Denkmal an Darwin - Der Gießener Evolutionsdenkpfad
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Der Gießener Evolutionsdenkpfad "Denkmal an Darwin" zum 400-jährigen Jubiläum der Justus-Liebig-Universität Gießen
Projekt zum 400. Geburtstag des Botanischen Gartens in Gießen sowie zum Aufbau des Leitbildes eines „Garten der Evolution“
Planung und Konzeption Dipl. – Ing. Holger Laake
EinleitungWie kaum eine andere Stadt Deutschlands trägt Gießen heute das Erbe des im 19. Jahrhunderts beginnenden Materialistenstreits und der damit einhergehenden Debatte um Evolution oder Schöpfung. Der Gießener Zoologe August Christoph Carl Vogt (geb. 5. Juli 1817 in Gießen, gest. 5. Mai 1895 in Genf), der in der Mitte des 19. Jh. mit seinen popularisierenden Schriften zur Zoologie die Abstammung des Menschen vom Affen propagierte und einer der Wegbereiter der Darwinschen Lehre von der Transformation der Typen wurde, repräsentiert symbolisch den Pol aktueller, hypothesengeleiteter Evolutionsforschung. Das Spannungsfeld Evolution-christliche Weltanschauung-Kreationismus kennzeichnet den anderen Pol.
Mit dem Projekt “Denkmal an Darwin!“ – Der Gießener Evolutionsdenkpfad“ soll an diesem Brennpunkt der Debatte mit der Universität Stellung bezogen und die Bedeutung der Evolutionsbiologie als Konzept zur Erklärung des Lebens auf der Erde herausgestellt werden. Das Projekt dient als Grundlage für eine Konzeption des Gartens unter dem Leitbild „Garten der Evolution“. Es geht einher mit der Verankerung des Gartens unter diesem Leitbild in der Zielvereinbarung mit der Universität. Ziel ist es, im Jubiläumsjahr 2009, das zugleich das Darwin-Jahr ist (150 Jahre Origin of species) das neue Gartenkonzept sichtbar zu machen und dem Garten damit eine Richtung für die Sammlungsstrukturen zu geben. Hinzu kommt, dass der Garten 2009 erstmalig die Verbandstagung des Verbandes der Deutschen Botanischen Gärten ausrichten wird. Auf dieser Tagung wird diskutiert werden, wie das Thema „Evolution“ in Bot. Gärten umgesetzt werden kann.
Die IdeeAuf einem historisch geleiteten Sandweg, der Darwins Sandpath in Down House repräsentiert, durchläuft der Besucher Stationen, an denen er mit zentralen Fragen des Lebens konfrontiert wird. Diese Fragen akkumulieren von Station zu Station, um in der letzten Station „evolutio: Denkmal an Darwin“ Antwort zu finden. Der Entwurf wendet sich an sehende und blinde Besucher jeder Altersstufe, er kann einzeln begangen werden oder in Gruppen, er erschließt sich selbst oder aber ist durch Führungen erlebbar. Die Konstruktion als Sandweg, der durch hohe Bambusbepflanzung sichtdicht und raumbildend ist, erlaubt die intensive Beschäftigung mit existentiellen Fragen in einer grünen Oase inmitten der Stadt. Die Anlehnung an Darwins Sandpath in Down House, auf dem er während langer Wanderungen seine Ideen bildete, symbolisiert unsere Überzeugung, dass es durch eigenes Denken aufgrund von Anregungen durch Fragen möglich ist, selbstständig Lösungen über die Grundfragen des Lebens zu finden.
