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Bernhard Unterholzner

seit 11/2009 Promotionsvorhaben am Bereich Osteuropäische Geschichte des Historischen Instituts sowie Stipendiat am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse der Justus-Liebig-Universität Gießen
seit 01/2015 Buchprojekt: Das Friedrich-Engelhorn-Haus der BASF in Ludwigshafen. Hochhausbau der deutschen Nachkriegsmoderne zwischen internationalen architektonischen Einflüssen, Unternehmensrepräsentation und städtischem Wahrzeichen.
03/2014-12/2014 Verlagsmitarbeiter bei weissbooks, Frankfurt am Main
WS 2011/2012 Übung: Von der Schmähschrift zur Tele-Revolution. Stationen einer Mediengeschichte des östlichen Europa, Bereich Osteuropäische Geschichte des Historischen Instituts der Justus-Liebig-Universität Gießen
11/2009-10/2012 Stipendiat am Graduiertenkolleg Transnationale Medienereignisse der Justus-Liebig-Universität Gießen
10/2007-09/2009 Masterstudium Osteuropastudien mit Schwerpunkt Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München
09/2008-03/2009 Auslandssemester am History Department der Central European University / Köszép-Európai Egyetem Budapest
10/2002-03/2006 Bachelorstudium Europäische Medienwissenschaft an der Universität Potsdam, Fachhochschule Potsdam und der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff Babelsberg
 

Publikationen

  • Aufsatz: Romantische Allianzen: Gefährlicher Sex und kontingente Liebe in True Blood, in: Michael Dellwing/ Martin Harbusch (Hg.), Vergemeinschaftung in Zeiten der Zombie-Apokalypse: Gesellschaftskonstruktionen am fantastischen Anderen, Wiesbaden 2014.
  • Aufsatz: Vampire im Habsburgerreich, Schlagzeilen in Preußen. Wie Mythen zu politischen Druckmitteln werden, in: Christoph Augustynowicz/Ursula Reber (Hg.), Vampirismus und magia posthuma imDiskurs der Habsburgermonarchie, Wien/Berlin/Münster 2011, 89-104.
  • Vortrag: Tracing Translation: Vampires, Media, Enlightenment, Konferenz Vampires: Myths of the Pastand the Future, Institute of Germanic & Romance Studies, University of London, London 2.-4. November 2011.
  • Vortrag: Der Vampir erscheint; oder auch nicht. Ein Versuch über das „Ununsichtbare“, Workshop Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit, Gesellschaft für Medienwissenschaft, Potsdam 27. -28. Mai 2011.
  • Vortrag: Transhuman transmediality; Vampire-media networks in True Blood. Jahreskonferenz der Popular Culture Association of America, San Antonio 20.-23. April 2011.
  • Vortrag: Vampire im Habsburgerreich – Schlagzeilen in Preußen. Aufklärung und Aberglaube in öffentlichen Debatten des 18. Jahrhunderts, Konferenz Vampirismus und magia posthuma im Diskurs der Habsburgermonarchie im 18. und 19. Jahrhundert, Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien, Wien 2.-4. Juli 2009.
 

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Medienereignis, Kollektivsymbol, Grenzgänger. Verortungen des Vampirismus in Diskursen des 'Anderen'.

Vampire erscheinen als allgegenwärtige Figur in kultureller Produktion und Mythologie westlicher Gesellschaften. Neben der Omnipräsenz des Vampirs ist seine andauernde Verankerung und beständige Wiederkehr bemerkenswert. Bereits 1732 sorgten europaweit Berichte einer Habsburgischen Untersuchungskommission für Aufsehen, denen zufolge vermeintlich wiedergehende Untote in serbischen Dörfern aus ihren Gräbern stiegen und ihr Unwesen trieben.

