3R-Forschung
3R-Forschung
Professur für Versuchstierkunde
Die Professur für Versuchstierkunde und Tierschutz vertritt die Fächer Versuchstierkunde, Tierschutz und Ethologie in Forschung und Lehre. In der tierärztlichen Ausbildung und im späteren Berufsleben sind Tierärztinnen und Tierärzte in besonderer Weise dem Tierschutz verpflichtet. Im Ethikkodex der Tierärztinnen und Tierärzte (Codex Veterinarius, TVT) heißt es:
Tierärztinnen und Tierärzte sollen neben ihren vielfältigen öffentlichen Aufgaben durch ihr Fachwissen und in Wahrnehmung der Sachverständigenrolle, die ihnen durch das Tierschutzgesetz zugewiesenen ist, den allgemeinen Standard des Tierschutzes für alle Tiere anheben und dadurch sowohl die Gesundheit als auch das Wohlbefinden der Tiere kontinuierlich verbessern.
Die Lehrkonzepte und Inhalte der Professur für Versuchstierkunde und Tierschutz sind auf die Erfüllung dieser besonderen tierärztlichen Aufgaben ausgerichtet.
Weitere Informationen beispielsweise zur Fortbildungsreihe Just.Us und dem Gießener 3R-Zentrum „ICAR3R“ finden Sie auf der Website der Professur.
Was bedeutet 3R?
Tierversuche sind in der biomedizinischen Forschung noch unverzichtbar, nur mit Hilfe von Versuchstieren können komplexe Vorgänge im lebenden Organismus erfasst und verstanden werden. Eine Vielzahl der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist auf Ergebnisse aus Tierversuchen zurückzuführen. Insofern schafft die tierversuchsbasierte Forschung eine wichtige Basis für den biomedizinischen Fortschritt in Deutschland.
Alle tierexperimentell arbeitenden Forschenden sind sich der großen Verantwortung bewusst, die sie für das Wohlergehen der Versuchstiere tragen. Obwohl Tierversuche in der Forschung unerlässlich sind, besteht Einigkeit darüber, sie auf ein notwendiges Minimum zu beschränken. Als Richtlinie gilt dabei das ethische Prinzip der „3R“.
Das 3R-Prinzip umfasst das Replacement, die Reduction und das Refinement (Vermeiden, Verringern und Verbessern). Im Jahr 1959 veröffentlichten Russell und Burch ihr Buch „The Principles of Humane Experimental Technique“, in dem sie das 3R-Prinzip vorstellten. Dieses ist bis heute wichtigster Leitfaden in Bezug auf Tierexperimente und wurde durch die EU-Direktive 63/2010 in geltendes Recht umgewandelt.
Das 3-R Prinzip beschreibt, dass Tierversuche nach Möglichkeit durch Alternativverfahren ersetzt werden sollten (Replacement). Sollte es keine Alternativmethoden zur Beantwortung einer spezifischen Forschungsfrage geben, so muss die Zahl der im Versuch eingesetzten Tiere so gering wie möglich gehalten werden (Reduction). Diese geringe Zahl von Tieren soll im Versuch eine so geringe Belastung wie möglich erfahren (Refinement). Dazu können beispielsweise optimierte Haltungsbedingungen oder eine Verfeinerung von Methoden führen.
Replacement (Vermeidung):
Wenn möglich, werden Tierversuche durch Alternativmethoden ersetzt. Es wird immer geprüft, ob es zur Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung ausreicht, auf einfache Organismen wie Bakterien oder wirbellose Tiere zurückzugreifen oder Zell- und Gewebekulturen, Computermodelle oder andere Ersatzmethoden zu verwenden.
Reduction (Verringerung):
Die Anzahl der Versuchstiere wird auf ein notwendiges Minimum reduziert. Dazu tragen ein kluges Versuchsdesign und statistische und methodische Optimierungen bei. Geeignete Tiermodelle werden aufgrund von Erfahrungswerten sorgfältig ausgewählt. Durch die zentrale Erfassung der Ergebnisse aus Tierversuchen und eine gute Abstimmung zwischen Forschenden, wird verhindert, dass ähnliche Versuche wiederholt werden.
Refinement (Verbesserung):
Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden, mit ausreichendem Platzangebot und in einer Umgebung, die ihr Wohlbefinden fördert. Durch die fortlaufende Verbesserung der Untersuchungsmethoden, wie beispielsweise balancierte Narkosen, angemessene Schmerzbehandlung, aber auch spezielles Tiertraining, werden Stress und Leiden so weit wie möglich reduziert.
Quelle: Das 3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine - Tierversuche verstehen
3R-Forschung

Abbildung 1:Die Beagle vor ihrem täglichen Gassi-Gang.
Quelle: ICAR 3R Zentrum, Gießen, Prof. Stephanie Krämer
Tiere im Einsatz der Lehre für Studierende der Tiermedizin
Die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und insbesondere die Professur für Tierschutz setzt sich für das Wohl der Tiere ein. Solange noch nicht vollständig auf Tierversuche verzichtet werden kann, muss der Verantwortung, die der Mensch für alle Tiere in seiner Obhut hat, in besonderer Weise Rechnung getragen werden. Dies schließt auch Tiere ein, die in der Lehre eingesetzt werden. Beispielsweise lernen Studierende der Veterinärmedizin mit Beaglen die richtige Durchführung von Untersuchungsgängen am Hund. Die Beagle der JLU leben in einer modernen Tierhaltung, werden von mehreren Tierpflegenden umsorgt, haben Paten und gehen jeden Tag Gassi – fast wie normale Familienhunde. Nach einer Zeit von ca. zwei Jahren am Campus werden sie dann vermittelt und finden so ein neues Zuhause. Aktuell wird an der JLU untersucht, ob Medical Training die Tiere optimal auf ihre Aufgabe in der Lehre vorbereitet. Medical Training ist eine besondere Art des Tiertrainings, die ursprünglich aus dem Zootiertraining kommt. Dabei wird nur mit Lob und Belohnungen und niemals mit Strafe gearbeitet. Zum Beispiel lernen die Tiere, sich ohne die beim Tierarzt übliche Fixierung und ohne Stress von Studierenden abhören zu lassen. Weder im Training im Rahmen der Studie noch in der Lehre mit Studierenden werden invasive Eingriffe wie Blutentnahmen durchgeführt.

Abbildung 2: Der Hund lernt einen Targetstab zu berühren.
Quelle: ICAR 3R Zentrum, Gießen, Prof. Stephanie Krämer

Abbildung 3: Durch Medical Training hat der Hund gelernt, dass er ohne Fixierung abgehört
werden kann. Der Targetstab im Bild dient dabei als Kooperationssignal. Solange der Beagle mit der
Schnauze den Stab berührt, darf er abgehört werden. So kann der Hund zu jeder Zeit eine
Pause einfordern, wenn er sie benötigt.
Quelle: ICAR 3R Zentrum, Gießen, Prof. Stephanie Krämer

Abbildung 4: Der Hund lernt, sich ohne Fixierung abhören zu lassen.
Quelle: ICAR 3R Zentrum, Gießen, Prof. Stephanie Krämer