Gyp als 'Agent Provocateur' einer Epoche im Umbruch
Eine Autorin zwischen Antisemitismus und weiblichem Liberalismus (im Zeichen einer (Anti-)Moderne)
Sur les pas de GYP 📚🔍

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Herzlich Willkommen auf dieser digitalen Plattform, die im Rahmen des von der DFG geförderten Forschungsprojekts Gyp als 'Agent Provocateur' einer Epoche im Umbruch: Eine Autorin zwischen Antisemitismus und weiblichem Liberalismus (im Zeichen einer (Anti-)Moderne) entsteht.
Das am Institut für Romanistik (JLU Gießen) angesiedelte Projekt wird von Prof. Dr. Kirsten von Hagen (Französische und Spanische Literatur- und Kulturwissenschaft) geleitet.
Ziel dieser digitalen Plattform ist es, historische Forschung und biografische Verortung zu der wenig bekannten Autorin Gyp in einer interaktiven Ausstellung zu vereinen. Um dem „Vergessen weiblicher Genealogien“ (Irigaray 1989) aktiv entgegenzuwirken, machen wir nicht nur das Ergebnis, sondern auch den prozesshaften Charakter unserer drei Projektworkshops - mit besonderem Fokus auf den Workshop in Nancy - sichtbar. So entsteht ein Raum, der literarische Vergangenheit und gegenwärtige Aufarbeitung zusammenführt.
Über das Projekt
Gyp, bürgerlich Sybille-Gabrielle Marie-Antoinette de Riquetti de Mirabeau, Comtesse Martel de Janville (1849-1932), war eine der erfolgreichsten und bekanntesten Autorinnen im Paris der Belle Époque. Sie stammte aus französischem Adel und verwendete das von ihr selbst als „männlich“ bezeichnete Pseudonym Gyp. Als Verfasserin von rund 100 Romanen und 30 Theaterstücken, als Pamphletistin, politische Kommentatorin, Karikaturistin und Salonnière war sie eine der meistbeachteten Akteurinnen innerhalb des literarischen Feldes. Heute gehört sie jedoch zu den vergessenen Autorinnen, deren breites Œuvre von der Forschung kaum wahrgenommen wird.
Workshop 1 (21.-22. Mai 2025, Gießen)
Gyp, Autorin der Belle Époque | Gyp, auteure de la Belle Époque
Der erste Projektworkshop widmete sich Gyps besonderer Stellung als weibliche Autorin der Belle Époque als einer Epoche im Umbruch. Im Mittelpunkt stand ihre Funktion als Akteurin einer literarischen Moderne und als "agent provocateur" sowohl im Zeichen einer Ästhetik des Spektakulären, als auch im Kontext zeitgenössischer Diskurse um Weiblichkeit und Geschlechter bzw. Körperkonzepte.
Workshop 2 (04.-05. November 2025, Gießen)
Gyp und die Dreyfus-Affäre | Gyp et l'affaire Dreyfus
Der zweite Workshop betrachtete im Kontext der Dreyfus-Affäre, wie Gyp als Wortführerin der Anti-Dreyfusards zum Medienphänomen und zu einer zentralen Akteurin am Schnittpunkt zwischen literarischem, politischem und intellektuellem Feld avancierte. In diesem Zusammenhang wurden zentral die Figur des (in der Regel männlich definierten) "Intellektuellen" sowie die Bedeutung der Presse und speziell des Medienskandals in Hinblick auf Gyps schriftstellerische Positionierung und ihre écriture untersucht.
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Workshop 3 (02.-03. Juni 2026, Nancy)
Gyp als Memoirenschreiberin: Zwischen Weltlichkeit und Moderne | Gyp mémorialiste : entre mondanité et modernité
Der dritte Workshop beschäftigte sich mit Werk und Leben von Gyp unter dem dynamischen Spannungsgeld von Mondänität und Modernität: Die Beiträge untersuchten, wie sich in ihrem Schreiben der Übergang zur Moderne widerspiegelt, während sie gleichzeitig durch Mode, Politik etc. als anti-modern verortet wird. Auch wurde ihr Œuvre dabei besonders aus der Perspektive der Erinnerungskultur (als mémorialiste) beleuchtet mit Fokus auf ihren autobiographischen Roman Souvenirs d'une petite fille (1927).
Impressionen
Stadtführung durch Nancys Altstadt (vieille ville)

... und Gyps Kindheitshaus (1852-1869)
8 Pl. de la Carrière, 54000 Nancy
Über Nancy: eine Jugendstil-Stadt
Nancy, die einstige Hauptstadt der Herzöge von Lothringen, gilt als leuchtende Wiege des französischen Jugendstils (Art Nouveau), der hier durch die berühmte École de Nancy um Künstler wie Émile Gallé das Stadtbild tiefgreifend geprägt hat. Der berühmte Place Stanislas zählt neben dem Place de la Carrière und dem Place d'Alliance mit seiner barocken Architektur zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Doch neben dieser architektonischen Eleganz pulsiert in Nancy seit jeher ein reiches Kultur- und Geistesleben, das auch tief in der Literatur verwurzelt ist. Ein Bindeglied dieser Epoche ist die in Nancy geborene Schriftstellerin Gyp. Als unkonventionelle Autorin der Belle Époque fing sie in ihren satirischen Romanen und Dialogen den Geist einer sich rasant wandelnden Gesellschaft ein – genau jener Zeit, in der Nancy sich neu erfand und zu einem intellektuellen Zentrum an der Grenze zu Deutschland aufstieg.
Kontakt
Prof. Dr. Kirsten von Hagen (Institut für Romanistik)
Jasmin Velten (Institut für Romanistik)

Bildnachweise:
Gyp.jpg, Public domain / Wikimedia Commons
Giovanni Boldini, Countess de Janville.jpg, 1894 / Wikimedia Commons
Bob (Sibylle Gabrielle Riquetti de Mirabeau), Le scandale de Panama. Caricature antisémite de Cornelius Herz par Bob, late 19th century / Wikimedia Commons






