Verbale Höflichkeit in Erwerb und Gebrauch des Deutschen als Fremd-/ Zweitsprache: pragmatische Routinen und sprachliche Mittel
Leitung: Karin Madlener-Charpentier
Mitarbeit: Xiaoting Ma
Kooperationen: T. Ackermann (Bielefeld); A. Ender (Salzburg); K. Siebold (Marburg); K. Wieland (Halle)
Status: Antrag und Pilotstudie in Vorbereitung
Sprachliche Höflichkeit dient in kritischen kommunikativen Situationen der Vermeidung von Gesichtsverlust und Konflikt. Nutzer:innen des Deutschen als Fremd-/Zweitsprache (DaFZ), die grammatische Korrektheit erreichen, aber Höflichkeitskonventionen nicht angemessen berücksichtigen, laufen Gefahr, als unhöflich stereotypisiert und ausgegrenzt zu werden. Das Projekt entwickelt Instrumente zur Erfassung pragmatischer Kompetenzen im Bereich verbaler Höflichkeit mit Fokus auf gesichtsbedrohenden Sprachhandlungen wie Ablehnungen, Absagen, Kritik und Beschwerden.
Ziel ist es, detailliert zu beschreiben, (1) welche sprachlichen Mittel und Strategien der verbalen Höflichkeit Sprecher:innen des Deutschen für die Realisierung spezifischer Sprachhandlungen einsetzen und (2) welche mikro- und makrosozialen Faktoren ihre Wahl sprachlicher Mittel beeinflussen (z.B. Hierarchie/Bekanntheit zwischen den Beteiligten); (3) über welche Bandbreiten sprachlicher Mittel und Strategien verbaler Höflichkeit DaFZ-Sprecher:innen verfügen (sog. pragmalinguistische Kompetenzen) und (4) ob sie diese Mittel je nach Kontext angemessen und flexibel einsetzen können, d.h. ob sie auf mikro- und makrosoziale Faktoren angemessen reagieren können (sog. soziopragmatische Kompetenzen).
Eine szenariobasierte kontrastive Analyse präferierter kommunikativer Muster und sprachlicher Ressourcen von DaFZ- vs. erstsprachlichen Sprecher:innen beleuchtet Herausforderungen auf verschiedenen Kompetenzniveaus und erlaubt die Ableitung zielgruppenspezifischer Vermittlungsbedarfe.