Diese Berichte von der Habsburgischen Militärgrenze bildeten den Kristallisationspunkt eines Medienereignisses, in dessen Verlauf zahlreiche Schriftstücke produziert wurden und im Diskurs zirkulierten, womit die Diskursgemeinschaft der Schreibenden ein erstes Quellenkorpus des Vampirismus anlegte. Dieses Medienereignis führte die 'sogenannten vampyrs' in die Mythologie des modernen Westens ein, wobei die öffentlich in Magazinen, Traktaten und Salons ausgetragene Debatte unter reger Beteiligung von Theologen, Philosophen, Medizinern sowie eines 'curieusen' Publikums die Wiedergänger rasch zur Beispielfigur eines spezifisch osteuropäischen Aberglaubens erklärte.

Schon in diesen frühen Interpretationen des Vampirismus zeigte sich, dass es weniger um adäquate Deutungen des Phänomens ging, sondern die Figur des Vampirs durch die einfach handhabbare Griffigkeit ihrer Kernmotivik sich als Metapher an diverse Diskurse anschliessen ließ. Spätestens als Voltaire in seinem Dictionnaire philosophique einen Artikel zum Vampir als blutsaugenden Ausbeuter einfügte, konnte eine Tradition einsetzen, welche die ursprünglichen Texte zwar zur Kenntnis nahm, aber letztlich nur einzelne Elemente aus dem Motivkomplex herauslöste.

Indem die Autoren der Romantik den aktenkundigen Vampir als Beweis anführten, um ihren Geschichten größere Authentizität zu verleihen, wandten sie die Schriften des 18. Jahrhunderts gewissermaßen gegen sich selbst: Aus der Diskussion um den Aberglauben der serbischen Bevölkerung und den Schlüssen, warum der Vampir ein Hirngespinst sein muss, wird ein Archiv, dessen Existenz allein bereits die Existenz des Wesens nahelegt.

Dabei eignete sich der Vampir aufgrund seiner vielfachen Grenzüberschreitungen dazu, sowohl Sehnsüchte nach einem Überschreiten der Ordnung, als auch Ängste vor einer Auflösung der Ordnung zu formulieren. Insofern ist die Figur eine paradigmatische Verkörperung des von Michel Foucault angeregten Konzepts des „Anderen“, das sich demnach in Traum, Orient, sexuellen Verboten und Wahn niederschlägt.

Vampirismus erscheint nicht nur als Grenzfigur in den 'mental maps', mit denen sich Europäische Zentren eine spezifische, unter der Dichotomie aufgeklärt/rückständig verhandelte kulturelle Geographie vorstellen. Die Grenzprobleme betreffen auch die nachmesmeristischen Naturphilosophien, die Leben und Tod eher als Kontinuum denn als scharfe Grenze auffassen; umgekehrt werden die literarischen Vorstellungen von Vampirismus in der Psychiatrie und Kriminalistik des ausgehenden 19. Jahrhunderts als Symbol der absoluten Grenzüberschreitung gesetzt, als perverses Syndrom aus diversen Paraphilien. In der Psychoanalyse wiederum wurden die Volkssagen, auch jene der Vampire, als Fundus des Unbewussten entdeckt.

Insofern beschränken sich die Anschlüsse nicht allein auf literarische und filmische Bearbeitungen, auch wenn diese eine wichtige Schnittstelle für andere Diskurse darstellten. Damit verbunden findet sich der Vampir jedoch auch in politischer Metaphorik, in verschwörungstheoretischen Logiken, in nationalökonomischen Pamphleten, in kriminalistischen Abhandlungen, in der forensischen Psychiatrie, der Sexualwissenschaft und in weiteren Disziplinen, die anhand vampirischer Symbolik gesellschaftliche Grenzen beschrieben.

Diese drei untereinander verflochtenen Stränge, (1) das Medienereignis, seine Mechanismen und seine Nachwirkungen, (2) das darin generierte wuchernde Kollektivsymbol und die Vorstellungswelten historischer Subjekte sowie (3) die Schnittstellen, Grenzen und Ordnungen der Diskurse, die den Vampir bearbeiten und ordnen, dienen als Leitlinien, anhand derer die Geschichte des Vampirs verfolgt werden soll.