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Artikelaktionen

Forschung

FORSCHUNGSPROJEKTE

Evidence for use – Evidence for us. Zur Legitimierungsfunktion von Evidenz für die Wissenschaft (DFG, 2021-2024)

Evidenz ist ein zentraler Begriff der Wissenschaft, die sich durch ihre systematische Struktur und methodologische (Selbst-)Kontrolle vor anderen Wissensformen auszeichnet und über die wissenschaftliche Gemeinschaft hinaus gesellschaftliche Glaubwürdigkeits- und Vertrauenserwartungen generiert. Dabei haben Evidenz-Zuschreibungen eine wichtige, aber bislang unterreflektierte Legitimierungsfunktion für die Autorität und Anerkennung der Wissenschaft als Wissenschaft nach innen und nach außen. Das übergeordnete Ziel des Projektes ist es, diese Legitimierungsfunktion der Evidenz mit Blick auf seinen, wie wir es nennen, Appell- und Setzungscharakter zu untersuchen. Zwar gehört Evidenz zu den Konstituentien wissenschaftlicher Forschung, Argumentation und Einsicht. Zugleich gibt es ein Geltungsproblem: Evidenz-Zuschreibungen können ihre Verbindlichkeit nicht nur quid facti, sondern vor allem quid iuris eher behaupten als beweisen. Daher werden wir Evidenz zum einen als epistemischen Wert behandeln, der im scientific ethos verankert ist. Hierbei interessiert uns die normative Funktion der Evidenz für das Selbstverständnis und Selbstvertrauen der Wissenschaften und ihrer zentralen Akteure. Zum anderen geht es um Evidenz als soziopolitisch-ethische Kategorie, d.h. die inner- und außerwissenschaftlichen Formen und Funktionen der Wertschätzung von Evidenz, die nicht nur im Kontext der Genese, sondern vor allem im Kontext der Rechtfertigung und Anerkennung wissenschaftlicher Inhalte und Ergebnisse eine Rolle spielen. Mehr dazu hier

Über den Wert der (Un)Wahrheit in der Demokratie (Volkswagenstiftung, 2021-2022)

Die Frage nach Wahrheit und Lüge in der Politik ist nicht neu. Aber die Verfallsdiagnose der 'postfaktischen' Demokratie signalisiert bislang unbekannte Erosionserscheinungen, die vor allem in den Sozialwissenschaften, aber auch der Gesamtgesellschaft kritisch evaluiert werden. Dabei wirft die zunehmende Akzeptanz und Folgenlosigkeit offensichtlicher Lügen und Lügner(innen) in der Politik auch eine Reihe von normativen Fragen auf, die die ethischen und epistemischen Grundlagen der Demokratie betreffen. Mit den Mitteln der logisch-semantischen und moralphilosophischen Analyse klärt das Projekt verbreitete Irrtümer über die Lüge in der Politik auf, etwa dass die Praxis der Lüge, nicht nur Faktum, sondern auch ein Wert sei; dass es eine Rechtfertigung für das öffentliche Lügen geben könne; dass fake und bullshitting Formen der Lüge darstellen; dass das Problem der postfaktischen Demokratie bloß moralischer Natur ist. Auf dieser Grundlage wird eine zunächst abwegig erscheinende Perspektive auf die normativen Konituenten der Demokratie entwickelt, die das Verhältnis zu Wahrheit und Wahrhaftigkeit neu austariert und sich gegen den Mainstream der herrschenden Demokratiephilosophie als wahrheitsaffin herausstellt. Besondere Bedeutung kommt hierbei den moralisch-epistemischen Hybriden eines Rechts auf Wahrheit und der ihr korrespondieren (zweifachen) Pflicht zur Wahrhaftigkeit zu, die das epistemische Ethos der Demokratie substantiieren.

Normative Konstituenzien der Demokratie (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, 2020-2023)

Das Ziel der interdisziplinären Forschungsarbeitsgruppe ist es, die normative Konstitution der Demokratie zu diskutieren, ihre Essentialia herauszuarbeiten und auf dieser Grundlage politische Empfehlungen für eine Revitalisierung der Demokratie in Deutschland zu entwickeln. Hierbei wird die vielzitierte Krise der Demokratie als Krise ihres eigenen Selbstverständnisses begriffen und die mutmaßlich inadäquate systemische Realisierung ihrer eigenen normativen Ansprüche (z.B. auf Partizipation, Konsens, Gemeinschaft) überprüft werden. Weitere Informationen: https://www.bbaw.de/forschung/normative-konstituenzien-der-demokratie

Datensouveränität: Ein Leitparadigma der digitalen Gesellschaft? – Konzeptualisierung, Reichweite, Konsequenzen (Hessisches Kompetenzzentrum für verantwortungsbewusste Digitalisierung, 2020-2021)

Der Begriff der Datensouveränität hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Allerdings sind mit ihm noch erhebliche Unklarheiten verbunden. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe zielt vor diesem Hintergrund darauf ab, die konzeptionell-terminologische Varianz und die unterschiedlichen Verwendungszusammenhänge (einschließlich der Abgrenzung zu verwandten Begriffen wie digitale, Infrastruktur- oder Plattformsouveränität) zu erschließen und nachzuvollziehen. Auf dieser Basis wird ein klärendes Verständnis von Datensouveränität entwickelt. Geprüft wird, ob und warum dies eine theoretisch wie praktisch angemessene Reaktion auf die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft darstellt und welche technischen Optionen (etwa: Datentreuhandmodelle) die Umsetzung ermöglichen bzw. erleichtern. Weitere Informationen: zevedi.de. Link zum Forschungsprojekt

