft gerettet, bevor die Maschine zu einem unkontrollierbaren Monster geworden war.
Die Wachen starrten sie an, ihre Gesichter eine Mischung aus Entsetzen und Unglauben. Sie waren machtlos gegen das, was Ruby getan hatte.
„Wie hast du das gemacht?“, fragte der Sicherheitsmann erstaunt.
„Mit einer Entscheidung!“, antwortete Ruby. „Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt. Es liegt an uns, wie wir sie gestalten.“ Sie sah auf die Maschine, die jetzt leblos vor ihr lag. In den letzten Jahren hatte sie gelernt, dass ihre Gabe nicht nur ein Fluch war, sondern auch ein Werkzeug, das sie zu ihrer Verantwortung führte. Ihre Visionen waren ein Blick auf das, was kommen könnte – aber sie waren auch Warnungen. Und sie wusste, dass sie die Macht hatte, sie zu verändern.
Ruby stand langsam auf, während sich die Wachen zurückzogen. Ihr Herz schlug immer noch heftig, aber sie wusste, dass dies nicht das Ende war. Es gab noch so viele Fragen, so viele Momente, die sie noch sehen musste. Aber sie hatte gelernt, dass die Zukunft nicht festgeschrieben war. Sie konnte sie verändern, wenn sie den Mut hatte, zu handeln.
Und sie war bereit.
Platz 2: Kira, Marlene, Lotta, Vanessa, Emma, Anna, Helene, Luisa und Ella der 6. Klasse der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich mit ihrem Video "Die Zeitreise"
Wir möchten uns ganz herzlich bei allen Teilnehmer:innen für ihre kreativen und gelungenen Beiträge bedanken! Ein besonderer Dank gilt auch der Jury für ihre wertvolle Unterstützung bei der Auswahl der Gewinner:innen.