Die Anlage Das Projekt “Denkmal an Darwin!“ – Der Gießener Evolutionsdenkpfad“ sieht einen zentral im Garten angelegten unidirektional geleiteten Weg von etwa 150m Länge auf ca. 200m2 Grundfläche vor. Der Weg besteht aus mit Muschelschalen und eiszeitlichem Geschiebe versetztem Sand und ist beidseitig von Bambus eingefasst, der eine Höhe von etwa 5m erreichen wird. Hierdurch ergibt sich ein geschlossener Raum, der die Spaziergänger und ihre Gedanken von der Außenwelt abschirmt und die Möglichkeit bietet, diesen Gedanken Raum und Zeit zu geben. Die in der Höhe zusammenneigenden Bambustriebe sollen in ihrer kathedralartigen Wirkung eine Atmosphäre schaffen, die den Dialog zwischen inneren Gedanken und externer Anregung durch Fragen erlaubt. Diese externe Anregung durch Fragen geschieht an 5 Stationen des Weges, an denen sich Fragetafeln befinden, jeweils 2 Sitzbänke laden ein, über diese Fragen nachzudenken. An 4 dieser Stationen, die historisch aufeinander aufbauen, symbolisieren Bronzebüsten Vertreter der verschiedenen Denkmodelle zur Erklärung des Lebens auf dem Weg hin zur Evolutionstheorie. Das Konzept
Station 1: Metaphysica. Nach Eintritt in den „Gießener Evolutionsdenkpfad“ und einem Weg von etwa 20m Länge stößt der Besucher auf eine Tafel mit 5-8 Fragen, die ihn ohne zeitlichen Kontext und ohne Bezug zur Frage Kreationismus oder Evolution mit den Grundfragen unseres Lebens konfrontiert. Als zentrale Frage wird stehen: Woher kommen wir? Mit diesen Grundsatzfragen angeregt erreicht der Besucher Station 2. Die MaterialienIn Anlehnung an Darwins Sandweg in Down House verwenden wir für den Weg Sand aus der Region. Dieser Sand wird mit Muscheln und eiszeitlichen Geschiebesteinen der Küste versetzt. Die Muscheln erinnern einerseits an die Arbeiten Darwins, andererseits repräsentieren sie die Evolution der Tiere. Geschiebesteine der deutschen Küste zeigen die Entwicklung der anorganischen Natur und ihre Beweglichkeit durch die Gletschertätigkeit während der letzten Eiszeit. Die Geschiebe repräsentieren die Kräfte der Darwinschen Selektion. Die Bepflanzung des Weges wird mit einer Bambusart (Phyllostachys bissetii) erfolgen. Bambus wurde gewählt, weil er einer der auffälligsten Organismen ist, an denen natürliche Auslese erklärt werden kann. Viele Arten der Gattung blühen in Zeiträumen von 60-100 Jahren: „In seinem Buch: „Darwin nach Darwin“ beschreibt der Evolutionsbiologe Steven J. Gould einen Bambus mit dem Namen Phyllostachys bambusoides, der im Jahre 999 in China blühte. Mit unweigerlicher Sicherheit ungefähr alle 120 Jahre blühte er seitdem und setzte Samen an. P. bambusoides hält diesen Zyklus ein, wo immer die Pflanze wächst. Ende der 1960er Jahre blühten japanische Pflanzen (die selbst Jahrhunderte früher aus China importiert worden waren) gleichzeitig in Japan, England, Alabama und Rußland.“ Bei dieser Pflanze folgt also die geschlechtliche Reproduktion regelmäßig auf über ein Jahrhundert vegetativer Fortpflanzung. Offensichtlich wird die Blütezeit durch eine innere Uhr synchronisiert, denn es ist kein Umweltfaktor bekannt, der in dieser Periodizität auftritt. Die plausibelste Erklärung für dieses Phänomen ist für Gould das Prinzip der natürlichen Auslese. Bambussamen sind für eine Vielzahl von Organismen eine besonders schmackhafte Nahrung, die sie in großen Mengen vertilgen. Deshalb muß die Reproduktionsperiode so beschaffen sein, daß sich die Räuber nicht an die Zyklen anpassen können, denn dann wäre der Bambus vermutlich längst ausgestorben.“ |