Hans Kelsen's Theory of Democracy within Pluralism

Der „Jahrhundertjurist" Hans Kelsen erhielt nach Vertreibung und Flucht ab den 1950er Jahren eine Professur an der University of Berkeley. Im Rahmen meines Forschungssemesters im Sommersemester 2020 werde ich mich auf diese englischsprachige zweite Schaffensphase Kelsens fokussieren können. Hierbei interessiert mich vor allem das Kompromiss-Modell der Demokratie in Hinsicht auf das zeitgenössische Problem des Pluralismus. Kelsen skizziert einen 'democratic type of personality' als spezifischen „Charaktertyp", dem eine solche Kompromiss-Orientierung gelingen könne. Ungewöhnlich an diesem Vorschlag erscheint, dass es nunmehr charakterliche Dispositionen der Bürger (oder schlicht: Tugenden) sein sollen, die Kompromisse (und nicht in guter alter republikanischer Tradition: Konsense) ermöglichen, um die zu erwartenden Dissense in der pluralistischen Demokratie zu befrieden.

Eine Theorie der Ungerechtigkeit

Für die Position der normativen Alternativlosigkeit der Demokratie habe ich in den letzten Jahren im Sinne einer objektivistischen Theorie der Gerechtigkeit vielfältig argumentiert und publiziert, komprimiert in der Monographie Was ist Liberalismus (nicht)?, die in diesem Jahr erscheinen wird. Nunmehr wende ich mich der Frage der Ungerechtigkeit, Unmoral und Unmenschlichkeit (dem „Bösen") zu, gewissermaßen in Anknüpfung an die historische Situation, aus der heraus das moderne Demokratie- und Menschenrechtsparadigma entwickelt und etabliert wurde. Mich interessiert zum einen, ob und wie sich diese normative Semantik einfügen lässt in die analytischen Konzepte des Rechten und Guten (und die für die liberale Demokratie-Theorie charakteristische Priorisierung des Rechten). Zum anderen möchte ich untersuchen, wie weit man argumentativ im Ausgang von einer rein dystopischen Werttheorie kommt. Schließlich könnte sich herausstellen (wie es Judith Shklar in ihrem Liberalism of Fear andeutet), dass diejenigen moralischen Urteile, die allgemeine Verbindlichkeit, mithin objektive Geltung beanspruchen können, nur dasjenige betreffen, wovor jeder Mensch guten Grund hat, sich zu fürchten.

Norm und Natur der menschlichen Lebensform

Seit einigen Jahren wird in der praktischen Philosophie die genuin anthropologische Frage nach dem Selbstverständnis des Menschen (wieder) gestellt und es werden dezidiert nicht-essentialistische Reflexionen unternommen, die auf die „charakteristische menschliche Lebensform", die „conditio humana", die „Natur des Menschen" und andere anthropologische Topoi Bezug nehmen. Ich beschäftige mich mit diesen Debatten derzeit unter der metaphilosophischen Leitthese, dass sowohl deskriptive, empirisch validierbare, als auch evaluative, einen bestimmten Aspekt unserer natürlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten herausstellende Merkmale der menschlichen Lebensform als anthropologische Präsuppositionen der ethischen Normenbildung fungieren.

DISSERTATIONEN

Laufende Projekte

  • Jacqueline Sim (JLU Gießen): "Politiken der UnSichtbarkeit. Eine sozialphilosophische Untersuchung des Verhältnisses von Weiblichkeit und Tierlichkeit" (Erstbetreuung).
  • Sarah Teufel (JLU Gießen): "Was vermag Solidarität (nicht)? Versuch einer zeitgemäßen und unsentimentalen Begriffsbestimmung" (Erstbetreuung).
  • Johannes Rübel (JLU Gießen): "Es ist schlimmer als es aussieht: Anthropologische Grundlagen des politischen Liberalismus" (Erstbetreuung).
  • Lea Marlene Ransbach (JLU Gießen): "Komm, erzähl mir Deine Geschichte! Für Ethik der Narrativität bei Hannah Arendt" (Erstbetreuung).
  • Daniel Füger (JLU Gießen): "Zwischen wissenschaftlicher und civilisierter Welt. Evidenz und Ethos in der frühen Chemiewissenschaft" (Erstbetreuung).

Abgeschlossene Projekte

  • Raphael Meyer (ETH Zürich, 2019): "Zur Stabilität der Demokratie. Szenarien der Selbstgefährdung - Faktoren der Verankerung" (Externe Betreuung).
  • Kevin M. Dear (Universität Paderborn, 2017): "Leistungsgerechtigkeit im Politischen Liberalismus. Eine philosophische Untersuchung zum Leistungs- und Verdienstbegriff in Theorien distributiver Gerechtigkeit" (Zweitbetreuung) (veröffentlicht bei Velbrück Wissenschaft 2018).
  • Franz Himpsl (Universität Regensburg, 2016): "Die Freiheit der Wissenschaft. Eine Theorie für das 21. Jahrhundert" (Erstbetreuung) (veröffentlicht bei Metzler/Wiesbaden 2017).
  • Nikolai Blaumer (LMU München, 2014): "Prinzipien gerechter Entschädigung" (Zweitbetreuung) (veröffentlicht bei Campus/Frankfurt 2015: "Korrektive Gerechtigkeit. Über die Entschädigung historischen Unrechts").
  • Christine Bratu (LMU München, 2011): "Die Grenzen legitimen staatlichen Handelns. Zum Verhältnis von Perfektionismus und Liberalismus" (Zweitbetreuung) (veröffentlicht bei Mentis/Paderborn 2013).